Samstag, 30. August 2025
Helen Herbst "Lady Agnes und der tote Gärtner im Rosenbeet"
Doch als der Mord geschieht, können sich die drei Bewohner vor Besuchern kaum retten, auch wenn es zuweilen unangenehme Treffen sind. Schon im ersten Moment ist der Polizist äußerst feindselig und die alte Nachbarin, die eigentlich eher immer wie eine Dame wirkte, zeigt zunehmend gereizte Züge. Ausgerechnet in diesem Tohuwabohu wird Lady Agnes eingeladen, sich bei einer Gartenshow anzumelden, was im Dorf nicht bei allen auf Begeisterung stößt.
Detektivgeschichten sind dadurch gekennzeichnet, dass oftmals nicht die Polizei die Ermittlungen durchführt, sondern es sind die sogenannten einfachen Leute, die gerne belesen durch Kriminalromane, eine Ahnung vom Bösen und zwischenmenschlichen Beziehungen haben.
Die Gemütlichkeit fließt über die Eigenarten der Protagonisten und gerne auch deren Marotten in die Handlung ein. So ist es hier ein Haushalt, in dem alle Figuren größere und kleinere Geheimnisse haben und eine Schrulligkeit an den Tag legen, die immer wieder die Mundwinkel zucken lassen. Ein Butler, der schon morgens den Sonnengruß auf der eigenen Rasenfläche vollführt, ist schon ein sehr amüsantes Bild. Sonderlich komplex sind die Krimis nicht, da sie sich vielmehr auf die Personen und das Dorfleben konzentrieren.
Eine gelungene Mischung, die viele der englischen Werte hochhält und mit einem Augenzwinkern um moderne und auch tollpatschige Elemente ergänzt.
4 von 5 Rosengärten
Mittwoch, 23. Juli 2025
Alexander Hoffmann "Brillanter Abgang"
Derweil hat in Deutschland ein kleiner Sachbearbeiter die Fehlüberweisung bemerkt und gibt es in der Hierachiekette weiter, bis sich letztlich der oberste Chef selbst einschaltet.
Die Geschichte von Hans Bäumler und der Bank wird in Perspektivwechseln erzählt. Mal erfährt man, wie es Bäumler im Ausland ergeht, dann handelt ein Kapitel von dem Bankmitarbeiter.
Unterschiedlicher könnten die beiden Leben nicht verlaufen und was innerhalb von zwei Jahren passiert, lässt den Leser mal schmunzeln und mal staunen.
Auch wenn ich mehrfach recht sicher war, wohin die Geschichte führen wird, hat es der Autor immer wieder geschafft, mich zu überraschen und die Erzählung in stets neue Bahnen zu lenken. Dabei bleibt die Handlung schlüssig und nachvollziehbar und driftet nicht irgendwann in das Fantastische ab.
Neben einem Einblick in die Welt der Antiquitäten bekommt man auch ein Gespür dafür, wie es hinter den Kulissen der Finanzwelt zugeht und wie klein gerade hier die Welt doch ist.
Mit seiner Liebe zum Lokalkolorit ist ein ungewöhnlicher, aber dafür sehr lesenswerter Kriminalroman.
4,5 von 5 Fehlüberweisungen
Sonntag, 22. Juni 2025
Klaus-Peter Wolf "Mord am Leuchtturm"
Zwangsläufig müssen hier doch doppelte Vergehen verkommen, oder?
Allerdings ist hier das Gegenteil der Fall. Die eine oder andere Geschichte mag zwar ähnlich angehen, die Lösung ist aber jedes Mal anders und ab und zu sogar sehr speziell.
Klaus-Peter Wolf mischt seine Kurzgeschichten einmal gut durch. Das betrifft sowohl die Inhalte als auch das Personal. Sowohl die Figuren aus seinen Krimis treten in Erscheinung, als auch für die Geschichte neu erdachte Personen.
Dabei sind seine Texte oftmals sehr realitätsnah, was sich aus dem abschließenden Interview ergibt. Einige Orte und auch Personen in seinen Erzählungen gibt es wirklich und so ist die Grenze zwischen Fiktion und Realität mehr als nur einmal verschwommen.
Auch wenn es in den Krimis um Tod geht, kommt der Leser nicht umhin, sich mit dem Humor des Autors auseinanderzusetzen. Mal ein Schmunzler hier, ein breiteres Lachen dort, schaffen neben der Tristesse des Todes den entsprechenden Ausgleich. Denn wie er es im Interview erwähnt, der Leser achtet die ganze Zeit auf Details und trotzdem soll die Geschichte auch noch unterhalten.
Man merkt beim Lesen eine Schreibroutine, Logikfehler, wie man sie bei anderen Krimis öfter findet, passieren ihm nicht. Es ist erfrischend, wie einfallsreich der Autor bei den Todesarten war.
Ein Hoch auf die Kurzgeschichten. Demnächst geht es an den ersten Krimi von Ann Kathrin.
4,5 von 5 Krimischauplätzen
Montag, 16. Juni 2025
Nicholas Meyer "Sherlock Holmes und Sigmund Freud"
Wenn der größte Detektiv und der größte Therapeut des 19. Jahrhunderts aufeinandertreffen, kann das nur eine interessante Begegnung werden.Nicholas Meyer setzt in diesem Band auf Sherlock Holmes' Kokainsucht. Watson erzählt viele Jahre nach der Handlung, wie er es mit Mycroft vollbrachte, Holmes zu Freud zu locken. Denn die Geschehnisse um die Reichenbachfälle sind alle nur Fassade.In Wirklichkeit haben sie sich gar nicht zugetragen und Sherlock war zur Therapie. Natürlich nicht nur, denn er wäre nicht Sherlock Holmes, wenn es nicht auch ein Rätsel zu lösen gäbe. Und selbstverständlich hängt das Schicksal von Europa von der Lösung dieses Falles ab.Meyer bedient sich eines Sherlock Holmes', der seine Sucht auf Grund seiner Vergangenheit nicht im Griff hat, so deduziert es gegen Ende des Buches zumindest Sigmund Freud.
Seine Denkmaschinerie funktioniert einwandfrei, doch er darf eben nie nichts zu tun haben, sonst ...
Meyers Holmes ist in diesem Fall zerbrechlich und riskiert sein Leben, um ein anderes zu schützen. Dies gab es auch schon im originalen Kanon, doch wird es in diesem Band, gerade mit den Verfolgungsszenen, ein wenig auf die Spitze getrieben. Man hat manchmal das Gefühl, einen Hollywood-Film verschriftlicht zu lesen, als einen klassischen Kriminalfall zu ergründen.
Allein das Kräftemessen zwischen Holmes und Freud hätte gereicht, um dem Buch die Würze und auch die entsprechende Tiefe zu geben.
Interessant ist bei Meyer allerdings, wie er historische Fakten mit der Erzählung verwebt, um Holmes realistischer scheinen zu lassen. Eine gute Idee.
4 von 5 Reichenbachfällen
Montag, 9. Juni 2025
Nina George und Jens J. Kramer "Die magische Bibliothek der Buks - Das verfluchte Medaillon"
Doch für die Buks enden die Probleme damit nicht. Die Bleichkrankheit grassiert weiterhin in den Büchern und der Grund dafür bleibt lange im Dunkeln. Was fast genauso so schlimm ist, sind die Anomalien, die eintreten, seitdem die Kinder in die Handlungen der Bücher eingetreten sind. Sinn und Aktionen der Figuren werden plötzlich willkürlich und die Geschichten drohen auseinanderzubrechen. Gut, dass hier Hilfe von innen erfolgt und die Buks nicht allein sind.
Der zweite Teil setzt fast nahtlos die Erzählung des ersten Bandes fort. Viele Figuren des ersten Bandes tauchen im zweiten erneut auf oder werden hier in ihrem Wesen weiter aufgebaut. Gerade die Bösewichte der Reihe erleben in dieser Episode ihren großen Auftritt und zeigen, wie die Welt vermeintlich zu sein scheint.
Doch die beiden Autoren bleiben bei den Problemen nicht immer vordergründig. Gerade bei einzelnen Charakteren versuchen sie kindgerecht zu zeigen, warum sie sich so entwickelt haben und weisen grundlose Boshaftigkeit in ihre Schranken.
Kleine Charaktere, allen voran die Buks, wachsen über sich hinaus und während man liest, schleicht sich das Gefühl einer Wärme zum Detail ein. Jeder kann alles schaffen, spricht aus so vielen Sätzen, dass man gerade in den dunklen Momenten trotzdem schmunzeln muss.
4 von 5 Buks
Mittwoch, 30. April 2025
Jens Korch (Hrsg) "Wer hat den Nischel geklaut ..."
Was liegt da näher, als aus diesem Grund eine Krimianthologie zu veröffentlichen?
Natürlich, zwei ;-)
Doch bleiben wir bei dem vorliegenden Band.
Viele der Kurzgeschichten behandeln den klassischen Mord und sind in oder in der Nähe von Chemnitz angesiedelt.
Eine sechsköpfige Fachjury hatte bei der Vielzahl von Texten die Qual der Wahl.
Denn zwischen bekannten Kurzgeschichtenschreibern entdeckt man auch frische Texter, die so ganz abseits des Üblichen ihre Kriminalfälle suchen.
Mal kürzer, mal länger, mal Unfall, mal Rache, nahezu alle Spielarten des Krimis werden dabei bedacht.
Dabei kommen einige Schauplätze öfter als andere vor, so würde ich den Nischel und den Schlossteich meiden, wenn ich die Stadt in Realität besuchen würde. :-)
Es geht um Schatzsuchen, ausgefallene Orchideen, Märchen und falsche Freunde.
Die Jury hat sich Mühe gegeben, dem Leser ein breites Feld an Tathergängen und Verdächtigen zu bescheren, ohne dabei zu sehr in die Abstrusität abzugleiten.
Sollte man das Buch vor seinem Chemnitz-Urlaub lesen? Vielleicht lieber nicht, aber ob wirklich alle Autorinnen und Autoren gleichzeitig in Chemnitz weilen, wenn man selbst zum Besuch anreist, ist nun doch eher unwahrscheinlich.
Ein gute Sammlung deutscher Krimigeschichten, die thematisch passend arrangiert wurden.
4 von 5 Denkmälern
Sonntag, 27. April 2025
Henrietta Hamilton "Mord auf Westwater Manor"
Während man sich bei anderen Krimis oftmals beschwert, dass man die Deduktionen der Ermittler nicht nachzuvollziehen kann, wird in diesem Band ein wahres Bombardement auf die Synapsen gestartet. Immer wieder spielen Johnny und Sally nach den jeweils neuen Informationen die Verdächtigen durch und kommen oft zu dem Schluss, dass es nahezu unmöglich scheint, dass sich die Personen nicht gesehen haben sollen. Doch wie so oft, ist Kommissar Zufall bei Krimis auch gerne mit von der Partie und so ist es in diesem Krimi ersichtlich, dass nicht ein allzu aufgesetzter Grund dem Tod voranging.
Zuerst im Jahr 1957 veröffentlicht, merkt man dem Krimi an, wie sehr die englische Bevölkerung in Krieg und auch noch danach gelitten hat, was dem Inhalt eine Tiefe gibt, die in anderen Kriminalfällen nicht zu finden ist.
Neben Elementen des Detektivromans schleichen sich an einzelnen Stellen auch Bausteine des Spionageromans ein und runden den Inhalt, die Ambition und die Lösung ab.
Während man die modernen cosy crimes einfach mal so zwischendurch lesen kann, erfordert dieser Band eine gehörige Portion Gehirnschmalz. Während der Ermittlung, den zahlreichen Personen und Motiven nicht den Überblick zu verlieren, ist schon etwas anspruchsvoller und wird mit einem unüblichen, dafür sehr gelungenen Abschluss belohnt.
5 von 5 Bibliotheken
Montag, 14. April 2025
Harper Lin "Maggie Bell und die verfluchten Seiten"
Es sei vorab gesagt, auch wenn dies der dritte Band einer Serie ist, kann man ihn ohne Probleme auch zum Einstieg lesen. Einzelne für die Handlung wichtige Informationen werden in diesem Band wiederholt und man befindet sich direkt im Geschehen. Abweichend zum ersten Band spielen nicht allzu viele Szenen im Buchladen, sondern auf Grund der Verfolgung trifft man Maggie viel innerhalb von Fair Haven an.
Was die Autorin innerhalb dieses Bandes hervorragend schafft, ist die Rivalität zwischen den Schwestern herauszuarbeiten. Immer wieder zeigt es sich, wie schwer es ist, eine vermeintlich nahestehende Person zu akzeptieren, wenn man sie doch so gar nicht versteht. Viele der früheren und auch jetzigen Situationen resultieren aus diesem Konflikt und machen das Buch sehr spannend. Allerdings leiden darunter die anderen Aspekte. Wie schon erwähnt, kommt dieses Mal der Buchladen sehr zu kurz und auch der Todesfall steht sehr lange im Schatten der Verfolgungsjagd.
Dabei sind die Begebenheiten schlüssig aufgelöst und man bemerkt, dass die Autorin nicht ihren ersten Krimi schreibt. Die Pointen sitzen und die Charaktere bilden ein gutes Spektrum einer Kleinstadt ab.
4 von 5 Seiten
Donnerstag, 10. April 2025
Agatha Christie "Ferien mit Agatha Christie"
In zwölf Geschichten lernen die Leser ein paar Detektive der großen Krimi-Queen kennen:
- Jane Marple
- Hercule Poirot
- Parker Pyne
- Tommy und Tuppence
geben sich bei den Fällen die Klinke in die Hand und wechseln dabei auch noch freudig die Urlaubsorte.
Mit dabei sind u.a. der Nil, Rhodos und Delphi, aber heimische Ortschaften kommen bei Lug und Trug nicht zu kurz.
Die unterschiedlichen Textlängen, die verschiedenen Charaktere und auch die vielfältigen Betrügereien lassen bei dem Krimiband keine Langeweile aufkommen.
Das Buch eignet sich hervorragend für Leser, die erstmalig etwas von Agatha Christie lesen oder verschiedenartige Themenbände sammeln möchten.
Die Texte sind in anderen Zusammenstellungen bereits erschienen, was man im Anhang nachlesen kann.
Die Auswahl der Texte bildet eine harmonische Darstellung von Agatha Christies Können, denn nicht jeder mag Hercule Poirots hochnäsige Art oder mag die eher flapsige Darstellung von Tommy und Tuppence.
Klassiker wie "Tod auf dem Nil" dürften dabei den meisten bekannt sein, aber auch Geschichten wie "Der Tempel der Astarte" zeigen das Können und die Menschenkenntnis der Autorin.
4 von 5 Mordsgeschichten
Samstag, 29. März 2025
Ben Kryst Tomasson "Sylter Verrat"
Währenddessen kommt es bei dem Theaterfestival in Westerland zu einem verdächtigten Todesfall, der Jonas Voss bei seinem Einstieg nach der Elternzeit vom Schreibtisch aufräumen abhält. Doch hängen die beiden Verbrechen zusammen?
Bereits zum zehnten Mal ermittelt Kari Blom als Undercover-Ermittlerin für das LKA auf Sylt. Trotz ihrer kurzen Pause sind ihr die Abläufe noch vertraut, auch wenn sie sich für diesen Fall mit einem Kollegen zusammen tun muss. Doch auch die Häkelmafia kann es wieder nicht lassen und trotz ihrer rüstigen achtzig Jahre, eilen sie zwischen dem Tatort und der Kinderbetreuung von Karis kleiner Tochter hin und her.
Liebhaber der Insel erkennen jedes Fleckchen und kennen auch den Menschenschlag, der auf Sylt lebt oder alternativ promeniert. Eingebunden in die Theaterszene und verbunden mit einem längeren Dienstausflug nach Berlin bietet der zehnte Band eine willkommene Abwechslung von der bekannten Sylter Schickeria. Mit dem bekannten Witz und Charme ist dem Autor erneut ein hervorragender Band seiner Serie gelungen, die mit jedem Band an Stärke und Individualität gewinnt.
5 von 5 Heiratsschwindlern
Donnerstag, 20. März 2025
Gerhard Henschel "Mord auf Hohenhaus"
Wer Gerhard Henschel kennt, weiß um seinen recht eigenwilligen Humor. Allein die Namen der Protagonisten zaubern dem Leser ein Schmunzeln auf das Gesicht. Wer sich viel mit Krimis und Detektivgeschichten befasst, dem wird der eine oder andere Name bekannt vorkommen.
Neben Songtexten und Passagen aus Arno Schmidts Werken, lässt der Autor viel über das Leben von Arno Schmidt und seine Probleme in der Nachkriegsliteratur einfließen. Bei dem Symposium vermittelt der Autor viel geschichtliches Wissen, was er auch im zweiten Teil des Buches beibehält, wenn es um die Aufklärung des Falles geht.
Trotz der relativen Kürze des Textes schafft es Henschel, den Leser alle Gefühlslagen durchleben zu lassen. Witz folgt auf Grusel, Ekel wechselt sich mit Dramatik ab. Dabei spielt jede Figur ihr eigenes Spiel und der Autor verpackt Bildung mit Unterhaltung.
Eine etwas andere Art von Krimi, die neben den berühmten kleinen grauen Zellen auch die Geschichte Deutschlands beleuchtet.
4 von 5 Hotelzimmern
Mittwoch, 12. März 2025
Oliver Hoffmann "Moriarty und das erste Opfer"
Der letzte Band einer Trilogie bildet immer den Abschluss einer Reihe und hier zeigt sich in meinen Augen die Kunst des Autors im besonderen Maße. Sind alle Fäden aus den vorigen Bänden zusammengeführt? Widersprechen sich die einzelnen Bände nicht? Sind durchgängige Handlungen logisch aufgelöst? Kommt es wirklich zu einem Abschluss oder entscheidet sich der Autor doch für ein offenes Ende?
Hätte ich mir nach den beiden ersten Bänden einen anderen Abschlussband gewünscht? Definitiv ein großes "Ja". Die Geschichte ist gut, aber die beiden vorigen Bände haben mir beide besser gefallen. Ich hätte im Abschlussband auch ein bisschen mehr Interaktion mit den Holmesbrüder erwartet, aber jeder Autor ist anders.
Sonntag, 9. März 2025
James Goodwin "Mord in Little Barkham"
Denn, die Dorfidylle trügt. Genauso wie sie es in den Bücher von Agatha Christie in der Bücherei tut.
Aber der Reihe nach: Es sind einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg vergangen, als Arthur Tingwell seinen Job in der Bücherei von Little Barkham annimmt. Er versorgt das Dorf mit Literatur, und dabei gerne mit dem neuesten Kriminalroman der sehr geschätzten Agatha Christie. Bis zu dem Tag an dem Dame des Anwesens umkommt und somit das ganze Dorf in helle Aufregung gerät.
Zwischen Essensrationierungen, unfähigen Polizisten und abendlichen Guinness im Pub entspinnt sich zwischen den Dorfbewohner mit dem täglichen Fortschreiten der Ermittlungen ein gehöriges Misstrauen, das mit jeder Verhaftung größer wird und Konsequenzen nach sich zieht.
James Goodwin hat seine Hausaufgaben gemacht. Ich wollte beim Lesen gar nicht, dass das Buch endet, da man sich darin wie in einem Kokon der klassischen Kriminalfälle fühlt. Hier ein betagtes Anwesen, der entsprechende Missmut einiger Dorfbewohner, dort der Pub als Treffpunkt für Klatsch und Tratsch. Ein Bibliothekar, der auch im größten Durcheinander wegen seiner Liebe zu Agatha Christie den Überblick behält und eine Dorfgemeinschaft, die nicht immer miteinander, aber erst recht nicht ohne einander auskommen kann.
James Goodwin schafft es eine Hommage an Agatha Christie zu schreiben, ohne sich dabei auf einen Abklatsch zu reduzieren.
Eigene Charaktere, die berühmt-berüchtigten Geheimnisse und ganz viel Charme und Atmosphäre, gewürzt mit Buchzitaten und Anekdoten über Schriftsteller machen den Krimi zu einem Lesevergnügen erster Güte.
5 von 5 Gardinen
Sonntag, 23. Februar 2025
Daniel Smith "Die Wahrheit hinter Sherlock Holmes"
Während Joseph Bell anfänglich eher an der Uni für Aufsehen sorgte, hatte es Henry Littlejohn schon in den Dienst der Polizei geschafft, was laut Daniel Smith auch der Grund war, warum er in Zusammenhang mit Sherlock Holmes selten genannt wurde. Es galt seine Reputation nicht zu gefährden.
Das ändert sich im Jahr 1893, als es zu dem Verfahren um den Tod von Cecil Hambrough auf dem Anwesen Ardlamont Estate, Schottland, kommt.
Beide Männer müssen bei dem Gerichtsprozess aussagen und ausführen, ob der Tod des jungen Offiziers wirklich ein Unfall gewesen sein kann oder ob nicht doch Habgier die Triebfeder war.
Daniel Smith erzählt auf 320 Seiten, die er mit Gerichtsakten, Briefen und Zeitungsartikeln unterfüttert, wie ein historischer Kriminalfall sich auf die Entwicklung des wohl bekanntesten Detektives und seine Geschichten auswirkte, denn, das sei gesagt, in Verlauf des Prozesses wurden auch immer wieder die Rufe nach Sherlock Holmes laut, der nach Meinung der Zeitungen und auch der Prozessbeteiligten das Rätsel wohl eher lösen könnte als alle real beteiligten Personen. Nebenbei bemerkt gab es in dem Prozess auch einen Arzt, der Watson hieß.
Nun kann man erwarten, dass ein Gerichtsfall selbst mit seinen Vor- und Nachwehen auf 320 Seiten sich zeitweilig in Nichtigkeiten verzettelt und manchmal ist das auch so. Smith kommt von Kleinigkeiten auf die kleinsten Kleinigkeiten, doch hat dies stets einen Grund. Er baut mit diesen Details vor dem Auge des Lesers in feinen Passagen die kulturelle Gesellschaft mit ihren Eigenheiten auf. Er zeigt, wie die viktorianische Gesellschaft funktioniert und an welchen Stellen sie gerade im Umbruch war.
Neben Sherlock Holmes spielen die Entwicklung der Forensik, der Psychologie, der Polizeiarbeit und die Wahrnehmensveränderung des Adels eine zentrale Rolle.
Da er sich auf historische Fakten stützt, ist das Buch somit nicht nur für Sherlock Holmes Fans interessant, sondern bietet zahlreiche Geschichtsstunden und Nerdwissen in einem Buch.
4,5 von 5 Victorians
Freitag, 21. Februar 2025
Alexandra Benedict "Das mörderische Christmas Puzzle"
Alexandra Benedicts Weihnachtskrimi, ja, ich bin spät dran oder alternativ viel zu früh, erzählt die Geschichte "Das mörderische Christmas Puzzle".
Edie erstellt Kreuzworträtsel für verschiedene Zeitungen. Mit ihren achtzig Jahren hat sie bereits viel erlebt und eine Menge Wissen angehäuft, um Rätselköniginnen und -königen jede Woche von neuem zu intellektuellen Höchstleistungen zu animieren.
Doch kurz vor Weihnachten bekommt sie selbst das vielleicht wichtigste Puzzle ihres Lebens. Denn während sie selbst für andere Kreuzworträtsel entwirft, ist sie passionierte Puzzlerin. Das Päckchen mit mehreren Puzzlestücken vor ihrer Tür versetzt sie somit in eine Ekstase, die sie schon lange nicht mehr verspürt hat. Allerdings weicht dieses Gefühl schnell dem Schreck, als sie auf dem Bild die Uhr ihres Sohnes entdeckt. Mit jeder Post soll sich das Puzzle vervollständigen und immer wieder soll dafür jemand sterben.
Nicht nur Edie darf auf die Suche gehen, auch der Leser wird direkt zu Anfang daraufhin gewiesen, dass in dem Text zahlreiche Andeutungen über Charles Dickens zu finden sind. Welcher Charakter würde bei einer Weihnachtsgeschichte besser passen als Ebenezer Scrooge?
Und so zieht man beim Lesen immer wieder die Parallele zu dem großen Werk von Charles Dickens.
Der Krimi ist allerdings kein Abklatsch oder eine Weiterführung der Geschichte, es ist eher die Stimmung, welcher der Krimi vermittelt, der beim Lesen immer wieder in den Klassiker gedanklich zurückkehren lässt.
Die Handlung und die Personen sind solide. Die Autorin schafft es, ein paar Figuren aufzubauen, mit denen man die Geschichte verfolgen kann und gleichzeitig bleiben die Charaktere am Leben, die eigentlich …
Wer einen Krimi sucht, der mit den Elementen der klassischen Krimierzählung spielt, dabei aber ein bisschen mehr Tempo verträgt und dann noch literarisch interessiert ist, sollte sich für die Weihnachtszeit dieses Buch vormerken. Denn ein Puzzlestück kommt selten allein.
4,5 von 5 Puzzlestücken
Montag, 10. Februar 2025
R.L. Stine "Gänsehaut - Das haarsträubende Buch der Schauergeschichten"
Nach dem ersten Gänsehaut-Buch habe ich direkt Lesenachschub bekommen.
In "Gänsehaut - Das haarsträubende Buch der Schauergeschichten" gibt es mehrere Geschichten von unterschiedlicher Länge zu lesen. Die einzelnen Erzählungen spielen dabei mit den jeweiligen Ängsten, die man als Kind der 1980er gehabt haben könnte.
Man merkt beim Lesen allerdings schnell, dass die Bücher schon ein paar Jahre auf dem Markt sind. Die Dinge, die hier als Schauer gezeigt werden, würden wahrscheinlich heute keinen Jugendlichen mehr Angst machen. Jahrmärkte, geheimnisvolle Gänge und dabei immer eine Gruppe von Kindern, die mindestens eins erschrecken wollen …
Doch gerade durch ihre zeitweilige Vorhersehbarkeit haben die Texte einen unglaublichen Charme, sodass man sich beim Lesen unter eine Decke kuschelt und vielleicht ein bisschen unter ihr verschwindet, wenn genau zeitgleich zum Text der Dachboden knarzt.
Nostalgie und Charme, das stelle ich in letzter Zeit vermehrt fest, sind eine gute Grundlage dafür, dass es sich um eine angenehme Lektüre handelt. Der nächste Sammelband wartet bereits auf dem SUB.
4 von 5 Schauern
Freitag, 31. Januar 2025
C. H. B. Kitchin "Das Geheimnis der Weihnachtstage"
Doch schon bei der Ankunft benimmt sich Mr Quisberg seltsam, rennt durch den Garten, um danach kurzerhand mit seinem Sekretär für einen wichtigen Termin über Nacht zu verschwinden. Doch genau in dieser Nacht beginnt das Unheil und am nächsten Morgen findet Malcolm eine Leiche. Und bei einer soll es nicht bleiben. Zwischen Familienfehden und Nachbarschaftsstreitigkeiten gibt es viele Geheimnisse zu entdecken, manche sind düster, manche sind einfach nur stupide.
Als Leser ist man immer mit Malcolm nah am Geschehen und als die Polizei ihn zum Beobachter vor Ort macht, tauchen wir als Leser noch tiefer in seine Gedankengänge ein, als wir es schon in den vorigen Kapiteln getan haben. Kleiner Spoiler: Gerade das letzte Kapitel bietet auch für erfahrene Krimileser eine Überraschung, mehr will ich dazu nicht verraten.
Zeitweilig kommt die Handlung durch vielfache Wiederholungen ein bisschen ins Stocken und doch ist es wie ein Mantra, was sich Malcolm aufsagt. Wieder und wieder geht er die Vorgänge durch, als ob er dem Leser bei des Rätsels Lösung helfen will. Bei einigen Entdeckungen sind es gerade die Wiederholungen, welche die Gedanken sortieren.
Ein interessanter Krimi, der sich in seiner Umsetzungen an andere Klassiker wie Doyle und Christie annähert, und mit seiner Auflösung auch den klassischen Weg, ohne allzu viele Umschweifen, wählt.
Nicht nur als Weihnachtskrimi zu empfehlen.
4 von 5 Börsengängen
Samstag, 18. Januar 2025
Oliver Hoffmann "Moriarty trinkt Tee"
Ach nein, falsch. Wir befinden uns gar nicht in der Baker Street. Die Geschichte spielt zwar in dem Universum des Sherlock Holmes', doch er ist lediglich eine Randfigur, die ihrer Sucht zunehmend erlegen scheint. So ist es an Moriarty, die Unschuld von John H. Watson zu beweisen, denn dieser weilt im Gefängnis. Er soll einen Mann vor eine Droschke gestoßen und so dessen Schicksal besiegelt haben. Kurzerhand trommelt Moriarty die Ermittlertruppe des ersten Bandes erneut zusammen. So ziehen Molly, Colonel Moran und die Hausangestellten los und finden schnell heraus, dass der Teemagnat keine so saubere Weste hat, wie er den Eindruck vermitteln will. Noch schlimmer ist allerdings seine Frau, eine ehemals drittklassige Schauspielerin. Sie hat viel zu verlieren, denn ihr Geheimnis ...
Ich möchte nicht behaupten, dass es Sherlock Holmes Pastiches wie Sand am Meer gibt, doch es haben sich nach Sir Arthur Conan Doyle schon viele Schreibende an seinem Plot oder zumindest an dessen Personalgefüge versucht.
Hier neue und zugleich schlüssige Ideen in eine Romanform zu gießen, bedarf viel Fingerspitzengefühl., denn die Lesenden sind wählerisch. Zu nah am Original gilt der Text als Abklatsch, zu weit entfernt und schon wird gemeckert, dass man in der Interpretation zu frei war.
Natürlich muss Oliver Hoffmann einige Grundsätze ändern, damit seine Version des Sherlock Holmes Universums funktioniert. Gleichzeitig fährt er viele Geschütze auf, die das Viktorianische Zeitalter an Vorurteilen zu bieten hat, um den Leser von der eigentlichen Spur abzulenken.
Sein Schreibstil passt sich dabei den einzelnen Szenen wunderbar an, ruhige Szenen sind gefasst und dynamische Szenen schnell verfasst, ohne dabei in einen Thrillermodus zu entarten.
Ein Krimi der klassischen Art, der Moriarty in ein menschlicheres Licht rückt.
4 von 5 Teetassen
Sonntag, 29. Dezember 2024
Reginald Hill "Mord in Dingley Dell"
Denn, kaum treffen die ersten Gäste ein, ist schon ein Verletzter zu beklagen. Was im ersten Augenblick den Anschein des Zufalls erwecken mag, ändert sich spätestens bei der ersten Leiche.
Eingeschneit auf einem Anwesen, weit weg vom nächsten Dorf, weit zumindest, wenn es einfach nicht mehr aufhören will zu schneien. Ist Boswell nach einigen Stunden auf sich allein gestellt, er soll beschützen, was die Gäste nicht sehen dürfen, doch mit jeder Stunde wird das Unterfangen schwieriger.
Bereits in den 1970er-Jahren geschrieben, sind viele Handlungsabläufe dem Leser in vielseitiger Weise schon untergekommen. Hat man wie ich schon viele Krimis gelesen, ist es schwer mit einem überraschenden Element zu überzeugen. Das Buch verursacht beim Lesen zeitweilig ein Schleudertrauma, weil sich die Figuren so unsinnig verhalten. Sicherlich sind Menschen in Extremsituationen nicht rational, doch ein bisschen mehr von dem englischen Unterstatement hätte dem Buch an entscheidenden Stellen gut geht. So schlage ich das Buch zu und frage mich, was hatte der Klappentext mit dem Buch zu tun? Gut, dass ist jetzt auch eine Übertreibung, aber ... lest selbst.
3,5 von 5 Weihnachten
Donnerstag, 26. Dezember 2024
Anthologie "Hinter Mauern"
Während die meisten von uns das Essen der letzten Tage und die dazugehörigen Gespräche zu verdauen versuchen, steht mein Bruder Medicus schon wieder in seinem Kräutergarten oder wahlweise in seiner dazugehörigen Hütte und versucht das nächste Rätsel zu lösen.
Ihr kennt Bruder Medicus noch nicht?
Nun, das könnt ihr ändern.
Ihn und die Protagonisten der anderen sechszehn Geschichten trefft ihr in der Burgenwelt-Anthologie "Hinter Mauern".
Alle Texte sind um mindestens eine Mauer angesiedelt. Die Geschichten spielen im Mittelalter, wobei die Orte, die Mauern und die Zeiten jeweils variieren.
Manchmal trifft man in einem Text auch auf mehrere Mauern, da sich sowohl eine physische als auch eine gesellschaftliche aus der Erzählung herauslesen lassen kann.
Und da Weihnachten auch immer eine Zeit ist, um "Danke" zu sagen, möchte ich auch bei allen Beteiligten danken.
Zuerst an großes Danke an Jana, denn ohne ihren Glauben an die Idee, hätte es dieses Projekt gar nicht gegeben.
Danke an die Autorinnen und Autoren, dass ihr Jana und mir eure Texte anvertraut habt.
Danke an Detlef Klewer, dass er mit seinen Bildern die Geschichten visualisiert.
Danke an die vielen kleinen und großen Helfer hinter den Kulissen.
Danke an die Rezensentinnen und Rezensenten, dass ihr auf das Buch hinweist und eure Meinung in Worte fasst.
Danke an jeden, der dem Buch ein Zuhause gibt.
Schaut doch einmal vorbei, hier geht's zum Buch: burgenweltverlag.de/anthologien/hinter-mauern-fluch-oder-segen.html