Donnerstag, 29. Oktober 2026

Autoreninterview Christoph Endres

Hallo zusammen,
heute stelle ich euch einen Autor oder vielleicht eher sein neuestes Projekt vor.
Willkommen Christoph Endres.

(Cover: Verlag in Farbe und Bunt, Grafik: Maximilian Wust)

Vor einem Monat erschien "Logbuch der Zukunft". Erzähl doch einmal, wie es zu dem Projekt kam.
Also, die Idee zu dem Projekt hatte ich letztes Jahr auf der FedCon, das ist die Star Trek Convention in Bonn, wo ich seit einigen Jahren hingehe und auch Vorträge zu populärwissenschaftlichen Themen halte, zum Beispiel über Asimov und Star Trek, über die Darstellung von Human Computer Interaction (HCI) in Filmen oder aber auch über die Art und Weise, wie Bewusstsein bei Androiden in Star Trek erklärt wird.

Und wer sich ein bisschen wissenschaftlich mit dem Thema Science-Fiction beschäftigt, weiß, dass es ja eigentlich in den meisten Fällen gar nicht nur um eine Geschichte aus der Zukunft geht, sondern vielmehr um einen Spiegel der Gegenwart, um eine Kritik oder eine Rückmeldung an die gegenwärtige Gesellschaft: Wenn wir uns weiterhin so verhalten, könnte das eine mögliche Zukunft sein. Oder wenn wir unser Verhalten ändern, könnte eine mögliche Zukunft anders sein.

Letztendlich entscheiden wir alle heute, ob wir in ein paar hundert Jahren eher so eine Zukunft wie die Utopie von Star Trek oder die Dystopie von beispiels-weise Dune haben. Was mir letztes Jahr auf der Convention plötzlich aufgefallen ist, dass zu dieser immer wiederkehrenden Aussage, wir entscheiden heute, wie unsere Zukunft aussehen soll, die entscheidende Information fehlt: Ja, wie denn? Wo stehen wir denn heute? Wenn wir eine Star-Trek-Utopie haben wollen, wo wollen wir denn eigentlich genau hin? Und wie kommen wir dahin? Und ich habe an dem Abend, als mir das aufgefallen ist, mehreren Leuten sehr, sehr begeistert davon erzählt, also hauptsächlich natürlich an dem Abend in Person natürlich nur den Menschen, die da waren. Ich habe auch mit einigen Leuten telefoniert.

Und es haben sich ein paar Leute gefunden, die Lust darauf hatten, die Frage mit mir gemeinsam zu beantworten: Dr. Rebecca Haar, Dr. Sebastian Stoppe und Bettina Wurche, die auch dort Vorträge gehalten haben, waren breit, das Projekt mit mir als Herausgeberteam anzugehen. Und so ist die Idee zum Buch entstanden.


Hast du die Autor*innen nach den Themen ausgesucht oder die Themen an die Schriftsteller*innen angepasst?
Wir wussten, dass wir eine große Bandbreite haben wollen. Ursprünglich wollte ich alle Fragen beantworten und ein ganz, ganz dickes Buch schreiben. Meine Mitherausgeber haben mich zum Glück davon abgehalten und gesagt: lass mal klein anfangen. Und wenn da Nachfrage besteht, können wir natürlich immer noch Band 2, Band 3 usw. nachschieben.

Wir haben jetzt ein Buch von etwa 250 Seiten und 11 Kapiteln - also 11 verschiedene Themen. Und die Themen sind tatsächlich dadurch zusammen-gekommen, dass wir Menschen angefragt haben, die etwas beitragen wollten zu unserem Buchprojekt, und wo sie ihr Thema sehen.

Und mit denen sind wir dann gestartet. Wir haben so ein bisschen darauf geachtet, dass wir da jetzt keine allzu großen Überschneidungen oder Einseitigkeiten haben. Es wäre natürlich schlecht, wenn wir jetzt beispielsweise 5 Kapitel über Physik hätten und keines zu gesellschaftlichen Themen.

Also wir haben versucht, da einen möglichst großen Rundumschlag zu finden. Die Herausforderung war manchmal eher, dann noch einen Fanimpuls zu finden, der zu dem passt, was in dem Essay jeweils geschrieben wird.

Jedes Thema besteht aus einem "Impuls" und einem "Logbuch"-Beitrag. Wie unterscheiden sich diese beiden Beiträge innerhalb eines Themas?
Also die Idee war, dass der Logbucheintrag selbst als Essay von einem Wissenschaftler oder von jemand, der sich wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt, kommt und etwas ausführlicher ist. Der Logbucheintrag selbst als Essay ist so bei ungefähr 25.000 bis 30.000 Zeichen. Während der Impuls, der vorne dran gestellt wird, tatsächlich so ein bisschen so ein Appetizer oder so eine Motivation ist. Das heißt, das sind nur etwa 3.000 bis 6.000 Zeichen. Die Idee war, dass wir den wissenschaftlichen Diskurs so ein bisschen nochmal erden und sagen: Moment, also diese Themen sind tatsächlich relevant im echten Leben. Es gibt Menschen, die genau mit diesem Thema inspiriert wurden und deren Leben durch das Nachdenken über die Serie tatsächlich verändert wurde.

Das ist natürlich meistens sowas in der Art: „Ich habe als Kind Star Trek geguckt und zwar folgende Serie und dabei ist mir das Thema aufgefallen und jetzt mache ich das beruflich.“ Es gibt aber auch noch ein paar persönlichere Berichte. Und das ist aus meiner Sicht sehr, sehr spannend zu sehen, dass wir uns nicht nur theoretisch über Dinge unterhalten, sondern tatsächlich auch den Einfluss im echten Leben sehen.

Welche Star Trek Reihe hat die meiste Grundlage für das Logbuch geliefert?
Ich glaube, das kann man so pauschal nicht sagen. Es gibt einzelne Episoden, die oft erwähnt wurden. Also wenn es um Moral und Politik geht zum Beispiel oder Moral und Krieg, wird natürlich „In the Pale Moonlight“ aus Deep Space Nine erwähnt.

Wenn es um philosophische Fragen rund um Menschenrechte oder die Ausweitung von Menschenrechten und Begegnungen mit Unbekannten geht, wird natürlich sehr, sehr oft aus The Next Generation „The Measure of a Man“ zitiert. Also es gibt so ein paar Klassiker, die immer wieder vorkommen. Ich würde nicht pauschal sagen, dass es die eine Serie in Star Trek gibt, wo die philosophischen Fragen oder die wissenschaftlichen Fragen besonders ausführlich diskutiert werden.

An welche Leser*innen richtet sich "Logbuch der Zukunft"?
Das ist eine sehr gute Frage. Ich denke, man kann das aus verschiedenen Aspekten lesen. Also es richtet sich natürlich zum einen an Menschen, die sich sowieso schon Vorträge über Star Trek anhören oder Sachbücher über Star Trek lesen, und die vielleicht zu dem einen oder anderen Thema noch ein bisschen mehr erfahren wollen.

Es ist aber aufgrund der Grundidee, dass mehrere Themen angerissen werden, eigentlich auch ganz gut als Einstieg geeignet, um sich überhaupt mal daran zu gewöhnen, dass man so eine Serie nicht nur als Unterhaltung sehen kann, als schöne Geschichte, sondern auch daraus etwas lernen kann oder zumindest mal eine Grundlage hat, um über irgendwas nachzudenken. Ich glaube, es ist eine ganz gute „Einstiegsdroge“ in die Welt der populärwissenschaftlichen Betrachtung von Science Fiction – aus meiner Sicht ein enorm spannendes Thema.

Und wir haben es auch versucht, den Einstieg nicht allzu schwer zu machen. Interesse reicht, Fachkenntnisse sind hilfreich, aber nicht notwendig. Und ich denke, das ist auch ganz gut gelungen.

Welche Star Trek Serie hat dich zum Trekkie gemacht?
Ich habe tatsächlich aus den 1970ern meine ersten Erinnerungen an Star Trek, dass ich irgendwann mit meinem Opa mal eine halbe Folge im Fernsehen gesehen habe.

Das war aber gar nicht so prägend, wie man es vielleicht meinen könnte. Ich kam tatsächlich auch sehr spät dazu, in den 90ern, durch die Wiederholungen im Fernsehen und auch natürlich durch die damals große Vielfalt an aktuellen Star Trek Serien. Ich glaube, richtig eingestiegen bin ich erst mit Enterprise, Anfang der 2000er. Da habe ich dann aber auch jede Folge gleich geschaut, wenn sie rauskam.

Und ich mag tatsächlich tendenziell die neuen Serien lieber als die alten Serien. Meine beiden Lieblingsserien sind momentan Starfleet Academy und auch Strange New Worlds, die aus meiner Sicht den Geist von Star Trek aus den 60ern am besten widerspiegelt, ohne antiquiert zu wirken. Star Trek war ja immer schon seiner Zeit ein bisschen voraus, aber selbst wenn man jetzt sagt, die Serie ist ihrer Zeit 30 Jahre voraus, ist das natürlich für eine Serie aus den 60ern aus heutiger Sicht immer noch 30 Jahre in der Vergangenheit. Da sind dann die aktuellen Serien für mich interessanter.

Ich durfte dich auf dem metropolcon über die Beziehung zwischen Star Trek und Asimov reden hören. Wenn sich Leser*innen über diese Beziehung informieren wollen, welche Buchtipps hättest du für sie?
Ich glaube, meine Motivation, diesen Vortrag zu machen, bestand unter anderem darin, dass es da noch kein Buch dazu gibt, oder keine Quelle, wo man genau das nachlesen kann.

Ich bin seit langer Zeit Fan von Isaac Asimov. Ich habe vermutlich eine der größten Sammlungen mit über 500 Büchern und Zeitschriften. Ich beschäftige mich mit ihm seit den frühen 90ern und es hat mich auch motiviert, inspiriert dazu, mich in meinem Informatikstudium auf KI zu fokussieren und auch meine Dissertationen in dem Bereich zu machen.

Für mich war Asimov eigentlich derjenige, der mein Leben so radikal verändert hat. Und er ist ein bisschen in Vergessenheit geraten, habe ich den Eindruck. Sein Einfluss auf verschiedenste Bereiche, insbesondere die Weiterentwicklung von Science-Fiction, war schon enorm groß und ich wollte ihn quasi zurückbringen zu Conventions.

Er selbst war Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre durchaus auf diversen Conventions, auch auf Star Trek Conventions und hat sich dabei irgendwann nicht mehr wohlgefühlt und ist dann nicht mehr hingegangen. Ich glaube, dass das ein Fehler war. Im Fandom von Star Trek ist er durchaus bekannt, aber nicht so sehr, wie er e sein sollte. Also man kennt den Namen und man weiß auch: ja das ist der, der hinter den Geschichten aus dem Film
I, Robot oder The Bicentennial Man oder auch der aktuellen Apple-TV-Serie Foundation steht, aber dann hört es auch meistens schon auf.

Das wird ihm nicht gerecht und deshalb wollte ich das mal aufarbeiten. Ein Buch dazu gibt es nicht, meinen Vortrag gibt es allerdings sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch online. Den findet man, wenn man auf YouTube Star Trek und Asimov eingibt. 

Ich bedanke mich für die Gelegenheit für dieses Gespräch.

Hier geht es zum Buch: ifubshop.com/sachbücher/logbuch-der-zukunft/

Hier geht zu den YouTube-Videos: youtube.com/@christophendres3071

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Miki Agrawal "Disrupt-her"

Für sich selbst einzustehen, ohne anderen dabei auf die Füße zu treten, ist in unserer Gesellschaft mit das Schwierigste.
Werte wollen bewahrt werden, Individuen wollen sie entfalten und doch ist immer irgendjemand beleidigt.
Zurecht oder zu unrecht - ist dabei oft fraglich.
Doch wie wird man eine Frau, die respektiert und akzeptiert wird?
Wie schafft man es, sich für die eigenen Belange einzusetzen?

Miki Agrawal stellt in ihren dreizehn "Disrupt-her"-Lektionen Entscheidungen vor, die sie für ihr eigenes Leben getroffen und mit denen sie sich gut entwickelt hat.
In den Bereichen Familie, Job, Gesellschaft und Geld fasst sie ihre Glaubenssätze für die unabhängige Frau zusammen und geht gleichzeitig auf die Suche nach dem Ursprung des Patriachats.
Bei ihren Lektionen geht es allerdings nicht um den vermeintlich erhobenen Zeigefinger, sondern vielmehr um die gesellschaftliche Entwicklung und wie man diese heutzutage ändern könnte.

Die dreizehn Kapitel erzählen immer erst von ihren eigenen Erfahrungen zu dem jeweiligen Thema, bevor sie daraus allgemeine Grundsätze für alle entwickelt. Abgeschlossen wird das Kapitel mit einem, ich will es Mantra nennen, aus dem sich Kapitel für Kapitel herleitet, wie die moderne Frau heute sein kann, wenn sie sich entfalten kann. Den Abschluss bildet kleine Übungen oder auch Gedanken, um das Gelesene zu verfestigen.

Ein Buch, dass Selbstbestimmung und den Einklang zwischen allen Menschen befeuert und zeitgleich immer wieder die Information verfestigt, dass der Mensch keine Insel ist.

Viele Gedanken sind wahrlich nicht neu, doch die Zusammenstellung aller Facetten, was sein kann, wenn man es zulässt, ist in vielen Passagen sehr beruhigend, befreiend und aufmunternd.

Wer sich mit Psychologie beschäftigen möchte, dem sei das Buch sehr ans Herz gelegt.


4,5 von 5 Gedanken

Montag, 26. Oktober 2026

Kamome Shirahama "Atelier of Witch Hat 8"

Während Quiffrey sich langsam erholt, steht die nächste Überraschung ins Haus.
Passend zu einer Veranstaltung sollen die jungen Hexen Dinge für einen Zauberstand vorbereiten.
Ideen gibt es viele und doch ist Coco mehrfach abgelenkt.
Das Schicksal eines verletzten Jungen zieht ihre Aufmerksamkeit auf sich und während sie nach Hilfen und Unterstützung für ihn sucht, grenzt sie sich von Quiffrey und den anderen Hexen ab.

Vieles ist nicht Gold, was glänzt, und die Welt rund um Quiffrey, Coco und die anderen Hexen bekommt zunehmend Risse.
Keiner weiß, was als nächstes geschieht und selbst geplante Dinge müssen verschoben werden.

Auch wenn ich dachte, ich hätte inzwischen alle Zeichenstile des Autors gesehen, überrascht er in diesem Band mit Jugendstilelementen. Wie immer ist es so, dass sie sehr sporadisch eingesetzt und somit die Wirkungen erhöht werden.

Wie schon in den vorigen Bänden nutzt Shirahama die verschiedenen Stile auch um Stimmung zu schüren, was ihm auch in diesem Band wieder sehr gut gelingt. 

Man fiebert mit den Charakteren mit und ist auf die weiteren Abenteuer gespannt.

4 von 5 Ateliers

Samstag, 24. Oktober 2026

Buchmessen im Oktober

Die beiden Buchmessen im Oktober, Frankfurter Buchmesse und Bucon in Dreieich, sind schon knapp zwei Wochen her und doch hänge ich den Erinnerungen noch nach. 
Der Umbau der Frankfurter Buchmesse hat die Laufwege zwar verlängert, aber das wird durch die ruhigere und angenehmere Atmosphäre aufgefangen. Die Crimeworld mit ihren Rätseln, die neue Strukturierung, dass große und kleine Verlage Seite und Seite stehen, finde ich sehr gelungen.
Auch die Neugestaltung des Innenhofes hat mir gut gefallen. Lediglich die Beschilderung hätte noch ein bisschen besser sein dürfen, aber das ist in meinen Augen nur eine Kleinigkeit.

Für mich ist in den letzten Jahren der BuCon immer wichtiger geworden. Dieses Jahr durfte ich an zwei Lesungen teilnehmen und war an drei Veröffentlichungen beteiligt.
Veröffentlichung meiner Kurzgeschichte im SF Kalender im Torsten Low Verlag, Herausgabe und Kurzgeschichte in "Smartokratie" im Eridanus Verlag und ein Werkstatt-Bericht in der neuesten Ausgabe des Weltenportal-Magazins.
Dazu den ganzen Tag den Stand des Weltenportals betreuen, viele interessante Menschen treffen, viel zu wenig Fotos machen (alle Jahre wieder) und neue Pläne schmieden. Ein rundherum schönes Wochenende, dass mir leider eine hartnäckige Erkältung mit auf den Heimweg gegeben hat. :-/

Ach ja, schöne Bücher gab es natürlich auch. :-)


Emma Zecka "Die Chroniken von All Hallows Village - Der Neuanfang"

Es ist einige Zeit nach dem "Aufbruch" vergangen und Ween hat sich verändert.
Plötzlich ist All Hallows Village kein gemütliches Zuhause mehr und die Wesen machen sich abermals auf die Reise.
Doch wohin?
Rüdiger spielt dabei eine zentrale Rolle und auch die Vorbereitungen sind dieses Mal ausgeklügelter als im ersten Band.
Auch dieses Mal wird die Gemeinschaft mehr als einmal auf die Probe gestellt und die Gefahr, die von Ween ausgeht, wird jeden Tag bedrohlicher.

Man muss nicht den ersten Band gelesen haben, um diesen Band zu verstehen.
Einzelne Elemente werden erklärt, andere sind für die Handlung nicht wesentlich.
Wie auch schon im ersten Band legt die Autorin, neben den kleinen Gruselelementen, Wert auf Emotionalität und darauf in ihren Texte Zwischenmenschliches weiterzugeben.
Blicke hinter die Fassaden ihrer Figuren, ihre Ängste und Sorgen neben der großen Reise. 
Die Figuren bekommen dadurch eine unglaubliche Tiefe und die Geschichte und ihre Bedeutung wird so um ein Vielfaches tiefgründiger. 
Ich mochte schon die Charaktere im ersten Band, aber der zweite zeigt, wie gut die Autorin mit Gefühlen umgehen, ohne dass es in Kitsch abrutscht.
Doch trotz allem ist ein Gruselbuch und wann sollte man es lesen, wenn nicht jetzt?

4 von 5 Kürbissen

Eric Eller _ Benjamin Nuebel "Die Taube in der Hand"

Das Geld sitzt bei allen nicht mehr so locker wie noch vor wenigen Jahren.
Die Leute müssen sparen oder alternativ überlegen sie sich gut, wofür sie ihr Geld ausgeben.
Ein Zeitpunkt, an dem sich Firmen überlegen müssen, wie sie neue Kunden gewinnen und vielmehr auch, wie sie Bestandskunden halten.

In mehrere Kapitel untergliedert und mit einem Workbook abgeschlossen, zeigt das Sachbuch, dass man sich vielfach die falschen Gedanken macht.
Marketing ist heute natürlich ein nicht wegzudenkendes Thema, doch Giveaways und Rabatte sind nur ein kleiner Teil der Wahrheit.

Was wirklich zählt?

Es ist so simpel, dass man erst gar nicht darauf kommt.
Es ist das Produkt selbst!
Das Produkt muss mit der Werbung standhalten, man muss den Pakt mit dem Kunden erfüllen.
Wie das gelingt, wird auf knapp 190 Seiten verbal und illustriert gezeigt.

Manche Weisheiten sind so naheliegend, dass es gut ist, dass das Buch sie noch einmal vor Augen führt, weil man sie im Wald unter den Bäumen übersieht.

Ein feines Handbuch für Menschen, die ein Produkt haben und Kunden suchen oder behalten wollen.

4 von 5 Tauben

Freitag, 23. Oktober 2026

Stefan Koldehoff _ Tobias Timm "Kunst und Verbrechen"

"Kunst und Verbrechen" - zwei Dinge, die sich näher sind, als es im ersten Moment den Anschein hat.
Auf Grund der Aktualität von Verbrechen sei anfangs erwähnt, dass das Buch bereits 2020 erschien, sodass einige angedeutete Prozesse vor Gericht inzwischen zum Abschluss gekommen sein dürften. Aber fangen wir am Anfang an:

Hat es ein Künstler zu einem gewissen Renommee geschafft, gibt es zwangsläufig Menschen, die mit seinem Namen Geld verdienen wollen. Das können Bekannte, Händler oder auch Jahrzehnte später Menschen sein, die gar nichts mit dem Künstler zu tun haben und doch sonnen sie sich in seinem Licht.
Kunst und Geld sind immer im Wechselspiel, der hat eine hat es, der andere will es. Und gerne möchte man ein Bild zweimal oder noch öfter verkaufen.
Das Buch beschäftigt sich mit verschiedenen Sachverhalten:

- Wie kam es dazu, dass Menschen mit Fälschungen begannen?

- Warum verschwinden Kunstwerke gerade in Kriegszeiten?

- Wer ist besonders anfällig dürfen, gefälschte Kunst zu kaufen?

- Welcher Zusammenhang besteht zwischen Kunst und Macht?

Die Autoren zeigen in den verschiedenen Kapiteln auf, warum manche Dinge beliebter bei Fälschern sind und wann gefälscht und wann gestohlen wird.

Das Buch ist zum einen eine Zeitreise und bietet zum anderen Einblicke in Bereiche, die dem "normalen" Kunstinteressierten verschlossen bleiben.

Die Mischung aus aktuellen Themen, deren Verfolgung und auch die Prozesse bietet ein vielfältiges Spektrum, wenn es um das Thema Verbrechen und deren Aufklärung geht.

4 von 5 Bilderrahmen

Sonntag, 18. Oktober 2026

Leo Born "Kalte Schuld"

Vier Jahre galt eine junge Frau als vermisst, bis sie in mehreren Fässern in einem Schuppen wieder auftaucht. Schnell scheint klar, wer für diese grausige Tat nur verantwortlich sein kann, doch wie immer ist alles anders, als es scheint.
Mara Billinsky, dieses Mal in Form eines Kurz-Thrillers, versucht erneut die Straßen Frankfurts sicherer zu machen. Doch wie immer ist ihr Weg gepflastert mit Lug und Trug. Und das nicht nur von Seiten der Bösen, sondern auch innerhalb der Polizei hat sie wieder mit den Machenschaften zu kämpfen. Denn ihre Art des Umgangs mit Verbrechen und auch ihre Sturheit, was die Ermittlungsarbeit angeht, lässt nicht viele Herzen für sie erwärmen.
Dabei gibt ihr der Erfolg gerade recht, was ein Teil des Problems sein kann.
Schnell ist sie der Meinung, dass die von ihrem Chef angestrebte Interpretation nicht mit den Ereignissen überein stimmen kann und sie gräbt sich in die Vergangenheit ein. Erneut mit Erfolg.

Während mir in anderen Teilen die Action oft ein wenig übertrieben vorkam, fand ich diesen Teil auf Grund seiner Ermittlungsarbeit sehr ansprechend. Mara legt den Finger auf die Wunde, zeigt Unschlüssigkeiten auf und lässt das Detail, was viele als unwichtig abtun, nie außer Augen.
In vielen Szenen lässt das Lokalkolorit Frankfurt vor dem gedanklichen Auge auferstehen und den Leser mit durch die Straßen hetzen, um den Täter nicht in der Masse zu verlieren.

Eine gute Mischung aus Vorurteilen und menschlichen Abgründen.

4 von 5 Fässern

Samstag, 17. Oktober 2026

Rainer Moritz "Die Maultasche"

Ode an die Maultasche!
So kurz und knackig kann man das Buch zusammenfassen. Mit seinen knapp hundert Seiten wirkt es wie eine Zwischenmahlzeit, doch Kenner der Maultasche wissen: Da steckt mehr drin.
Doch auch schon hier scheiden sich die Geister, denn darf es nur die klassische, schwäbische Maultasche sein? Oder darf sie gerade in der heutigen Zeit nicht auch ein Update erfahren?
Fragt man einen Schwaben, ist ein Antwort ein überdeutliches Nein. Denn wo käme man hin, das traditionelle Rezept des Mönchs Jakob aus dem Kloster Maulbronn zu verändern?
Doch auch hier: Was ist denn Tradition? Und war Jakob überhaupt der Erfinder?
Teigtaschen gab es auch schon vorher und überhaupt?
Doch wer einmal eine Führung im Kloster Maulbronn mitgemacht hat und die Geschichte von Herrgottsbscheißerle gehört hat, der will diesen vermeintlichen Mythos glauben. Zumal wenn er danach einkehrt und eine originale, schwäbische Maultasche isst.

Das Buch ist gefühlt mit Anekdoten, kleinen Erzählungen rund um die Maultasche und natürlich darf es auch an Rezepten und Serviervorschlägen nicht mangeln.
Wer sich also der originalen, schwäbischen Maultasche verschrieben hat, werfe ein Blick in das Buch. Es bringt ihn allein schon auf Grund des Lokalkolorits zum Schmunzeln.

Denn nur der Schwabe kann die richtige Maultasch ... Zumindest aus seiner Sicht.

4 von 5 Maultaschen

Freitag, 16. Oktober 2026

Tim Krohn "Menschliche Regungen"

Tim Krohn entführt die Leser in ein Genossenschaftshaus in Zürich. Ein Haus, indem die Bewohner sich über Emotionen definieren.
Klingt komisch?
Das Projekt hierzu bringt Licht ins Dunkel.

Der Autor hat eine Liste von 1000 Emotionen erstellt und Leser durften sich Verhaltensweisen aussuchen, zu denen er Geschichten schreibt.
So geht es in den elf Kurzgeschichten hoch her.
Denn wo Menschen zusammenwohnen, werden auch Verurteile geschürt oder Bedürfnisse nicht beachtet.
So sind es die Waschzeiten, die die eine Frau stören, die aber eigentlich mit ihrem Leben unzufrieden ist.
Oder eine andere, die nach der Geburt ihrer Tochter im Dachgeschoss immer mehr vereinsamt.

Es sind feine Texte über die unterschiedlichen Sichtweisen auf das Leben und das, was man daraus macht.

Die Auswahl setzt sich aus den drei Bänden "Herr Brechbühl sucht eine Katze", "Erich Wyss übt den freien Fall" und "Julia Sommer sät aus" zusammen. Wer ein Gespür für die Mieter und das Zwischenmenschliche bekommen will, erhält hier einen guten Eindruck.

4 von 5 Mietverhältnissen