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Donnerstag, 28. August 2025

Autoreninterview Maria Orlovskaya

Hallo zusammen.
Diesen Monat habe ich eine Autorin gefunden, die dieses Jahr schon für ihre Texte ausgezeichnet wurde. Maria schafft es mit ihren Geschichten, die Lesenden zum Nachdenken anzuregen und über den Tellerrand zu schauen. 

(Foto: Maria Orlovskaya (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Als ich fünf oder sechs Jahre alt war, habe ich mir epische Science Fantasy Stories ausgedacht und mit meinen Stofftieren nachgestellt. Die Hauptfiguren — ein matriarchales Adelsgeschlecht mit 12 Töchtern — bereiste die Sterne: auf unserem alten Perserteppich.
Meine Großmutter kam damals vorbei und meinte: “Warum fängst du nicht an, diese Geschichten aufzuschreiben?” Und ich so: „Ja, why not?!“

Du hast dieses Jahr den dritten Platz beim Kurt Lasswitz Preis für deine Kurzgeschichte geholt. Erzähl ein bisschen darüber, wie du diese Zeit erlebt hast.
Ja, irgendwie crazy alles. Kurz nach der Nominierung habe ich mich so gefühlt, als wäre ich jetzt eine “Person des öffentlichen Lebens” und habe alle möglichen peinlichen Captions und Bilder auf meinem Instagram-Profil archiviert. Aber irgendwie merkte ich dann, dass sich ja doch niemand so wirklich für mein Instagram interessiert :)
Die Preisverleihung auf dem WetzKon war allerdings herrlich. Und die Lesung hat auch sehr großen Spaß gemacht.

Bist du bei deinen Texten eher Team Utopie oder Dystopie?
Defintiv Dystopie. Wenn ich in die Kolumne von Theresa Hannig reinlese (oder besser gesagt reinhöre, denn ich habe sie in Wetzlar lesen hören) dann tut sich für mich definitiv ein Bild auf, das ich mit dem englischen Wort endearing beschreiben würde. Sorry an alle Lektoren, die meine Anglizismen hassen. Aber leider liebe ich meine Anglizismen sehr und an dieser Stelle wären andere (deutsche) Worte, wie z.B. niedlich sehr unangebracht. Denn es wäre schön, wirklich sehr schön, wenn ich daran glauben könnte.
Auch Star Trek spielt in einer Utopie. Einer Utopie, die aus der Linse des kalten Krieges entstanden ist.

Generell lässt sich sagen, dass jede Utopie aus einer bestimmten Linse heraus entsteht; aus einem bestimmten Blickwinkel. Die Utopie des einen ist des anderen Dystopie. Viele Dinge, die für mich technokratisch utopisch wären, z. B. ein KI-Filter für zwischenmenschliche Kommunikation, würden die meisten verschreien. Auf der anderen Seite finde ich Utopien, die andere Autor*innen sorgfältig zusammengeschustert haben, sehr dystopisch. Und nicht nur das: ich finde viele Gespräche, die ich mit meinen Freund*innen führe, zutiefst dystopisch.
Ich glaube, das interessanteste an einer Dystopie ist, dass die Charaktere nicht merken, dass sie in einer leben und der Leser mitgenommen wird, auf diese Reise der Erkenntnis. Dass es am Ende doch eine war.
Genauso glaube ich, dass die meisten nicht wissen, dass wir bereits in dystopischen Verhältnissen leben. Oder noch besser: dieser Aussage im Generellen zustimmen und doch blinde Flecken genau an den Stellen aufweisen, die ich aufzeigen möchte.

Wie und vor allem wo entstehen deine Geschichten?
In meinem Kopf, idk. Idk, Ngl, Lmao: Lektoren hassen diese Tricks. Aber ich glaube, eine jugendlich ausgerichtete Sprache ist zukunftstauglich. Und stehe dazu.
Spaß beiseite: meistens ist es sehr unglamourös. Es gibt irgendeine Ausschreibung irgendwo, und ich brainstorme Ideen. Und schaue mir an, was in den USA gerade gut ankommt. Eine gute Faustregel ist: das, was dort gerade cool ist, wird bei uns in max. einem Jahr auch langsam cool werden.
Also: orientiert euch an Clarkesworld, Kinder.

Ja und einige dieser Ideen schaffen es dann in die engere Auswahl, andere nicht. Zum Thema Worldbuilding kann ich die Bücher von Marie Brennan sehr empfehlen – zum Thema Dramaturgie Truby und Vogler. Die beiden letzteren haben wir auch an der Uni nahegelegt bekommen.

Auf deinem Instagram-Account habe ich gesehen, dass du auch Musik machst. Beflügelt das Schreiben die Musik oder ist es eher anders herum?
Irgendwann mit achtzehn habe ich mich ausschließlich auf Musik konzentriert und das Schreiben (wie sehr sehr oft in meinem Leben) aufgegeben. Weil die Musik keine Angriffsfläche bietet. Ein Ton ist vielseitig interpretierbar und ein Akkord, selbst wenn er moll sein mag, lässt keine Schlüsse auf den Menschen dahinter ziehen. Oder zumindest nur sehr schwammige. Doch das literarische Wort nagelt dich fest. Wenn du Pech hast, stellt es deine Biografie bloß – oder schlimmer noch: deine politische Meinung. Deswegen wollte ich mich hinter dem Ton verstecken.
Bis ich dann einundzwanzig war und es satt hatte, etwas Normales studieren zu müssen. Da ich fürs Konservatorium zu schlecht war und Gamedesign mir von meinem intellektuellen Moskauer Familienhaus verboten wurde, musste ich für die Bewerbung an der Babelsberger Uni wieder mit dem Schreiben anfangen. Oder zumindest ein paar alte Sachen von Staub befreien, um sie dort
einzureichen.

Was tust du bei einer Schreibflaute?
Wenn man professionell schreibt, und noch keinen Durchbruch hatte, kann man sich “Flauten” nicht leisten. Ich glaube Flauten sind etwas für Menschen, die entweder schon sehr komfortabel von ihrer Literatur leben können, oder für solche, die es von Anfang an nicht ernst gemeint haben.
Klingt vielleicht hart, aber anders sehe ich es nicht.

An welchen Projekten arbeitest du gerade?
Von zwei Projekten kann ich kaum erzählen, denn sie liegen gerade bei zwei anonymisierten Stipendien vor und ich möchte eine Disqualifizierung nicht riskieren, weil ich mich hier verplappere. Ansonsten versuche ich, ein Manuskript von mir so aufzubereiten, dass es dramaturgisch ansprechender wird.
Da man es dem Climate Fiction zuordnen könnte, wäre das sogar ein Kandidat für 2-3 Agent*innen und Verlage, mit denen ich schon länger aus der Ferne flirte. Wer weiß, vielleicht klappt es ja?
Ich glaube ja kaum dran. Aber vielleicht drückt mir der* ein*e oder andere hier die Daumen.
Eine Sache, die ich allerdings verraten kann: ich arbeite an einem Stoff für die Anthologie “Zu den Wurzeln” vom Ohneohren Verlag, die leider jetzt eingefroren wurde. Das Worldbuilding ist bisher aber so cool, dass ich wahrscheinlich dennoch etwas daraus machen werde. Es geht um eine flat-earth-ancient-aliens-eske Theorie und dass diese vor mehreren Jahrtausenden zu 100% die Realität war.
Gerne könnt ihr dazu den Begriff “versteinerte bäume verschwörungstheorie” googeln. Ich finde das Konzept ziemlich knorke, auch wenn es wahrscheinlich zu 100% nicht der Realität entsprochen hat.

Aber wer weiß: idk, ngl. idc.

Wer neugierig ist, kann sich hier mehr über Maria erfahren:
www.mariaorlovskaya.com
www.instagram.com/maorlovskaya

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Donnerstag, 31. Juli 2025

Autoreninterview Dag (Galaxy of Shadows) Literaturinterview

Wer meinem Account schon länger folgt, weiß, dass ich es liebe, Romanfiguren zu interviewen. Dieses Mal treffen wir Dag aus Dan Adams Space Opera "Galaxy of Shadows".
Gerade sind Dag, Guus und Kaylah über einem Planeten abgestürzt. Während einer Verschnaufspause nimmt sich Dag Zeit, einige Fragen zu beantworten.


Angesichts der Lage, in der wir uns gerade befinden, ziehst du das Unglück immer magisch an?
Hm, sagen wir mal so. Unglück ist mir ein zu großes Wort. Ich würde es eher Pech nennen. Ich plane die Dinge, die ich so tue, meistens ganz genau. Aber dann gibt es da Ereignisse, oder Personen, die mir dazwischen kommen und meine Pläne über den Haufen werfen. Das ist dann Pech, aber das ist nichts, wovon ich mir Angst machen lasse. Ich nehme das als neue Herausforderung und improvisiere. Darin bin ich ziemlich gut. Ein Unglück ist etwas, dass du nicht beeinflussen kannst. Du kannst es nur über dich ergehen lassen und hoffen, dass du heil rauskommst. Ist mir bisher noch nicht so oft passiert. Das würde man dann wohl Glück im Unglück nennen. (grinst)

Doch nun einmal von Anfang an, wie kam es dazu, dass du Kaylah retten musstest?
Nun, es gibt da ihren Vater, Gavan. Das ist ein Mann, bei dem ich ein bisschen in der Kreide stehe. Und..., ich weiß nicht, ob Du Gavan kennst, aber das ist einer, bei dem man besser keine Schulden hat. Es gab da in der Vergangenheit ein paar Sachen, die bei mir schief gelaufen sind und Gavan hat mir finanziell unter die Arme gegriffen. Aber, so was macht er nicht aus Freundlichkeit, das kostet zumindest einen Gefallen. Als Kaylah dann entführt wurde, hat er ihn einge-fordert. Da ich ein wenig was vom Finden und Wiederbeschaffen verstehe, fiel seine Wahl dann auf mich.

Siehst du dich als Outlaw?
Ein Outlaw? Hm. Das ist ein so abwertendes Wort (Grinst): Ich würde es anders nennen. Ich bin ein Freelancer, jemand den man anheuern kann, wenn man eine Sache nicht selbst erledigen will. Und wenn ich dafür das Gesetz brechen muss, nun, dann ist das lediglich eine kleine Notwendigkeit. Outlaws sind andere. Das sind brutale Typen, die andere überfallen und dabei über Leichen gehen. So einer bin ich nicht. Ich mag es ruhig, unkompliziert und unauffällig. Die Outlaws, die ich kenne, und ich kenne nicht viele, sind laut und prahlerisch. Solche Typen haben ein großes Ego und ein noch größeres Mundwerk. Die werden meist nicht alt und ich habe vor sehr alt zu werden.

Was braucht man, um in dieser Welt zu bestehen?
Gute Nerven, das vor allen Dingen. Und es hilft unsichtbar werden zu können. Wenn es Stress gibt macht es Sinn unterzutauchen und bloß keine Spuren hinterlassen. Dann wächst meist Gras über ein Problem. Die Leute vergessen schnell. Manche sagen ja, schießen zu können wäre auch hilfreich. Ich sehe das anders. Ich bin kein guter Schütze und lebe trotzdem noch. Weißt du, wenn du jemanden umlegst, dann gibt es immer einen, dem das nicht gefällt und der sich rächen will. Wenn ich Streit mit jemandem habe, gibt es meist nur ein paar Prügel. Das ist in Ordnung, so läuft das Geschäft. Du haust jemanden übers Ohr und dann kann es eben mal passieren, dass man eine Abreibung kriegt.

Du sagst, du giltst als schwarzes Schaf der Familie, was wärst du geworden, wenn alles richtig gelaufen wäre?
Pfff, wer kann das schon sagen. Meine Mutter wollte immer, dass ich studiere, oder meiner Schwester folge und an die Akademie gehe, um etwas aus mir zu machen. Aber ich war faul und kein besonders guter Schüler. Außerdem hatte ich ständig Ärger. Sie ist daran verzweifelt. Im Nachhinein tut es mir leid, dass ich ihr soviel Kummer bereitet habe. Sie hätte ein bisschen Unterstützung verdient. Besonders da mein Vater nie da war. Und wenn er da war, hat er sich betrunken und mit ihr gestritten.
Mein Vater war ein Dooner, aber Mutter war ein herzensguter Mensch. Sie wäre sicher enttäuscht von mir, aber das Leben, das sie für mich wollte, hätte mich nicht glücklich gemacht. Kannst du dir vorstellen, dass ich als Raumschiff-ingenieur in den Werften gearbeitet hätte? Nein? Siehst du, ich auch nicht. Also tue ich das, was ich jetzt eben so tue.

Und wie sieht der perfekte Tag in deinem jetzigen Leben aus?
Kurz gesagt. Am liebsten bleibe ich an so einem Tag mit Kaylah im Bett und tue, was man da eben so tut. Du verstehst mich. Dann natürlich ausschlafen, ich hasse es früh aufstehen zu müssen. Und an so einem Tag mache ich mir keine Sorgen ums Geld. Das ist sonst ständig ein Problem und sorgt dafür, dass ich unentspannt bin. Ich muss zugeben, ich bin nicht gut darin mein Geld zusammenzuhalten.
Ach ja, schön ist es auch, wenn ich mal an so einem Tag nicht in Schwierigkeiten stecke. Einfach Nichtstun und genießen, das wäre perfekt. Findet aber leider viel zu selten statt.

Werden wir den Planeten wieder lebend verlassen?
Ich habe schon in vielen Schwierigkeiten gesteckt und gedacht – hier kommst du nicht lebend raus, aber hey, ich bin hier, lebendig. Und ich lass niemanden im Stich. Ich bin Optimist, und das solltest du auch sein. Wir kriegen das hin. Vertrau mir. Ich weiß was ich tue. (zwinkert und grinst)

Neugierig geworden? Dann schaut hier vorbei:
bastei-luebbe.de/Science-Fiction-Fantasy/Galaxy-of-Shadows-Die-graue-Zone
www.instagram.com/juergen_baerbig

Donnerstag, 26. Juni 2025

Autoreninterview Ute Zembsch Fiktivinterview

Wer meinem Account schon länger folgt, weiß, dass ich es liebe, Romanfiguren zu interviewen. Dieses Mal geht es weit in die Vergangenheit.
Deutschland, 772. Helgard hat gerade ihrer Ausbildung als Seherin abgeschlossen, als sie sich auf ihre erste Reise machen muss. Allein. Nun muss sie sich beweisen und zeigen, dass Nortrun sie zu einer weisen Frau geformt hat. Doch bevor die Geschichte so richtig beginnt, darf ich ihr ein paar Fragen stellen. Da sie selbst in Runen schreibt, übersetzt die Autorin Ute Zembsch die Antworten.

(Cover: Detlef Klewer (Burgenwelt Verlag), Grafik: Maximilian Wust)


Helgard, war es dein Wunsch, Seherin zu werden?
Oh, ja. Ich bewunderte unsere Wala Nortrun schon als Kind. So viel Weisheit und Würde, dann noch die starke Verbindung zu unseren Göttinnen, Göttern und der Geisterwelt. So wollte ich auch sein und gab alles, damit sie mich als Schülerin wählt.

Warum musste die Ausbildung so weit entfernt von deiner Familie stattfinden?
Kennen die Menschen einen seit klein auf, hegen sie gewisse Vorbehalte, dabei bewahrheitete sich schon das eine oder andere, dass ich in sehr jungen Jahren sagte. Zudem lenke es mich von dem ab, was wirklich wichtig ist, meinte Nortrun, und nahm mich in ihre Hütte auf. Wir reisten viel, damit ich ihr Wirken, die Welt und die verschiedenen Ortsgeister kennenlerne.

Hast du Zweifel, was deine neue Aufgabe anbelangt?
Ganz ehrlich? Wenn meine Meisterin mit Runen weissagt oder die Grenze zwischen der Alltags- und der Geisterwelt überschreitet, um mit ihren geistigen Verbündeten zu wirken, kommt es mir so natürlich vor. Bei mir selbst denke ich immer, ich sei vermessen. Was, wenn ich Fehler mache, weil die Götter, Geister und Ahnen mir ihre Gunst verwehren? Trage ich doch ein Geheimnis mit mir herum, dass sie gewiss nicht gutheißen. Aber schweigen wir darüber.

Wie schaffst du es, dich auf deine Kräfte zu konzentrieren?
Es brauchte schon einige Übung, um mich nicht mehr ablenken zu lassen, auch von Gedanken, die sich dazwischendrängen. Zuerst atme ich ganz bewusst ein und aus, singe für die Geister, um sie herbeizulocken und mich von der Alltagswelt abzuschirmen. Wichtig ist auch, sich vollständig auf die Frage oder das Ziel des Seelenflugs (ich glaube, heute wird eher „Trancereise“ gesagt) einzulassen, dann führt mich mein Schutzgeist zur Antwort. Lausche ich den Runen, höre ich ihre Stimmen in meinem Kopf. Bei allem bevorzuge ich Stille um mich herum.

Welche Empfindungen löst der Stab bei dir aus?
Ehrfurcht, da er zuvor einer anderen, sicher erfahrenen Wala gehörte. Leider erzählte mir Nortrun nichts über sie. Der Geist des Stabs -wie alles in der Welt ist auch er beseelt- zeigt sich mir müde, irgendwie krank. Ich möchte ihm so gerne helfen, Heilung bringen. Durch seine Verbindung zu seiner früheren Trägerin auch ihr.

Was erhoffst du dir durch deine Kräfte?
Es ist mein Herzenswunsch, den Menschen, dem Land und seinen Wesen Heilung, Hoffnung und Schutz zu bringen, gerade nach dem, was ich in meiner Vision sah. Nicht alle Bilder, die ich in der Geisterwelt sehe, sind eindeutig, einiges muss ich nach bestem Wissen deuten. Aber hier bin ich mir ganz sicher, dass uns Westfalen große Gefahr droht.

Wohin wird dich dein Weg führen, nachdem du bei deinem Bruder warst?
Mein eigentliches Ziel ist unser Oberhaupt, aber mein Zwillingsbruder und ich hängen sehr aneinander, daher suche ich ihn nach der Ankunft im Dorf zuerst auf und nehme seine Gastfreundschaft und die seines Weibes in Anspruch. Für den Abend lasse ich eine Versammlung einberufen, bei der ich vor den Augen und Ohren der Freien die Botschaft der Geister verkünde. So stark, wie meine Vision war, muss ich sie vor dem Feind mit seinem unglaublich großen Heer warnen. Mögen sie auf mich hören und sich gut vorbereiten. Mögen wir und unsere Freiheit gerettet werden.

Neugierig geworden? Dann schaut hier vorbei:
instagram.com/utezembsch/
burgenweltverlag.de/zembsch-ute
burgenweltverlag.de/romane/der-stab-der-seherin

Donnerstag, 29. Mai 2025

Autoreninterview Jürgen Bärbig - Hörsprecher-Edition

Hallo zusammen.
Diese Woche treffen wir erneut einen Bekannten. Wer meinem Blog schon länger folgt, kennt Jürgen Bärbig oder Nathan Winters bereits. Neben seiner Schriftstellerei hat er sein Tätigkeitsfeld erweitert und sich zum Hörsprecher ausbilden lassen. Spannend? Das fand ich auch und habe ihm erneut ein paar Fragen gestellt.

(Foto: Jürgen Bärbig (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Wie kam es dazu, dass du Hörbuchsprecher geworden bist?
Es hat damit angefangen, dass ich mit meinem Freund, dem Musiker Werner Wieczorek, Live Hörspiel Lesungen zu meinen Romanen veranstaltet habe. Mit Musik, Text und passenden Sounds.
Da wurde ich zum ersten Mal darauf angesprochen, ob ich auch Hörbücher einlesen würde. Was ich damals noch nicht tat. Die Idee fand ich aber gut. Ich habe mich dann weitergebildet, Kurse und Seminare besucht und ein wenig Schauspielunterricht genommen.
Gleichzeitig hat mich Werner dabei auf technischer Seite beraten. Welches Mikro brauche ich, welches Interface, Software usw. Ralph Edenhofer, ein SF Autor aus Aachen gab mir dann den ersten Auftrag und meine Arbeit kam bei den Leuten gut an. Also habe ich weitergemacht. Neben dem Schreiben ist das Sprechen eine tolle Möglichkeit kreativ zu sein. Ich bin wirklich happy, das hauptberuflich machen zu dürfen.

Wie kann man sich deinen Arbeitsalltag vorstellen?
Der ist tatsächlich recht unspektakulär. Ich stehe dann meistens um halb sieben auf und trinke erst mal einen Kaffee und esse etwas. Danach mache ich Aufwärmübungen, um die Stimmbänder aufzuwärmen. Das sieht dann schon sehr lustig aus und klingt auch so. Anschließend wird gebrummt, gekaut, geschmatzt und Probe gelesen, bis ich das Gefühl habe loslegen zu können.
Als Nächstes mache ich mir einen Tee mit einem Stück Ingwer. Nichts mit Kohlensäure, oder irgendwas, das Geräusche machen könnte. Auch was die Kleidung angeht, darf nichts Rascheln, Klimpern oder Klappern, denn man hört alles.
Dann lege ich los. Meistens arbeite ich sechs bis sieben Stunden mit einer längeren Pause dazwischen. Nach dieser Zeitspanne wird es auch langsam stickig in der Kabine, die Konzentration lässt nach und die Fehler häufen sich. Dann wird es Zeit aufzuhören.

Ist es für dich schwieriger, dich in die Figuren hineinzuversetzen, wenn du sie nicht selbst erschaffen hast?
Es kommt auf die Figuren an. Da ist es ein bisschen wie im richtigen Leben. Manche Personen liegen einem mehr, als andere. Mit manchen kommt man sofort ins Gespräch, mit anderen gar nicht. So ähnlich verhält es sich mit Roman-figuren. Manche handeln und reden, da fällt es mir leicht mich in sie hineinzuversetzen, bei anderen erfordert es mehr Arbeit, bis man begriffen hat wie sie ticken. Aber sich diese Figuren zu erarbeiten um sie authentisch wirken zu lassen, ist dann unglaublich spannend und herausfordernd.

Wie viel Freiraum hast du, wenn du Hörbücher einsprichst?
Zuerst einmal lese ich das Buch, mache mir Notizen und versuche die handelnden Figuren zu begreifen und ihnen eine Stimme zu geben, die ich dann später bei den Aufnahmen verwenden will. Wenn ich dann die Möglichkeit dazu habe, spreche ich mit den Autoren und stelle ihnen die Stimmen vor. Das gibt ihnen Gelegenheit noch eigene Wünsche zu äußern, die ich dann versuche umzusetzen. Sie sagen mir dann auch, ob ich kleine Änderungen im Text vornehmen kann. Das sind dann aber dann wirklich nur Kleinigkeiten, wie ein Wort weglassen, oder eins hinzufügen.
Der Haupttext bleibt aber vom Sprachduktus her meiner Interpretation überlassen. Es geht nicht, dass der Autor einem bei jedem Satz über die Schulter schaut. Da wäre keine konstruktive Arbeit möglich.

Was empfindest du leichter, Texte selber zu schreiben oder einzusprechen?
Beides ist auf seine eigene Art eine Herausforderung. Bei meinen eigenen Texten muss ich allerdings auf viel mehr Dinge achten. Sind die Charaktere fesselnd geschrieben, passen die Dialoge, wirken sie so als hätten echte Menschen sie gesprochen. Wie ist das Setting, wie deutlich sind die Bilder, die ich beim Leser erzeugen will. Wie ist überhaupt die Grundstimmung im Buch.
Erzähle und zeige ich das, was ich erreichen will?
Beim Hörbuchsprechen muss ich das nicht, da ist die Herausforderung das bereits geschrieben Wort mit Leben zu füllen. Wird es spannend muss ich spannend lesen, ist es dramatisch muss ich die Stelle auch dramatisch lesen. Sind die Charaktere traurig, lustig, wütend oder genervt muss man mir das anhören, denn sonst klingt es falsch.
Wie gesagt, beides ist auf seine eigene Art herausfordernd.

Kannst du im Vorfeld abschätzen, wie viel Zeit du benötigst, um einen Text einzusprechen?
Das kann ich immer nur ungefähr sagen. Es hängt hauptsächlich mit der Komplexität des Textes zusammen und dem Genre. Science Fiction finde ich zum Beispiel schwieriger, als einen Thriller oder ein Jugendbuch.
Dann ist wichtig wie viel Dialog es gibt und wie gut ich die Stimmung treffe in einer Unterhaltung zwischen den Charakteren. Da kann es passieren, dass ich unzufrieden bin und die Stelle mehrmals lese. Ich muss selbst davon überzeugt sein, dann kann ich den Text auch guten Gewissens wieder abgeben.

Erzähl ein bisschen über deine aktuellen Projekte.
Ich habe gerade die Aufnahmen zu „Minna und die magische Stadt“ abgeschlossen. Das ist ein Jugendroman von Carina Zacharias. Und eigentlich müsste ich jetzt mit der Arbeit am sechsten Teil von Ralph Edenhofers C23 Reihe beginnen, aber leider muss ich operiert werden, was meine Terminplanung ein wenig durcheinander wirbelt. Aber danach steht dieses Projekt an erster Stelle.
Im schriftstellerischen Bereich arbeite ich gerade zusammen mit meinem Lektor an meinem viktorianischen Roman „Der Schatten von Avamoore“, der im Oktober beim Drachenmond Verlag erscheinen wird.
Außerdem steht die Überarbeitung eines älteren Romans von mir an, über den ich leider noch nichts verraten darf, der aber ebenfalls im Drachenmond Verlag erscheinen wird.
Nur soviel – es wird abenteuerlich.:-)

Wer neugierig ist, kann sich hier mehr über Jürgen erfahren:
instagram.com/juergen_baerbig/

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Donnerstag, 1. Mai 2025

Autoreninterview James Goodwin Literaturinterview

Wer meinem Account schon länger folgt, weiß, dass ich es liebe, Romanfiguren zu interviewen. Dieses Mal hat sich der Bibliothekar Arthur Tingwell aus James Goodwins Krimi "Mord in Little Barkham" Zeit für ein paar Fragen genommen.
Willkommen in der Zukunft und im Internet, Mr. Tingwell.

(Cover: digital publishers, Grafik: Maximilian Wust)

Nach dem Schrecken des Zweiten Weltkrieges hat es Sie in das kleine, beschauliche Dorf Little Barkham verschlagen. Ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen?
Das kann man wohl sagen! Raus aus der Metropole London und rein in das idyllische Dorfleben. Wer träumt nicht von einem Leben auf einem Cottage, umgeben von wilder Heide und einem Birkenhain? Obendrein ist zwischen Dorking und Guildford, also unweit meiner neuen Heimat, Agatha Christie verschwunden. Wir erinnern uns: am 3. Dezember 1926 löste sich die Queen of Crime für elf Tage buchstäblich in Luft auf. Bis heute ist ihr Verschwinden ein Grund für allerlei Spekulationen.

Doch nach dem Mord ist es sicherlich vorbei mit der Idylle?
Zweifellos! Mrs Prudences Tod macht die Menschen um mich herum fassungslos. Meine Nachbarin, die verehrte Mrs Keene, hat es trefflich auf den Punkt gebracht: Keiner verdient so ein Schicksal. Keiner in Little Barkham.

Sie selbst nennen sich gerne "Bibliothekaris arrogantus". Nur weil Sie gebildet sind, meinen Sie auch arrogant zu sein? Oder ist das eher die Einschätzung Ihrer Mitmenschen?
Bisweilen kann es schon etwas Arrogantes haben, wenn man mit seiner Bildung hausieren geht. Sie müssen verstehen, ich liebe meine Romanwelten. Agatha Christies Mordkomplotte lassen mich ebenso wenig los wie Daphne Du Mauriers Schauerromanzen. Meine Schwärmerei wird allerdings nicht überall mit Wohlwollen aufgenommen.

Beschreiben Sie doch einmal einen typischen Tag in Little Barkham. Einen ohne Mord ...
Little Barkham unterscheidet sich darin kaum von den umliegenden Dörfern. Morgens fährt ein Großteil der Einheimischen per Überlandbus oder Auto nach London. Die meisten gehen dort ihrem Broterwerb nach. Die Daheimgebliebenen verrichten ihre Geschäfte vor Ort. Zum Beispiel Mr und Mrs Smolinski, die gemeinsam einen Krämerladen betreiben. Oder Mrs Chamberlain, die ein kleines Café nahe der Dorfkirche führt. Von denjenigen, die nicht in der Pflicht ihrer Arbeit stehen, besuchen etliche unsere Leihbücherei. Und damit wären wir bei mir und meiner Tätigkeit als hiesiger Bibliothekar.

Warum lieben Sie Agatha Christie und ihre Charaktere und nicht Sherlock Holmes? Liegt das an Ihrer Affinität zum Landleben?
Ich mag sowohl Agatha Christie als auch Arthur Conan Doyle. Doch Sherlock Holmes‘ Ausflüge ins Ländliche - wie bei „Der Hund der Baskervilles“ - sind mir seine liebsten Abenteuer. Was ich bei Agatha Christie bevorzuge, ist das Tableau an Verdächtigen, das sie uns mit jedem neuen Krimi präsentiert. Die Verdächtigen stehen eher im Mittelpunkt der Handlung, weniger ihre Detektive Miss Marple oder Hercule Poirot. Das gefällt mir ungemein.

Wie wichtig ist eine gute Menschenkenntnis in Ihrem Job bzw. auch beim Leben in einer kleinen Dorfgemeinschaft?
Ich werde oft als wahrer Menschenfreund bezeichnet. Meine Hoffnung ist, dass mit der Philanthropie auch meine Menschenkenntnis wächst. Hin und wieder habe ich mich in meinen Mitmenschen arg getäuscht, insbesondere in einige meiner Nachbarn. Angesichts dieser Fehlurteile würde ich schon sagen: Ja, eine gute Menschenkenntnis kann das Zusammenleben und letztlich auch meine Arbeit erleichtern. Schließlich ist der Buchgeschmack eines Menschen sehr individuell ausgeprägt.

Würden Sie denn noch einmal einspringen, wenn der Polizist wieder auf das falsche Pferd setzt?
Ah, Sie spielen auf Inspector Birdwhistle an. Aus meiner Sicht ein Kriminalist, der sich höchst eigenwilliger Methoden bedient. Andererseits muss ich zugeben, dass diese eifrige Beamtenseele eine seltsame Faszination ausstrahlt. Wenn es allein nach mir ginge, würde ich den Inspector gern dabei beobachten, wie er erneut aufs falsche Pferd setzt. Aber das soll keineswegs bedeuten, dass ich einen weiteren Mord in Little Barkham herbeisehne …

Neugierig geworden? Dann schaut hier vorbei:
digital-publishers.com/de/romane/mord-in-little-barkham-historisch-cosy-crime

Donnerstag, 24. April 2025

Autoreninterview Christian Tobias Krug

Hallo zusammen.
Diese Woche darf ich euch einen Autoren vorstellen, der auch in meiner Anthologie "Hinter Mauern" vertreten ist. Abweichend zu der mittelalterlichen Kurzgeschichte geht es in diesem Interview mehr um seine Fantasywelten, mehr will ich aber noch nicht verraten.

(Foto: Christian Tobias Krug (privat), Grafik: Maximilian Wust)


Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Schon im Grundschulalter habe ich eigene Texte geschrieben – damals noch Märchen und kurze Erzählungen.
Meine erste Geschichte als Kind hieß übrigens „Das Radieschen“. In dem Märchen steckt ein Radieschen so tief in der Erde, dass ein gesamtes Dorf benötigt wird, es herauszuziehen. Dass ich später dann Dark Fantasy und sogar Horror schreiben würde, konnte ich mir in dem Alter allerdings beim besten Willen noch nicht vorstellen. Solche Sachen fand ich eher ... na ja, gruselig ;)


Du hast sowohl schon Kurzgeschichten verfasst als auch Romane geschrieben. Wie unterscheidet sich hier deine Arbeitsweise?
Romane plane ich in der Regel von langer Hand, mache mir viele Gedanken im Vorfeld und werkle im Kopf an der Handlung herum. Bei Kurzgeschichten folge ich hingegen meist ganz spontanen Impulsen. Wenn ich beispielsweise die Ausschreibung zu einer Kurzgeschichten-Anthologie lese, ist meine Teilnahme häufig davon abhängig, ob ich zum gegebenen Thema ganz spontan die zündende Idee im Kopf habe.

"So dunkel das Zwielicht" spielt mit verschiedenen Elementen, die man aus bekannten Werken kennt. Bewusst sind mir mindestens drei literarische Vorbilder aufgefallen. Wie kann ich mir den Entstehungsprozess deines Werkes vorstellen?
Schwarz-Weiß-Malerei hat mich schon immer genervt – im realen Leben, aber auch in Büchern. Speziell im Fantasy-Bereich sind die Rollen von Gut und Böse ja meistens ziemlich klar verteilt.
„So dunkel das Zwielicht“ bricht bewusst mit diesen gängigen Mustern. Ob Himmel oder Hölle – keine der beiden Seiten ist eindeutig gut oder böse. Nicht immer scheint das Licht strahlend hell, die Finsternis verbirgt mehr als nur Schatten.
Aber auch für einzelne Charaktere gilt: Die Hauptfiguren rund um Julian und Kyu-Min sind nicht unbedingt strahlende Helden; sie besitzen ihre Ecken, Kanten und zweifelhaften Eigenschaften – ebenso sind ihre Gegner nicht einfach bloß Bösewichte, sondern oft gezeichnet von persönlichen Tragödien oder selbst Opfer der Umstände.
Beim Schmökern begegnet der Leser vielen bekannten Figuren wie dem gefallenen Luzifer, Dämon Asmodeus oder Erzengel Michael ... diese erfahren hier jedoch eine eigene Interpretation und unterscheiden sich teilweise stark von ihren mythologischen Vorbildern.
Daneben wirft die phantastische Handlung auch immer wieder Fragen auf, die sich konkret auf das reale Leben beziehen: Ist gleichgeschlechtliche Liebe eine Sünde? Was bedeuten Gut und Böse überhaupt? Darf man Gewalt ausüben, solange es im Namen einer gerechten Sache geschieht? ...


Wie würdest du dir eine Welt vorstellen, in der die Übergänge zu anderen Sphären fließender sind?
Chaotisch ;) Geistig bin ich ja sowieso schon ständig in anderen Sphären unterwegs – heißt: Ich verbringe viel Zeit in meinen eigenen Fantasiewelten und komme deshalb öfter zu spät zu Verabredungen oder renne versehentlich gegen Straßenlaternen. Wenn ich mir jetzt vorstelle, man könnte diese Welten tatsächlich auch noch körperlich-real besuchen ... oh je, ich würde wohl in unserer alltäglichen Welt nicht mehr viel auf die Kette bekommen.

Was beeinflusst dich besonders beim Schreiben?
Meistens Ereignisse des realen Lebens. Nicht unbedingt nur schöne Momente, in meinen Romanen und Geschichten verarbeite ich viele meiner schmerzhaftesten und prägendsten Erlebnisse.

Welcher deiner Charaktere ist dein liebster?
Schwer zu sagen. Wahrscheinlich steckt in den meisten Charakteren ein kleines Stück von mir selbst. Julian beispielsweise symbolisiert wahrscheinlich meinen inneren Kämpfer; er ist stark, selbstbewusst und sehr ehrlich mit seinen Gefühlen – vor allem sich selbst gegenüber, was ja ebenfalls Mut erfordert. Der Dämon Belial wiederum steht wohl für meine verletzliche Seite; aus ihm spricht der verzweifelte Wunsch aufzugeben, der in schwierigen Situationen wohl jeden Menschen gelegentlich überkommt.
Es gibt aber auch Charaktere, die sind zwar nicht unbedingt sympathisch, aber dennoch als Figur interessant – zum Beispiel Despariel, der „Hauptfeind“ der Zwielicht-Serie. Er ist nicht einfach ein plumper Oberschurke, sondern auch ein tragischer, innerlich zerrissener Charakter. Denn obwohl er nach Rache an Julian strebt ( die menschliche Wiedergeburt seines dämonischen Bruders Raziel ), wünscht er sich gleichzeitig dessen Liebe und Anerkennung.

Gibt es etwas, was alle deine Geschichten miteinander verbindet?
Eine düstere, oft auch mystische Atmosphäre mit Grusel, Grauen, Gänsehaut ... aber in aller Regel mit positiven Untertönen, einem heiteren Ende und einer lebensbejahenden Botschaft.


Wer neugierig ist, kann sich hier mehr über Christian erfahren:
burgenweltverlag.de/interviews/krug-christian-tobias-2024-hinter-mauern.html
instagram.com/christian_tobias_krug/

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Donnerstag, 27. März 2025

Autoreninterview Silke Heimes

Hallo zusammen.
Dieses Mal stelle ich auch eine Autorin vor, die sowohl Jugendbücher als auch Sachbücher schreibt und damit ein sehr breites Publikum anspricht.

(Foto: Silke Heimes (©: Christoph Rau), Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Über das Lesen und weil ich mich als Kind im Restaurant mit meinen Eltern gelangweilt und dann Geschichten erfunden habe, um mich selbst zu unterhalten.

Du schreibst sowohl Jugend- als auch Sachbücher. Wie ist es gerade zu dieser Mischung gekommen?
Die Jugendbücher kommen direkt aus dem Herzen und die Sachbücher sind der Wunsch, etwas weiterzugeben, was ich selbst erlebt habe und noch immer erlebe.

Im letzten Herbst ist dein Sachbuch "Schreib dich zum Glück" erschienen. Wem würdest du dieses Buch ans Herz legen?
Allen, die auf der Suche nach sich selbst und einem Quäntchen Zufriedenheit und Glück sind.
Allen, die gerne Perspektivwechsel vornehmen und achtsamer in ihrem Leben sein wollen.

Würdest du sagen, dass du alle Tipps aus dem Buch selbst befolgst?
Bei weitem nicht, da ist noch jede Menge Luft nach oben. Aber ich bemühe mich darum, das kleine Glück im Alltag immer wieder zu finden und zu würdigen.

Wer das Buch schon gelesen hat, wird die Frage noch besser verstehen: Was ist für dich dein tägliches Glück?
Der erste Cappuccino am Morgen, ein Vogel, der singt, eine Gemse am Berg, die Stimme eines lieben Menschen und alles, was mich überrascht und erfreut.

An welchem Buch arbeitest du gerade?
An meinem dritten Jugendbuchthriller und einem Bilderbuch für Kinder ab 
4 Jahren.


Ein Tag ohne Bücher ist für dich …
… wie ein Tag ohne Nahrung.


Wer neugierig ist, kann sich hier mehr über Silke erfahren:
silke-heimes.de
instagram.com/silke_heimes

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Donnerstag, 27. Februar 2025

Autoreninterview Jens-Arne Klingsöhr

Hallo zusammen.
Ab diesem Jahr gibt es nur noch einmal im Monat ein Interview. Im Februar beantwortet die Fragen Jens-Arne Klingsöhr. Er ist Autor und Herausgeber des Sherlock Holmes Magazins, was den Schwerpunkt des Interviews schon verrät.

(Foto: Jens-Arne Klingsöhr, Grafik: Maximilian Wust)

Du gibst seit Jahren das „SHM – Das Sherlock Holmes Magazin“ heraus. Wie bist Du auf die Idee gekommen, das Magazin zu veröffentlichen?
Wenn es etwas nicht gibt, was man aber haben möchte, was macht man dann?
Es hatte mir nicht genügt, den Kanon zu lesen und Pastiches zu konsumieren. Ich wollte mehr über den Holmes-Kosmos, wie ich es bezeichne, erfahren. Das war in Deutschland aber reichlich schwierig. Zwar gab es mit dem „SNOB“ (Soft-Nosed Bullet(in); ein Club-Fanzine) eine ähnliche Publikation wie das namhafte „Baker Street Journal“ aus den USA, aber es war nicht so genau das, was ich suchte und wollte. Zudem war es nicht frei erhältlich, man musste dem Club beitreten, um es zu bekommen. Dies tat ich auch, erlebte dann aber schon eine Enttäuschung. Denn das geschah etwa zu der Zeit als die Endphase des Clubs eingeläutet war. Das „SNOB“ erschien nur sehr unregelmäßig, teils nur eine Ausgabe pro Jahr, wenn überhaupt. Das hatte mich keineswegs befriedigt. Also stellte ich mir die schon erwähnte Frage und beschloss ein eigenes Magazin zu erstellen, so wie ich es mir vorstellte.
Es dauerte mehrere Wochen, in denen ich das Für und Wider abwog, mir genau überlegte, wie das Heft aussehen solle, in welchem Format, ob schwarz/weiß oder farbig, was enthalten sein soll, auf wie vielen Seiten der Inhalt präsentiert werden könnte, wie die Logistik (Produktion, Versand) zu bewältigten wäre usw. Auch sprach ich mit verschiedenen Sherlockianern über mein Vorhaben und erhielt nur positive Resonanzen. Also entschloss ich mich dazu, eine Null-Ausgabe zu erstellen. Die hatte natürlich noch nicht die von mir anvisierte Seitenzahl und diente nur dem Zweck, auf einem bevorstehenden kleinen Sherlock Holmes-Treffen zu visualisieren, was ich vorhatte, um dadurch Mitarbeiter zu gewinnen. Das war im Sommer 2009. Die Präsentation der Null-Ausgabe stieß auf enormes Interesse. Alle wollten sie darin herumblättern und es fanden sich auch gleich Personen, die Beiträge liefern wollten, und zwei weitere, die bereit waren redaktionell mitzuarbeiten – eine dritte Person kam etwas später hinzu. Im August gab es dann schon die erste Ausgabe. Selbst der Titel blieb der gleiche wie noch der Arbeitstitel der Null-Ausgabe. Inhaltlich gab es über die Jahre ein paar Erweiterungen, aber man merkt noch immer, das alles auf der Null-Ausgabe beruht. Es war die erste in Deutschland erschienene frei erhältliche Publikation zum Holmes-Kosmos, auf DIN A4 vierfarbig gedruckt und an dem alle mitarbeiten können. Gerade letzteres ist ein Aspekt, der mir wichtig ist. Das SHM ist nicht elitär, es ist ein Heft für Holmes-Interessierte, von Holmes-Interessierten. Wer Lust dazu hat eine Filmbesprechung zu verfassen, sich mit einem Aspekt aus Holmes' Wirken zu beschäftigen (sogenannte Forschungsartikel), sich über ein gerade gelesenes Pastiche mit einer Rezension auszulassen, eine Kurzgeschichte zu verfassen oder was auch immer, kann sich liebend gerne bei mir melden.


Woher kommt Deine Faszination für Sherlock Holmes?
Meine Begeisterung für Sherlock Holmes rührt vermutlich, ganz exakt erinnere ich es nicht mehr, von den spannend gemachten Europa-Hörspielen mit Peter Pasetti in der Titelrolle. Die hörte ich damals in meinen Jugendjahren rauf und runter. Etwa zu der Zeit liefen auch ein paar Folgen der Rathbone-Reihe im Fernsehen, sowie die charmante Serie mit Geoffrey Whitehead. Weil ich schon immer eine Leseratte war, blieb es natürlich nicht aus, dass ich auch die Grundlage kennenlernen wollte, und so kaufte ich mir von meinem Taschengeld, das war damals nicht so üppig, den Kanon Stück für Stück zusammen. Weil ich alle zwei, drei Tage erneut nach dem nächsten Band fragte, fiel das dem Buchhändler so auf die Nerven, dass er mich rüde anblaffte, ich solle doch gleich alle Bände kaufen und nicht ständig wiederkommen. Daraufhin raffte ich mein Erspartes zusammen, erwarb die restlichen Bände und betrat danach die Buchhandlung niemals wieder. Man sollte halt auch Kinder und Jugendliche ordentlich behandeln. Es war übrigens noch die Ullstein-Ausgabe, die für mich bis heute einen besonderen Stellenwert hat. Auch wenn die nur ein paar Jahre später erschienene Haffmans-Ausgabe natürlich so überragend ist, dass ich die Abenteuer gleich erneut las und spätestens damit die ewige Flamme meiner Holmes-Begeisterung entzündet war.

Für jeden Sherlock Holmes Fan gibt es "den" Schauspieler, der Holmes am besten darstellt. Wer ist es bei Dir?
Da muss ich nicht lange überlegen, komme jedoch nicht umhin, auf den ersten Platz des Sieger-Treppchens gleich drei Darsteller zu stellen: Ian Richardson, Basil Rathbone und der frühe Jeremy Brett. Alle drei sind in ihrer Darstellung des Meisterdetektivs völlig unterschiedlich, verkörpern ihn für mich aber gleichermaßen perfekt. Ian Richardson strahlt eine überlegende Ruhe aus, Basil Rathbone ist schneidig agil und der frühe Jeremy Brett wirkt hektisch überzeugend. Eigentlich gehört auch Peter Cushing dazu … aber sei es drum, er ist halt auf Platz zwei. Geoffrey Whitehead ist auch ein Darsteller der unbedingt auf das Treppchen gehört: Platz drei.
Unter den vielen nicht genannten Darstellern, sind durchaus ein paar, die ich im Grunde genau so gerne in der Rolle sehe – gewissermaßen ein paar Lucky Loser in meinem persönlichen Ranking; zum Beispiel Christopher Plummer in „Mord an der Themse“ und „Silver Blaze“.

Du hast selbst auch schon einige Texte verfasst. Wie kam es dazu, dass Du auch selbst mit dem Schreiben begonnen hast?
Es hat mir von jeher Spaß gemacht, meine Fantasie zu kanalisieren und schriftlich umzusetzen. Zu den ersten Textversuchen gehörte auch ein Holmes-Fragment, über eineinhalb eng beschriebene Schreibmaschinenseiten bin ich aber nicht hinausgekommen. Das war damals, kurz nachdem ich die Ullstein-Ausgabe gelesen habe. Mit dem Verfassen von Texten ging es im Grunde richtig los, als ich mich mit dem Pen & Paper-Rollenspiel Das Schwarze Auge (kurz: DSA) beschäftigt habe und zusammen mit einem Freund in den neunziger Jahren dazu ein sehr umfangreiches Fan-Abenteuer geschrieben habe. Im Grunde war das der Anfang meiner Schreibbegeisterung. Mehrere Fanprodukte folgten, unter anderen zwei Regiozine – das sind Fanzine, die auf eine spezielle Spielregion bezogen sind -, von denen eines davon sogar dreizehn Jahre lang von mir herausgegeben wurde, das andere war nicht ganz so langlebig. Natürlich gehörte auch das Verfassen von Texten dazu. Durch meine Aktivitäten bin ich der DSA-Redaktion aufgefallen und es kam dazu, dass ich an zwei Quellenbänden (das sind umfangreiche Regionalbeschreibungen über Land und Leute, Politik und Kultur usw.) sogar maßgeblich mitwirken durfte. Hier und da steuerte ich auch für andere Produkte der Redaktion unterschiedlich lange Abschnitte bei ... dann gründete ich das SHM – Das Sherlock Holmes Magazin.
Von nun an war mein Fokus vollkommen verlagert. Neben der Arbeit am SHM und gelegentlichen verfassen von Texten für das Heft, versuchte ich mich aber auch immer wieder an Holmes- Geschichten. Eine meiner ersten war eine Erzählung in der Mrs. Hudson die Ereignisse aus „Der Detektiv aus dem Sterbebett“ aus ihrer Sicht erlebt. So etwas gefällt mir – bekannte Ereignisse aus einer anderen Sicht zu erleben, oder sie an irgendeiner Stelle zu ergänzen. Allerdings habe ich bisher nur drei Geschichten dieser Art verfasst. Ab und zu wurde ich gefragt, ob ich nicht Texte zu bestimmten Anlässen schreiben könne. Natürlich konnte ich. Das sind keine Geschichten im eigentlichen Sinn. Es kam jedoch vor, dass ich diese später noch umarbeiten konnte. Hin und wieder fällt mir ein Thema ein oder ein Aspekt auf, den ich gerne ausarbeiten würde – woraus die eine oder andere Geschichte entsteht. Manchmal schreibe ich aber auch nur so vor mich hin und schaue, wohin mich das führt. Nicht selten kommt eine solche Schreiberei nicht über den Anfang hinaus, aber hin und wieder entsteht dann doch eine brauchbare Geschichte. Manchmal geschieht dabei aber auch Unerwartetes. Als ich an etwas schrieb, dass als Einleitung zu einem Projekt gedacht war, hat sich während des Schreibprozesses die Grundidee irgendwie verselbstständigt und das Ergebnis ist als Einleitung überhaupt nicht mehr zu gebrauchen. Dafür ist es eine ganz ordentliche Erzählung geworden, die gleich zwei „sherlockianische Probleme“ thematisiert.
Es macht mir einfach Freude, mich mit Holmes und Watson zu beschäftigen – manchmal auch ohne den einen, manchmal auch ohne den anderen -, Dialoge zwischen ihnen zu entwickeln, Szenen zu entwerfen, in denen sie agieren …


Welcher ist Dein liebster Nebencharakter?
Eindeutig Wiggins. Zwar taucht der Knabe nur in den ersten beiden Romanen auf, aber die Baker Street Irregulars mit Wiggins als An- und Wortführer, haben bei mir einfach Eindruck hinterlassen. Leider hat Sir Arthur Conan Doyle danach von dem Jungen nie wieder Gebrauch gemacht und auch die Irregulars an sich kommen bedauerlicherweise nur noch zweimal kurz vor, einmal davon sogar nur als vage Erwähnung. Natürlich ist es zudem schade, dass bei „Das Zeichen der Vier“ das Erscheinen der Baker Street Irregulars in der Baker Street nur eine Kopie aus „Eine Studie in Scharlachrot“ darstellt. Womit auch ein zeitliches Problem entstand, denn Wiggins wird bei dieser kopierten Szene genauso beschrieben wie zuvor, obwohl der Fall mehrere Jahre nach dem ersten spielt und er daher kein Kind mehr sein kann.

Aus mehreren Gesprächen mit Dir weiß ich um die Liebe zu den Hiatus-Geschichten. Warum reizen Dich gerade diese Geschichten?
Der Hiatus übt auf mich eine Faszination aus, die ich gar nicht so richtig erklären kann. Drei Jahre war Sherlock Holmes verschwunden, galt als tot, ist stattdessen aber in der Welt unterwegs gewesen. Wo war er überall, weswegen ist er dorthin gegangen und was hat er dort erlebt? Aus der Geschichte „Das leere Haus“ erfahren wir zumindest ein paar Schlagworte, leider keine weiteren Details. Er war zwei Jahre lang in Tibet und hat Bekanntschaft mit dem Lama gemacht. War er wirklich ganze zwei Jahre dort? Ist das nicht ein bisschen zu lang? Anschließend bereiste er Persien.
Dort war es zu der Zeit aber ausgerechnet für Engländer höchst gefährlich – vielleicht ein Grund, weshalb er sich als Norweger Sigerson ausgab? Angeblich war er sogar in Mekka, was keinem Europäer gestattet war. Dass er auch noch in Montpellier an Kohlen-Teer-Derivaten forschte, nimmt sich dahingehend schon fast langweilig aus. Auch in Khartum will er gewesen sein – also dort, wo General Gordon einige Jahre zuvor durch die Mahdisten zu Tode kam. Als Holmes dort war, war Khartum nur noch eine Ruine und Geisterstadt. Am gegenüberliegenden Ufer des Nils hingegen existierte die Stadt Omdurman, wo er mit dem Kalifen hätte speisen können. Aber damit befinden wir uns schon im Bereich der Interpretationen und Spekulationen. Und wo wir schon dabei sind:
Kann Sherlock Holmes während der Zeit nicht auch noch woanders gewesen sein? Der Hiatus bietet Raum für Abenteuer jeglicher Art, losgelöst von den Zwängen einer klassischen Holmes-Geschichte. Wenn auch nicht alles, dann scheint aber doch sehr vieles möglich zu sein.
Ein paar Autoren haben diese Lücke für sich entdeckt und schreiben – wie Franziska Franke – eine ganze Reihe über eben jene Zeit, andere verfassen ein oder zwei Geschichten dazu. Letztlich hat auch Star Trek-Regisseur Nicholas Meyer mit „Kein Koks für Sherlock Holmes“ einen alternativen Hiatus-Beginn verfasst und ließ auch seinen Holmes-Roman um das Phantom der Oper in der Ära spielen. Eine meiner Lieblings-Hiatus-Geschichten ist „Die Geschichte eines Vaters“ von Sterling E. Lanier, die in der Südsee spielt aber einen fantastischen Inhalt hat. Vielleicht war Sherlock Holmes sogar in Deutschland und hat sich in Sachsenhausen niedergelassen, um Gefolgsleute von Moriarty zu jagen? ;-)
Und löst man den Blick von Sherlock Holmes – wie ist es eigentlich Watson ergangen? Auch darüber weiß man nicht besonders viel. Ab und zu ist er vor Gericht als Sachverständiger aufgetreten, hat seine Paddingtoner Praxis gegen eine in Kensington getauscht, und er hat seine Gattin, die liebreizende Mary, verloren. Was aber genau und wann geschehen ist, bleibt offen.
Vermutlich ist es das Unbekannte, das Mysteriöse, sicherlich aber auch das Exotische, was mich an dieser Ära in Holmes' Wirken reizt.

Welches ist Dein liebstes Pastiche?
Das ist eine Frage, die ich nicht genau beantworten kann. Es gibt so einige ganz hervorragende Pastiches, die mir, durchaus aus unterschiedlichen Gründen, ganz besonders gefallen. Es gibt ein paar Autoren, die es schaffen, den Stil von Sir Arthur Conan Doyle sehr gut zu kopieren und glaubwürdige Fälle zu entwerfen. Aber auch solche, die ihren eigenen Stil entwickeln und ebenso überzeugende Abenteuer verfassen, die vielleicht eine mehr humoristische Note haben, ohne es an Spannung verlieren zu lassen. Neugierig bin ich immer auch auf Storys, in denen die ausgetretenen Pfade verlassen werden, eventuell sogar mit dem Holmes-Kanon brechen. Darunter sind ein paar wirklich tolle Geschichten. Oder es wird ein anderer Blickwinkel eingenommen, also aus der Sicht einer ganz anderen Figur; eventuell tauchen Holmes und Watson auch gar nicht auf, oder sind bestenfalls Nebenfiguren. Letztlich hat es auch immer mit der persönlichen Erwartungshaltung und Einstellung zu tun und was man vielleicht auch damit verbindet, weswegen man von einer bestimmten Geschichte so begeistert ist. Das gilt natürlich auch für den Kanon. Manchmal ändert sich ja auch die eigene Einstellung und der persönliche Blickwinkel und andere Geschichten rücken näher. Es gibt durchaus so einige Erzählungen, die für mich die Spitze des Pastiche-Tsunamis bilden. Aber es fällt mir extrem schwer eines auszuwählen, welches mein Liebstes darunter wäre.
Auch ein Sieger-Treppchen ist nicht möglich. Es würden sehr viele auf Platz eins stehen, noch mehr auf den Plätzen zwei und drei stehen. Wobei ich mir sicher bin, dass mancher Sherlockianer, der diese Auflistung läse, verständnislos den Kopf schütteln und sich verwundert die Augen reiben würde, denn es sind einige Storys dabei, die von anderen Personen gar nicht geschätzt werden.

Wer neugierig ist, kann sich hier weiter informieren: SHM.wordpress

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Donnerstag, 20. Februar 2025

Autoreninterview Matthias A.K. Zimmermann

Hallo zusammen.

Neben den monatlichen Interviews habe ich euch versprochen, Interviews zu führen, wenn es interessante Neuerscheinungen gibt. Heute hat sich Matthias A.K. Zimmermann die Zeit genommen.

(Buchcover: Matthias A.K. Zimmermann, Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Mein Weg zum Schreiben war keine gerade Linie, sondern eher ein Art künstlerisches Zickzack. Zunächst habe ich mich mit Musik beschäftigt, was vielleicht erklärt, warum sich in meinen Romanen immer wieder Instrumente und musikalische Motive finden. Danach kam die Malerei. Eine andere Form des Geschichtenerzählens, nur eben visuell. Dann entdeckte ich die digitale Kunst, die mir neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnete. Irgendwann stellte ich fest, dass mich all diese Wege unbewusst zu etwas führten, das all diese Künste in sich vereinen konnte: zum Schreiben.

Wie planst du ein Buch?
Ich beginne selten mit einer fertigen Geschichte im Kopf. Vielmehr fängt alles mit Fragmenten an: Skizzen, einzelnen Wörtern, Begriffen, losen Ideen. Oft zeichne ich die Schauplätze skizzenhaft auf Papier, um ein Gefühl für die Atmosphäre zu bekommen. Ich sammle Wörter, die zur Welt meines Romans passen. Erst dann entstehen die Figuren – oder besser gesagt, sie finden mich. Ich lasse sie in dieser Welt agieren, beobachte, wie sie sich verhalten, und daraus wächst nach und nach eine Geschichte. Natürlich gehören auch klassische Elemente des Storytellings dazu: Spannungsbögen, Konflikte, Charakterentwicklungen.

»IMITATHYOS. Das unendliche Alphabet« hast du über zehn Jahre geschrieben. Eine lange Zeit. Was hat dich immer wieder zu dem Projekt zurückkehren lassen?
Ich arbeite grundsätzlich an mehreren Manuskripten gleichzeitig, oft über Jahre hinweg. So hatte »IMITATHYOS« seinen festen Platz immer im Sommer. Es ist ein Roman, der genau in diese Jahreszeit passt, denn er spielt im Sommer und hat die Struktur einer Reisegeschichte. Im Winter, Herbst und Frühling arbeite ich jeweils an anderen Manuskripten.

Aber erstmal die Frage, worum geht es in »IMITATHYOS«?
»IMITATHYOS« erzählt die Geschichte von Mina, einer Studentin aus Athen, die Schriftstellerin werden möchte. Doch sie hat das Gefühl, dass sie nicht wirklich frei ist – als ob ihr Leben fremdbestimmt wäre. Als sie mit ihrer Schwester und deren Freund einer Einladung auf die futuristische Insel Imitathyos folgt, beginnt für sie eine Reise – oder treffender formuliert: ein alphabetisches Chaos bricht los, das alles in Frage stellt. Die Insel ist kein gewöhnlicher Ort: Sie wurde künstlich erschaffen, besteht aus einem mysteriösen Material namens Meta-S-Polymer und ist auf eine Art karibische Exklusivität getrimmt. Doch was als luxuriöse Urlaubsidylle beginnt, entpuppt sich als ein Ort, an dem die Grenzen zwischen Realität und Technologie und Poesie verschwimmen. Mina gerät in einen Strudel aus Kontrollverlust, künstlicher Intelligenz, vielen Buchstaben und der Frage, wer oder was letztlich über ihre eigene Geschichte entscheidet. »IMITATHYOS« spiegelt viele unserer heutigen Themen wider: die wachsende Rolle der Technologie, künstliche Umgebungen, die perfekter scheinen als die echte Welt, und die uralte Frage nach dem freien Willen. Doch es geht auch um die Macht der Sprache, die unsere Realität formt.

Wie unterscheidet sich »IMITATHYOS« von »KRYONIUM«?
Obwohl beide Romane sich mit Realität und Wahrnehmung auseinandersetzen, gehen sie ganz unterschiedliche Wege. »IMITATHYOS« dreht sich um Sprache als Wirklichkeit. Die Idee, dass Worte unsere Welt nicht nur beschreiben, sondern erschaffen. Mina entdeckt, dass sie durch Sprache Einfluss auf ihre eigene Geschichte nehmen kann, dass sie sozusagen mit den Worten kämpft, die ihre Welt formen. »KRYONIUM« hingegen beschäftigt sich mit Erinnerung und virtuellen Realitäten. Der namenlose Ich-Erzähler findet sich in einer schneeverwobenen, fast märchenhaften, aber dennoch bedrohlichen Umgebung, ohne zu wissen, wer er ist. Während »IMITATHYOS« eine Reise durch eine Welt der Sprache ist, ist »KRYONIUM« eine Reise durch das eigene Gedächtnis, also eine Art Rätsel, das sich Stück für Stück entschlüsselt.

Welcher ist dein liebster Charakter in deinen Büchern?
Mich faszinieren oft die Nebenfiguren, besonders die Vögel. Sie haben in meinen Romanen eine ganz eigene Präsenz. Meistens sind sie unheimlich, aber sie lenken die Geschichte oft in eine völlig neue Richtung. Man denke an den intelligenten Tukan in »IMITATHYOS« oder an die allwissende Eule in »KRYONIUM«.

Was ist dein nächstes Projekt?
Ich arbeite immer an mehreren Romanen gleichzeitig, darunter ein ziemlich umfangreiches Manuskript von etwa 1000 Seiten. Vielleicht wird 2026 ein neuer Roman erscheinen – vielleicht auch nicht. Ich lasse mir Zeit. Thematisch beschäftigt sich dieser doch recht große Roman mit der Unendlichkeit und der Vergänglichkeit. Mich interessiert, wie diese beiden Konzepte zusammenhängen: Kann etwas wirklich unendlich sein, wenn alles irgendwann vergeht? Oder ist Vergänglichkeit nur eine Form der Wiederholung? Diese Fragen treiben mich um. Und vielleicht findet sich die Antwort ja in meinem nächsten Buch. ;-)


(Foto: Matthias A.K. Zimmermann privat)

Nachdem ihr wisst, was Matthias schreibt, könnt ihr hier mehr über ihn erfahren:
matthias-zimmermann.ch/home/

Nächste Woche gibt es bereits ein weiteres Interview. Wir lesen uns.

Donnerstag, 30. Januar 2025

Autoreninterview Dieter Korger II

Hallo zusammen.
Ab diesem Jahr gibt es nur noch einmal im Monat ein Interview. Im Januar beantwortet die Fragen ein bereits bekannter Autor: Dieter Korger.

(Foto: Dieter Korger (privat), Illustration: Maximilian Wust)

Ich habe dich schon einmal vor einem knappen Jahr interviewt, aber seitdem ist viel passiert. Inzwischen bist du bei der Exodus auch als Lektor einge-stiegen. Erzähl doch ein bisschen von deiner Tätigkeit.
Eingestiegen bei Exodus bin ich im Spätsommer 2023 als Support für die Schlussredaktion und habe mich dabei, so glaube ich, im positiven Sinne unbeliebt gemacht. Denn ich habe mir bereits gesetzte Texte mal genauer angesehen und durch Vorschläge dafür gesorgt, dass sie noch einen Ticken besser wurden. Daraufhin hat mich René Moreau gefragt, ob ich für ein Erstlektorat zu haben wäre. So bin ich jetzt seit zwei Ausgaben als Lektor dabei.
Bisher haben sich die von mir betreuten Autorinnen und Autoren mit meinen Änderungsvorschlägen zufrieden gezeigt. Natürlich wird auch an der einen oder anderen Stelle Unverständnis geäußert. Allerdings lässt sich so was im Dialog klären – und die Autoren sollen ja weiterhin die Souveränität über ihre Texte behalten.
Was mich anfangs überrascht hat, ist, wie viel Zeit fürs Lektorieren mancher Texte nötig ist. Aus früheren beruflichen Tätigkeiten als Lektor und Redakteur kannte ich das anders … freilich, da waren meist routinierte Schreiber am Werk. Autoren bei Exodus sind ja in der Regel Hobbyautoren. Dennoch ist die Qualität im Schnitt erstaunlich gut.

Deine neue Geschichte durfte ich auch schon lesen. Ich mag ja deine feine Ironie, doch wie bist du auf die Geschichte gekommen?
Feine Ironie ist gut! Meine nächste Geschichte, die in der Exodus Nr. 49 erscheinen wird, bedient sich eher beinharter Ironie – als Grillplatte serviert. Immerhin geht es um das Zukunftsthema Ernährung und die damit verbundene Frage, wie das aussähe, wenn sich die Politik in die individuelle Entscheidung der Bürger einmischen könnte, was noch auf den Teller kommen darf und was nicht. Damit verbunden geht es um Fragen der Selbstbestimmung und das Ausbrechen aus Normen, wobei das Interessante in der Story ist, wer hier aus welchen Gründen ausbricht.
Die Idee dazu entstand aus vielen Facetten: Ich interessiere mich seit jeher für die Themen Welternährung und Landwirtschaft. Ich höre mir an, was Ernährungs- und Gesundheitsexperten zu sagen haben.
Irgendwann habe ich angefangen, mich mit den Konsumgewohnheiten der Menschen und den daraus resultierenden Krankheiten näher zu beschäftigen. Habe das alles schließlich in eine nähere Zukunft übertragen … und rausgekommen ist am Ende meine Story ›Die letzten Carnivoren‹.

Was macht dir im Moment in der Wortwelt am meisten Spaß?
Neben dem Schreiben würde ich sagen: die Geschichten anderer Menschen zu lesen, und zwar solche, bei denen ich neben der eigentlichen Erzählung etwas über die Autorin oder den Autor selbst erfahre. In wirklich guten Geschichten steckt immer auch ein Stück von einem selbst: seien es Wertvorstellungen, Neigungen, Wünsche oder Erinnerungen und Erfahrungen – positive wie negative. Das finde ich faszinierend und bin dankbar für das Vertrauen dieser Autoren, die sich auf die Art ihrem Publikum gegenüber öffnen.

Du hattest mir bei dem letzten Interview von einer Graphic Novel der NATO erzählt. Ist diese inzwischen veröffentlicht?

Die ist erschienen. Im vergangenen Sommer als Download, im Herbst dann für alle Mitstreiter und die obere Befehlsebene als Print. Leider kann man die gedruckte Fassung nicht einfach so bestellen. Aber unter dem Suchbegriff ›NATO 2099‹ findest du die Graphic Novel sofort im Web. Was ich trotzdem ärgerlich finde. Wer will schon einen Comic auf einem Bildschirm lesen?

Wie kam es zu deinem Beitrag?
Die Leiterin des NATO Defense College, Florence Gaub – übrigens ein großer SF-Fan, hatte Ende 2023 auf X einen Aufruf zur Einreichung von Science-Fiction-Storys gepostet: Gesucht wurden Vorschläge von SF-Autoren im gesamten NATO-Raum zu der Frage, wie sich die Sicherheitslage sowie Krisen und Konflikte in der Welt bis 2099 entwickeln könnten. Es hat mich sofort gereizt, mitzumachen. Wissend, dass ja nicht die Story selbst publiziert, sondern deren Essenz und Ideen begutachtet und dann abgeglichen werden würden mit denen der anderen Teilnehmer. Sich wiederholende Muster deuteten dabei auf höhere Wahrscheinlichkeit des Eintretens in der Zukunft hin und wurden in die endgültige Story übernommen. So stieß ich dazu. Ich kann dir einige Stellen in der Graphic Novel zeigen, die meinem Storybeitrag entsprechen.
Eigentlich muss ich mal schauen, was ich mit der ursprünglichen Geschichte noch mache. Die darf ich ja weiter frei verwerten.

Wie schätzt du die Wirkung eines solchen Projektes auf die Science-Fiction-Szene ein?
Derzeit dürfte die Wirkung so gering sein wie die Chance, daran etwas zu ändern. Weil jeder schreibende Fan der fantastischen Literatur hier in Deutschland weiß, dass SF außerhalb der Bubble kein besonders Renommee genießt. So ist es also unwahrscheinlich, dass ein Bundesministerium oder eine politische Stiftung morgen bei einem SF-Autor anruft und fragt, ob der oder die gerne mal in einem Workshop oder ThinkTank mitdiskutieren wolle. In Ländern wie China, den USA und Frankreich ist das anders. Da weiß man den Beitrag der SF für Zukunftsthemen viel mehr zu schätzen.
Eine rühmliche Ausnahme hierzulande bildet die Politikwissenschaftlerin Isabella Hermann, die übrigens mit Aiki Mira einen interessanten Zukunfts-Podcast präsentiert.

An was schreibst du aktuell?
Bei mir sind zwei Kurzgeschichten in der Pipeline, von der die eine fast fertig ist und hoffentlich ein gutes Zuhause findet. Bei der zweiten warte ich noch ab, ob eine bestimmte Ausschreibung demnächst erfolgt, bevor ich mich mit der näher beschäftige. Beide Geschichten führen endlich wieder in die Tiefen des Weltraums. Ist bestimmt nichts für Perry Rhodan-Fans, aber bestimmt was für Freunde der feinen Ironie.
Ja, und dann ist da noch dieses Herzensprojekt … ich würde gerne eine Geschichte schreiben, die sich an meinen Zeitreise-Roman ›Cyprus Tower‹ anlehnt. Ebenfalls als Roman oder als Novelle. Allerdings diesmal ohne Trip in eine ferne Zukunft. Vielmehr schwebt mir ein Setting in einer tropischen Gegend vor, in unserer Zeit. Es gibt noch einige andere Voraussetzungen, die da stimmen müssen. Und so wie es aussieht, habe ich das passende Land gefunden, in dem die Story spielen könnte. Dort werde ich in wenigen Wochen hinreisen und mich vor Ort umsehen und recherchieren. Zu dem Zweck habe ich im letzten halben Jahr massiv in den Wiederaufbau meiner Spanischkenntnisse investiert. Die Menschen vor Ort können mir bestimmt viele Inspirationen geben.

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Donnerstag, 26. Dezember 2024

Autoreninterview Anja Stürzer

Hallo zusammen.
Anja Stürzer kennt man, wenn man die Phantastische Bibliothek in Wetzlar besucht hat. Was sie zu sagen hat, lest ihr hier.

(Foto: Anja Stürzer (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich habe mir immer schon gern Geschichten ausgedacht, diese aber meistens nicht aufgeschrieben. Außerdem habe ich Literaturwissenschaft studiert. Als meine beiden Kinder klein waren, brauchte ich einen Ausgleich zur Kinder-betreuung und war abends öfter mal in einer Chatgruppe zum Thema „Herr der Ringe“ unterwegs. Wir haben dort kurze Stories geschrieben und uns später auf der damaligen „Ring-Con“ getroffen, einer Fan-Convention. Das war zu der Zeit, als die Peter-Jackson-Verfilmungen ins Kino kamen. Auf der RingCon habe ich Vorträge z.B. zu Harry Potter gehalten und Kontakte zu anderen Vortragenden geknüpft, darunter der Verleger Oliver Bidlo, der mich eines Tages fragte, ob ich nicht etwas in der Schublade liegen hätte. Hatte ich natürlich, ich gab zu der Zeit gerade Shakespeare-Seminare. Ich habe dann eine Einführung zu Shakespeare bei ihm veröffentlicht.  Über diese Kontakte kamen Anfragen von anderen Verlagen zu anderen Projekten.

Mit "Somniaveris" legst du den zweiten Band einer Zeitreisegeschichte vor. Hast du schon zu Beginn des Projektes damit gerechnet, dass es einen zweiten Band geben wird oder hat es sich erst später so ergeben?
Ich hatte einen zweiten Band nicht von vornherein geplant. Es war aber von Anfang an klar, dass am Ende des ersten Bandes eines der Kinder mit in die Zukunft reisen würde, und ich hatte gehofft, dass sich daraus eine Fortsetzung ergeben würde. Man will ja wissen, was Akascha, das Mädchen, das mit in die Zukunft reist, dort erlebt. Ich hatte auch gleich Ideen dafür, musste aber zehn Jahre lang warten, bevor ich sie schreiben konnte, weil die Rechte für die Figuren nicht bei mir lagen. Das Projekt ging ja von dem Verlag Mixtvision aus, die damals eine/n Autor/in für ein besonderes Format suchten: fünf Heftchen in einem Schuber, Thema Klimaveränderung. Da habe ich ein Konzept für erarbeitet. Leider hat sich Mixtvision damals gegen eine Fortsetzung entschieden.

Aber vielleicht erzählst du auch ein wenig zum Inhalt und wie du auf die Geschichte gekommen bist?
Der erste Band sollte auf Wunsch des Verlages Mixtvision ein „Öko-Science-fiction-Thriller“ für 9-10-Jährige sein. Ich habe mir damals überlegt, wie man so etwas für Kinder spannend und lesbar aufbereiten könnte. Die Erderwärmung ist ja ein riesiges, unglaublich komplexes und damals noch recht abstraktes Problem, das viele unterschiedliche Aspekte hat. Ich habe dann das sich schon damals abzeichnende Artensterben als Thema vorgeschlagen, weil der Verlust der Tiere etwas ist, das Kinder sehr konkret beschäftigt, und weil das Arten-sterben mindestens genau so fatal für die Menschheit ist wie die Klima-veränderung. Als ich damals „Somniavero“ schrieb, ging gerade die UNO-Artenschutzkonferenz ohne Ergebnis zuende – genau wie dieses Jahr die UN-Weltnaturkonferenz COP16 in Kolumbien. Das finde ich unglaublich frustrierend. Alle Menschen wissen, wie essentiell Natur- und Artenschutz für unser Überleben ist. Und dennoch scheitern effektive Maßnahmen an den Wirtschaftsinteressen und der Profitgier großer Konzerne und totalitärer Staaten… aber zu didaktisch sollte das nicht rüberkommen, daher habe ich das nicht explizit thematisiert, sondern lieber die verschiedenen Perspektiven der Kinder gegenübergestellt. 

Was die konkrete Handlung angeht, so sollte das ja ein Thriller sein, also brauchte ich eine spannende Verfolgungssituation, und sie sollte nicht zu sehr in der Zukunft spielen, damit die Kinder noch Anknüpfungspunkte haben und sich mit den Figuren identifizieren können. Daher habe ich im ersten Band die Zeitreisegeschichte mit dem Wissenschaftler Dr. Paulus entwickelt, der dem kleinen Zeitreisenden auf der Spur ist. Aus dieser Konstellation ergab sich dann auch die Handlung der Fortsetzung. Ich habe mich gefragt, was die einzelnen Figuren wollen, welche Ziele sie verfolgen, welche Entscheidungen sie treffen müssen, und wie die Welt und die Stadt Berlin sich in der Zeit bis 2121 entwickelt haben. Dass Akascha draußen vor der Stadt landen würde, war von Anfang an klar. Ihr Ziel ist es daher zunächst mal, Jochanan wiederzufinden. Und sein Ziel ist es, herauszufinden, was mit ihr passiert ist. Aber dann kommen die Interessen der anderen Figuren ins Spiel: Merlin, der inzwischen ein ganz alter Mann ist und ein ganzes Leben hinter sich hat, und Dr. Paulus, der es natürlich auch in die Zukunft geschafft hat. Und eine neue fünfte Figur, ein Mädchen, das zum „Pack“ gehört, zu den Menschen, die außerhalb der sicheren und komfortablen Mauern der Stadt leben. 

Wird es einen weiteren Band geben?
Ich habe tatsächlich eine Fortsetzung im Kopf, die die Reihe abschließen soll. Am Ende des zweiten Bandes reisen ja wieder zwei Figuren durch die Zeit und verändern die Vergangenheit, womit sie eine Ursache für die Ausgrenzung des Packs beseitigen. Aber das Problem des Artensterbens ist damit noch nicht gelöst. Die Frage, die im dritten Band im Mittelpunkt stehen wird, ist, ob und wie die Protagonisten meiner Zeitreisegeschichte darauf Einfluss nehmen könnten. Das ist natürlich keine Kleinigkeit… aber Dr. Paulus hat da so eine Idee ;-). Und natürlich steht die Frage im Raum, wie die Freunde alle wieder zusammenfinden können. Ob ich den dritten Band realisieren kann, hängt aber davon ab, ob der zweite Band Erfolg hat und genug Leser/innen findet. 

Welche der Figuren ist dir persönlich am ähnlichsten?
Ich glaube, das ist Akascha. Als ich damals die erste Szene mit ihr geschrieben haben, rannte sie barfuss durch die Straßen Berlins, verfolgt von einem älteren Mann, dem sie die Brieftasche geklaut hat. Ich war als Kind eine schnelle Läuferin und erinnere mich sehr genau an das Gefühl, vor jemandem wegzu-rennen – auch wenn ich keine Taschendiebin war, sondern nur Klingelstreiche gemacht habe! Aber natürlich hat Akascha eine ganz andere Geschichte als ich, sie ist eine Entwurzelte, die ihren Platz in der Welt sucht. Ein bisschen von mir steckt in allen Figuren, denke ich. Merlins Rationalität, Jochanans anfängliche Naivität, die Selbstgerechtigkeit von Dr. Paulus… man hat ja nicht nur gute Charaktereigenschaften ;-).

Du schreibst ansonsten auch Kurzgeschichten. Wie entscheidest du, ob du einen Plot kurz und pointiert erzählst oder ob er sich für ein längeres Stück Literatur eignet?
Es gibt viele Definitionen für Kurzgeschichten, eine davon, die sehr praxis-tauglich ist, lautet: Beschreibe einen Moment, nach dem nichts mehr ist, wie es vorher war. Das trifft es ganz gut. Eine Kurzgeschichte habe ich meist komplett im Kopf, wenn ich anfange zu schreiben, weil es vor allem um diesen einen Moment geht, den es zu fassen und zu beschreiben gilt. Längere Geschichten brauchen natürlich auch einen Wendepunkt, aber der Plot ist viel komplexer. Vor allem aber stehen hier die Figuren und ihre Motivationen im Vordergrund. Es gibt eine berühmte Definition über das Verhältnis von Handlung und Figuren von Henry James, wonach die Figur die Handlung bedingt und die Handlung die Figur illustriert: "What is character but the determination of incident? What is incident but the illustration of character?“. Manche meiner Figuren entwickeln ein Eigenleben, und daraus ergibt sich mitunter die Idee für einen Roman. Umgekehrt muss ich erstmal viel Zeit in die Figurenentwicklung stecken, wenn ich die Idee für einen längeren Plot habe. Davon gibt’s noch ein paar in meiner Schublade! ;-).

Wenn du durch die Zeit reisen könntest, welches Buch würdest du beim Entstehungsprozess begleiten wollen?
Definitiv Shakespeare’s „Hamlet“! 

Nachdem ihr wisst, was Anja schreibt, könnt ihr hier mehr über sie erfahren:
amazon.de/stores/author/anja_stürzer

In diesem Sinne: Fröhliches Lesen und freut euch auf das nächste Interview. 

Mittwoch, 25. Dezember 2024

Autoreninterview Katja Jansen

Hallo zusammen.
Kennt ihr schon Katja Jansen? Sie schreibt spannende Sci-Fi-Kurzgeschichten, mit etwas ... Ach, lassen wir sie selbst erzählen.

(Foto: Katja Jansen (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Die Jugendbücher von Wolfgang und Heike Hohlbein haben damals den Traum in mir entfacht, selbst eine phantastische Geschichte zu erzählen. Die Rohfassung meines ersten Romans beendete ich am Abend vor meinem 18. Geburtstag – ein Versprechen an mich selbst, das ich unbedingt halten wollte. Doch die Reali-sierung einer Veröffentlichung brauchte ihre Zeit: Mehrere Überarbeitungen, finanzielle Hürden zum Self-Publishing und das Leben ließen sie zunächst ruhen, bis ich zu meinem 30. Geburstag, dank der Unterstützung meiner Familie und Freunde, die Möglichkeit bekam, Schatten über Yagrolor in die Welt zu tragen.

Meine Social Sci-Fi Kurzgeschichten fanden ihren Ursprung in Ausschreibungen, die mich mit ihren Themen inspirierten. Schnell zeichnete sich ein Schwerpunkt meiner Geschichten ab: innovative Technologien und ihr Einfluss auf den Menschen und seine Menschlichkeit. Die Ideen flossen, eine nach der anderen, und bald war genügend Material für eine eigene Sammlung zusammen – Echoes from Tomorrow.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie stark beeinflusst dein Arbeitsalltag deine Geschichten?
Der Arbeitsalltag beeinflusst mich vor allem darin, zu wenig Zeit zum Schreiben meiner Geschichten zu haben! Beruflich schreibe ich ich in Vollzeit über biomedizinische Innovationen, was mir bei den Kurzgeschichten natürlich zugutekommt – sei es durch eigenes Fachwissen oder zielgerichtete Recherche. Doch letztlich stehen in meinen Geschichten weniger die Technologien selbst im Mittelpunkt, sondern ihre Auswirkungen auf den Menschen. Und da spekuliere ich wie jeder andere. Also vielleicht eine solide 6?

Jede Autorin und jeder Autor hat eine eigenständige Vorgehensweise. Wie ist es bei dir? Fallen dir zuerst die Charaktere oder die Geschichten ein?
Ich bin sehr plotgetrieben: Meine Geschichten beginnen immer mit einer Idee und der Suche nach einem passenden Twist. Bei den Kurzgeschichten war es eine bestimmte Technologie, für die ich mich entschied. Daraufhin dachte ich über die ethischen Dilemmata nach, die sie mit sich bringen könnte, und über die Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung von Leben und Menschlichkeit.

Mir ist es wichtig, nicht mit erhobenem Zeigefinger zu schreiben, denn auch in der echten Welt gibt es selten nur Schwarz und Weiß. Deshalb wollte ich die Technologien und die Beweggründe der Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Der Plot, die Technologie und der Twist waren der Grundstein, auf dem ich dann die Charaktere aufgebaut habe.

Wie lange hast du an "Echoes from tomorrow" gearbeitet?
Von der ersten Kurzgeschichte bis zur Veröffentlichung der insgesamt 16 vergingen 1.5 Jahre. Das Schöne an Kurzgeschichten ist, dass man sie relativ schnell schreiben und nach und nach ins Lektorat geben kann. Das geht deutlich schneller, als einen ganzen Roman erst zu schreiben, in seiner Komplexität zu überarbeiten und dann das Lektorat anzugehen. Außerdem brachte jede neue Geschichte einen frischen Motivationsschub. Statt einen Marathon zu laufen, rennt man mehrere kleine Sprints und staunt, wie viel schneller man auf diese Weise vorankommt, ohne außer Atem zu geraten.

Hast du eine eigene Lieblingsgeschichte von dir?
Ich liebe jede Geschichte auf ihre eigene Weise. Aber müsste ich mich entscheiden, wäre "Der geborene Ermittler" meine Wahl. Ich denke, dass diese Geschichte den stärksten Twist und gute Fragen bereithält, über die die Lesenden nachdenken können.

Wenn du mit sechs verstorbenen Autorinnen und Autoren an einem Tisch sitzen könntest, wen würdest du einladen?
Was für eine faszinierende und zugleich einschüchternde Vorstellung! Auf jeden Fall Michael Ende, der die Phantastik auf sehr zugängliche Weise mit einer Prise Philosophie gewürzt hat – genau das ist auch mein Ansatz. Die Unendliche Geschichte, zusammen mit Märchenmond von Wolfgang und Heike Hohlbein, war die treibende Inspiration für Schatten über Yagrolor. Wolfgang Hohlbein habe ich übrigens schon getroffen, zum Glück lebt er ja noch. J.R.R. Tolkien wäre ebenfalls dabei – allein schon, um damit angeben zu können. Doch vor allem wegen seiner Fähigkeit, phantastische Wesen so zu gestalten, dass sie die Fantasy für viele Jahre prägen würden. Isaac Asimov darf nicht fehlen: Als Pionier der Science-Fiction und Schöpfer der Robotergesetze hätte er zweifellos spannende Einsichten zu bieten. Friedrich Schiller würde ich als Denker einer anderen Epoche einladen. Besonders Don Carlos hat mich sprachlich beeindruckt, und seine Philosophie, in der er Kunst – und damit meiner Einsicht auch das geschriebene Wort – als Mittel zur moralischen und sozialen Verbesserung der Gesellschaft versteht, spricht mich sehr an. Und natürlich muss noch weibliche Präsenz an den Tisch kommen: Ursula K. Le Guin, deren sprachliche und philosophische Tiefe ihrer Geschichten mich ebenfalls begeistern konnte, auch wenn ich noch viele ihrer Werke lesen muss. Den sechsten Platz halte ich offen für die Person, die sich der Runde anschließen möchte.

Arbeitest du schon an einem neuen Projekt?
Ja, eine meiner Kurzgeschichten hat mich zu einem Cyberpunk-Roman-Projekt inspiriert, dem ich mich im Moment widme. Außerdem lächeln mich hin und wieder ein paar Anthologieausschreibungen an ...

Nachdem ihr wisst, was Katja schreibt, könnt ihr hier mehr über sie erfahren:
katjajansen.de
instagram.com/katja.jansen_autorin

In diesem Sinne: Fröhliches Lesen und freut euch auf das nächste Interview. 

Dienstag, 24. Dezember 2024

Autoreninterview Raphael Dorigo

Hallo zusammen.
Wer Fantasy schreibt, muss sich oft mit den Großen des Genres messen und sich dabei abheben. Heute stelle ich euch jemanden vor, der genau das versucht.

(Foto: Raphael Dorigo (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Sobald ich lesen konnte, habe ich etliche Geschichten verschlungen, und sobald ich schreiben konnte, habe ich Geschichten geschrieben. Zu meiner ersten Geschichte in der Schule bekam ich sehr positive Rückmeldungen, und ab da hatte es mich endgültig erwischt. Allerdings schrieb ich bis vor drei Jahren nur gelegentlich für mich selbst Geschichten - beruflich schreibe ich zwar auch, aber nur für Marketing- und Kommunikationszwecke. Die Idee für "Meotod" hat mich dann erstmals dazu bewogen, mich professioneller mit dem Story-Handwerk zu beschäftigen und Verlage anzufragen.

"Meotod" hat neben seiner Fantasyseite auch sehr viele philosophische Ansätze. War dir das von Anfang an wichtig? Oder hat sich das beim Schreiben so ergeben?
Die Philosophie war der Ursprung der Idee für die Story. Ich bin ja christlich aufgewachsen, war dann einige Jahre als atheistischer Blogger unterwegs und machte mich schliesslich auf eine Weisheitssuche, die mich nach und nach "nachhause" führte. Auf dieser Weisheitssuche habe ich mich sehr intensiv mit Rationalität und Weisheit, Religion und Wissenschaft, Psychologie und mehr beschäftigt. Aus dieser Beschäftigung heraus kam mir die Idee für den Gegenstand "Meotod", der im Zentrum der Geschichte steht.

Welcher ist dein liebster Charakter?
Mit Knyjar kann ich mich sehr identifizieren, und zugleich ist er mir ein Vorbild darin, was er letztlich trotz all seinen Strapazen und Schwächen schafft. Ich mag aber auch Forunan sehr - er basiert auf einer faszinierenden christlichen Legende und ich bringe durch ihn Humor in die Story, der in meinem Leben eine große Rolle spielt.

Wenn du nur eine Minute hättest, einen Leser von deinem Buch zu überzeugen, was würdest du sagen?
Wie kommt man mit dem Schicksal zurecht? Ist das nicht vielleicht die wichtigste Frage des Menschseins? In Meotod kannst du dich auf einer epischen Abenteuer-reise auf kurzweilige, berührende Weise mit dieser Frage auseinandersetzen. Die Kraft jahrtausendealter Weisheiten und Symbole trifft dabei auf subtil eingewobene zeitgenössische Philosophie und moderne Story-Elemente. Das Resultat ist eine unterhaltsame und zugleich tiefgründige Reise, die in Erinnerung bleibt.

Kannst du dir vorstellen, die Geschichte weiterzuerzählen?
Ja und nein. Ich habe die Geschichte so angelegt, dass man diverse Fäden für Vorgeschichten aufgreifen könnte, und auch ein paar kleine Fragen offen-gelassen, die Fortsetzungen ermöglichen würden. Zugleich aber hätte ich mehr Lust darauf, etwas Neues zu schreiben, zum Beispiel eine Geschichte in der Gegenwart mit magischen Elementen. Und ich glaube auch nicht, dass sich um Meotod eine massive Fanbase entwickeln wird, die unbedingt eine Fortsetzung möchte. Das Buch kann auch sehr gut alleine bleiben.

Wo schreibst du am liebsten?
An einem ruhigen, bequemen, komfortablen Ort. Inspiration hole ich mir gerne an den verschiedensten Orten, aber wenn es um das Verarbeiten dieser Inspirationen geht, sitze ich am liebsten drinnen an einem Tisch oder allenfalls auf einem Bett. 

Arbeitest du gerade an einem neuen Text?
Aktuell nicht. Einerseits brauche ich nach Meotod erstmal eine Pause, andererseits bin ich im letzten August Vater geworden und konzentriere mich jetzt erst einmal auf Frau und Sohn, auf meinen Job und die Suche nach einer grösseren Wohnung. Zwischendurch schreibe ich Predigten oder eventuell Blogbeiträge für meine Website, aber auf etwas Buchtaugliches von mir wird man wahrscheinlich noch eine ganze Weile warten müssen. 

Nachdem ihr wisst, was Raphael schreibt, könnt ihr hier mehr über er erfahren:
instagram.com/rdorigo_autor
rdorigo.ch

In diesem Sinne: Fröhliches Lesen und freut euch auf das nächste Interview. 

Donnerstag, 19. Dezember 2024

Autoreninterview fiktiv Corinna Griesbach

Im Stil klassischer Briefromane entfaltet Corinna Griesbachs unheimlicher Roman "Luciens Manuskript" mit seiner Aufmachung nostalgische Gefühle. Während des Textes kommunizieren die Verlagsassistentin Cindy und der Lektor Merlin sowohl per SMS als auch per Mail. Für dieses Interview nutzen die beiden die gleichen Möglichkeiten.


SMS an Cindy:
Hättest du nach all der Zeit noch einmal damit gerechnet, von Lucien zu hören? 
Liebe Sarah! Interessant, dass mich jemand nach meiner Meinung fragt. Luciens seltsame Geschichte ist ja in aller Munde, aber was diese Sache mit MIR gemacht hat, scheint ja niemanden zu interessieren. Nun, es hat mich umgehauen. Er war ja völlig von der Bildfläche verschwunden. Es war fast so, als wäre meine Erinnerung an ihn ... reine Einbildung. Und dann: Liegt da Luciens Manuskript. Und ich sag dir was: Ich habe nur die ersten Kapitel gelesen und geheult, geheult, geheult. 

E-Mail an Merlin:
Bist du anfangs vor der Arbeit an Luciens Manuskript zurückgeschreckt? 
Was? Allein seinen Namen zu lesen, hat mich unfähig gemacht, klar zu denken. Aber ich wollte den Text natürlich unbedingt lesen und habe den Auftrag angenommen. Ein Konglomerat aus Fotos, Zeitungsausschnitten, Handgeschriebenem und Computerausdrucken.
Cindy (sie arbeitet bei Darkness), wollte mich noch warnen. Ich müsse das nicht tun. Aber es war doch Lucien ...
 
E -Mail an Lucien:
Möchtest du dich zu dem Manuskript in irgendeiner Weise selbst äußern? 

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SMS an Cindy:
Glaubst du Lucien hat die Geschichten wirklich alle erlebt? 
Wenn jemand das wirklich erlebt hat, dann er. Also: Einiges hat er ja erzählt bekommen. Du musst das verstehen, er betritt einen Raum, und die Leute vertrauen ihm. Erzählen ihm die irrwitzigsten Geschichten. Warum tun sie das? Hilft er ihnen? Findet er einen Ausweg für sie?
Heraus aus einer Welt, in der Tote die besseren Menschen sind? Nein, er lässt sich hineinziehen in diese Zwischenwelt. Und dann, ganz zu Anfang des Manuskripts: Er zerrt seine Nichte (oder wer auch immer sie ist) zu einer merkwürdigen Lesung. Ob ich daran glaube, dass das Mädchen dann in diese Voodoo-Sache reingezogen wurde? Absolut. Auf jeden Fall.


E-Mail an Merlin:
Warum ist dir die Arbeit an dem Manuskript wichtig? 
Ganz ehrlich: Ich will ihm für eine kurze Zeit wieder nahe sein. Ich kann dir versichern, dass ich ein eigenes Leben habe. Ich liebe meinen Mann und habe unseren Sohn mehr und mehr ins Herz geschlossen. Aber die Zeit mit Lucien ... wird immer etwas Besonderes für mich bleiben. Und – um ehrlich zu sein, ich hoffe immer noch, dass er mich mal mit einem Wort erwähnt. Dass er mir irgendwo zwischen den Zeilen sagt: Ja, ich habe dich auch geliebt.

SMS an Cindy:
Und ist es überhaupt wichtig, ob er alles erlebt hat? 

Tja ... WENN er das alles wirklich erlebt hat, hat das sogar strafrechtlich Relevanz. Dafür spricht, dass er unglaubliche Ereignisse immer angezogen hat. Dass dort, wo er auftauchte, sich auch immer ein Weg ... ein Spalt ... in eine andere, undenkbare, unwahrscheinlichere Welt geöffnet hat. Und wir, die wir ihn liebten, mussten mit ihm hineinsehen.

E-Mail an Merlin:
Wünschst du dir, dass Lucien wieder eine Rolle in deinem Leben spielt? Oder tut er es durch das Manuskript bereits? 
Sarah, Liebes! Kennst du mich bereits so gut? Ich bin auf dem Weg nach M., zu ihm!

SMS an Cindy, E-Mail an Merlin:
Wie würdest du Lucien und sein Leben in drei Worten beschreiben? 
Cindy: Sonderbar. Merkwürdig. Weird.
Merlin: OMG

Nachdem ihr wisst, was Corinna schreibt, könnt ihr hier mehr über sie erfahren:
instagram.com/corinna_griesbach_autorin
verlag-torsten-low.com/de/luciens-lektor-corinna-griesbach.html

In diesem Sinne: Fröhliches Lesen und freut euch auf das nächste Interview. 

Donnerstag, 12. Dezember 2024

Autoreninterview Jan Nowatschek

Hallo zusammen.
Heute gibt es ein Autoreninterview mit Anhang, denn der Autor hat jede Menge Wichtel im Gepäck.


(Foto: Jan Nowatschek (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich habe immer schon gerne Kurzgeschichten geschrieben oder mich versucht in jeglichen Bereichen kreativ auszuleben und als ich dann die Idee für dieses Buch und die Welt hatte, habe ich es einfach durchgezogen und umgesetzt.

Hast du einen Lieblingswichtel in Eldergrove?
Ja, während dem Schreiben ist mir in der Tat, die kleine Faelan am meisten ans Herz gewachsen. Und da es am Anfang eigentlich ganz anders geplant war, freut es mich am Ende umso mehr, welche besondere Bedeutung ihr im Laufe der Geschichte zu Teil wird.

Wie hast du die Welt um Eldergrove geplant?
Ja, ich habe mir erstmal alle Ideen und Anregungen gesammelt und aufgeschrieben. Dann habe ich mir versucht, jeden Aspekt der Welt und der Charaktere so gut es geht bildlich vorzustellen und auszumalen. Während dem Schreibprozess habe ich dann doch nochmal viel umgeworfen, aber am Ende hat sich alles wirklich harmonisch zusammengefügt. Mir war es sehr wichtig, dass man die "Welt" auch als solche wahrnimmt als Leser, deswegen hat auch so gut wie jeder Wichtel einen Namen, denn du sollst das Gefühl bekommen das diese Welt "wirklich" existiert, egal, ob du gerade liest oder nicht.  Du bist einfach nur ein Besucher der den Ereignissen beiwohnt, aber eben nicht der Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Deswegen auch die vielen kleinen Details, man soll sich einfach auch ein Stück weit darin verlieren können.

Woher kommt deine Liebe zu Wichteln?
Ja, die kleinen Wichtel fand ich eigentlich immer schon niedlich, deswegen habe ich ja auch meinen Instagram Account "OneWichtelADay" ins Leben gerufen, wo ich jeden Tag verschiedene Dinge poste, entweder Zitate oder lustige Anekdoten aus meinem Leben. Daraus ist dann auch wiederum die Idee für das Buch entstanden. Ich wollte einfach mal eine andere Geschichte erzählen, mit Protagonisten die man so vielleicht nicht kennt. Mit Wichteln die nicht nur das Weihnachtswichtel "Klischee" bedienen, sondern in einer eigenen Welt mit Problemen, Sorgen und Ängsten zu kämpfen haben, die sie bewältigen müssen.

Wie lange hast du an Eldergrove geschrieben?
Von der Ideenfindung bis zur Veröffentlichung könnte man sagen ca. 1 Jahr.

Wer sind deine schriftstellerischen Vorbilder? Ich habe da so meine Vermutung. 😉
Ja, das stimmt, das ist nicht wirklich schwierig. Ich habe mich natürlich auch bei meinem Buch sehr von J.R.R. Tolkien und Herr der Ringe beeinflussen lassen, aber ich mag auch sehr gerne George R.R. Martin oder J.K. Rowling.

Was schreibst du als nächstes?
Ja, ein zweiter Band zu Eldergrove ist schon fast fertig und wenn das Interesse weiter anhält soll auch noch ein dritter oder vierter Band folgen.

Nachdem ihr wisst, was Jan schreibt, könnt ihr hier mehr über ihn erfahren:
instagram.com/onewichteladay

In diesem Sinne: Fröhliches Lesen und freut euch auf das nächste Interview.