Freitag, 26. Juni 2026

Anja Saskia Beyer "Das kleine Café am Meer"

Der Freund hat die Tasche gepackt und am nächsten Tag läuft der Arbeitsvertrag aus. Es ist kein guter Abend für Hannah, als sie eine Nachricht von einer alten Freundin erhält, die auf Mallorca lebt. Kurzerhand kratzt Hannah ihre letzten Euros zusammen und bucht einen Flug, quasi in die Vergangenheit. Denn Lucia ist ihre Kindheitsfreundin. Das Mädchen, mit dem Hannah die Ferien auf Mallorca jahrelang verbrachte, bevor der Job ihr Leben übernahm. Während Hannah unter dem Trennungsschmerz leidet, hat Lucia ganz andere Sorgen, die auch etwas mit dem gutaussehenden Sam zu tun haben.

Schöne, malerische Strände, kleine verwunschene Orte.
Mallorca ist mehr als Ballermann und Saufen. 

Die Autorin verwebt die Geschichten der insgesamt vier Frauen so gekonnt und zeigt dabei auch, wie oft man einander im Leben begegnen kann, ohne sich wirklich zu sehen. Das Prinzip des Ich-kenne-einen-der-einen-kennt wird hier an manchen Stellen ein wenig überreizt, aber letztlich laufen alle Geschichten zusammen und bilden ein gelungenes Ende. Wobei mir hier gut gefällt, dass es nicht für alle rosig ausgeht. Denn so viele Zufälle in diesem Buch vermeintlich passieren, viele Dinge wie z.B. Neid und Missgunst sind so alltäglich, dass sie in einem Buch vorkommen müssen, denn sonst wäre zu viel Friede, Freude, Eierkuchen.

Eine Geschichte, die Mut macht und zeigt, dass es keinen festen Fahrplan für das Leben gibt und man durchaus sein Glück finden kann. Wenn man es zulässt und mit offenen Augen und Herzen durch das Leben geht.

4 von 5 Orangen

Donnerstag, 25. Juni 2026

Autoreninterview Bastian Martschink

Hallo zusammen.
Ein neuer Monat und dieses Mal geht es wieder in das Krimi-Genre. Mein heutiger Interviewpartner hat den klassischen Whodunnit überarbeitet und ... Ach lest selbst ...

(Foto: Bastian Martschink (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Welches Buch hat den Ausschlag gegeben, dass du selber schreiben möchtest?
Ich habe wirklich unglaublich viele gute Bücher gelesen, aber ich könnte jetzt gar nicht dieses eine Buch nennen, von dem ich sagen würde: Genau das war der Auslöser, jetzt will ich auch schreiben.

Meine Leidenschaft fürs Schreiben war eigentlich schon sehr früh da. Im Studium ist sie dann durch die ganzen Bücher, die ich gelesen habe, noch mal stärker geworden. Ich muss da aber immer wieder zurückdenken an die Geschichten von Huckleberry Finn. Das ist natürlich ein ganz anderes Genre, und mein Finn hat mit dem Namen auch nichts zu tun. Aber ich fand Huckleberry Finn als Figur einfach cool: dieses Freiheitsgefühl, dieses Raus-in-die-große-Welt, dieses Quatschmachen und die Freundschaften. Top!

Welche drei Elemente sind wesentlich für dein Buchkonzept?
Leider kann ich hier nichts maximal Spektakuläres bieten. Ich habe keine komplett feste Vorstellung davon, wie am Ende alles aussehen muss. Ich lasse mich da gerne treiben, denn es muss sich für mich gut anfühlen. Ich schreibe das, worauf ich selbst richtig Lust habe, und hoffe dann natürlich, dass es anderen genauso geht.

Was mir aber wichtig ist: Am Ende muss es noch irgendwie scheppern. 😊 Ich mag es schon, wenn man am Ende hoffentlich überrascht wird. Das bekommt man nie im Leben bei allen Leserinnen und Lesern hin. Aber ich gebe mein Bestes. 😉

Wodurch ziehst du deine Inspiration?
Wodurch nicht? 😄

Ich habe keine bestimmten Orte, Vorbilder oder geheimnisvollen Inspirationsquellen. Ich spaziere durch die Welt und habe inzwischen natürlich einen ziemlich starken Fokus auf alles, was ich irgendwie für Thriller oder Krimis nutzen könnte.

Sobald ich etwas entdecke, notiere ich es mir direkt im Handy. Wenn ich dann über eine neue Buchidee nachdenke, schreibe ich alles aus diesen Notizen in mein OneNote, starre lange, lange drauf und hoffe, dass ich irgendwie eine sehr kreative Idee habe.

Wie kam es zu deiner Buchreihe um Finn Dever?
Lang, lang ist es her ... Ich habe die Reihe schon vor über fünfzehn Jahren angefangen zu planen, aber damals nie wirklich die Zeit gefunden, das Ganze auch umzusetzen. Vor ein paar Jahren habe ich dann aber tatsächlich angefangen zu schreiben, erstmal als Geschenk für meine Frau. Die hat mich danach motiviert, es doch einfach mal bei einem Verlag einzureichen. Und sie hat mir netterweise (und das meine ich wirklich absolut positiv, weil es sonst nie funktioniert hätte!) auch ziemlich knallhart gesagt, wo es im Manuskript noch hakt.

Der Rest war dann sicher auch eine Portion Glück. Es ist ja gar nicht so leicht, überhaupt sichtbar zu werden. Ich glaube, da draußen gibt es wahnsinnig viele tolle Bücher, die nie veröffentlicht werden, weil sie anhand von ein paar Seiten und einem Exposé vielleicht unterschätzt werden.

Wie schaffst du es, dir im Alltag die Zeit zum Schreiben zu nehmen?
Das Wichtigste ist und bleibt für mich die Familie. Die soll natürlich nicht zu kurz kommen, und deshalb muss sich alles andere irgendwie drumherum sortieren.

Das Schreiben funktioniert dann vor allem, weil ich sehr früh aufstehe und schreibe, bevor alle wach sind und der normale Familien- und Arbeitsalltag losgeht. Und ich habe aber auch einfach so viel Lust zu schreiben, dass ich mich wirklich jeden Tag hinsetze.

Das klappt sicher mal besser und mal schlechter. Aber ohne diese Leidenschaft (und damit auch so etwas wie Disziplin, auch wenn das immer direkt so mies negativ klingt 😊) würde es wahrscheinlich nicht gehen.

Arbeitest du gerade an einem neuen Fall für Finn Dever?
Es gibt einen Rohentwurf für Finn Dever 4, und ich finde die Geschichte wirklich klasse. Aber mit Band 3 ist die Trilogie abgeschlossen. Die großen Geheimnisse werden gelüftet, offene Fragen beantwortet und auch zwischenmenschlich wird sich einiges klären. 😉

Sollten die Verkaufszahlen explodieren, wird es sicherlich auch einen Band 4 geben, aber die Trilogie ist so für mich erstmal absolut rund.

Aber: Da ich Finn schon vor mehreren Jahren geschrieben habe, habe ich in den letzten Jahren bereits einen neuen Thriller fertiggestellt und versuche damit im Sommer mein Glück bei Verlagen.

Wie würdest du deinen Ermittler charakterisieren und welches Publikum sprichst du mit ihm an?
Ich habe versucht, einen Ermittler zu erschaffen, der etwas Neues mitbringt. Ich wollte keinen kaputten Typen mit tausend Problemen, sondern dass Finn eher locker, neugierig und sympathisch ist (falls jemand das nicht so wahrnehmt, lasse ich mich aber gerne korrigieren 😄). Gleichzeitig hat Finn die Fähigkeit, kurze Visionen aus der Vergangenheit zu sehen.

Dadurch wird er aber nicht zum Superhelden, denn er kann diese Fähigkeit nur selten einsetzen. Und selbst wenn er etwas sieht, weiß er dadurch noch lange nicht, wie ein Mensch wirklich tickt oder was jemand alles verbirgt. Für mich war wichtig, dass dadurch neue Ermittlungssituationen entstehen, überraschende Dinge mit ihm passieren, der Fall aber trotzdem ein Rätsel bleibt.

Ich hoffe, damit Leserinnen und Leser zu finden, die Wendungen, Miträtseln und Spannung mögen (oh Mann, klingt jetzt katastrophal generisch … ist aber so 😊). Und ich hoffe natürlich, dass ich rund um Finn auch noch eine faszinierende Welt erschaffen habe. Mit lockerem Charme, Humor, Neugier und einer kleinen Portion Coolness.

Wer neugierig ist, kann hier mehr über Bastian erfahren:
instagram.com/finn.dever.official
golkonda-verlag.com/bastian-martschink-finn-dever

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Montag, 22. Juni 2026

Aurelia L. Night "Fabula Magicae 2"

Eigentlich wollte Mia gar nicht zurück, doch Liam hat nicht mit sich reden lassen. Sie muss in ihre Welt zurückkehren, doch dort ist nichts mehr so wie es einmal war. Sie galt als vermisst und ihre Eltern haben sich getrennt. Ein Hin und Her zwischen Hier und Dort, doch es ist, wie es ist: Mia muss zurück zu Liam, denn es gilt eine Welt zu retten … und auch Liam.

Während der Prolog dieses Mal auf einen anderen Blickwinkel der Bücherwelt deutet, ist es schon so, dass die Autorin die losen Fäden aus dem ersten Band gelungen auflöst. Neben der eigentlichen Geschichte rund um die Bücherwelt baut sie im zweiten Band die Liebesgeschichte stärker aus und auch die Nebenschauplätze werden gut gespielt. Stand im ersten Band hauptsächlich Narnia im Fokus finden sich in diesem Band auch andere Erzählungen, wie z.B. Märchen. Alles, was uns aus diesen Texten, wie z.B. Neid, Verrat oder der Wunsch nach Macht bekannt vorkommt, kommt in dem zweiten Band der Dilogie zu seinem Abschluss.


3 von 5 Reichen

Frank Goldammer "Strandopfer"

An der deutsch-polnischen Grenze wird eine Leiche gefunden. Doch was im ersten Moment wie ein Badeunfall aussieht, stellt sich bei genauerer Betrachtung als ein verdächtiger Todesfall heraus, denn im Rachen des Opfers findet sich ein geschliffener Bernstein. Während sich die polnische und deutsche Polizei noch über die Vorgehensweise streiten, wird klar, dass auch noch ein Kind verschwunden ist. Und das werden nicht die einzigen Verbrechen bleiben ...

Frank Goldammer versteht es mit Vorurteilen zu spielen. Arm - reich, deutsch - polnisch, Mann - Frau. In fast jede Beziehung bringt er eine Dynamik, die durch Vorwürfe und Informationszurückhaltung geprägt ist. Als Leser sind wir nah bei der deutschen Polizistin, die sich mit der Sprachbarriere zu ihren Kollegen und der Zurückhaltung von Informationen zurecht finden muss. Ihre privaten Probleme aus der Vergangenheit überlappen sich mit den Ermittlungen und der Autor zeigt auf, wie sehr Menschen zu manipulieren sind. Denn eins ist klar, ohne Informationen gibt es keine Ermittlungen und ohne Beobachtungen keine Darstellung, die halbwegs neutral ist.
Über vierhundert Seiten führt uns der Autor über verschiedene Pfade vermeintlich immer näher an die Lösung, um uns dann doch wieder in eine ganz andere Richtung zu lenken. Denn wie es bei Geheimnissen so ist, hat man erst eins geschaffen, folgen meist weitere und dies ist selten von Vorteil.
Ein Krimi, der neben seiner eigentlichen Handlung viel über die Geschichte von Deutschland, DDR und Polen erzählt und zeigt, dass die Vergangenheit oftmals sehr präsent ist.

4,5 von 5 Kriminalfällen

Samstag, 20. Juni 2026

Astrid Lindgren "Pippi - Das stärkste Mädchen der Welt"

Astrid Lindgren gilt bis heute als eine der Kinderbuchautorinnen - zu recht.
Denn mit ihren zumeist kleinen Heldinnen und Helden hat sie nicht nur die Kinderherzen im Sturm erobert, sie schafft es auch die Erwachsenen zu beeinflussen. Mit ihren vielen kleinen und großen Wahrheiten zeigt sie, dass wir Erwachsenen nicht nur vergessen haben, was es heißt, unbeschwert wie ein Kind zu sein, sondern uns in unseren Denkweisen auch gerne einmal verzetteln.

Das neue Buch ist in zehn Kapitel unterteilt, die zehn Charaktereigenschaften von Pippi zeigen. Jedes Kapitel ist mit einer kleinen Einleitung versehen, woraufhin eine Textpassage aus den originalen Pippi-Büchern folgt. Untermalt sind die Geschichten mit den allerersten Illustrationen von Ingrid Vang Nyman. Schlicht gehalten mit einer ausgewählten Anzahl an Farben legt das Buch wert auf eine schöne Umsetzung, doch viel wichtiger für die kleinen und großen Kinder sind die mutmachenden Eigenschaften. Wie kann man stark oder liebenswert sein?
Doch nicht nur Bilder und Texte findet man in dem Buch. Kleine Spiele, Bastel- oder auch Gesprächsideen runden das Buch wunderschön ab, denn Pippi hat für fast alles einen Rat, obwohl sie noch so jung ist.
Ein Buch für groß und klein, mit dem wichtigen Hinweis, alle Menschen sind etwas Besonderes.

5 von 5 starken Mädchen

Freitag, 19. Juni 2026

Aurelia L. Night "Fabula Magicae 1"

Als ihr Großvater stirbt, ist Mia am Boden zerstört.
Ihre Eltern sind ihr nicht nah und so will sie den Tod einfach nicht akzeptieren.
Doch beim Amtsgericht erhält sie bei der Eröffnung des Testaments ein Buch, das ihr Leben verändern wird.
Fortan lebt sie - im wahrsten Sinne des Wortes - in diesem Buch, bis sie flüchten muss.

Es handelt sich um den ersten Band einer Dilogie, die sich in die Tradition von Narnia, Tintenherz und Co. stellt.
Mia erwacht in einer Welt, die so ganz anders ist als die unsere und muss hier Abenteuer bestehen, um sich vom Kummer zu befreien und die Welt zu festigen.
Der Kampf zwischen Gut und Böse steht hier wie bei vielen Büchern dieses Genres im Mittelpunkt und wünscht sich oftmals, dass die Autorin ein wenig mehr von ihrer eigenen Kreativität eingebracht hätte. Oftmals wirkt es wie ein modernisiertes Narnia und nicht wie eine eigenständige Reihe.
Der Schreibstil zieht den Leser schnell in die Handlung und mit dem berühmten Cliffhanger endet der erste Band.

3 von 5 Reichen

Dienstag, 16. Juni 2026

Ben Kryst Tomasson "Sylter Neid"

Nach dem letzten Fall hatte Jonas seiner Frau Kari eigentlich das Versprechen abgenommen, dass sie sich in der Elternzeit nur um die kleine Tochter kümmern und die Finger von ihrer LKA-Tätigkeit lassen soll. Doch wie immer spricht wieder etwas dagegen, dieses Mal in Form ihrer Mutter. Ihr alter Studienkollege besitzt eine Schönheitsklinik auf Sylt und seit einiger Zeit verschwindet Botox aus verschlossenen Schränken. Schnell ist die Häkelmafia aktiviert und Kari fährt mit Lotte auf die Insel. Sehr zum Verdruss ihres Mannes. 

Wie schon in den früheren Büchern ist es auch dieses Mal erneut so, dass die Handlungsstränge von Jonas und Kari sich überschneiden und wie jedes Mal zittert man beim Lesen mit, ob sie auch im aktuellen Fall ihre Beziehung verheimlichen können.

Mit dem elften Band ist es wie ein nach Hause kommen. Man kennt die Charaktere und trotzdem schafft es der Autor sie fortwährend weiterzuentwickeln.

Auch bei den neuen Figuren ist es nie so, wie es im ersten Augenblick scheint und somit hat der Autor bei allen Beziehungen noch ein Ass im Ärmel. Während der Leser immer tiefer in die Geheimnisse eintaucht, erzeugt der Autor Gefahrensituationen, die nachvollziehbar und nicht so übertrieben sind, wie es bei Filmen oder Thriller oft der Fall ist.

Die Fachinformationen lesen sich fundiert und lassen den Leser somit auch jedes Mal in eine andere reiche Welt von Sylt eintauchen.

4 von 5 Injektionen

Freitag, 12. Juni 2026

Amy Bloom "Meine Zeit mit Eleanor"

Ein paar Tage vor Kriegsende, im April 1945, schleppt sich eine Frau nach der Beerdigung ihres Mannes in die Wohnung ihrer Freundin. Bei der Frau handelt es sich um Eleanor Roosevelt, die Freundin heißt Lorena Hickok. In Rückblenden erzählt Lorena ihr Leben vor Eleanor, während sie die Beileidsbekundungen zum Tod von Franklin D. Roosevelt sichten. Kennengelernt haben sie sich 1932 als Hickok in das Weiße Haus als Hausreporterin einzog. Schnell entdecken die beiden Damen die Harmonie zwischen sich und unternehmen auch private Ausflüge und mehr.

Das Buch "Meine Zeit mit Eleanor" ist ein Roman. Was sich zeitweilig wie ein historisches Sachbuch liest, ist eine Erzählung über das Leben zweier Frauen in den 1930er und 1940er Jahren in Amerika. Ein flüssiger Schreibstil, der als Tagebuch gegliedert ist, bringt den Text schnell näher. Beide Frauen haben vor ihrer Begegnung schon viel mitgemacht und es zeigt sich, wie gerade zu dieser Zeit die Sicht auf die Frau war. Um vieles wurde noch gekämpft, teils gemeinsam, teils gegeneinander.
Die Erzählung zeigt aber auch, wie es zwei Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensläufen schaffen, miteinander klar zu kommen und sich vielleicht gerade wegen ihrer Unterschiede sehr nah sein konnten.

Dadurch dass es sich um eine Erzählung handelt, ist es schwer, zu unterscheiden, was Realität z.B. F. D. Roosevelts Beziehungen und was Fiktion ist, hier die intensive Beziehung zwischen Eleanor und Lorena. Hier hätte ich ein Nachwort mit einer entsprechenden Einordnung gut gefunden.

Weitere historische Ereignisse spielen eher eine untergeordnete Rolle und werden nur erwähnt, wenn es die Erzählung berührt.
Ein nachdenklich stimmendes Buch, dass einen Einblick darüber gibt, wie menschliche Beziehungen funktionieren und warum dies nicht für alle gleich ist.


4 von 5 Tagebüchern 

Dienstag, 9. Juni 2026

Sarah Perry "Nach mir die Flut"

Immer ist John allein. Zuhause, im Antiquariat. Einfach immer. Eines Tages hält er es nicht mehr aus und beschließt seinen Bruder zu besuchen. Doch er kommt nie an. Auf der Fahrt hat er eine Panne und er muss sein Auto stehen lassen. An einem Haus will John um Hilfe bitten, doch stattdessen wird er wie ein verlorener Sohn aufgenommen. Denn er wurde bereits erwartet.

Immer wieder nehme ich mir vor, Kammerspiel-Bücher zu lieben und doch schaffe ich es nicht.
Dabei gibt sie die Autorin mit verschiedenen Erzählperspektiven, dem Einsatz eines Tagebuches und sehr unterschiedlichen Charakteren viel Mühe den Leser mit Eindrücken zu überraschen.
Doch gerade die Perspektivwechsel machten es mir schwer der Handlung zu folgen. John wird wie selbstverständlich in das Geschehen des Hauses eingebunden und doch hängen so viele Zweifel in der Luft, dass man sich wundert, dass die Geschichte so verläuft, wie sie verläuft.

Abseits dessen ist es eine angenehme Sprache und die Figuren sind individuell gestaltet.

3 von 5 Häusern

Samstag, 6. Juni 2026

Megan Hopkins "Starminster - Stadt in den Wolken"

Astrid lebt mit ihrer Mutter auf einem Hof. Wobei, so ganz stimmt das nicht, denn Astrid lebt in einem Rhabarber-Schuppen, den ihre Mutter immer hinter sich abschließt. Warum sie Astrid fortwährend einschließt, ist unklar, denn es ist Astrids größter Wunsch die Sterne zu sehen. Eines Abends wird sie von einer geheimnisvollen Frau abgeholt und nach Überlondon gebracht. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn ihre Mutter sucht sie und gleichzeitig soll sie die berühmte Schule Starminster besuchen, um das Fliegen zu lernen.

So ziemlich jede Geschichte, die in England spielt und mit Schulen und Magie zu tun hat, wird mit Harry Potter verglichen. Was gab es in der Serie schon, ist die neue Reihe zu ähnlich oder wodurch zeichnet sie sich aus?
Abgesehen von der Fähigkeit zu fliegen, was hier aber auch eher biologisch erklärt wird, gibt es kaum Parallelen. Natürlich ist das Setting eine Schule und der Unterricht ist eines der Kernthemen, doch spielen hier Themen wie Klimawandel und Ökosysteme eine wesentliche Rolle. 
Astrid kommt als neue Schülerin in eine Welt, die sich von ihrer alten in jeglicher Hinsicht unterscheidet. Die Weiten, die Menschen, die Gerüche, die Aufgaben, alles ist erstmal zu viel, da es sonst nur sie, ihre Mutter und den Rhabarber-Schuppen gab. 
Die Autorin schafft es, eine verunsicherte Protagonistin zu einer mutigen zu machen und so dem jugendlichen Publikum zu zeigen, wie man Stärken entwickelt und auch Freunde gewinnt. 
Die Alterseinschätzung ab elf Jahren finde ich zutreffend, da das Buch schon einen gewissen Wortschatz voraussetzt, um alle Anspielungen zu verstehen.

4 von 5 Schwingen