Donnerstag, 28. Mai 2026

Autoreninterview Oliver Baier

Hallo zusammen.
Krimis und gerade jene mit Lokalkolorit liest man immer wieder gerne. So darf ich euch heute einen Autor vorstellen, dessen Krimi in Frankfurt am Main spielt.


(Foto: Oliver Baier (privat), Grafik: Maximilian Wust)

"Frankfurt Beats" wird jetzt ein Jahr. Wie hast du dieses Jahr erlebt?
Es war ein sehr aufregendes Jahr mit meinem Debüt. Ich habe viele wunderbare Menschen kennengelernt, die mir offen und interessiert begegnet sind. Eine große Überraschung war die Nominierung für den "Harzer Hammer", einen Preis, der ThrillerdebütantInnen verliehen wird. Für den Preis hat es am Ende nicht gerreicht, aber es hat sich schon sehr gut angefühlt. Kurz vor der Veröffentlichung war ich als Weinschreiber mit einem Residenzaufenthalt in Eltville - ein tolles Gefühl, als Autor wahrgenommen zu werden. Ich wurde für einen Bloggendenevent nach Bad Ragaz in die Schweiz eingeladen, was ich niemals erwartet hätte. Aber auch die vielen Lesungen an unterschiedlichen Orten und mit den unterschiedlichsten Erfahrungen haben in mir den großen Wunsch nach mehr ausgelöst. 

Warum meinst du ist Lokalkolorit für ein Buch so wichtig?
Generell handelt jedes Buch irgendwo und Atmosphäre einzufangen ist Teil des Leseerlebens. Mir war es aber wichtig ein Gefühl zu transportieren, welches über die Beschreibung klassischer Hotspots hinausgeht und auch Lesende zu begeistern, denen ein bisher unbekanntes Frankfurt dennoch zu einem Ort wird, der lebendig, ambivalent und in meinem Genre auch voller Spannung und Emotionen wirkt.

Erzähl doch einmal, wie kam es zu "Frankfurt Beats"?
Vor meinem Debüt habe ich schon einige Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlichen können und wollte nach einem Regiokrimi in einem Autorenkollektiv einen eigenen Roman schreiben. Zuerst war Milan da, eine Figur, die mir am Frankfurter Hauptbahnhof begegnet ist und den ich eine eigene Geschichte erzählen lassen wollte. Zunächst war ich sehr freundlich mit ihm, aber für den Thriller musste ich ihm leider einiges vor die Füße werfen. Frankfurt beschäftigt mich schon mein ganzes Leben, ich mag es in dieser Stadt zu sein und das zu beobachten, was passiert. Alle Kontraste treffen hier aufeinander, die Stadt kann international, aber auch ganz klein sein in verschiedenen Ecken.
Die Verlagssuche ist für Debütautoren eine große Herausforderung, die mein Verleger Gerd Fischer mit mir realisieren wollte und dann konnten die Beats bei mainbook erscheinen.

Wann nimmst du dir die Zeit zum Schreiben?
Da ich freiberuflich mehr als Vollzeit arbeite, kann ich dies, wie viele AutorenkollegInnen nur in den Abendstunden oder am Wochenende einrichten, aber das ist für mich absolute Qualitytime. Meine kleine Tochter hat außerdem viele Trainingszeiten, in denen ich warten muss und das in Cafés oder sogar bei McDonalds mit dem Schreiben überbrücken kann. Ich darf dabei nur die Abholzeiten nicht vergessen ...

Arbeitest du am einer Fortsetzung? Oder bist du eher an einem anderen Thema interessiert?
Aktuell arbeite ich an einer neuen Serie rund um ein Frankfurter Ermittlerteam. Es unterscheidet sich daher etwas von den Beats, bei denen keine Ermittelnden im Vordergrund stehen. Die Kulisse Frankfurt ist dabei aber auch wieder eine großartige Inspiration für mich. Generell sind aber die Beats für mich nicht unbedingt auserzählt. Mal schauen, ob es in dieser Richtung noch zu einer Fortsetzung kommt. An Ideen für andere Projekte mangelt es mir zum Glück bisher nicht.

Auf welchen Veranstaltungen kann man dich bis zur Frankfurter Buchmesse sehen?
Meine Zeit ist mit Schreiben gerade sehr ausgefüllt, da ich gerne den Weg mit einer Literaturagentur gehen möchte und da auch ein gut ausgearbeitetes Manuskript mit weiteren Teilen anbiete. Gerade komme ich aus Salzburg von der Criminale, einem Jahrestreffen des Syndikat e.V (der Autorenvereinigung deutschsprachiger KrimiautorInnen), bei der ich auch zu einer Jurytätigkeit für den renommierten Glauserpreis berufen worden bin. Aber auf der Frankfurter Buchmesse werde ich auf jeden Fall vertreten sein. Vielleicht ergibt sich ja noch bis dahin eine Lesung mit den Beats - da ich interessanterweise immer noch nicht in Frankfurt lesen konnte, verrückt, oder?

Mit welchem Autor könntest du dir eine Zusammenarbeit vorstellen?
Im Duo zu schreiben stelle ich mir sehr aufregend vor und vielleicht ergibt sich ja irgendwann die Möglichkeit dies zu tun. Ich habe so viele AutorInnen, die ich schätze und mit denen es eine große Ehre wäre gemeinsam zu schreiben. Teamarbeit ist mir ja in meinem therapeutischen Setting nicht fremd.
Aktuell habe ich aber mit meinem Soloprojekt genug zu tun und möchte mir damit erstmal einen eigenen Namen machen.

Wer neugierig ist, kann hier mehr über Oliver erfahren:
instagram.com/oliverbaier.autor
oliverbaier.eu

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Tristan Palmgren "Marvel Heldinnen: Domino auf Abwegen"

Jede Geschichte hat einen Anfang und ein Ende. Gerade bei Helden und Heldinnen meint man schnell, es wäre immer schon alles so gewesen. Doch mitnichten.
Denn auch die Glorreichen haben dunkle Kapitel in ihrem Leben und von einem dieser erzählt das Buch. Vorab sei gesagt, dass ich anfangs dachte, dass es sich bei diesem Buch auch um einen Comic handelt und so war meine Enttäuschung anfangs groß, als ich mit diesem Roman begonnen habe.
Doch unabhängig der Umsetzung handelt es sich um eine spannende Erzählung, die auf mehreren Zeitebenen spielt. 
Wie wurde Domino zu dem Charakter, der sie heute ist? Was hat sie beeinflusst?
Diese Fragen sind es, die der Autor ergründet und der Figur Tiefe und Stärke gibt.
Der Wechsel zwischen den Zeitebenen, der Schreibstil und auch die Formung des Charakters zeigen, dass der Autor durchaus sein Handwerk versteht, doch trotz allem bleiben diese Figuren für mich Comics und ohne die entsprechende Bebilderung fehlt mir etwas.
Für Fans ist die Reihe sicherlich eine gute Ergänzung, für einen Einsteiger in das Marvel Universum ist sie eher ungeeignet.

3,5 von 5 Heldinnen

Mittwoch, 27. Mai 2026

Florian Wagner "Rente mit 40"

Während das eigentliche Renteneintrittsalter immer höher geschraubt wird, überlegen sich immer mehr Menschen bewusst früher in Rente zu gehen, um ihr Leben im Anschluss so zu gestalten, wie sie es möchten ohne an einen 9 to 5 Job gebunden zu sein. Doch der Weg dahin ist leichter gesagt als getan. Wie Florian Wagner in zahlreichen Interviews anführt, muss man sich als erstes bewusst machen, was man zum Leben braucht, denn um eher in Rente gehen zu können, braucht man Kapital und Kapital und Konsum gehen bekanntlich nicht Hand in Hand.
Mit mehreren Gesprächspartner erörtert er, dass Frugalismus bedeutet und dass Verzicht nicht immer negativ sein muss. Denn gerade das Verzichten ist ein wichtiger Baustein in der Erkenntnis, was man zum Leben benötigt und das sind nicht dreißig Paar Schuhe und zwanzig Handtaschen.

Unabhängig, dass ich das Ziel nicht mehr erreiche, sind die Gedanken einfach und gut im Alltag umzusetzen. Viele Dinge sind einem schon durchaus bewusst gewesen, doch gerade die Praxisfragen zum Schluss eines jeden Kapitels zeigen noch einmal genau, worum es gehen sollte. Allein schon, um zu sparen oder auch schlicht für das Alter vorzusorgen. Eine allgemein gültige Antwort gibt es nicht, jeder muss seinen Weg zwischen Frugalismus, Sparen und Konsum finden.
Dieses Buch ist ein guter Ratgeber für den Einstieg und das gedankliche Sortieren.

4 von 5 Finanzspritzen

Dienstag, 26. Mai 2026

Steffi von Wolff "Her mit dem schönen Leben"

Eigentlich war der Plan ganz einfach: Weg von Frankfurt und ab nach Hamburg. Für Nelly und Elisa ist es nach der Schule ein simpler Plan, doch es kommt natürlich alles anders. Denn die WGs sind zu teuer, zu unappetitlich oder man bekommt sie einfach bei dem massiven Andrang nicht. Eher ungewollt landen sie bei einem Schiff, welches kurzerhand zu einer Wohnung umfunktioniert wird, doch auch hier ist das Glück nicht von Dauer.

Alt gegen jung.
Reich gegen arm.
Lieb gegen Zicke.

Alles das und noch viel mehr begegnet den fünf Bewohnern des Schiffes. Denn auch wenn man erwachsen ist, lernt man nicht aus. In einer fremden Umgebung heißt es Leute einzuschätzen, sich selbst um alles kümmern und sich ggf. nicht mehr darauf zu verlassen, dass jemand hinter einem herräumt. Die Autorin schafft es, mit ihren fünf Charakteren einen Querschnitt durch die Jugendkultur aufzuzeigen und führt vor Augen, dass jeder, aber auch wirklich jeder, seine Probleme hat. Von Unsicherheit über Verwöhntheit bis hin zur Naivität zeigt sie, dass jeder Mensch auch andere braucht, um nicht aus der Bahn geworfen zu werden.
Die Geschichte ansich ist recht vorhersehbar, was aber nicht den Charme der Charaktere und die Neugier auf ihre Entwicklung hemmt. Doch gerade, weil man selbst nicht mehr in diesem Alter ist, wirken einige Probleme ein wenig aufgesetzt und man fragt sich, ob man auch einmal so war.

3,5 von 5 Hausbooten

Samstag, 23. Mai 2026

Bernhard Jaumann "Caravaggios Schatten"

Ein Ehemaligentreffen wird zum Auslöser einer Kette von Ereignissen, die vielleicht lieber im Dunklen geblieben wären. Rupert von Schleewitz hatte gerade sein altes Internat besucht, als sein Zimmergenosse ihn nach Potsdam einlädt. Eigentlich hat Rupert keine Lust, doch die Vehemenz des Wunsches lässt ihn anreisen. Während sie das Schloss Sanssouci besuchen, zieht sein Mitschüler ein Messer und attackiert "Der ungläubige Thomas", woraufhin die beiden Störenfriede festgenommen werden. Doch es bleibt nicht bei der Beschädigung. Beim Transport zum Restauration wird das Bild entführt und ein Streit über die Zuständigkeit entbricht, während Rupert seine Vergangenheit zu verdrängen versucht, als sein Angestellter Max diese aufwühlen will.

Eine Internatsgeschichte. Ein Artnapping. Eine Kunstexpertise. Eine Täuschungsgeschichte.
Wie schon in seinem ersten Krimi dieser Reihe hängt der Autor die Messlatte für diesen Krimi sehr hoch. Denn schlicht einen Handlungsstrang in sein Werk zu schreiben, wäre ihm offensichtlich zu simpel. So wählt er neben seiner detaillierten Beschreibung über die Entstehung des ungläubigen Thomas die anderen Schauplätze, um dem Leser neben einer gehörigen Portion Kunstgeschichte auch die Spannung eines Krimis zu präsentierten. Temporeich geht es hierbei durch Deutschland und auch in die angrenzende Schweiz, um dem Leser mit zahlreichen Hinweisen, Möglichkeiten und auch Finten nach dem berühmten roten Faden suchen zu lassen. Denn die Mischung aus der Ruperts Vergangenheit und dem möglichen Zusammenhang zu heutigen Geschehnissen bietet eine Bandbreite an Illusionen, von denen der Krimi in jeglicher Hinsicht profitiert.
Gerade durch vielen kunstgeschichtlichen Informationen und auch einen Blick in die Psychologie hebt sich diese Krimireihe von anderen ab und verbindet Unterhaltung mit Wissensaufbau.

5 von 5 Leinwänden

Montag, 18. Mai 2026

Blanca Imboden "heimelig"

Eigentlich fühlt sich Nelly mit ihren siebenundsiebzig Jahren viel zu jung für das Altersheim. Doch nachdem ihr Mann verstorben ist, treibt ihre Tochter sie aus dem alten Haus, um ein neues bauen. Eins ohne Seele, wie Nelly findet, weshalb sie keinen anderen Ausweg als das Heim sieht. Doch recht schnell wird ihr klar, dass sie noch viel zu agil ist, um die ganze Zeit in den vier Wänden zu bleiben. So schmiedet sie mit den anderen Bewohnern einen Plan. Sie will einmal das Alphabet bereisen. Das heißt, sie plant für jeden Buchstaben einen Ausflug. Ihre erste Reise bringt sie nach Ascona und sie spürt, auch wenn sie traurige Erinnerungen an den Ort hat, ist es das Unterwegssein, was ihr fehlt.

Es ist nicht nur die Handlung, die dieses Buch besonders macht, es sind auch die Zwischentöne. Die Autorin schafft es, die unterschiedlichen Perspektiven einzunehmen, auch wenn sie sich zumeist an Nelly orientiert. Denn als Mensch, der in den eigenen vier Wänden lebt, ist es schwer vorstellbar, wenn man im Alter, wenn jede Veränderung schwer ist, das Zuhause verlassen muss. Man muss sich kleine Räume mit anderen teilen, ist auf Menschen angewiesen, die wenig Zeit haben und zumeist tut einem irgendwas weh. Die Autorin schafft es mit Feingefühl, diese Gefühle zu fassen und auch wirklich alle Kehrseiten zu begreifen. Sie beleuchtet an einzelnen Neuankömmlingen, dass immer eine Geschichte hinter dem Einzug steckt und dass es nie leicht ist.

Sie verwebt zahlreiche Handlungsstränge und schafft für ihre Protagonistin eine Zukunft, die weit rosiger ist, als die der meisten. Gleichzeitig schärft sie das Verständnis für andere, wobei ihr dies mit einem sanften Ton gelingt.

4 von 5 Koffern

Sonntag, 17. Mai 2026

Florian Illes "Träume aus Feuer"

Die Pfaueninsel. Ist sie es allein oder ihr zwischenzeitlicher Besitzer Johannes Kunckel, wodurch sie ihren Glanz und ihre Faszination verströmt?  
Wir schreiben das 17. Jahrhundert und der bekannte Alchemist Johannes Kunckel erhält die Pfaueninsel zwischen Berlin und Potsdam von dem brandenburgischen Kurfürst geschenkt.
Wobei ... natürlich erwartet der Kurfürst auch einen Gegenleistung. So sehr sich die beiden freundschaftlich zugetan sind, doch der Kurfürst wünscht sich Gold und den Stein der Weisen. 
Stattdessen liefert ihm der Alchemist das klarste Glas ohne Einschlüsse. Genau aus diesem Grund bekommt er auch die Insel. Er soll in Abgeschiedenheit arbeiten können, ohne befürchten zu müssen, dass seine Ideen gestohlen und kopiert werden.
Doch schon von Beginn an, ist diese Beziehung den anderen Menschen am Hof ein Dorn im Auge, gerade weil sich Johannes Kunckel mit der zweiten Frau des Kurfürsten sehr gut versteht und sie seine Kunst schätzt.

Florian Illes hat seinen ganz eigenen Stil erschaffen, wie er seine Geschichten an den Leser bringt. Mit wenig wörtlicher Rede und trotzdem sehr dicht an der heutigen Sprache, beschreibt er viele Begebenheiten am Hof und auch auf der Insel. Wie man sich das Leben auf der Insel vorstellen kann und was bei der Herstellung von Glas wichtig ist. Gleichzeitig zeigt er auf, wie wichtig auch schon damals Beziehungen waren und deren Verlust ein Leben grundlegend verändern konnte. Er vermittelt soviel Wissen auf einer geringen Anzahl von Seiten, dass man am Ende des Buches erstaunt ist, dass er es geschafft hat. Er verwebt Handlung und historische Tatsachen und erläutert am Ende des Buches, welche Quellen er für seinen Text zu Rate gezogen hat.
Ein schönes Buch über ein Stück deutsche Geschichte, die vielen nicht bekannt sein dürfte. 

5 von 5 Gläsern

Samstag, 16. Mai 2026

David Sundin "Kennst du Astrid Lindgren?"

Die meisten erwachsenen Leser werden die Frage mit einem lauten "Ja!" beantworten, wenn sie gefragt werden, ob sie Astrid Lindgren kennen. Zu sehr sind ihre Bücher gerade in meiner Generation geliebt worden, als dass man einen Bogen um sie machen konnte.
Das Buch, welches mit wunderschönen ganzseitigen Illustrationen ausgestattet ist, nimmt den Leser auf vierzig Seiten durch das turbulente Leben der Kinderbuchautorin mit. Ihre Kindheit, ihre erste Arbeit, ihre eigenen Kinder und schließlich, wie es dazu kam, dass ihr erstes Buch Pippi Langstrumpf erschien. Denn eigentlich war es erst nur eine Geschichte für ihre kranke Tochter, die das Bett hüten musste.
Viele andere Geschichten folgten danach, doch das Buch nimmt sich hauptsächlich Pippi an.
Mit Pippi zeigt David Sundin auch den Erfolg, den die Bücher von Astrid Lindgren auch heute noch haben. Und ... wie sie sich selbst in manche Bücher geschrieben hat.

Es ist ein wunderschönes Buch, was in Zusammenspiel von Illustrationen und kleinen, aber feinen Informationen über Astrid Lindgren Lust macht, die Welt der berühmten Autorin zu entdecken. Denn keine andere Autorin hat es verstanden, Kinder so in den Fokus ihrer Geschichten zu rücken, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene gerne in die Erzählungen eintauchen, wo die Welt noch immer in Ordnung zu sein scheint.

5 von 5 Kindheitserinnerungen

Freitag, 15. Mai 2026

Maria Resco "Wo die Liebe nicht von selbst hinfällt"

Eigentlich hat Jana genug. Leonard hatte sie vor seiner Reise nach Peru belogen und sich in Ausflüchten versucht. Als er unerwartet bei einer Grillfeier vor ihr steht, ist ihr klar, so ganz ist sie doch noch nicht über ihn hinweg. Schnell ist ein Plan à la Shakespeare geschmiedet und die ganze Clique versucht ihn mit ihrer Cousine zu verkuppeln. Doch Gefühle lassen sich nicht manipulieren und ein heilloses Durcheinander entsteht, indem eine angehende Autorin ihre Geschicke zu lenken versucht und ein Yogalehrer seine Grenzen nicht kennt. Ein zumeist lustiges Hin und Her, das nicht weit von der Realität zu wirken scheint.

Mit witzigen Dialogen und einer frechen Sprache fängt die Autorin den Leser direkt auf der ersten Seite ein. Man spürt die Streitigkeiten, man bemerkt das Vibrieren der Luft, wenn die Clique zusammen ist und die Neckereien tief fliegen. Die Autorin schafft es, dass die Charaktere alle realistisch und nicht zu überzeichnet wirken. Sie schreibt über Figuren mit Problemen, Sorgen und Ängsten und trotz aller Verwirrungen und Irrungen verliert sie nicht den Überblick.

Ein gutes Buch über Zwischenmenschliches, dass man im Alltag nur zu oft übersieht.

4 von 5 Reisen

Montag, 11. Mai 2026

Carmen Urbita, Ana Garriga "Convent Wisdom"

Was haben die IT-Girls der heutigen Zeit und Nonnen aus dem 16. Jahrhundert gemein? Trotz des enormen Zeitunterschieds haben diese Frauen die gleichen Probleme. Denn Stress in der Liebe, im Job und in der Gemeinschaft sind Themen, die unabhängig eines Kalenders bestehen.

Während die beiden Autorinnen von ihrer Studienzeit berichten, flechten sie die Probleme von zwei IT-Girls ein. Anhand von zahlreichen Quellen, darunter Briefen, zeigen sie auf, dass es schon im 16. Jahrhundert notwendig war, außenstehende Personen mit einzubeziehen, wenn die Emotionen hochkochten und das war auch schon damals nicht anders.

Die Gründe, warum man sich aufregt, mögen sich zwar gewandelt haben, doch hat sich an der Benachteiligung in gewissen Bereichen nichts geändert.

Die Autorinnen unterteilen ihr Buch in größere Kapitel, wie z.B. Liebe, Arbeit etc, um darin zu bestimmten Problemen, wie werde ich mit Kollegen fertig, Stellung zu nehmen. Ein umfangreiches Quellenverzeichnis am Schluss führt hier zu den originalen Texten.

Was bei Ratgebern sonst üblich ist, fehlt hier in meinen Augen. Es gibt kaum Schaubilder oder Zusammenfassungen zu den einzelnen Bereichen, sondern man begnügt sich mit laufendem Text. Ich fand dies stellenweise sehr ermüdend, da sich gerade Zusammenfassungen für mich besser greifen lassen.

Wissenschaftlich finde ich das Buch durchaus fundiert, doch die Aufmachung ist nicht my cup of tea.


3,5 von 5 Vergleichen