Gerade durch vielen kunstgeschichtlichen Informationen und auch einen Blick in die Psychologie hebt sich diese Krimireihe von anderen ab und verbindet Unterhaltung mit Wissensaufbau.
Samstag, 23. Mai 2026
Bernhard Jaumann "Caravaggios Schatten"
Gerade durch vielen kunstgeschichtlichen Informationen und auch einen Blick in die Psychologie hebt sich diese Krimireihe von anderen ab und verbindet Unterhaltung mit Wissensaufbau.
Montag, 18. Mai 2026
Blanca Imboden "heimelig"
Es ist nicht nur die Handlung, die dieses Buch besonders macht, es sind auch die Zwischentöne. Die Autorin schafft es, die unterschiedlichen Perspektiven einzunehmen, auch wenn sie sich zumeist an Nelly orientiert. Denn als Mensch, der in den eigenen vier Wänden lebt, ist es schwer vorstellbar, wenn man im Alter, wenn jede Veränderung schwer ist, das Zuhause verlassen muss. Man muss sich kleine Räume mit anderen teilen, ist auf Menschen angewiesen, die wenig Zeit haben und zumeist tut einem irgendwas weh. Die Autorin schafft es mit Feingefühl, diese Gefühle zu fassen und auch wirklich alle Kehrseiten zu begreifen. Sie beleuchtet an einzelnen Neuankömmlingen, dass immer eine Geschichte hinter dem Einzug steckt und dass es nie leicht ist.
Sie verwebt zahlreiche Handlungsstränge und schafft für ihre Protagonistin eine Zukunft, die weit rosiger ist, als die der meisten. Gleichzeitig schärft sie das Verständnis für andere, wobei ihr dies mit einem sanften Ton gelingt.
4 von 5 Koffern
Sonntag, 17. Mai 2026
Florian Illes "Träume aus Feuer"
Wir schreiben das 17. Jahrhundert und der bekannte Alchemist Johannes Kunckel erhält die Pfaueninsel zwischen Berlin und Potsdam von dem brandenburgischen Kurfürst geschenkt.
Ein schönes Buch über ein Stück deutsche Geschichte, die vielen nicht bekannt sein dürfte.
Samstag, 16. Mai 2026
David Sundin "Kennst du Astrid Lindgren?"
Das Buch, welches mit wunderschönen ganzseitigen Illustrationen ausgestattet ist, nimmt den Leser auf vierzig Seiten durch das turbulente Leben der Kinderbuchautorin mit. Ihre Kindheit, ihre erste Arbeit, ihre eigenen Kinder und schließlich, wie es dazu kam, dass ihr erstes Buch Pippi Langstrumpf erschien. Denn eigentlich war es erst nur eine Geschichte für ihre kranke Tochter, die das Bett hüten musste.
Viele andere Geschichten folgten danach, doch das Buch nimmt sich hauptsächlich Pippi an.
Mit Pippi zeigt David Sundin auch den Erfolg, den die Bücher von Astrid Lindgren auch heute noch haben. Und ... wie sie sich selbst in manche Bücher geschrieben hat.
Es ist ein wunderschönes Buch, was in Zusammenspiel von Illustrationen und kleinen, aber feinen Informationen über Astrid Lindgren Lust macht, die Welt der berühmten Autorin zu entdecken. Denn keine andere Autorin hat es verstanden, Kinder so in den Fokus ihrer Geschichten zu rücken, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene gerne in die Erzählungen eintauchen, wo die Welt noch immer in Ordnung zu sein scheint.
5 von 5 Kindheitserinnerungen
Freitag, 15. Mai 2026
Maria Resco "Wo die Liebe nicht von selbst hinfällt"
Mit witzigen Dialogen und einer frechen Sprache fängt die Autorin den Leser direkt auf der ersten Seite ein. Man spürt die Streitigkeiten, man bemerkt das Vibrieren der Luft, wenn die Clique zusammen ist und die Neckereien tief fliegen. Die Autorin schafft es, dass die Charaktere alle realistisch und nicht zu überzeichnet wirken. Sie schreibt über Figuren mit Problemen, Sorgen und Ängsten und trotz aller Verwirrungen und Irrungen verliert sie nicht den Überblick.
Ein gutes Buch über Zwischenmenschliches, dass man im Alltag nur zu oft übersieht.
4 von 5 Reisen
Montag, 11. Mai 2026
Carmen Urbita, Ana Garriga "Convent Wisdom"
Während die beiden Autorinnen von ihrer Studienzeit berichten, flechten sie die Probleme von zwei IT-Girls ein. Anhand von zahlreichen Quellen, darunter Briefen, zeigen sie auf, dass es schon im 16. Jahrhundert notwendig war, außenstehende Personen mit einzubeziehen, wenn die Emotionen hochkochten und das war auch schon damals nicht anders.
Die Gründe, warum man sich aufregt, mögen sich zwar gewandelt haben, doch hat sich an der Benachteiligung in gewissen Bereichen nichts geändert.
Die Autorinnen unterteilen ihr Buch in größere Kapitel, wie z.B. Liebe, Arbeit etc, um darin zu bestimmten Problemen, wie werde ich mit Kollegen fertig, Stellung zu nehmen. Ein umfangreiches Quellenverzeichnis am Schluss führt hier zu den originalen Texten.
Was bei Ratgebern sonst üblich ist, fehlt hier in meinen Augen. Es gibt kaum Schaubilder oder Zusammenfassungen zu den einzelnen Bereichen, sondern man begnügt sich mit laufendem Text. Ich fand dies stellenweise sehr ermüdend, da sich gerade Zusammenfassungen für mich besser greifen lassen.
Wissenschaftlich finde ich das Buch durchaus fundiert, doch die Aufmachung ist nicht my cup of tea.
3,5 von 5 Vergleichen
Sonntag, 10. Mai 2026
Anke Petersen "Die tote Tante"
Das ändert sich, als auf der Insel eine Hochzeit stattfinden soll und kurz zuvor die Tante der Braut tot aufgefunden wird. Angeleitet durch die Detektive in ihren Büchern, stellt der Krimiclub Nachforschungen an, die nicht ohne Folgen bleiben.
Man merkt beim Lesen zum einen, dass die Autorin ihre Insel kennt, und zum anderen, dass sie Spaß beim Schreiben des Buches hatte. Eine gewisse Leichtigkeit begleitet die drei Damen neben ihren Ermittlungen und lässt den unerfahrenen Krimileser im wahrsten Sinne des Wortes die Handlung direkt miterleben. Hier ein Verweis zu Sherlock Holmes, derer es viele im Buch gibt, dort ein Bezug auf Jane Austen und auch die russischen Autoren jener Zeit werden benannt. Der Krimiclub, seine Lektüre und sein Alltagswissen schlagen sich genauso nieder, wie das Lokalkolorit, die Bräuche und auch ein wenig die Sprachkultur der Insel.
Ein wenig überladen ist das Buch allerdings mit Wiederholungen: Krimileser merken sich Hinweise und müssen nicht immer wieder auf die gleichen Sachverhalte hingewiesen werden. Ebenso sollte man sparsamer mit kriminalistischen Kniffen sein. Weniger ist bekanntlich oftmals mehr und auch ein Krimi-Anfänger sowohl als Ermittler als auch als Leser verfügt über eine gewisse Menschenkenntnis.
Ein gut gelungener Start in eine cosy crime Reihe, die Lust auf mehr macht.
4 von 5 Inseln
Donnerstag, 7. Mai 2026
Julie Caplin "Ein Zuhause im Frühling"
Wer schon einmal ein Buch von Julie Caplin gelesen hat, weiß, wie gut sie es schafft, die Realität in Buchform zu gießen.
Das kleine Dorf, das ein vermeintlicher Stereotyp für das englische Dorfleben ist, wird belebt, durch all seine verschiedenen Charaktere, die im ersten Moment verschroben wirken können und doch so viel Herz und Güte in das Buch bringen, dass man trotz der Schicksalsschläge immer wieder schmunzeln muss.
Als Auftakt einer vierbändigen Reihe steht Ella im Mittelpunkt. Sie ist neu im Dorf und trotz unterschiedlicher Gefühle, will sie eigentlich nicht hier sein. Ihre Entwicklung während des Bandes und auch das Zugehörigkeitsgefühl zu den Dorfbewohnern schaffen eine Atmosphäre, bei der man an das Gute im Menschen glauben will und mit den Protagonisten mitfiebert. Hier eine Freundschaft, dort ein Gefallen und zwischendrin die Karten ihrer Patentante runden Ellas Regeneration ab und zeigen, dass es oft das Umfeld ist, dass gute Menschen verzweifeln lässt.
Immer gespickt mit ein paar englischen Eigenheiten lässt sich das Buch perfekt bei den ersten Sonnenstrahlen lesen und auf eine bessere Zukunft hoffen.
4 von 5 Frühlingsboten
Donnerstag, 30. April 2026
Yngra Wieland "Die weiße Dame"
Eigentlich war Salome Liebeskind unterwegs zu ihrer jüdischen Familie, als die Polizei ihr ein Reiseverbot ausspricht. Der Vorwurf: Sie könnte in den Mord ihrer Kollegin verwickelt sein. Diese wurde erschlagen im Eingangsbereich ihrer Praxis gefunden und somit steht Salome ganz oben auf der Liste der Verdächtigen. Doch irgendwie tritt die Polizei wegen Personalmangel auf der Stelle und es muss erst ein weiterer Mord geschehen, bis sich der Nebel langsam zu lichten beginnt.
Dies ist der erste Fall mit der Psychologin Salome Liebeskind als eine der Hauptfiguren.
Wie es im Krimi inzwischen öfter vorkommt, tritt neben der Polizei eine weitere Person auf, die versucht, ein Muster hinter den Taten zu entdecken. Die Wahl der Psychologin, die sich gut in andere Personen hineinversetzen kann, gelingt hier schon ab der ersten Seite.
Selbst ein bisschen unsicher und mit manchen Dingen überfordert, ist sie nicht gefühlskalt und lässt viele Situationen realistischer erscheinen, als wenn ein eher abgezockter Charakter der Protagonist wäre.
Die Autorin spielt mit den Figuren, lässt mal die Polizei, mal die Psychologin die Nase vorn haben.
Dabei sind so viele Personen und Zeitebenen beteiligt, dass sie es schafft, die Spannung nach und nach zu steigern, ohne dabei übertrieben brutal zu sein.
Der Krimi lebt von den kleinen Lügen, den dunklen Geheimnissen und dem Zwischenmenschlichen, was immer gut und böse schwankt. Wenn man denn abschließend formulieren kann, was gut und böse ist.
Ein gelungener Einstieg in eine etwas andere Krimireihe.
4 von 5 Couchen
Autoreninterview Alexander Klymchuk 2026
Wer neugierig ist, kann hier mehr über Alexander erfahren:
instagram.com/alexander_klymchuk_autor
facebook.com/alexander.klymchuk
Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.
Mittwoch, 29. April 2026
Sven Haupt "Ein Übermaß von Welt"
Eigentlich fällt einem schon beim Lesen des Textes etwas ein, was man unbedingt in der Rezension verarbeiten möchte, doch bei Sven Haupt ist das anders. Es gibt so viel zu entdecken, dass für jeden Leser etwas anderes wichtig und ausdrucksstark sein kann. Eine Wahl zu treffen, was dabei heraussticht, ist fast unmöglich.
"Ein Übermaß von Welt" ist mit 172 Seiten ein schlankeres Werk des Deutschen Science Preis Trägers und doch umfasst so viele Themen wie seine anderen Romane.
Vornehmlich reist Thea mit Gale durch den sogenannten "Schacht". Es gilt Thea aus der Tiefe an die Oberfläche zu bringen, was sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne gemeint ist. Auf ihrer Reise muss sie Gefahren überstehen und Aufgaben meistern, während Gale ihr zur Seite steht. Schnell gewinnt man den Eindruck, dass Gale Thea ein Mentor ist, der mehr über den Schacht und seine Geschichte weiß, als er es Thea anvertraut. Sie muss sich selbst den Ereignissen stellen und jedes Mal entscheiden, was ihr individueller Wunsch ist, ohne sich von Gale abhängig zu machen.
Es wäre kein Roman von Sven Haupt, wenn Philosophie und im erweiterten Sinne auch Religion vernachlässigt würden. Warum sind wir Menschen, wie wir sind und warum handeln wir so? Gerade bei diesem Buch fand ich auch die psychologische Komponente stärker ausgeprägt und so ist die Reise natürlich nicht nur eine physische sondern auch eine psychische.
Alle Gedanken sind wohl platziert, wirken auch nicht überladen und doch hat man Tränen in den Augen, wenn man den Text nachhallen lässt. Sven Haupts Bücher kann man, bei aller Hektik, die wir im Alltag haben, nicht schnell lesen. Die Ideen und Gedanken brauchen Zeit, um sich zu setzen, zu wirken und ihre vollständige Kraft zu entfalten.
5 von 5 Schächten
Dienstag, 28. April 2026
Gerhard Börnsen und Alfred Kelsner "Raumfragmente"
Doch immer wieder nehmen sich Autoren dieser Aufgabe an und tun sich gerne, wie in diesem Fall, mit Illustratoren zusammen.
Gerhard Börnsen und Alfred Kelsner entführen in "Raumfragmente" den Leser in die Welt von "Zeitsplitter", welche der frühverstorbene Perry-Rhodan-Autor William Voltz erdacht hat.
Für diese Arbeit wurden viele Bilder von Alfred Kelsner erstmals verwendet und Gerhard Börnsen schafft es diesen Bildern mit seinen Worten Leben einzuhauchen.
Man merkt bei der Betrachtung, dass die Bilder schon vor Jahren gezeichnet wurden, so sehr hat sich der Stil verändert und doch bildet das die Grundlage des Charmes.
Abgerundet durch eine Einleitung, die das Projekt und seine Mitwirkenden vorstellt und mit weiteren Fotos untermalt, bildet die Erzählung auch ohne die Kenntnis des originalen Bandes, eine Welt, wie man sich aus früheren Science Fiction Erzählungen kennt.
Sicher ist dieser Band nicht etwas für jedermann, aber für Fans von Perry Rhodan und älteren Science Fiction Themen ist es ein sehr schönes Buch.
4 von 5 Missionen
Sonntag, 26. April 2026
Michael Peinkofer "Holly Holmes - Der Jadedrache"
Selten habe ich bei einer Sherlock Holmes Adaption so sehr gelacht wie bei dieser. Allein Dr. Watson als Plüschschwein, der belesen aus Büchern zitiert oder gar selbst Experimente durchführt, ist schon ein wahrer Hit. Dazu noch Holly, die in den richtigen Situationen das Falsche sagt, weil sie so aufgeregt ist. Überhaupt das gelungene Crossover zwischen Zauberwelt und Holmes Universum hat besser funktioniert, als ich es für möglich gehalten hätte.
Eine sehr gelungene Adaption, die Lust auf weitere Bände macht.
Freitag, 24. April 2026
Ralph de la Rosa "Monkey mind"
Wer allerdings von einem reinen, klassischen Sachbuch ausgeht, wie ich es anfangs tat, wird sich wundert.
Es geht um das Wissen, was ein Ausbrennen verursacht, es geht aber auch um die Gedanken und die Taten dahinter.
Donnerstag, 23. April 2026
Russel D McLean "Ed ist tot"
Passiert nicht?
Doch!
Während Jen sich an einem Tag noch fragt, ob sie ihr Leben auch in Zukunft an Ed, dem abendlichen Wein und den täglichen Gesprächen im Buchladen hängen wird, gerät ihr Leben komplett aus den Fugen. Denn: Im betrunkenen Zustand läuft ihr jemand ins Messer.
Klingt weird, nun ja, das ist bekanntlich erst der Anfang, denn nachdem sie versucht, Schadensbegrenzung zu betreiben, wird es nur schlimmer und schlimmer.
Regt man sich sonst über Fernsehserien auf, in denen zahlreiche Menschen ums Leben kommen, setzt dieses Buch dem Ganzen die Krone auf. Kein Tod ist zu unglaublich, als dass er nicht geschieht und man muss sich immer wieder fragen, wie Jen es bei der ganzen Nummer schafft, nicht durchzudrehen.
Trotz des Themas ist der Text zeitweilig sehr lustig geschrieben. Man gewinnt den Eindruck in einem Dick und Doof-Film gelandet zu sein, da ein Chaos sich an das nächste reiht. Jens Gefühlsleben bliebt mir dabei manchmal ziemlich auf der Strecke, aber ich glaube schon, dass sie auf "funktionieren" eingestellt ist.
Zahlreiche Anspielungen auf Kriminalromane formen einen Raum neben der Geschichte und so ist ein Hin und Her zwischen Kopfschütteln, Staunen und Nase rümpfen, wenn man sich durch die Seiten arbeitet. Denn eins ist das Buch definitiv nicht: Langweilig.
3,5 von 5 Todesfällen
Sonntag, 19. April 2026
Anja Goerz und Eric Niemann "einmal, zweimal, mord"
Zufall?
Und was hat der Arbeitgeber des Toten mit der Sache auf sich?
Neben den beiden und ihrem Privatleben wird auch der ehemalige Vorgänger von Herma eingeführt. Er hat neben seinem Buchclub auch noch das eine oder andere Eisen im Feuer und so sind es letztlich viele Personen, die versuchen Licht ins Dunkel zu bringen.
Und dabei gar nicht wissen, worauf sie sich da eingelassen haben.
Der zweite Band der Ermittlungen von Herma und Jan führt von der Insel Helgoland zurück aufs Festland. In ihrem eigentlichen Umfeld werden die alltäglichen Probleme der beiden differenzierter ausgearbeitet, was ihnen als Charaktere eine unglaubliche Tiefe gibt.
Sowohl das Lokalkolorit als auch die verschiedenen Kriminalfälle zeigen, wie gut ein Krimi sein kann, wenn er sorgsam durchdacht ist und nicht lediglich Gewalt im Mittelpunkt von allem steht.
Mit dem einen oder anderen Cliffhanger ausgestattet, macht es Spaß die Serie zu verfolgen, die hoffentlich bald fortgesetzt wird.
Ich würde definitiv empfehlen mit der erstem Band zu beginnen, da es die Dynamik der Figuren besser aufzeigt und den Leser von Anfang an mitnimmt.
4,5 von 5 Polizeirevieren
Freitag, 17. April 2026
James Krüss "Die Haiteks oder Was kostet die Welt"
Der Autor, der u.a. für "Timm Thaler" oder "Der Leuchtturm auf den Hummerklippen" bekannt ist, zeigt sich hier von seiner kritischen Seite.
Was im ersten Moment wie Satire anmutet, entspricht seinem innersten Wunsch die Menschen zu warnen. Denn auch wenn der Autor bereits 1997 starb, sind seine Texte so aktuell wie eh und je.
Massenkonsum, der Schere zwischen arm und reich, die Technisierung und auch der vermeintliche Kontrollverlust, das sind nur ein paar Dinge, auf die er hinweist.
Jeder Haitek wird eingeleitet mit einem kleinen Gedicht, welchem stets ein Prosatext folgt. Zudem sind die Haitek mit einer Illustration versehen, die Elemente der Geschichte aufgreifen.
Das vierundsechzigseitige Buch wird durch ein Vorwort von Tilman Spreckelsen vervollständigt.
Die Haiteks sind kurz, doch seinen Unmut spürt man beim Lesen mit jeder Zeile. Die für uns heute ungewohnte Sprache zwingt den Leser länger bei den Texten zu verweilen und sich Gedanken über das zu machen, was er anprangert. Investieren wir zu viel Geld in die falschen Dinge oder war es eher nur eine Mutmaßung seinerseits?
Eine tolle Textsammlung, die auch nach dreißig Jahren nichts von ihrer Intensität verloren hat.
Für Kinder mit einiger Leseerfahrung gut geeignet.
4 von 5 Zeitaltern
Mittwoch, 15. April 2026
Grace Cavendish "Lady Grace Mysteries - Giftmord"
Eine Zeit, die mich immer sehr interessiert hat, ist die Zeit Heinrich VIII. Die Geschichte um seine sechs Frauen und die Begebenheiten am Hof, man könnte sie auch Intrigen nennen, man kann so viele Erzählungen schreiben und man wird doch niemals fertig.
Ein wenig später in der Zeit, wenn auch nicht uninteressanter, lebte seine Tochter Elisabeth I., um sie und ihre Hofjungfer Lady Grace dreht sich der Jugendkrimi "Giftmord".
Zeitlich spielt der Krimi im Jahr 1569. Elisabeth I. ist schon einige Jahre Königin und trotzdem muss sie sich immer wieder um ihre Macht sorgen. Denn andere Königreiche beharren darauf, ebenfalls einen Anspruch auf den Thron von England zu erheben.
Lady Grace ist zu diesem Zeitpunkt seit einem Jahr Waise, ihr Mutter starb in den Armen der Königin. So ist es an Elisabeth I. Lady Grace einen Ehemann zu suchen. Bei der Feierlichkeiten zu deren Verlobung stirbt einer der Freier, ein anderer wird verhaftet und der dritter fällt mit schlechtem Benehmen aus dem Rahmen. Während alle noch versuchen zu verstehen, was passiert ist, beginnt Lady Grace mit zwei Freunden ihre Ermittlungen, die sie durch den halben Palast führen.
Im Unterschied zu historischen Romanen bemüht sich die Autorin hier um eine jugendgerechte Sprache. Worte, die für den historischen Kontext wichtig sind, erläutert sie in einem Glossar. Die Protagonisten sind alle um die zwölf Jahre alt, was es für junge Leser einfacher macht, sich in das Geschehen hineinzuversetzen. Erwachsene Personen spielen jenseits ihrer historischen Bedeutung eher Nebenrollen und auch die Auftritte der Königin halten sich in Grenzen. Es wird gerannt, getobt; es wird sich versteckt, so wie man es sich bei Ermittlungen von jüngeren Detektiven wünscht. Der Fall ist gut strukturiert und zeigt neben kriminalistischen Elementen Einblicke in die Zeit. Eine gute Mischung für historische Ein- oder Wiedereinsteiger.
4,5 von 5 Giften
Dienstag, 14. April 2026
Astrid Aschenbrenner "Gute Nacht Gedanken - Betthupferl für die Seele"
Wer sagt, ob jemand genügt?
Vielmehr lautet doch die Frage, wem gebe ich das Recht über mich zu urteilen, obwohl er nur Facetten meines Lebens kennt?
Die Autorin hat aus ihrem Instagramfeed ein Buch gemacht.
Vermeintlich kleine Gedanken, die doch Großes bewirken sollen.
Denn die "Betthupferl" sind bei weitem nicht klein. Sicherlich hat man den einen oder anderen Hinweis schon einmal gehört, aber in dieser Vielfalt und in dieser Intensität ist mir noch kein anderes Buch in die Hände gefallen.
Dabei geht es nicht um das klassische "Sei du selbst", sondern auch um das, wie bleib ich stark, wenn die Zeit hart ist. Wie bleibe ich zu mir selbst freundlich, wenn es andere auch nicht sind.
Auf 160 Seiten spricht die Autorin die Gedanken vieler aus und tröstet sie mit Balsam für die Seele.
Ein wirklich schönes Buch, was manches gerade rückt und die Schwere nimmt.
Jede Seite ist schön aufgemacht und auf den Text abgestimmt. Ein wunderbares Buch zum Kraft schöpfen.
5 von 5 Betthupferln
Sonntag, 12. April 2026
Martin Sernko "Der Tod kennt keinen Ruhestand"
Während Karl versucht die Fälle zu lösen oder zu erkennen, ob sie nicht doch zusammenhängen, speist er sich rund um den bekannten See. Der Autor lässt ihn die kulinarischen Genüsse des Sees vorstellen und zeitweilig ist man erstaunt, dass er nicht um den See rollt, soviel und so leckere Gängen werden ihm Tag für Tag aufgetischt.
Die Komposition, einen unehrenhaft Entlassenen der Polizei als Hauptermittler zu installieren und ihm zahlreiche Gehilfen zur Seite zu stellen, ist in meinen Augen eine Neuerung bei den allzu bekannten alternativ Ermittelnden. Sicherlich kennt man schon den Polizisten, der entlassen wurde, doch die Personenzusammenstellung, die der Autor hier vornimmt, gemischt mit unzuverlässigen Gehilfen, ist gut gewählt. Immer wieder zweifelt man, wem der ehemalige Polizist überhaupt trauen kann, sodass die Entwicklung alles andere als vorhersehbar ist.
Gespickt mit Lokalkolorit und Rezepten ist der Text auch ein Gaumenschmaus, der aus anderen Krimis heraussticht.
4,5 von 5 Wölfen
Freitag, 10. April 2026
Anna Opel "Stolz & Vorurteil - Graphic Novel"
Denn welche Szenen des Klassikers sind so grundlegend für das Werk, dass sie auch in der Kürze der Graphic Novel vorkommen müssen. Welche Passagen wünscht man sich zu modernisieren, damit sie dem aktuellen Zeitgeschmack entsprechen?
Dieser Aufgabe haben sich Anna Opel und Elias Linnekuhl gestellt.
Wer sich bereits mit dem Werk von Jane Austen beschäftigt hat, wird erkennen, dass sich die beiden optisch an die Verfilmung mit Keira Knightley und Matthew Macfadyen orientiert haben. Kleine Details und auch die beiden Hauptcharaktere lassen darauf schließen.
Für die, die "Stolz & Vorurteil" nicht kennen, eine Familie mit mehreren Töchtern möchte gerne in die oberen Kreise einheiraten, da der Besitz an den nächsten männlichen Erben fällt und die Töchter somit versorgt sein müssen. Was in der Zeit normal war, wird im originalen Texten mit vielen kleinen Spitzen von der Autorin selbst schon scharf kritisiert.
Von dieser Kritik bleibt in der graphischen Umsetzung nur ein wenig erhalten und die Kritik wird zum Teil auch von der anderen Charakteren geäußert.
Anna Opel und Elias Linnekuhl schaffen es, den Inhalt so zu verdichten, dass man als Neueinsteiger gut in die Handlung und ihre Charaktere hineinfindet.
Die Zeichnungen sind schlicht gehalten, was zu dem Text gut passt. Die Liebe zu Details zieht sich durch die ganze Graphic Novel und öffnet uns eine Zeit, die für uns doch sehr fremd ist.
4 von 5 Kavalieren
Dienstag, 7. April 2026
Matthias Manke "Leichtfüßig"
Während man seiner Ernährung, seinen Haaren, seiner Kleidung und anderen Körperregionen viel mehr Aufmerksamkeit zukommen lässt, sind die Füße die Körperteile, die man am häufigsten vergisst und somit auch vernachlässigt. Dabei sind sie es, die die Last unseres Körpers tragen und somit für unsere Mobilität kaum zu ersetzen sind.
Wenn die Füße schmerzen, haben sie oft schon einen langen Leidensweg hinter sich. Zu enge oder zu hohe Schuhe. Zu lange in Socken und Schuhen. Zu viel Gewicht, keine Bewegung …
Die Liste der Dinge, die den Füßen schadet, ist lang und gerade hier ist Vorsicht besser als Nachsicht.
Der Autor beschreibt in seinem Buch zuerst in aller Ausführlichkeit, welche verschiedenen Füße es gibt, wie es zu Fehlstellungen kommt und wie man die Korrektur herbeiführen kann.
Ein wesentlich kürzerer Teil beschäftigt sich mit der Pflege, Übungen und Reflexzonen.
In kleinen Schaubildern bekommt man die verschiedenen Füße, Übungen und auch Reflexzonen visualisiert, um gerade bei der Pflege oder Massage, die richtigen Bereiche entsprechend zu stimulieren.
Füße sind demnach kein Hexenwerk, man muss sich nur kümmern.
3,5 von 5 Füßen
Sonntag, 5. April 2026
Giulia Conti "Lago Mortale"
Der Tourismus ist hier noch nicht in den Massen angekommen wie am Lago Maggiore.
Und doch stört etwas die Ruhe.
Simon, ein Deutsch-Italiener, hat sich aus dem Frankfurter Journalismus hierher zurückgezogen. War es die Arbeit, waren es die Menschen, während des Krimis geht man auch hier auf Erkundungstour.
Eines Morgens steht Simon auf seiner Terrasse, als er ein Boot auf dem Lago trudeln sieht. Kurzerhand paddelt er dorthin, um nach dem Rechten zu sehen und trifft auf eine Leiche. Als Journalist kann er seine Neugier nicht unter Kontrolle halten und so stellt er neben der Polizei eigene Ermittlungen an, die ihn immer weiter in die Geschichte des Lago ziehen.
Finten und Hinweise, falsche Fährten und richtige Ansichten, die Autorin schafft in ihrem Erstling das, was vielen Krimiautoren lange nicht gelingt: Sie legt eine Spur, nimmt Hinweise vermeintlich zurück, um sie dann in einem anderen Licht zu präsentieren.
Italienische Küche, Partisanenvergangenheit und vieles mehr lässt sie in ihren Krimi einfließen und schafft es so, dem Leser neben ihrer spannenden Erzählung auch ein Stück Kultur an die Hand zu geben. Denn Italien ist bei Weitem nicht nur Sonne, Strand und Meer.
Der Krimi bildet den Auftakt einer Reihe, um Simon Strasser, einem Einsiedler, der im Grunde seines Herzens gar keiner sein will.
4,5 von 5 Gewässern
Dienstag, 31. März 2026
Sibylle Kappel "Rosenkrieg"
Ein Zeichen?
Zumindest insoweit, als dass Francesca die Anprobe unterbrechen und zur Mainau fahren muss. Vor Ort herrscht Trubel, denn auch die Hochzeitsgäste sind schon da. Sie zählen zu den Reichen und Schönen und wollen nichts mit einem Mord zu tun haben.
Schnell zeigt sich, innerhalb von ein paar Stunden ist die Ermittlung nicht erledigt und so bleibt sie mit ihrem Kollegen Thomas, den Gästen und dem Mörder auf der Insel.
Ein Hoch auf das Lokalkolorit. Man riecht die Blumen, man sieht die Schmetterlinge, man schweift über die Insel. Wer sie kennt, kann der Autorin während der ganzen Geschichte folgen. Szenenwechsel um die Dynamik und Spannung aufrecht zu halten, dazu eine bunte Mischung an Charakteren, fertig ist der Plot. Erfahrene Krimileser kommen schnell auf die Fährte, wohin die Reise gehen soll und daran merkt man, dass es sich um einen cosy crime handelt. Es ist kein Thriller, es ist kein Rätselkrimi. Es ist ein Unterhaltungskrimi.
Die Probleme der Ermittlern bekommen den gleichen Stellenwert wie die der Verdächtigen und ein paar Lacher hat die Autorin auch bewusst eingebaut.
Ein nettes Buch für zwischendurch und es macht Lust, die Insel Mainau zu besuchen.
3,5 von 5 Blumen
Montag, 30. März 2026
Ronald D. Gerste "Wie Krankheiten Geschichte machen"
Eine Frage, die gerade im geschichtlichen Zusammenhang immer wieder fällt. Denn es gibt Daten und Ereignisse in der Geschichte, bei denen man annimmt, dass sie völlig anders verlaufen wären, wenn …
Der Autor Ronald D. Gerste nimmt den Leser in seinem Buch "Wie Krankheiten Geschichte machen" erneut mit auf eine Zeitreise. In sehr unterschiedlich langen Kapiteln erörtert der Autor z.B., was in England passiert wäre, hätte Mary Tudor Kinder bekommen und Elisabeth I. wäre nicht auf den Thron gekommen. Neben der glorreichen Zeit unter Elisabeth I. steht die Frage, wie sich der Glauben in England ohne sie entwickelt hätte.
Weitere Zeitabschnitte und große Herrscher, die er bespricht, sind: die Cäsaren, Alexander der Große, Heinrich XIII., Friedrich Ebert, Friedrich der Große, Lenin, Stalin und wie viele mehr.
Neben einzelnen Persönlichkeiten schreibt er ebenfalls über die großen Epidemien der Zeit, wie z.B. die Spanische Grippe, die Pocken oder auch die Cholera.
Neben den eigentlichen Krankheitsbilder beschreibt er auch die jeweils aktuellen Lebensumstände und zeigt damit auf, warum es Krankheiten so einfach hatten oder warum sie auch "chic" waren.
Natürlich haben Krankheiten auch in der jeweiligen Zeit Einzug in die Literatur gehalten, allerdings sind diese Beispiele eher in der Minderzahl.
Ob kurz oder lang in den Abschnitten des Buches vermittelt der Autor eine Menge Wissen über die Zeit. Sollte man speziell an den Krankheiten interessiert sein, so sei allerdings erwähnt, dass der informative Anteil über diese sehr stark in den einzelnen Abschnitten schwankt. Manchmal ist es nur eine Randnotiz und man hätte sich gerade bei der Person mehr gewünscht.
Doch alles im allem bin ich immer wieder erstaunt, wie es der Autor vermeintlich spielend schafft, durch seine Wortwahl und die passenden Bezüge die Inhalte schon beim ersten Lesen im Gedächtnis zu verankern. Eine große Leistung für ein Sachbuch.
4 von 5 Krankheiten
Freitag, 27. März 2026
Anja Goerz und Eric Niemann "grün, tot, weiß"
Die Inselpolizei kann nicht mit so einem wichtigen Fall betraut werden und so kommen zwei Ermittler vom Festland herüber. Beide haben ihre Vorgeschichte und so ist es anfangs sehr schwierig einen gemeinsamen Nenner zu finden, damit die Arbeit nicht leidet.
Wie es bei Krimis inzwischen üblich ist, geht es nicht nur um ein gekonntes Katz-und-Maus-Spiel mit den Verdächtigen, sondern es geht auch um den Hintergrund der jeweiligen Ermittler.
Das Autorenduo Goerz und Niemann schafft mit seinen Ermittlern Herma und Jan zwei Figuren, die sich mit ihrer Lebenserfahrung und teilweise mit der Suche nach ihrem Platz darin (weit nicht so esoterisch, wie es hier gerade vielleicht klingen mag) sehr gut in das Geschehen einpassen. Andere Figuren spiegeln diese Eigenschaften und so sind empathische Szenen weit weniger gestellt, als es in anderen Büchern der Fall ist.
Parallel zu den beiden nimmt auch ein kleiner Junge die Untersuchung auf. Ganz im Stil von Sherlock Holmes sichert er Fingerabdrücke, begutachtet den Tatort und zieht Rückschlüsse, die gar nicht so verkehrt sind.
Der Plot an sich ist einem cosy crime ähnlich. Nicht sehr blutrünstig gestaltet, geht es um Kombinationsgabe und Ausschlussprinzip. Mit zahlreichen, realistischen Wendungen bleibt der Krimi bis zum Ende spannend und das eingeflochtene Lokalkolorit rundet die Erzählung gelungen ab.
4,5 von 5 Inseln
Mittwoch, 25. März 2026
Autoreninterview Maya Malou
Hallo zusammen.
Wer kennt Maya und ihr Zwergenkompendium denn nicht? Wie höre ich da gegenteilige Äußerungen? Dann mal fix das Interview gelesen. :-)
Wie ist dein Kinderbuch entstanden?
Mera und das Herz des Waldes, mein Debüt, entstand 2020 aus der Idee heraus, einen Adventskalender für meine Tochter zu schreiben. Allerdings ist mir dann schnell klar geworden, dass es mehr als 24 kleine Kapitel werden und so schrieb ich mein erstes Buch. Zum damaligen Zeitpunkt hätte ich mir niemals vorstellen können, dass es ein Jahr später tatsächlich einen Verlagsvertrag erhält und veröffentlicht wird. Ehrlich gesagt kann ich mir das nach wie vor bei keinem meiner Projekte vorstellen und bin immer maximal geflasht, wenn sie dann einen erhalten und ich sie als gedrucktes Buch in der Hand halten darf. Das hat auch nach mittlerweile vier Veröffentlichungen und drei Anthologien, an welchen ich mitwirken durfte, nichts von seinem Zauber verloren.
Welche Aufgaben machen dir bei der Entstehung eines Buches am meisten Spaß?
Beim Schreiben der Kinderbücher genieße ich es sehr Szenen einzubauen, die mich selbst und (hoffentlich auch) meine LeserInnen zum Lachen bringen, sowie die magischen Bilder, die sich in meinem Kopf abspielen in Worte zu fassen, um sie dadurch in andere Köpfe »zu zeichnen«.
Aktuell arbeite ich aktiv an einem Projekt für ältere LeserInnen und hier macht es mir total Spaß, die Charaktere auszuarbeiten und die Vibes zwischen den verschiedenen Protagonisten rüberzubringen. Aber auch das Zusammenführen aller losen Fäden innerhalb der Story, die dann irgendwann ein Ganzes ergeben, bereitet mir enorme Freude beim Schreiben. Es ist schon ein lustiges Gefühl, wenn man als Autorin die ganze Zeit weiß, was in einer Szene gerade »Off-screen« geschieht und dann im weiteren Verlauf immer wieder kleine Hinweise einbaut, bis man zu der Schlüsselszene kommt, welche den Lesenden, den »Aha-Moment« bringt. Ich freue mich dann schon im Voraus wie ein kleines Kind auf die Reaktion meiner TestleserInnen.
Wie hast du dich auf die Leipziger Buchmesse vorbereitet?
Ich habe tagtäglich mehrere Liter Kaffee getrunken, geübt mindestens zwanzigtausend Wörter pro Tag zu reden, und mich nicht länger als 10 Minuten hinzusetzen. ;-)
Spaß beiseite, so wirklich darauf vorbereitet habe ich mich nicht, da ich ja das Glück habe, dass die Verlage sich um die Präsentation der Bücher kümmern. Ich hatte nur die Aufgabe meine Postkarten und Visitenkarten rechtzeitig zu bestellen (was beinah auch noch schief gegangen wäre) und mir Zugverbindungen herauszusuchen und zu überlegen wie ich alles in meinen großen Rucksack bekomme.
Worum geht es in deinem neuen Buch »Mera und die Farben des Waldes«?
Es ist das zweite, unabhängig lesbare Abenteuer meines lustigen Trios, bestehend aus Mera, einem Menschenmädchen, Tirothemius, einem Pan und Mink, einem Mondhasen. Tirothemius und Mink haben Mera eingeladen, um ihre einjährige Freundschaft zu feiern, aber statt gemütlich Rumpelkekse zu naschen, erwarten die drei Freunde aufgeregte Uppie-Wuppies, ein wirklich einzigartiges Zwergenvölkchen, und eine seltsame Farblosigkeit, die sich im Wald ausbreitet. Natürlich machen sich die drei Freunde auf die Suche nach der Ursache und einer Lösung für den Farbverlust des Waldes. Dabei stoßen sie auf ein ganz besonderes magisches Wesen, von deren Existenz sogar die Bewohner des Waldes hinter dem Nebel überrascht sind und begeben sich mit einer Gruppe Zwerge auf die Spuren einer uralten Zwergenlegende.
Alles in allem wird es also wieder sehr magisch und lustig, es tauchen wieder einige schräge Wesen auf und Themen wie Freundschaft und Mut spielen eine große Rolle.
Die Buchbranche ist oftmals ein schwieriges Pflaster. Was fehlt der Branche aus deiner Sicht?
Eindeutig Ruhe und Gelassenheit sowie der Fokus auf Qualität statt Quantität. Ich habe das Gefühl, es geht nur noch darum alle paar Wochen einen neuen »Bestseller« rauszuhauen und das überzeugendste Cover und den auffälligsten Farbschnitt zu machen. Dabei bleiben die Qualität der Geschichten und die Individualität absolut auf der Strecke. Ein Grund, weshalb ich gar nicht mehr bei großen Verlagen einkaufe.
Besuche in der Buchhandlung empfinde ich schon seit längerer Zeit nur noch ernüchternd, da man auf dem ersten Blick vom bunten Angebot erschlagen wird und bei genauem hinsehen wirken alle Cover und Klappentexte ähnlich. Dadurch geht in meinen Augen einiges an Herzblut verloren, dass AutorInnen in ihre Geschichten stecken, wenn sie sich die Zeit nehmen können, um ihre Geschichte zu schreiben.
Aktuell suggeriert der Buchmarkt uns AutorInnen, dass wir nie schnell genug sind, und setzt Schreibende enorm unter Druck, denn wenn du nicht »schnell genug nachlieferst«, bist du schon in der nächsten Woche Schall und Rauch. Da will und kann ich nicht mitmachen, auch wenn das bedeutet, dass ich es nicht mit meinen Titeln in die großen Buchhandlungen schaffe.
Wie kann man sich deinen Alltag als Autorin vorstellen?
Einen wirklichen Alltag als Autorin habe ich nicht, da ich das Schreiben in meiner oft sehr knapp bemessenen Freizeit betreibe. Wenn ich in meinem Brotjob frei habe und die Kinder außer Haus sind, dann setzte ich mich mit einer Tasse Kaffee oder Tee an meinen Schreibtisch, höre leise Instrumentalmusik und tippe in die Tasten.
Oft liege ich aber auch abends ewig bei der Einschlafbegleitung und gehe meine Storys im Kopf durch und tippe dann nur schnell Stichworte oder kurze Sätze in mein Handy, damit ich es nicht vergesse.
Tatsächlich schreibe ich viel am Handy in den Notizen, weil ich das im Alltag einfach immer dabei habe und bringe das dann später in »Schönform« am Laptop.
Auf Kommando kreativ sein ist für mich sehr schwierig, oft überrollen mich Szenen und Ideen in den unpassendsten Momenten :D die Reime für »Aufregung im Zwergendorf« kamen mir zum Beispiel um drei Uhr morgens, als ich im Bett lag und partout nicht einschlafen konnte. Am nächsten Tag war ich dementsprechend müde, aber hey, ich hatte die Geschichte für ein Bilderbuch! :D
Mit welchem deiner Bücher sollte man beginnen?
Wenn man dem Alter nach geht, mit dem Bilderbuch »Aufregung im Zwergendorf«, dann »Mera und das Herz des Waldes«, gefolgt von »Mera und die Farben des Waldes« und dann das »Zwergenkompendium«, sowie meine diversen Kurzgeschichten.
Aber eine wirkliche Reihenfolge, aber dennoch kann man in allen Geschichten kleine Eastereggs zu den jeweils anderen finden, da ich großen Spaß daran habe mir ein eigenes Multiversum aufzubauen. So finden sich z.B. im Zwergenkompendium »Uppie-Wuppies« oder der Märchenerzähler Birk wieder, welche die Lesenden in »Mera und die Farben des Waldes« wieder treffen. In »Aufregung im Zwergendorf« verstecken sich Tirothemius & Mink in zwei der Illustrationen und es gibt einen Wegweiser, der nach Teichstadt und zu den Rumpelhöhlen weist, welche man in »Mera und das Herz des Waldes« besucht und in einer meiner Kurzgeschichten, die in der Anthologie »Ignis Lucidus« beim Carpathia Verlag erschienen ist, lernt man die Protagonistin meines aktuellen Projektes kennen.
Wer neugierig ist, kann hier mehr über Maya erfahren:
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Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.
Sonntag, 22. März 2026
Dieter Nuhr "Gut für dich!"
Viele Ausdrücke, die alle den gleichen Zustand beschreiben: den gemeinen Deutschen.
In vier 'Büchern' nähert er sich in seiner bekannten Art dem Thema und stellt fest, dass es die Außenwirkung ist, die uns die Laune verdirbt. Natürlich ist man daran selbst schuld, denn man könnte auch einfach zufrieden sein, aber dafür sind wir deutsch.
Was neben seinem schwarzen Humor immer wieder durchscheint, ist der Wunsch, dem Leser zu vermitteln, dass Glück und Zufriedenheit auch aus dem Inneren kommen.
Praktische Alltagstipps und Möglichkeiten aus den Gedankenschliefen auszubrechen, liefert er genauso, wie den Wunsch dem Leser seine Thesen näher zu bringen.
Wie immer kann man nicht alles auf sich selbst beziehen, doch er liefert einen Einstieg, wie man das fortwährende Vergleichen mit anderen abschütteln kann.
Freitag, 20. März 2026
Ingrid Weißmann "Rotlicht, Blaulicht und Henrike"
Henrike hat gerade ihre Ausbildung beendet, um in den Polizeidienst zu wechseln. Es ist eine Zeit, in der die Frauen oft zur Unterstützung mitgehen und selten allein für eine Ermittlung verantwortlich sind.
Bei Henrike kommt eine private Bekanntschaft eine Überwachung in die Quere und so gelangt sie emotional viel tiefer in den Fall als es ursprünglich gedacht war.
Man benötigt einige Kapitel um sich an den Schreibstil zu gewöhnen. Die Kapitel sind kurz, wechseln zwischen den Protagonisten hin und her und vermitteln aus den Perspektiven ein sehr unterschiedliches Bild vom Kiez.
Der Fall entwickelt sich nach und nach zu etwas großen und so zeigt die Autorin, wie verschiedene Abteilungen miteinander arbeiten müssen, um sich der Lösung zu nähern.
Lokalkolorit und aus heutiger Sicht "historische" Polizeiarbeit fließen ebenso in den Text ein wie eine leichte Gesellschaftskritik.
Trotz allem war es nicht ganz der Krimi, den ich erwartet habe. Für Fans des Lokalkolorits und der Polizeiarbeit aber definitiv einen Blick wert.
3 von 5 Polizisten
Mittwoch, 18. März 2026
Agatha Christie "N oder M?"
Man bemerkt in den Texten aus den Kriegsjahren öfters die Wut der Autoren und den Wunsch, die Welt in einem Schwarz-weiß sehen zu wollen. Wer ist gut, wer ist böse, das ist in der Realität oft nicht ganz so einfach auszumachen. Doch im Krimi gibt es keinen Platz für grau.
Die Mischung aus dem Duo Tommy und Tuppence, was immer schon für das eine oder andere Augenrollen gereicht, da sie zu überzeichnet wirken, und dem Wechsel zwischen "Fritz" und dessen Einstellung dominiert den Krimi.
Der Gedanke, dass es eine Unterwanderung innerhalb der eigenen Reihen gibt, ist durchaus gelungen, doch die Umsetzung bleibt an vielen Stellen hinter den Möglichkeiten zurück.
Lose Enden gibt es bei Agatha Christie natürlich nie, doch ist es um die Varianz und die Plotbunnies nicht gut bestellt.
Sicherlich ist das Buch auch als eine Art Zeitzeuge zu sehen, doch die literarischen Tricks, die Agatha Christie bei Monsieur Poirot und Miss Marple nutzt, kommen hier nicht zur Geltung.
Schade, da gerade bei dem Setting viele Ideen die Geradlinigkeit des Textes hätten unterbrechen können.
3 von 5 Spionagen
Freitag, 13. März 2026
Katharina Henz "Validieren: Wie echtes Erkennen und Anerkennen Beziehungen transformiert ..."
Eine besonders aufmerksame Form des Zuhörens ist das Validieren. In acht Kapiteln bringt die Autorin dem Lesenden den Unterschied zwischen Zuhören, aktivem Zuhören und Validieren sachkundig bei.
Was sich im ersten Moment wie eine Mammutaufgabe anhört, ist im Kern eigentlich recht simpel, wenn man einmal den Zugang hierzu gefunden hat.
Mit Situationen aus der psychologischen Praxis erläutert sie die Unterschiede und zeigt, warum die Menschen sich oft bevormundet fühlen.
Ein kleines Beispiel?
Niemand, wirklich niemand, kann sich zu einhundert Prozent in einen anderen Menschen hineinversetzen. Somit sind sämtliche Ratschläge, wie "Ich würde das so und so angehen" hinfällig.
Denn keiner kann sich wirklich in die Lage des anderen versetzen. Warum? Das erklärt die Autorin an mehreren Sachverhalten. Zum einen lassen wir unser Gegenüber selten ausreden, bevor wir eine Diagnose stellen. Wir fahren dem anderem über den Mund, weil wir sein Leid mindern wollen, doch oft wird er gegenteilige Effekt ausgelöst.
Durch die Beispiele, die sich auf Arbeitskollegen, Kinder, Kranke, Eltern und Vorgesetzte beziehen, ist das Thema bei weitem nicht so abstrakt, wie es zuerst den Anschein hat.
Man lernt, Menschen besser zu verstehen, man lernt einen neuen Umgang miteinander. Ob man ihn täglich und gerade in Stresssituationen immer anwenden kann, ist für mich im Moment noch fraglich, doch zeigt dieses Buch, dass psychologische Themen greifbar sind, wenn sie gut und eingängig formuliert werden.
Die Kapitel haben jeweils einen Themenschwerpunkt und an Ende eines jeden werden die Kernaussagen mit Stichworten zusammengefasst. Optische Einrückungen und Kästen heben Themen und Beispiele zur besseren Lesbarkeit hervor.
Ein großes Lob an die Autorin, die das Thema für mich sehr verständlich und interessant dargelegt hat.
5 von 5 Sitzungen
Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Donnerstag, 12. März 2026
Beate Maly "Gold aus der Wiener Werkstätte"
Während ein aufsehenerregender Prozess um ein Bordell die Schlagzeilen dominiert, wird einem Hotel eine Leiche gefunden. Auch sie hat früher in besagtem Bordell gearbeitet, doch nun ist sie mit edlem Schmuck bedeckt. Da bei dem Prozess auch die Polizei involviert ist, soll Max von Krause erst einmal Stillschweigen bewahren. Doch dies gestaltet sich schwierig, da der Schmuck aus den Wiener Werkstätten stammt und somit viel zu viele Menschen über den Schmuck und die dazugehörige Leiche Bescheid wissen. Ein Blick hinter die Fassade zeigt: Jeder hat mindestens ein Geheimnis, das für andere zur Gefahr werden könnte.
Dies ist bereits der zweite Band um Max von Krause und Lili Feigl. Ich habe zuvor den ersten Band nicht gelesen, kann aber sagen, dass man diesen nicht zwingend kennen muss, um der Handlung zu folgen. Die Autorin verwebt in ihrem Krimi Realität und Fiktion so gekonnt, dass man nur so durch die Seiten fliegt und wissen will, wie es weitergeht. Die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, ihre Vorurteile und Seilschaften bilden die Grundlage für einen spannenden Plot, er den Leser immer wieder in die Irre führt. Denn man fragt sich, wer hat was von den diversen Sticheleien und wer hat zum Schluss die Nase vorne? Denn nicht nur unter Gaunern gibt es Streitigkeiten auch bei der Polizei und im Privaten ist nicht alles rosarot. Durch die vielen "Angriffspunkte" schafft sie es viel Spannung und Neugier auf die Schauplätze zu legen. Mit ihren Protagonisten hat sie zwei Sympathieträger, die die Schlechtigkeit der anderen Figuren ausgleichen.
Das angedeutete Wienerisch zieht sich mal mehr, mal weniger durch den Text und lässt so ein harmonisches Bild im Kopf entstehen.
Die Auflösung kam mir persönlich am Ende ein bisschen zu abrupt, das mindert aber nicht die Begeisterung für den Text.
Sie verarbeitet arm und reich, Mann und Frau, gut und böse so gut, dass ich den ersten Band demnächst nachholen und ihre andere Reihe unbedingt fortsetzen möchte.
4,5 von 5 Schmuckstücken
Mittwoch, 11. März 2026
Makoto Yukimura "Vinland Saga 3"
Seit dem zweiten Band sind einige Jahre vergangen und England leidet unter den Überfällen der Wikinger. Immer mehr Menschen werden getötet, Dörfer geplündert oder ganz zerstört. Doch auch unter den Wikinger herrscht keine Einigkeit mehr und so kommt es bei London zu einem Kampf zwischen zwei Wikingern, der aber erstmal unentschieden ausgeht.
Doch die nächste Schlacht ist nicht fern und so sind es zunehmend "Glutnester", an denen immer wieder Kämpfe aufflammen und die Menschen in Angst und Schrecken versetzen.
Währenddessen halten die Wikinger-Frauen zuhause alles in Schuss, aber sie müssen immer fürchten, dass ihre Männer nicht wiederkommen. So ist das Leben auch für sie geplagt von Arbeit und Zweifeln und ein Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht.
Mit Karten und Schaubildern unterscheidet sich dieser Band von seinen Vorgängern. Die Angriffe werden hier genau mit Jahreszahlen verzeichnet und dieser Band spielt an verschiedenen Plätzen in England. Die Nähe zu der Geschichte wird an mehreren Stellen untermauert und gibt den Lesern eine Einordnung, wie Manga und Realität übereinstimmen.
Wie schon in den vorigen Bänden werden die Kampfeshandlungen sehr plakativ dargestellt, sodass die Farbgebung die Dramatik intensiviert. Man lernt, dass auch unter Eroberern nicht immer die gleiche Meinung herrscht und obwohl "nicht viel anderes passiert", ist der Band nicht langweilig.
Geschichte als Manga. Ein gelungenes Konzept.
4 von 5 Drachenköpfen
Dienstag, 3. März 2026
Nicholas Meyer "Sherlock Holmes und das Phantom der Oper"
Spoiler: Einiges.
Doch beginnen wir am Anfang.
Sherlock Holmes hat die Reichenbachfälle überlebt und reist durch Europa, um seinen Tod noch eine Eile zu vertuschen.
Um nicht immer wieder seinen Bruder um Geld zu bitten, nimmt er eine Anstellung als Geiger in der Pariser Oper an und trifft somit auch auf die Geschichte rund um das dort lebende Phantom.
Warum es wie handelt, lässt sich nach kurzer Zeit erahnen und Holmes versucht so wenige Menschen wie möglich zu schaden kommen zu lassen. Doch die Ohren der neuen Direktoren sind taub für seine Warnungen. Als schließlich das Unheil angerichtet ist, ist es Holmes, der sich verteidigen muss, denn seine Kombinationsgabe wird gegen ihn verwendet.
Wer die Pastiches von Nicholas Meyer kennt, weiß, dass er sie als "direkte Texte" von Watson ausgibt und er selbst lediglich editorische Notizen hinzufügt. Die Idee und auch die Umsetzung ist auch bei dem dritten Band sehr gelungen und durch den Schreibstil, in dem Holmes Watson direkt anspricht, wird man in das Geschehen gezogen.
Was mir in diesem Band nur überhaupt nicht gefallen hat, war die Figur Sherlock Holmes. Auch wenn er in Paris vermeintlich in Urlaub ist, kann man seine stümperhaften Ermittlungen und seine Begriffsstutzigkeit in vielen Szenen einfach nicht nachvollziehen. Vergleicht man die Ermittlung sowohl mit den beiden vorigen von Meyer als auch mit dem Kanon, hat man mehrfach das Gefühl, der großartige Detektiv stolpert blind und mit einer Hand auf den Rücken gebunden durch den Fall. Zu viele Hinweise, die Meyer auch explizierter beschreibt als Doyle, lässt Holmes liegen, um hinterher erstaunt auf des Rätsels Lösung zu blicken.
Weiterhin bedient der Text viele der Touristenattraktionen, Eifelturm, die Oper und deren unterirdirsche Gänge. Ein Streifzug durch die Stadt, bei dem sich Holmes auch noch direkt verläuft.
Wer Meyer in seiner Höchstform lesen will, sollte zu "Sherlock Holmes und die Theatermorde" oder auch noch "Kein Koks für Sherlock Holmes" greifen, dieser Band wird weder Holmes noch Meyer gerecht.
3 von 5 Opern
Montag, 2. März 2026
Tommaso Vitiello "Oscar Wilde - die Comic-Biografie"
Die Graphic Novel steigt in sein Leben ein, als er in Amerika an seinen schriftstellerischen Vorstellungen feilt. Sollen es weitere Essays, Romane oder doch Theaterstücke sein? Das Publikum ist (in mehrfacher Hinsicht) nicht bereit für seine Texte und so nagt die Unzufriedenheit an ihm. Er, der von seinem Umfeld immer als grandioser Künstler dargestellt wird, hat nicht den Erfolg, den er sich wünscht. Als sich das Blatt gerade ein wenig wendet, kommt seine Affäre mit Bosie an die Öffentlichkeit. Die Gesellschaft ist entsetzt und so wird aus einem Prozess um üble Nachrede ein Prozess, der ihn ins Gefängnis bringt.
Die Comic Biografie hält sich sehr dicht am Lebenslauf von Oscar Wilde. Das einzige, was mir ein wenig zu kurz kam, war, warum die Menschen seine Texte nicht mochten und wie er sie zunehmend anstößig formuliert hat.
Das Buch unterteilt sich in mehrere Abschnitte, die spezielle Zeitpunkte (z.B. den Prozess und die Gefangenschaft) in Wildes Leben beleuchten und in denen auch seine Wirkung im Ausland thematisiert wird.
Die Zeichnungen sind weich gehalten. Sie wirken wie eine Hommage an Wildes frühe Frisur. Die Zeichnungen kommen ohne viele Details aus, zudem sind die Figuren manchmal vage gehalten, ebenso wie die Hintergrundgestaltung. Meinen Geschmack trifft dies nicht, aber es passt zum Inhalt der Biografie.
Unterschiedlich große Zeichnungen, auch mal als Platzhalter für längere Texte verwendet, führen dazu, dass das Auge nicht abschweift und man die unterschiedlichen Stimmungen innerhalb der Biografie wahrnimmt. Nichts wird beschönigt, aber auch nichts verrissen.
4 von 5 Dramatikern
Samstag, 28. Februar 2026
Susanne Matthiessen "Ozelot und Friesennerz"
Zumindest in heutiger Zeit. Den Schönen und den Reichen gehörte die Insel, bevor das Deutschlandticket spruchreif wurde.
Aber stimmt das wirklich? Denn eigentlich gehören die 99 Quadratkilometer den Insulaner, doch diese gibt es immer weniger. Nicht nur, weil sie sich die Häuser kaum mehr leisten können, sondern auch weil die Insel keine Geburtenstation mehr besitzt.
Doch die Geschichte beginnt in den sechziger Jahren. Die Protagonistin lebt mit ihren Eltern in Westerland und Pelze sind ihr Lebensunterhalt. Die Schönen und Reichen kommen zu ihnen, um sich beraten zu lassen und anschließend dem Kaufrausch zu verfallen, denn seien wir mal ehrlich, wer einen Pelz hat, kann auch einen zweiten gebrauchen.
Neben dem Alltag im Laden und zuhause mit den Übernachtungsgästen erzählt sie auch von den anderen Kindern, die ebenfalls mit dem Tourismus zu tun haben. Denn nach dem Krieg floriert dieser auf der Insel. Zu Beginn sind die Unterbringungsverhältnisse vielleicht noch spartanisch, doch auch hier zieht das Niveau immer weiter an. Ebenso wie die Ansprüche der Gäste, denn nichts ist in ihren Augen zu viel verlangt und nichts dürfen die Insulaner ihnen ablehnen, schließlich sind sie zahlende Gäste.
Nicht nur auf Sylt sondern auch in anderen Feriengebieten breitet sich in den letzten Jahren die Problematik aus, dass die Einheimischen dort nicht wohnen können und außerhalb des Tourismus keine anderen Jobs zur Verfügung stehen. Von anderen Menschen oft verpönt, ist es wirklich schwer, sich in die Einwohner hineinzuversetzen, da sie Stück für Stück ihre Heimat und ihre Kultur verlieren. Zudem kommt bei der Familie der Autorin der Wandel zum Tragen, dass ihr Broterwerb ersatzlos weggefallen ist. Sicherlich schwingt der Unmut darüber im Buch mit und auch die fehlende Beachtung dessen, was die Insulaner in der Saison leisten, doch ist das Buch auch ein Stück deutsche Geschichte, da es zeigt, wie Deutschland sich in den sechziger und siebziger Jahren wieder aufgebaut hat und was den Menschen in ihrem Alltag wichtig ist. Das Wechselspiel zwischen arm und reich bildet hierbei einen weiteren Reiz.
3,5 von 5 Fellen