Freitag, 27. März 2026

Anja Goerz und Eric Niemann "grün, tot, weiß"

Eine kleine Insel mitten in der Nordsee, geprägt von Idylle und Abgeschiedenheit, wird Schauplatz eines tödlichen Unfalls. Der Schriftsteller Christian Gröger liegt eines Morgens am Fuße der Hummerklippen und die Inselgemeinschaft von Helgoland ist in Aufruhr. Denn einem kleinen Dorf gleich gibt es auch hier Menschen, die alles über die anderen wissen oder es zumindest meinen. Kleine Bistrogardinen wackeln, wenn andere sich auf der Straße treffen, um was zu tun?

Die Inselpolizei kann nicht mit so einem wichtigen Fall betraut werden und so kommen zwei Ermittler vom Festland herüber. Beide haben ihre Vorgeschichte und so ist es anfangs sehr schwierig einen gemeinsamen Nenner zu finden, damit die Arbeit nicht leidet.

Wie es bei Krimis inzwischen üblich ist, geht es nicht nur um ein gekonntes Katz-und-Maus-Spiel mit den Verdächtigen, sondern es geht auch um den Hintergrund der jeweiligen Ermittler.

Das Autorenduo Goerz und Niemann schafft mit seinen Ermittlern Herma und Jan zwei Figuren, die sich mit ihrer Lebenserfahrung und teilweise mit der Suche nach ihrem Platz darin (weit nicht so esoterisch, wie es hier gerade vielleicht klingen mag) sehr gut in das Geschehen einpassen. Andere Figuren spiegeln diese Eigenschaften und so sind empathische Szenen weit weniger gestellt, als es in anderen Büchern der Fall ist.

Parallel zu den beiden nimmt auch ein kleiner Junge die Untersuchung auf. Ganz im Stil von Sherlock Holmes sichert er Fingerabdrücke, begutachtet den Tatort und zieht Rückschlüsse, die gar nicht so verkehrt sind.

Der Plot an sich ist einem cosy crime ähnlich. Nicht sehr blutrünstig gestaltet, geht es um Kombinationsgabe und Ausschlussprinzip. Mit zahlreichen, realistischen Wendungen bleibt der Krimi bis zum Ende spannend und das eingeflochtene Lokalkolorit rundet die Erzählung gelungen ab.


4,5 von 5 Inseln

Mittwoch, 25. März 2026

Autoreninterview Maya Malou

Hallo zusammen.
Wer kennt Maya und ihr Zwergenkompendium denn nicht? Wie höre ich da gegenteilige Äußerungen? Dann mal fix das Interview gelesen. :-)

(Bild: Maya Malou (privat), Grafik: Maximilian Wust)


Wie ist dein Kinderbuch entstanden?
Mera und das Herz des Waldes, mein Debüt, entstand 2020 aus der Idee heraus, einen Adventskalender für meine Tochter zu schreiben. Allerdings ist mir dann schnell klar geworden, dass es mehr als 24 kleine Kapitel werden und so schrieb ich mein erstes Buch. Zum damaligen Zeitpunkt hätte ich mir niemals vorstellen können, dass es ein Jahr später tatsächlich einen Verlagsvertrag erhält und veröffentlicht wird. Ehrlich gesagt kann ich mir das nach wie vor bei keinem meiner Projekte vorstellen und bin immer maximal geflasht, wenn sie dann einen erhalten und ich sie als gedrucktes Buch in der Hand halten darf. Das hat auch nach mittlerweile vier Veröffentlichungen und drei Anthologien, an welchen ich mitwirken durfte, nichts von seinem Zauber verloren.

Welche Aufgaben machen dir bei der Entstehung eines Buches am meisten Spaß?
Beim Schreiben der Kinderbücher genieße ich es sehr Szenen einzubauen, die mich selbst und (hoffentlich auch) meine LeserInnen zum Lachen bringen, sowie die magischen Bilder, die sich in meinem Kopf abspielen in Worte zu fassen, um sie dadurch in andere Köpfe »zu zeichnen«.
Aktuell arbeite ich aktiv an einem Projekt für ältere LeserInnen und hier macht es mir total Spaß, die Charaktere auszuarbeiten und die Vibes zwischen den verschiedenen Protagonisten rüberzubringen. Aber auch das Zusammenführen aller losen Fäden innerhalb der Story, die dann irgendwann ein Ganzes ergeben, bereitet mir enorme Freude beim Schreiben. Es ist schon ein lustiges Gefühl, wenn man als Autorin die ganze Zeit weiß, was in einer Szene gerade »Off-screen« geschieht und dann im weiteren Verlauf immer wieder kleine Hinweise einbaut, bis man zu der Schlüsselszene kommt, welche den Lesenden, den »Aha-Moment« bringt. Ich freue mich dann schon im Voraus wie ein kleines Kind auf die Reaktion meiner TestleserInnen.

Wie hast du dich auf die Leipziger Buchmesse vorbereitet?
Ich habe tagtäglich mehrere Liter Kaffee getrunken, geübt mindestens zwanzigtausend Wörter pro Tag zu reden, und mich nicht länger als 10 Minuten hinzusetzen. ;-)
Spaß beiseite, so wirklich darauf vorbereitet habe ich mich nicht, da ich ja das Glück habe, dass die Verlage sich um die Präsentation der Bücher kümmern. Ich hatte nur die Aufgabe meine Postkarten und Visitenkarten rechtzeitig zu bestellen (was beinah auch noch schief gegangen wäre) und mir Zugverbindungen herauszusuchen und zu überlegen wie ich alles in meinen großen Rucksack bekomme.

Worum geht es in deinem neuen Buch »Mera und die Farben des Waldes«?
Es ist das zweite, unabhängig lesbare Abenteuer meines lustigen Trios, bestehend aus Mera, einem Menschenmädchen, Tirothemius, einem Pan und Mink, einem Mondhasen. Tirothemius und Mink haben Mera eingeladen, um ihre einjährige Freundschaft zu feiern, aber statt gemütlich Rumpelkekse zu naschen, erwarten die drei Freunde aufgeregte Uppie-Wuppies, ein wirklich einzigartiges Zwergenvölkchen, und eine seltsame Farblosigkeit, die sich im Wald ausbreitet. Natürlich machen sich die drei Freunde auf die Suche nach der Ursache und einer Lösung für den Farbverlust des Waldes. Dabei stoßen sie auf ein ganz besonderes magisches Wesen, von deren Existenz sogar die Bewohner des Waldes hinter dem Nebel überrascht sind und begeben sich mit einer Gruppe Zwerge auf die Spuren einer uralten Zwergenlegende.
Alles in allem wird es also wieder sehr magisch und lustig, es tauchen wieder einige schräge Wesen auf und Themen wie Freundschaft und Mut spielen eine große Rolle.

Die Buchbranche ist oftmals ein schwieriges Pflaster. Was fehlt der Branche aus deiner Sicht?
Eindeutig Ruhe und Gelassenheit sowie der Fokus auf Qualität statt Quantität. Ich habe das Gefühl, es geht nur noch darum alle paar Wochen einen neuen »Bestseller« rauszuhauen und das überzeugendste Cover und den auffälligsten Farbschnitt zu machen. Dabei bleiben die Qualität der Geschichten und die Individualität absolut auf der Strecke. Ein Grund, weshalb ich gar nicht mehr bei großen Verlagen einkaufe.
Besuche in der Buchhandlung empfinde ich schon seit längerer Zeit nur noch ernüchternd, da man auf dem ersten Blick vom bunten Angebot erschlagen wird und bei genauem hinsehen wirken alle Cover und Klappentexte ähnlich. Dadurch geht in meinen Augen einiges an Herzblut verloren, dass AutorInnen in ihre Geschichten stecken, wenn sie sich die Zeit nehmen können, um ihre Geschichte zu schreiben.
Aktuell suggeriert der Buchmarkt uns AutorInnen, dass wir nie schnell genug sind, und setzt Schreibende enorm unter Druck, denn wenn du nicht »schnell genug nachlieferst«, bist du schon in der nächsten Woche Schall und Rauch. Da will und kann ich nicht mitmachen, auch wenn das bedeutet, dass ich es nicht mit meinen Titeln in die großen Buchhandlungen schaffe.

Wie kann man sich deinen Alltag als Autorin vorstellen?
Einen wirklichen Alltag als Autorin habe ich nicht, da ich das Schreiben in meiner oft sehr knapp bemessenen Freizeit betreibe. Wenn ich in meinem Brotjob frei habe und die Kinder außer Haus sind, dann setzte ich mich mit einer Tasse Kaffee oder Tee an meinen Schreibtisch, höre leise Instrumentalmusik und tippe in die Tasten.
Oft liege ich aber auch abends ewig bei der Einschlafbegleitung und gehe meine Storys im Kopf durch und tippe dann nur schnell Stichworte oder kurze Sätze in mein Handy, damit ich es nicht vergesse.
Tatsächlich schreibe ich viel am Handy in den Notizen, weil ich das im Alltag einfach immer dabei habe und bringe das dann später in »Schönform« am Laptop.
Auf Kommando kreativ sein ist für mich sehr schwierig, oft überrollen mich Szenen und Ideen in den unpassendsten Momenten :D die Reime für »Aufregung im Zwergendorf« kamen mir zum Beispiel um drei Uhr morgens, als ich im Bett lag und partout nicht einschlafen konnte. Am nächsten Tag war ich dementsprechend müde, aber hey, ich hatte die Geschichte für ein Bilderbuch! :D

Mit welchem deiner Bücher sollte man beginnen?
Wenn man dem Alter nach geht, mit dem Bilderbuch »Aufregung im Zwergendorf«, dann »Mera und das Herz des Waldes«, gefolgt von »Mera und die Farben des Waldes« und dann das »Zwergenkompendium«, sowie meine diversen Kurzgeschichten.
Aber eine wirkliche Reihenfolge, aber dennoch kann man in allen Geschichten kleine Eastereggs zu den jeweils anderen finden, da ich großen Spaß daran habe mir ein eigenes Multiversum aufzubauen. So finden sich z.B. im Zwergenkompendium »Uppie-Wuppies« oder der Märchenerzähler Birk wieder, welche die Lesenden in »Mera und die Farben des Waldes« wieder treffen. In »Aufregung im Zwergendorf« verstecken sich Tirothemius & Mink in zwei der Illustrationen und es gibt einen Wegweiser, der nach Teichstadt und zu den Rumpelhöhlen weist, welche man in »Mera und das Herz des Waldes« besucht und in einer meiner Kurzgeschichten, die in der Anthologie »Ignis Lucidus« beim Carpathia Verlag erschienen ist, lernt man die Protagonistin meines aktuellen Projektes kennen.


Wer neugierig ist, kann hier mehr über Maya erfahren:
tintenklecks-und-seitenzauber.de
instagram.com/tintenklecks_und_seitenzauber
facebook.com/profile


Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Sonntag, 22. März 2026

Dieter Nuhr "Gut für dich!"

Missmutig, missgestimmt, schlecht gelaunt, immer das Negative sehen. 
Viele Ausdrücke, die alle den gleichen Zustand beschreiben: den gemeinen Deutschen.
In seinem bereits 2019 erschienen Buch "Gut für dich!" geht Dieter Nuhr auf eine Spurensuche der besonderen Art und versucht Licht in das Dunkel zu bringen, warum es oftmals die Deutschen sind, die Zukunftsängste haben und nicht genießen können, was sie gerade haben.
In vier 'Büchern' nähert er sich in seiner bekannten Art dem Thema und stellt fest, dass es die Außenwirkung ist, die uns die Laune verdirbt. Natürlich ist man daran selbst schuld, denn man könnte auch einfach zufrieden sein, aber dafür sind wir deutsch.
Ein Beispiel? Gerade hat man sich einen neuen Fernseher gekauft, als neuer mit noch mehr Funktionen erscheint. Schon freut man sich nicht mehr, dass man ein einsatzfähiges Gerät zuhause hat, sondern man schaut, was an dem eigenen schlechter ist. Natürlich bezieht sich das nicht für alle Menschen auf den Fernseher sondern auch auf Autos, Handys, Urlaube etc etc.
Was neben seinem schwarzen Humor immer wieder durchscheint, ist der Wunsch, dem Leser zu vermitteln, dass Glück und Zufriedenheit auch aus dem Inneren kommen.
Praktische Alltagstipps und Möglichkeiten aus den Gedankenschliefen auszubrechen, liefert er genauso, wie den Wunsch dem Leser seine Thesen näher zu bringen.
Wie immer kann man nicht alles auf sich selbst beziehen, doch er liefert einen Einstieg, wie man das fortwährende Vergleichen mit anderen abschütteln kann.

4 von 5 Hilfestellungen

Freitag, 20. März 2026

Ingrid Weißmann "Rotlicht, Blaulicht und Henrike"

Rotlicht, Blaulicht und Henrike führt den Leser nach Hamburg in die siebziger Jahre. Die Menschen sind auf dem Kiez sind beeinflusst von Drogen und der Käuflichkeit. Schlimm wird es, wenn junge Mädchen sich auf der Suche nach der großen Freiheit hierher verirren und an einen Luden geraten. Denn diese denken nur an das eine: Geld und die Maximierung dessen.
Henrike hat gerade ihre Ausbildung beendet, um in den Polizeidienst zu wechseln. Es ist eine Zeit, in der die Frauen oft zur Unterstützung mitgehen und selten allein für eine Ermittlung verantwortlich sind.
Bei Henrike kommt eine private Bekanntschaft eine Überwachung in die Quere und so gelangt sie emotional viel tiefer in den Fall als es ursprünglich gedacht war.

Man benötigt einige Kapitel um sich an den Schreibstil zu gewöhnen. Die Kapitel sind kurz, wechseln zwischen den Protagonisten hin und her und vermitteln aus den Perspektiven ein sehr unterschiedliches Bild vom Kiez.
Der Fall entwickelt sich nach und nach zu etwas großen und so zeigt die Autorin, wie verschiedene Abteilungen miteinander arbeiten müssen, um sich der Lösung zu nähern.

Lokalkolorit und aus heutiger Sicht "historische" Polizeiarbeit fließen ebenso in den Text ein wie eine leichte Gesellschaftskritik.
Trotz allem war es nicht ganz der Krimi, den ich erwartet habe. Für Fans des Lokalkolorits und der Polizeiarbeit aber definitiv einen Blick wert.


3 von 5 Polizisten

Mittwoch, 18. März 2026

Agatha Christie "N oder M?"

England befindet sich mitten im Krieg. Die Angriffe der Deutschen werden häufiger, die Zerstörungen nehmen zu. Menschen flüchten aus London auf's Land, während die Jungen versuchen das Land zu schützen. Doch auch an die ältere Generation wird gedacht und so steht an einem Tag jemand bei Tommy im Wohnzimmer und heuert ihn für eine waghalsige Mission an. Denn, nicht nur die Deutschen sollen die Engländer unterwandern, auch eine Gruppe Engländer soll sich gegen das eigene Land stellen. Doch da unklar ist, wie hoch die Verschwörung reicht, soll Tommy, wohl gemerkt ohne Tuppence, ermitteln. Die Bedingungen vor Ort gestalten sich von Anfang an schwierig und so rücken nacheinander alle Mitbewohner in Tommys Fokus. Zu recht oder zu unrecht, das bleibt lange im Dunkeln.

Man bemerkt in den Texten aus den Kriegsjahren öfters die Wut der Autoren und den Wunsch, die Welt in einem Schwarz-weiß sehen zu wollen. Wer ist gut, wer ist böse, das ist in der Realität oft nicht ganz so einfach auszumachen. Doch im Krimi gibt es keinen Platz für grau.
Die Mischung aus dem Duo Tommy und Tuppence, was immer schon für das eine oder andere Augenrollen gereicht, da sie zu überzeichnet wirken, und dem Wechsel zwischen "Fritz" und dessen Einstellung dominiert den Krimi.
Der Gedanke, dass es eine Unterwanderung innerhalb der eigenen Reihen gibt, ist durchaus gelungen, doch die Umsetzung bleibt an vielen Stellen hinter den Möglichkeiten zurück. 
Lose Enden gibt es bei Agatha Christie natürlich nie, doch ist es um die Varianz und die Plotbunnies nicht gut bestellt.
Sicherlich ist das Buch auch als eine Art Zeitzeuge zu sehen, doch die literarischen Tricks, die Agatha Christie bei Monsieur Poirot und Miss Marple nutzt, kommen hier nicht zur Geltung. 

Schade, da gerade bei dem Setting viele Ideen die Geradlinigkeit des Textes hätten unterbrechen können.

3 von 5 Spionagen

Freitag, 13. März 2026

Katharina Henz "Validieren: Wie echtes Erkennen und Anerkennen Beziehungen transformiert ..."

Vieles ist in der heutigen, hektischen Zeit schwerer geworden. Aktives Zuhören ist eine wichtige Sache, die wir zunehmend verlernen.
Eine besonders aufmerksame Form des Zuhörens ist das Validieren. In acht Kapiteln bringt die Autorin dem Lesenden den Unterschied zwischen Zuhören, aktivem Zuhören und Validieren sachkundig bei.

Was sich im ersten Moment wie eine Mammutaufgabe anhört, ist im Kern eigentlich recht simpel, wenn man einmal den Zugang hierzu gefunden hat.
Mit Situationen aus der psychologischen Praxis erläutert sie die Unterschiede und zeigt, warum die Menschen sich oft bevormundet fühlen.

Ein kleines Beispiel? 

Niemand, wirklich niemand, kann sich zu einhundert Prozent in einen anderen Menschen hineinversetzen. Somit sind sämtliche Ratschläge, wie "Ich würde das so und so angehen" hinfällig.
Denn keiner kann sich wirklich in die Lage des anderen versetzen. Warum? Das erklärt die Autorin an mehreren Sachverhalten. Zum einen lassen wir unser Gegenüber selten ausreden, bevor wir eine Diagnose stellen. Wir fahren dem anderem über den Mund, weil wir sein Leid mindern wollen, doch oft wird er gegenteilige Effekt ausgelöst.

Durch die Beispiele, die sich auf Arbeitskollegen, Kinder, Kranke, Eltern und Vorgesetzte beziehen, ist das Thema bei weitem nicht so abstrakt, wie es zuerst den Anschein hat.

Man lernt, Menschen besser zu verstehen, man lernt einen neuen Umgang miteinander. Ob man ihn täglich und gerade in Stresssituationen immer anwenden kann, ist für mich im Moment noch fraglich, doch zeigt dieses Buch, dass psychologische Themen greifbar sind, wenn sie gut und eingängig formuliert werden.

Die Kapitel haben jeweils einen Themenschwerpunkt und an Ende eines jeden werden die Kernaussagen mit Stichworten zusammengefasst. Optische Einrückungen und Kästen heben Themen und Beispiele zur besseren Lesbarkeit hervor.

Ein großes Lob an die Autorin, die das Thema für mich sehr verständlich und interessant dargelegt hat.

5 von 5 Sitzungen


Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Donnerstag, 12. März 2026

Beate Maly "Gold aus der Wiener Werkstätte"

Wien, 1906:
Während ein aufsehenerregender Prozess um ein Bordell die Schlagzeilen dominiert, wird einem Hotel eine Leiche gefunden. Auch sie hat früher in besagtem Bordell gearbeitet, doch nun ist sie mit edlem Schmuck bedeckt. Da bei dem Prozess auch die Polizei involviert ist, soll Max von Krause erst einmal Stillschweigen bewahren. Doch dies gestaltet sich schwierig, da der Schmuck aus den Wiener Werkstätten stammt und somit viel zu viele Menschen über den Schmuck und die dazugehörige Leiche Bescheid wissen. Ein Blick hinter die Fassade zeigt: Jeder hat mindestens ein Geheimnis, das für andere zur Gefahr werden könnte.

Dies ist bereits der zweite Band um Max von Krause und Lili Feigl. Ich habe zuvor den ersten Band nicht gelesen, kann aber sagen, dass man diesen nicht zwingend kennen muss, um der Handlung zu folgen. Die Autorin verwebt in ihrem Krimi Realität und Fiktion so gekonnt, dass man nur so durch die Seiten fliegt und wissen will, wie es weitergeht. Die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, ihre Vorurteile und Seilschaften bilden die Grundlage für einen spannenden Plot, er den Leser immer wieder in die Irre führt. Denn man fragt sich, wer hat was von den diversen Sticheleien und wer hat zum Schluss die Nase vorne? Denn nicht nur unter Gaunern gibt es Streitigkeiten auch bei der Polizei und im Privaten ist nicht alles rosarot. Durch die vielen "Angriffspunkte" schafft sie es viel Spannung und Neugier auf die Schauplätze zu legen. Mit ihren Protagonisten hat sie zwei Sympathieträger, die die Schlechtigkeit der anderen Figuren ausgleichen.
Das angedeutete Wienerisch zieht sich mal mehr, mal weniger durch den Text und lässt so ein harmonisches Bild im Kopf entstehen.

Die Auflösung kam mir persönlich am Ende ein bisschen zu abrupt, das mindert aber nicht die Begeisterung für den Text.
Sie verarbeitet arm und reich, Mann und Frau, gut und böse so gut, dass ich den ersten Band demnächst nachholen und ihre andere Reihe unbedingt fortsetzen möchte.

4,5 von 5 Schmuckstücken

Mittwoch, 11. März 2026

Makoto Yukimura "Vinland Saga 3"

Neben "Atelier of Witch Hat" ist über Umwege auch eine zweite Mangaserie bei mir auf dem SUB eingezogen. Während AoWH sich mit Zauberei, Büchern und verschiedenen Welten auseinandersetzt, mutet die "Vinland Saga" fast wie ein Geschichtsbuch im Mangaformat an.

Seit dem zweiten Band sind einige Jahre vergangen und England leidet unter den Überfällen der Wikinger. Immer mehr Menschen werden getötet, Dörfer geplündert oder ganz zerstört. Doch auch unter den Wikinger herrscht keine Einigkeit mehr und so kommt es bei London zu einem Kampf zwischen zwei Wikingern, der aber erstmal unentschieden ausgeht.
Doch die nächste Schlacht ist nicht fern und so sind es zunehmend "Glutnester", an denen immer wieder Kämpfe aufflammen und die Menschen in Angst und Schrecken versetzen.
Währenddessen halten die Wikinger-Frauen zuhause alles in Schuss, aber sie müssen immer fürchten, dass ihre Männer nicht wiederkommen. So ist das Leben auch für sie geplagt von Arbeit und Zweifeln und ein Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht.


Mit Karten und Schaubildern unterscheidet sich dieser Band von seinen Vorgängern. Die Angriffe werden hier genau mit Jahreszahlen verzeichnet und dieser Band spielt an verschiedenen Plätzen in England. Die Nähe zu der Geschichte wird an mehreren Stellen untermauert und gibt den Lesern eine Einordnung, wie Manga und Realität übereinstimmen.

Wie schon in den vorigen Bänden werden die Kampfeshandlungen sehr plakativ dargestellt, sodass die Farbgebung die Dramatik intensiviert. Man lernt, dass auch unter Eroberern nicht immer die gleiche Meinung herrscht und obwohl "nicht viel anderes passiert", ist der Band nicht langweilig.
Geschichte als Manga. Ein gelungenes Konzept.


4 von 5 Drachenköpfen

Dienstag, 3. März 2026

Nicholas Meyer "Sherlock Holmes und das Phantom der Oper"

Man nehme Sherlock Holmes und das Phantom der Oper. Was soll bei den Protagonisten schon schief gehen?
Spoiler: Einiges.
Doch beginnen wir am Anfang.
Sherlock Holmes hat die Reichenbachfälle überlebt und reist durch Europa, um seinen Tod noch eine Eile zu vertuschen.
Um nicht immer wieder seinen Bruder um Geld zu bitten, nimmt er eine Anstellung als Geiger in der Pariser Oper an und trifft somit auch auf die Geschichte rund um das dort lebende Phantom.
Warum es wie handelt, lässt sich nach kurzer Zeit erahnen und Holmes versucht so wenige Menschen wie möglich zu schaden kommen zu lassen. Doch die Ohren der neuen Direktoren sind taub für seine Warnungen. Als schließlich das Unheil angerichtet ist, ist es Holmes, der sich verteidigen muss, denn seine Kombinationsgabe wird gegen ihn verwendet.
Wer die Pastiches von Nicholas Meyer kennt, weiß, dass er sie als "direkte Texte" von Watson ausgibt und er selbst lediglich editorische Notizen hinzufügt. Die Idee und auch die Umsetzung ist auch bei dem dritten Band sehr gelungen und durch den Schreibstil, in dem Holmes Watson direkt anspricht, wird man in das Geschehen gezogen.

Was mir in diesem Band nur überhaupt nicht gefallen hat, war die Figur Sherlock Holmes. Auch wenn er in Paris vermeintlich in Urlaub ist, kann man seine stümperhaften Ermittlungen und seine Begriffsstutzigkeit in vielen Szenen einfach nicht nachvollziehen. Vergleicht man die Ermittlung sowohl mit den beiden vorigen von Meyer als auch mit dem Kanon, hat man mehrfach das Gefühl, der großartige Detektiv stolpert blind und mit einer Hand auf den Rücken gebunden durch den Fall. Zu viele Hinweise, die Meyer auch explizierter beschreibt als Doyle, lässt Holmes liegen, um hinterher erstaunt auf des Rätsels Lösung zu blicken.

Weiterhin bedient der Text viele der Touristenattraktionen, Eifelturm, die Oper und deren unterirdirsche Gänge. Ein Streifzug durch die Stadt, bei dem sich Holmes auch noch direkt verläuft.

Wer Meyer in seiner Höchstform lesen will, sollte zu "Sherlock Holmes und die Theatermorde" oder auch noch "Kein Koks für Sherlock Holmes" greifen, dieser Band wird weder Holmes noch Meyer gerecht.

3 von 5 Opern 

Montag, 2. März 2026

Tommaso Vitiello "Oscar Wilde - die Comic-Biografie"

Als Ire im Viktorianischen England hat man es nicht leicht. Wenn man den Engländern dann noch auf ihre sprichwörtlichen Füße tritt, kann das zunehmend zu Problemen führen. Oscar Wilde war vieles, doch definitiv nicht gesellschaftlich angepasst. Er hatte seinen eigenen Kopf, den er nicht nur einmal mit Gewalt durchsetzen wollte.

Die Graphic Novel steigt in sein Leben ein, als er in Amerika an seinen schriftstellerischen Vorstellungen feilt. Sollen es weitere Essays, Romane oder doch Theaterstücke sein? Das Publikum ist (in mehrfacher Hinsicht) nicht bereit für seine Texte und so nagt die Unzufriedenheit an ihm. Er, der von seinem Umfeld immer als grandioser Künstler dargestellt wird, hat nicht den Erfolg, den er sich wünscht. Als sich das Blatt gerade ein wenig wendet, kommt seine Affäre mit Bosie an die Öffentlichkeit. Die Gesellschaft ist entsetzt und so wird aus einem Prozess um üble Nachrede ein Prozess, der ihn ins Gefängnis bringt.
Die Comic Biografie hält sich sehr dicht am Lebenslauf von Oscar Wilde. Das einzige, was mir ein wenig zu kurz kam, war, warum die Menschen seine Texte nicht mochten und wie er sie zunehmend anstößig formuliert hat.

Das Buch unterteilt sich in mehrere Abschnitte, die spezielle Zeitpunkte (z.B. den Prozess und die Gefangenschaft) in Wildes Leben beleuchten und in denen auch seine Wirkung im Ausland thematisiert wird.
Die Zeichnungen sind weich gehalten. Sie wirken wie eine Hommage an Wildes frühe Frisur. Die Zeichnungen kommen ohne viele Details aus, zudem sind die Figuren manchmal vage gehalten, ebenso wie die Hintergrundgestaltung. Meinen Geschmack trifft dies nicht, aber es passt zum Inhalt der Biografie.
Unterschiedlich große Zeichnungen, auch mal als Platzhalter für längere Texte verwendet, führen dazu, dass das Auge nicht abschweift und man die unterschiedlichen Stimmungen innerhalb der Biografie wahrnimmt. Nichts wird beschönigt, aber auch nichts verrissen.

4 von 5 Dramatikern