Hallo zusammen.
Wer kennt Maya und ihr Zwergenkompendium denn nicht? Wie höre ich da gegenteilige Äußerungen? Dann mal fix das Interview gelesen. :-)
(Bild: Maya Malou (privat), Grafik: Maximilian Wust)
Wie ist dein Kinderbuch entstanden?
Mera und das Herz des Waldes, mein Debüt, entstand 2020 aus der Idee heraus, einen Adventskalender für meine Tochter zu schreiben. Allerdings ist mir dann schnell klar geworden, dass es mehr als 24 kleine Kapitel werden und so schrieb ich mein erstes Buch. Zum damaligen Zeitpunkt hätte ich mir niemals vorstellen können, dass es ein Jahr später tatsächlich einen Verlagsvertrag erhält und veröffentlicht wird. Ehrlich gesagt kann ich mir das nach wie vor bei keinem meiner Projekte vorstellen und bin immer maximal geflasht, wenn sie dann einen erhalten und ich sie als gedrucktes Buch in der Hand halten darf. Das hat auch nach mittlerweile vier Veröffentlichungen und drei Anthologien, an welchen ich mitwirken durfte, nichts von seinem Zauber verloren.
Welche Aufgaben machen dir bei der Entstehung eines Buches am meisten Spaß?
Beim Schreiben der Kinderbücher genieße ich es sehr Szenen einzubauen, die mich selbst und (hoffentlich auch) meine LeserInnen zum Lachen bringen, sowie die magischen Bilder, die sich in meinem Kopf abspielen in Worte zu fassen, um sie dadurch in andere Köpfe »zu zeichnen«.
Aktuell arbeite ich aktiv an einem Projekt für ältere LeserInnen und hier macht es mir total Spaß, die Charaktere auszuarbeiten und die Vibes zwischen den verschiedenen Protagonisten rüberzubringen. Aber auch das Zusammenführen aller losen Fäden innerhalb der Story, die dann irgendwann ein Ganzes ergeben, bereitet mir enorme Freude beim Schreiben. Es ist schon ein lustiges Gefühl, wenn man als Autorin die ganze Zeit weiß, was in einer Szene gerade »Off-screen« geschieht und dann im weiteren Verlauf immer wieder kleine Hinweise einbaut, bis man zu der Schlüsselszene kommt, welche den Lesenden, den »Aha-Moment« bringt. Ich freue mich dann schon im Voraus wie ein kleines Kind auf die Reaktion meiner TestleserInnen.
Wie hast du dich auf die Leipziger Buchmesse vorbereitet?
Ich habe tagtäglich mehrere Liter Kaffee getrunken, geübt mindestens zwanzigtausend Wörter pro Tag zu reden, und mich nicht länger als 10 Minuten hinzusetzen. ;-)
Spaß beiseite, so wirklich darauf vorbereitet habe ich mich nicht, da ich ja das Glück habe, dass die Verlage sich um die Präsentation der Bücher kümmern. Ich hatte nur die Aufgabe meine Postkarten und Visitenkarten rechtzeitig zu bestellen (was beinah auch noch schief gegangen wäre) und mir Zugverbindungen herauszusuchen und zu überlegen wie ich alles in meinen großen Rucksack bekomme.
Worum geht es in deinem neuen Buch »Mera und die Farben des Waldes«?
Es ist das zweite, unabhängig lesbare Abenteuer meines lustigen Trios, bestehend aus Mera, einem Menschenmädchen, Tirothemius, einem Pan und Mink, einem Mondhasen. Tirothemius und Mink haben Mera eingeladen, um ihre einjährige Freundschaft zu feiern, aber statt gemütlich Rumpelkekse zu naschen, erwarten die drei Freunde aufgeregte Uppie-Wuppies, ein wirklich einzigartiges Zwergenvölkchen, und eine seltsame Farblosigkeit, die sich im Wald ausbreitet. Natürlich machen sich die drei Freunde auf die Suche nach der Ursache und einer Lösung für den Farbverlust des Waldes. Dabei stoßen sie auf ein ganz besonderes magisches Wesen, von deren Existenz sogar die Bewohner des Waldes hinter dem Nebel überrascht sind und begeben sich mit einer Gruppe Zwerge auf die Spuren einer uralten Zwergenlegende.
Alles in allem wird es also wieder sehr magisch und lustig, es tauchen wieder einige schräge Wesen auf und Themen wie Freundschaft und Mut spielen eine große Rolle.
Die Buchbranche ist oftmals ein schwieriges Pflaster. Was fehlt der Branche aus deiner Sicht?
Eindeutig Ruhe und Gelassenheit sowie der Fokus auf Qualität statt Quantität. Ich habe das Gefühl, es geht nur noch darum alle paar Wochen einen neuen »Bestseller« rauszuhauen und das überzeugendste Cover und den auffälligsten Farbschnitt zu machen. Dabei bleiben die Qualität der Geschichten und die Individualität absolut auf der Strecke. Ein Grund, weshalb ich gar nicht mehr bei großen Verlagen einkaufe.
Besuche in der Buchhandlung empfinde ich schon seit längerer Zeit nur noch ernüchternd, da man auf dem ersten Blick vom bunten Angebot erschlagen wird und bei genauem hinsehen wirken alle Cover und Klappentexte ähnlich. Dadurch geht in meinen Augen einiges an Herzblut verloren, dass AutorInnen in ihre Geschichten stecken, wenn sie sich die Zeit nehmen können, um ihre Geschichte zu schreiben.
Aktuell suggeriert der Buchmarkt uns AutorInnen, dass wir nie schnell genug sind, und setzt Schreibende enorm unter Druck, denn wenn du nicht »schnell genug nachlieferst«, bist du schon in der nächsten Woche Schall und Rauch. Da will und kann ich nicht mitmachen, auch wenn das bedeutet, dass ich es nicht mit meinen Titeln in die großen Buchhandlungen schaffe.
Wie kann man sich deinen Alltag als Autorin vorstellen?
Einen wirklichen Alltag als Autorin habe ich nicht, da ich das Schreiben in meiner oft sehr knapp bemessenen Freizeit betreibe. Wenn ich in meinem Brotjob frei habe und die Kinder außer Haus sind, dann setzte ich mich mit einer Tasse Kaffee oder Tee an meinen Schreibtisch, höre leise Instrumentalmusik und tippe in die Tasten.
Oft liege ich aber auch abends ewig bei der Einschlafbegleitung und gehe meine Storys im Kopf durch und tippe dann nur schnell Stichworte oder kurze Sätze in mein Handy, damit ich es nicht vergesse.
Tatsächlich schreibe ich viel am Handy in den Notizen, weil ich das im Alltag einfach immer dabei habe und bringe das dann später in »Schönform« am Laptop.
Auf Kommando kreativ sein ist für mich sehr schwierig, oft überrollen mich Szenen und Ideen in den unpassendsten Momenten :D die Reime für »Aufregung im Zwergendorf« kamen mir zum Beispiel um drei Uhr morgens, als ich im Bett lag und partout nicht einschlafen konnte. Am nächsten Tag war ich dementsprechend müde, aber hey, ich hatte die Geschichte für ein Bilderbuch! :D
Mit welchem deiner Bücher sollte man beginnen?
Wenn man dem Alter nach geht, mit dem Bilderbuch »Aufregung im Zwergendorf«, dann »Mera und das Herz des Waldes«, gefolgt von »Mera und die Farben des Waldes« und dann das »Zwergenkompendium«, sowie meine diversen Kurzgeschichten.
Aber eine wirkliche Reihenfolge, aber dennoch kann man in allen Geschichten kleine Eastereggs zu den jeweils anderen finden, da ich großen Spaß daran habe mir ein eigenes Multiversum aufzubauen. So finden sich z.B. im Zwergenkompendium »Uppie-Wuppies« oder der Märchenerzähler Birk wieder, welche die Lesenden in »Mera und die Farben des Waldes« wieder treffen. In »Aufregung im Zwergendorf« verstecken sich Tirothemius & Mink in zwei der Illustrationen und es gibt einen Wegweiser, der nach Teichstadt und zu den Rumpelhöhlen weist, welche man in »Mera und das Herz des Waldes« besucht und in einer meiner Kurzgeschichten, die in der Anthologie »Ignis Lucidus« beim Carpathia Verlag erschienen ist, lernt man die Protagonistin meines aktuellen Projektes kennen.
Wer neugierig ist, kann hier mehr über Maya erfahren:
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Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.