Donnerstag, 2. Februar 2023

Autoreninterview Oliver Wunderlich

Hallo zusammen.
Wieder habe ich mich auf die Suche nach einem interessanten Autor gemacht und habe jemand Nettes gefunden, die mir meine Fragen beantworten möchte.

Oliver Wunderlich hat gerade den ersten Kurzgeschichten-Sammelband "Wir, die anderen" veröffentlicht. Eine schöne Möglichkeit, ihn über das Schreiben und über Kurzgeschichten Fragen zu stellen.


Oliver Wunderlich (privat)


Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Erst einmal vielen Dank, dass du mir hier deine Plattform für ein Interview leihst – das freut mich wirklich sehr. Und deine Rezension von „Wir, die Anderen“ hat mich auch sehr gefreut. 

Zum Schreiben gekommen bin ich über das Podcasten. Meine ersten Sendungen des „Explikators“ – daher mein Username auf Instagram – habe ich ins Mikrofon improvisiert. Das hat mir aber nicht gefallen, also habe ich die Sendungen schriftlich vorbereitet. Im Nachfolgeformat „Anders und Wunderlich“, den ich mit meiner Partnerin Ellen Anders mache, haben sich die Kurzgeschichten schnell als die beliebtesten Beiträge herausgestellt.

Ich bin also – trotz Deutsch-Leistungskurs – ins Schreiben „reingerutscht“. Es ist nicht 
so, dass ich mich dazu berufen fühle, wie viele Schreiber*innen das erzählen – das wäre eine glatte Lüge. In meiner Erfahrung ist Schreiben mehr Handwerk als Kunst. Wortwahl, Aufbau, Stil, Rhythmus und die Melodie – alles hat sich der Geschichte unterzuordnen und diese wiederum hat den Leser*innen zu dienen.

Kurzgeschichten sieht man in den Buchläden leider selten. Was reizt dich daran, sie trotzdem zu schreiben?
Na ja, Romane habe ich auch geschrieben, drei Stück liegen in meiner digitalen Schublade und – freundlich ausgedrückt – 66% davon sind grottig. :-)
Die Kurzgeschichte kommt bei mir vom Format des Podcasts. Trotzdem liebe ich die Form. Man muss den Text ziemlich polieren, damit er funktioniert, bei der Langform kann man den einen oder anderen Schnitzer ausbessern. Einer Kurzgeschichte vergeben die Leser*innen keine Kunstfehler – sie zündet oder eben nicht. Selbst bei den Großliteraten funktioniert nicht jede Geschichte; aber manchmal ist da diese eine Geschichte, die man fürs ganze Leben behält.

Als Autor entwickelt man seine eigene Sprache und seinen eigenen Stil, man erkennt den Autor. Wie schaffst du es, dass deine Geschichten so unterschiedlich klingen?
Danke für das Kompliment! Die unterschiedlichen Stimmen in „Wir, die Anderen“ verdanke ich den unterschiedlichen Figuren. Ich mag sie alle, denn jede hat auch eine Scheibe von mir mitbekommen. Außer vielleicht die Vokale und Konsonanten im „Krieg der Buchstaben“ oder der Lehrling im „Bäckergeheimnis“, diese beiden Geschichten sind eher comic relief und haben keinen biographischen Hintergrund.

Woher kommen die Ideen zu deinen Geschichten?
Ich glaube, alle Geschichten werden geboren, wenn man nicht zu laut denkt, sondern verträumt aus dem Fenster schaut. Dann erscheint das Waswärewenn. Wenn man möchte, kann man das Waswärewenn dann einladen, ihm ein Zuhause geben, es füttern und striegeln. Mutige erzählen ihm dann etwas von sich selber und manchmal antwortet das Waswärewenn. Aus diesen beiden Erzählungen entsteht eine neue Geschichte.

Was machst du, wenn du nicht gerade schreibst?
„Wir, die Anderen“ ist ja im Eigenverlag erschienen, ich habe gar nicht erst versucht, einen Verlag oder eine Agentur dafür zu finden. „Eigenverlag“ bedeutet, dass man 50% seiner Arbeitszeit mit Marketing verbringen muss. Amazon-Ads, nur ein Beispiel, verfolgen mich im Traum: Ich habe immer noch keinen Schimmer, was ich da überhaupt mache! Ansonsten haben wir ein altes Haus und einen großen Garten, eine neue Küche und ich immer Hunger, drei Hunde und unendlich viele Bücher.

Gibt es eine Kurzgeschichte eines anderen Autoren, die dich besonders beeinflusst hat?
In der Vierten mussten wir wieder einmal eine Erlebniserzählung schreiben. Allgemeines Stöhnen im Klassenzimmer. Neu in der 4C war ein Mädchen, dass sich schwertat, Freundinnen zu finden, weil sie beinahe so lang war wie die Klassenlehrerin. Ich glaube, sie hieß Judith, aber leider weiß ich es nicht, sonst würde ich mich bedanken. Nachdem die Erzählungen korrigiert waren – meine handelte davon, wie mir mein Opa nicht das Fahrradfahren beibrachte – wurde immer die beste vorgelesen. Judiths Geschichte. Sie erzählte, wie sie mit ihrer Mutter beim Einkaufen gewesen war, als plötzlich Polizeisirenen aufjaulten. Bankeinbruch! Und dort schon die Bösewichte auf der Flucht! Heldinnenhaft wirft sich Judith in den Fluchtweg, die Bankräuber stolpern, schlittern mit den Geldsäcken durch das Einkaufszentrum und sind schon verhaftet. 
„Klar habe ich das erfunden“, gestand Judith, „Na und?“. Ich war völlig perplex. Das man das darf! Diese Erlebniserzählung hat in mir Welten geöffnet.

Welche zukünftigen Projekte hast du zurzeit in Planung?
Der nächste Kurzgeschichtenband im Juni wird sich der Liebe widmen. Ich habe noch keinen Titel. Ich bin richtig lausig mit Titeln. Ich hasse es. Meine Frau Anders macht sich immer darüber lustig – was es noch schwieriger macht! Momentan heißt das Buch „Acht Zigaretten“, nach einer meiner Lieblingsgeschichten, aber ich weiß es selber: Dieser Arbeitstitel hat das Potenzial als schlechtester Titel für eine Liebesgeschichtensammlung in die Geschichte einzugehen. Insgesamt sind vier Anthologien angedacht. Danach muss ich vielleicht die digitale Schublade öffnen und die 33% noch einmal genauer anschauen.

Nachdem ihr wisst, was Oliver schreibt, könnt ihr hier mehr über ihn erfahren:
oliverwunderlich.de
instagram.com/explikator


In diesem Sinne, fröhliches Lesen und freut euch, wenn es demnächst ein weiteres Interview gibt.

Dienstag, 31. Januar 2023

Galax Acheronian "Science Fiction Stories II"

In seinem zweiten Band zu "Science Fiction Stories" präsentiert Galax sechs sehr unterschiedliche Geschichten.
Kurz und knackig - wie Galax selbst so schön selber schreibt - geht es nicht, und doch passen sich die Erzählungen ihrer inhaltlichen Komplexität an. Dabei kann es auch manchmal lustig zugehen, doch im Regelfall sind die Geschichten von einer leichten Melancholie geprägt und regen zum Nachdenken an.

Ob autoritäre Strukturen, Korruption oder Vorurteile Galax greift in den Stories viele Themen auf, bei denen es Gesprächsstoff gibt und über die es auch nach dem Lesen noch nachzudenken gilt.
Dabei merkt man beim Lesen neben der Kritik oftmals die Liebe zu technischen Details und den Wunsch eine ganze eigene Welt ohne Bezug zu klassischen Zukunftsszenarien zu gestalten.
Gerne setzt Galax dabei auf ein wiederkehrendes Element: Das Problem. Schon schnell nach der Einführung in die jeweilige Welt wird der Leser mit dem Problem der jeglichen Kultur oder Situation konfrontiert. Ein Held oder Antiheld ist es dann, dem man als Lesender über die Schulter schaut, um den Erfolg oder Misserfolg - denn dies liegt oftmals im Auge des Betrachtenden - der Mission beizuwohnen. Galax überrascht hierbei mit der vorliegenden Mischung den Leser ein um das andere Mal, denn die einfachste Lösung - die könnte jeder.

Eine Sammlung abseits des Mainstreams, die mit vielleicht bekannten Problemen der Zukunft daherkommt, sie aber dafür auf eigenwillige Weise löst.


4 von 5 Zukunftsvisionen

Sonntag, 29. Januar 2023

Agatha Christie "Mit offenen Karten"

"Mit offenen Karten", so lautet einer von Agatha Christies Hercule Poirot Kriminalromanen. Doch liegen die Karten wirklich auf dem Tisch?
Hercule Poirot wird zu einer Abendgesellschaft eingeladen, bei der - laut dem Gastgeber - mehrere Straffällige zugegegen sein sollen. Vier Straffällige teilen sich den einen, vier Ermittler den anderen Bridge-Tisch. Am Ende des Abends ist der Gastgeber tot. Während die Ermittler in einem angrenzenden Raum waren, saß der Gastgeber neben den anderen Gästen. Somit scheint der Kreis der Mörder klein zu sein. Denn einer der vier Straffälligen muss es gewesen sein.
Doch so einfach scheint des Rätsels Lösung doch nicht, denn sonst hätten die kleinen grauen Zellen nicht ihren Spaß an diesem Fall.
Agatha Christie gilt als die Queen of Crime. Des Öfteren greift sie in ihren Bücher auf den von Arthur Conan Doyle erschaffenen Charakter Sherlock Holmes zurück, um ihn mit ihrem Ermittler zu vergleichen. Beide Detektive haben eine arrogante Art mit ihren Mitmenschen umzugehen und wenn es in damaliger Zeit schon üblich gewesen wäre, dass der Ermittler ebenfalls in Todesgefahr gerät, hätten der eine oder andere Mörder den beiden sicherlich das Leben schwer gemacht.
Poirot hält sich in diesem Fall an der minutiösen Konstruktion des Bridgeabends auf und geht damit nicht nur den Verdächtigten sondern auch seinen Ermittlerkollegen und auch dem Leser gehörig auf die Nerven. Immer hält er etwas in der Hinterhand, immer hält er wesentliche Informationen zurück. 
Das macht den Ratespaß bei der Reihe um den kleinen Belgier oftmals zunichte, doch es ist zugleich immer bemerkenswert, wie er schlussendlich zum Täter findet.
Wer auf ausgefallene Fälle mit interessantes Lösungen steht, dem sei dieser Krimi wärmsten empfohlen, wer lieber mitraten möchte, sollte sich an Sherlock Holmes halten.

3 von 5 Karten

Zeitschrift des Monats "Exodus"

Zumeist sind es Bücher, die einem als Leser ins Auge springen, dabei gibt es wahrlich viele andere Möglichkeiten an Texte, Berichte und Geschichten zu kommen. Dieses Jahr nehme ich euch einmal im Monat in die Welt der Zeitschriften mit. Die Zeitschriften umfassen die verschiedenen Genres wie Krimis, Fantasy, Science-Fiction oder bilden ein buntes Crossover. Von Printausgaben über Downloads, von kostenlosen Exemplaren bis hin zum Hochglanzmagazin ist so manches dabei, was das Leserherz höher schlagen lassen kann. So genug der Einleitung, schauen wir uns die erste Zeitschrift an:


Name: Exodus
Turnus: zweimal jährlich
Preis: 3er Abo 45,00 Euro
Bezugsadresse: https://www.exodusmagazin.de/
Abo: möglich, Einzelhefte können auch bestellt werden
Seitenumfang: circa 120 Seiten

Bei der Exodus handelt es sich um ein Magazin, dass nur in gedruckter Form erscheint. Hält man das Magazin in Händen, ist sofort ersichtlich, warum es die Exodus nur - und wirklich nur - gedruckt geben kann. Das Magazin ist es etwas für die Sinne und nicht nur etwas für den Geist. Dickes Papier, ganzseitige Bilder untermalen die ausgewählten Texte, bei denen es sich um die Crème de la Crème der Science Fiction und auch anderer Genres handelt. Nicht umsonst wurde die Zeitschrift mit dem verschiedenen Preisen als Gesamtwerk und auch für einzelne Geschichten ausgezeichnet. 
Dabei bietet die Exodus neben Kurzgeschichten Galerien einzelner Grafiker: Diese werden in der jeweiligen Ausgabe als Werkschau über mehrere Seiten präsentiert und als zusätzliches Highlight entwirft der Grafiker das Titelbild der entsprechenden Exodusausgabe. Ein weiterer Programmpunkt ist die Lyrik, die manch anderen Magazinen oft zu kurz kommt.
Das Magazin besticht durch Inhalt, Aufmachung und der Liebe zum Detail, dass die Exodus ein Gesamtpaket ist, welches den Leser in eine ganze eigene Welt entführt.
Angeschlossen an das Magazin gibt es ausgewählte Geschichten auch in Buchformat beim Hirnkost Verlag (wer sich doch nicht von den Buchdeckeln trennen mag): hirnkost.de/Exodus

Donnerstag, 26. Januar 2023

#AutoralsLeser: Hanna Paulsen

Oftmals nehmen wir Leser in einer Person nur den Autor war, doch das ist natürlich nur ein Teil der Wahrheit.
Ein Autor ist auch selbst ein Leser und ist durch das, was er gelesen hat beeinflusst. Doch spiegelt sich das Gelesene im Geschriebenen wider?
Wollen wir doch einmal sehen.  😉

Heute hat diese Autorin die Fragen zu ihrem Leseverhalten beantwortet:

Hanna Paulsen (privat)

Welches sind die drei besten Bücher, die du je gelesen hast?
"Feuer und Stein" von Diana Gabaldon, "Seelen" von Stephenie Meyer und "Dracula" von Bram Stoker

Wo liest du am liebsten?
Ich lese am liebsten vor dem Einschlafen im Bett. Im Sommer lege ich mich auch gern zum Lesen auf eine Liege in den Garten.

Welches Buch hast du zuletzt gelesen und würdest es weiterempfehlen?
"Inside Strafverteidigung: Advokaten des Bösen" von Burkhard Benecken und Hans Reinhardt 

Nachdem ihr nun wisst, was sie liest, könnt ihr hier schauen, was sie schreibt:
instagram.com/hannapaulsenkrimis/

In diesem Sinne, fröhliches Lesen und freut euch, wenn es demnächst ein weiteres Interview gibt.

Caitlyn Young "Miss Pinky und der tote Pastor"

Hollowfield.
Ein kleines nahezu verschlafenes Dorf, in dem sich Hase und Igel gute Nacht sagen. Seit 15 Jahren lebt Erin Lovejoy, liebevoll Miss Pinky genannt, in Hollowfield und eigentlich könnte das Leben so schön sein, doch eines Tages liegt der Dorfpfarrer tot in seiner Kirche mit einem Liebesbrief von Miss Pinky in seiner Tasche.
Die Aufregung ist groß, denn wer könnte in dem Dorf zum einen etwas gegen den liebenswerten Pfarrer und zum anderen gegen die herzensgute Miss Pinky haben? Doch wie so oft, zeigen sich in einem Dorf lediglich die Fassaden der Menschen. Was sie denken, wird hinter vorgehaltener Hand getuschelt.

Caitlyn Young entführt den Leser in das beschauliche Südengland.
Schnucklige, kleine Dörfer, der Inbegriff von Cosyness bieten hier das perfekte Setting um Lug, Trug und Mord im Widerschein der Gemütlichkeit aufkommen zu lassen. Alle mögen sich, alle gehen zusammen zum Dorffest und doch ...
Die Autorin spielt gekonnt mit den Klischees und den Vorurteilen, die man als Städter gegen die Dorfgemeinschaften vielfach hat. Auch die Polizei bekommt, wie schon in den klassischen Detektivromanen ihr Fett weg, und so ist es Miss Pinky, die der Leser durch das Buch begleitet.

Menschliche Abgründe beschreibt Caitlyn hier genauso gut, wie jegliches andere menschliche Gefühl und so besticht der cosy crime nicht nur durch seine detektivische Finesse sondern eben auch in den vielfältigen menschlichen Abgründen, denn was sind die häufigsten Gründe für Mord? 

4,5 von 5 Dörfern 

Dienstag, 24. Januar 2023

Gerhard J. Rekel "Monsieur Orient-Express"

In Zeiten, in denen man theoretisch überall hinreisen kann, mutet ein Buch, dass über die Anfänge des europäischen Bahnverkehrs berichtet, nostalgisch an.
Kein Mann hat den europäischen Bahnverkehr so geprägt wie Georges Nagelmackers. Es war seine Vision nach einer Reise durch die USA, dass eine Zugfahrt nicht lediglich dem Transport der Menschen von A nach B dient, sondern dass die Fahrt auch einem gewissen Stil genügen muss. Geld spielte immer wieder eine große Rolle in Nagelmackers Karriere und auch wenn seine Familie ein großes Bankhaus in Belgien unterhielt, eine wirkliche Unterstützung von Seiten seines Vaters blieb aus.
Das Sachbuch umfasst Georges Nagelmackers gesamtes Leben, doch der Fokus liegt auf der Zeit, als er die Reise in die USA antritt und den darauffolgenden Jahren, als er sich darum bemüht, dass Bahnnetz mit seinen Schlafwagen zu bevölkern. Guter Rat ist den Jahren oft teuer und das oft im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Nagelmackers denkt immer groß. Er will nicht nur die Schlafwagen nutzen, er will sie auch bauen, selbst reparieren. Das alles kostet wahnsinnig viel Geld. Doch immer wieder gelingt es ihm, erworbenes Kapital zu reinvestieren, bis er auf die Idee kommt, selber Hotels zu eröffnen ...
Falls der Name Nagelmackers nicht geläufig ist, seinen berühmtesten Zug kennt jeder: der Orientexpress.

Das Buch ist ein gut geschriebenes Sachbuch, was dadurch besticht, dass es dem Leser genau die richtige Menge an Informationen an die Hand gibt und gleichzeitig durch seinen angenehmen Schreibstil wunderbar zu lesen ist.
Plakate, Zeichnungen, Anzeigen, Pläne und weitere Originaldokumente aus der Zeit runden das Buch zu einem kleinen Kunstwerk ab.

Selten habe ich bei einem Sachbuch so mit dem "Hauptcharakter" mitgelitten, wenn er sich durch eine Fehlentscheidung in eine Pattsituation gebracht hat.
Ein Buch, was den Leser unglaublich viel lehrt, über die Eisenbahn, über die Geschichte, über den Erfolg und auch über die menschliche Natur.

5 von 5 Orientexpressen

Donnerstag, 19. Januar 2023

Autoreninterview Hanna Paulsen

Hallo zusammen.

Wieder habe ich mich auf die Suche nach einer interessanten Autorin gemacht und habe jemand Nettes gefunden, die mir meine Fragen beantworten möchte.
Hanna Paulsen hat diesen Monat den dritten Band über ihre Polizeireporterin Gesa Jansen herausgebracht. Wieso Hanna eine Polizeireporterin als Protagonistin gewählt hat, lest ihr im Interview:

Hanna Paulsen (Foto privat)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich habe nach der Schule ein halbes Jahr bei einer Lokalzeitung gearbeitet und danach Journalistik studiert. Schreiben war also schon immer mein Beruf. Meine wahre Liebe galt aber den fiktiven Stoffen. Deswegen habe ich während meiner Zeit als Journalistin viele Bücher und DVDs rezensiert. Als während der Elternzeit die Zeitschriften, für die ich gearbeitet habe, verkauft und der Redaktionssitz von Hamburg nach Berlin verlegt wurde, war das der Anstoß, ins kalte Wasser zu springen und meinen Traum zu leben. Ich wurde Romanautorin - erstmal habe ich übrigens Liebesromane geschrieben, die Krimis kamen später.

Eine Polizeireporterin ist eine ausgefallene Protagonist im Gegensatz zum klassischen Ermittler. Was gab den Ausschlag für diese Protagonist?
Ich kenne mich im Journalismus gut aus, deswegen fiel mir der Zugang zu einer Polizeireporterin leichter als zu einer Kriminalkommissarin. Außerdem gefallen mir die Beschränkungen, denen meine Protagonistin als Reporterin unterliegt. Sie kann nicht einfach einen DNA-Test anordnen, um den Fall zu lösen, sondern muss ihr Köpfchen nützen. Das ist aus Autorensicht sehr viel reizvoller.

Gibt es ein reales Vorbild für Gesa Jansen?
Ja, sogar zwei. Während meiner Zeit bei der Lokalzeitung hatte ich eine Kollegin, die gern zur Polizei gegangen wäre, aber zu klein für die Aufnahme-prüfung war. Eine sportliche, sehr toughe Frau. Im Studium freudete ich mich dann mit einer Kommilitonin an, die später Lokalreporterin wurde und in ihrem Job die krassesten Dinge erlebt: einen Amoklauf an einer Schule, eine zerstückelte und in Blumentöpfe einbetonierte Leiche und Morddrohungen aus der Querdenkerszene gegen ihren Kollegen. Ihre Storys inspirieren mich immer wieder zu meinen Kriminalfällen.

Willst du, dass deine Leser:innen die Täter in deinen Bücher selbst erraten können?
Ja, schließlich liebe ich es selbst, beim Lesen eines Krimis mitzuraten. Nur allzu früh sollten sie mir nicht auf die Schliche kommen. Perfekt ist es, wenn die Leser am Ende bemerken, dass es Hinweise auf den Täter gegeben hat, die ihnen aber gar nicht aufgefallen sind.

Könntest du dir für Gesa auch einen anderen Ort als Hamburg vorstellen? So z.B. Gesa im Außeneinsatz in ...?
Natürlich! Gesa hat auch schon in ihrer Heimat im Alten Land ermittelt - im Roman "Feuer im Alten Land". Und ich könnte mir auch vorstellen, dass sie mal im Urlaub auf eine spannende Story stößt und auf eigene Faust ermittelt.

Bevor es nächste Woche weitergeht, schaut doch mal auf Hannas Seite vorbei:
instagram.com/hannapaulsenkrimis/

In diesem Sinne, fröhliches Lesen und freut euch auf die nächste Woche und auf ein weiteres Interview.

Dienstag, 17. Januar 2023

Hanna Paulsen "Der Tod im Feuilleton"

Dass man als Kulturredakteur mit einer spitzen Feder Unmut auf sich zieht, muss ein Hamburger Journalist am eigenen Leib erfahren. Denn so platziert der Tote auf der Jungfernbrücke auch ist, er ist inszieniert. Doch wer könnte ein Interesse daran haben, den Journalisten umzubringen? Die Dame, der seine Kritik galt, wehrt sich nicht gegen die Texte und so bleibt Gesa Jansen nichts anderes übrig als hinter die Fassade des Hamburger Kulturbetriebes zu schauen. Was sich ihr dort offenbart, könnte keine Geschichte besser erzählen.
"Der Tod im Feuilleton" ist bereits der dritte Band über die Polizeireporterin Gesa Jansen. Dieser Band kann ohne Vorkenntnis der ersten beiden Bände gelesen werden, da die Autorin die wichtigsten Handlungsstränge während des Kriminalfalls einfließen lässt.
Sowohl der Fall ansich, als auch die Thematik der Polizeireporterin geben dem Buch ein rasantes Tempo. Die Nachrichten müssen immer schnell produziert und möglichst vor der Konkurrenz online sein, denn wer zuerst darüber berichtet, hat die meisten Klicks. Dabei ist es oft ein Zwiespalt zwischen Recherche und "mal schnell einen Beitrag raushauen", was gerade vor dem Hintergrund der Polizeiarbeit ein Wagnis ist. Immer muss Täterwissen geschützt und die Nachricht trotz allem hoch aufgehangen werden, denn im Gegensatz zum Kulturbetrieb zählt Schnelligkeit.
Die Autorin schafft es, ihre Figuren so zu gestalten, dass man als Leser direkt mitten in der Handlung ist und nach kurzer Zeit seine Lieblingsfigur auserkoren hat. Allerdings sind nicht alle Figuren nur schwarz oder weiß, denn der Job härtet ab und nur mit Ellenbogen kommt man ans Ziel.
Durch ein ausgeprägtes Lokalkolorit und der anderen Erzählperspektive ist man beim Lesen oftmals so gefesselt, dass man durch die Seiten fliegt und einfach wissen will, wie es weitergeht, nur um der Autorin ein um das andere Mal auf den Leim zu gehen. Denn nichts ... wirklich nichts ... ist, wie es scheint.
Ein großartiger Kriminalroman, der in nahezu allen Bereichen punktet.

4,5 von 5 Nachrichten

Danke an die Autorin für das Rezensionsexemplar.

Sonntag, 15. Januar 2023

Gebrüder Grimm "Schneewittchen und andere Märchen"

Es war einmal ...
Es waren einmal zwei Brüder, die zogen aus, um die schönsten Märchen zusammenzustellen und sie als "Kinder- und Hausmärchen" zu veröffentlichen. Früher gab es wohl keinen Haushalt, der nicht die eine oder die andere Ausgabe von ihren Märchen besaß.
Heutzutage kennt man die Märchen eher aus dem Fernsehen und aus Filmen, was zu leichten Verstörungen führt, wenn man die ursprünglichen Märchen als Lektüre genießt.
Schneewittchen, Hans im Glück, Frau Holle, viele der Märchen und auch einzelne Redewendungen sind so in den deutschen Sprachgebrauch eingeflossen, dass man sich gar nicht bewusst ist, dass man die Gebrüder Grimm zitiert. 
Die bunten Rahmen, die schönen Interaktionen von MinaLima täuschen zeitweilig über die doch grausamen Enden der Geschichten hinweg, denn die Moral von der Geschicht' war damals noch nicht so weichgespült, wie es die filmischen Interpretationen danach oft waren. Bestrafung und manchmal auch der Tod drohte dem, der es wagte, anderen ein Leid zuzuführen, speziell wenn eine Königsfamilie involviert war.
Die Auswahl mag sehr eigenwillig erscheinen, denn ein oder zwei bekanntere Werke vermisst man in dieser Ausgabe und doch bilden die zwanzig Geschichten ein Potpourri vom grausamen Leid bis hin zum übermäßigen Glück. 
So erbarmungslos manche Märchen auch seien mögen, auch heute noch tragen sie die verschiedenen Botschaften in die Herzen der Menschen:
Sei fleißig und du wirst belohnt.
Sei faul und es geht dir an den Kragen.
Sei genügsam und du wirst ein schönes Leben haben.
Sei gierig und du wirst es bereuen.
Sicherlich gibt es heutzutage keine "eins zu eins" Umsetzung - aber ein bißchen weniger Verbissenheit hat noch keinem geschadet, denn dann kommen die Helfer freiwillig ins Haus.

4,5 von 5 Äpfeln