Freitag, 31. Juli 2026

Carsten Henn "Schascha und der Buchspazierer"

Eine Geschichte wirkt nicht nur durch ihren Inhalt sondern auch über ihre Erzählperspektive. Gedanken und Emotionen können besser mitgeteilt werden, wenn man den Charakter als Figur begleitet und nicht nur von außen auf ihn schaut.
Wie unterschiedlich eine Erzählung durch einen Perspektivwechsel wirken kann, sieht man bei "Der Buchspazierer" und "Schascha und der Buchspazierer".
Carsten Henn hat mit "Die goldene Schreibmaschine" gezeigt, dass er neben Krimis auch gute Kinderbücher schreiben kann.

Während "Der Buchspazierer" die Geschichte von Carl und seinen Wegen zu den Kunden erzählt, schlüpfen wir bei "Schascha" in die Kinderperspektive. Schascha hat über Abende hinweg den alten Mann mit seinem Rucksack beobachtet und fasst sich eines Tages ein Herz, um ihn anzusprechen. Seine zunächst ruppige Art schreckt sie nicht ab und so lernt sie all die Leser kennen, die man aus dem Buchspazierer kennen- und lieben gelernt hat. Da ich das Buch schon vor einiger Zeit gelesen habe, sind mir die Details nicht mehr gänzlich in Erinnerung, aber die Geschichte an sich ist dieselbe, aber für ein unterschiedliches Publikum.

Bei dieser Kinderausgabe stimmt auch einfach alles.
Die Geschichte, die schon vorher das Herz berührt hat, wurde vom Autor so bearbeitet, dass sie die Themen, die für Kinder wichtig sind, ansprechen. Was bedeutet es, anders zu sein als andere Kinder? Wie lebt es sich, wenn die Mutter schon früh gestorben ist? Wie schafft man es, sich als Kind zu behaupten?

Die vielen Charaktere sind dabei für die Leser Spiegelbilder und zeigen Eigenschaften, die entweder erstrebenswert und zu überdenken sind. Die Spaziergänge von Carl und Schascha bilden die Grundlage einer Freundschaft, die aus weit mehr Personen besteht.

Zugleich zeigt der Text auch, dass auch kleinere Menschen schon ganz viel erreichen können, wenn Erwachsene sie auch einmal lassen.

Ein Mut-Mach-Buch für alle kleinen und auch großen Leseratten und Bücherwürmer, für die Lesen ein wichtiger Baustein ist.

Wunderschön bebildert ist es ein Buch, was in jedes (Kinder)regal gehört.

5 von 5 Spaziergängen

Donnerstag, 30. Juli 2026

Autoreninterview R. M. Amerein

Hallo zusammen,
heute stelle ich euch eine Autorin vor, die schon seit ihrer Kindheit schreibt und uns heute in ihre eigenen Welten entführt. 

(Foto: R. M. Amerein (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Zuletzt wurde dein Sammelband »Roboter - Die Keld-Chroniken« erneut veröffentlicht. Wie kam es zu der Neuveröffentlichung und wie unterscheidet sie sich von der ersten Ausgabe?
Es handelt sich bei den Robotern um eine Trilogie. Die ersten beiden Teile wurden zunächst beim Atlantis-Verlag rausgebracht. Nachdem ich die Rechte zurückerhalten habe, beschloss ich, die Trilogie direkt als Sammelband zu veröffentlichen. Unter anderem traf ich diese Entscheidung, um weitere Wartezeiten auf den dritten Band zu vermeiden und um die Trilogie auch neuen Lesenden schneller zugänglich zu machen.

Inhaltlich unterscheidet sich die Geschichte nicht zu den Ausgaben des Atlantis-Verlags, mal abgesehen natürlich vom dritten Band, der vorher ja noch nicht erschienen war. Timo Kümmel hat schon die Coverbilder der ersten beiden Teile illustriert und für den Sammelband etwas an den Farben und der Schriftart gedreht. Das Cover des zweiten Bands ist auf der Rückseite der Printausgabe zu finden, außerdem sind Teilelemente der Illustrationen als Kapitelzierden ins Taschenbuch gewandert.

Worum geht es in den Chroniken?
Die Sonne des Planeten Keld erkrankte vor langer Zeit. Um sie herum hat sich ein schwarzer Ring gebildet, der sich immer weiter verdunkelte. Bald konnte keine Solarenergie mehr genutzt werden, was zu einer völlig neuen Weltordnung führte. Nicht nur für die Menschen, sondern auch für sämtliche Roboter und künstliche Intelligenzen, die zu dem Zeitpunkt bereits ein fester Teil der Gemeinschaft waren. Ihre Existenzen waren wie die eines natürlichen Lebewesens anerkannt. Nun schalteten sie sich ab, da ihnen die Energiezufuhr fehlte – es war ein reines Massensterben.

Die Menschen suchten nach Lösungen, sie wieder zu aktivieren. Letztlich baute man sie so um, dass sie ihre Energie aus Biomasse ziehen können. Außerdem wurde ein Koexistenz-Vertrag erarbeitet, damit der Planet dadurch keinen Kollaps erleidet und auch die Menschen geschützt wurden. Man hoffte, es würde nur eine vorübergehende Lösung sein und die Sonne wieder gesunden.

Zu dem Zeitpunkt, an dem die Handlung ansetzt, sind seit diesen Ereignissen schon viele Jahrzehnte vergangen. Die Menschen sind in ein urtümlicheres Leben zurückgekehrt und die Roboter haben sich in Kasten aufgeteilt, um verschiedene Aufgaben für die Gemeinschaft zu erfüllen. An die Lösung des Sonnenproblems glaubt aber so gut wie niemand mehr.

Riesige Biotope sollen die Biosphäre des Planeten am Leben erhalten. Dort gelten strenge Regeln. In eine dieser Anlagen geht der Robotersöldner Smoke und bekommt von der Forscherkaste den Auftrag, ein Menschenkind namens Kaia zu finden. Kurz nachdem er es aufgespürt hat, wird das Biotop angegriffen, und erneut droht sich die Weltordnung zu verändern.

Einen Überarbeitungsprozess stelle ich mir schwierig vor. Wie planst du einen solchen und was ist der Unterschied zu einem neuen Text?
Bei einem neuen Text schreibe ich meistens einfach drauf los. Es geht vor allem darum, ein Grundgerüst zu haben, an dem ich später ordentlich feilen kann – und muss. Dazu sind mehrere Durchgänge nötig und bei jedem konzentriere ich mich auf etwas anderes: Stil und Formulierungen, Beschreibungen, inhaltliche Patzer, Füllwörter etc. Die Überarbeitungsphase ist sehr anstrengend, doch sie lohnt sich. Am Ende kann ich manchmal kaum glauben, dass der Text von mir ist – ohne jetzt eingebildet klingen zu wollen. Aber es ist superfaszinierend, wie viel man aus der Rohfassung rausholen kann.

Wenn du ein neues Projekt anfängst, wie sehr strukturierst du es? Ist vieles von Anfang an festgelegt oder lässt du dich auch ab und zu treiben?
Das ist tatsächlich von Buch zu Buch unterschiedlich. Meistens habe ich aber zumindest das Worldbuilding grob ausgearbeitet und ein paar Ideen, wohin die Geschichte gehen könnte. Ich lasse genug Raum für die Charaktere und spontane Entwicklungen. So kam es schon öfter vor, dass ich selbst völlig überrascht von einem Plot-Twist war und mit den Protagonisten zusammen nach Lösungen suchen musste.

Was bedeutet Schreiben für dich?
Schreiben ist für mich überlebenswichtig. Habe ich einen Tag nicht geschrieben, werde ich ganz unruhig. Es ist seit meiner Kindheit eine der wichtigsten Formen, mich auszudrücken und meiner Fantasie und Kreativität Raum zu geben. Mittlerweile verarbeite ich auch vieles durch das Schreiben, sei es Privates oder das Weltgeschehen.

Es bedeutet mir die Welt, wenn ich durch meine Geschichten andere Menschen berühre, ihnen die Möglichkeit gebe, abzutauchen und mitzufiebern. Das ist der Hauptgrund, aus dem ich nicht mehr für die Schublade schreibe und meinen Traum wahrwerden ließ.

Wie beeinflussen deine anderen Hobbies das Schreiben?
Ich bin eine Person, die sich für ziemlich viel begeistern kann. Das spiegelt sich auch in meinen Geschichten wider, da ich einige Themengebiete dort einfließen lasse. Das Schreiben hat mich aber auch schon dazu gebracht, Dinge, die ich längst mal ausprobieren wollte, endlich anzugehen. Manchmal erst aus Recherchezwecken, aber ich bin teilweise auch bei den Hobbys geblieben. Ich glaube, mein Hobby-Konstrukt baut aufeinander auf und greift gut ineinander – zumindest meistens. Hin und wieder blockiere ich mich mit meinen ganzen Interessen allerdings, wodurch dann z. B. das Schreiben zu kurz kommen kann.

Woran arbeitest du zur Zeit?
Ich habe dieses Jahr den Auftakt zu einer neuen Reihe beendet. Dinosaurier spielen eine große Rolle und ich bewege mich in dieser Welt mal wieder im Bereich der Science Fantasy. Ich weiß noch nicht genau, wann die Reihe erscheinen wird und wie viele Bände sie umfassen wird, aber ich hoffe, bald mehr dazu berichten zu können.

Wer neugierig ist, kann hier mehr über R. M. Amerein erfahren:
instagram.com/rm_amerein/
tintenfass.info/ueber-mich/

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Mittwoch, 29. Juli 2026

Hans Peter Roentgen "Sherlock, Watson und eine KI, die fremdgeht"

Sherlock und Watson.
Bekannt, aber doch ganz anders. Denn es ist nicht "der" Sherlock, obwohl er auch ein Detektiv ist. Und es ist nicht "der" Watson, denn er ist kein Mensch und zudem Sherlocks Butler.
In einem Institut verschwinden Daten, einer Frau wurde zuvor gekündigt, jetzt ist sie tot.
Warum? Das ist die Aufgabe von Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Polizisten in dieser alternativen Welt um Sherlock und Watson. Doch bei diesen Unstimmigkeiten bleibt es nicht und der Leser wird zunehmend auf eine falsche Fährte gelockt, die wenig Böses auslässt.

Wie würde eine Welt von Sherlock aussehen, wenn man sie aus dem viktorianischen Setting nimmt und sie in eine andere Welt platziert? Hans Peter Roentgen wagte den Versuch. Neben dem Setting änderte er ebenfalls das Genre und wechselt von der klassischen Detektivgeschichte in einen Noir Crime. Dieser Wechsel trägt sehr zum Stil bei und verschärft auch die Unterschiede zu den klassischen Texten.

Doch die Charaktere und das Setting sind nur die eine Seite der Medaille, wenn es um eine gute Geschichte geht. Eingespeiste Gehirne, Humanoide, die als Personal sehr dem der viktorianischen Zeit gleichen, Aufruhr im Staat und nahezu vollständige Überwachung erinnern an bekannte Dystopien.

Er zeigt, dass Charaktere aus ihrer Zeit wachsen können, wenn man sie richtig adaptiert und doch bleibt es eine Geschmacksfrage, wie einem der Transfer gefällt.

An manchen Stellen habe ich gestutzt und mir etwas mehr Klarheit gewünscht, denn auf knapp 280 Seiten fährt der Autor schon sehr viel auf, was das Buch ein bisschen überfrachtet.

Der Kerngedanke über die KI und auch der Umgang mit dem Sherlock der Zukunft sind gut gelöst. Sie lassen die Geschichte noch ein wenig nachhallen, denn vieles scheint nicht unwahrscheinlich.

3,5 von 5 Detektiven 

Dienstag, 28. Juli 2026

Makoto Yukimura "Vinland Saga 4"

Neben "Atelier of Witch Hat" ist über Umwege auch ein zweite Mangaserie bei mir auf dem SUB eingezogen. Während AoWH sich mit Zauberei, Büchern und verschiedenen Welten auseinandersetzt, mutet die "Vinland Saga" fast wie ein Geschichtsbuch im Mangaformat an.

Der vierte Band schließt nahtlos an den dritten an. Auf der Suche nach dem entscheidenden Vorteil streicht Askeladd Richtung Wales und entdeckt dabei den Prinzen Knut und seinen Gefolgsmann Ragnar. Seltsam mutet der Prinz an und Askeladd sieht in ihm nicht den Führer, den andere in ihm erwarten. Doch während es oft so scheint, als wären die Dänen auf einer Seite, tun sich in Wales Abgründe auf. Es zeigt sich, niemand kennt den anderen richtig und Verrat ist nur eine Frage der Zeit und der daraus resultierenden Macht.

Neben den üblichen Konflikten spielen dieses Mal auch die Jahreszeiten eine bedeutende Rolle, denn was passiert, wenn Krieger hungern? Richtig, sie können nicht mehr richtig kämpfen. Christen werden als Menschen zweiter Klasse gesehen und so ist es an dem, dass sie sich für ein größeres Ziel zu opfern haben. Gegen ihren Willen.

In diesem Band geht es weniger um den Kampf ansich. Es dreht sich viel mehr um Politik und wie der Stärkere den Schwächeren ausbeutet. Gerissenheit wird groß geschrieben und man lernt, viele Probleme haben nichts mit der Nationalität sondern mit dem Ego, dass vereinzelte Protagonisten vor sich her tragen, zu tun.

Gerade dieser Band zeigt, wie wenig sich unsere Kulturen im Punkt von Vorteilsnahme und Egoismus geändert haben.

Für mich ist dies der bisher beste Band der Reihe.

5 von 5 Drachenköpfen

Samstag, 25. Juli 2026

Katharina Schendel "Cornwall Crimes - Das Rätsel von St. Florence"

Einige Meilen von London entfernt befindet sich die Abtei St. Florence. Eine beschauliche Zuflucht für Frauen, die ihr Leben der Heiligen Mordred widmen wollen. Doch der Frieden der Abtei wird nicht nur durch das Bellen des abteieigenen Hundes und das Gackern der eigenen Gans gestört. Vielmehr hat es der neue Reverend auf die drei Nonnen abgesehen. Bei einem Volksfest, auf dem sie ihren Melissengeist verkaufen, bricht eine Kundin nach einem Schluck zusammen und die Ruhe in der einsamen Abtei ist gestört. Als es zu dem ersten Toten kommt, vermutet auch die Polizei, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht und nimmt die Nonnen aufs Korn.

Mit seinen Vergleichen zu anderen Krimiklassikern erwartet man am Anfang eine andere Art Krimi, denn die Vergleiche beziehen sich auf Größen wie Agatha Christie und G. K. Chesterton.Daher betrübt es, wenn der Krimi sich als cosy crime entpuppt und wenig von den Rätseln der Klassiker hat.
Hat man den Gedanken überwunden, ist es ein guter cosy crime, der mit einem kleinen Dorf und zynischen Bewohnern daherkommt. Eingebettet in die englische Countryside sieht man förmlich die Szenerie vor dem geistigen Auge auferstehen und lässt sich in die Geschichte ziehen.
Ein Geist, ein Turm, abteieigene Tiere, die Stimmungen wahrnehmen, dazu drei Nonnen, die sich durch ihre Unterschiedlichkeit gut ergänzen. Abgerundet wird das Ganze durch einen Mann, der verwundet am Kloster auftauchen und von einer Verschwörung faselt.

Für Fans von M.C. Beaton eine gelungene Abwechslung.

3,5 von 5 Abteien

Dienstag, 21. Juli 2026

Tessa Hansen "Adalina und die Liebe zu den Büchern"

Viele der kleinen Dörfer in der süditalienischen Basilicata haben ein Problem: Sie sind einsam. Selten verirren sich Touristen in die Dörfer und somit wandert die Bevölkerung seit den 1970er Jahren ab. Besonders die Kinder leiden unter dieser Situation. Die Schulen werden kleiner oder schließen, die Eltern haben kaum Zeit, da viele in der Landwirtschaft tätig sind.
Als Adalina nach Jahren in Pisa zurückkommt, sieht sie den Stern ihrer Kindheit in der Garage stehen: das Bibliomotocarro. Neugierig forscht sie nach, warum es nicht mehr zum Einsatz kommt und es entspinnt sich eine Geschichte über Freundschaft, Bücherliebe und dem berühmten Ankommen im Leben.

Das "Bibliomotocarro" und sein Besitzer Antonio La Cava dürften einigen aus der Fernsehdokumentation "Wo Bücher die Welt bedeuten" bekannt sein. Im Nachwort erklärt die Autorin, dass sie den "echten" Antonio kennenlernen und auf seiner Tour begleiten durfte, was man ihrem Text an vielen Stellen anmerkt.
Realität und Fiktion verschwimmen an vielen Punkten in dem Buch und machen es so greifbar, dass man die Musik und das Kindergeschrei hört, wenn der Maestro in ein Dorf kommt.

Die Autorin webt die Geschichte von Adalina, sie hat früher selbst das Bibliomotocarro jede Woche herbeigesehnt, und das Tagebuch von Antonio La Cava zu einer wundervollen Erzählung. Adalina, selbst Autorin mit einer momentanen Schreibblockade, versucht durch ihre Vergangenheit zu einem neuen Plot zu gelangen und erklärt dem Leser dabei, wie man ein Buch schreibt. Ein kleiner Schreibratgeber für zwischendurch sozusagen.
Immer im Wechsel erfährt über das Tagebuch, wie der Wunsch nach einer fahrenden Bibliothek in Antonio reifte, und mit Adalina erlebt man, was es heißt im Alter seinen Traum ziehen lassen zu müssen.
Emotionen werden bei diesem Buch groß geschrieben, doch sie sind immer herzlich, ohne dabei kitschig zu werden.
Man fiebert mit allen Figuren mit und will eigentlich nicht, dass das Buch endet. Zu schön ist der Gedanke, dass Bücher so vielen Menschen Glück bescheren können.

Eine Ode an das Buch und die Freundschaft.

5 von 5 rollenden Bibliotheken

Samstag, 18. Juli 2026

Jo Fischler "Klein aber tot"

Der Schmierfink ist tot. Darüber ist in Knuffingen allerdings niemand wirklich traurig, denn besagter Schmierfink hat es sich mit fast allen verscherzt. Mit Beleidigungen und mehr warf der Tote um sich und die Anzahl der Verdächtigen ist enorm. Selbst die Mutter von Polizist Wunder gehört zu den Verdächtigten. Doch nach und nach verschwinden diese und der Ermittler weiß zunehmend nicht mehr, wie er seine Befragungen durchführen soll, wenn doch keiner mehr da ist.

Knuffingen, ein Ort im Miniatur Wunderland. Ein Setting, welches viele schon einmal gesehen haben dürften, wenn sie in Hamburg waren. Die vielen kleinen Welten, in denen Eisbahnen umherfahren und in denen kleine Szenen arrangiert sind. Nun eben dieser Mordfall. Er wird erzählt wie jeder andere und man muss sich immer wieder bewusst machen, dass man sich in dieser kleinen Welt befindet, da man es dem Schreibstil nicht anmerkt. Ein Ermittler, eine Bäckerei, ein Blumenladen, ein Anwesen und ein Chef, der nie da ist. Hört sich bekannt an? Eben. Knuffingen könnte überall sein und das macht die Protagonisten auch so sympathisch. 
Der Fall selbst ist gut aufgebaut und zeigt die vielen Facetten der menschlichen Natur: Neid, Eifersucht und Gier. Und er führt den Leser das ein oder andere Mal gut hinters Licht. 
Ein gelungener Kriminalfall, der die Kleinen ganz groß wirken lässt.

4 von 5 Schmierfinken

Mittwoch, 15. Juli 2026

Schwäbe_Pointecker (Hrsg) "Zu den Wurzeln - Eine Planthologie"

Leise rascheln die Blätter, als sich eine ganz besondere Anthologie auf meinem Ebook-Reader und auch in meinem Kopf verpflanzt.
"Zu den Wurzeln" ist eine Planthologie und, soweit mir es bekannt ist, die erste Anthologie, die sich nur mit Pflanzen beschäftigt.
Während im Solarpunk Pflanzen auch eine größere Rolle spielen können, hat der Verlag ohneohren bei dieser Geschichtensammlung die Pflanzen ins Zentrum gesetzt.

Mit sechzehn Erzählungen rund um Pflanzen auf der Erde, auf dem Mars, in der nahen oder auch in der ferner Zukunft, holen die Schreibenden die Leser*innen im Hier und Jetzt ab.
Es geht um die Kommunikation zwischen Pflanze und KI, es dreht sich um die Bewirtschaftung von Feldern nach vermehrten Sonnenstürmen und saurem Regen.
Zwei Erzählungen stellen sich die Frage, ob es ein Mischwesen zwischen Mensch und Pflanzen geben könnte und welche Krankheiten damit einhergehen würden.

Die jeweiligen Geschichten werden eingeleitet mit Content Notes und einer individuellen Themenübersicht. Die Autor*innen verwenden zudem in ihren Texten viele Arten der Neopronomen.
Jede*r soll sich von diesem wichtigen Thema angesprochen fühlen und mit den Texten auseinandersetzen können.

Ein großes Lob über Geschichtenauswahl hinaus gilt den Herausgeberinnen. Sie haben die Erzählungen so schön arrangiert, dass man beim Lesen jede Emotion mindestens einmal durchlebt, aber niemals in einer verharrt. Eine Kunst, die gerne keimen darf.
Die Themen sind dabei so ausgewählt, dass es wenig inhaltliche Doppelungen gibt und mir nur eine Erzählung nicht gefallen hat.

Meine absoluten Highlights waren "Alfie" und "Die Dalonie".
In meinen Augen dürfen mehr solcher Geschichten kultivieren werden.

5 von 5 Setzlingen

Samstag, 11. Juli 2026

Stefanie Neeb "Copenhagen Cinnamon 2"

Warum Freja ausgerechnet mit Nicolaj zusammenarbeiten soll, ist ihr schleierhaft. Auch was Mads in seinem besten Freund sieht. Aber gut, sie will ihrer besten Freundin Jonna helfen und so greift sie Mads beim Aufbau seiner Bar marketingtechnisch unter die Arme. Dass sie nebenbei noch das riesige Projekt in New York stemmen und ihre Eltern beeindrucken muss, erleichtert die Sache nicht. Doch immer wieder geht ihr Nicolaj auf die Nerven und doch als es hart auf hart kommt, ist es gerade er, auf den sie sich verlassen kann.

Enemies to Lovers gibt es inzwischen einig, doch sind es besondere Bücher, die herausstechen. Denn wie schon in ihrem ersten Band hat Stefanie Neeb das Gespür für Gefühle, Zwischentöne und Ängste. Sowohl Freja als auch Nicolaj haben es in ihrer Vergangenheit nicht leicht gehabt, was sich bis in die heutige Zeit bemerkbar macht. Beide verstecken sich hinter Masken, die die Autorin glaubhaft konzipiert hat und deren Gründe nicht jeder zu wissen braucht. Doch genau diese Unnahbarkeit ist es, die diese Geschichte in weiten Teilen trägt. Missverständnisse, Vorurteile, Neid, all die negativen Seiten, die sich die Menschen ausdenken können, werden hier reflektiert und ins Gegenteil verkehrt. Geheimnisse kann man lüften und Ängste eindämmen, wenn man sich traut und wieder lernt zu vertrauen.
Genau wie der erste Band steht neben der eigentlichen Geschichte eine zweite, die den Leser motivieren soll, sein Leben und das Negative zu überdenken. Vieles lässt sich klären und zu schönerem wachsen lassen, wenn man mutig ist und die Chance dafür bekommt.

4 von 5 Cocktails

Mittwoch, 8. Juli 2026

metropolcon Berlin


Fünf Tage Berlin und wenn ich in mein Handy gucke, gibt es nur einzelne Beweise dafür.Denn auch wenn man es nicht glaubt, man hat kaum Zeit für Fotos.
Man ist vertieft in Gespräche, man lauscht den Panels oder lässt sich in der Situation einfach mal treiben. Vier Tage am Stand des Weltenportals haben gezeigt, es gibt wahrlich Interesse an dem gedruckten Wort und einem Magazin gibt, das sich als Grenzgänger zwischen den Genres sieht.
Neben schon bekannten Gesichtern, war es schön, auch einmal mit Menschen zu sprechen, die man bisher nur online kannte.
Die Lokation ist ein gar zauberhafter Ort, der auch die kreativen Energien wieder aufgeladen hat. So viele Gedanken und Erinnerungen sprudeln durch meinen Kopf, dass ich es kaum schaffe, sie zu sortieren und ihnen ihre Berechtigung zu geben.
Nebenbei hat das Weltenportal auch sein fünften Geburtstag gefeiert. Passend dazu ist eine Zusammenstellung aus den ersten sieben Ausgaben erschienen, die man neben dem Magazin erwerben kann. Die nächste Con in Dreieich steht im Oktober an. Und ganz vielleicht gibt es dann auch ein eigenes Buchprojekt.
Danke für die schönen Gespräche und danke an Chris, dass ich mitmachen darf.