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Montag, 16. Juni 2025

Nicholas Meyer "Sherlock Holmes und Sigmund Freud"


Wenn der größte Detektiv und der größte Therapeut des 19. Jahrhunderts aufeinandertreffen, kann das nur eine interessante Begegnung werden.Nicholas Meyer setzt in diesem Band auf Sherlock Holmes' Kokainsucht. Watson erzählt viele Jahre nach der Handlung, wie er es mit Mycroft vollbrachte, Holmes zu Freud zu locken. Denn die Geschehnisse um die Reichenbachfälle sind alle nur Fassade.In Wirklichkeit haben sie sich gar nicht zugetragen und Sherlock war zur Therapie. Natürlich nicht nur, denn er wäre nicht Sherlock Holmes, wenn es nicht auch ein Rätsel zu lösen gäbe. Und selbstverständlich hängt das Schicksal von Europa von der Lösung dieses Falles ab.Meyer bedient sich eines Sherlock Holmes', der seine Sucht auf Grund seiner Vergangenheit nicht im Griff hat, so deduziert es gegen Ende des Buches zumindest Sigmund Freud.
Seine Denkmaschinerie funktioniert einwandfrei, doch er darf eben nie nichts zu tun haben, sonst ...

Meyers Holmes ist in diesem Fall zerbrechlich und riskiert sein Leben, um ein anderes zu schützen. Dies gab es auch schon im originalen Kanon, doch wird es in diesem Band, gerade mit den Verfolgungsszenen, ein wenig auf die Spitze getrieben. Man hat manchmal das Gefühl, einen Hollywood-Film verschriftlicht zu lesen, als einen klassischen Kriminalfall zu ergründen.
Allein das Kräftemessen zwischen Holmes und Freud hätte gereicht, um dem Buch die Würze und auch die entsprechende Tiefe zu geben.
Interessant ist bei Meyer allerdings, wie er historische Fakten mit der Erzählung verwebt, um Holmes realistischer scheinen zu lassen. Eine gute Idee.

4 von 5 Reichenbachfällen

Mittwoch, 12. März 2025

Oliver Hoffmann "Moriarty und das erste Opfer"

Das erste Opfer müssen Sie finden, um die Schuld zu erkennen und somit auch den Grund für die Vorkommnisse. Dieser Aussage sieht sich Moriarty in seinem dritten Fall aus der Feder von Oliver Hoffmann gegenüber. Doch bei diesem Abenteuer hat er eine weite Anreise. Nach den Verwicklungen im zweiten Fall hatte es Moriarty, seine Frau und Molly nach Frankreich verschlagen. Doch die Bitte sich des Falles anzunehmen, lässt Moriarty alle Bedenken in den Wind schlagen. Mit seinen Angestellten, Moran und dem Amerikaner Boswell macht er sich auf die Suche nach dem berühmten Motiv, denn leider bleibt es nicht bei einem Todesfall. Tiefer und tiefer werden seine Freunde und er in die Geheimnisse der Freimaurer hineingezogen, bis selbst die höchsten Stellen dem Professor die Antworten nicht mehr vorenthalten können.
Der letzte Band einer Trilogie bildet immer den Abschluss einer Reihe und hier zeigt sich in meinen Augen die Kunst des Autors im besonderen Maße. Sind alle Fäden aus den vorigen Bänden zusammengeführt? Widersprechen sich die einzelnen Bände nicht? Sind durchgängige Handlungen logisch aufgelöst? Kommt es wirklich zu einem Abschluss oder entscheidet sich der Autor doch für ein offenes Ende?
Ohne zu viel zu verraten: Oliver Hoffmann gelingt der Abschluss. Letzte Rätsel werden gelöst und als Leser bleiben keine Fragen mehr offen. 
Hätte ich mir nach den beiden ersten Bänden einen anderen Abschlussband gewünscht? Definitiv ein großes "Ja". Die Geschichte ist gut, aber die beiden vorigen Bände haben mir beide besser gefallen. Ich hätte im Abschlussband auch ein bisschen mehr Interaktion mit den Holmesbrüder erwartet, aber jeder Autor ist anders.
Oliver Hoffmann hat mit seiner Trilogie drei Geschichten dem Holmes Universum hinzugefügt, die ein ganz anderes Licht auf den Professor werfen, als es Doyle je getan hat. Somit hat der Autor sein Ziel erreicht.

4 von 5 Kellen

Donnerstag, 27. Februar 2025

Autoreninterview Jens-Arne Klingsöhr

Hallo zusammen.
Ab diesem Jahr gibt es nur noch einmal im Monat ein Interview. Im Februar beantwortet die Fragen Jens-Arne Klingsöhr. Er ist Autor und Herausgeber des Sherlock Holmes Magazins, was den Schwerpunkt des Interviews schon verrät.

(Foto: Jens-Arne Klingsöhr, Grafik: Maximilian Wust)

Du gibst seit Jahren das „SHM – Das Sherlock Holmes Magazin“ heraus. Wie bist Du auf die Idee gekommen, das Magazin zu veröffentlichen?
Wenn es etwas nicht gibt, was man aber haben möchte, was macht man dann?
Es hatte mir nicht genügt, den Kanon zu lesen und Pastiches zu konsumieren. Ich wollte mehr über den Holmes-Kosmos, wie ich es bezeichne, erfahren. Das war in Deutschland aber reichlich schwierig. Zwar gab es mit dem „SNOB“ (Soft-Nosed Bullet(in); ein Club-Fanzine) eine ähnliche Publikation wie das namhafte „Baker Street Journal“ aus den USA, aber es war nicht so genau das, was ich suchte und wollte. Zudem war es nicht frei erhältlich, man musste dem Club beitreten, um es zu bekommen. Dies tat ich auch, erlebte dann aber schon eine Enttäuschung. Denn das geschah etwa zu der Zeit als die Endphase des Clubs eingeläutet war. Das „SNOB“ erschien nur sehr unregelmäßig, teils nur eine Ausgabe pro Jahr, wenn überhaupt. Das hatte mich keineswegs befriedigt. Also stellte ich mir die schon erwähnte Frage und beschloss ein eigenes Magazin zu erstellen, so wie ich es mir vorstellte.
Es dauerte mehrere Wochen, in denen ich das Für und Wider abwog, mir genau überlegte, wie das Heft aussehen solle, in welchem Format, ob schwarz/weiß oder farbig, was enthalten sein soll, auf wie vielen Seiten der Inhalt präsentiert werden könnte, wie die Logistik (Produktion, Versand) zu bewältigten wäre usw. Auch sprach ich mit verschiedenen Sherlockianern über mein Vorhaben und erhielt nur positive Resonanzen. Also entschloss ich mich dazu, eine Null-Ausgabe zu erstellen. Die hatte natürlich noch nicht die von mir anvisierte Seitenzahl und diente nur dem Zweck, auf einem bevorstehenden kleinen Sherlock Holmes-Treffen zu visualisieren, was ich vorhatte, um dadurch Mitarbeiter zu gewinnen. Das war im Sommer 2009. Die Präsentation der Null-Ausgabe stieß auf enormes Interesse. Alle wollten sie darin herumblättern und es fanden sich auch gleich Personen, die Beiträge liefern wollten, und zwei weitere, die bereit waren redaktionell mitzuarbeiten – eine dritte Person kam etwas später hinzu. Im August gab es dann schon die erste Ausgabe. Selbst der Titel blieb der gleiche wie noch der Arbeitstitel der Null-Ausgabe. Inhaltlich gab es über die Jahre ein paar Erweiterungen, aber man merkt noch immer, das alles auf der Null-Ausgabe beruht. Es war die erste in Deutschland erschienene frei erhältliche Publikation zum Holmes-Kosmos, auf DIN A4 vierfarbig gedruckt und an dem alle mitarbeiten können. Gerade letzteres ist ein Aspekt, der mir wichtig ist. Das SHM ist nicht elitär, es ist ein Heft für Holmes-Interessierte, von Holmes-Interessierten. Wer Lust dazu hat eine Filmbesprechung zu verfassen, sich mit einem Aspekt aus Holmes' Wirken zu beschäftigen (sogenannte Forschungsartikel), sich über ein gerade gelesenes Pastiche mit einer Rezension auszulassen, eine Kurzgeschichte zu verfassen oder was auch immer, kann sich liebend gerne bei mir melden.


Woher kommt Deine Faszination für Sherlock Holmes?
Meine Begeisterung für Sherlock Holmes rührt vermutlich, ganz exakt erinnere ich es nicht mehr, von den spannend gemachten Europa-Hörspielen mit Peter Pasetti in der Titelrolle. Die hörte ich damals in meinen Jugendjahren rauf und runter. Etwa zu der Zeit liefen auch ein paar Folgen der Rathbone-Reihe im Fernsehen, sowie die charmante Serie mit Geoffrey Whitehead. Weil ich schon immer eine Leseratte war, blieb es natürlich nicht aus, dass ich auch die Grundlage kennenlernen wollte, und so kaufte ich mir von meinem Taschengeld, das war damals nicht so üppig, den Kanon Stück für Stück zusammen. Weil ich alle zwei, drei Tage erneut nach dem nächsten Band fragte, fiel das dem Buchhändler so auf die Nerven, dass er mich rüde anblaffte, ich solle doch gleich alle Bände kaufen und nicht ständig wiederkommen. Daraufhin raffte ich mein Erspartes zusammen, erwarb die restlichen Bände und betrat danach die Buchhandlung niemals wieder. Man sollte halt auch Kinder und Jugendliche ordentlich behandeln. Es war übrigens noch die Ullstein-Ausgabe, die für mich bis heute einen besonderen Stellenwert hat. Auch wenn die nur ein paar Jahre später erschienene Haffmans-Ausgabe natürlich so überragend ist, dass ich die Abenteuer gleich erneut las und spätestens damit die ewige Flamme meiner Holmes-Begeisterung entzündet war.

Für jeden Sherlock Holmes Fan gibt es "den" Schauspieler, der Holmes am besten darstellt. Wer ist es bei Dir?
Da muss ich nicht lange überlegen, komme jedoch nicht umhin, auf den ersten Platz des Sieger-Treppchens gleich drei Darsteller zu stellen: Ian Richardson, Basil Rathbone und der frühe Jeremy Brett. Alle drei sind in ihrer Darstellung des Meisterdetektivs völlig unterschiedlich, verkörpern ihn für mich aber gleichermaßen perfekt. Ian Richardson strahlt eine überlegende Ruhe aus, Basil Rathbone ist schneidig agil und der frühe Jeremy Brett wirkt hektisch überzeugend. Eigentlich gehört auch Peter Cushing dazu … aber sei es drum, er ist halt auf Platz zwei. Geoffrey Whitehead ist auch ein Darsteller der unbedingt auf das Treppchen gehört: Platz drei.
Unter den vielen nicht genannten Darstellern, sind durchaus ein paar, die ich im Grunde genau so gerne in der Rolle sehe – gewissermaßen ein paar Lucky Loser in meinem persönlichen Ranking; zum Beispiel Christopher Plummer in „Mord an der Themse“ und „Silver Blaze“.

Du hast selbst auch schon einige Texte verfasst. Wie kam es dazu, dass Du auch selbst mit dem Schreiben begonnen hast?
Es hat mir von jeher Spaß gemacht, meine Fantasie zu kanalisieren und schriftlich umzusetzen. Zu den ersten Textversuchen gehörte auch ein Holmes-Fragment, über eineinhalb eng beschriebene Schreibmaschinenseiten bin ich aber nicht hinausgekommen. Das war damals, kurz nachdem ich die Ullstein-Ausgabe gelesen habe. Mit dem Verfassen von Texten ging es im Grunde richtig los, als ich mich mit dem Pen & Paper-Rollenspiel Das Schwarze Auge (kurz: DSA) beschäftigt habe und zusammen mit einem Freund in den neunziger Jahren dazu ein sehr umfangreiches Fan-Abenteuer geschrieben habe. Im Grunde war das der Anfang meiner Schreibbegeisterung. Mehrere Fanprodukte folgten, unter anderen zwei Regiozine – das sind Fanzine, die auf eine spezielle Spielregion bezogen sind -, von denen eines davon sogar dreizehn Jahre lang von mir herausgegeben wurde, das andere war nicht ganz so langlebig. Natürlich gehörte auch das Verfassen von Texten dazu. Durch meine Aktivitäten bin ich der DSA-Redaktion aufgefallen und es kam dazu, dass ich an zwei Quellenbänden (das sind umfangreiche Regionalbeschreibungen über Land und Leute, Politik und Kultur usw.) sogar maßgeblich mitwirken durfte. Hier und da steuerte ich auch für andere Produkte der Redaktion unterschiedlich lange Abschnitte bei ... dann gründete ich das SHM – Das Sherlock Holmes Magazin.
Von nun an war mein Fokus vollkommen verlagert. Neben der Arbeit am SHM und gelegentlichen verfassen von Texten für das Heft, versuchte ich mich aber auch immer wieder an Holmes- Geschichten. Eine meiner ersten war eine Erzählung in der Mrs. Hudson die Ereignisse aus „Der Detektiv aus dem Sterbebett“ aus ihrer Sicht erlebt. So etwas gefällt mir – bekannte Ereignisse aus einer anderen Sicht zu erleben, oder sie an irgendeiner Stelle zu ergänzen. Allerdings habe ich bisher nur drei Geschichten dieser Art verfasst. Ab und zu wurde ich gefragt, ob ich nicht Texte zu bestimmten Anlässen schreiben könne. Natürlich konnte ich. Das sind keine Geschichten im eigentlichen Sinn. Es kam jedoch vor, dass ich diese später noch umarbeiten konnte. Hin und wieder fällt mir ein Thema ein oder ein Aspekt auf, den ich gerne ausarbeiten würde – woraus die eine oder andere Geschichte entsteht. Manchmal schreibe ich aber auch nur so vor mich hin und schaue, wohin mich das führt. Nicht selten kommt eine solche Schreiberei nicht über den Anfang hinaus, aber hin und wieder entsteht dann doch eine brauchbare Geschichte. Manchmal geschieht dabei aber auch Unerwartetes. Als ich an etwas schrieb, dass als Einleitung zu einem Projekt gedacht war, hat sich während des Schreibprozesses die Grundidee irgendwie verselbstständigt und das Ergebnis ist als Einleitung überhaupt nicht mehr zu gebrauchen. Dafür ist es eine ganz ordentliche Erzählung geworden, die gleich zwei „sherlockianische Probleme“ thematisiert.
Es macht mir einfach Freude, mich mit Holmes und Watson zu beschäftigen – manchmal auch ohne den einen, manchmal auch ohne den anderen -, Dialoge zwischen ihnen zu entwickeln, Szenen zu entwerfen, in denen sie agieren …


Welcher ist Dein liebster Nebencharakter?
Eindeutig Wiggins. Zwar taucht der Knabe nur in den ersten beiden Romanen auf, aber die Baker Street Irregulars mit Wiggins als An- und Wortführer, haben bei mir einfach Eindruck hinterlassen. Leider hat Sir Arthur Conan Doyle danach von dem Jungen nie wieder Gebrauch gemacht und auch die Irregulars an sich kommen bedauerlicherweise nur noch zweimal kurz vor, einmal davon sogar nur als vage Erwähnung. Natürlich ist es zudem schade, dass bei „Das Zeichen der Vier“ das Erscheinen der Baker Street Irregulars in der Baker Street nur eine Kopie aus „Eine Studie in Scharlachrot“ darstellt. Womit auch ein zeitliches Problem entstand, denn Wiggins wird bei dieser kopierten Szene genauso beschrieben wie zuvor, obwohl der Fall mehrere Jahre nach dem ersten spielt und er daher kein Kind mehr sein kann.

Aus mehreren Gesprächen mit Dir weiß ich um die Liebe zu den Hiatus-Geschichten. Warum reizen Dich gerade diese Geschichten?
Der Hiatus übt auf mich eine Faszination aus, die ich gar nicht so richtig erklären kann. Drei Jahre war Sherlock Holmes verschwunden, galt als tot, ist stattdessen aber in der Welt unterwegs gewesen. Wo war er überall, weswegen ist er dorthin gegangen und was hat er dort erlebt? Aus der Geschichte „Das leere Haus“ erfahren wir zumindest ein paar Schlagworte, leider keine weiteren Details. Er war zwei Jahre lang in Tibet und hat Bekanntschaft mit dem Lama gemacht. War er wirklich ganze zwei Jahre dort? Ist das nicht ein bisschen zu lang? Anschließend bereiste er Persien.
Dort war es zu der Zeit aber ausgerechnet für Engländer höchst gefährlich – vielleicht ein Grund, weshalb er sich als Norweger Sigerson ausgab? Angeblich war er sogar in Mekka, was keinem Europäer gestattet war. Dass er auch noch in Montpellier an Kohlen-Teer-Derivaten forschte, nimmt sich dahingehend schon fast langweilig aus. Auch in Khartum will er gewesen sein – also dort, wo General Gordon einige Jahre zuvor durch die Mahdisten zu Tode kam. Als Holmes dort war, war Khartum nur noch eine Ruine und Geisterstadt. Am gegenüberliegenden Ufer des Nils hingegen existierte die Stadt Omdurman, wo er mit dem Kalifen hätte speisen können. Aber damit befinden wir uns schon im Bereich der Interpretationen und Spekulationen. Und wo wir schon dabei sind:
Kann Sherlock Holmes während der Zeit nicht auch noch woanders gewesen sein? Der Hiatus bietet Raum für Abenteuer jeglicher Art, losgelöst von den Zwängen einer klassischen Holmes-Geschichte. Wenn auch nicht alles, dann scheint aber doch sehr vieles möglich zu sein.
Ein paar Autoren haben diese Lücke für sich entdeckt und schreiben – wie Franziska Franke – eine ganze Reihe über eben jene Zeit, andere verfassen ein oder zwei Geschichten dazu. Letztlich hat auch Star Trek-Regisseur Nicholas Meyer mit „Kein Koks für Sherlock Holmes“ einen alternativen Hiatus-Beginn verfasst und ließ auch seinen Holmes-Roman um das Phantom der Oper in der Ära spielen. Eine meiner Lieblings-Hiatus-Geschichten ist „Die Geschichte eines Vaters“ von Sterling E. Lanier, die in der Südsee spielt aber einen fantastischen Inhalt hat. Vielleicht war Sherlock Holmes sogar in Deutschland und hat sich in Sachsenhausen niedergelassen, um Gefolgsleute von Moriarty zu jagen? ;-)
Und löst man den Blick von Sherlock Holmes – wie ist es eigentlich Watson ergangen? Auch darüber weiß man nicht besonders viel. Ab und zu ist er vor Gericht als Sachverständiger aufgetreten, hat seine Paddingtoner Praxis gegen eine in Kensington getauscht, und er hat seine Gattin, die liebreizende Mary, verloren. Was aber genau und wann geschehen ist, bleibt offen.
Vermutlich ist es das Unbekannte, das Mysteriöse, sicherlich aber auch das Exotische, was mich an dieser Ära in Holmes' Wirken reizt.

Welches ist Dein liebstes Pastiche?
Das ist eine Frage, die ich nicht genau beantworten kann. Es gibt so einige ganz hervorragende Pastiches, die mir, durchaus aus unterschiedlichen Gründen, ganz besonders gefallen. Es gibt ein paar Autoren, die es schaffen, den Stil von Sir Arthur Conan Doyle sehr gut zu kopieren und glaubwürdige Fälle zu entwerfen. Aber auch solche, die ihren eigenen Stil entwickeln und ebenso überzeugende Abenteuer verfassen, die vielleicht eine mehr humoristische Note haben, ohne es an Spannung verlieren zu lassen. Neugierig bin ich immer auch auf Storys, in denen die ausgetretenen Pfade verlassen werden, eventuell sogar mit dem Holmes-Kanon brechen. Darunter sind ein paar wirklich tolle Geschichten. Oder es wird ein anderer Blickwinkel eingenommen, also aus der Sicht einer ganz anderen Figur; eventuell tauchen Holmes und Watson auch gar nicht auf, oder sind bestenfalls Nebenfiguren. Letztlich hat es auch immer mit der persönlichen Erwartungshaltung und Einstellung zu tun und was man vielleicht auch damit verbindet, weswegen man von einer bestimmten Geschichte so begeistert ist. Das gilt natürlich auch für den Kanon. Manchmal ändert sich ja auch die eigene Einstellung und der persönliche Blickwinkel und andere Geschichten rücken näher. Es gibt durchaus so einige Erzählungen, die für mich die Spitze des Pastiche-Tsunamis bilden. Aber es fällt mir extrem schwer eines auszuwählen, welches mein Liebstes darunter wäre.
Auch ein Sieger-Treppchen ist nicht möglich. Es würden sehr viele auf Platz eins stehen, noch mehr auf den Plätzen zwei und drei stehen. Wobei ich mir sicher bin, dass mancher Sherlockianer, der diese Auflistung läse, verständnislos den Kopf schütteln und sich verwundert die Augen reiben würde, denn es sind einige Storys dabei, die von anderen Personen gar nicht geschätzt werden.

Wer neugierig ist, kann sich hier weiter informieren: SHM.wordpress

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Sonntag, 23. Februar 2025

Daniel Smith "Die Wahrheit hinter Sherlock Holmes"

Ich würde meinen, dass kein Autor von sich behaupten kann, Figuren ohne eine reelle Vorlage zu erschaffen. Man geht durch den Alltag, man sieht, man hört, man nimmt in sich auf und kreiert daraus die Figur, die für einen selbst stimmig erscheint. Daher ist es wenig erstaunlich und für Kenner auch kein Wunder, dass schon Sir Arthur Conan Doyle in Joseph Bell ein Vorbild für seine Figur Sherlock Holmes sah. Was allerdings den wenigsten bekannt sein dürfte, ist, dass es neben Joseph Bell noch eine weitere Person gab, die den Charakter und das Verhalten von Sherlock Holmes maßgeblich beeinflusst hat.
Während Joseph Bell anfänglich eher an der Uni für Aufsehen sorgte, hatte es Henry Littlejohn schon in den Dienst der Polizei geschafft, was laut Daniel Smith auch der Grund war, warum er in Zusammenhang mit Sherlock Holmes selten genannt wurde. Es galt seine Reputation nicht zu gefährden.
Das ändert sich im Jahr 1893, als es zu dem Verfahren um den Tod von Cecil Hambrough auf dem Anwesen Ardlamont Estate, Schottland, kommt.
Beide Männer müssen bei dem Gerichtsprozess aussagen und ausführen, ob der Tod des jungen Offiziers wirklich ein Unfall gewesen sein kann oder ob nicht doch Habgier die Triebfeder war.

Daniel Smith erzählt auf 320 Seiten, die er mit Gerichtsakten, Briefen und Zeitungsartikeln unterfüttert, wie ein historischer Kriminalfall sich auf die Entwicklung des wohl bekanntesten Detektives und seine Geschichten auswirkte, denn, das sei gesagt, in Verlauf des Prozesses wurden auch immer wieder die Rufe nach Sherlock Holmes laut, der nach Meinung der Zeitungen und auch der Prozessbeteiligten das Rätsel wohl eher lösen könnte als alle real beteiligten Personen. Nebenbei bemerkt gab es in dem Prozess auch einen Arzt, der Watson hieß.

Nun kann man erwarten, dass ein Gerichtsfall selbst mit seinen Vor- und Nachwehen auf 320 Seiten sich zeitweilig in Nichtigkeiten verzettelt und manchmal ist das auch so. Smith kommt von Kleinigkeiten auf die kleinsten Kleinigkeiten, doch hat dies stets einen Grund. Er baut mit diesen Details vor dem Auge des Lesers in feinen Passagen die kulturelle Gesellschaft mit ihren Eigenheiten auf. Er zeigt, wie die viktorianische Gesellschaft funktioniert und an welchen Stellen sie gerade im Umbruch war. 

Neben Sherlock Holmes spielen die Entwicklung der Forensik, der Psychologie, der Polizeiarbeit und die Wahrnehmensveränderung des Adels eine zentrale Rolle.

Da er sich auf historische Fakten stützt, ist das Buch somit nicht nur für Sherlock Holmes Fans interessant, sondern bietet zahlreiche Geschichtsstunden und Nerdwissen in einem Buch.

4,5 von 5 Victorians

Samstag, 18. Januar 2025

Oliver Hoffmann "Moriarty trinkt Tee"

It's tea time in der Baker ...
Ach nein, falsch. Wir befinden uns gar nicht in der Baker Street. Die Geschichte spielt zwar in dem Universum des Sherlock Holmes', doch er ist lediglich eine Randfigur, die ihrer Sucht zunehmend erlegen scheint. So ist es an Moriarty, die Unschuld von John H. Watson zu beweisen, denn dieser weilt im Gefängnis. Er soll einen Mann vor eine Droschke gestoßen und so dessen Schicksal besiegelt haben. Kurzerhand trommelt Moriarty die Ermittlertruppe des ersten Bandes erneut zusammen. So ziehen Molly, Colonel Moran und die Hausangestellten los und finden schnell heraus, dass der Teemagnat keine so saubere Weste hat, wie er den Eindruck vermitteln will. Noch schlimmer ist allerdings seine Frau, eine ehemals drittklassige Schauspielerin. Sie hat viel zu verlieren, denn ihr Geheimnis ...

Ich möchte nicht behaupten, dass es Sherlock Holmes Pastiches wie Sand am Meer gibt, doch es haben sich nach Sir Arthur Conan Doyle schon viele Schreibende an seinem Plot oder zumindest an dessen Personalgefüge versucht. 
Hier neue und zugleich schlüssige Ideen in eine Romanform zu gießen, bedarf viel Fingerspitzengefühl., denn die Lesenden sind wählerisch. Zu nah am Original gilt der Text als Abklatsch, zu weit entfernt und schon wird gemeckert, dass man in der Interpretation zu frei war. 
Natürlich muss Oliver Hoffmann einige Grundsätze ändern, damit seine Version des Sherlock Holmes Universums funktioniert. Gleichzeitig fährt er viele Geschütze auf, die das Viktorianische Zeitalter an Vorurteilen zu bieten hat, um den Leser von der eigentlichen Spur abzulenken.
Sein Schreibstil passt sich dabei den einzelnen Szenen wunderbar an, ruhige Szenen sind gefasst und dynamische Szenen schnell verfasst, ohne dabei in einen Thrillermodus zu entarten.
Ein Krimi der klassischen Art, der Moriarty in ein menschlicheres Licht rückt.

4 von 5 Teetassen

Donnerstag, 28. November 2024

Mabel Swift "Sherlock Holmes und das Geheimnis des Laternenanzünders"

Sherlock Holmes ist ein Charakter, mit dem man als Autor wenig falsch machen kann, wenn man die originalen Texte gelesen hat. Sein Denken und sein Benehmen sind relativ klar vorgegeben und seine Interaktionen mit Watson laufen oft ähnlich ab. Daher verwundert es nicht, wie viele verschiedene Pastiches im Lauf der Jahrzehnte auf dem Markt erschienen sind.
Mabel Swift hat ihre eigene Reihe um Sherlock Holmes aufgesetzt. In der aktuellen Folge treibt ein Schuft sein Unwesen, indem er bereits entzündete Gaslaternen wieder zu löschen scheint. Oder hat der Anzünder sie gar nicht erst angemacht?
Dieser kurze Krimi entführt den Leser in die Zeit, als die Hochzeit der Anzünder abebbt, denn die Elektrizität steht bereit.
Der Fall ist gut aufgebaut, doch woran es aus meiner Sicht hapert, ist die Übersetzung. Aus dem Englischen mittels KI übersetzt, gibt es mehrere Stellen, die im Deutschen nicht richtig passen.
So wird Mr. im Deutschen belassen, der Mister aber als Herr übersetzt. Ganze Sätze werden eins zu eins wiederholt, ohne die Möglichkeit einer Varianz in Erwägung zu ziehen.
Schade eigentlich, weil der Fall wirklich gut ist und der Lesefluss durch die Übersetzung arg gestört wird. 
Für Holmes Fans sicherlich nicht die beste Reihe, um sie auf Deutsch zu lesen.

3 von 5 Gaslaternen

Dienstag, 16. Juli 2024

Walter Christian Kärger "Der Dienstmädchenmörder"

Sherlock Holmes bekommt Konkurrenz. 

München. 1886. Hajo von Zündt, Pathologe an der Münchener Universität, beschleicht eine Vorahnung, als ihm die Leiche einer jungen Frau zur Untersuchung gebracht wird. Sie soll sich ertränkt haben, doch die Untersuchung wirft mehr als nur Zweifel auf. Mit seinem Adoptivbruder Adam und seiner Assistentin Charlotte versucht Hajo hinter die Fassade zu blicken und dem leitenden Ermittler Manteuffel die Beweise zu liefern, die der Mörder so geflissentlich zu verstecken sucht. Doch wer annimmt, dass es sich nur um die Münchner Kreise dreht, der hat die Rechnung ohne das Moor gemacht.

Während Sherlock Holmes die Baker Street in London und natürlich auch die Umgebung von Verbrechen befreit, nimmt Hajo von Zündt die gleiche Aufgabe in München für sich in Anspruch. Von Adel, dazu gebildet und ohne jeglichen Schnick-Schnack der High Society arbeitet er im Gegensatz zu seinen Adelsgenossen und ist ebenso an den Umwälzungen der Zeit freudig interessiert. Nicht mit Spott begegnet er der aufstrebenden Emanzipation und er unterstützt auch die Entwicklung der Kriminalistik, deren Schlussverfolgerung, dass alle vor dem Gesetz gleich sind, ihn tief beeindruckt.

Ein facettenreicher Charakter erlebt somit seinen ersten Fall. Die Nähe und Inspiration von Sherlock Holmes ist hier nicht von der Hand zu weisen und auch mehrere, kleinere Begebenheiten weisen auf den Doyleschen Kanon hin. Jedoch schafft es der Autor einen eigenen und eigenwilligen Charakter zu erschaffen, der in der Zeit des Umbruchs seinen eigenen Weg sucht und oftmals auch findet. Ergänzt wird der Kriminalfall um so manch historische Information, die beim Lesen die Deutsche Geschichte und auch den technologischen Fortschritt näher bringt. 

Ein gelungener Fall mit fulminanten Ende und der Hoffnung, dass es bald einen zweiten Band um Hajo von Zündt geben wird.

5 von 5 Ermittlern

Dienstag, 4. Juni 2024

Jörg Kastner "Sherlock Holmes und ein Doktor in Not"

Trübes, englisches Wetter, Baker Street und ein Mann ist in Not. Wie so viele Geschichten beginnt auch diese in der Baker Street bei dem großen Detektiv und seinem Chronisten.
Ein Doktor wurde in eine Behandlung hingezogen, die er von Anfang an für obskur hielt, doch als seine Frau entführt wird, muss er sich an Holmes und Watson wenden.
Jörg Kastner fährt in dieser Kurzgeschichte viele Dinge auf, die Sherlock Holmes Leser aus den originalen Geschichten kennen. Maskierte Fahrten durch das nächtliche London, Watsons Vorbereitungen an seinem alten Armee-Revolver, Hunde, Mycroft ...
Gerade bei einer Kurzgeschichte ist die Gefahr, sie mit Details zu überladen, immer gegeben, doch Jörg Kastner schafft es, alles in der Waage zu halten. Man fühlt sich in der Geschichte heimelig und man spürt, dass er sich im Kanon von Sir Arthur Conan Doyle auskennt.
Auch das Thema Individualität spielt bei den Pastiches immer eine große Rolle. Zumindest bei dieser Geschichte wäre noch ein wenig mehr möglich gewesen.
Doch so wie sie ist, eröffnet "Sherlock Holmes und ein Doktor in Not" solide die Welt von Sherlock Holmes aus der Sicht von Jörg Kastner.

4 von 5 Pfeifen

Sonntag, 14. April 2024

David Gray "Sherlock Holmes - Der Geist des Architekten"

Nachdem Watson die Baker Street 221B verlassen hat, kommt er lediglich zu Besuch, um mit Holmes neue Fälle zu klären. Ein Bekannter Mycrofts benötigt die Hilfe der beiden Ermittler, da sich in seinem neugebauten Haus ein Geist eingenistet hat. Selbstverständlich ist Holmes von Anfang an der Meinung, dass es Geister nicht gibt, dafür ist sein Verstand viel zu rational. Doch das Thema reizt ihn und so findet sich neben den beiden Ermittlern auch Inspector Lestrade ein, um den Verbrecher dingfest zu machen. Oder?
Ein neuer Holmes - ganz nach meinem Geschmack. 
Bei Holmes ist es für den Autor immer schwierig, mich zu begeistern. Zu nah am Original und ich halte die Texte für besseren Abklatsch, zu weit entfernt und ich denke, warum nennt man die Geschichte überhaupt Sherlock Holmes.
David Gray hat den Spagat für mich sehr gut geschafft. Mit dem Auftakt seiner Trilogie holt er alle wesentlichen Figuren aus den originalen Geschichten mit auf die Bühne und gibt ihnen eine jeweils eigene Nuance. Es handelt sich jeweils nur um ein kleines Detail, doch so baut er sich sein eigenes kleines Holmes Universum. Kleine versteckte Anekdoten und auch Plätze versetzen den Leser in nostalgische Stimmung, während die Geschichte neue Aspekte aus dem Charakter Sherlock Holmes lockt.
Die Illustrationen untermalen den eigenen Stil der Trilogie und es macht Spaß in die Baker Street zurückzukehren.

5 von 5 Consulting detectives

Mittwoch, 10. April 2024

Nicholas Blake "Mord auf der Kreuzfahrt"

Als Detektiv immer wieder in Mordfälle zu stolpern, scheint eine besondere Eigenschaft von Nigel Strangeways zu sein. Nachdem er seiner Freundin versprochen hat, mir ihr ein paar Tage auf einem Kreuzfahrtschiff durch die griechische Ägäis zu schippern, kommt alles anders, als die beiden anfangs denken. Einige griechische Inseln sind bereits besichtigt, als es zu zwei Morden kommt und sich die Frage stellt: Wem kann man auf dem Schiff noch trauen?
Wieder einmal schafft es der Autor ein nahezu perfektes Locked-room-mystery zu schreiben. Doch dieses Mal habe ich den Fall vor Ende des Buches gelöst, aber der Reihe nach.
Nicholas Blake schafft es in seiner Reihe um den Scotland Yard Ermittler immer wieder den Leser zu überraschen. Meist trifft der Tod Nigel Strangeways im Feierabend oder gar im Urlaub, was einem als Leser schon ein bisschen Mitleid empfinden lässt, da der Ermittler nie zur Ruhe zu kommen scheint. Doch er ist bei jedem Fall mit Leib und Seele dabei und verblüfft die Leser mit seinen Schlussfolgerungen und der Tatsache, dass er nahezu jedes Details mitbekommt. Dabei ist er als Charakter äußerst charmant, da er nicht die Arroganz eines Sherlock Holmes oder eines Hercule Poirot besitzt. 
Parallelen oder zumindest Ähnlichkeiten zu Fällen von Agatha Christie wirken dabei nicht wie ein Abklatsch, sondern lösen beim Lesen eine gewisse Heimeligkeit aus, da man weiß, das Böse wird am Ende immer bestraft. 
Wer es allerdings bei Krimis etwas deftiger mag, wird an den Geschichten keine Freude haben. Da es sich um Kriminalromane handelt, kommt die Handlung nur sehr gemächlich in Gang und man lernt erst viel über die Figuren, bevor "etwas" passiert.
Ich persönlich liebe diesen Erzählstil, aber das ist bekanntlich eine Geschmackssache.

5 von 5 Kreuzfahrtschiffen

Mittwoch, 27. Dezember 2023

Aleksia Sidney "Weihnachten mit Sherlock Holmes"

Sherlock Holmes Kurzgeschichten zu schreiben ist in meinen Augen eine Kunst.
Bei den Pastiches darf das Original nicht zu sehr kopiert werden und doch darf bei den klassischen Adaptionen nicht der nostalgische Charme verloren gehen, den diese Geschichten ausmachen.
So ist es für mich immer die berühmte Büchse der Pandora, wenn ich zu einer Pastiche-Anthologie greife. Doch dieses Mal bin ich wirklich begeistert. 

"Weihnachten mit Sherlock Holmes" ist genau das, was sich der Leser von einer klassischen Holmes-Zusammenstellung wünscht.
Watson erzählt vom Afghanistan-Krieg, er sucht seinen Revolver, wobei Sherlock sich nicht zu sehr langweilt, sodass die 7%-Lösung nicht zum Einsatz kommt. Dafür sind aber Mrs Hudson und Inspector Lestrade von der Partie.
Holmes und Watson ermitteln in den Kurzgeschichten auch außerhalb von England und einige Schurken erkennt man aus den Originalen.

Bekannte Autoren haben sich an Sherlock Holmes gewagt und ihm ihre Weihnachtsgeschichte geschenkt, wobei die Geschichten für diese Ausgabe neu zusammengestellt wurden.
Der bekannteste Autor dürfte mit Sicherheit Anthony Horowitz sein, aber auch die Geschichten von z.B. Anne Perry, Reginald Hill und Laurie R. King haben ihren Reiz und finden ihren Platz im Gedächtnispalast des großen Detektives und seines Chronisten.
Auch wenn Weihnachten gerade vorbei ist, darf es echte Holmes-Fans nicht abhalten, zu dem Buch zu greifen.

4,5 von 5 Detektiven

Sonntag, 29. Oktober 2023

Tim Collins "Meisterdetektiv Sherlock Bones: Die Jagd nach den Kronjuwelen"

Sherlock Holmes ist wahrsten Sinne des Wortes "auf den Hund gekommen". Im ersten Band von Tim Collins' Reihe über Sherlock Bones wird der bekannte Detektiv zum Hund und Dr. Watson wird zur Katze Dr. Catson. Die Handlung bliebt in London, doch werden die Straßennamen angepasst. So residieren die beiden in der Barker Street oder das vornehme Viertel nennt sich Belling Hill. Neben kleinerer Diebstähle wurden die Kronjuwelen der Mops-Königin gestohlen und Inspektor Bluthund kann mit seiner Einheit von Hundewelpen den Fall nicht allein lösen. Somit ist es an dem großen Detektiv, dessen Lupe und seiner Chronistin sich des Falles anzunehmen und ihn zu lösen.
Neben der eigentlichen Geschichte gilt es für den Leser 30 Rätsel zu lösen. Bilderrätsel, versteckte Nachrichten, Vergleichsbilder, dem Rätselfreudigen stehen die verschiedenen Rätsel zur Auswahl und begleiten die Kapitel. 
Wie schon in den originalen Texten sind die Hierarchien auch in dieser Kinder-Rätsel-Geschichte offensichtlich: Sherlock Bones ist der große Held und Dr. Catson und Inspektor Bluthund sind die Nebencharaktere, die ohne den großen Detektiv den Fall nicht lösen würden.
Neben den Rätseln laden seitengroße Bilder zum Erforschen des etwas anderen Holmes/Bones-Universum ein und dem Autor gelingt es den charmanten Spagat zwischen Original und eigener Interpretation zu meistern. Der Fall ansich ist für einen erwachsenen Leser schnell gelöst und doch liest man die Geschichte auf Grund ihres Charmes gerne zu Ende.
Ein gelungener Start in eine neue, etwas andere Sherlock Holmes, ich meine, Sherlock Bones Reihe.

4,5 von 5 Hundeknochen 

Mittwoch, 23. August 2023

Oliver Hoffmann "Moriarty und der Schächter von London"

"Moriarty und der Schächter von London" spielt im Jahr 1894, als Sherlock Holmes nicht in London weilt und Mycroft Holmes auf Professor Moriarty zurückgreifen muss, um eine bestialische Mordserie zu lösen. Die Polizei ist ratlos, als mehrere wichtige Persönlichkeiten brutal ermordet aufgefunden werden. Professor Moriarty nimmt sich des Falles an und binnen kurzer Zeit hat er eine kleine Heerschar, die ihm die eine oder andere Information zuträgt. Doch werden letztlich als diese Informationen ausreichen, um den Mörder zu stoppen?

Wenn Nebenfiguren ihre eigene Buchreihe bekommen, kann das funktionieren, es muss aber nicht zwangsläufig der Fall sein.
Professor Moriarty ist einer der größten Bösewichte der Literatur und auch wenn es schon verschiedene Ansätze gab, ob Sherlock Holmes sich dessen Bösartigkeit lediglich eingebildet hat, bleibt bei vielen Lesern die Erinnerung an einen negativ besetzten Charakter.
Daher überrascht es, wenn Oliver Hoffmann ihn als Ermittler für die Krone vorstellt und ihn dabei auch recht sympathisch zeichnet.

Der erste Fall für Professor Moriarty, der zweite erscheint im Oktober 2023, präsentiert uns einen gesetzten Mann, der in der Gesellschaft geachtet und von Mycroft Holmes respektiert wird. Er wird anstelle von Sherlock Holmes zu den Ermittlungen hinzugezogen und gerät dadurch in das für die Sherlock Holmes Geschichten bekannte Katz und Maus Spiel mit dem Mörder. 

Beim Lesen merkt man an der einen oder anderen Stelle den modernen Einschlag in die Geschichte, die Sir Arthur Conan Doyle nicht gewählt hätte, aber es passt sich gut in das gesamte Setting ein.
Im Gegensatz zu anderen Pastiches bedient sich Hoffmann nicht der allzu gängigen Floskeln, sondern er baut seine eigene Sprache und die eigene Umgebung auf, in die er seine Handlung platziert.
Durch geschickte Perspektivwechsel gibt er den Lesern schon während der Lektüre kleine Einblicke, was es spannend macht, Moriartys Deduktion im Kontrast zu Sherlock zu erleben.

Wenn es mal etwas anderes als Sherlock Holmes sein darf, aber es trotzdem in seinem Dunstkreis liegen soll, ist dieses Buch wärmstens zu empfehlen.

4,5 von 5 Morden 

Donnerstag, 27. Juli 2023

#AutoralsDetektiv: Sarah Lutter


Hallo zusammen.
Zur Veröffentlichung meiner ersten Anthologie "En Passant - Die Reisen des Sherlock Holmes" habe ich mir in Zusammenarbeit mit Christoph Grimm und dem Burgenwelt-Verlag eine Sonderausgabe von #AutoralsLeser ausgedacht. Einmal in der Woche folgen nach der Veröffentlichungswoche die weiteren Interviews. Zum Abschluss zu dieser Interviewreihe beantworte ich die Fragen:

Welche Sherlock Holmes Geschichte von Arthur Conan Doyle hat dich in die Welt des Detektivs geführt und was hat dir an ihr gefallen?
In der Stadtbibliothek haben mich als Kind die Bücher über Abenteuer und Pferde nicht wirklich gereizt, da war mir ein Detektiv im nebelverhangenen London viel sympathischer. Die Kinderausgaben der Klassiker waren kürzer und auch nicht so gruselig wie die Erwachsenenausgaben, sonst hätte ich nach "Der Hund von Baskerville" nicht weitergelesen. 
Mir gefiel, wie der Detektiv vermeintlich alle an der Nase herumführt und neben den Ermittlungen auch seine direkten Mitmenschen täuschen kann, um sie schützen. Holmes kann weitaus empathischer sein, als es oft der Fall ist.

Sherlock Holmes hat im Laufe der Jahre viele Veränderungen in den Pastiches durchgemacht. Welchen Holmes magst du am liebsten?
Im Fernsehen ist und bleibt Jeremy Brett "mein" Sherlock Holmes. Wenn ich an die Texte denke, die Mimik, die Gestik, die Grazilität fängt für mich kein Schauspieler diese besser ein als er.
Andere Schauspieler haben auch ihre Form eines Sherlock Holmes geschaffen, die ihre Daseinsberechtigung hat, aber ich bin da eher klassisch angehaucht. So geht es mir auch bei den Pastiches, je "abgedrehter" sie sind, desto weniger gefallen sie mir. 

Hand aufs Herz: Was zeichnet deine Holmes Geschichte in der Anthologie aus?
Jede Geschichte in der Anthologie ist originell und hat ihren eigenen Ton und Stil. Trotzdem ergeben sie zusammen ein großes Ganzes. Sie zeigen die verschiedenen Facetten des Ermittlers, was lag da näher, als Holmes selbst zur Feder greifen zu lassen.

Hiermit endet die Interview-Reihe zu der Anthologie "En Passant - Die Reisen des Sherlock Holmes". Ich hoffe, die Interviews haben euch gefallen und der eine oder andere greift auch zu dem dazugehörigen Buch.

Donnerstag, 20. Juli 2023

#AutoralsDetektiv: Jürgen Bärbig


Hallo zusammen.
Zur Veröffentlichung meiner ersten Anthologie "En Passant - Die Reisen des Sherlock Holmes" habe ich mir in Zusammenarbeit mit Christoph Grimm und dem Burgenwelt-Verlag eine Sonderausgabe von #AutoralsLeser ausgedacht. Einmal in der Woche folgen nach der Veröffentlichungswoche die weiteren Interviews.

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Welche Sherlock Holmes Geschichte von Arthur Conan Doyle hat dich in die Welt des Detektivs geführt und was hat dir an ihr gefallen?
Das ist schon eine ziemlich lange Zeit her. Das war auch nicht eines seiner Bücher, sondern ein Film zu seinen Bücher. Der Hund von Baskerville. Ich glaube damals tatsächlich die Verfilmung mit Peter Cushin als Holmes und Christopher Lee als Sir Henry. Ich mag die gruselige Atmosphäre, hinter der ja doch etwas Übernatürliches stecken könnte, bis es dann zur Auflösung kommt. Danach bin ich dann immer wieder auf Holmes und Watson gestoßen. Ich glaube der Übergang, vom ersten Film, hin zu seinem literarischen Gesamtwerk war dann fließend. Es gibt da keinen bestimmten „Moment“ in dem ich ein Fan von Doyles Schaffen wurde.

Sherlock Holmes hat im Laufe der Jahre viele Veränderungen in den Pastiches durchgemacht. Welchen Holmes magst du am liebsten?
Ich mag vor allem die Holmes Geschichten, ganz gleich ob im Buch oder im Film, in denen Watson nicht nur als trotteliger Sidekick dargestellt wird, sondern als gleichberechtigter Partner, der seine eigenen, durchaus herausragenden, Fähigkeiten einbringt und damit hilft, den Fall zu lösen.
Besonders gelungen finde ich da die neuen Verfilmungen mit Robert Downey jr. und Jude Law, oder auch die Serie Sherlock mit Cumberbatch und Freeman. Obwohl ich zugeben muss, dass ich mich lange mit dem modernen Setting schwer getan habe, bevor ich der Serie eine Chance gab. 

Hand aufs Herz: Was zeichnet deine Holmes Geschichte in der Anthologie aus?
Ohne ins Detail gehen zu wollen und zu viel zu verraten, versuche ich Holmes ein wenig anders darzustellen. Besorgt und gleichzeitig nicht auf der Höhe seiner Fähigkeiten. Den Grund dafür kann ich allerdings nicht nennen, ohne der Geschichte vorzugreifen. Außerdem habe ich einen Ort in London eingebaut, den ich besonders faszinierend finde. Wer einmal dort gewesen ist, wird meine Faszination vielleicht teilen können. Am Ende wird dann deutlich, von welchem Ort ich spreche. 

Nächste Woche endet die Interview-Reihe mit meinen eigenen Antworten zu Sherlock Holmes.

Donnerstag, 13. Juli 2023

#AutoralsDetektiv: Jens Arne Klingsöhr


Hallo zusammen.
Zur Veröffentlichung meiner ersten Anthologie "En Passant - Die Reisen des Sherlock Holmes" habe ich mir in Zusammenarbeit mit Christoph Grimm und dem Burgenwelt-Verlag eine Sonderausgabe von #AutoralsLeser ausgedacht. Einmal in der Woche folgen nach der Veröffentlichungswoche die weiteren Interviews.

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Welche Sherlock Holmes Geschichte von Arthur Conan Doyle hat dich in die Welt des Detektivs geführt und was hat dir an ihr gefallen? 
In den frühen 80er Jahren gab es eine Hörspielreihe mit Peter Pasetti als der Detektiv, die speziell für das Label Europa produziert wurde. Die Episode ‚Der sterbende Detektiv‘ hat maßgeblich beeindruckt, woran das intensive Spiel von Peter Pasetti seinen nicht zu unterschätzenden Anteil hat – bis heute ist das meine Lieblingsgeschichte. Sherlock Holmes ist – wenn auch nur vorgetäuscht - nicht ganz bei sich und sterbenskrank, Watson hat entgegen vieler anderer Geschichten eine sinnvolle Tätigkeit und Funktion in der kurzen Erzählung, und die Erzählstruktur ist eine andere, denn es gibt keinen direkten Klienten; für mich hebt die Geschichte sich daher sehr positiv von den anderen hervor. 

Sherlock Holmes hat im Laufe der Jahre viele Veränderungen in den Pastiches durchgemacht. Welchen Holmes magst du am liebsten? 
Mir gefällt der Holmes, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt; der sein Augenmerk auf den Fall legt und erwartet, dass auch andere, i. d. R. Watson, alles andere der Ermittlung unterordnen – wodurch er recht arrogant wirkt. Ich mag es aber auch, wenn Autoren ihn Fehler machen lassen: Sherlock Holmes ist kein unfehlbarer Superheld, sondern ein zwar herausragender Mensch, der aber, wie alle Menschen, auch Schwächen hat und der dann und wann auch mal eine Situation falsch einschätzt.

Hand aufs Herz: Was zeichnet deine Holmes Geschichte in der Anthologie aus?
Das muss jeder Leser für sich selbst beantworten. Für mich ist es die ungewöhnliche Fallkonstruktion: Ein Portemonnaie verschwindet, taucht dann wieder auf und nur weil es wieder aufgetaucht ist, gerät jemand in Haft. Dabei ist an dem Portemonnaie und an dessen Inhalt nichts Ungewöhnliches.

Nächste Woche stellt ein weiterer Autor seine Antworten zu Sherlock Holmes vor.

Donnerstag, 6. Juli 2023

#AutoralsDetektiv: Norbert Schäfer


Hallo zusammen.
Zur Veröffentlichung meiner ersten Anthologie "En Passant - Die Reisen des Sherlock Holmes" habe ich mir in Zusammenarbeit mit Christoph Grimm und dem Burgenwelt-Verlag eine Sonderausgabe von #AutoralsLeser ausgedacht. Einmal in der Woche folgen nach der Veröffentlichungswoche die weiteren Interviews.

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Welche Sherlock Holmes Geschichte von Arthur Conan Doyle hat dich in die Welt des Detektivs geführt und was hat dir an ihr gefallen?
Ich kann mich nicht an meine erste Sherlock Holmes-Geschichte erinnern, habe allerdings die komplette Sammlung der Fälle des Detektivs mehrmals gelesen. Am besten gefallen mir die Fälle, die sich vornehmlich auf die analytischen Fähigkeiten des Protagonisten stützen und auf Mord und Totschlag sowie Dramatik um hochrangige Persönlichkeiten verzichten. Exemplarisch würde ich den Fall „Das gelbe Gesicht“ nennen, mit überraschendem Ende und der meines Wissens einzigen Fehleinschätzung des berühmten Detektivs.  

Sherlock Holmes hat im Laufe der Jahre viele Veränderungen in den Pastiches durchgemacht. Welchen Holmes magst du am liebsten?
Tatsächlich bin ich ein großer Fan der BBC-Krimireihe „Sherlock“ mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle. Ein in meinen Augen sehr gelungener Transfer des Sherlock Holmes-Kanons in die Gegenwart unter Beibehaltung der Charaktereigenschaften der Protagonisten und Anlehnung an die bekannten Fälle von Arthus Conan Doyle. Im Gegensatz zur viktorianischen Behäbigkeit extrem temporeich, dabei durchgehend spannend und immer mit subtilem Witz.

Hand aufs Herz: Was zeichnet deine Holmes Geschichte in der Anthologie aus?
(Ich erspare mir mal den Hinweis darauf, dass ich es eigentlich nicht gewohnt bin, mich positiv über meine Geschichten zu äußern. Das dürfen gerne andere machen oder auch lassen. Hilft aber vermutlich bei der Frage nicht weiter.)
Nicht zuletzt aus Respekt vor dem Werk von Arthus Conan Doyle bemühe ich mich, „meine“ Sherlock Holmes-Fälle sehr eng an den Stil des großen Autors zu halten. Das Eintauchen in die Atmosphäre des viktorianischen Englands, die frühzeitige Einführung der scharfen Beobachtungsgabe und Analyse des Meisterdetektivs gepaart mit einem kniffligen Fall, dessen Auflösung die eine oder andere Überraschung bereithält aber nie den Pfad der Logik verlässt. Und idealerweise auf Mord und Totschlag verzichtet. Ich glaube, dass mir das mit der vorliegenden Geschichte „Der weiße König“ ganz gut gelungen ist, überlasse die Verifikation aber gerne den Lesern.   

Nächste Woche stellt ein weiterer Autor seine Antworten zu Sherlock Holmes vor.

Donnerstag, 29. Juni 2023

#AutoralsDetektiv: Anke Elsner


Hallo zusammen.
Zur Veröffentlichung meiner ersten Anthologie "En Passant - Die Reisen des Sherlock Holmes" habe ich mir in Zusammenarbeit mit Christoph Grimm und dem Burgenwelt-Verlag eine Sonderausgabe von #AutoralsLeser ausgedacht. Einmal in der Woche folgen nach der Veröffentlichungswoche die weiteren Interviews.

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Welche Sherlock Holmes Geschichte von Arthur Conan Doyle hat dich in die Welt des Detektivs geführt und was hat dir an ihr gefallen?
Keine Ahnung, ist zu lange her; ich mag am liebsten „Der Hund von Baskerville“ und „Das gefleckte Band“. Die beiden Geschichten sind so schön hinterhältig.

Sherlock Holmes hat im Laufe der Jahre viele Veränderungen in den Pastiches durchgemacht. Welchen Holmes magst du am liebsten?
Kann ich nicht sagen, ich kenne nur die Fernsehfassung mit Benedict Cumberbatch, und da finde ich die ersten Folgen total genial in ihrer Verknüpfung von Jetztzeit und Holmes-Geschichte.

Hand aufs Herz: Was zeichnet deine Holmes Geschichte in der Anthologie aus?
Der Plot ist spannend, der Stil entspricht dem Conan Doyles und die beiden Protagonisten zeichnen sich durch genau die Eigenarten aus, die man auch in den originalen Holmes-Geschichten findet. Also für Holmes-Liebhaber eine fesselnde Lektüre - hat man mir gesagt ;-)

Nächste Woche stellt ein weiterer Autor seine Antworten zu Sherlock Holmes vor.

Donnerstag, 22. Juni 2023

#AutoralsDetektiv: Richard Fliegenbauer


Hallo zusammen.
Zur Veröffentlichung meiner ersten Anthologie "En Passant - Die Reisen des Sherlock Holmes" habe ich mir in Zusammenarbeit mit Christoph Grimm und dem Burgenwelt-Verlag eine Sonderausgabe von #AutoralsLeser ausgedacht. Einmal in der Woche folgen nach der Veröffentlichungswoche die weiteren Interviews.

Weiter geht's mit: Richard Fliegenbauer

Welche Sherlock Holmes Geschichte von Arthur Conan Doyle hat dich in die Welt des Detektivs geführt und was hat dir an ihr gefallen?
Ich gebe zu, ich weiß es nicht mehr. Aber Sherlock Holmes war schon von Kindesaugen an mein Held unter allen Detektiven. Weil er mit Köpfchen arbeitete und kein so kleines Detail übersah. Das imponierte mir als Knirps unendlich und ich versuchte, bei einigen Geschichten selbst auf den Kniff zu kommen, mit dem der Täter überführt werden könnte. Heute ist mein Liebling „Das Geheimnis von Boscombe Valley“, weil es so spannend in der Auflösung ist.

Sherlock Holmes hat im Laufe der Jahre viele Veränderungen in den Pastiches durchgemacht. Welchen Holmes magst du am liebsten?
Hier kommt meine Liebe zu Indien zum Vorschein, da kann es nur um die „Missing Years“ gehen, also die Zeit, die Holmes im Exil war. „Das Mandala des Sherlock Holmes“ ist einfach eine wunderbare Verknüpfung der westlichen und fernöstlichen Welt.

Hand aufs Herz: Was zeichnet deine Holmes Geschichte in der Anthologie aus?
Es ist immer schwer, die eigene Geschichte zu bewerten und einzuordnen. Mein Fokus lag bei „Gin“ auf zwei Punkten: Zum einen das Eintauchen in das London um die Zeit von 1900. Zum anderen ging es mir darum, die akribische Arbeit und die logischen Zusammenhänge von Holmes herauszustellen. Ohne Gen-Analyse und Rasterelektronenmikroskop, nur durch die cleveren grauen Zellen des Detektives wird der Fall gelöst, den die Polizei schon längst abgelegt hatte.

Nächste Woche stellt eine weitere Autorin ihre Antworten zu Sherlock Holmes vor.

Donnerstag, 15. Juni 2023

#AutoralsDetektiv: Alexander Klymchuk


Hallo zusammen.
Zur Veröffentlichung meiner ersten Anthologie "En Passant - Die Reisen des Sherlock Holmes" habe ich mir in Zusammenarbeit mit Christoph Grimm und dem Burgenwelt-Verlag eine Sonderausgabe von #AutoralsLeser ausgedacht. Einmal in der Woche folgen nach der Veröffentlichungswoche die weiteren Interviews.

Weiter geht's mit: Alexander Klymchuk

Welche Sherlock Holmes Geschichte von Arthur Conan Doyle hat dich in die Welt des Detektivs geführt und was hat dir an ihr gefallen? 
Die erste Geschichte, die ich von Sherlock Holmes las, war „Das Tal der Angst“, doch „Der Vampir von Sussex“ hinterließ einen bleibenden Eindruck. Sie fasziniert mich noch heute. In der Welt des Meisterdetektivs wird in den klassischen Geschichten oft mit Mysterien gespielt, die den Anschein erwecken, dass Übernatürliches die Ursache zu sein scheint. Besonders in Erinnerung ist mir da „Der Hund von Baskerville“. Doch wie beim Vampir von Sussex lässt sich das Geschehen stets rational erklären. Diese Aspekte haben mir besonders gut gefallen, da sie eine klassische Kriminalgeschichte mit phantastischer Literatur zu etwas Neuem vermischen.

Sherlock Holmes hat im Laufe der Jahre viele Veränderungen in den Pastiches durchgemacht. Welchen Holmes magst du am liebsten? 
Ich liebe Peter Cushing in der Verfilmung von „Der Hund von Baskerville“ aus dem Jahr 1959. Auch Robert Downey Jr. hat mir in den Filmen von Guy Ritchie sehr gut gefallen, obwohl er ganz klar einen anderen Fokus hat als die Vorlagen von Doyle und mehr auf cool inszenierte Action ausgelegt ist. Die Chemie zwischen diesem modernen Holmes und seinem von Jude Law verkörperten Dr. Watson hat für mein Empfinden gut funktioniert. Aber wirklich nachhaltig beeindruckt hat mich Benedict Cumberbatchs Inkarnation von Sherlock Holmes in der BBC-Serie „Sherlock“, die zwischen 2010 und 2017 produziert wurde. Hier stimmt für mich alles, von den Dialogen über die Dramaturgie, die Besetzung war absolut top und die Atmosphäre insgesamt war eine tolle Kombination, die Sherlock  Holmes als klassische Figur ernst nimmt und erfolgreich in ein modernes Setting transzendiert. Cumberbatch ist eine Naturgewalt, der der Figur, die er verkörpert, mit Witz und Respekt mehr als gerecht wird und ihr glaubhaft und unterhaltsam Leben einhaucht. 
Großes Kino.

Hand aufs Herz: Was zeichnet deine Holmes Geschichte in der Anthologie aus?
Ich denke, meine Geschichte „Der Exorzismus der Maria Copperfield“ zeichnet sich durch verschiedene Aspekte aus. Zum einen basiert das Setting auf realen Hintergründen. So war Captain Robert Anderson, der Holmes in der Geschichte um Hilfe bittet, tatsächlich im Jahre 1888 Chief Inspector des Scotland Yard in London und jagte den berüchtigten Serienmörder „Jack the Ripper“ und hätte in der Tat keine Zeit für einen anderen Fall gehabt. So ist die Geschichte nicht nur eine Hommage an die klassischen Erzählungen, sondern teilweise auch eine Momentaufnahme der
Kriminalgeschichte. Ein anderer Aspekt, der diese Erzählung für mich persönlich besonders macht, ist die Tatsache, dass ich vor etwa 15 Jahren die Einleitung und Andersons Brief schrieb und sie dann unvollendet in einer Schublade vor sich hingammelte, bis sie durch die Ausschreibung zu dieser Anthologie wiederbelebt und vollendet wurde. Ich glaube, ich brauchte erst noch etwas mehr Erfahrung, sowohl als Autor als auch als Leser, um mir anzumaßen, Sir Conan Doyles ikonischem Ermittler Worte in den Mund zu legen und einen rätselhaften Kriminalfall zu entwirren.​
„Der Exorzismus der Maria Copperfield“ hat mich also eine sehr lange Zeit begleitet, bevor ich die Geschichte vollenden und loslassen konnte, doch ich bin froh, dass alles so gekommen ist. Ursprünglich sollte sie ganz anders verlaufen und enden. Doch manchmal ist es gut, wenn man sich etwas mehr Zeit lässt.

Nächste Woche stellt ein weiterer Autor seine Antworten zu Sherlock Holmes vor.