Hallo zusammen.
Krimis und gerade jene mit Lokalkolorit liest man immer wieder gerne. So darf ich euch heute einen Autor vorstellen, dessen Krimi in Frankfurt am Main spielt.
(Foto: Oliver Baier (privat), Grafik: Maximilian Wust)
"Frankfurt Beats" wird jetzt ein Jahr. Wie hast du dieses Jahr erlebt?
Es war ein sehr aufregendes Jahr mit meinem Debüt. Ich habe viele wunderbare Menschen kennengelernt, die mir offen und interessiert begegnet sind. Eine große Überraschung war die Nominierung für den "Harzer Hammer", einen Preis, der ThrillerdebütantInnen verliehen wird. Für den Preis hat es am Ende nicht gerreicht, aber es hat sich schon sehr gut angefühlt. Kurz vor der Veröffentlichung war ich als Weinschreiber mit einem Residenzaufenthalt in Eltville - ein tolles Gefühl, als Autor wahrgenommen zu werden. Ich wurde für einen Bloggendenevent nach Bad Ragaz in die Schweiz eingeladen, was ich niemals erwartet hätte. Aber auch die vielen Lesungen an unterschiedlichen Orten und mit den unterschiedlichsten Erfahrungen haben in mir den großen Wunsch nach mehr ausgelöst.
Warum meinst du ist Lokalkolorit für ein Buch so wichtig?
Generell handelt jedes Buch irgendwo und Atmosphäre einzufangen ist Teil des Leseerlebens. Mir war es aber wichtig ein Gefühl zu transportieren, welches über die Beschreibung klassischer Hotspots hinausgeht und auch Lesende zu begeistern, denen ein bisher unbekanntes Frankfurt dennoch zu einem Ort wird, der lebendig, ambivalent und in meinem Genre auch voller Spannung und Emotionen wirkt.
Erzähl doch einmal, wie kam es zu "Frankfurt Beats"?
Vor meinem Debüt habe ich schon einige Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlichen können und wollte nach einem Regiokrimi in einem Autorenkollektiv einen eigenen Roman schreiben. Zuerst war Milan da, eine Figur, die mir am Frankfurter Hauptbahnhof begegnet ist und den ich eine eigene Geschichte erzählen lassen wollte. Zunächst war ich sehr freundlich mit ihm, aber für den Thriller musste ich ihm leider einiges vor die Füße werfen. Frankfurt beschäftigt mich schon mein ganzes Leben, ich mag es in dieser Stadt zu sein und das zu beobachten, was passiert. Alle Kontraste treffen hier aufeinander, die Stadt kann international, aber auch ganz klein sein in verschiedenen Ecken.
Die Verlagssuche ist für Debütautoren eine große Herausforderung, die mein Verleger Gerd Fischer mit mir realisieren wollte und dann konnten die Beats bei mainbook erscheinen.
Wann nimmst du dir die Zeit zum Schreiben?
Da ich freiberuflich mehr als Vollzeit arbeite, kann ich dies, wie viele AutorenkollegInnen nur in den Abendstunden oder am Wochenende einrichten, aber das ist für mich absolute Qualitytime. Meine kleine Tochter hat außerdem viele Trainingszeiten, in denen ich warten muss und das in Cafés oder sogar bei McDonalds mit dem Schreiben überbrücken kann. Ich darf dabei nur die Abholzeiten nicht vergessen ...
Arbeitest du am einer Fortsetzung? Oder bist du eher an einem anderen Thema interessiert?
Aktuell arbeite ich an einer neuen Serie rund um ein Frankfurter Ermittlerteam. Es unterscheidet sich daher etwas von den Beats, bei denen keine Ermittelnden im Vordergrund stehen. Die Kulisse Frankfurt ist dabei aber auch wieder eine großartige Inspiration für mich. Generell sind aber die Beats für mich nicht unbedingt auserzählt. Mal schauen, ob es in dieser Richtung noch zu einer Fortsetzung kommt. An Ideen für andere Projekte mangelt es mir zum Glück bisher nicht.
Auf welchen Veranstaltungen kann man dich bis zur Frankfurter Buchmesse sehen?
Meine Zeit ist mit Schreiben gerade sehr ausgefüllt, da ich gerne den Weg mit einer Literaturagentur gehen möchte und da auch ein gut ausgearbeitetes Manuskript mit weiteren Teilen anbiete. Gerade komme ich aus Salzburg von der Criminale, einem Jahrestreffen des Syndikat e.V (der Autorenvereinigung deutschsprachiger KrimiautorInnen), bei der ich auch zu einer Jurytätigkeit für den renommierten Glauserpreis berufen worden bin. Aber auf der Frankfurter Buchmesse werde ich auf jeden Fall vertreten sein. Vielleicht ergibt sich ja noch bis dahin eine Lesung mit den Beats - da ich interessanterweise immer noch nicht in Frankfurt lesen konnte, verrückt, oder?
Mit welchem Autor könntest du dir eine Zusammenarbeit vorstellen?
Im Duo zu schreiben stelle ich mir sehr aufregend vor und vielleicht ergibt sich ja irgendwann die Möglichkeit dies zu tun. Ich habe so viele AutorInnen, die ich schätze und mit denen es eine große Ehre wäre gemeinsam zu schreiben. Teamarbeit ist mir ja in meinem therapeutischen Setting nicht fremd.
Aktuell habe ich aber mit meinem Soloprojekt genug zu tun und möchte mir damit erstmal einen eigenen Namen machen.