Samstag, 5. September 2026

Kristyna Litten "Ivy und Bärlock Holmes. Fall 2: Das Dinosauriergeheimnis"

Bärlock Holmes hat sich in Bärona den Titel des besten Detektivs erarbeitet und er ist nicht der Einzige in der Familie, der eine feine Spürnase besitzt. Seine Enkelin Ivy ist ebenso auf einem guten Weg in die Fußstapfen ihres Opas zu treten.

Im zweiten Fall verschwindet ein Fossil. Gerade war es von der rasenden Reporterin Polly mit ihrer Drohne entdeckt worden und schon ist es wieder verschwunden. Doch wer könnte einen Vorteil davon haben? Gerade steht der großen Wissenschaftspreis vor der Tür und alle wollen glänzen. Ein Fall für Polly, Hoppler und natürlich Ivy und ihren Opa.

Bärlock Holmes schlägt eine wunderbare Brücke. Die Figur ist zum Bär geworden, die Weisheit des großen Detektives ist noch immer vorhanden, doch seine spitze Zunge wurde für das jüngere Publikum entschärft. Er erklärt geduldig, wie die Dinosaurier auf der Erde lebten und erhält in diesem Band Unterstützung von einigen Fachleuten. Die gelungene Comicumsetzung hilft, die Geschichte auch in den Bildern nachzuverfolgen und bietet somit den Einstieg zwischen Vorlesen und eigenem Lesen.

Die großen Bilder und verschiedene Rätsel bieten Unterhaltung für Klein und Groß und wecken den Spaß, Dingen auf den Grund zu gehen.

Ein wunderschönes Buch, sowohl inhaltlich als auch optisch.

In meinen Augen ist es ab fünf Jahren geeignet, wenn die Kinder schon einige Bücher gelesen haben. Es ist vom Wortschatz anspruchsvoller als der erste Band.

5 von 5 Dinos

Freitag, 4. September 2026

Elly Griffiths "Manche Schuld vergeht nie"

Eigentlich klang der Job ganz einfach.
Recherche zu Cain.
Feststellen, ob er mit den Morden etwas zu tun hat.
Und wenn ja, was dann?
Ali liebt ihren Job bei der Cold Case Abteilung, auch oder gerade weil, er mehr zu bieten hat als pure Schreibtischarbeit. Denn, um die Fälle zu lösen, reisen die Ermittler in die Vergangenheit und versuchen mit modernen Mittel neue Beweismittel zu sammeln. Zweimal sind sie durch die Zeit gereist, als sie den größten Sprung wagen: London 1850.
Doch während Ali in der Vergangenheit versucht, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, geschieht in der Gegenwart ein Mord und die gesamte Abteilung gerät unter Druck.

Man merkt beim Lesen, dass es sich um eine routinierte Autorin handelt.
Die Hinweise sitzen, der Handlungsstrang zieht sich am roten Faden entlang und sie liefert genügend Verdächtige, um den Text spannend zu gestalten.
Somit kann sie sich voll und ganz auf das Element der Zeitreise stützen. Unabhängig, ob man an Zeitreise glaubt und die tatsächliche Möglichkeit hierzu besteht, hebt dieses Element den Krimi von anderen ab. Die Szenenwechsel und auch die verschiedenen Sichtweisen auf die Welt machen den Krimi zu einem spannenden Erlebnis.
An den entsprechenden Passagen lässt die Autorin historische Fakten und moderne Einblicke auf die Vergangenheit einfließen, was das Buch zwischen Krimi und historischem Roman wechseln lässt. Die Figuren sind gut ausgearbeitet und zeigen Facetten der jeweiligen "Klassen" und auch deren Einstellung zu dem Projekt.

Einzig der Schluss kam mir ein wenig zu abrupt, auch wenn er schlüssig war.

Wer sich für einen gut durchdachten und kniffeligen Krimi interessiert, kommt hier absolut auf seine Kosten.

5 von 5 Zeitreisen

Montag, 31. August 2026

Spencer Johnson "Die Mäuse-Strategie für Manager"

Was ist zu tun, wenn der Käse aufgegessen ist?
In "Die Mäusestrategie" von Spencer Johnson geht es grundsätzlich um die Frage nach dem Käse, wobei dieser sinnbildlich für alles im Leben stehen kann. Zwei Zwergmenschen und zwei Mäuse werden in ein Labyrinth gesetzt. Zuerst finden sie das Käselager K, doch nach einiger Zeit ist hier kein Käse mehr vorhanden. Wie verhalten sich Mäuse und Zwergmenschen und was kann man aus der vermeintlich kleinen Geschichte für das Leben lernen?

Eingebettet ist diese Geschichte in ein Jahrestreffen von Ehemaligen. Michael erzählt seinen Mitschülern die Geschichte, die im seinem Berufsleben schon für so manche Überraschung gesorgt, denn jede dieser vier Figuren stellt einen Stereotyp dar. Während sich nach der Erzählung die Ehemaligen unterhalten, welche Figur sie aktuell sind und welche sie zukünftig sein möchten, stellt man sich als Leser auch die gleichen Fragen.

Psychologie muss nicht immer kompliziert formuliert sein. Das zeigt diese Geschichte. Vor allem zeigt sie auch, dass Stillstand nicht sein muss (immer die entsprechenden Umständen vorausgesetzt). Aus allen Zeilen, gerade nachdem Knobel sich aufmacht, sprüht der Drang nach Veränderung und der Gedanke, dass Angst meist das einzige Hemmnis ist. Natürlich liegt in der Kürze eine Wahrheit, die sicher oftmals gilt. Mit kleinen Sätzen, die zur Motivation dienlich sind, nimmt Knobel den aufgeschlossenen Leser an die Hand und zeigt, wie man sich ändern kann, wenn man es denn wirklich möchte. Der Weg ist da, man muss ihn nur gehen wollen/können.

Sicherlich sind viele Annahmen sehr schwarz-weiß gesehen, doch für Menschen, die im Job oder im Privaten etwas verändern wollen, bietet der Text gute Ansätze, um sich auf die Reise zu machen.

Leicht formuliert bergen die Aussagen trotzdem einen großen Schatz an Weisheiten.

Auf den Käse, fertig, los.

4,5 von 5 Käsestücken

Sonntag, 30. August 2026

Andreas Gruber "Der fünfte Erzengel - fünfzehn unheimliche Geschichten"

So begeistert ich von Andreas Grubers Kurzgeschichten war, so hat es fast vier Jahre gedauert, bis ich den nächsten Sammelband vom Ebook-Reader entstaubt habe. Woran lag es? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Am ehesten würde ich vermuten, dass ich mich nach dem Tod meines Vaters nicht mit Erzengeln beschäftigen und ich andererseits die Bücher in der Reihenfolge weiterlesen wollte. Und danach hat der SUB sie unter sich begraben. Beim Formatieren meines Ebook-Readers habe ich die Sammlungen wiedergefunden und die Erzengel-Anthologie in Angriff genommen. 

Auch mit etwas Abstand zu den früheren Rezensionen muss ich sagen, dass mir die Aufmachung der Anthologien immer noch sehr gut gefällt. Die Einleitungen in die Geschichten zeigen, wie viel und welche Gedanken der Autor sich bei seinen Geschichten macht. Man erfährt, wo die Geschichten zuerst erschienen und wie viel autobiografisch sein soll. Denn, und daraus macht Gruber keinen Hehl, Kreativität entsteht selten im einsamen Kämmerlein. Da kann sie höchstens wachsen. Die Ideen kommen von außen und gerade die unheimlichen gären, bis sie sich niederschreiben lassen. Dabei spielt er sowohl mit alltäglichen Szenen als auch mit Dingen, die ein Leser im eigenen Leben eher selten erlebt.

Die Geschichten setzen sich im Kopf fest, Bilder entstehen, wo man Szenerien nur angedeutet werden, es entspinnt sich ein Kopfkino, das den Leser kaum loslässt. Eine wahre Kunst.

In den 15 Geschichten reist der Leser oftmals nach Wien, aber auch mal in der Zeit zurück. Der Autor nimmt uns mit nach Tokio und in Restaurants, in denen wir nicht speisen wollen. Wie schon in den vorigen Zusammenstellungen gelingt es Andreas Gruber sich auch bei ähnlichen Settings nicht zu wiederholen und den Schauer über die Schulter krabbeln zu lassen.

Wie ich auch schon bei der ersten Rezension meinte, es ist nahezu erstaunlich, wie derselbe Autor so unterschiedliche Geschichten schreiben und mit einem einzigen Thema so gut unterhalten kann.

Drei weitere Anthologien warten noch auf dem Ebook-Reader und eins sei abschließend gesagt:

Für zarte Nerven sind diese Geschichten nichts.

5 von 5 Anthologien

John Hendrix "Die Weltenerschaffer"

Tolkien und Lewis. Diese beide Namen fallen immer, wenn es um die Begründung der modernen Fantastik geht. Beide haben die Schrecken des ersten Weltkrieges erlebt und kamen gezeichnet zurück. Was sie darüber hinaus verband, kann man in der Graphic Novel "Die Weltenerschaffer" lesen. Der familiäre Hintergrund, die Jugend, die Zeit im Krieg, ihre Arbeit in Oxford und darüber hinaus ihre Freundschaft. Und die Inklings.

John Hendrix konzentriert sich neben den beiden Lebensläufen auch darauf, wie die beiden ihre Welten konstruierten und vor allem, was sie zu den Texten beeinflusste. Beide waren geprägt von der nordischen Mythologie, von Märchen und anderen Fabelwesen. Beide wussten im Kraft der Worte und dass es immer auch Dinge gibt, die hinter dem Gesagten stehen.

Der Autor verbindet in seiner Graphic Novel diese beiden Elemente, indem er sich abwechselnd zeigt. Neben Tolkien und Lewis treten ein Löwe und ein Zauberer auf, um die Literaturgeschichte zu beleuchten. Mittels kleiner Portale wird man aus der Geschichte geführt, um den Leser für die Brillanz der beiden Autoren zu schärfen. Beide hatten ihre Art, den Leser in ihre Welt zu ziehen und wie sie sich in ihrer kreativen Schaffenszeit unterstützt haben ist beachtlich. Doch John Hendrix lässt auch die dunklen Stunden der beiden aus und rundet so sein Werk ab.

Sowohl optisch als auch inhaltlich ein wunderschönes Werk, was so vieles zeigt. Wie sehr beeinflusst das Leben einen Autor? Wie wichtig ist Zuspruch? Wie können sich Autoren untereinander unterstützen?
Ein Buch, das auch Kenner von Lewis und Tolkien begeistern dürfte.

5 von 5 fantastischen Welten

Samstag, 29. August 2026

Lucy Jane Wood "Uncharmed"

Andromeda Wildwood - oder kurz Annie - führt das perfekte Leben. Sie hat coole Freundinnen, ihre eigene Bäckerei ist beliebt, sie ist wunderschön und - alles ist ein Traum in rosa.
Doch das alles hat seinen Preis. Jeden Abend muss sie ein folgenschweres Bad nehmen, um am nächsten Tag wieder vollkommen perfekt zu sein.
Als sie zur Mentorin von Maeve berufen wird, ändert sich ihr Leben folgenschwer. Denn diese junge Hexe ist so ganz anders als andere Hexen in dem Zirkel und von ihr geht eine unglaubliche Gefahr aus. Kurzum landen die beiden in einer abgeschiedenen Welt, nur um sich zu fragen, wer hier wem etwas beibringen muss.

Wer schon das erste Buch "Rewitched" gelesen hat, muss sich bei diesem Band ein wenig umstellen.
Zu Anfang ist alles rosa und ich meine, wirklich rosa. Von Kleidung, über Möbel, über Törtchen, schlicht alles. Es scheint so, als würde perfekt mit rosa einher gehen. Doch mit der fortschreitenden Handlung und den aufkommenden Problemen verlässt Annie ihre rosa Welt. Was zu vielen starken Emotionen führt. Denn der Grund, warum Annie Perfektionismus anstrebt, dürfte vielen Leserinnen bekannt vorkommen und hier verlassen wir die heile Welt. Von der zuckerwattriger Welt ist fast nichts mehr übrig und die Autorin schafft hier grandios den Wechsel zur Ernsthaftigkeit.

Das Buch führt die Leserinnen durch nahezu jede Emotion, wobei einige Szenen sehr klischeehaft und vorhersehbar sind. Nichtsdestotrotz zeigt es, wie schwierig Zwischenmenschliches sein kann und das Perfekt nicht ein Lebensziel sein sollte.

4 von 5 Zaubertränken

Dienstag, 25. August 2026

Kathryn Taylor "Dunmor Castle 1"

Lexie ist hin und her gerissen. Einerseits freut sie sich, dass sie alleine ein Schloss zur Renovierung begutachten darf, andererseits taucht ausgerechnet dort der Konkurrent ihres Chefs auf und stellt sich als Sohn des Schlossbesitzers heraus.
Während Lexie versucht, auf ihre Professionalität zu achten, sind es gerade einige Dorfbewohner, die ihr das Leben schwer. Und als ob das alles noch nicht genug wäre, hat sie zunehmend den Eindruck, Déjà-vus zu erleben.

Dunmor Castle ist als Dilogie angelegt, was auch einige Dinge im Aufbau der Geschichte erklärt. Vielfach wirkt der Text und die Handlung ein wenig in die Länge gezogen, wobei es auch schlicht das Dorfleben ansich sein kann, was durch zahlreiche Wiederholungen und Vorwürfe den Leser madig machen kann. Fortwährend ist Lexie in einer Art Verteidigungsposition und öffnet sich gerade den Menschen, die im ersten Augenblick nicht der richtige Umgang für sie sind. 

Der Text spielt hierbei mit verschiedenen Genres. Ein bisschen Krimi, eine Prise Dramatik, ein wenig Anziehung.
Man merkt, dass das Dorfleben ein kleines Universum für sich ist und dass man es schwer hat dazuzugehören.

Der erste Band endet mit einem großartigen Cliffhanger, doch leider hat mich die Story nicht so überzeugt, um nach dem zweiten Band zu greifen.


3 von 5 Schlössern 

Mittwoch, 19. August 2026

H. Kreklow "Graf Rucola"

Eigentlich könnte das Leben so leicht sein. Ein kleines, gemütliches Hotel. Jeden Tag mit der Familie zusammenarbeiten. Ab und zu kommen ein paar Gäste in das vegetarische Restaurant des Hotel Pumpkin Head. Wie gesagt, eigentlich.
Denn genau genommen ist in diesem Comic nichts leicht.
Die Familie entstammt ein alten Adelsgeschlecht der Vampire - ja Vampire - und tut sich schwer mit dem modernen Firlefanz, was sich Kundenservice schimpft.
Und schließlich sind sie ja Vampire. Man hat einen Ruf zu verlieren.

Der Comic ist nicht so sehr zum Schenkel klopfen, wie es im ersten Moment den Anschein hat. Es geht auch um ernstere Themen wie Ausgrenzung, Tod und Vorurteile. Doch gerade die Mischung schafft es, dass die traurigeren Themen nicht so schwer wiegen und man vornehmlich schmunzelnd durch die Seiten blättert. In schwarz-weiß gehalten wirkt der Comic auf eine gewisse Weise edel, löst aber auch an den richtigen Stellen einen leichten Schauer aus. 
Eine gute Mischung auf achtzig Seiten und man wird Vampire danach mit ganz anderen Augen sehen.

4 von 5 Rucolablättern

Dienstag, 18. August 2026

Alba Speroni "Lange schlafen"

"Geschichten zum Wochenende"
Der Untertitel dieses Bandes drückt genau das aus, was diese Sammlung möchte: Sie möchte in Ruhe gelesen werden. Ohne Hast und ohne Eile, nicht mal eben schnell im Bus oder zwischen zwei Terminen. Der Lesende soll sich bei den vierundzwanzig Texten hinsetzen, die Seele für einen Moment baumeln lassen und sich an den literarischen Möglichkeiten erfreuen.
Denn die Zusammenstellung ist mit Bedacht gewählt. Es reihen sich nicht schlicht vierundzwanzig Erzählungen aneinander.
Auch beziehen sich nicht alle Geschichten auf die Ruhe des Schlafes.
Es geht um das Gefühl, das Gefühl vom Wochenende. Vermeintlich nichts muss, alles kann. Und so ist es auch mit der Auswahl.
Da reiht sich ein kurzer Text von Thomas Mann neben ein Gedicht von Kurt Tucholsky. Man liest ein unglaublich interessantes Interview mit Nick Cave, um dann von Elke Heidenreich zu erfahren, wann das Sonntagskleid verschwand.
So reihen sich Erzählungen zum Schmunzeln, an solche zum Seufzen, an solche bei denen man eine einzelne Träne verdrücken muss.
Eine wunderschöne, stimmungsvolle Auswahl, die das Gefühl vom Wochenende und seine gewisse Leichtigkeit in die Arbeitswoche trägt.

5 von 5 Wochenenden

Danke an den Kanon Verlag für das Rezensionsexemplar.

Montag, 17. August 2026

FiL "Worte über Orte"

Man stelle sich einen Autor vor, der auf Lesereise gehen will. Doch leider ist er zu unbedeutend, als dass ihn große Städte hören wollen. So werden die Stationen kleiner und somit auch die Städte eher zu Dörfern, bis er seinen Durchbruch erlangt und ganze Städte zerlegt.
Klingt seltsam? Ist es zumeist auch.
Zwischen den einzelnen Kapiteln macht er Wortspiele über Städte, gerne auch mehrfach, trifft auf der Lesereise Angela Merkel und Außerirdische und spätestens hier war ich raus.

Ich glaube Witz, und das sagt der Autor auch selbst, ist eine der schwersten Arten eine Geschichte zu erzählen. Ist es zu intellektuell, wird es nicht gelesen, ist es zu flach, auch wieder nicht.
Die Idee einer völlig verkorksten Lesereise und auch die Wortgebilde um die Städte sind schon wirklich gelungen, doch hier war mir der Humor zu derb. Vieles wiederholt sich und wird, natürlich geplant, bis aufs Letzte karikiert.
Man kann die Erzählung leider nicht getrennt von dem Humor betrachten, dafür ist er zu präsent. Schade, denn das Thema gefiel mir, nur die Umsetzung nicht.

3 von 5 Worten