Freitag, 12. Juni 2026

Amy Bloom "Meine Zeit mit Eleanor"

Ein paar Tage vor Kriegsende, im April 1945, schleppt sich eine Frau nach der Beerdigung ihres Mannes in die Wohnung ihrer Freundin. Bei der Frau handelt es sich um Eleanor Roosevelt, die Freundin heißt Lorena Hickok. In Rückblenden erzählt Lorena ihr Leben vor Eleanor, während sie die Beileidsbekundungen zum Tod von Franklin D. Roosevelt sichten. Kennengelernt haben sie sich 1932 als Hickok in das Weiße Haus als Hausreporterin einzog. Schnell entdecken die beiden Damen die Harmonie zwischen sich und unternehmen auch private Ausflüge und mehr.

Das Buch "Meine Zeit mit Eleanor" ist ein Roman. Was sich zeitweilig wie ein historisches Sachbuch liest, ist eine Erzählung über das Leben zweier Frauen in den 1930er und 1940er Jahren in Amerika. Ein flüssiger Schreibstil, der als Tagebuch gegliedert ist, bringt den Text schnell näher. Beide Frauen haben vor ihrer Begegnung schon viel mitgemacht und es zeigt sich, wie gerade zu dieser Zeit die Sicht auf die Frau war. Um vieles wurde noch gekämpft, teils gemeinsam, teils gegeneinander.
Die Erzählung zeigt aber auch, wie es zwei Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensläufen schaffen, miteinander klar zu kommen und sich vielleicht gerade wegen ihrer Unterschiede sehr nah sein konnten.

Dadurch dass es sich um eine Erzählung handelt, ist es schwer, zu unterscheiden, was Realität z.B. F. D. Roosevelts Beziehungen und was Fiktion ist, hier die intensive Beziehung zwischen Eleanor und Lorena. Hier hätte ich ein Nachwort mit einer entsprechenden Einordnung gut gefunden.

Weitere historische Ereignisse spielen eher eine untergeordnete Rolle und werden nur erwähnt, wenn es die Erzählung berührt.
Ein nachdenklich stimmendes Buch, dass einen Einblick darüber gibt, wie menschliche Beziehungen funktionieren und warum dies nicht für alle gleich ist.


4 von 5 Tagebüchern 

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