Dienstag, 11. August 2026

C240042C "Flucht.Punkt"

Was ist es, was die Menschen zusammenhält und was lässt sie auseinanderdriften?
Die Welt in ein paar Jahrzehnten.
Während Kanada und Amerika den technischen Fortschritt feiern, wendet sich Europa einer neuen, allumfassenden Religion zu.
Wie kam es dazu, dass sich die beiden Kontinente so unterschiedlich entwickelten?

Hauptsächlich aus der Perspektive von Jason, Derya, Marie und Jan wird erzählt, wie zum einen die Spiegelung entwickelt und zum anderen der Wunsch nach einem allumfassenden Glauben genährt wurde. Denn allen war in der Ausgangslage klar, so wie die Welt jetzt ist, kann sie nicht bleiben. Klimaerwärmung, Hass, Völkerwanderungen und politische Dispute, all das galt es zu lösen und für die Menschen ein neues Gefühl von Zusammenhalt und Stärke zu generieren. 

Doch wie bündelt man die Interessen von Millionen von Menschen? Und wie garantiert man, dass die Entwicklungen so weitergeführt werden, wie man sie einst geplant hatte?

Die Kapitel sind kurz gehalten und wechseln sowohl zwischen den Protagonisten als auch in den einem Zeitrahmen von sechzig Jahren hin und her. Was sich im ersten Moment sehr kompliziert anhört, greift mit jedem weiteren Kapitel weiter ineinander. Die Handlung und die Konsequenzen breiten sich wie ein Fächer vor dem Leser aus und mit jeder Seite erkennt man: Auch ein guter Ursprungsgedanke kann instrumentalisiert werden. Sobald die Schöpfer sich mit anderen zu einer Arbeitsgemeinschaft verbinden, verändert sich die Idee, wird beeinflusst und weicht von dem ursprünglichen Konzept ab.

Man muss das Buch mit Konzentration und voller Aufmerksamkeit lesen, will man allen Querverbindungen des Autoren gerecht werden. Wie beim einem großen Puzzle verstreut er die Informationen und Gedanken über die knapp 300 Seiten und zeigt, dass es nicht so einfach ist, Gutes zu tun. Ein Plan kann scheitern trotz der besten Voraussetzungen.

Ein Buch, das wachrüttelt und zeigt, dass es in der globalisierten Welt keine einfachen Lösungen mehr gibt!


5 von 5 Pergamenten

Montag, 10. August 2026

Makoto Yukimura "Vinland Saga 5"

Neben "Atelier of Witch Hat" ist über Umwege auch eine zweite Mangaserie bei mir auf dem SUB eingezogen. Während AoWH sich mit Zauberei, Büchern und verschiedenen Welten auseinandersetzt, mutet die "Vinland Saga" fast wie ein Geschichtsbuch im Mangaformat an.

Der fünfte Band ist wohl der bisher brutalste Band der Reihe. Im Zentrum steht immer noch der Konflikt um das Königkind und welche Vorteile sich die jeweiligen kriegerischen Parteien sich von ihm erwarten. Dabei sind Allianzen nicht dazu gedacht, auf ewig zu halten.
Gerade als es für Askeladd eng wird, zeigt er allen sein wahres, verräterisches Gesicht. Über Jahre hat er sich verstellt und den Retter in der vermeintlichen Not gespielt, doch damit ist es nun vorbei.

Und als ob das alles noch nicht genug ist, taucht gerade jetzt Thorkell auf und will ihm an den Kragen. Doch er hat den rachsüchtigen Thorfinn vergessen. Dieser konnte sich einige Zeit in sein Schicksal fügen, doch vergessen konnte und wollte er seines Vaters Mord nicht.

Spielte in den vorigen Bänden die Geschichte Englands und die Glaubensunterschiede eine Rolle, so ist es in diesem Band die Artus Sage, welcher in der Handlung Raum gegeben wird. Vermeintlich eingestreut, so ist aus dem Glossar ersichtlich, dass Askeladd ein Nachfahr sein soll. Eine Wendung, die seinen Größenwahn erklärt und zugleich unterstreicht.

Brutal und zugleich verwirrend beschreiben diesen Band am besten. Gerade weil es zwischen die Nordmänner zu zahlreichen Kämpfen kommt, ist man beim Lesen zeitweilig überfordert und frustriert. Die ähnliche Kleidung, das Aussehen und das Schwarz-Weiß tragen nicht dazu bei, die Truppen zu unterscheiden und so muss man etwas raten, wer nach den Kämpfen tot ist. Gleichfalls finde ich den Raub des Königskindes ein wenig in die Länge gezogen.


4 von 5 Drachenköpfen

Donnerstag, 6. August 2026

Alice Hoffmann "Die Schwestern vom Buchladen"

Isabel und Sophie haben Jahre nicht miteinander gesprochen, als Isabel eine Karte mit dem schlichten Wort "Hilfe" bekommt. Trotz all ihrer Zweifel, Ängste und auch ein bisschen Wut setzt sie sich sofort ins Auto und fährt zu ihrer Schwester.
Die Situation vor Ort ist eine ganz andere als gedacht und doch sind alle Gefühle mit einer Heftigkeit wieder da, die sie selbst nicht für möglich gehalten hätte.

Auf 46 Seiten erzählt die Autorin Alice Hoffmann die Geschichte von zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Natürlich gibt es zahlreiche solcher Geschichten, doch diese Erzählung zeichnet sich durch ihre Dichte und ihre Gefühle aus.

Atmosphärisch erzählt, mit den notwendigen Details gespickt, passiert in der Handlung alles recht schnell. Doch der angenehme Schreibstil und das Wissen um Beziehungen und deren Wechselwirkung auf das jeweilige Gemüt lassen den Text in die Seele fließen. Denn jeder Mensch hat den einen Menschen, den er sich wieder in seinem Leben wünscht.
Ein Buch über Neuanfänge, Beziehungen und das Wesentliche.

5 von 5 Buchläden

Mittwoch, 5. August 2026

Margaret Frazer "Die Novizin. Mord im Jahr des Herrn 1431"

Oxfordshire, anno domini 1431.
Warum Frauen ins Kloster gehen und vor allem, warum sie dort bleiben wollen, hat auch schon zu dieser Zeit sehr unterschiedliche Gründe. Thomasine ist im Kloster sehr glücklich, auch wenn die Aufgaben sie ihrer Meinung nach zu sehr vom Beten abhalten. Gerne würde sie den lieben langen Tag beten. Doch unvermittelt gastiert ihre Ziehtante im Kloster und will sie "aus dem Fängen" des Klosters befreien. Schwester Frevisse, die sich um die Gäste des Klosters kümmert, sieht sich einer Frau gegenüber, für die der Ausdruck toben erfunden sein könnte. Sie wütet, beschimpft, bis sie erschöpft zusammenbricht. Während Thomasine neben dem Bett ihrer Tante betet, überschlagen sich die Ereignisse: Drei Tote und Thomasine ist in den Augen des Coroners die Mörderin.
Schwester Frevisse muss sich auf einmal nicht nur um die Gäste bemühen, sondern auch darum den Ruf des Klosters zu schützen.

Historische Krimis funktionieren ein wenig anders als Krimis, die in der Gegenwart spielen. Die Autorin kann nicht voraussetzen, dass sich der Leser in der Zeit auskennt. So muss sie im Vorfeld festlegen, welche Dinge sie nutzen und erklären will und welche als gegeben vorausgesetzt wird. Das Setting in Oxforshire, die Beschreibung des Klosters und die nach und nach einfließenden Erklärungen des Tagesablaufs sind gut gestaltet. Auch wird gut beschrieben, wie ein Kloster sein Geld generiert und was die Aufgaben der einzelnen sind. Der allgemeine geschichtliche Hintergrund bleibt ein wenig diffus, spielt aber auch für die Handlung nur eine untergeordnete Rolle. Der Krimi ist in meinen Augen solide. Gestaltet als klassisches Katz-und-Maus-Spiel wechseln die Motive, die Gelegenheiten und die Zeitpunkte freudig durcheinander, bis sich zum Schluss ein klärendes Bild ergibt.

Die Figur der Ermittlerin Frevisse ist für mich allerdings zu schwach gezeichnet. Da sie als Protagonistin fungiert, wechselt die Autorin viel zu häufig zu Novizin Thomasine und auch Schwester Claire. Schwester Frevisse schon zu diesem Zeitpunkt mit Miss Marple zu vergleichen, ist weit zu hoch gegriffen. Es ist schon möglich, dass sie sich zu so einem Charakter entwickelt, das müssen die Folgebände zeigen.

3,5 von 5 Klöstern

Samstag, 1. August 2026

Antoine Laurain "Fehlerhaft und wunderbar"

Benjamin kommt aus der Schule nach Hause und bringt eine schlechte Note im Diktat mit. Seine Eltern können es sich nicht vorstellen, wie ihr Sohn so eine schlechte Note bekommen kann und veranstalten ein weiteres Diktat. Mit vermeintlich schlechtem Ausgang. Bei den Erläuterungen und den Recherchen wird viel gelacht und der kurz bevorstehende Auszug des Vaters rückt im weite Ferne. Die Leichtigkeit und das Miteinander scheinen zurückgekehrt, doch das ist erst der Anfang.

Ich mag es, wenn Erzählungen einen wahren Kern haben. So setzt der Autor den berühmten Schriftsteller Prosper Mérimée, welchen man durch Carmen kennen könnte, neben den drei Protagonisten ins Zentrum der Geschichte. Denn sein Diktat ist es, welches die Erzählung trägt und ihr eine historische Tiefe gibt.

Die Erzählperspektive begleitet in dieser kurzen Geschichte viele Charaktere. Mal ist Benjamin, mal sind es seine Eltern und dann ist es der Mamas väterlicher Freund Jacques. Viele Ideen rund um Kultur, Lebensideen und Wünsche bekommt der Leser auf den 144 Seiten präsentiert, sodass die Erzählung freudig und eigentlich ohne große Konflikte vorangetrieben wird.

Und das ist die Stärke des Textes. So sehr sich einige mit dem Dictée de Mérimée abmühen, so freundschaftlich und zugetan sind die Gespräche. Sie bieten eine gewisse Leichtigkeit, die anderen Texten mit solcher Tiefe fehlt.

Ein Hoch auf die Kunst und ihre vielseitigen Daseinsformen.

5 von 5 Schreibfehlern

Freitag, 31. Juli 2026

Carsten Henn "Schascha und der Buchspazierer"

Eine Geschichte wirkt nicht nur durch ihren Inhalt sondern auch über ihre Erzählperspektive. Gedanken und Emotionen können besser mitgeteilt werden, wenn man den Charakter als Figur begleitet und nicht nur von außen auf ihn schaut.
Wie unterschiedlich eine Erzählung durch einen Perspektivwechsel wirken kann, sieht man bei "Der Buchspazierer" und "Schascha und der Buchspazierer".
Carsten Henn hat mit "Die goldene Schreibmaschine" gezeigt, dass er neben Krimis auch gute Kinderbücher schreiben kann.

Während "Der Buchspazierer" die Geschichte von Carl und seinen Wegen zu den Kunden erzählt, schlüpfen wir bei "Schascha" in die Kinderperspektive. Schascha hat über Abende hinweg den alten Mann mit seinem Rucksack beobachtet und fasst sich eines Tages ein Herz, um ihn anzusprechen. Seine zunächst ruppige Art schreckt sie nicht ab und so lernt sie all die Leser kennen, die man aus dem Buchspazierer kennen- und lieben gelernt hat. Da ich das Buch schon vor einiger Zeit gelesen habe, sind mir die Details nicht mehr gänzlich in Erinnerung, aber die Geschichte an sich ist dieselbe, aber für ein unterschiedliches Publikum.

Bei dieser Kinderausgabe stimmt auch einfach alles.
Die Geschichte, die schon vorher das Herz berührt hat, wurde vom Autor so bearbeitet, dass sie die Themen, die für Kinder wichtig sind, ansprechen. Was bedeutet es, anders zu sein als andere Kinder? Wie lebt es sich, wenn die Mutter schon früh gestorben ist? Wie schafft man es, sich als Kind zu behaupten?

Die vielen Charaktere sind dabei für die Leser Spiegelbilder und zeigen Eigenschaften, die entweder erstrebenswert und zu überdenken sind. Die Spaziergänge von Carl und Schascha bilden die Grundlage einer Freundschaft, die aus weit mehr Personen besteht.

Zugleich zeigt der Text auch, dass auch kleinere Menschen schon ganz viel erreichen können, wenn Erwachsene sie auch einmal lassen.

Ein Mut-Mach-Buch für alle kleinen und auch großen Leseratten und Bücherwürmer, für die Lesen ein wichtiger Baustein ist.

Wunderschön bebildert ist es ein Buch, was in jedes (Kinder)regal gehört.

5 von 5 Spaziergängen

Donnerstag, 30. Juli 2026

Autoreninterview R. M. Amerein

Hallo zusammen,
heute stelle ich euch eine Autorin vor, die schon seit ihrer Kindheit schreibt und uns heute in ihre eigenen Welten entführt. 

(Foto: R. M. Amerein (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Zuletzt wurde dein Sammelband »Roboter - Die Keld-Chroniken« erneut veröffentlicht. Wie kam es zu der Neuveröffentlichung und wie unterscheidet sie sich von der ersten Ausgabe?
Es handelt sich bei den Robotern um eine Trilogie. Die ersten beiden Teile wurden zunächst beim Atlantis-Verlag rausgebracht. Nachdem ich die Rechte zurückerhalten habe, beschloss ich, die Trilogie direkt als Sammelband zu veröffentlichen. Unter anderem traf ich diese Entscheidung, um weitere Wartezeiten auf den dritten Band zu vermeiden und um die Trilogie auch neuen Lesenden schneller zugänglich zu machen.

Inhaltlich unterscheidet sich die Geschichte nicht zu den Ausgaben des Atlantis-Verlags, mal abgesehen natürlich vom dritten Band, der vorher ja noch nicht erschienen war. Timo Kümmel hat schon die Coverbilder der ersten beiden Teile illustriert und für den Sammelband etwas an den Farben und der Schriftart gedreht. Das Cover des zweiten Bands ist auf der Rückseite der Printausgabe zu finden, außerdem sind Teilelemente der Illustrationen als Kapitelzierden ins Taschenbuch gewandert.

Worum geht es in den Chroniken?
Die Sonne des Planeten Keld erkrankte vor langer Zeit. Um sie herum hat sich ein schwarzer Ring gebildet, der sich immer weiter verdunkelte. Bald konnte keine Solarenergie mehr genutzt werden, was zu einer völlig neuen Weltordnung führte. Nicht nur für die Menschen, sondern auch für sämtliche Roboter und künstliche Intelligenzen, die zu dem Zeitpunkt bereits ein fester Teil der Gemeinschaft waren. Ihre Existenzen waren wie die eines natürlichen Lebewesens anerkannt. Nun schalteten sie sich ab, da ihnen die Energiezufuhr fehlte – es war ein reines Massensterben.

Die Menschen suchten nach Lösungen, sie wieder zu aktivieren. Letztlich baute man sie so um, dass sie ihre Energie aus Biomasse ziehen können. Außerdem wurde ein Koexistenz-Vertrag erarbeitet, damit der Planet dadurch keinen Kollaps erleidet und auch die Menschen geschützt wurden. Man hoffte, es würde nur eine vorübergehende Lösung sein und die Sonne wieder gesunden.

Zu dem Zeitpunkt, an dem die Handlung ansetzt, sind seit diesen Ereignissen schon viele Jahrzehnte vergangen. Die Menschen sind in ein urtümlicheres Leben zurückgekehrt und die Roboter haben sich in Kasten aufgeteilt, um verschiedene Aufgaben für die Gemeinschaft zu erfüllen. An die Lösung des Sonnenproblems glaubt aber so gut wie niemand mehr.

Riesige Biotope sollen die Biosphäre des Planeten am Leben erhalten. Dort gelten strenge Regeln. In eine dieser Anlagen geht der Robotersöldner Smoke und bekommt von der Forscherkaste den Auftrag, ein Menschenkind namens Kaia zu finden. Kurz nachdem er es aufgespürt hat, wird das Biotop angegriffen, und erneut droht sich die Weltordnung zu verändern.

Einen Überarbeitungsprozess stelle ich mir schwierig vor. Wie planst du einen solchen und was ist der Unterschied zu einem neuen Text?
Bei einem neuen Text schreibe ich meistens einfach drauf los. Es geht vor allem darum, ein Grundgerüst zu haben, an dem ich später ordentlich feilen kann – und muss. Dazu sind mehrere Durchgänge nötig und bei jedem konzentriere ich mich auf etwas anderes: Stil und Formulierungen, Beschreibungen, inhaltliche Patzer, Füllwörter etc. Die Überarbeitungsphase ist sehr anstrengend, doch sie lohnt sich. Am Ende kann ich manchmal kaum glauben, dass der Text von mir ist – ohne jetzt eingebildet klingen zu wollen. Aber es ist superfaszinierend, wie viel man aus der Rohfassung rausholen kann.

Wenn du ein neues Projekt anfängst, wie sehr strukturierst du es? Ist vieles von Anfang an festgelegt oder lässt du dich auch ab und zu treiben?
Das ist tatsächlich von Buch zu Buch unterschiedlich. Meistens habe ich aber zumindest das Worldbuilding grob ausgearbeitet und ein paar Ideen, wohin die Geschichte gehen könnte. Ich lasse genug Raum für die Charaktere und spontane Entwicklungen. So kam es schon öfter vor, dass ich selbst völlig überrascht von einem Plot-Twist war und mit den Protagonisten zusammen nach Lösungen suchen musste.

Was bedeutet Schreiben für dich?
Schreiben ist für mich überlebenswichtig. Habe ich einen Tag nicht geschrieben, werde ich ganz unruhig. Es ist seit meiner Kindheit eine der wichtigsten Formen, mich auszudrücken und meiner Fantasie und Kreativität Raum zu geben. Mittlerweile verarbeite ich auch vieles durch das Schreiben, sei es Privates oder das Weltgeschehen.

Es bedeutet mir die Welt, wenn ich durch meine Geschichten andere Menschen berühre, ihnen die Möglichkeit gebe, abzutauchen und mitzufiebern. Das ist der Hauptgrund, aus dem ich nicht mehr für die Schublade schreibe und meinen Traum wahrwerden ließ.

Wie beeinflussen deine anderen Hobbies das Schreiben?
Ich bin eine Person, die sich für ziemlich viel begeistern kann. Das spiegelt sich auch in meinen Geschichten wider, da ich einige Themengebiete dort einfließen lasse. Das Schreiben hat mich aber auch schon dazu gebracht, Dinge, die ich längst mal ausprobieren wollte, endlich anzugehen. Manchmal erst aus Recherchezwecken, aber ich bin teilweise auch bei den Hobbys geblieben. Ich glaube, mein Hobby-Konstrukt baut aufeinander auf und greift gut ineinander – zumindest meistens. Hin und wieder blockiere ich mich mit meinen ganzen Interessen allerdings, wodurch dann z. B. das Schreiben zu kurz kommen kann.

Woran arbeitest du zur Zeit?
Ich habe dieses Jahr den Auftakt zu einer neuen Reihe beendet. Dinosaurier spielen eine große Rolle und ich bewege mich in dieser Welt mal wieder im Bereich der Science Fantasy. Ich weiß noch nicht genau, wann die Reihe erscheinen wird und wie viele Bände sie umfassen wird, aber ich hoffe, bald mehr dazu berichten zu können.

Wer neugierig ist, kann hier mehr über R. M. Amerein erfahren:
instagram.com/rm_amerein/
tintenfass.info/ueber-mich/

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Mittwoch, 29. Juli 2026

Hans Peter Roentgen "Sherlock, Watson und eine KI, die fremdgeht"

Sherlock und Watson.
Bekannt, aber doch ganz anders. Denn es ist nicht "der" Sherlock, obwohl er auch ein Detektiv ist. Und es ist nicht "der" Watson, denn er ist kein Mensch und zudem Sherlocks Butler.
In einem Institut verschwinden Daten, einer Frau wurde zuvor gekündigt, jetzt ist sie tot.
Warum? Das ist die Aufgabe von Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Polizisten in dieser alternativen Welt um Sherlock und Watson. Doch bei diesen Unstimmigkeiten bleibt es nicht und der Leser wird zunehmend auf eine falsche Fährte gelockt, die wenig Böses auslässt.

Wie würde eine Welt von Sherlock aussehen, wenn man sie aus dem viktorianischen Setting nimmt und sie in eine andere Welt platziert? Hans Peter Roentgen wagte den Versuch. Neben dem Setting änderte er ebenfalls das Genre und wechselt von der klassischen Detektivgeschichte in einen Noir Crime. Dieser Wechsel trägt sehr zum Stil bei und verschärft auch die Unterschiede zu den klassischen Texten.

Doch die Charaktere und das Setting sind nur die eine Seite der Medaille, wenn es um eine gute Geschichte geht. Eingespeiste Gehirne, Humanoide, die als Personal sehr dem der viktorianischen Zeit gleichen, Aufruhr im Staat und nahezu vollständige Überwachung erinnern an bekannte Dystopien.

Er zeigt, dass Charaktere aus ihrer Zeit wachsen können, wenn man sie richtig adaptiert und doch bleibt es eine Geschmacksfrage, wie einem der Transfer gefällt.

An manchen Stellen habe ich gestutzt und mir etwas mehr Klarheit gewünscht, denn auf knapp 280 Seiten fährt der Autor schon sehr viel auf, was das Buch ein bisschen überfrachtet.

Der Kerngedanke über die KI und auch der Umgang mit dem Sherlock der Zukunft sind gut gelöst. Sie lassen die Geschichte noch ein wenig nachhallen, denn vieles scheint nicht unwahrscheinlich.

3,5 von 5 Detektiven 

Dienstag, 28. Juli 2026

Makoto Yukimura "Vinland Saga 4"

Neben "Atelier of Witch Hat" ist über Umwege auch ein zweite Mangaserie bei mir auf dem SUB eingezogen. Während AoWH sich mit Zauberei, Büchern und verschiedenen Welten auseinandersetzt, mutet die "Vinland Saga" fast wie ein Geschichtsbuch im Mangaformat an.

Der vierte Band schließt nahtlos an den dritten an. Auf der Suche nach dem entscheidenden Vorteil streicht Askeladd Richtung Wales und entdeckt dabei den Prinzen Knut und seinen Gefolgsmann Ragnar. Seltsam mutet der Prinz an und Askeladd sieht in ihm nicht den Führer, den andere in ihm erwarten. Doch während es oft so scheint, als wären die Dänen auf einer Seite, tun sich in Wales Abgründe auf. Es zeigt sich, niemand kennt den anderen richtig und Verrat ist nur eine Frage der Zeit und der daraus resultierenden Macht.

Neben den üblichen Konflikten spielen dieses Mal auch die Jahreszeiten eine bedeutende Rolle, denn was passiert, wenn Krieger hungern? Richtig, sie können nicht mehr richtig kämpfen. Christen werden als Menschen zweiter Klasse gesehen und so ist es an dem, dass sie sich für ein größeres Ziel zu opfern haben. Gegen ihren Willen.

In diesem Band geht es weniger um den Kampf ansich. Es dreht sich viel mehr um Politik und wie der Stärkere den Schwächeren ausbeutet. Gerissenheit wird groß geschrieben und man lernt, viele Probleme haben nichts mit der Nationalität sondern mit dem Ego, dass vereinzelte Protagonisten vor sich her tragen, zu tun.

Gerade dieser Band zeigt, wie wenig sich unsere Kulturen im Punkt von Vorteilsnahme und Egoismus geändert haben.

Für mich ist dies der bisher beste Band der Reihe.

5 von 5 Drachenköpfen

Samstag, 25. Juli 2026

Katharina Schendel "Cornwall Crimes - Das Rätsel von St. Florence"

Einige Meilen von London entfernt befindet sich die Abtei St. Florence. Eine beschauliche Zuflucht für Frauen, die ihr Leben der Heiligen Mordred widmen wollen. Doch der Frieden der Abtei wird nicht nur durch das Bellen des abteieigenen Hundes und das Gackern der eigenen Gans gestört. Vielmehr hat es der neue Reverend auf die drei Nonnen abgesehen. Bei einem Volksfest, auf dem sie ihren Melissengeist verkaufen, bricht eine Kundin nach einem Schluck zusammen und die Ruhe in der einsamen Abtei ist gestört. Als es zu dem ersten Toten kommt, vermutet auch die Polizei, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht und nimmt die Nonnen aufs Korn.

Mit seinen Vergleichen zu anderen Krimiklassikern erwartet man am Anfang eine andere Art Krimi, denn die Vergleiche beziehen sich auf Größen wie Agatha Christie und G. K. Chesterton.Daher betrübt es, wenn der Krimi sich als cosy crime entpuppt und wenig von den Rätseln der Klassiker hat.
Hat man den Gedanken überwunden, ist es ein guter cosy crime, der mit einem kleinen Dorf und zynischen Bewohnern daherkommt. Eingebettet in die englische Countryside sieht man förmlich die Szenerie vor dem geistigen Auge auferstehen und lässt sich in die Geschichte ziehen.
Ein Geist, ein Turm, abteieigene Tiere, die Stimmungen wahrnehmen, dazu drei Nonnen, die sich durch ihre Unterschiedlichkeit gut ergänzen. Abgerundet wird das Ganze durch einen Mann, der verwundet am Kloster auftauchen und von einer Verschwörung faselt.

Für Fans von M.C. Beaton eine gelungene Abwechslung.

3,5 von 5 Abteien