Sarahs Lesereise
Willkommen bei meiner Lesereise durch Raum und Zeit
Freitag, 20. Februar 2026
Jorn Lier Horst "Clue 2. Jagd auf die Juwelendiebe"
Schnell stellt sich heraus, dass vor einem Jahr ein Juwelier ausgeraubt wurde und ein ehemaliger Bewohner der Skutebucht zurückgekehrt ist.
Doch hat das alles etwas mit dem Tod von Celinas Mutter zu tun? Ein wenig lichtet sich auch hier das Dunkel.
Sicherlich kann man den zweiten Band auch ohne Kenntnis des ersten lesen. Die wichtigsten Personen und Begebenheiten werden wiederholt und so kommt man gut in die Geschichte.
Wie schon bei dem ersten Band bin ich der Meinung, dass nur Kinder mit Leseerfahrung an diesem Buch schon ihren Spaß haben werden.
Denn neben der gut durchdachten Detektivgeschichte hat der Autor dieses Mal Fragen zum Thema "Zeit" mit eingebaut. Was ist Zeit? Wie viel Zeit hat man? Oder auch die Frage, warum vergeht Zeit unterschiedlich schnell?
Weiterhin hat er den Ort der Handlung in die Nähe von Bunkeranlagen gelegt, sodass er hier ebenfalls einen geschichtlichen Exkurs machen kann.
Es ist wieder ein rundherum gelungenes Kinder-Detektivbuch geworden. Man verschlingt die Seiten und ist sowohl von der Geschichte als auch von den anderen Informationen schlicht gefesselt.
Ich freue mich schon auf den dritten Band.
4,5 von 5 Rätseln
Donnerstag, 19. Februar 2026
Christian Hardinghaus "Die Spionin der Charité"
Lily erzählt ihre Geschichte und die von Fritz Kolbe Jahre später einem amerikanischen Journalisten in einem Interview. Doch je länger er bei ihr ist, desto mehr wird ihr siebter Sinn aktiv. Irgendetwas stimmt mit diesem Mann nicht, doch was?
In zwei ineinander verschachtelten Geschichten führt uns der Autor zwei sehr verschiedene historische Ereignisse vor Augen, die er ein wenig an seine Erzählung angepasst hat. Die Rückblicke in den Zweiten Weltkrieg sind den Lesern vielleicht vertrauter als die Geschichte rund um das Interview, doch beide Texte haben ihren Reiz und auch ihre Überraschungen.
Ein Blick in die Vergangenheit, der noch nicht so oft in Büchern thematisiert wurde und daher sehr spannend zu lesen war.
Der Autor schafft es, die Menschen zu beschreiben, ohne sie per se zu verurteilen und gibt der Erzählung somit einen sehr gelungenen Rahmen.
Wer sich für diese Zeit der Weltgeschichte interessiert, dem sei das Buch sehr ans Herz gelegt.
4,5 von 5 Operationen
Dienstag, 17. Februar 2026
Keris Stainton "Was in den Träumen steht"
Zwischen der Arbeit in einer Buchhandlung, den Querelen eines WG-Lebens und einem plötzlichen Familiendrama versucht Bea zu erkennen, was sie wirklich will und was ihr gegebenenfalls die Literatur oder eben auch ihr Traum vorgaukeln will.
Eine fluffige Geschichte unterlegt mit Liebesfilmen aus den 90iger-Jahren und dem Wissen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Die Autorin schafft es, eine gewisse Leichtigkeit in den Text einfließen zu lassen, obwohl die angesprochenen Themen mitnichten leicht sind. Die Träume und die daraus resultierende Liebesgeschichte sind nur ein Teil des Ganzen. Es geht auch viel um Freundschaft, eigene Identität und der Frage, was muss ich tun, um ich selbst zu sein (ohne Räucherstäbchen).
Vor der Kulisse Londons ist es ein gutes Buch für alle, die Notting Hill lieben.
4 von 5 Filmklassikern
Montag, 16. Februar 2026
Kristyna Litten "Ivy und Bärlock Holmes. Fall 1: Die rätselhafte Blume"
In ihrem ersten gemeinsamen Fall ermitteln sie, wohin eine besondere Blume verschwunden ist. Sie war kurz davor zu blühen, als jemand sie entführt hat. Verdächtigte gibt es einige, denn die Blume ist von unschätzbarem Wert. Aus ihr kann man einen besonderen Honig kreieren, welcher sich teuer verkaufen lässt. Ein spannendes Abenteuer erwartet die beiden Ermittler.
Oftmals wird Sherlock Holmes in zahlreichen Synonymen verwendet, wenn man eine Detektivreihe vorstellen will. Zu sehr ist er immer noch in den Köpfen der Leser präsent, doch selten erreichen die neuen Adaptionen den Scharfsinn ihres Vorbildes.
Bärlock Holmes schlägt eine wunderbare Brücke. Die Figur ist zum Bär geworden, die Weisheit des großen Detektives ist noch immer vorhanden, doch seine spitze Zunge wurde für das jüngere Publikum entschärft. Er erklärt geduldig, wie z.B. Honig hergestellt wird und zeigt seiner Enkelin, wie sie am besten mit den Rätseln beginnt. Die gelungene Comicumsetzung hilft, die Geschichte auch in den Bildern nachzuverfolgen und bietet somit den Einstieg zwischen Vorlesen und eigenem Lesen.
Große Bilder und zahlreiche Rätsel bieten Spaß für Klein und Groß und wecken den Spaß, Dingen auf den Grund zu gehen.
Ein wunderschönes Buch, sowohl inhaltlich als auch optisch.
In meinen Augen ist es ab fünf Jahren geeignet.
5 von 5 Honigbienen
Freitag, 13. Februar 2026
André Groenewoud "Das wollte ich Ihnen noch sagen"
Nicht alle Menschen sind zum Helden geboren, bei vielen ergeben sich die Umstände entsprechend.
André Groenewoud hat Menschen zum Gespräch gebeten, die man kennt oder vielleicht auch nicht.
Denn nicht jeder Mensch liebt die Öffentlichkeit und ihr entsprechendes Interesse.
So unterschiedlich die Menschen sind, so verschieden waren auch ihre Leben.
Was sie eint, ist das Wissen, dass sie bei besonderen Ereignissen der Weltgeschichte dabei waren.
Der Autor hat sich bemüht, einen Querschnitt an Interviewpartnern zu finden.
Da gibt es den letzten Überlebenden des Ersten Weltkrieges, die letzte Überlebende des Titanic-Unglücks. Er trifft eine Regisseurin, die um ihren Ruf kämpfte, und Frauen, deren Männer Diktaturen vorstanden.
Er spricht mit Kindersoldaten und Geflohenen, er unterhält sich mit Politikern und einer Sekretärin.
Was ihm damit unglaublich gut gelingt, ist, dass man wirklich viele Perspektiven der Geschichte erkennt. Gerade wenn er zwei Lebensläufe in einem Jahrzehnt gegenüberstellt, schafft er es Unterschiede, Vorurteile und Gemeinsamkeiten zu beleuchten.
Zu den jeweiligen Interviews erzählt er, in welchem Lebensabschnitt sich der Gesprächspartner gerade befindet, wodurch er oder sie sich auszeichnet und erklärt auch die Umstände des Interviews.
Das Buch ist ein Zeitdokument, weil es beweist: Jeder Mensch ist ein Sandkorn, das den Lauf der Weltgeschichte unter den richtigen Bedingungen verändern kann.
4 von 5 Gesprächen
Donnerstag, 12. Februar 2026
Autoreninterview James Goodwin
Wer meinem Account schon länger folgt, weiß, dass ich bereits die Romanfigur Mr. Tingwell bei der Veröffentlichung des ersten Bandes interviewen durfte. Nun hat sich der Autor selbst Zeit genommen und beantwortet meine Fragen.
Willkommen in der Zukunft und im Internet, Mr. Goodwin.Ich wollte einen Ermittler erschaffen, der eine positive Weltsicht hat, jemand, der aus einer großen Leidenschaft Kraft gewinnt. Und die Liebe zu Büchern und der Literatur im Allgemeinen erschien mir da am Naheliegendsten. Im Lesen steckt ja auch etwas Intimes, was Arthur Tingwell ermöglicht, verborgene Dinge über seine Mitmenschen zu erfahren.
Neugierig geworden? Dann schaut hier vorbei:
digital-publishers.com/de/romane/der-tote-in-der-church-lane-historisch-cosy-crime-ebook
Mittwoch, 11. Februar 2026
Nathan Winters "Der Schatten von Avamoore"
Denn William geht nach Schottland - genauer gesagt nach Avamoore - um zu jagen. Doch aus dem Moor kehrt er nicht zurück.
Elisabeth reist mit Williams Bruder Alexander in die unwirkliche Gegend und stößt auf Missgunst und Ablehnung. Denn William ist nicht der erste, der verschwand, aber er ist der erste, nach dem gesucht wird. Elisabeth und Alexander reden mit allen im Dorf und auch mit seiner Lordschaft, bis eine Suche im Moor Dinge zu Tage führt, die selbst die hartgesottenen Einwohner nicht kalt lässt.
Wer bereits klassische Gruselgeschichten wie Northanger Abbey, Das Bildnis des Dorian Gray oder Dr Jekyll und Mr Hyde gelesen hat, weiß, wie schwer es ist, einen guten Gruselroman zu schreiben. Die Balance zwischen Spannung und langsamen Aufbau einer Geschichte beherrschen nicht viele so gut, dass man sich nicht nach einer gewissen Zeit langweilt.
Nathan Winters kann sich mit diesen Klassikern messen. Denn nicht nur die Länge der Kapitel variiert, er begleitet auch unterschiedliche Charaktere, verwebt Vergangenes und manchmal auch Fantastisches, um den Leser wie bei einem Krimi ein ums andere Mal in die Irre zu führen.
Angesiedelt in der Viktorianischen Zeit kann er aus einer unglaublichen Fülle an Möglichkeiten schöpfen, denn selten haben Technik, Medizin und Wissenschaft einen solchen Sprung gemacht wie zu dieser Zeit. Dinge, die einst unmöglich schienen, werden hier als neue Wahrheiten präsentiert und sowohl die Dorfbewohner als auch die Leser wundern sich.
Nathan Winters schafft es, ein dichtes Werk zu schreiben, ohne dabei den Leser durch die Fülle an Informationen zu verlieren. Und doch weiß man nach der Lektüre soviel mehr über die Zeit, auch wenn es nur ein Roman ist.
Optisch ist das Buch eine Augenweide und gibt den einen oder anderen Hinweis, wie sich die Erzählung im düsteren Schottland entwickelt und doch sieht man die Lösung lange nicht kommen. Sie wartet hinter den Spinnweben und dem Skelett auf dich ...
4,5 von 5 Schatten
Sonntag, 8. Februar 2026
Ingrid Kaltenegger "Das Glück ist ein Vogerl"
Ein paar Tage später ist Franz mit seiner Frau Linn bei einem Achtbarkeitsseminar, als der Geist des Opas in Franz' großem Traum auftaucht. Zufall oder Absicht?
Fortan hat Franz immer den Egon bei sich, was zu lustigen aber auch zu unangenehmen Situationen führt.
Midlifecrisis trifft Unerledigtes. Mit einem so kurzen Statement kann man das Buch knapp zusammen-fassen und doch steckt viel mehr. Denn in der heutigen Zeit der stetigen Selbstoptimierung und den fortwährenden "Was wäre Szenarien", den Lifecoaches und Vergleichen steht immer noch im Hintergrund, was will man selbst. Denn oft ist es nicht der eigene Wunsch, der zählt, sondern eher der Gedanke, was andere meinen, was man selbst möchte.
Schier endlose Reihen an Ratgeber spielen mit dieser Unsicherheit, die auch immer wieder in dem Roman ans Licht kommt. Denn kein Leben, keine Entscheidung ist schwarz oder weiß. Vielfach dominiert ein Grau, denn man trifft selten Entscheidungen, die nur einen selbst betreffen.
Die Linn ist unglücklich, der Franz eigentlich nicht. Aber weil die Linn unglücklich ist, muss der Franz auch unglücklich sein. Und der Egon sowieso. Ein Reigen an Vorwürfen und Vorhaltungen trifft Leben, die vor sich hingeplätschert sind und die große Chance fast verpasst zu haben scheinen, wenn nicht jetzt was geschieht.
Ein Buch über zweite Chancen, den Sinn des Lebens (allerdings ohne erhobenen Zeigefinger) und die Einsicht, dass Glück nicht für jeden das gleiche ist.
Formuliert in angehauchter Salzburger Sprache findet man sich schnell in einer anderen Welt wieder, die einem trotzdem ziemlich bekannt vorkommt.
4 von 5 Vogerln
Donnerstag, 5. Februar 2026
Silke Rotmund "Epigenetik verstehen: Eine Einführung für Neugierige"
Doch so einfach ist es inzwischen nicht mehr. Die Forschung hat sich weiter entwickelt und siehe da, es sind nicht die Gene ... zumindest ist das nicht die ganze Wahrheit.
Silke Rotmund nimmt den Leser auf 124 Seiten mit, um die noch relativ junge Forschungsreise in die Epigenetik anzutreten.
Eine gut strukturierte Einführung hilft dem Leser sich in das Thema DNA, Gene, Proteine usw. hineinzuversetzen. Denn ohne die Grundlage versteht man im Folgenden nur Fachchinesisch.
Was sind die Gene? Was ist ihre Aufgabe? Was ist ein Protein und wofür ist es gut?
Das sind nur einige der Fragen, denen die Autorin auf den Grund geht.
Danach erklärt sie, was die Aufgabe und das Ziel der Epigenetik ist. Hier wurde es thematisch für mich ein bisschen schwieriger. Sie bemüht sich durch zahlreiche Wiederholungen und auch anhand von Beispielen, die Wirkungsweise zu erläutern, trotzdem blieb es hier für mich ein wenig abstrakt.
Die Übergänge zwischen Kurz- und Langfristigkeit, der Wechsel von Epigenetik auf DNA, vieles ist heute auch noch nicht abschließend erforscht.
Die Autorin lockert die Texte mit Abschnitten wie "Wussten Sie schon?" und "Denkanstöße für Neugierige" auf und bietet einen Ausblick auf den Tätigkeitsbereich der Epigenetik.
Mit einem abschließenden Glossar und weiterführender Literatur wird das Sachbuch gut abgerundet.
Allerdings hätte ich unter einer Einführung doch einen etwas leichter zu verstehenden Text erhofft, der auch mit mehr Schaubildern arbeitet. Man kann dem Text und den Inhalten folgen, doch ich finde es für die langfristige Erinnerung angenehmer, wenn das Buch verschiedene Präsentationen (Text, Schaubild, Grafik) nutzt.
Es ist ein spannendes Thema, dem durchaus von jedem Beachtung geschenkt werden sollte, da es auch Nutzen für den Alltag bereithält.
4 von 5 DNA-Strängen
Mittwoch, 4. Februar 2026
Pascal Mercier "Der Fluss der Zeit"
"Der Fluss der Zeit" umfasst fünf Kurzgeschichten. Jede für sich ist eine Perle und zeigt, wie gut der Autor Menschen und ihre Emotionen verstehen konnte. Dabei sind die Gedanken nicht verkopft oder wie man sonst Philosophie empfinden kann.
Es sind alltägliche Situationen, in denen er die Wärme, den Unmut, die Angst, die Nostalgie und die Gereiztheit nicht nur skizziert, sondern sie trotz der Kürze der Texte auch ebenfalls ergründet.
- Ein alter Mann verkauft sein Haus.
- Ein Klavierspieler bekommt eine Wohnung geschenkt.
- Ein Mann wartet auf seinen Befund.
- Ein Mann will nicht mehr leben.
- Ein Mann überdenkt sein Leben.
So unterschiedlich die Themen sind, Mercier schafft es mit jeder Geschichte etwas im Leser zu rühren. Jeder kennt diese Gefühle, auch wenn sie im eigenen Leben vielleicht in anderen Situationen aufgetreten sind.
Die Geschichten sind leise - ohne Vorwurf. Vielfach sind sie Reflexionen und zeigen das Geschehnis von beiden Seiten. Denn es ist, wie es ist, man sieht immer nur seine eigene Seite und nie komplett die des Gegenübers.
Ein Kurzgeschichtenband, der einen wie eine warme Decke umschließt und Nichtigkeiten verblassen lässt.
5 von 5 Flüssen