Mittwoch, 15. April 2026

Grace Cavendish "Lady Grace Mysteries - Giftmord"

Schon als ich jünger war, bin ich gerne in historische Welten abgetaucht. Welten, die schon solange her sind, dass man sich heute die Lebensumstände kaum mehr vorstellen kann.
Eine Zeit, die mich immer sehr interessiert hat, ist die Zeit Heinrich VIII. Die Geschichte um seine sechs Frauen und die Begebenheiten am Hof, man könnte sie auch Intrigen nennen, man kann so viele Erzählungen schreiben und man wird doch niemals fertig.

Ein wenig später in der Zeit, wenn auch nicht uninteressanter, lebte seine Tochter Elisabeth I., um sie und ihre Hofjungfer Lady Grace dreht sich der Jugendkrimi "Giftmord".

Zeitlich spielt der Krimi im Jahr 1569. Elisabeth I. ist schon einige Jahre Königin und trotzdem muss sie sich immer wieder um ihre Macht sorgen. Denn andere Königreiche beharren darauf, ebenfalls einen Anspruch auf den Thron von England zu erheben. 

Lady Grace ist zu diesem Zeitpunkt seit einem Jahr Waise, ihr Mutter starb in den Armen der Königin. So ist es an Elisabeth I. Lady Grace einen Ehemann zu suchen. Bei der Feierlichkeiten zu deren Verlobung stirbt einer der Freier, ein anderer wird verhaftet und der dritter fällt mit schlechtem Benehmen aus dem Rahmen. Während alle noch versuchen zu verstehen, was passiert ist, beginnt Lady Grace mit zwei Freunden ihre Ermittlungen, die sie durch den halben Palast führen.

Im Unterschied zu historischen Romanen bemüht sich die Autorin hier um eine jugendgerechte Sprache. Worte, die für den historischen Kontext wichtig sind, erläutert sie in einem Glossar. Die Protagonisten sind alle um die zwölf Jahre alt, was es für junge Leser einfacher macht, sich in das Geschehen hineinzuversetzen. Erwachsene Personen spielen jenseits ihrer historischen Bedeutung eher Nebenrollen und auch die Auftritte der Königin halten sich in Grenzen. Es wird gerannt, getobt; es wird sich versteckt, so wie man es sich bei Ermittlungen von jüngeren Detektiven wünscht. Der Fall ist gut strukturiert und zeigt neben kriminalistischen Elementen Einblicke in die Zeit. Eine gute Mischung für historische Ein- oder Wiedereinsteiger.

4,5 von 5 Giften 

Dienstag, 14. April 2026

Astrid Aschenbrenner "Gute Nacht Gedanken - Betthupferl für die Seele"

Wer legt den Wert eines Menschen fest?
Wer sagt, ob jemand genügt?

Vielmehr lautet doch die Frage, wem gebe ich das Recht über mich zu urteilen, obwohl er nur Facetten meines Lebens kennt?

Die Autorin hat aus ihrem Instagramfeed ein Buch gemacht.

Vermeintlich kleine Gedanken, die doch Großes bewirken sollen.

Denn die "Betthupferl" sind bei weitem nicht klein. Sicherlich hat man den einen oder anderen Hinweis schon einmal gehört, aber in dieser Vielfalt und in dieser Intensität ist mir noch kein anderes Buch in die Hände gefallen.

Dabei geht es nicht um das klassische "Sei du selbst", sondern auch um das, wie bleib ich stark, wenn die Zeit hart ist. Wie bleibe ich zu mir selbst freundlich, wenn es andere auch nicht sind.

Auf 160 Seiten spricht die Autorin die Gedanken vieler aus und tröstet sie mit Balsam für die Seele.

Ein wirklich schönes Buch, was manches gerade rückt und die Schwere nimmt.

Jede Seite ist schön aufgemacht und auf den Text abgestimmt. Ein wunderbares Buch zum Kraft schöpfen.


5 von 5 Betthupferln

Sonntag, 12. April 2026

Martin Sernko "Der Tod kennt keinen Ruhestand"

Eigentlich ist Karl nur wegen eines großen Missverständnisses schon im Ruhestand, doch seine Kollegen wollen trotz allem nichts mehr mit ihm zu tun haben. Das ändert sich als "der blaue Wolf" am Wörthersee zuschlägt. Sicherlich seitdem Roy Black nicht mehr hier agiert, ist es ruhiger geworden, doch diese Form der Publicity hat sich keine Stadt am See gewünscht und schon gar nicht der Tourismusversteher, wobei der vielleicht noch am ehesten. Was folgt sind zahlreiche Bekennerschreiben, viele Verletzte und einige Tote, was es für Karl und seine ehemaligen Kollegen der Polizei und des dazugerufenen LKAs schwieirg macht, Licht ins Dunkel zu bringen.
Während Karl versucht die Fälle zu lösen oder zu erkennen, ob sie nicht doch zusammenhängen, speist er sich rund um den bekannten See. Der Autor lässt ihn die kulinarischen Genüsse des Sees vorstellen und zeitweilig ist man erstaunt, dass er nicht um den See rollt, soviel und so leckere Gängen werden ihm Tag für Tag aufgetischt.
Die Komposition, einen unehrenhaft Entlassenen der Polizei als Hauptermittler zu installieren und ihm zahlreiche Gehilfen zur Seite zu stellen, ist in meinen Augen eine Neuerung bei den allzu bekannten alternativ Ermittelnden. Sicherlich kennt man schon den Polizisten, der entlassen wurde, doch die Personenzusammenstellung, die der Autor hier vornimmt, gemischt mit unzuverlässigen Gehilfen, ist gut gewählt. Immer wieder zweifelt man, wem der ehemalige Polizist überhaupt trauen kann, sodass die Entwicklung alles andere als vorhersehbar ist.
Gespickt mit Lokalkolorit und Rezepten ist der Text auch ein Gaumenschmaus, der aus anderen Krimis heraussticht.

4,5 von 5 Wölfen

Freitag, 10. April 2026

Anna Opel "Stolz & Vorurteil - Graphic Novel"

Einen Klassiker von seiner Stimme zu isolieren, um ihn in Form einer Graphic Novel in einem neuen Gewand zu präsentieren, erfordert Mut und Ideen.
Denn welche Szenen des Klassikers sind so grundlegend für das Werk, dass sie auch in der Kürze der Graphic Novel vorkommen müssen. Welche Passagen wünscht man sich zu modernisieren, damit sie dem aktuellen Zeitgeschmack entsprechen?

Dieser Aufgabe haben sich Anna Opel und Elias Linnekuhl gestellt.

Wer sich bereits mit dem Werk von Jane Austen beschäftigt hat, wird erkennen, dass sich die beiden optisch an die Verfilmung mit Keira Knightley und Matthew Macfadyen orientiert haben. Kleine Details und auch die beiden Hauptcharaktere lassen darauf schließen.

Für die, die "Stolz & Vorurteil" nicht kennen, eine Familie mit mehreren Töchtern möchte gerne in die oberen Kreise einheiraten, da der Besitz an den nächsten männlichen Erben fällt und die Töchter somit versorgt sein müssen. Was in der Zeit normal war, wird im originalen Texten mit vielen kleinen Spitzen von der Autorin selbst schon scharf kritisiert.
Von dieser Kritik bleibt in der graphischen Umsetzung nur ein wenig erhalten und die Kritik wird zum Teil auch von der anderen Charakteren geäußert.

Anna Opel und Elias Linnekuhl schaffen es, den Inhalt so zu verdichten, dass man als Neueinsteiger gut in die Handlung und ihre Charaktere hineinfindet.

Die Zeichnungen sind schlicht gehalten, was zu dem Text gut passt. Die Liebe zu Details zieht sich durch die ganze Graphic Novel und öffnet uns eine Zeit, die für uns doch sehr fremd ist.

4 von 5 Kavalieren

Dienstag, 7. April 2026

Matthias Manke "Leichtfüßig"

Hast du heute schon einmal an deine Füße gedacht?
Während man seiner Ernährung, seinen Haaren, seiner Kleidung und anderen Körperregionen viel mehr Aufmerksamkeit zukommen lässt, sind die Füße die Körperteile, die man am häufigsten vergisst und somit auch vernachlässigt. Dabei sind sie es, die die Last unseres Körpers tragen und somit für unsere Mobilität kaum zu ersetzen sind.

Wenn die Füße schmerzen, haben sie oft schon einen langen Leidensweg hinter sich. Zu enge oder zu hohe Schuhe. Zu lange in Socken und Schuhen. Zu viel Gewicht, keine Bewegung …

Die Liste der Dinge, die den Füßen schadet, ist lang und gerade hier ist Vorsicht besser als Nachsicht.

Der Autor beschreibt in seinem Buch zuerst in aller Ausführlichkeit, welche verschiedenen Füße es gibt, wie es zu Fehlstellungen kommt und wie man die Korrektur herbeiführen kann.
Ein wesentlich kürzerer Teil beschäftigt sich mit der Pflege, Übungen und Reflexzonen.
In kleinen Schaubildern bekommt man die verschiedenen Füße, Übungen und auch Reflexzonen visualisiert, um gerade bei der Pflege oder Massage, die richtigen Bereiche entsprechend zu stimulieren.

Füße sind demnach kein Hexenwerk, man muss sich nur kümmern.

3,5 von 5 Füßen

Sonntag, 5. April 2026

Giulia Conti "Lago Mortale"

Eigentlich ist es still am Lago d'Orta.
Der Tourismus ist hier noch nicht in den Massen angekommen wie am Lago Maggiore.
Und doch stört etwas die Ruhe.
Simon, ein Deutsch-Italiener, hat sich aus dem Frankfurter Journalismus hierher zurückgezogen. War es die Arbeit, waren es die Menschen, während des Krimis geht man auch hier auf Erkundungstour.
Eines Morgens steht Simon auf seiner Terrasse, als er ein Boot auf dem Lago trudeln sieht. Kurzerhand paddelt er dorthin, um nach dem Rechten zu sehen und trifft auf eine Leiche. Als Journalist kann er seine Neugier nicht unter Kontrolle halten und so stellt er neben der Polizei eigene Ermittlungen an, die ihn immer weiter in die Geschichte des Lago ziehen.

Finten und Hinweise, falsche Fährten und richtige Ansichten, die Autorin schafft in ihrem Erstling das, was vielen Krimiautoren lange nicht gelingt: Sie legt eine Spur, nimmt Hinweise vermeintlich zurück, um sie dann in einem anderen Licht zu präsentieren.
Italienische Küche, Partisanenvergangenheit und vieles mehr lässt sie in ihren Krimi einfließen und schafft es so, dem Leser neben ihrer spannenden Erzählung auch ein Stück Kultur an die Hand zu geben. Denn Italien ist bei Weitem nicht nur Sonne, Strand und Meer.
Der Krimi bildet den Auftakt einer Reihe, um Simon Strasser, einem Einsiedler, der im Grunde seines Herzens gar keiner sein will.

4,5 von 5 Gewässern

Dienstag, 31. März 2026

Sibylle Kappel "Rosenkrieg"

Es soll der Tag aller Tage werden, doch leider endet er mit einer Leiche. Während Francesca auf der Suche nach dem richtigen Brautkleid ist, wird auf der Mainau eine tote Braut gefunden.
Ein Zeichen?
Zumindest insoweit, als dass Francesca die Anprobe unterbrechen und zur Mainau fahren muss. Vor Ort herrscht Trubel, denn auch die Hochzeitsgäste sind schon da. Sie zählen zu den Reichen und Schönen und wollen nichts mit einem Mord zu tun haben.
Schnell zeigt sich, innerhalb von ein paar Stunden ist die Ermittlung nicht erledigt und so bleibt sie mit ihrem Kollegen Thomas, den Gästen und dem Mörder auf der Insel.

Ein Hoch auf das Lokalkolorit. Man riecht die Blumen, man sieht die Schmetterlinge, man schweift über die Insel. Wer sie kennt, kann der Autorin während der ganzen Geschichte folgen. Szenenwechsel um die Dynamik und Spannung aufrecht zu halten, dazu eine bunte Mischung an Charakteren, fertig ist der Plot. Erfahrene Krimileser kommen schnell auf die Fährte, wohin die Reise gehen soll und daran merkt man, dass es sich um einen cosy crime handelt. Es ist kein Thriller, es ist kein Rätselkrimi. Es ist ein Unterhaltungskrimi.

Die Probleme der Ermittlern bekommen den gleichen Stellenwert wie die der Verdächtigen und ein paar Lacher hat die Autorin auch bewusst eingebaut.

Ein nettes Buch für zwischendurch und es macht Lust, die Insel Mainau zu besuchen.

3,5 von 5 Blumen

Montag, 30. März 2026

Ronald D. Gerste "Wie Krankheiten Geschichte machen"

Was wäre, wenn …
Eine Frage, die gerade im geschichtlichen Zusammenhang immer wieder fällt. Denn es gibt Daten und Ereignisse in der Geschichte, bei denen man annimmt, dass sie völlig anders verlaufen wären, wenn …

Der Autor Ronald D. Gerste nimmt den Leser in seinem Buch "Wie Krankheiten Geschichte machen" erneut mit auf eine Zeitreise. In sehr unterschiedlich langen Kapiteln erörtert der Autor z.B., was in England passiert wäre, hätte Mary Tudor Kinder bekommen und Elisabeth I. wäre nicht auf den Thron gekommen. Neben der glorreichen Zeit unter Elisabeth I. steht die Frage, wie sich der Glauben in England ohne sie entwickelt hätte.
Weitere Zeitabschnitte und große Herrscher, die er bespricht, sind: die Cäsaren, Alexander der Große, Heinrich XIII., Friedrich Ebert, Friedrich der Große, Lenin, Stalin und wie viele mehr.

Neben einzelnen Persönlichkeiten schreibt er ebenfalls über die großen Epidemien der Zeit, wie z.B. die Spanische Grippe, die Pocken oder auch die Cholera.

Neben den eigentlichen Krankheitsbilder beschreibt er auch die jeweils aktuellen Lebensumstände und zeigt damit auf, warum es Krankheiten so einfach hatten oder warum sie auch "chic" waren.
Natürlich haben Krankheiten auch in der jeweiligen Zeit Einzug in die Literatur gehalten, allerdings sind diese Beispiele eher in der Minderzahl.

Ob kurz oder lang in den Abschnitten des Buches vermittelt der Autor eine Menge Wissen über die Zeit. Sollte man speziell an den Krankheiten interessiert sein, so sei allerdings erwähnt, dass der informative Anteil über diese sehr stark in den einzelnen Abschnitten schwankt. Manchmal ist es nur eine Randnotiz und man hätte sich gerade bei der Person mehr gewünscht.

Doch alles im allem bin ich immer wieder erstaunt, wie es der Autor vermeintlich spielend schafft, durch seine Wortwahl und die passenden Bezüge die Inhalte schon beim ersten Lesen im Gedächtnis zu verankern. Eine große Leistung für ein Sachbuch.


4 von 5 Krankheiten

Freitag, 27. März 2026

Anja Goerz und Eric Niemann "grün, tot, weiß"

Eine kleine Insel mitten in der Nordsee, geprägt von Idylle und Abgeschiedenheit, wird Schauplatz eines tödlichen Unfalls. Der Schriftsteller Christian Gröger liegt eines Morgens am Fuße der Hummerklippen und die Inselgemeinschaft von Helgoland ist in Aufruhr. Denn einem kleinen Dorf gleich gibt es auch hier Menschen, die alles über die anderen wissen oder es zumindest meinen. Kleine Bistrogardinen wackeln, wenn andere sich auf der Straße treffen, um was zu tun?

Die Inselpolizei kann nicht mit so einem wichtigen Fall betraut werden und so kommen zwei Ermittler vom Festland herüber. Beide haben ihre Vorgeschichte und so ist es anfangs sehr schwierig einen gemeinsamen Nenner zu finden, damit die Arbeit nicht leidet.

Wie es bei Krimis inzwischen üblich ist, geht es nicht nur um ein gekonntes Katz-und-Maus-Spiel mit den Verdächtigen, sondern es geht auch um den Hintergrund der jeweiligen Ermittler.

Das Autorenduo Goerz und Niemann schafft mit seinen Ermittlern Herma und Jan zwei Figuren, die sich mit ihrer Lebenserfahrung und teilweise mit der Suche nach ihrem Platz darin (weit nicht so esoterisch, wie es hier gerade vielleicht klingen mag) sehr gut in das Geschehen einpassen. Andere Figuren spiegeln diese Eigenschaften und so sind empathische Szenen weit weniger gestellt, als es in anderen Büchern der Fall ist.

Parallel zu den beiden nimmt auch ein kleiner Junge die Untersuchung auf. Ganz im Stil von Sherlock Holmes sichert er Fingerabdrücke, begutachtet den Tatort und zieht Rückschlüsse, die gar nicht so verkehrt sind.

Der Plot an sich ist einem cosy crime ähnlich. Nicht sehr blutrünstig gestaltet, geht es um Kombinationsgabe und Ausschlussprinzip. Mit zahlreichen, realistischen Wendungen bleibt der Krimi bis zum Ende spannend und das eingeflochtene Lokalkolorit rundet die Erzählung gelungen ab.


4,5 von 5 Inseln

Mittwoch, 25. März 2026

Autoreninterview Maya Malou

Hallo zusammen.
Wer kennt Maya und ihr Zwergenkompendium denn nicht? Wie höre ich da gegenteilige Äußerungen? Dann mal fix das Interview gelesen. :-)

(Bild: Maya Malou (privat), Grafik: Maximilian Wust)


Wie ist dein Kinderbuch entstanden?
Mera und das Herz des Waldes, mein Debüt, entstand 2020 aus der Idee heraus, einen Adventskalender für meine Tochter zu schreiben. Allerdings ist mir dann schnell klar geworden, dass es mehr als 24 kleine Kapitel werden und so schrieb ich mein erstes Buch. Zum damaligen Zeitpunkt hätte ich mir niemals vorstellen können, dass es ein Jahr später tatsächlich einen Verlagsvertrag erhält und veröffentlicht wird. Ehrlich gesagt kann ich mir das nach wie vor bei keinem meiner Projekte vorstellen und bin immer maximal geflasht, wenn sie dann einen erhalten und ich sie als gedrucktes Buch in der Hand halten darf. Das hat auch nach mittlerweile vier Veröffentlichungen und drei Anthologien, an welchen ich mitwirken durfte, nichts von seinem Zauber verloren.

Welche Aufgaben machen dir bei der Entstehung eines Buches am meisten Spaß?
Beim Schreiben der Kinderbücher genieße ich es sehr Szenen einzubauen, die mich selbst und (hoffentlich auch) meine LeserInnen zum Lachen bringen, sowie die magischen Bilder, die sich in meinem Kopf abspielen in Worte zu fassen, um sie dadurch in andere Köpfe »zu zeichnen«.
Aktuell arbeite ich aktiv an einem Projekt für ältere LeserInnen und hier macht es mir total Spaß, die Charaktere auszuarbeiten und die Vibes zwischen den verschiedenen Protagonisten rüberzubringen. Aber auch das Zusammenführen aller losen Fäden innerhalb der Story, die dann irgendwann ein Ganzes ergeben, bereitet mir enorme Freude beim Schreiben. Es ist schon ein lustiges Gefühl, wenn man als Autorin die ganze Zeit weiß, was in einer Szene gerade »Off-screen« geschieht und dann im weiteren Verlauf immer wieder kleine Hinweise einbaut, bis man zu der Schlüsselszene kommt, welche den Lesenden, den »Aha-Moment« bringt. Ich freue mich dann schon im Voraus wie ein kleines Kind auf die Reaktion meiner TestleserInnen.

Wie hast du dich auf die Leipziger Buchmesse vorbereitet?
Ich habe tagtäglich mehrere Liter Kaffee getrunken, geübt mindestens zwanzigtausend Wörter pro Tag zu reden, und mich nicht länger als 10 Minuten hinzusetzen. ;-)
Spaß beiseite, so wirklich darauf vorbereitet habe ich mich nicht, da ich ja das Glück habe, dass die Verlage sich um die Präsentation der Bücher kümmern. Ich hatte nur die Aufgabe meine Postkarten und Visitenkarten rechtzeitig zu bestellen (was beinah auch noch schief gegangen wäre) und mir Zugverbindungen herauszusuchen und zu überlegen wie ich alles in meinen großen Rucksack bekomme.

Worum geht es in deinem neuen Buch »Mera und die Farben des Waldes«?
Es ist das zweite, unabhängig lesbare Abenteuer meines lustigen Trios, bestehend aus Mera, einem Menschenmädchen, Tirothemius, einem Pan und Mink, einem Mondhasen. Tirothemius und Mink haben Mera eingeladen, um ihre einjährige Freundschaft zu feiern, aber statt gemütlich Rumpelkekse zu naschen, erwarten die drei Freunde aufgeregte Uppie-Wuppies, ein wirklich einzigartiges Zwergenvölkchen, und eine seltsame Farblosigkeit, die sich im Wald ausbreitet. Natürlich machen sich die drei Freunde auf die Suche nach der Ursache und einer Lösung für den Farbverlust des Waldes. Dabei stoßen sie auf ein ganz besonderes magisches Wesen, von deren Existenz sogar die Bewohner des Waldes hinter dem Nebel überrascht sind und begeben sich mit einer Gruppe Zwerge auf die Spuren einer uralten Zwergenlegende.
Alles in allem wird es also wieder sehr magisch und lustig, es tauchen wieder einige schräge Wesen auf und Themen wie Freundschaft und Mut spielen eine große Rolle.

Die Buchbranche ist oftmals ein schwieriges Pflaster. Was fehlt der Branche aus deiner Sicht?
Eindeutig Ruhe und Gelassenheit sowie der Fokus auf Qualität statt Quantität. Ich habe das Gefühl, es geht nur noch darum alle paar Wochen einen neuen »Bestseller« rauszuhauen und das überzeugendste Cover und den auffälligsten Farbschnitt zu machen. Dabei bleiben die Qualität der Geschichten und die Individualität absolut auf der Strecke. Ein Grund, weshalb ich gar nicht mehr bei großen Verlagen einkaufe.
Besuche in der Buchhandlung empfinde ich schon seit längerer Zeit nur noch ernüchternd, da man auf dem ersten Blick vom bunten Angebot erschlagen wird und bei genauem hinsehen wirken alle Cover und Klappentexte ähnlich. Dadurch geht in meinen Augen einiges an Herzblut verloren, dass AutorInnen in ihre Geschichten stecken, wenn sie sich die Zeit nehmen können, um ihre Geschichte zu schreiben.
Aktuell suggeriert der Buchmarkt uns AutorInnen, dass wir nie schnell genug sind, und setzt Schreibende enorm unter Druck, denn wenn du nicht »schnell genug nachlieferst«, bist du schon in der nächsten Woche Schall und Rauch. Da will und kann ich nicht mitmachen, auch wenn das bedeutet, dass ich es nicht mit meinen Titeln in die großen Buchhandlungen schaffe.

Wie kann man sich deinen Alltag als Autorin vorstellen?
Einen wirklichen Alltag als Autorin habe ich nicht, da ich das Schreiben in meiner oft sehr knapp bemessenen Freizeit betreibe. Wenn ich in meinem Brotjob frei habe und die Kinder außer Haus sind, dann setzte ich mich mit einer Tasse Kaffee oder Tee an meinen Schreibtisch, höre leise Instrumentalmusik und tippe in die Tasten.
Oft liege ich aber auch abends ewig bei der Einschlafbegleitung und gehe meine Storys im Kopf durch und tippe dann nur schnell Stichworte oder kurze Sätze in mein Handy, damit ich es nicht vergesse.
Tatsächlich schreibe ich viel am Handy in den Notizen, weil ich das im Alltag einfach immer dabei habe und bringe das dann später in »Schönform« am Laptop.
Auf Kommando kreativ sein ist für mich sehr schwierig, oft überrollen mich Szenen und Ideen in den unpassendsten Momenten :D die Reime für »Aufregung im Zwergendorf« kamen mir zum Beispiel um drei Uhr morgens, als ich im Bett lag und partout nicht einschlafen konnte. Am nächsten Tag war ich dementsprechend müde, aber hey, ich hatte die Geschichte für ein Bilderbuch! :D

Mit welchem deiner Bücher sollte man beginnen?
Wenn man dem Alter nach geht, mit dem Bilderbuch »Aufregung im Zwergendorf«, dann »Mera und das Herz des Waldes«, gefolgt von »Mera und die Farben des Waldes« und dann das »Zwergenkompendium«, sowie meine diversen Kurzgeschichten.
Aber eine wirkliche Reihenfolge, aber dennoch kann man in allen Geschichten kleine Eastereggs zu den jeweils anderen finden, da ich großen Spaß daran habe mir ein eigenes Multiversum aufzubauen. So finden sich z.B. im Zwergenkompendium »Uppie-Wuppies« oder der Märchenerzähler Birk wieder, welche die Lesenden in »Mera und die Farben des Waldes« wieder treffen. In »Aufregung im Zwergendorf« verstecken sich Tirothemius & Mink in zwei der Illustrationen und es gibt einen Wegweiser, der nach Teichstadt und zu den Rumpelhöhlen weist, welche man in »Mera und das Herz des Waldes« besucht und in einer meiner Kurzgeschichten, die in der Anthologie »Ignis Lucidus« beim Carpathia Verlag erschienen ist, lernt man die Protagonistin meines aktuellen Projektes kennen.


Wer neugierig ist, kann hier mehr über Maya erfahren:
tintenklecks-und-seitenzauber.de
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Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.