Dienstag, 13. April 2021

BLOGGER WANTED: Diana_magictimes

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Steckbrief:

Alter: 38
w/m/d: w
Lieblingsgenre: Romance (wirkliche alle Unterkategorien!), Fantasy, Krimis und sonstige Belletristik 
Lieblingsautor: Sarah J Maas

 
Welches Buch hat dein Lesefieber entfacht?
Der Zauberbaum und seine Freunde von Enid Blyton war das erste Buch, welches ich alleine gelesen habe. Ich war so ungefähr 10 Jahre alt und es hat mich so sehr gefangen genommen, dass ich unbedingt immer wieder so ein Leseerlebnis erfahren wollte. 

Welches Buch, welches nicht aus deinem Lieblingsgenre stammt, hat dich so beeindruckt, dass du ihm 5 Sterne gegeben hast?
Ganz aktuell ist das „the Loop“ von Ben Oliver. Ein dysthopischer Thriller, welcher mich nachhaltig beeindruckt hat.

Welches Buch würdest du einem anderen Leser ans Herz legen?
„Es war einmal Aleppo“ von Jennifer Benkau! Ein Buch, welches für mich, in jede Schulbücherei und auf den Lehrplan gehört!

Wonach wählst du die Bücher aus, die du liest?
Meine favorisierten Autoren*innen habe ich immer auf der Liste und so kommen schon ein paar Bücher im Jahr zusammen...Ansonsten stöbere ich gerne durch die Buchhandlung und lasse mich zuerst vom Cover abholen, wenn der Klappentext dann auch ansprechen ist, schlage ich zu. 

Würdest du jedes Buch lesen, was dir ein Verlag zur Verfügung stellt oder was ein Freund dir empfiehlt?
Ein ganz klares NEIN 🤷🏻‍♀️. Ich lese nur das, worauf ich Lust habe. Ein*e Freund*in kann mich zwar überzeugen, aber grundsätzlich muss es mich auch trotzdem ansprechen!

Auf welchen Autor bist du auf Grund deines Bloggens aufmerksam geworden?
Puh, schwere Frage! Ich hab so viele tolle Autoren*innen und deren Bücher durch das Bloggen kennengelernt. Aber ich würde sagen, dass ich durch das Bloggen im allgemeinen mehr auf Selfpuplisher aufmerksam geworden bin. 

Schreibst du für jedes Buch, das du liest, Rezensionen?
Nein! Leider ist nicht jedes Buch ein Hit! Und manchmal möchte ich nur mit dem Kopf schütteln, was ich da gerade für einen Mist lese bzw. gelesen habe. Ich denke aber, dass negative Rezensionen zum einen doch auf ihre Weise Werbung schaffen, und das sie einfach verletzend sein können. Außerdem schreibe ich viel lieber Leseeindrücke! Völlig ohne Wertung. Ich schreibe lieber über das Gefühl beim lesen, was mich beeindruckt hat und was mir Kopfschmerzen bereitet hat. Fällt ein Buch aber in meiner eigenen Kategorie durch, dann gibt es dazu keine Bewertung. Sollte es ein Leseexemplar gewesen sein, dann unter Rücksprache mit Verlag oder Autor*in.


Neugierig geworden mit welchen Bloggern ich sonst noch in Kontakt stehe?
Oder wollte ihr vielleicht weitere Blogs kennenlernen?
Unter dem Label "Blogger Wanted" findet ihr alle Blogger, die ich hier vorstelle.
Vielleicht möchtest du auch dabei sein? Dann kommentiere doch den Beitrag. 😊

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Sonntag, 11. April 2021

Ben Kryst Tomasson "Sylter Lügen"


Sylt - Die Insel der Reichen und Schönen... 
Was zieht Verbrechen mehr an, als Reichtum? Richtig, eigentlich nichts.
Im mittlerweile fünften Band um die Undercover Ermittlerin Kari Blom geht es dieses Mal um die Kunstszene auf Sylt. Kurz nachdem ein unbekannter Chagall in der Galerie Fromme aufgetaucht ist, wird Kari zur Untersuchung auf die Insel geschickt. Doch was sich erst als Fälscherring anlässt, wird kurze Zeit später zu einer Mordermittlung, da die Galeristin eines Morgens tot aufgefunden wird.
Viele Personen haben ein Motiv die kaltherzige Galeristin umzubringen, angefangen beim Ehemann, über den Konkurrenten bis hin zu den Fälschern.
Da ich die vorigen Bände bisher nicht gelesen hätte, war ich anfangs ein wenig erstaunt, wie viele Personen sich doch des Falls annehmen. Beginnend mit der Undercover Ermittlerin Kari Blom, über den Sylter Kollegen Jonas Voss, ihren Chef Ole Lund bis hin zur berühmt berüchtigten Häkelmafia. Klingt wie eine bunte Mischung? Schien im ersten Moment für mich auch so, dass von allen Ermittlertypen in diesem Buch etwas zusammengemischt wird. Doch erstaunlicherweise fügt sich alles gut zusammen.
Die Schnüffler bringen Witz und Charme in den Fall, den Profis kann der Leser bei der Arbeit über die Schulter schauen. Man lernt mehr als sonst bei Büchern, wie die Polizeiarbeit vor sich geht. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es sich bei Sylt um eine Insel handelt und sie nicht alle Ressourcen besitzt und vieles vom Festland her "importiert" werden muss. 
Lokalkolorit wird hier sehr groß geschrieben, als jemand, der die Insel kennt, konnte ich den Ermittlern auf Schritt und Tritt folgen, aber auch für jemanden, der die Insel nicht kennt, sind die Beschreibungen so, dass sich jeder "sein Sylt" im Kopf aufbauen kann.
Zurück aber zum Fall: Gut durchdacht, mit einigen Hintergrundinformationen über Kunst und ebenfalls eingestreuter Kritik über die Inselpolitik ist es ein Vergnügen dieses Buch zu lesen. Der Autor legt hier einen modernen Kriminalroman vor, indem es nicht um Brutalität, Blut und Exzentrik geht, sondern er legt den Finger auf die vermeintlich kleinen Dinge, die aber für die einzelnen Personen umso mehr Gewicht haben. Existenzängste, Mietwucher und der Drang sich anzupassen, spielen neben dem eigentlichen Mord eine gleichwertige Rolle und runden den Kriminalroman ab.

4,5 von 5 Undercovereinsätzen 

Samstag, 10. April 2021

Fang Fang "Wuhan Diary"


Im letzten Jahr gab es oftmals kaum ein anderes Thema: Corona.
Abstand halten, Home-Office, sich nicht mehr mit anderen treffen, Unsicherheit, Krankheit, Tod...
Einen tieferen Einschnitt hat es in das Leben der meisten Menschen in den letzten Jahren kaum gegeben. Doch wie waren die Anfänge?
Vor einem guten Jahr fing alles in Wuhan an. Wuhan wurde abgeriegelt. Von der Außenwelt abgeschnitten. Die Menschen dazu gedrängt in ihren Wohnungen zu bleiben. 
60 Tage schrieb Fang Fang an ihrem Tagebuch beginnend am 25.1.2020. 60 Tage berichtet sie auf ihrem Blog, was in Wuhan geschieht.
Selten verlässt sie dabei ihre Wohnung. Selbst mit Vorerkrankungen gezeigt, bleibt sie mit ihrem Hund hinter ihrer Wohnungstür und die Welt kommt via Telefon, Internet oder durch den Blick aus ihrem Fenster in ihre eigenen vier Wände.
Sie berichtet gestützt durch Informationen von verschiedenen Ärzten und Gelehrten, was auf den Straßen von Wuhan passiert und wird dafür angegriffen. Sie, als Schriftstellerin, würde die Tatsachen verdrehen oder gar erfinden. Ihr Blog und WeChat werden des Öfteren gesperrt oder ihre Beiträge werden einfach immer wieder gelöscht.
Doch sie gibt nicht auf, denn auch wenn es schwierig ist, motiviert gerade diese Reaktion sie dazu weiterzumachen. Die Menschen in Wuhan über ihre Sicht der Dinge und ihren Informationsstand in Kenntnis zu setzen.
Dabei sind die Themen, über die sie in diesen 60 Tagen schreibt, vielfältiger als es im ersten Augenblick scheint. Sie drehen sich natürlich hauptsächlich um Corona, doch es geht um Politik, die Presse, das Gesundheitswesen, persönliche Kontakte zu Freunden und Bekannten sowie vereinzelt auch um ihre Familie.
Woraus ihr der sprichwörtliche Strick gedreht wird, ist dabei vielfältiger Natur. Aber genauso wie sie für den Blog angefeindet wird, genauso ziehen Menschen Kraft aus dem, was sie schreibt. In all ihren Beiträgen schimmert Hoffnung. Hoffnung, dass es auch wieder besser wird, Hoffnung, die Menschen, die einem wichtig sind, wieder in den Arm schließen zu können, Dinge zu tun, die man liebt.
Denn auch wenn die Zeit dunkel ist, es kommen auch wieder bessere Zeiten und dann wird Corona Vergangenheit sein.

4 von 5 Hoffnungsschimmern

Donnerstag, 8. April 2021

Autoreninterview Christoph Grimm Teil 1

Hallo zusammen.

Wieder habe ich mich auf die Suche nach einem interessanten Autor gemacht und habe jemand Nettes gefunden, die mir meine Fragen beantworten möchte.
Für viele gehört das Schreiben neben dem regulären Job zum Leben. Doch das Leben als angehender Autor ist nicht leicht. Man muss nicht nur eine Geschichte zu Papier bringen, nein, das wäre ja zu einfach. Man muss sie auch noch an Leser bringen, denn hat man keinen großen Verlag im Nacken, bleibt vieles an einem selber hängen. Da kann man auch direkt selbst als Herausgeber fungieren. Einer, der dies alles macht, ist unser heutiger Autor.

Herzlich Willkommen, Christoph Grimm. 

Christoph Grimm

Eine Kurzgeschichte zu schreiben, verlangt in meinen Augen einen noch differenzierteren Umgang mit der Sprache, weil man sich kurz fassen muss. Wie gelingt es dir, dich auf das Wesentliche zu konzentrieren?
Ich möchte hier kein Regelwerk herunterbeten – derer gibt es genug –, aber der Trick bei dem Ganzen ist, sich zu überlegen, was man mit einer Geschichte erreichen und aussagen will. Hinzu kommt, dass ich sehr gute Testleser, einen schmerzhaft kritischen Struktur-Lektor und eine sehr gute (und ausgesprochen freundliche) Lektorin habe J.

Deine Kurzgeschichten erscheinen in Anthologien. Warum meinst du haben Anthologien so einen schlechten Ruf?
Diese Antwort wird mir nicht nur Freunde bringen. Sei’s drum …
Kurz gesagt, weil es nur wenig wirklich gute Anthologien gibt und die Wahrscheinlichkeit groß ist, oft an mittelprächtige oder schlechte zu geraten. Der bescheidene Ruf ist rein auf die Gesamtsumme bezogen irgendwo gerechtfertigt.

Es liegt vermutlich daran, wie und zu welchen Gegebenheiten Anthologien mittlerweile entstehen: Kurzgeschichtensammlungen sind ein Nischenprodukt auf dem Markt. Ein Blick in jede beliebige Buchhandlung belegt das. Sie verkaufen sich so überschaubar, dass es für handwerklich versierte, brotberufliche Autor*innen – von Bestsellern ganz zu schweigen – in wirtschaftlicher Sicht uninteressant geworden ist, sich an ihnen zu beteiligen. (Wenn etwa Andreas Eschbach oder Sebastian Fitzek Kurzgeschichten raushauen, dann letztendlich, weil sie es wollen oder ein Projekt unterstützen möchten).
Natürlich gibt es viele nebenberufliche Autor*innen, die den Großen in nichts nachstehen und ihren eigentlichen Lohn nicht in den mickrigen Tantiemen sehen und sich daher an Ausschreibungen beteiligen – zusammen mit einer Armada von handwerklich … nicht so versierten Autor*innen. Die Vielzahl an Ausschreibungen sorgt für eine Verteilung der wenigen Perlen in einer Flut mittelprächtiger, schwacher und schlechter Geschichten.

Das Ende vom Lied: Einige wenige Verlage, die mit Herzblut herangehen und sich einen Ruf erarbeitet haben, erhielten mehr Perlen, um eine wertige Sammlung machen zu können. Ein größerer Teil Verlage hat weniger Perlen erhalten. Um die Sammlung trotzdem machen zu können, werden diese Anthologien dann eben mit Geschichten der Kategorie „Naja, ganz okay“ aufgefüllt. (Ich habe nur einmal den Fall erlebt, dass eine Verlegerin mutig genug war, nach einer Ausschreibung eine Anthologie *nicht* zu machen, weil sie nicht hinter ihr hätte stehen können – und heute verstehe ich das viel besser als damals). Das größte Ärgernis sind allerdings Dienstleisterverlage, DKZVs und selbst ernannte Literaturakademien. Sie hauen eine Anthologie nach der anderen auf den Markt, um wahlweise ihr 
tolles Konzept zu verkaufen oder bauen darauf, dass jeder Beteiligte ein(ige) Dutzend Exemplare selbst abnimmt. Diese Sammlungen greift nicht nur den zurecht überall sonst abgewiesenen Satz an unbelehrbaren Eitelkeits-Autoren ab, sondern vermittelt Neulingen, die einfach noch nicht so weit sind, ein völlig falsches Bild ihrer Fertigkeiten und von Verlags-Arbeit.

Wenn man sich die Anthologien anschaut, in denen du Kurzgeschichten veröffentlicht hast, fällt auf, dass du eine große Bandbreite an Themen aufgreifst. Ist es dir wichtig nicht zu eingleisig zu fahren?
Es ist mir nicht wichtig, unbedingt mehrgleisig zu fahren, aber es ist vergleichbar mit eigenem Konsumverhalten. Wenn ich ein Buch in die Hand nehme, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es ein Krimi ist oder der Science-Fiction zugerechnet werden, aber manchmal darf es auch etwas Historisches, Gegenwartsliteratur oder Romance sein. Science-Fiction als bevorzugtes Genre finde ich interessant, weil es mir erlaubt, Entwicklungen zu extrapolieren oder prekäre Themen wie Rassismus, Religion, Diskriminierung, Umweltverschmutzung oder die menschliche Natur allgemein in einer Weise zu thematisieren, die ich in anderen Genre nicht kann. Kindergeschichten geben mir die Möglichkeit, auf ganz andere Art an ein jüngeres Publikum Botschaften zu transportieren.  

Wonach entscheidest du, ob du zu einem Thema eine Kurzgeschichte schreibst?
Da gibt es kein festgelegtes Muster, aber oftmals beginnt es mit Fragen, die ich mir in der Realität stelle. Was ist Gerechtigkeit? Sind Menschen zu absolutem Altruismus überhaupt fähig? Wie sähe unsere Gesellschaft aus, wenn wir nur ein Geschlecht auf diesem Planeten hätten? Ist es möglich, einen Menschen „nachzubauen“? Oder auch mal verrückt gesponnen: Könnten sich Dämonen auf Smartphones einnisten? Stephen King verglich die Entstehung einer Geschichte mit einer Tasse und ihrem Henkel. Zumeist hat man nur eines von beiden parat und begibt sich auf die Suche. Ich vermute, dass die Tasse als „Körper“ der Geschichte Setting/Thema ist und ihr zu befüllender Inhalt die Handlung selbst darstellt. Der Henkel, der das Ganze im wahrsten Sinne des Wortes greifbar macht, ist das umklammernde Motiv. Deshalb ist eine Tasse ohne Henkel ziemlich bescheiden, ein Henkel ohne Tasse sinnlos. Beides brauche ich, um Inhalt transportieren zu können. So abstrakt es wohl klingen mag: Wenn ich Tasse MIT Henkel habe, dann befülle ich sie (= Entscheidung zum Schreiben).

Neben deiner schriftstellerischen Tätigkeit bist du auch Herausgeber. Was reizt dich daran?
Du erinnerst dich, was ich auf die zweite Frage antwortete? Gute Anthologien sind rar gesät. Ich bin allerdings nicht nur Autor, sondern letztendlich ein Leser. Abgesehen von den ersten Anthologien, die ich nur übernahm, ist seit „Virtuelle Welten“ die Grundintention die, ein Buch zu machen, dass *ich* lesen will. Wenn es andere toll finden, umso schöner. Die Zukunft virtueller Realitäten. Unheimliche Gruselgeschichten für Jugendliche. Die Entwicklung von Robotik, Androiden und Künstlichen Intelligenzen. Wie könnte ein erster Kontakt mit Außerirdischen ablaufen? Oder auch gute, gänzlich unbekannte Fälle eines bekannten Detektivs, die dessen Adlatus bislang unter Verschluss hielt ;).


Vielen Dank für die erste Fragerunde. Nächsten Donnerstag geht es weiter. Ich hoffe, ihr seid dabei.

In der Zwischenzeit könnt ihr euch aber gerne auch schon selber informieren. Hier sind die entsprechenden Links zu Christoph Grimm:
www.facebook.com/christoph.grimm

Das genutzte Foto hat der Autor selber zur Verfügung gestellt.

Montag, 5. April 2021

John Bude "Mord in Cornwall"


Im kleinen kornischen Boscawen sind für Reverend Dodd und den Dorfarzt Pendrill die montäglichen Abendessen das Highlight der Woche, denn ansonsten passiert hier so gut wie gar nichts. Eine Predigt am Sonntag, mal eine Geburt, doch viel mehr Abwechslung bietet das Dorfleben nicht.
Die Spannung in ihrem Leben beziehen die beiden aus Kriminalromanen. Wer, was, wieso, weshalb und natürlich warum, zumindest auf dem Papier sind ihre grauen Zellen beim Who is who der Kriminalliteratur gefordert.
Doch so geschieht es, dass sie nach dem Dinner einen Anruf erhalten. Denn endlich ist einmal etwas passiert auf dem Dorf, auf Greylings, direkt am Küstenpfad, gab es einen Mord.
Der Tote, Richter Julius Tregarthan, war nicht sonderlich beliebt, aber es mutet schon seltsam an, dass sich das Personal in Geschichten verstrickt, die Nichte das Anwesen ohne Erlaubnis verlässt und ein Besucher des Dorfes mitten in der Nacht verschwindet. Das bietet nicht die Grundlage für eine, sondern gleich für mehrere Theorien. Endlich kann Reverend Dodd sein erlesenes Wissen an den Tag bringen, doch ob Inspector Bigswell davon so angetan ist? Schließlich ist er den Mann vom Fach und jeder Schuster sollte bei einen Leisten bleiben... Doch als die ersten Theorien wie Seifenblasen zerplatzen, bleibt ihm wohl nichts weiter übrig, als sich auf die Menschenkenntnis des Reverend zu berufen, denn in so einem kleinen Dorf kann es ja eigentlich nicht schwer sein den Mörder zu finden. Oder vielleicht doch?

John Bude, eigentlich Ernest Carpenter Elmore, hatte bereits andere Bücher geschrieben, bevor er sich an der Hochzeit der Kriminalliteratur mit seinem Erstling "Mord in Cornwall" beteiligte. 1935 erstmals erschienen, führte er direkt ein Novum ein, dass es vorher in der Kriminalliteratur noch nicht so gab. Der Ort des Grauens (Mord) wurde an einen schönen Ort (Cornwall) versetzt. Zu dem Zeitpunkt gab es schon mehrere Autoren, die sich in der Kriminalliteratur einen Namen gemacht hatten, aber hier spielten die Bücher oftmals in London oder in Gegenden wie "Midshire" oder "Wessex".

Ohne großartig auf die Blutrünstigkeit des Mordes ansich einzugehen, spielt in dem Kriminalroman mehr der Grund für den Mord eine Rolle als die Tat ansich. Gut durchdacht, durch diverse falsche Finten und eine der Zeit angepasste Sprache, fühlt sich der Leser beim Lesen eingebunden und versucht zum einen mit dem Reverend als auch mit dem Inspector den Fall zu lösen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Logisch aufgebaut, angenehm zu lesen und eine schlüssige Auflösung haben genau das geliefert, was ich von einem klassischen Kriminalroman erwarte.

4,5 von 5 Kriminalautoren

Sonntag, 4. April 2021

Emma Thompson "Peter Hase - Ein neues Abenteuer"


Passend zu Ostern kommt hier ein altbekannter Hase daher. Nicht dass man ihm seine über 110 Jahre anmerkt, denn der ist frech wie eh und je. 
Peter Hase, im Original von Beatrix Potter, erzählt in seinen kleinen Abenteuern, wie es ist, wenn sich das ganze Leben um Radieschen und Rettiche dreht, wobei er immer aufpassen muss, dass ihn der alte Bauer Mr McGregor ihn nicht erwischt, denn es sind eigentlich seine Radieschen und seine Rettiche, die Peter Hase verspeist.
In seinem neuen Abenteuer kommt Peter seine Gefräßigkeit in die Quere, denn nachdem er sich an den leckeren Stullen kugelrund gefuttert hat, schläft er im Korb des Bauern ein und wacht er wieder auf, als er weit weg in Schottland ist. 
Er wird dort vom riesigen schwarzen Hasen, Finlay McBurney, begrüßt und begleitet ihn auf die schottischen Highland Games. Aber Peter Hase wäre nicht Peter Hase, wenn er dies nicht zu seinem eigenen kleinen Abenteuer machen würde.

Neuadaptionen von Klassikern sind immer schwierig, da die Leser bereits die Charaktere kennen und gewisse Erwartungen an das Buch haben. Bei Peter Hase kommt hinzu, dass sowohl der Text als auch die Illustrationen neu gemacht wurden. Emma Thompson und Eleanor Taylor zeigen hier mit Charme und Liebe zum Detail auf, dass man einen Klassiker in seinem alten Glanz neu interpretieren kann, ohne das Original nur zu kopieren, aber auch ohne zu viele Neuerungen in das Werk zu bringen.
Abgeschlossen wird das Buch mit dem Briefwechsel zwischen Peter Hase und Emma Thompson, indem Peter Emma beauftragt, sich eine neue Geschichte für ihn auszudenken. Was für eine schöne Idee.
Sicherlich kann man das Buch lesen, ohne die Originale zu kennen, aber ich finde es schön, die Figuren bereits zu kennen, bevor man sich an die neue Interpretation begibt.
In diesem Sinne: Frohe Ostern!

5 von 5 Hasen 

Donnerstag, 1. April 2021

#AutoralsLeser: Christoph Grimm

Oftmals nehmen wir Leser in einer Person nur den Autor war, doch das ist natürlich nur ein Teil der Wahrheit.

Ein Autor ist auch selbst ein Leser und ist durch das, was er gelesen hat beeinflusst. Doch spiegelt sich das Gelesene im Geschriebenen wider?
Wollen wir doch einmal sehen.  😉
Heute hat dieser Autor die Fragen zu seinem Leseverhalten beantwortet: 

Christoph Grimm


1. Welches sind die drei besten Bücher, die du je gelesen hast?
Es ist unmöglich, in einer Rangliste drei Bücher zu küren, da ich sehr viele Werke aus unterschiedlichen Gründen als gelungen empfinde. „Das Parfüm“ (Patrick Süskind): Eine außergewöhnliche Geschichte, erzählt aus dem Blickwinkel eines eher unsympathischen Protagonisten. Die Geschichte ist speziell, spannend und lässt viel Interpretationsspielraum zu. „Die Nebel von Avalon“ (Marion Zimmer Bradley) ist nicht nur eine fantasievolle  Adaption der Artus Sage, sondern bietet auch einen gelungenen Blick auf die menschliche Natur. Ray Bradbury beeindruckte mich in „Die Mars-Chroniken“ mit Ideenreichtum und enormer Tiefe.

2. Wo liest du am liebsten?
Da bin ich sehr langweilig: Im Bett. Ansonsten Couch, Badewanne, Mauersims, Parkbänke, Wiesen, Teppen … welches schöne Plätzchen sich gerade anbietet, an dem man nicht überfahren oder angerempelt wird.

3. Welches Buch hast du zuletzt gelesen und würdest es weiterempfehlen?
"Thron aus Sturm und Sternen: Seelendonner" (Annie Waye), der erste Teil einer kürzlich erschienenen High Fantasy Dilogie. Gerade in diesem Genre erinnert mich vieles an Variationen von Tolkien oder Martin, daher war es sehr erfrischend, eine spannende Geschichte aus einer ungewöhnlichen und fantasievollen Welt zu lesen.

Autoren-Sonderfrage: Lesen Autoren anders?
Ich denke, Autoren sind, je länger und intensiver sie schreiben, schwieriger zu begeistern. Sie beschäftigen sich den lieben langen Tag mit Klischees, Wendungen, Erzählstrukturen, Satzgestaltung, Stilmittel etc., sodass ihnen Mängel schneller auffallen.


Nachdem ihr nun wisst, was er liest, könnt ihr hier schauen, was er schreibt:

In diesem Sinne, fröhliches Lesen und freut euch auf die nächste Woche und auf einen weiteren Autor.

Mittwoch, 31. März 2021

John Garth "Die Erfindung von Mittelerde"


Wie kommt ein Autor auf seine Ideen? Was inspiriert ihn? Kopiert ein Autor unbewusst das, was er kennt oder ist ein Autor in der Lage, "das berühmte Rad neu zu erfinden"?
Gerade im Fantasybereich, wo nichts unmöglich scheint, wirkt alles neu und unbekannt und doch wird dem Leser oftmals heimlig... Er erkennt Dinge, Plätze und Situationen.
Bücher zu dem Thema, wie ein Autor seine Welt gestaltet, quasi ein "Blick hinter die Kulissen", finde ich super spannend, daher habe ich mich sehr gefreut, als der Verlag mir das Buch als Rezensionsexemplar angeboten hat.

Bildbände bestechen durch ihre Vielfalt und genau das bietet auch dieses wunderschöne Buch. Unterteilt in mehrere Kapitel, erzählt John Garth, wie "Der Hobbit" und "Der Herr der Ringe" entstanden. Der Fließtext wird dabei begleitet von zahlreichen Schaukästen, in denen der Leser zusätzliche Hintergrundinformationen zu einem Thema erhält; Fotos von Gegenden, die J.R.R. Tolkien besucht hat und die ihm als Grundlage für seine Interpretation von Mittelerde dienten.
Zeichnungen aus diversen Veröffentlichungen, Karten, wie und wo Mittelerde auf der "realen" Welt liegen soll und Charakterzeichnungen runden das optische Bild gelungen ab.
Das Buch dient zumal als Lektüre aber auch als Nachschlagewerk, da viele Themen aus dem Bereich der Mystik und Sagenwelt erläutert und auf Mittelerde adapiert werden.
Immer wieder wird in dem Buch herausgestellt, dass Mittelerde auch dem Wandel unterworfen war. Je älter J.R.R. Tolkien wurde, je mehr er erlebte (1. Weltkrieg, Verletzungen, Wanderungen auf dem Kontinent), desto mehr passte sich seine Vorstellung von Mittelerde an und seine Figuren erhielten mit jeder Sage, die er neu kennenlernte, einen anderen Schliff.

Ein gelungenes Buch für wirkliche Fans und für Leser, die sich für die Gedanken hinter einem Buch interessieren.
Es sei abschließend nur erwähnt, dass ich das Buch zeitweise von der Sprache her sehr anstrengend zu lesen empfand. Der Leser erhält auf gut 200 Seiten sehr viele Informationen über Tolkien, Mittelerde, Sagen und Mythen, sodass die schierige Informationsdichte den Leser ein wenig überfordern kann. Mein Tipp: Zum einen schon wenig Vorwissen aneignen und zum anderen das Buch dann pro Kapitel genießen, dann hat man auch mehr von dem Buch.

4 von 5 Hobbits

Dienstag, 30. März 2021

H. G. Parry "Die unglaubliche Flucht des Uriah Heep"


Dr. Charles Sutherland ist ein Sonderling. Zwar sympathischer Natur, aber eben ein Sonderling. Warum? Nun, in der Schule hat er mehrere Klassen übersprungen, ging schon früh nach Oxford, um dort zu studieren, hat früh seinen Doktor gemacht und arbeitet nun in Wellington an der Universität in der Abteilung für Englische Literatur. Er ist spezialisiert für die viktorianische Literatur und ein großer Kenner Charles Dickens.
Ach ja, und er kann literarische Figuren aus ihren Büchern in die wirkliche Welt lesen. Mit Sherlock Holmes hat er das erste Mal Tee getrunken, nachdem er ihn an der Schule vor den bösen Klassenkameraden beschützt hat und danach war ein "gern gesehener" Gast in Charles Zuhause.
Doch seit kurzem ist es nicht mehr so wie es war, es hat sich eine Stimmung über Wellington gelegt und als Charles versehentlich Uriah Heep aus seinem Buch liest, prophezeit sich Charles, dass eine neue Welt im Aufbruch ist und er ist als Bindeglied mittendrin. Seinen Bruder Rob zieht er gleich mit in das Abenteuer, denn allein macht es ja keinen Spaß.

H.G. Parry legt mit ihrem Buch eine Geschichte vor, die phantastischer kaum sein könnte. Wer Bücher, wie die Reihe um Thursday Next von Jasper Fforde gelesen hat, weiß, wie lustig Bücher sind, in denen "fiktive" Charaktere aus Klassikern und eigens erdachte Charaktere miteinander agieren.
Dabei ist der Witz kein Schenkelklopfer und die Witze funktionieren oft nur dann, wann man zumindest die ursprüngliche Geschichte kennt beziehungsweise besser noch gelesen hat.
Die Autorin hat sich vieler Klassiker angenommen und die einige der bekanntesten literarischen Figuren in ihr Werk einfließen lassen, denn es sei gesagt, Sherlock Holmes ist nicht der einzige Charakter, der sich in Wellington blicken lässt.
Die Autorin, die selbst in Wellington lebt, mischt reale Beschreibungen der Stadt mit ihren eigenen Elementen und baut somit ihr eigenes fiktives Wellington auf, in dem zum einen Charles Familie agiert und in dem zu anderen sich die neue Welt anbahnt.
Dabei handelt es sich hier nur geringfügig um dystopische Elemente, das Hauptaugenmerk liegt auf Charles, seiner Familie, seiner Wissenschaft über Charles Dickens und den klassischen literarischen Figuren.

Ein wunderschönes, phantastisches Buch über Klassiker, die Liebe zu Büchern, Freundschaft und auch darüber, dass man über sich hinauswachsen kann, wenn man nur fest genug daran glaubt.

5 von 5 literarischen Figuren

Gleiches Buch, andere Rezi? Hier lang: Die Chocbookholics

Samstag, 27. März 2021

Sophie Hannah "Die Monogramm Morde"


"Je suis de retour, mes amis."
Auch wenn Agatha Christie schon seit einiger Zeit nicht mehr unter uns weilt, ist es Hercule Poirot gelungen, eine weitere Autorin davon zu überzeugen, seine Geschichten niederzuschreiben.
Sophie Hannah erzählt die Geschichte der Monogramm Morde, welche den Leser in das Jahr 1929 führt und hauptsächlich in London spielt. Hercule Poirot benötigt eine Auszeit von seinem alltäglichen Geschäft und hat sein Zuhause gegen eine Pension eingetauscht. Natürlich muss auch diese seinen hohen Ansprüchen genügen und so befindet sich die Pension nur einen Steinwurf von seinem eigentlichen Zuhause entfernt.
Und doch, seine Profession lässt ihn auch in der selbst verordneten Pause nicht in Ruhe, denn während eines Besuches in seinem momentanen Lieblingscafé kommt es, wie es kommen muss, und eine junge Frau bittet ihn um Hilfe. Der Tod würde sie verfolgen und auch wenn sie ihn zurecht erwarte, habe sie Angst davor. Sprach es und ward vom Erdboden verschluckt. Niemand sieht diese junge Frau mehr, dafür tauchen allerdings in einem Hotel gleich drei Leichen auf. Signiert mit Manschettenknöpfen. Und so sehr sich Poirot eine Pause gewünscht hat, nun ist sie vorbei.

Ein Pastiche zu schreiben ist in meinen Augen eine noch größere Kunst, als einen eigenen Krimi oder Roman zu schreiben. Sicherlich der Name der Figur zieht die Aufmerksamkeit auf sich und muss nicht erst um Aufmerksamkeit kämpfen, wie es jeder andere neue Ermittler tun muss. Doch wird das Pastiche immer an dem Original gemessen. Hier gibt es dann drei Möglichkeiten; entweder es ist zu sehr eine Kopie des Originals oder es ist viel zu frei interpretiert oder es ist wirklich gut.

Sophie Hannah versucht in ihrem Buch den berühmten Mittelweg zu finden. Sie übernimmt die Figur Hercule Poirot stellt ihm aber keinen bekannten Sidekick zur Seite, sondern entwickelt ihre eigene Figur Catchpool, eine Mischung aus Hastings und Japp. Allerdings wird Catchpool keiner der beiden Figuren wirklich gerecht und stümpert oftmals durch das Buch, dass man ein wenig Zweifel hat, wie Scotland Yard mit solchen Polizisten klar kommen soll.
Der Fall ansich, der Spannungsbogen und das grande finale sind sehr im Stil von den Agatha Christies Geschichten gehalten.
Mich regt allerdings Catchpools Art oftmals auf und auch die Geschichte reicht nicht an die kleinen Finessen von Agatha Christie heran. 
Catchpool und Poirot ermitteln oftmals getrennt voneinander und wie so oft, gibt der Sidekick seine Informationen an Poirot und an den Leser weiter, aber Poirot hüllt sich in Schweigen.
Viele Nebenfiguren tauchen in der Geschichte auf, viele Finten werden gelegt, viele Geheimnisse entdeckt und gelüftet. Alles in allem, alles was ein großer Detektivroman brauchen würde, aber meine grauen Zellen fanden die Originale einfach besser (und dabei ist Poirot nicht mein liebster Detektiv.)

3 von 5 grauen Zellen