Mittwoch, 8. Juli 2026

metropolcon Berlin


Fünf Tage Berlin und wenn ich in mein Handy gucke, gibt es nur einzelne Beweise dafür.Denn auch wenn man es nicht glaubt, man hat kaum Zeit für Fotos.
Man ist vertieft in Gespräche, man lauscht den Panels oder lässt sich in der Situation einfach mal treiben. Vier Tage am Stand des Weltenportals haben gezeigt, es gibt wahrlich Interesse an dem gedruckten Wort und einem Magazin gibt, das sich als Grenzgänger zwischen den Genres sieht.
Neben schon bekannten Gesichtern, war es schön, auch einmal mit Menschen zu sprechen, die man bisher nur online kannte.
Die Lokation ist ein gar zauberhafter Ort, der auch die kreativen Energien wieder aufgeladen hat. So viele Gedanken und Erinnerungen sprudeln durch meinen Kopf, dass ich es kaum schaffe, sie zu sortieren und ihnen ihre Berechtigung zu geben.
Nebenbei hat das Weltenportal auch sein fünften Geburtstag gefeiert. Passend dazu ist eine Zusammenstellung aus den ersten sieben Ausgaben erschienen, die man neben dem Magazin erwerben kann. Die nächste Con in Dreieich steht im Oktober an. Und ganz vielleicht gibt es dann auch ein eigenes Buchprojekt.
Danke für die schönen Gespräche und danke an Chris, dass ich mitmachen darf.

Dienstag, 30. Juni 2026

Romain Gary "Lady L."

Eigentlich sollte es eine gemütliche Geburtstagsfeier werden. Nur Lady L., ihr Sohn, dessen Kinder und ihre Urenkel. Doch wie immer ist auch Percy, ein langjähriger Verehrer Lady L.s dabei und liegt ihr mit der gewünschten Biographie in den Ohren. Doch so oft sie ihm diesen Wunsch in den Jahren zuvor ausgeschlagen hat, dieses Mal ist etwas anders. Sie kann nicht mehr zurückhalten, wie sie geworden ist, was sie ist. Und doch ist es so gar nicht das, was Percy zu hören wünschte.

Auf gerade einmal 176 Seiten erzählt der Autor eine fantastische Geschichte darüber, was es bedeutet den Schein zu waren.
Im späten 19. Jahrhundert beginnt diese sehr eigenwillige Geschichte und zeigt, wie man zu etwas werden konnte, wenn man nur genügend Biss hatte. Und den hatte Lady L. Sie wurde trainiert in Sprache, Kultur und all den anderen Fähigkeiten, um sich in einer Gesellschaft zu bewegen, die so ganz fern ab von der ihren war. 
Die Erzählung wechselt zwischen ihren Erinnerungen und Percys Reaktionen, was oftmals dem Leser ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert, denn welcher Engländer hört gerne einem Hochstapler zu.
Der Text hat schon einige Jahre auf dem Buckel und das merkt man dem Schreiben an. Lange Sätze, viele Erzählabschnitte mit wenig wörtlicher Rede sind so ganz anders als der heutige Schreibstil.
Man muss sich darauf einlassen, denn die Geschichte und der Schluss-Gag lohnen sich wirklich.

4 von 5 Lebensweisheiten

Freitag, 26. Juni 2026

Anja Saskia Beyer "Das kleine Café am Meer"

Der Freund hat die Tasche gepackt und am nächsten Tag läuft der Arbeitsvertrag aus. Es ist kein guter Abend für Hannah, als sie eine Nachricht von einer alten Freundin erhält, die auf Mallorca lebt. Kurzerhand kratzt Hannah ihre letzten Euros zusammen und bucht einen Flug, quasi in die Vergangenheit. Denn Lucia ist ihre Kindheitsfreundin. Das Mädchen, mit dem Hannah die Ferien auf Mallorca jahrelang verbrachte, bevor der Job ihr Leben übernahm. Während Hannah unter dem Trennungsschmerz leidet, hat Lucia ganz andere Sorgen, die auch etwas mit dem gutaussehenden Sam zu tun haben.

Schöne, malerische Strände, kleine verwunschene Orte.
Mallorca ist mehr als Ballermann und Saufen. 

Die Autorin verwebt die Geschichten der insgesamt vier Frauen so gekonnt und zeigt dabei auch, wie oft man einander im Leben begegnen kann, ohne sich wirklich zu sehen. Das Prinzip des Ich-kenne-einen-der-einen-kennt wird hier an manchen Stellen ein wenig überreizt, aber letztlich laufen alle Geschichten zusammen und bilden ein gelungenes Ende. Wobei mir hier gut gefällt, dass es nicht für alle rosig ausgeht. Denn so viele Zufälle in diesem Buch vermeintlich passieren, viele Dinge wie z.B. Neid und Missgunst sind so alltäglich, dass sie in einem Buch vorkommen müssen, denn sonst wäre zu viel Friede, Freude, Eierkuchen.

Eine Geschichte, die Mut macht und zeigt, dass es keinen festen Fahrplan für das Leben gibt und man durchaus sein Glück finden kann. Wenn man es zulässt und mit offenen Augen und Herzen durch das Leben geht.

4 von 5 Orangen

Donnerstag, 25. Juni 2026

Autoreninterview Bastian Martschink

Hallo zusammen.
Ein neuer Monat und dieses Mal geht es wieder in das Krimi-Genre. Mein heutiger Interviewpartner hat den klassischen Whodunnit überarbeitet und ... Ach lest selbst ...

(Foto: Bastian Martschink (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Welches Buch hat den Ausschlag gegeben, dass du selber schreiben möchtest?
Ich habe wirklich unglaublich viele gute Bücher gelesen, aber ich könnte jetzt gar nicht dieses eine Buch nennen, von dem ich sagen würde: Genau das war der Auslöser, jetzt will ich auch schreiben.

Meine Leidenschaft fürs Schreiben war eigentlich schon sehr früh da. Im Studium ist sie dann durch die ganzen Bücher, die ich gelesen habe, noch mal stärker geworden. Ich muss da aber immer wieder zurückdenken an die Geschichten von Huckleberry Finn. Das ist natürlich ein ganz anderes Genre, und mein Finn hat mit dem Namen auch nichts zu tun. Aber ich fand Huckleberry Finn als Figur einfach cool: dieses Freiheitsgefühl, dieses Raus-in-die-große-Welt, dieses Quatschmachen und die Freundschaften. Top!

Welche drei Elemente sind wesentlich für dein Buchkonzept?
Leider kann ich hier nichts maximal Spektakuläres bieten. Ich habe keine komplett feste Vorstellung davon, wie am Ende alles aussehen muss. Ich lasse mich da gerne treiben, denn es muss sich für mich gut anfühlen. Ich schreibe das, worauf ich selbst richtig Lust habe, und hoffe dann natürlich, dass es anderen genauso geht.

Was mir aber wichtig ist: Am Ende muss es noch irgendwie scheppern. 😊 Ich mag es schon, wenn man am Ende hoffentlich überrascht wird. Das bekommt man nie im Leben bei allen Leserinnen und Lesern hin. Aber ich gebe mein Bestes. 😉

Wodurch ziehst du deine Inspiration?
Wodurch nicht? 😄

Ich habe keine bestimmten Orte, Vorbilder oder geheimnisvollen Inspirationsquellen. Ich spaziere durch die Welt und habe inzwischen natürlich einen ziemlich starken Fokus auf alles, was ich irgendwie für Thriller oder Krimis nutzen könnte.

Sobald ich etwas entdecke, notiere ich es mir direkt im Handy. Wenn ich dann über eine neue Buchidee nachdenke, schreibe ich alles aus diesen Notizen in mein OneNote, starre lange, lange drauf und hoffe, dass ich irgendwie eine sehr kreative Idee habe.

Wie kam es zu deiner Buchreihe um Finn Dever?
Lang, lang ist es her ... Ich habe die Reihe schon vor über fünfzehn Jahren angefangen zu planen, aber damals nie wirklich die Zeit gefunden, das Ganze auch umzusetzen. Vor ein paar Jahren habe ich dann aber tatsächlich angefangen zu schreiben, erstmal als Geschenk für meine Frau. Die hat mich danach motiviert, es doch einfach mal bei einem Verlag einzureichen. Und sie hat mir netterweise (und das meine ich wirklich absolut positiv, weil es sonst nie funktioniert hätte!) auch ziemlich knallhart gesagt, wo es im Manuskript noch hakt.

Der Rest war dann sicher auch eine Portion Glück. Es ist ja gar nicht so leicht, überhaupt sichtbar zu werden. Ich glaube, da draußen gibt es wahnsinnig viele tolle Bücher, die nie veröffentlicht werden, weil sie anhand von ein paar Seiten und einem Exposé vielleicht unterschätzt werden.

Wie schaffst du es, dir im Alltag die Zeit zum Schreiben zu nehmen?
Das Wichtigste ist und bleibt für mich die Familie. Die soll natürlich nicht zu kurz kommen, und deshalb muss sich alles andere irgendwie drumherum sortieren.

Das Schreiben funktioniert dann vor allem, weil ich sehr früh aufstehe und schreibe, bevor alle wach sind und der normale Familien- und Arbeitsalltag losgeht. Und ich habe aber auch einfach so viel Lust zu schreiben, dass ich mich wirklich jeden Tag hinsetze.

Das klappt sicher mal besser und mal schlechter. Aber ohne diese Leidenschaft (und damit auch so etwas wie Disziplin, auch wenn das immer direkt so mies negativ klingt 😊) würde es wahrscheinlich nicht gehen.

Arbeitest du gerade an einem neuen Fall für Finn Dever?
Es gibt einen Rohentwurf für Finn Dever 4, und ich finde die Geschichte wirklich klasse. Aber mit Band 3 ist die Trilogie abgeschlossen. Die großen Geheimnisse werden gelüftet, offene Fragen beantwortet und auch zwischenmenschlich wird sich einiges klären. 😉

Sollten die Verkaufszahlen explodieren, wird es sicherlich auch einen Band 4 geben, aber die Trilogie ist so für mich erstmal absolut rund.

Aber: Da ich Finn schon vor mehreren Jahren geschrieben habe, habe ich in den letzten Jahren bereits einen neuen Thriller fertiggestellt und versuche damit im Sommer mein Glück bei Verlagen.

Wie würdest du deinen Ermittler charakterisieren und welches Publikum sprichst du mit ihm an?
Ich habe versucht, einen Ermittler zu erschaffen, der etwas Neues mitbringt. Ich wollte keinen kaputten Typen mit tausend Problemen, sondern dass Finn eher locker, neugierig und sympathisch ist (falls jemand das nicht so wahrnehmt, lasse ich mich aber gerne korrigieren 😄). Gleichzeitig hat Finn die Fähigkeit, kurze Visionen aus der Vergangenheit zu sehen.

Dadurch wird er aber nicht zum Superhelden, denn er kann diese Fähigkeit nur selten einsetzen. Und selbst wenn er etwas sieht, weiß er dadurch noch lange nicht, wie ein Mensch wirklich tickt oder was jemand alles verbirgt. Für mich war wichtig, dass dadurch neue Ermittlungssituationen entstehen, überraschende Dinge mit ihm passieren, der Fall aber trotzdem ein Rätsel bleibt.

Ich hoffe, damit Leserinnen und Leser zu finden, die Wendungen, Miträtseln und Spannung mögen (oh Mann, klingt jetzt katastrophal generisch … ist aber so 😊). Und ich hoffe natürlich, dass ich rund um Finn auch noch eine faszinierende Welt erschaffen habe. Mit lockerem Charme, Humor, Neugier und einer kleinen Portion Coolness.

Wer neugierig ist, kann hier mehr über Bastian erfahren:
instagram.com/finn.dever.official
golkonda-verlag.com/bastian-martschink-finn-dever

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Montag, 22. Juni 2026

Aurelia L. Night "Fabula Magicae 2"

Eigentlich wollte Mia gar nicht zurück, doch Liam hat nicht mit sich reden lassen. Sie muss in ihre Welt zurückkehren, doch dort ist nichts mehr so wie es einmal war. Sie galt als vermisst und ihre Eltern haben sich getrennt. Ein Hin und Her zwischen Hier und Dort, doch es ist, wie es ist: Mia muss zurück zu Liam, denn es gilt eine Welt zu retten … und auch Liam.

Während der Prolog dieses Mal auf einen anderen Blickwinkel der Bücherwelt deutet, ist es schon so, dass die Autorin die losen Fäden aus dem ersten Band gelungen auflöst. Neben der eigentlichen Geschichte rund um die Bücherwelt baut sie im zweiten Band die Liebesgeschichte stärker aus und auch die Nebenschauplätze werden gut gespielt. Stand im ersten Band hauptsächlich Narnia im Fokus finden sich in diesem Band auch andere Erzählungen, wie z.B. Märchen. Alles, was uns aus diesen Texten, wie z.B. Neid, Verrat oder der Wunsch nach Macht bekannt vorkommt, kommt in dem zweiten Band der Dilogie zu seinem Abschluss.


3 von 5 Reichen

Frank Goldammer "Strandopfer"

An der deutsch-polnischen Grenze wird eine Leiche gefunden. Doch was im ersten Moment wie ein Badeunfall aussieht, stellt sich bei genauerer Betrachtung als ein verdächtiger Todesfall heraus, denn im Rachen des Opfers findet sich ein geschliffener Bernstein. Während sich die polnische und deutsche Polizei noch über die Vorgehensweise streiten, wird klar, dass auch noch ein Kind verschwunden ist. Und das werden nicht die einzigen Verbrechen bleiben ...

Frank Goldammer versteht es mit Vorurteilen zu spielen. Arm - reich, deutsch - polnisch, Mann - Frau. In fast jede Beziehung bringt er eine Dynamik, die durch Vorwürfe und Informationszurückhaltung geprägt ist. Als Leser sind wir nah bei der deutschen Polizistin, die sich mit der Sprachbarriere zu ihren Kollegen und der Zurückhaltung von Informationen zurecht finden muss. Ihre privaten Probleme aus der Vergangenheit überlappen sich mit den Ermittlungen und der Autor zeigt auf, wie sehr Menschen zu manipulieren sind. Denn eins ist klar, ohne Informationen gibt es keine Ermittlungen und ohne Beobachtungen keine Darstellung, die halbwegs neutral ist.
Über vierhundert Seiten führt uns der Autor über verschiedene Pfade vermeintlich immer näher an die Lösung, um uns dann doch wieder in eine ganz andere Richtung zu lenken. Denn wie es bei Geheimnissen so ist, hat man erst eins geschaffen, folgen meist weitere und dies ist selten von Vorteil.
Ein Krimi, der neben seiner eigentlichen Handlung viel über die Geschichte von Deutschland, DDR und Polen erzählt und zeigt, dass die Vergangenheit oftmals sehr präsent ist.

4,5 von 5 Kriminalfällen

Samstag, 20. Juni 2026

Astrid Lindgren "Pippi - Das stärkste Mädchen der Welt"

Astrid Lindgren gilt bis heute als eine der Kinderbuchautorinnen - zu recht.
Denn mit ihren zumeist kleinen Heldinnen und Helden hat sie nicht nur die Kinderherzen im Sturm erobert, sie schafft es auch die Erwachsenen zu beeinflussen. Mit ihren vielen kleinen und großen Wahrheiten zeigt sie, dass wir Erwachsenen nicht nur vergessen haben, was es heißt, unbeschwert wie ein Kind zu sein, sondern uns in unseren Denkweisen auch gerne einmal verzetteln.

Das neue Buch ist in zehn Kapitel unterteilt, die zehn Charaktereigenschaften von Pippi zeigen. Jedes Kapitel ist mit einer kleinen Einleitung versehen, woraufhin eine Textpassage aus den originalen Pippi-Büchern folgt. Untermalt sind die Geschichten mit den allerersten Illustrationen von Ingrid Vang Nyman. Schlicht gehalten mit einer ausgewählten Anzahl an Farben legt das Buch wert auf eine schöne Umsetzung, doch viel wichtiger für die kleinen und großen Kinder sind die mutmachenden Eigenschaften. Wie kann man stark oder liebenswert sein?
Doch nicht nur Bilder und Texte findet man in dem Buch. Kleine Spiele, Bastel- oder auch Gesprächsideen runden das Buch wunderschön ab, denn Pippi hat für fast alles einen Rat, obwohl sie noch so jung ist.
Ein Buch für groß und klein, mit dem wichtigen Hinweis, alle Menschen sind etwas Besonderes.

5 von 5 starken Mädchen

Freitag, 19. Juni 2026

Aurelia L. Night "Fabula Magicae 1"

Als ihr Großvater stirbt, ist Mia am Boden zerstört.
Ihre Eltern sind ihr nicht nah und so will sie den Tod einfach nicht akzeptieren.
Doch beim Amtsgericht erhält sie bei der Eröffnung des Testaments ein Buch, das ihr Leben verändern wird.
Fortan lebt sie - im wahrsten Sinne des Wortes - in diesem Buch, bis sie flüchten muss.

Es handelt sich um den ersten Band einer Dilogie, die sich in die Tradition von Narnia, Tintenherz und Co. stellt.
Mia erwacht in einer Welt, die so ganz anders ist als die unsere und muss hier Abenteuer bestehen, um sich vom Kummer zu befreien und die Welt zu festigen.
Der Kampf zwischen Gut und Böse steht hier wie bei vielen Büchern dieses Genres im Mittelpunkt und wünscht sich oftmals, dass die Autorin ein wenig mehr von ihrer eigenen Kreativität eingebracht hätte. Oftmals wirkt es wie ein modernisiertes Narnia und nicht wie eine eigenständige Reihe.
Der Schreibstil zieht den Leser schnell in die Handlung und mit dem berühmten Cliffhanger endet der erste Band.

3 von 5 Reichen

Dienstag, 16. Juni 2026

Ben Kryst Tomasson "Sylter Neid"

Nach dem letzten Fall hatte Jonas seiner Frau Kari eigentlich das Versprechen abgenommen, dass sie sich in der Elternzeit nur um die kleine Tochter kümmern und die Finger von ihrer LKA-Tätigkeit lassen soll. Doch wie immer spricht wieder etwas dagegen, dieses Mal in Form ihrer Mutter. Ihr alter Studienkollege besitzt eine Schönheitsklinik auf Sylt und seit einiger Zeit verschwindet Botox aus verschlossenen Schränken. Schnell ist die Häkelmafia aktiviert und Kari fährt mit Lotte auf die Insel. Sehr zum Verdruss ihres Mannes. 

Wie schon in den früheren Büchern ist es auch dieses Mal erneut so, dass die Handlungsstränge von Jonas und Kari sich überschneiden und wie jedes Mal zittert man beim Lesen mit, ob sie auch im aktuellen Fall ihre Beziehung verheimlichen können.

Mit dem elften Band ist es wie ein nach Hause kommen. Man kennt die Charaktere und trotzdem schafft es der Autor sie fortwährend weiterzuentwickeln.

Auch bei den neuen Figuren ist es nie so, wie es im ersten Augenblick scheint und somit hat der Autor bei allen Beziehungen noch ein Ass im Ärmel. Während der Leser immer tiefer in die Geheimnisse eintaucht, erzeugt der Autor Gefahrensituationen, die nachvollziehbar und nicht so übertrieben sind, wie es bei Filmen oder Thriller oft der Fall ist.

Die Fachinformationen lesen sich fundiert und lassen den Leser somit auch jedes Mal in eine andere reiche Welt von Sylt eintauchen.

4 von 5 Injektionen

Freitag, 12. Juni 2026

Amy Bloom "Meine Zeit mit Eleanor"

Ein paar Tage vor Kriegsende, im April 1945, schleppt sich eine Frau nach der Beerdigung ihres Mannes in die Wohnung ihrer Freundin. Bei der Frau handelt es sich um Eleanor Roosevelt, die Freundin heißt Lorena Hickok. In Rückblenden erzählt Lorena ihr Leben vor Eleanor, während sie die Beileidsbekundungen zum Tod von Franklin D. Roosevelt sichten. Kennengelernt haben sie sich 1932 als Hickok in das Weiße Haus als Hausreporterin einzog. Schnell entdecken die beiden Damen die Harmonie zwischen sich und unternehmen auch private Ausflüge und mehr.

Das Buch "Meine Zeit mit Eleanor" ist ein Roman. Was sich zeitweilig wie ein historisches Sachbuch liest, ist eine Erzählung über das Leben zweier Frauen in den 1930er und 1940er Jahren in Amerika. Ein flüssiger Schreibstil, der als Tagebuch gegliedert ist, bringt den Text schnell näher. Beide Frauen haben vor ihrer Begegnung schon viel mitgemacht und es zeigt sich, wie gerade zu dieser Zeit die Sicht auf die Frau war. Um vieles wurde noch gekämpft, teils gemeinsam, teils gegeneinander.
Die Erzählung zeigt aber auch, wie es zwei Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensläufen schaffen, miteinander klar zu kommen und sich vielleicht gerade wegen ihrer Unterschiede sehr nah sein konnten.

Dadurch dass es sich um eine Erzählung handelt, ist es schwer, zu unterscheiden, was Realität z.B. F. D. Roosevelts Beziehungen und was Fiktion ist, hier die intensive Beziehung zwischen Eleanor und Lorena. Hier hätte ich ein Nachwort mit einer entsprechenden Einordnung gut gefunden.

Weitere historische Ereignisse spielen eher eine untergeordnete Rolle und werden nur erwähnt, wenn es die Erzählung berührt.
Ein nachdenklich stimmendes Buch, dass einen Einblick darüber gibt, wie menschliche Beziehungen funktionieren und warum dies nicht für alle gleich ist.


4 von 5 Tagebüchern 

Dienstag, 9. Juni 2026

Sarah Perry "Nach mir die Flut"

Immer ist John allein. Zuhause, im Antiquariat. Einfach immer. Eines Tages hält er es nicht mehr aus und beschließt seinen Bruder zu besuchen. Doch er kommt nie an. Auf der Fahrt hat er eine Panne und er muss sein Auto stehen lassen. An einem Haus will John um Hilfe bitten, doch stattdessen wird er wie ein verlorener Sohn aufgenommen. Denn er wurde bereits erwartet.

Immer wieder nehme ich mir vor, Kammerspiel-Bücher zu lieben und doch schaffe ich es nicht.
Dabei gibt sie die Autorin mit verschiedenen Erzählperspektiven, dem Einsatz eines Tagebuches und sehr unterschiedlichen Charakteren viel Mühe den Leser mit Eindrücken zu überraschen.
Doch gerade die Perspektivwechsel machten es mir schwer der Handlung zu folgen. John wird wie selbstverständlich in das Geschehen des Hauses eingebunden und doch hängen so viele Zweifel in der Luft, dass man sich wundert, dass die Geschichte so verläuft, wie sie verläuft.

Abseits dessen ist es eine angenehme Sprache und die Figuren sind individuell gestaltet.

3 von 5 Häusern

Samstag, 6. Juni 2026

Megan Hopkins "Starminster - Stadt in den Wolken"

Astrid lebt mit ihrer Mutter auf einem Hof. Wobei, so ganz stimmt das nicht, denn Astrid lebt in einem Rhabarber-Schuppen, den ihre Mutter immer hinter sich abschließt. Warum sie Astrid fortwährend einschließt, ist unklar, denn es ist Astrids größter Wunsch die Sterne zu sehen. Eines Abends wird sie von einer geheimnisvollen Frau abgeholt und nach Überlondon gebracht. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn ihre Mutter sucht sie und gleichzeitig soll sie die berühmte Schule Starminster besuchen, um das Fliegen zu lernen.

So ziemlich jede Geschichte, die in England spielt und mit Schulen und Magie zu tun hat, wird mit Harry Potter verglichen. Was gab es in der Serie schon, ist die neue Reihe zu ähnlich oder wodurch zeichnet sie sich aus?
Abgesehen von der Fähigkeit zu fliegen, was hier aber auch eher biologisch erklärt wird, gibt es kaum Parallelen. Natürlich ist das Setting eine Schule und der Unterricht ist eines der Kernthemen, doch spielen hier Themen wie Klimawandel und Ökosysteme eine wesentliche Rolle. 
Astrid kommt als neue Schülerin in eine Welt, die sich von ihrer alten in jeglicher Hinsicht unterscheidet. Die Weiten, die Menschen, die Gerüche, die Aufgaben, alles ist erstmal zu viel, da es sonst nur sie, ihre Mutter und den Rhabarber-Schuppen gab. 
Die Autorin schafft es, eine verunsicherte Protagonistin zu einer mutigen zu machen und so dem jugendlichen Publikum zu zeigen, wie man Stärken entwickelt und auch Freunde gewinnt. 
Die Alterseinschätzung ab elf Jahren finde ich zutreffend, da das Buch schon einen gewissen Wortschatz voraussetzt, um alle Anspielungen zu verstehen.

4 von 5 Schwingen 

Freitag, 5. Juni 2026

Julie Caplin "Ein Wiedersehen im Sommer"

Ein weiteres Mal geht es in das beschauliche Dorf Wilsgrave. Inzwischen ist der Sommer in dem kleinen Dorf eingezogen und trotzdem gibt es dunkle Wolken am Horizont. Denn Jack will nichts mehr von Bets wissen, so scheint es zumindest. Die Zeit in Bristol hat die beiden voneinander entfernt und doch ist es komisch, als Jack zurück in das Dorf zurückkehrt. Denn die Anziehung ist noch da und trotzdem sind die beiden nicht mehr dieselben wie zuvor.

Im zweiten Band der Country Escapes Reihe finden wir uns in dem beschaulichen Dorf Wilsgrave wieder. Es ist einige Zeit nach dem ersten Band vergangen und doch sind wir als Leser wieder schnell mitten im Dorfgeschehen. Die kleinen Cliquen, die Zugehörigkeiten, all das hat sich seit dem ersten Band nicht sonderlich verändert und doch ist das Gefüge durch die Rückkehr von Jack gestört. 

Es geht um das emotionale Wachsen, das für sich Einstehen und auch ganz viel darum, wie es ist, wenn man früh mit jemanden zusammenkommt. Ist man ein Individuum oder ist man nur Teil eines Paares? Ohne es zu psychologisch anzulegen, zeigt die Autorin anhand des Dorfgeschehens, wie es ist, wenn es kaum Geheimnisse gibt und jeder bei allem mitreden muss. Denn eigentlich ist man nicht allein und eigentlich kann man auch nichts entscheiden, denn alle reden mit. Genau das ist die Stärke dieses Bandes. Die Autorin zeigt, wie nah Zuneigung und Übergriffigkeit nebeneinander liegen und dass man nicht zu viel auf das Umfeld, sondern mehr auf das gute, alte Bauchgefühl hören sollte.

4 von 5 Sommerblumen

Donnerstag, 4. Juni 2026

Barbara Alderwood "Portley - Der letzte Bissen"

Die Ehe ist am Ende, als Jennifer sich entschließt mit ihrer Tochter Nelly zu ihrer Tante Anne nach Portley zurückzukehren. London den Rücken zu kehren fällt Jenny leicht, Nelly eher nicht. So sind die ersten Konflikte vorprogrammiert und neben Pasties gehen auch die Gefühle hoch.
Diese Meinungsverschiedenheiten sind aber nichts gegen den Toten, der an der Hafenmauer hinabsinkt, nachdem er von einer Pasty gekostet hat.
Zufall? Oder war der Streit zuvor die Ursache?

Cosy crimes haben sich in den letzten Jahren einen Platz in der Krimiszene gesichert.
Weit ab von den blutrünstigen Thrillern und auch etwas abgegrenzt von den klassischen Krimis bieten sie mit ihrem Fokus auf Atmosphäre, Gemütlichkeit und den Verbindungen zwischen den Charakteren eine dritte Gattung einen Mord zu erzählen.
Malerisch in Cornwall gelegen, mit einem Hauch von Geschichte und echten, handfesten Charakteren zeigt der ersten Band um "Portley" die Qualitäten auf, die es für einen guten cosy crime braucht.
Der Fall spielt eine nicht zu geringe Rolle und doch sind es andere Rätsel und das Erkunden der Charaktere was im wirklichen Fokus steht. 
Gelungene Dialoge, die eine oder andere tollpatschige Entscheidung und wir sind mittendrin im Geschehen. Eine Prise Lokalkolorit, Nostalgie und ein dummer Constable fertig sind die Zutaten für den Start einer neuen Reihe.

4 von 5 Detektivinnen

Mittwoch, 3. Juni 2026

Matthias Bürgel "Schrei nach Rache"

Vier deutsche Flughäfen, keine kleinen, ein Profiler, der eingeschränkt ist, und vier Leichen, die sich nur darin gleichen, dass sie übel zugerichtet wurden. Zumindest scheint es so. Denn wie so oft ist der erste Eindruck oftmals nicht der vollständige und trotz der guten Datensicherung sind es Kleinigkeiten, die den Fall verzwickt machen.
Falk Hagedorn sitzt nach einem dramatischen Fall im Rollstuhl. Endgültig. Somit ist seine aktive Zeit beim LKA vorbei und er hängt dieser Zeit nur in gewissen Momenten nostalgisch nach. Sein neuer Arbeitsbereich fordert ihn derweil voll und ganz, zumal auch seine Zukunft auf der Kippe steht ...

Bei Krimis oder in diesem Fall Thrillern finde ich es wichtig, dass das Buch richtig beworben wird. Denn ein Krimi ist kein Thriller und ein Thriller ist kein Krimi.
Somit geht man als Leser an die Texte auch mit unterschiedlichen Vorstellungen ran. Während ein Krimi oftmals als Puzzle fungiert, zeichnen sich Thriller durch Manipulation und einer gesteigerten Grausamkeit aus. So auch in diesem.
Die Menschen sterben in diesem Thriller nicht einfach nur, sie werden gequält und die Ideologie, die hinter den Morden steckt, ist nahezu perfide. Mit verschiedenen Figuren und deren jeweiligen Blickwinkel lässt der Autor den roten Faden immer wieder verschwinden, um ihn dann an einer ganz anderen Ecke erneut auftauchen zu lassen. Der Fall ist geprägt von Zeitdruck, emotionaler Befangenheit und zahlreichen Vorurteilen, denn nichts ist, wie es scheint. Spuren werden gelegt, um verwischt zu werden und gleichzeitig legt der Autor wert darauf, dass vieles erdacht und eben nicht der Alltag der Polizei ist.
Fühlt man sich gerade sicher, alles entdeckt zu haben, findet der Autor noch eine Möglichkeit, den Leser kalt zu erwischen, denn Rache ist das schlimmste Motiv von allen.

4 von 5 Erkenntnissen

Donnerstag, 28. Mai 2026

Autoreninterview Oliver Baier

Hallo zusammen.
Krimis und gerade jene mit Lokalkolorit liest man immer wieder gerne. So darf ich euch heute einen Autor vorstellen, dessen Krimi in Frankfurt am Main spielt.


(Foto: Oliver Baier (privat), Grafik: Maximilian Wust)

"Frankfurt Beats" wird jetzt ein Jahr. Wie hast du dieses Jahr erlebt?
Es war ein sehr aufregendes Jahr mit meinem Debüt. Ich habe viele wunderbare Menschen kennengelernt, die mir offen und interessiert begegnet sind. Eine große Überraschung war die Nominierung für den "Harzer Hammer", einen Preis, der ThrillerdebütantInnen verliehen wird. Für den Preis hat es am Ende nicht gerreicht, aber es hat sich schon sehr gut angefühlt. Kurz vor der Veröffentlichung war ich als Weinschreiber mit einem Residenzaufenthalt in Eltville - ein tolles Gefühl, als Autor wahrgenommen zu werden. Ich wurde für einen Bloggendenevent nach Bad Ragaz in die Schweiz eingeladen, was ich niemals erwartet hätte. Aber auch die vielen Lesungen an unterschiedlichen Orten und mit den unterschiedlichsten Erfahrungen haben in mir den großen Wunsch nach mehr ausgelöst. 

Warum meinst du ist Lokalkolorit für ein Buch so wichtig?
Generell handelt jedes Buch irgendwo und Atmosphäre einzufangen ist Teil des Leseerlebens. Mir war es aber wichtig ein Gefühl zu transportieren, welches über die Beschreibung klassischer Hotspots hinausgeht und auch Lesende zu begeistern, denen ein bisher unbekanntes Frankfurt dennoch zu einem Ort wird, der lebendig, ambivalent und in meinem Genre auch voller Spannung und Emotionen wirkt.

Erzähl doch einmal, wie kam es zu "Frankfurt Beats"?
Vor meinem Debüt habe ich schon einige Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlichen können und wollte nach einem Regiokrimi in einem Autorenkollektiv einen eigenen Roman schreiben. Zuerst war Milan da, eine Figur, die mir am Frankfurter Hauptbahnhof begegnet ist und den ich eine eigene Geschichte erzählen lassen wollte. Zunächst war ich sehr freundlich mit ihm, aber für den Thriller musste ich ihm leider einiges vor die Füße werfen. Frankfurt beschäftigt mich schon mein ganzes Leben, ich mag es in dieser Stadt zu sein und das zu beobachten, was passiert. Alle Kontraste treffen hier aufeinander, die Stadt kann international, aber auch ganz klein sein in verschiedenen Ecken.
Die Verlagssuche ist für Debütautoren eine große Herausforderung, die mein Verleger Gerd Fischer mit mir realisieren wollte und dann konnten die Beats bei mainbook erscheinen.

Wann nimmst du dir die Zeit zum Schreiben?
Da ich freiberuflich mehr als Vollzeit arbeite, kann ich dies, wie viele AutorenkollegInnen nur in den Abendstunden oder am Wochenende einrichten, aber das ist für mich absolute Qualitytime. Meine kleine Tochter hat außerdem viele Trainingszeiten, in denen ich warten muss und das in Cafés oder sogar bei McDonalds mit dem Schreiben überbrücken kann. Ich darf dabei nur die Abholzeiten nicht vergessen ...

Arbeitest du am einer Fortsetzung? Oder bist du eher an einem anderen Thema interessiert?
Aktuell arbeite ich an einer neuen Serie rund um ein Frankfurter Ermittlerteam. Es unterscheidet sich daher etwas von den Beats, bei denen keine Ermittelnden im Vordergrund stehen. Die Kulisse Frankfurt ist dabei aber auch wieder eine großartige Inspiration für mich. Generell sind aber die Beats für mich nicht unbedingt auserzählt. Mal schauen, ob es in dieser Richtung noch zu einer Fortsetzung kommt. An Ideen für andere Projekte mangelt es mir zum Glück bisher nicht.

Auf welchen Veranstaltungen kann man dich bis zur Frankfurter Buchmesse sehen?
Meine Zeit ist mit Schreiben gerade sehr ausgefüllt, da ich gerne den Weg mit einer Literaturagentur gehen möchte und da auch ein gut ausgearbeitetes Manuskript mit weiteren Teilen anbiete. Gerade komme ich aus Salzburg von der Criminale, einem Jahrestreffen des Syndikat e.V (der Autorenvereinigung deutschsprachiger KrimiautorInnen), bei der ich auch zu einer Jurytätigkeit für den renommierten Glauserpreis berufen worden bin. Aber auf der Frankfurter Buchmesse werde ich auf jeden Fall vertreten sein. Vielleicht ergibt sich ja noch bis dahin eine Lesung mit den Beats - da ich interessanterweise immer noch nicht in Frankfurt lesen konnte, verrückt, oder?

Mit welchem Autor könntest du dir eine Zusammenarbeit vorstellen?
Im Duo zu schreiben stelle ich mir sehr aufregend vor und vielleicht ergibt sich ja irgendwann die Möglichkeit dies zu tun. Ich habe so viele AutorInnen, die ich schätze und mit denen es eine große Ehre wäre gemeinsam zu schreiben. Teamarbeit ist mir ja in meinem therapeutischen Setting nicht fremd.
Aktuell habe ich aber mit meinem Soloprojekt genug zu tun und möchte mir damit erstmal einen eigenen Namen machen.

Wer neugierig ist, kann hier mehr über Oliver erfahren:
instagram.com/oliverbaier.autor
oliverbaier.eu

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Tristan Palmgren "Marvel Heldinnen: Domino auf Abwegen"

Jede Geschichte hat einen Anfang und ein Ende. Gerade bei Helden und Heldinnen meint man schnell, es wäre immer schon alles so gewesen. Doch mitnichten.
Denn auch die Glorreichen haben dunkle Kapitel in ihrem Leben und von einem dieser erzählt das Buch. Vorab sei gesagt, dass ich anfangs dachte, dass es sich bei diesem Buch auch um einen Comic handelt und so war meine Enttäuschung anfangs groß, als ich mit diesem Roman begonnen habe.
Doch unabhängig der Umsetzung handelt es sich um eine spannende Erzählung, die auf mehreren Zeitebenen spielt. 
Wie wurde Domino zu dem Charakter, der sie heute ist? Was hat sie beeinflusst?
Diese Fragen sind es, die der Autor ergründet und der Figur Tiefe und Stärke gibt.
Der Wechsel zwischen den Zeitebenen, der Schreibstil und auch die Formung des Charakters zeigen, dass der Autor durchaus sein Handwerk versteht, doch trotz allem bleiben diese Figuren für mich Comics und ohne die entsprechende Bebilderung fehlt mir etwas.
Für Fans ist die Reihe sicherlich eine gute Ergänzung, für einen Einsteiger in das Marvel Universum ist sie eher ungeeignet.

3,5 von 5 Heldinnen

Mittwoch, 27. Mai 2026

Florian Wagner "Rente mit 40"

Während das eigentliche Renteneintrittsalter immer höher geschraubt wird, überlegen sich immer mehr Menschen bewusst früher in Rente zu gehen, um ihr Leben im Anschluss so zu gestalten, wie sie es möchten ohne an einen 9 to 5 Job gebunden zu sein. Doch der Weg dahin ist leichter gesagt als getan. Wie Florian Wagner in zahlreichen Interviews anführt, muss man sich als erstes bewusst machen, was man zum Leben braucht, denn um eher in Rente gehen zu können, braucht man Kapital und Kapital und Konsum gehen bekanntlich nicht Hand in Hand.
Mit mehreren Gesprächspartner erörtert er, dass Frugalismus bedeutet und dass Verzicht nicht immer negativ sein muss. Denn gerade das Verzichten ist ein wichtiger Baustein in der Erkenntnis, was man zum Leben benötigt und das sind nicht dreißig Paar Schuhe und zwanzig Handtaschen.

Unabhängig, dass ich das Ziel nicht mehr erreiche, sind die Gedanken einfach und gut im Alltag umzusetzen. Viele Dinge sind einem schon durchaus bewusst gewesen, doch gerade die Praxisfragen zum Schluss eines jeden Kapitels zeigen noch einmal genau, worum es gehen sollte. Allein schon, um zu sparen oder auch schlicht für das Alter vorzusorgen. Eine allgemein gültige Antwort gibt es nicht, jeder muss seinen Weg zwischen Frugalismus, Sparen und Konsum finden.
Dieses Buch ist ein guter Ratgeber für den Einstieg und das gedankliche Sortieren.

4 von 5 Finanzspritzen

Dienstag, 26. Mai 2026

Steffi von Wolff "Her mit dem schönen Leben"

Eigentlich war der Plan ganz einfach: Weg von Frankfurt und ab nach Hamburg. Für Nelly und Elisa ist es nach der Schule ein simpler Plan, doch es kommt natürlich alles anders. Denn die WGs sind zu teuer, zu unappetitlich oder man bekommt sie einfach bei dem massiven Andrang nicht. Eher ungewollt landen sie bei einem Schiff, welches kurzerhand zu einer Wohnung umfunktioniert wird, doch auch hier ist das Glück nicht von Dauer.

Alt gegen jung.
Reich gegen arm.
Lieb gegen Zicke.

Alles das und noch viel mehr begegnet den fünf Bewohnern des Schiffes. Denn auch wenn man erwachsen ist, lernt man nicht aus. In einer fremden Umgebung heißt es Leute einzuschätzen, sich selbst um alles kümmern und sich ggf. nicht mehr darauf zu verlassen, dass jemand hinter einem herräumt. Die Autorin schafft es, mit ihren fünf Charakteren einen Querschnitt durch die Jugendkultur aufzuzeigen und führt vor Augen, dass jeder, aber auch wirklich jeder, seine Probleme hat. Von Unsicherheit über Verwöhntheit bis hin zur Naivität zeigt sie, dass jeder Mensch auch andere braucht, um nicht aus der Bahn geworfen zu werden.
Die Geschichte ansich ist recht vorhersehbar, was aber nicht den Charme der Charaktere und die Neugier auf ihre Entwicklung hemmt. Doch gerade, weil man selbst nicht mehr in diesem Alter ist, wirken einige Probleme ein wenig aufgesetzt und man fragt sich, ob man auch einmal so war.

3,5 von 5 Hausbooten

Samstag, 23. Mai 2026

Bernhard Jaumann "Caravaggios Schatten"

Ein Ehemaligentreffen wird zum Auslöser einer Kette von Ereignissen, die vielleicht lieber im Dunklen geblieben wären. Rupert von Schleewitz hatte gerade sein altes Internat besucht, als sein Zimmergenosse ihn nach Potsdam einlädt. Eigentlich hat Rupert keine Lust, doch die Vehemenz des Wunsches lässt ihn anreisen. Während sie das Schloss Sanssouci besuchen, zieht sein Mitschüler ein Messer und attackiert "Der ungläubige Thomas", woraufhin die beiden Störenfriede festgenommen werden. Doch es bleibt nicht bei der Beschädigung. Beim Transport zum Restauration wird das Bild entführt und ein Streit über die Zuständigkeit entbricht, während Rupert seine Vergangenheit zu verdrängen versucht, als sein Angestellter Max diese aufwühlen will.

Eine Internatsgeschichte. Ein Artnapping. Eine Kunstexpertise. Eine Täuschungsgeschichte.
Wie schon in seinem ersten Krimi dieser Reihe hängt der Autor die Messlatte für diesen Krimi sehr hoch. Denn schlicht einen Handlungsstrang in sein Werk zu schreiben, wäre ihm offensichtlich zu simpel. So wählt er neben seiner detaillierten Beschreibung über die Entstehung des ungläubigen Thomas die anderen Schauplätze, um dem Leser neben einer gehörigen Portion Kunstgeschichte auch die Spannung eines Krimis zu präsentierten. Temporeich geht es hierbei durch Deutschland und auch in die angrenzende Schweiz, um dem Leser mit zahlreichen Hinweisen, Möglichkeiten und auch Finten nach dem berühmten roten Faden suchen zu lassen. Denn die Mischung aus der Ruperts Vergangenheit und dem möglichen Zusammenhang zu heutigen Geschehnissen bietet eine Bandbreite an Illusionen, von denen der Krimi in jeglicher Hinsicht profitiert.
Gerade durch vielen kunstgeschichtlichen Informationen und auch einen Blick in die Psychologie hebt sich diese Krimireihe von anderen ab und verbindet Unterhaltung mit Wissensaufbau.

5 von 5 Leinwänden

Montag, 18. Mai 2026

Blanca Imboden "heimelig"

Eigentlich fühlt sich Nelly mit ihren siebenundsiebzig Jahren viel zu jung für das Altersheim. Doch nachdem ihr Mann verstorben ist, treibt ihre Tochter sie aus dem alten Haus, um ein neues bauen. Eins ohne Seele, wie Nelly findet, weshalb sie keinen anderen Ausweg als das Heim sieht. Doch recht schnell wird ihr klar, dass sie noch viel zu agil ist, um die ganze Zeit in den vier Wänden zu bleiben. So schmiedet sie mit den anderen Bewohnern einen Plan. Sie will einmal das Alphabet bereisen. Das heißt, sie plant für jeden Buchstaben einen Ausflug. Ihre erste Reise bringt sie nach Ascona und sie spürt, auch wenn sie traurige Erinnerungen an den Ort hat, ist es das Unterwegssein, was ihr fehlt.

Es ist nicht nur die Handlung, die dieses Buch besonders macht, es sind auch die Zwischentöne. Die Autorin schafft es, die unterschiedlichen Perspektiven einzunehmen, auch wenn sie sich zumeist an Nelly orientiert. Denn als Mensch, der in den eigenen vier Wänden lebt, ist es schwer vorstellbar, wenn man im Alter, wenn jede Veränderung schwer ist, das Zuhause verlassen muss. Man muss sich kleine Räume mit anderen teilen, ist auf Menschen angewiesen, die wenig Zeit haben und zumeist tut einem irgendwas weh. Die Autorin schafft es mit Feingefühl, diese Gefühle zu fassen und auch wirklich alle Kehrseiten zu begreifen. Sie beleuchtet an einzelnen Neuankömmlingen, dass immer eine Geschichte hinter dem Einzug steckt und dass es nie leicht ist.

Sie verwebt zahlreiche Handlungsstränge und schafft für ihre Protagonistin eine Zukunft, die weit rosiger ist, als die der meisten. Gleichzeitig schärft sie das Verständnis für andere, wobei ihr dies mit einem sanften Ton gelingt.

4 von 5 Koffern

Sonntag, 17. Mai 2026

Florian Illes "Träume aus Feuer"

Die Pfaueninsel. Ist sie es allein oder ihr zwischenzeitlicher Besitzer Johannes Kunckel, wodurch sie ihren Glanz und ihre Faszination verströmt?  
Wir schreiben das 17. Jahrhundert und der bekannte Alchemist Johannes Kunckel erhält die Pfaueninsel zwischen Berlin und Potsdam von dem brandenburgischen Kurfürst geschenkt.
Wobei ... natürlich erwartet der Kurfürst auch einen Gegenleistung. So sehr sich die beiden freundschaftlich zugetan sind, doch der Kurfürst wünscht sich Gold und den Stein der Weisen. 
Stattdessen liefert ihm der Alchemist das klarste Glas ohne Einschlüsse. Genau aus diesem Grund bekommt er auch die Insel. Er soll in Abgeschiedenheit arbeiten können, ohne befürchten zu müssen, dass seine Ideen gestohlen und kopiert werden.
Doch schon von Beginn an, ist diese Beziehung den anderen Menschen am Hof ein Dorn im Auge, gerade weil sich Johannes Kunckel mit der zweiten Frau des Kurfürsten sehr gut versteht und sie seine Kunst schätzt.

Florian Illes hat seinen ganz eigenen Stil erschaffen, wie er seine Geschichten an den Leser bringt. Mit wenig wörtlicher Rede und trotzdem sehr dicht an der heutigen Sprache, beschreibt er viele Begebenheiten am Hof und auch auf der Insel. Wie man sich das Leben auf der Insel vorstellen kann und was bei der Herstellung von Glas wichtig ist. Gleichzeitig zeigt er auf, wie wichtig auch schon damals Beziehungen waren und deren Verlust ein Leben grundlegend verändern konnte. Er vermittelt soviel Wissen auf einer geringen Anzahl von Seiten, dass man am Ende des Buches erstaunt ist, dass er es geschafft hat. Er verwebt Handlung und historische Tatsachen und erläutert am Ende des Buches, welche Quellen er für seinen Text zu Rate gezogen hat.
Ein schönes Buch über ein Stück deutsche Geschichte, die vielen nicht bekannt sein dürfte. 

5 von 5 Gläsern

Samstag, 16. Mai 2026

David Sundin "Kennst du Astrid Lindgren?"

Die meisten erwachsenen Leser werden die Frage mit einem lauten "Ja!" beantworten, wenn sie gefragt werden, ob sie Astrid Lindgren kennen. Zu sehr sind ihre Bücher gerade in meiner Generation geliebt worden, als dass man einen Bogen um sie machen konnte.
Das Buch, welches mit wunderschönen ganzseitigen Illustrationen ausgestattet ist, nimmt den Leser auf vierzig Seiten durch das turbulente Leben der Kinderbuchautorin mit. Ihre Kindheit, ihre erste Arbeit, ihre eigenen Kinder und schließlich, wie es dazu kam, dass ihr erstes Buch Pippi Langstrumpf erschien. Denn eigentlich war es erst nur eine Geschichte für ihre kranke Tochter, die das Bett hüten musste.
Viele andere Geschichten folgten danach, doch das Buch nimmt sich hauptsächlich Pippi an.
Mit Pippi zeigt David Sundin auch den Erfolg, den die Bücher von Astrid Lindgren auch heute noch haben. Und ... wie sie sich selbst in manche Bücher geschrieben hat.

Es ist ein wunderschönes Buch, was in Zusammenspiel von Illustrationen und kleinen, aber feinen Informationen über Astrid Lindgren Lust macht, die Welt der berühmten Autorin zu entdecken. Denn keine andere Autorin hat es verstanden, Kinder so in den Fokus ihrer Geschichten zu rücken, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene gerne in die Erzählungen eintauchen, wo die Welt noch immer in Ordnung zu sein scheint.

5 von 5 Kindheitserinnerungen

Freitag, 15. Mai 2026

Maria Resco "Wo die Liebe nicht von selbst hinfällt"

Eigentlich hat Jana genug. Leonard hatte sie vor seiner Reise nach Peru belogen und sich in Ausflüchten versucht. Als er unerwartet bei einer Grillfeier vor ihr steht, ist ihr klar, so ganz ist sie doch noch nicht über ihn hinweg. Schnell ist ein Plan à la Shakespeare geschmiedet und die ganze Clique versucht ihn mit ihrer Cousine zu verkuppeln. Doch Gefühle lassen sich nicht manipulieren und ein heilloses Durcheinander entsteht, indem eine angehende Autorin ihre Geschicke zu lenken versucht und ein Yogalehrer seine Grenzen nicht kennt. Ein zumeist lustiges Hin und Her, das nicht weit von der Realität zu wirken scheint.

Mit witzigen Dialogen und einer frechen Sprache fängt die Autorin den Leser direkt auf der ersten Seite ein. Man spürt die Streitigkeiten, man bemerkt das Vibrieren der Luft, wenn die Clique zusammen ist und die Neckereien tief fliegen. Die Autorin schafft es, dass die Charaktere alle realistisch und nicht zu überzeichnet wirken. Sie schreibt über Figuren mit Problemen, Sorgen und Ängsten und trotz aller Verwirrungen und Irrungen verliert sie nicht den Überblick.

Ein gutes Buch über Zwischenmenschliches, dass man im Alltag nur zu oft übersieht.

4 von 5 Reisen

Montag, 11. Mai 2026

Carmen Urbita, Ana Garriga "Convent Wisdom"

Was haben die IT-Girls der heutigen Zeit und Nonnen aus dem 16. Jahrhundert gemein? Trotz des enormen Zeitunterschieds haben diese Frauen die gleichen Probleme. Denn Stress in der Liebe, im Job und in der Gemeinschaft sind Themen, die unabhängig eines Kalenders bestehen.

Während die beiden Autorinnen von ihrer Studienzeit berichten, flechten sie die Probleme von zwei IT-Girls ein. Anhand von zahlreichen Quellen, darunter Briefen, zeigen sie auf, dass es schon im 16. Jahrhundert notwendig war, außenstehende Personen mit einzubeziehen, wenn die Emotionen hochkochten und das war auch schon damals nicht anders.

Die Gründe, warum man sich aufregt, mögen sich zwar gewandelt haben, doch hat sich an der Benachteiligung in gewissen Bereichen nichts geändert.

Die Autorinnen unterteilen ihr Buch in größere Kapitel, wie z.B. Liebe, Arbeit etc, um darin zu bestimmten Problemen, wie werde ich mit Kollegen fertig, Stellung zu nehmen. Ein umfangreiches Quellenverzeichnis am Schluss führt hier zu den originalen Texten.

Was bei Ratgebern sonst üblich ist, fehlt hier in meinen Augen. Es gibt kaum Schaubilder oder Zusammenfassungen zu den einzelnen Bereichen, sondern man begnügt sich mit laufendem Text. Ich fand dies stellenweise sehr ermüdend, da sich gerade Zusammenfassungen für mich besser greifen lassen.

Wissenschaftlich finde ich das Buch durchaus fundiert, doch die Aufmachung ist nicht my cup of tea.


3,5 von 5 Vergleichen

Sonntag, 10. Mai 2026

Anke Petersen "Die tote Tante"

1898 ist die Welt auf Amrum noch in Ordnung. Die Welt entdeckt nach und nach die kleine Insel, sodass der Tourismus immer mehr Einzug hält. Gefahren gibt es auf der Insel kaum und so müssen sich die drei Damen vom Insel-Krimiclub mit Büchern begnügen, wenn es um Mord und Totschlag gehen soll.
Das ändert sich, als auf der Insel eine Hochzeit stattfinden soll und kurz zuvor die Tante der Braut tot aufgefunden wird. Angeleitet durch die Detektive in ihren Büchern, stellt der Krimiclub Nachforschungen an, die nicht ohne Folgen bleiben.
Man merkt beim Lesen zum einen, dass die Autorin ihre Insel kennt, und zum anderen, dass sie Spaß beim Schreiben des Buches hatte. Eine gewisse Leichtigkeit begleitet die drei Damen neben ihren Ermittlungen und lässt den unerfahrenen Krimileser im wahrsten Sinne des Wortes die Handlung direkt miterleben. Hier ein Verweis zu Sherlock Holmes, derer es viele im Buch gibt, dort ein Bezug auf Jane Austen und auch die russischen Autoren jener Zeit werden benannt. Der Krimiclub, seine Lektüre und sein Alltagswissen schlagen sich genauso nieder, wie das Lokalkolorit, die Bräuche und auch ein wenig die Sprachkultur der Insel.
Ein wenig überladen ist das Buch allerdings mit Wiederholungen: Krimileser merken sich Hinweise und müssen nicht immer wieder auf die gleichen Sachverhalte hingewiesen werden. Ebenso sollte man sparsamer mit kriminalistischen Kniffen sein. Weniger ist bekanntlich oftmals mehr und auch ein Krimi-Anfänger sowohl als Ermittler als auch als Leser verfügt über eine gewisse Menschenkenntnis.
Ein gut gelungener Start in eine cosy crime Reihe, die Lust auf mehr macht.

4 von 5 Inseln

Donnerstag, 7. Mai 2026

Julie Caplin "Ein Zuhause im Frühling"

Ella ist erschöpft. Das Leben in London, trotz all der guten und erfüllenden Momente, hat sie in den letzten Jahren mehr Kraft gekostet, als es ihr lieb gewesen ist. Eine Schaffenskrise und dazu noch die fehlende Wertschätzung für ihre Bücher treibt sie nah an die Verzweiflung. Da kommt es gut, dass sie das Haus ihrer Patentante in einem kleinen Dorf hüten soll. Doch womit sie nicht gerechnet hat, ist, dass sie zusätzlich einen Hund zu beaufsichtigen hat. So kommt es, wie es kommen muss, unerfahren, wie sie es im Umgang mit Tieren ist, gerät sie schnell mit dem örtlichen Tierarzt aneinander, der so seine eigenen Probleme hat.

Wer schon einmal ein Buch von Julie Caplin gelesen hat, weiß, wie gut sie es schafft, die Realität in Buchform zu gießen.

Das kleine Dorf, das ein vermeintlicher Stereotyp für das englische Dorfleben ist, wird belebt, durch all seine verschiedenen Charaktere, die im ersten Moment verschroben wirken können und doch so viel Herz und Güte in das Buch bringen, dass man trotz der Schicksalsschläge immer wieder schmunzeln muss.

Als Auftakt einer vierbändigen Reihe steht Ella im Mittelpunkt. Sie ist neu im Dorf und trotz unterschiedlicher Gefühle, will sie eigentlich nicht hier sein. Ihre Entwicklung während des Bandes und auch das Zugehörigkeitsgefühl zu den Dorfbewohnern schaffen eine Atmosphäre, bei der man an das Gute im Menschen glauben will und mit den Protagonisten mitfiebert. Hier eine Freundschaft, dort ein Gefallen und zwischendrin die Karten ihrer Patentante runden Ellas Regeneration ab und zeigen, dass es oft das Umfeld ist, dass gute Menschen verzweifeln lässt.

Immer gespickt mit ein paar englischen Eigenheiten lässt sich das Buch perfekt bei den ersten Sonnenstrahlen lesen und auf eine bessere Zukunft hoffen.


4 von 5 Frühlingsboten

Donnerstag, 30. April 2026

Yngra Wieland "Die weiße Dame"

Was für ein Schock!
Eigentlich war Salome Liebeskind unterwegs zu ihrer jüdischen Familie, als die Polizei ihr ein Reiseverbot ausspricht. Der Vorwurf: Sie könnte in den Mord ihrer Kollegin verwickelt sein. Diese wurde erschlagen im Eingangsbereich ihrer Praxis gefunden und somit steht Salome ganz oben auf der Liste der Verdächtigen. Doch irgendwie tritt die Polizei wegen Personalmangel auf der Stelle und es muss erst ein weiterer Mord geschehen, bis sich der Nebel langsam zu lichten beginnt.

Dies ist der erste Fall mit der Psychologin Salome Liebeskind als eine der Hauptfiguren.
Wie es im Krimi inzwischen öfter vorkommt, tritt neben der Polizei eine weitere Person auf, die versucht, ein Muster hinter den Taten zu entdecken. Die Wahl der Psychologin, die sich gut in andere Personen hineinversetzen kann, gelingt hier schon ab der ersten Seite.

Selbst ein bisschen unsicher und mit manchen Dingen überfordert, ist sie nicht gefühlskalt und lässt viele Situationen realistischer erscheinen, als wenn ein eher abgezockter Charakter der Protagonist wäre.
Die Autorin spielt mit den Figuren, lässt mal die Polizei, mal die Psychologin die Nase vorn haben.

Dabei sind so viele Personen und Zeitebenen beteiligt, dass sie es schafft, die Spannung nach und nach zu steigern, ohne dabei übertrieben brutal zu sein.

Der Krimi lebt von den kleinen Lügen, den dunklen Geheimnissen und dem Zwischenmenschlichen, was immer gut und böse schwankt. Wenn man denn abschließend formulieren kann, was gut und böse ist.

Ein gelungener Einstieg in eine etwas andere Krimireihe.

4 von 5 Couchen

Autoreninterview Alexander Klymchuk 2026

Hallo zusammen.
Ja, ihr lest richtig, Alexander wollte wieder ein paar Fragen zu seinem Dasein als Herausgeber beantworten. Aber lest selbst:

(Bild: Alexander Klymchuk (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Knapp drei Jahre ist unser letztes Interview her. Seitdem ist viel passiert. Tatsächlich bist du inzwischen Herausgeber geworden. Erzähl doch einmal, wie es dazu kam.
Tatsächlich ist das erwähnte Interview mit dir größtenteils dafür verantwortlich, dass ich Herausgeber wurde. Nach der nicht ganz korrekten Vorstellung, ich sei bereits als ebensolcher tätig, hatte ich nun die Optionen, diese Aussage zu korrigieren oder eben dafür zu sorgen, dass sie der Wahrheit entsprach.
Konkret heißt das: Ich entwickelte die Idee zu einem Anthologie-Projekt und wurde bei verschiedenen Verlagen vorstellig.
Gisela Weinhändler und Sabine Brandl vom muc-Verlag waren sofort begeistert. Und so kam es letztlich zu der Anthologie „Monster 2.0“, die nun in 3 Kategorien für den Vincent Preis 2025 nominiert ist:
Beste Anthologie 2025
Beste Grafik von Detlef Klewer
Beste Kurzgeschichte »Die Dinge werden sich ändern, mein Schatz« von Sabine
Brandl

Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen? Hast du ein konkretes Vorbild?
Grob gesagt bin ich zum Schreiben gekommen, weil ich das Lesen lieben lernte. Zu Beginn waren es die Bücher des kleinen Vampirs von Angela Sommer-Bodenburg, die mich in ihren Bann zogen.
Später kamen vor allem die Kurzgeschichten von Stephen King, Robert Bloch und Montague Rhodes James hinzu. Mit der Zeit entdeckte ich noch viele weitere Autorinnen und Autoren, wie Clive Barker, Howard Philipps Lovecraft, Anne Rice, Roald Dahl, Richard Matheson, Jeffery Deaver und Edgar Allen Poe.
Aber wenn ich ein konkretes Vorbild benennen muss, dann fällt meine Wahl auf Dan Simmons. Seine Novellensammlungen „Lovedeath“ und „Styx“ haben mich stark beeinflusst und den Stil meiner Geschichten geprägt, sodass ich ohne Übertreibung sagen kann, dass es für mich eine Zeit „davor“ und eine Zeit „danach“ gibt, denn nachdem ich las, was er zu Papier gebracht hatte, war ich nicht mehr Derselbe. Es war beinahe so, als habe mir jemand die Augen geöffnet, um mir ein Beispiel zu geben, wie man es richtig macht.
Dan Simmons ist am 21. Februar 2026 verstorben. Für mich hat es sich so angefühlt, als hätte ich einen Mentor und guten Freund verloren, den ich Zeit meines Lebens vermissen werde. Seit seinem Tod habe ich seine Bücher wieder in der Hand, ständig, und begreife stets aufs Neue, wie genial und unvergleichlich seine Schreibe war, wie unverwechselbar seine grenzenlose Fantasie und wie sehr mir seine Welten fehlen werden.

Gerade bei kleineren Verlagen erscheinen viele Anthologien. Was macht für dich den Reiz von ihnen aus?
Anthologien kleinerer Verlage bieten unbekannteren Autorinnen und Autoren, zu denen ich ja auch zähle, die Möglichkeit, ihre Geschichten zu veröffentlichen und der Leserschaft zugänglich zu machen. Wo die großen Publikumsverlage nach rein wirtschaftlichen Kriterien entscheiden, was sie verlegen und was nicht, hat man hier oft die Gelegenheit, Teil eines Projektes zu werden, bei dem es wirklich und wahrhaftig um die literarische Qualität geht.
Natürlich sind auch kleinere Verlage nicht gänzlich frei von finanziellen Zwängen und müssen ebenfalls ihre Bücher verkaufen. Aber ich habe hier eher das Gefühl, dass man auch mit ungewöhnlichen Texten oder einem ganz eigenen, individuellen Schreibstil punkten kann, wohingegen man bei den größeren Verlagen schnell eine Absage kassiert, wenn man nicht in eine bestimmte Schublade passt.

An was arbeitest du zurzeit?
Im Moment arbeite ich an „Abendgesellschaft“, einer Kurzgeschichte, die ich zur Novelle ausbauen möchte.
Ich verfolge mit großem Interesse die Ausschreibungen des Shadodex-Verlags und des Elysion-Verlags, die thematisch oft meine Vorlieben treffen und irgendwo zwischen Horror, Science-Fiction und Fantastik angesiedelt sind. Und ich entwickle neue Ideen, wenn die Muse mich packt.
Ich plane und plotte aber mehr, als ich tatschlich schreibe, was vor allem einem Faktor geschuldet ist: fehlender Zeit.
Das Schreiben ist momentan etwas, das nebenbei geschieht, wenn überhaupt. Und dann auch nur, wenn ich mich dafür frei machen kann, was allerdings selten der Fall ist. In erster Linie ist da mein Brotjob als Erzieher, der mich ungemein erfüllt, meine Verpflichtungen meiner Familie gegenüber, bei denen es sich ebenso verhält, und die Herausforderungen des Alltags, die gemeistert werden wollen.
Ähnlich ist es mit meiner Präsenz in den sozialen Medien, wo ich aufgrund unregelmäßiger Teilhabe faktisch unsichtbar geworden bin. Ich sehe das aber insgesamt eher entspannt und möchte mich auch nicht dem Druck aussetzen, ständig Beiträge zu posten oder aktiv sein zu müssen.
„Synopsis“, mein Romanprojekt mit Andreas Dörr, war schon so weit, dass es fast hätte veröffentlicht werden können, aber leider wird es nicht mehr dazu kommen.
Vielleicht ist zu viel Zeit verstrichen zwischen den ersten Skizzen und der finalen Zusammenfassung, vielleicht sind wir einfach kreativ nicht zusammengekommen. Das war bedauerlich, aber auch das Scheitern gehört wohl dazu.
Abgesehen davon ist meine dritte Kurzgeschichtensammlung noch immer unter ihrem Arbeitstitel „Das Ende aller Welten“ in der Mache. Ich bin da mit Rudolf Strohmeyer im Austausch, dem ich sehr dankbar bin für seine tolle Arbeit als Lektor.

Und ich träume von meinen Schubladen-Projekten, die ich wohl erst verwirklichen kann, wenn ich in Rente bin. Von „Totentanz“, wo das Geheimnis von Roanoke Island gelüftet wird. Von „Sommernacht“, wo Mary Godwin Frankensteins Monster wahrhaftig erschafft. Von „Treppe ohne Ende“, wo … aber dazu (hoffentlich) ein andermal.

Wenn du freie Wahl hättest, zu welchem Thema würdest du gerne eine Ausschreibung machen? 
Monster und Ungeheuer sind meine Leidenschaft. Nachdem Graf Dracula, Frankensteins Monster und Co. sich in „Monster 2.0“ ausgiebig austoben konnten, wäre ich sofort an Bord eine Ausschreibung zum Thema „Howard Philipps Lovecrafts Ungeheuer – Kosmischer Horror in der Neuzeit“ als Herausgeber zu begleiten.
Die außerweltlichen Kreaturen aus Lovecrafts Universum, die vergeblich ihresgleichen suchen und längst Teil der Popkultur geworden sind, eignen sich hervorragend dazu, neu interpretiert und in einem modernen Setting präsentiert zu werden.

Was macht dir beim Herausgeben am meisten Spaß?
Zum einen ist es eine tolle Erfahrung, die Geschichten für eine Anthologie auszuwählen und zusammenzustellen. Als jemand, der bisher nur als Autor tätig war, fühlt es sich ein bisschen so an, als würde ich ein Stück weit hinter die Kulissen des Literaturbetriebs schauen und selbst Teil eines größeren Ganzen werden. Diese Perspektive empfinde ich als ungemein hilfreich, insbesondere dann, wenn eine Geschichte von mir abgelehnt wird.
Zum anderen ist es ein tolles Gefühl, zu wissen, dass das fertige Buch insgesamt gesehen größer ist als die Summe seiner Teile und sogar mitunter lebensverändernd. Uns war es wichtig, die Geschichten anonym auszuwerten. Jeder Text hat also durch seine Qualität überzeugt. Und hier ist es total spannend, dass in etwa die Hälfte der Geschichten von mit dem Literaturbetrieb Erfahrenen stammte und die andere Hälfte von Autor*innen, die mit dieser Veröffentlichung ihre ersten Schritte machen.

Was sind deine Top3 Anthologie-Tipps?
„Monster 2.0“ vom muc-Verlag ist ein tolles Buch geworden. Und das sage ich nicht nur, weil ich Herausgeber und beteiligter Autor bin und die Werbetrommel rühren möchte, sondern weil es eine bunte und moderne Mischung von Erzählungen geworden ist, die auf vielen Ebenen überzeugt. Es ist gruselig, originell und hat für jeden etwas zu bieten.

„Daedalos“, der Story-Reader für Phantastik, der im Verlag „p.machinery“ veröffentlicht wird von Michael Siefener, Ellen Norten und Andreas Fieberg, kann ich jedem ans Herz legen. Hier bekommt man neue und alte Erzählungen in einem Magazin präsentiert, das an die klassischen Publikationen der 50er Jahre erinnert.

„Zwielicht“ von den Herausgebern Michael Schmidt und Achim Hildebrandt bietet stets eine starke Zusammenstellung von Geschichten. Diese Anthologie-Reihe kann ich jedem empfehlen, der sich für fantastische Literatur interessiert und ein Gefühl dafür bekommen möchte, was gerade so in der Szene los ist.

Zu guter Letzt möchte ich noch zwei Empfehlungen loswerden, die nur indirekt mit Anthologien zu tun haben, aber auf meine Herausgeberschaft bei „Monster 2.0“ zurückzuführen sind:
Mit „Besuch des Golems“ hat sich die Autorin Edie Calie direkt in mein Herz geschrieben. Das ist so toll und rund und eigen, dass ich ihren Roman „Lorettas letzter Trip“ regelrecht verschlungen habe, einen aberwitzigen, extrem unterhaltsamen Roadtrip auf den Spuren der Beatles.

Außerdem hat Johanna Brenne mich mit „Die Weiße Frau sieht rot“ auf eine Weise angesprochen, die ich selten erlebe. Eine Geistergeschichte aus der Perspektive des Geistes zu erzählen, ist schon als Idee ungemein interessant. Die Umsetzung ist schnörkellos, mitreißend und einfach nur spektakulär andersartig gut. Ich kann es kaum erwarten, Johannas Debutroman „Der Mond von Yazahaan“, der vor Kurzem im Verlag „Realm & Rune“ erschienen ist.

Wer neugierig ist, kann hier mehr über Alexander erfahren:
instagram.com/alexander_klymchuk_autor
facebook.com/alexander.klymchuk


Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Mittwoch, 29. April 2026

Sven Haupt "Ein Übermaß von Welt"

Bücher von Sven Haupt zu besprechen, ist wahrlich nicht so leicht, wie man es vermuten möchte.
Eigentlich fällt einem schon beim Lesen des Textes etwas ein, was man unbedingt in der Rezension verarbeiten möchte, doch bei Sven Haupt ist das anders. Es gibt so viel zu entdecken, dass für jeden Leser etwas anderes wichtig und ausdrucksstark sein kann. Eine Wahl zu treffen, was dabei heraussticht, ist fast unmöglich. 

"Ein Übermaß von Welt" ist mit 172 Seiten ein schlankeres Werk des Deutschen Science Preis Trägers und doch umfasst so viele Themen wie seine anderen Romane.

Vornehmlich reist Thea mit Gale durch den sogenannten "Schacht". Es gilt Thea aus der Tiefe an die Oberfläche zu bringen, was sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne gemeint ist. Auf ihrer Reise muss sie Gefahren überstehen und Aufgaben meistern, während Gale ihr zur Seite steht. Schnell gewinnt man den Eindruck, dass Gale Thea ein Mentor ist, der mehr über den Schacht und seine Geschichte weiß, als er es Thea anvertraut. Sie muss sich selbst den Ereignissen stellen und jedes Mal entscheiden, was ihr individueller Wunsch ist, ohne sich von Gale abhängig zu machen.

Es wäre kein Roman von Sven Haupt, wenn Philosophie und im erweiterten Sinne auch Religion vernachlässigt würden. Warum sind wir Menschen, wie wir sind und warum handeln wir so? Gerade bei diesem Buch fand ich auch die psychologische Komponente stärker ausgeprägt und so ist die Reise natürlich nicht nur eine physische sondern auch eine psychische.

Alle Gedanken sind wohl platziert, wirken auch nicht überladen und doch hat man Tränen in den Augen, wenn man den Text nachhallen lässt. Sven Haupts Bücher kann man, bei aller Hektik, die wir im Alltag haben, nicht schnell lesen. Die Ideen und Gedanken brauchen Zeit, um sich zu setzen, zu wirken und ihre vollständige Kraft zu entfalten.

5 von 5 Schächten

Dienstag, 28. April 2026

Gerhard Börnsen und Alfred Kelsner "Raumfragmente"

Ein Buch zu schreiben, ist immer kreativer Prozess. Doch umso schwieriger ist dieser Vorgang, wenn man die Geschichten eines anderen weitererzählt. Nur aus dem, was hinterlassen wurde, kann man erahnen, wie sich die Geschichte gestalten und welche Ideen umgesetzt werden sollten, sprich: Man fischt im Trüben.
Doch immer wieder nehmen sich Autoren dieser Aufgabe an und tun sich gerne, wie in diesem Fall, mit Illustratoren zusammen.

Gerhard Börnsen und Alfred Kelsner entführen in "Raumfragmente" den Leser in die Welt von "Zeitsplitter", welche der frühverstorbene Perry-Rhodan-Autor William Voltz erdacht hat.
Für diese Arbeit wurden viele Bilder von Alfred Kelsner erstmals verwendet und Gerhard Börnsen schafft es diesen Bildern mit seinen Worten Leben einzuhauchen.

Man merkt bei der Betrachtung, dass die Bilder schon vor Jahren gezeichnet wurden, so sehr hat sich der Stil verändert und doch bildet das die Grundlage des Charmes.

Abgerundet durch eine Einleitung, die das Projekt und seine Mitwirkenden vorstellt und mit weiteren Fotos untermalt, bildet die Erzählung auch ohne die Kenntnis des originalen Bandes, eine Welt, wie man sich aus früheren Science Fiction Erzählungen kennt.

Sicher ist dieser Band nicht etwas für jedermann, aber für Fans von Perry Rhodan und älteren Science Fiction Themen ist es ein sehr schönes Buch.


4 von 5 Missionen

Sonntag, 26. April 2026

Michael Peinkofer "Holly Holmes - Der Jadedrache"

Es ist ein unbestreitbare Tatsache, dass wenn man mit Sherlock Holmes verwandt ist, man selbst ebenfalls Detektiv werden muss. So ist es an Holly Holmes in ihrem Städtchen Marville für Recht und Ordnung zu sorgen. Ihr zur Seite steht als Plüschschweinchen Dr. Watson, belesen und mit einer riesigen Brille, und neu dazu kommen die beiden Kinder des neuen Constables. Jenny und Percy ziehen gerade mit ihrem Vater in das kleine Dorf an der Küste, als sich dort seltsame Dinge abspielen. Oder ist es gar alltäglich, dass ein Kühlschrank verschwindet? Zu viert machen sie sich auf die Suche. Ob sie es schaffen, den Kühlschrank samt Inhalt vor der Polizei zu finden? Das findet man im ersten Band um die Detektei von Holly Holmes heraus.
Selten habe ich bei einer Sherlock Holmes Adaption so sehr gelacht wie bei dieser. Allein Dr. Watson als Plüschschwein, der belesen aus Büchern zitiert oder gar selbst Experimente durchführt, ist schon ein wahrer Hit. Dazu noch Holly, die in den richtigen Situationen das Falsche sagt, weil sie so aufgeregt ist. Überhaupt das gelungene Crossover zwischen Zauberwelt und Holmes Universum hat besser funktioniert, als ich es für möglich gehalten hätte.
Für Sherlock Holmes Kenner gibt es kleine Andeutungen an den Kanon, doch sind diese Kenntnisse nicht notwendig, um der Handlung zu folgen.
Marville ist mit seinen kleinen Geschäften, kruden Bewohnern und seiner Geschichte ein toller Handlungsort und die Illustrationen unterstreichen hervorragend die Bilder, die beim Lesen im Kopf entstehen.
Eine sehr gelungene Adaption, die Lust auf weitere Bände macht.

5 von 5 Lupen

Freitag, 24. April 2026

Ralph de la Rosa "Monkey mind"

Der Affe steckt im Mensch, so oder so ähnlich ist die Herangehensweise dieses Buches.
Wer allerdings von einem reinen, klassischen Sachbuch ausgeht, wie ich es anfangs tat, wird sich wundert.
Ralph, der selbst vor Jahren mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte, zeigt in dem Buch zum einen seinen Weg aus dieser Krise und zum anderen hilft er Menschen seine Fehler zu vermeiden.
Es geht um das Wissen, was ein Ausbrennen verursacht, es geht aber auch um die Gedanken und die Taten dahinter. 
Die Erkenntnis, was einem im Leben gut tut und wie man seine Gedanken auch hier fokussieren kann, um sich ein Stück seiner Selbstbestätigung und Kontrolle zurückzuholen.
Denn neben den Meditationsübungen, den Vorschlägen einer täglichen Struktur, ist es trotz allem auch so, dass man von einigen Dingen auch nicht so leicht loskommt. Seien es Ängste, Zwänge oder andere Zustände, die das Leben leider zumeist negativ beeinflussen. 
Reden kann da zwar helfen, doch ist es das Wissen, wie man mit den Problemen umgehen kann oder zeitweilig auch muss, um das eine oder andere Leben zu retten.
Mit entsprechenden Übungen und Strukturen bietet das Buch eine Hilfestellung im Alltag, um dem täglichen Wahnsinn zu begegnen und vielleicht auch daran zu wachsen.
Wer einen sachlichen Bericht zu Thema "Denken" erwartet, wird hier allerdings enttäuscht, denn die Maßgabe des Buches ist eine andere.

3 von 5 Monkeys

Donnerstag, 23. April 2026

Russel D McLean "Ed ist tot"

Es gibt so Tage, an denen läuft so gar nichts rund. Man streitet sich, man hat Stress und auf einmal ist jemand tot.
Passiert nicht?
Doch!
Während Jen sich an einem Tag noch fragt, ob sie ihr Leben auch in Zukunft an Ed, dem abendlichen Wein und den täglichen Gesprächen im Buchladen hängen wird, gerät ihr Leben komplett aus den Fugen. Denn: Im betrunkenen Zustand läuft ihr jemand ins Messer.
Klingt weird, nun ja, das ist bekanntlich erst der Anfang, denn nachdem sie versucht, Schadensbegrenzung zu betreiben, wird es nur schlimmer und schlimmer.

Regt man sich sonst über Fernsehserien auf, in denen zahlreiche Menschen ums Leben kommen, setzt dieses Buch dem Ganzen die Krone auf. Kein Tod ist zu unglaublich, als dass er nicht geschieht und man muss sich immer wieder fragen, wie Jen es bei der ganzen Nummer schafft, nicht durchzudrehen.

Trotz des Themas ist der Text zeitweilig sehr lustig geschrieben. Man gewinnt den Eindruck in einem Dick und Doof-Film gelandet zu sein, da ein Chaos sich an das nächste reiht. Jens Gefühlsleben bliebt mir dabei manchmal ziemlich auf der Strecke, aber ich glaube schon, dass sie auf "funktionieren" eingestellt ist.

Zahlreiche Anspielungen auf Kriminalromane formen einen Raum neben der Geschichte und so ist ein Hin und Her zwischen Kopfschütteln, Staunen und Nase rümpfen, wenn man sich durch die Seiten arbeitet. Denn eins ist das Buch definitiv nicht: Langweilig.


3,5 von 5 Todesfällen

Sonntag, 19. April 2026

Anja Goerz und Eric Niemann "einmal, zweimal, mord"

Nachdem die beiden Kommissare Herma und Jan in ihre Dienststellen zurückgekehrt sind, vergeht einige Zeit, bis sie wieder beruflichen Kontakt miteinander haben. Während bei Herma eine Leiche auftaucht, verschwindet bei Jan ein Mann.
Zufall?
Und was hat der Arbeitgeber des Toten mit der Sache auf sich?
Neben den beiden und ihrem Privatleben wird auch der ehemalige Vorgänger von Herma eingeführt. Er hat neben seinem Buchclub auch noch das eine oder andere Eisen im Feuer und so sind es letztlich viele Personen, die versuchen Licht ins Dunkel zu bringen.
Und dabei gar nicht wissen, worauf sie sich da eingelassen haben.
 
Der zweite Band der Ermittlungen von Herma und Jan führt von der Insel Helgoland zurück aufs Festland. In ihrem eigentlichen Umfeld werden die alltäglichen Probleme der beiden differenzierter ausgearbeitet, was ihnen als Charaktere eine unglaubliche Tiefe gibt. 
Sowohl das Lokalkolorit als auch die verschiedenen Kriminalfälle zeigen, wie gut ein Krimi sein kann, wenn er sorgsam durchdacht ist und nicht lediglich Gewalt im Mittelpunkt von allem steht.
Mit dem einen oder anderen Cliffhanger ausgestattet, macht es Spaß die Serie zu verfolgen, die hoffentlich bald fortgesetzt wird.
Ich würde definitiv empfehlen mit der erstem Band zu beginnen, da es die Dynamik der Figuren besser aufzeigt und den Leser von Anfang an mitnimmt.

4,5 von 5 Polizeirevieren 

Freitag, 17. April 2026

James Krüss "Die Haiteks oder Was kostet die Welt"

Der Mensch strebt immer nach Höherem, egal zu welchem Preis. So kurz und prägnant könnte man die Haitek-Sammlung von James Krüss zusammenfassen.

Der Autor, der u.a. für "Timm Thaler" oder "Der Leuchtturm auf den Hummerklippen" bekannt ist, zeigt sich hier von seiner kritischen Seite.

Was im ersten Moment wie Satire anmutet, entspricht seinem innersten Wunsch die Menschen zu warnen. Denn auch wenn der Autor bereits 1997 starb, sind seine Texte so aktuell wie eh und je.

Massenkonsum, der Schere zwischen arm und reich, die Technisierung und auch der vermeintliche Kontrollverlust, das sind nur ein paar Dinge, auf die er hinweist.

Jeder Haitek wird eingeleitet mit einem kleinen Gedicht, welchem stets ein Prosatext folgt. Zudem sind die Haitek mit einer Illustration versehen, die Elemente der Geschichte aufgreifen.

Das vierundsechzigseitige Buch wird durch ein Vorwort von Tilman Spreckelsen vervollständigt.

Die Haiteks sind kurz, doch seinen Unmut spürt man beim Lesen mit jeder Zeile. Die für uns heute ungewohnte Sprache zwingt den Leser länger bei den Texten zu verweilen und sich Gedanken über das zu machen, was er anprangert. Investieren wir zu viel Geld in die falschen Dinge oder war es eher nur eine Mutmaßung seinerseits?

Eine tolle Textsammlung, die auch nach dreißig Jahren nichts von ihrer Intensität verloren hat.

Für Kinder mit einiger Leseerfahrung gut geeignet.

4 von 5 Zeitaltern

Mittwoch, 15. April 2026

Grace Cavendish "Lady Grace Mysteries - Giftmord"

Schon als ich jünger war, bin ich gerne in historische Welten abgetaucht. Welten, die schon solange her sind, dass man sich heute die Lebensumstände kaum mehr vorstellen kann.
Eine Zeit, die mich immer sehr interessiert hat, ist die Zeit Heinrich VIII. Die Geschichte um seine sechs Frauen und die Begebenheiten am Hof, man könnte sie auch Intrigen nennen, man kann so viele Erzählungen schreiben und man wird doch niemals fertig.

Ein wenig später in der Zeit, wenn auch nicht uninteressanter, lebte seine Tochter Elisabeth I., um sie und ihre Hofjungfer Lady Grace dreht sich der Jugendkrimi "Giftmord".

Zeitlich spielt der Krimi im Jahr 1569. Elisabeth I. ist schon einige Jahre Königin und trotzdem muss sie sich immer wieder um ihre Macht sorgen. Denn andere Königreiche beharren darauf, ebenfalls einen Anspruch auf den Thron von England zu erheben. 

Lady Grace ist zu diesem Zeitpunkt seit einem Jahr Waise, ihr Mutter starb in den Armen der Königin. So ist es an Elisabeth I. Lady Grace einen Ehemann zu suchen. Bei der Feierlichkeiten zu deren Verlobung stirbt einer der Freier, ein anderer wird verhaftet und der dritter fällt mit schlechtem Benehmen aus dem Rahmen. Während alle noch versuchen zu verstehen, was passiert ist, beginnt Lady Grace mit zwei Freunden ihre Ermittlungen, die sie durch den halben Palast führen.

Im Unterschied zu historischen Romanen bemüht sich die Autorin hier um eine jugendgerechte Sprache. Worte, die für den historischen Kontext wichtig sind, erläutert sie in einem Glossar. Die Protagonisten sind alle um die zwölf Jahre alt, was es für junge Leser einfacher macht, sich in das Geschehen hineinzuversetzen. Erwachsene Personen spielen jenseits ihrer historischen Bedeutung eher Nebenrollen und auch die Auftritte der Königin halten sich in Grenzen. Es wird gerannt, getobt; es wird sich versteckt, so wie man es sich bei Ermittlungen von jüngeren Detektiven wünscht. Der Fall ist gut strukturiert und zeigt neben kriminalistischen Elementen Einblicke in die Zeit. Eine gute Mischung für historische Ein- oder Wiedereinsteiger.

4,5 von 5 Giften 

Dienstag, 14. April 2026

Astrid Aschenbrenner "Gute Nacht Gedanken - Betthupferl für die Seele"

Wer legt den Wert eines Menschen fest?
Wer sagt, ob jemand genügt?

Vielmehr lautet doch die Frage, wem gebe ich das Recht über mich zu urteilen, obwohl er nur Facetten meines Lebens kennt?

Die Autorin hat aus ihrem Instagramfeed ein Buch gemacht.

Vermeintlich kleine Gedanken, die doch Großes bewirken sollen.

Denn die "Betthupferl" sind bei weitem nicht klein. Sicherlich hat man den einen oder anderen Hinweis schon einmal gehört, aber in dieser Vielfalt und in dieser Intensität ist mir noch kein anderes Buch in die Hände gefallen.

Dabei geht es nicht um das klassische "Sei du selbst", sondern auch um das, wie bleib ich stark, wenn die Zeit hart ist. Wie bleibe ich zu mir selbst freundlich, wenn es andere auch nicht sind.

Auf 160 Seiten spricht die Autorin die Gedanken vieler aus und tröstet sie mit Balsam für die Seele.

Ein wirklich schönes Buch, was manches gerade rückt und die Schwere nimmt.

Jede Seite ist schön aufgemacht und auf den Text abgestimmt. Ein wunderbares Buch zum Kraft schöpfen.


5 von 5 Betthupferln