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Mittwoch, 27. August 2025

Ingrid Pointecker (Hrsg) "Der Dampfkochtopf"


Ran die Herde, den Aether aufgedreht und los geht es in der Steampunk-Küche. Es zischt, es wird gebrutzelt und die Gewürze fliegen in kleinen Luftschiffen tief.

Sechszehn Schreiberlinge haben sich zusammengefunden, um ein ganz besonderes Menu zu zaubern. Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise, selbst für den abschließenden Espresso ist gesorgt.

Alle sechszehn Geschichten inkludieren mal mehr, mal weniger Steampunk-Elemente. Sie spielen zu einer Zeit, in der Technik eine andere war, als wie wir sie heute kennen. Ein bisschen Wahrheit und viel Dichtung tragen die Erzählungen und so tauchen historische Figuren wie Queen Viktoria auf, aber gleichzeitig gibt es Flughäfen für Luftschiffe.
Die Texte behandeln Staatsangelegenheiten, klassische Täuschungsgeschichten, finden Lösungen für die Armenspeisungen.

Denn: Dreh- und Angelpunkt aller ist ihr abschließendes Rezept. In einigen Texten schauen wir den Protagonisten im wahrsten Sinne des Wortes in die Töpfe, in anderen spielt die Zubereitung eine eher niedergeordnete Rolle.

Schlussendlich ist das Lesen ein Gaumenschmaus und man freut sich, wenn es aus der eigenen Küche wie von Zauberhand zu duften beginnt.

4 von 5 Rezepten

Freitag, 25. April 2025

Tanja Karmann & Carsten Schmitt "Von Geisterhäusern und Totenbriefen"

Der Tod schwebt über allem und jedem. Der Endpunkt des Lebens ist der Totenschein. Ein vielleicht makaberer Gedanke, doch bietet er Raum für eine ungeahnte Inspiration und Kreativität.
Wenn man eine Zeitschrift konzipiert, die sich mit Schauer und Grusel auseinandersetzt, was läge da näher als den Tod als Thema zu wählen?
Im Schatten eines weltweiten Virus wurde die Idee geboren und hat inzwischen zu fünf Totenscheinen geführt. Doch wie sollte man die Optik der Zeitung in die digitale Welt bringen, wenn erst gerade wieder Messen und Cons möglich sind? Eine simple PDF würde dem Charme der Zeitung nicht gerecht, so musste ein E-Book daher, mit zwölf Geschichten, davon zwei zeitlosen Klassikern.
Doch betrachten wir das E-Book von Beginn an.
Jeder Totenschein stand unter einem Motto, welches im E-Book kurz erläutert wird. Jeweils eine Geschichte des jeweiligen Mottos sind von Tanja und Carsten im digitalen Totenschein abgedruckt. Themen sind z.B. "Dunkle Märchen", "Vampire & Wiederkehrer" und "Unheimliche Orte".
Ein jeder hat sofort eine Idee, wie die beiden das jeweilige Thema umgesetzt haben könnten und ich sage euch, ihr kommt nicht auf eine der Ideen. Wie beim ersten Thema zu vermuten ist, adaptieren die beiden bekannte Märchen, aber auf ihre sehr originelle Weise. Dabei erkennt man schnell die Schreibart des einzelnen und freut sich auf die unterschiedliche Herangehensweise. 
Innerhalb des Totenscheins bauen die beiden auch ihre jeweils eigene kleine Serie mit Texten um ihre eigenen Protagonisten auf und schaffen über die verschiedenen Themen trotzdem eine Verbindung zwischen den individuellen Geschichten. Als gute Autorin und guter Autor gestalten sie die Texte dabei so, dass man nicht zwangsläufig den vorigen Totenschein gelesen haben muss, um die Geschichte zu verstehen. Sie schaffen es aber, die Neugier zu wecken, dass der Leser die andere Geschichte ebenfalls kennen will. Und er wird dafür mit interessanten, spannenden und ungewöhnlichen Texten belohnt.

Abgerundet wird das E-Book und natürlich auch die Taschenbuchausgabe durch die zwei Klassiker: Edgar Allan Poe mit "Morella" und Hans Heinz Ewers "Die Spinne". Sie ergänzen die schon zuvor perfekte Stimmung um eine Art Schauer, die neben Tanja und Carsten heute nur wenige Autoren mit solchem Feingefühl formulieren können.

5 von 5 Totenscheinen

Danke an Tanja und Carsten für das Rezensionsexemplar.

Samstag, 12. April 2025

Bernhard Kellermann "Der Tunnel"

Amerika. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Mac Allan hat sich langsam, aber stetig, die Karriereleiter hochgearbeitet. Sein neuestes Projekt: ein Tunnel zwischen Amerika und Europa. Doch bevor er mit den Arbeiten beginnen kann, muss er das Kapital heranschaffen. Im Lauf des Buches zeigt sich, dass das nicht die gewaltigste Aufgabe war und Mac ganz andere Schwierigkeiten zu meistern haben wird.

Mit Klassikern ist es bekanntlich immer so eine Sache, ob sie einem gefallen oder aber nicht. 
Während ich für Krimiklassiker schwärme, war "Der Tunnel" ein hartes Stück Arbeit für mich.
Bei Krimiklassikern liebe ich es, wenn der Autor es über Seiten schafft, eine gewisse Atmosphäre und ein Gefühl für die Charaktere aufzubauen, hier war ich stellenweise nur genervt. Bis die Handlung erstmal wirklich in Schwung kam, waren an die einhundert Seiten schon vorüber und der Gedanke, das Buch doch beiseite zu legen, war allgegenwertig. 
Doch ich wurde belohnt: der langsame Aufbau entfaltet sich im Lauf des Buches zu einer Dramatik, wie ich sie selten gelesen habe. Schicksalsschläge, Rückschritte, niederdrückende Gedanken, Seite um Seite zieht das Buch den Leser in den Bann und zeigt seine Stärken. 
Aus psychologischer Sicht ist das Buch ein wirklicher Meilenstein. Macht, Machtmissbrauch, Absturz und Resignation. Alle Themen werden in diesem Science Fiction Klassiker beleuchtet und durch Andreas Eschbach im Vorwort und Hans Frey im Nachwort abgerundet und in der heutigen Zeit verordnet. Denn vieles, was damals galt, ist auch heute noch aktuell. 
Ein moderner Klassiker, bei dem sich "dranbleiben" lohnt.

4 von 5 Tunnelmen

Freitag, 31. Januar 2025

C. H. B. Kitchin "Das Geheimnis der Weihnachtstage"

Malcolm Warren arbeitet seit einiger Zeit an der Börse und ist sogar mit einem seiner Kunden befreundet. So erscheint es nicht seltsam, dass Mr Quisberg ihn bittet, Weihnachten bei ihm und seiner Familie zu verbringen.
Doch schon bei der Ankunft benimmt sich Mr Quisberg seltsam, rennt durch den Garten, um danach kurzerhand mit seinem Sekretär für einen wichtigen Termin über Nacht zu verschwinden. Doch genau in dieser Nacht beginnt das Unheil und am nächsten Morgen findet Malcolm eine Leiche. Und bei einer soll es nicht bleiben. Zwischen Familienfehden und Nachbarschaftsstreitigkeiten gibt es viele Geheimnisse zu entdecken, manche sind düster, manche sind einfach nur stupide.
Als Leser ist man immer mit Malcolm nah am Geschehen und als die Polizei ihn zum Beobachter vor Ort macht, tauchen wir als Leser noch tiefer in seine Gedankengänge ein, als wir es schon in den vorigen Kapiteln getan haben. Kleiner Spoiler: Gerade das letzte Kapitel bietet auch für erfahrene Krimileser eine Überraschung, mehr will ich dazu nicht verraten.
Zeitweilig kommt die Handlung durch vielfache Wiederholungen ein bisschen ins Stocken und doch ist es wie ein Mantra, was sich Malcolm aufsagt. Wieder und wieder geht er die Vorgänge durch, als ob er dem Leser bei des Rätsels Lösung helfen will. Bei einigen Entdeckungen sind es gerade die Wiederholungen, welche die Gedanken sortieren.
Ein interessanter Krimi, der sich in seiner Umsetzungen an andere Klassiker wie Doyle und Christie annähert, und mit seiner Auflösung auch den klassischen Weg, ohne allzu viele Umschweifen, wählt.
Nicht nur als Weihnachtskrimi zu empfehlen.

4 von 5 Börsengängen

Sonntag, 8. Dezember 2024

Rebecca Maly "Der Weihnachtsfriede"

Der Weihnachtsfrieden von 1914 um die Stadt Ypern (Belgien) ist wohl eines der merkwürdigsten Ereignisse in der Geschichte.
Im ersten Kriegsjahr stehen sich zumeist Deutsche und Engländer auf belgischen Gebiet gegenüber, als plötzlich am Weihnachtsabend Weihnachtslieder gesungen werden. Historisch belegt, steigt die Autorin kurz vor den Gesängen ein und schildert, wie sich in einer ganz obskuren Situation Deutsche und Engländer im Niemandsland treffen, zusammen trinken und essen, um im Anschluss Fußball zu spielen.
Franz berichtet diese Ereignisse seiner Schwester und kann sein Glück kaum fassen. Doch die Ruhe währt nur kurz. Bald fliegen die Geschosse wieder tief und treffen ihre Ziele.
Der Engländer Arthur, mit dem Franz sich gut versteht, schreibt ebenfalls Briefe und es entwickelt sich eine Brieffreundschaft.
Flüssig geschrieben, konzentriert sich die Autorin in der ersten Hälfte des Buches zumeist auf die Kriegspause und nicht auf die Schrecken davor und danach. Sie zeichnet ein warmes, geselliges Bild von der Stimmung und den Gesprächen zwischen den Menschen. Abgekapselt von den erlebten Schrecken strahlen die Taten während der Weihnachtstage in meinen Augen ein bisschen weniger hell, als sie es in der historischen Realität tun.
Was mich aber ziemlich erstaunt, ist der zweite Teil des Buches. Ich möchte glauben, dass es solche Begebenheiten gegeben hat, allerdings hatte ich eine solche Wendung bei dem Klappentext überhaupt nicht erwartet und war enttäuscht, dass der erste Abschnitt so kurz gehalten wurde.
Inhaltlich und strukturell ist das Buch stimmig erzählt, nur ist es nicht das, was ich erwartet habe, daher:

3 von 5 Tannenbäumen

Donnerstag, 29. August 2024

Anja Bagus "Hund & Katz - Geschichten aus dem Amt für Aetherangelegenheiten"

Baden-Baden, 1915.
Der Aether hat die Menschen zu Veränderten gemacht. So sind die beiden Protagonisten Oberkommissarin Tannengrün und Oberkommissar Weiterstätter Katz und Hund.
In siebzehn Kurzgeschichten erzählt Anja Bagus, was es damit auf sich hat, wenn man in die Welt des Steampunks und hier speziell in die Anderswelt katapultiert wird.
Menschen gibt es noch, aber der Aether hat viele verändert. Mal haben sie nur äußere Veränderungen, mal sind auch die Wesenszüge der Tiere übernommen. So ermitteln die beiden Tierveränderten gerne während der Nachtschichten, wenn die "normalen" Kollegen schlafen, in den Bereichen, die mit dem anders sein zu tun haben und so von der vermeintlichen Norm abweichen. 
Womit ich schon bei der Kernthematik des Buches bin. Viele der Geschichten drehen sich um das anders sein und die Folgen, die es auf die eigene Person und die direkte Umwelt hat. 
In einem Fall verändert sich ein Mann kurz vor seiner Hochzeit. Gerade diese Geschichte zeigt, wie sehr wir als Gesellschaft auf das Äußere reagieren und unsere Vorurteile leben. Wie die Geschichte ausgeht, müsst ihr schon selber lesen, aber es sei gesagt, Steampunk ist für mich bisher eher ein spannendes (Krimi) oder lustiges Genre gewesen. Anja Bagus zeigt, wie viel psychologische Tiefe man dem Steampunk gerade durch die Veränderung mit dem Aether geben kann. Die Geschichten hallen im Gedächtnis nach und die eine oder die andere lassen einen auch Tage später noch nicht los. 
Ein Buch, was subtil zeigt, wie viel in unserer Gesellschaft schief läuft und dass es oft die kleinen Dinge des Alltages sind, die uns den Nerv rauben oder uns mit einem Lächeln den Tag genießen lassen können.

4,5 von 5 Ämtern

Mittwoch, 7. August 2024

Axel Scheffler "Über das Halten von Eichhörnchen"

Oftmals sind es die kleinen, im ersten Moment unscheinbaren Bücher, die einen beim Lesen überraschen.

Mit ganz viel Herz und wunderschönen Zeichnungen von Axel Scheffler schleicht sich "Über das Halten von Eichhörnchen" ins Herz. Ursprünglich wurde der Text in einer englischen Kinderenzyklopädie im Jahr 1910 abgedruckt. Für die vorliegende Ausgabe übernahm Harry Rowohlt die Übersetzung.

Wie groß muss der Käfig sein?
Welches Utensilien müssen neben einem Ast in den Käfig eingebaut werden?
Wie ernährt man ein Eichhörnchen in den eigenen vier Wänden?
Und vor allem: Welches Eichhörnchen ist überhaupt für das Halten beim Menschen geeignet?

Diese und mehrere andere Fragen werden auf 40 Seiten mit wunderschöner Bebilderung geklärt und es zeigt wieder einmal, ein Buch kann auch ein trübes Herz erwärmen.

5 von 5 Eichhörnchen

Sonntag, 23. Juni 2024

Michelle Marly "Mademoiselle Coco und die Entführung des Picasso"

Es ist die Zeit des Ersten Weltkriegs. Vieles ist knapp und doch schafft es Coco Chanel sich einen Ruf als Putzmacherin aufzubauen. Die ersten Kleider sind im Entwurf, als in ihrem Hinterhof eine Leiche entdeckt wird. Und damit nicht genug, es fehlt Geld aus ihrer Kassette.
Ihr Freund weilt zu dem Zeitpunkt in Madrid und der ermittelnde Kommissar glaubt ihr die Geschehnisse nicht. Was bleibt Coco anderes übrig, als selbst zu ermitteln und sich mit neu gewonnenen Freunden auf eine Schnitzeljagd durch Paris und Umgebung zu machen?
Im Nachwort erläutert die Autorin, was der Realität entspricht und was der Fantasie entsprungen ist. So geschmeidig, wie sich diese beiden ineinander fügen, könnte man davon ausgehen, dass die Autorin in Cocos Büro gelauscht hat, wenn sich die Ereignisse so zugetragen hätten. 
Mit viel Liebe für Details, eingestreuten französischen Wörtern und dem Lebensgefühl der Franzosen entspinnt sie eine Kriminalgeschichte, die auf einer tatsächlichen Begebenheit fußt. Sie schafft es hervorragend, die Übergänge zwischen Fiktion und Realität zu verwischen, sodass man als Lesender nur so durch die Seiten gleitet und Mademoiselle Coco durch nahezu alle Gefühlszustände folgt. 
Eingeflochtene historische Ereignisse und Details runden das Buch zu einer gelungenen Geschichte ab, die mit einem ungewöhnlichen Schluss ein dramatisches Ende nimmt.
Egal ob Mode, Kunst, Weltkrieg, Klassengesellschaft, alle Themen reißt der Kriminalroman an und führt den Lesenden in eine eigene kleine Welt - die Welt der Coco Chanel.

5 von 5 Hüten

Montag, 22. April 2024

F. Scott Fitzgerald "Die Straße der Pfirsiche"

Wenn man sich mit klassischer Literatur beschäftigt, kommt man an Fitzgerald und somit zwangsläufig auch an seiner Frau nicht vorbei.
"Die Straße der Pfirsiche" erzählt die reale Fahrt der beiden zu ihren Eltern, um zum Frühstück Pfirsiche essen zu können. Im Nachgang wird die Realität mit der Fiktion verglichen, doch zum großen Teil stimmen beide miteinander überein. 
So mag es seltsam anmuten, dass ein "Roadmovie" als Buch erschien, doch trotz allem, hat es das Buch zu einer gewissen Popularität geschafft. Hotel an Hotel, Motorschaden an zerstörten Reifen, vieles passiert auf der Fahrt nach Alabama und auch schon hier wird offensichtlich, wie sich die Beziehung der beiden entwickeln wird. 
Sollte man nicht um die Ehe der beiden wissen, sollte man sich zuvor kurz informieren, da dies im Buch erst nach dem eigentlich Text stattfindet und für den unwissenden Leser zu merklichen Irritationen führt. Die Geschichte der Fahrt hat natürlich einen wiederholenden Charakter und auch die Beschreibung der beiden wird mit zunehmender Textlänge anstrengend. Vieles missfällt ihnen und Contenance ist für die beiden ein Fremdwort. Wenn man um die beiden weiß, ahnt man worauf es hinausläuft, doch trotzdem ist man über Bissigkeit auch gerade zu Anfang ihrer Ehe sehr erstaunt. 

3 von 5 Rostlauben

Sonntag, 24. März 2024

Alexandra Lavizzari "Frauen in Cornwall"

Cornwall. Mit seinen Höhlen, seine Mythen, seinen Schmugglerringen war und ist es ein Fleckchen Erde, dass immer wieder die Kreativität der Menschen anregt und sie in die Geschichte des Landes oder auch ihre eigenen, erdachten Geschichten eintauchen lässt.
In vier kurzen Portraits bringt uns die Autorin folgende Damen näher:
Daphne du Maurier -Schriftstellerin
Barbara Hepworth - Bildhauerin
Virginia Woolf - Schriftstellerin
Ethel Smyth - Komponistin
Während die beiden Schriftstellerinnen den meisten zumindest dem Namen nach bekannt sein dürften, waren für mich Barbara Hepworth und Ethel Smyth bis zu diesem Buch Unbekannte.
Die Portraits legen den Fokus speziell auf die jeweilige Zeit der Damen in Cornwall und erläutern, wie sich die kornische Lebensart oder gar das Spiel aus Licht und Schatten in die Werke der Damen geschlichen hat. Denn oft sind es eher kleinere Elemente, die das Wesen der Werke beeinflusst haben. Die Sagenwelt und zu dem Zeitpunkt auch noch der Widerstand gegenüber Frauen in der Kunst zeigt sich in alle vier Biografien. Weiterhin wird beleuchtet, welche Hindernisse durch Krieg, Rationierungen und Vorteilen den Frauen in den Weg gelegt wurden und warum zum Beispiel Ethel Smyth erst lange nach ihrem Tod für ihre Stücke berühmt wurde.
Das Buch ist ein kleines Stück Zeitgeschichte, denn die Autorin legt bei ihrem Text wert darauf, auch äußere Umstände, Traditionen und Denkweisen einfließen zu lassen, um somit ein nahezu psychologisches Gesamtbild und die daraus folgende Inspiration der Damen zu porträtieren.

5 von 5 Künstlerinnen

Mittwoch, 27. Dezember 2023

Aleksia Sidney "Weihnachten mit Sherlock Holmes"

Sherlock Holmes Kurzgeschichten zu schreiben ist in meinen Augen eine Kunst.
Bei den Pastiches darf das Original nicht zu sehr kopiert werden und doch darf bei den klassischen Adaptionen nicht der nostalgische Charme verloren gehen, den diese Geschichten ausmachen.
So ist es für mich immer die berühmte Büchse der Pandora, wenn ich zu einer Pastiche-Anthologie greife. Doch dieses Mal bin ich wirklich begeistert. 

"Weihnachten mit Sherlock Holmes" ist genau das, was sich der Leser von einer klassischen Holmes-Zusammenstellung wünscht.
Watson erzählt vom Afghanistan-Krieg, er sucht seinen Revolver, wobei Sherlock sich nicht zu sehr langweilt, sodass die 7%-Lösung nicht zum Einsatz kommt. Dafür sind aber Mrs Hudson und Inspector Lestrade von der Partie.
Holmes und Watson ermitteln in den Kurzgeschichten auch außerhalb von England und einige Schurken erkennt man aus den Originalen.

Bekannte Autoren haben sich an Sherlock Holmes gewagt und ihm ihre Weihnachtsgeschichte geschenkt, wobei die Geschichten für diese Ausgabe neu zusammengestellt wurden.
Der bekannteste Autor dürfte mit Sicherheit Anthony Horowitz sein, aber auch die Geschichten von z.B. Anne Perry, Reginald Hill und Laurie R. King haben ihren Reiz und finden ihren Platz im Gedächtnispalast des großen Detektives und seines Chronisten.
Auch wenn Weihnachten gerade vorbei ist, darf es echte Holmes-Fans nicht abhalten, zu dem Buch zu greifen.

4,5 von 5 Detektiven

Freitag, 24. November 2023

Dominic Sandbrook "Weg in die Dunkelheit"

Es gibt diese Bücher, die einen beim Lesen sehr belasten und doch sind sie wichtig.
Bücher über den Ersten Weltkrieg gibt es viele. Dabei das "Richtige" für sich zu finden, scheint in der schieren Masse beinahe unmöglich.
Welchen Schwerpunkt möchte man lesen? Welches Land oder welche Hintergründe interessieren einen am meisten?

So viele Fragen und so viele Perspektiven, wie soll man sich entscheiden?

"Weg in die Dunkelheit" richtet sich zwar ein jüngeres Publikum, aber gerade wenn man die Ereignisse in seinem Gedächtnis auffrischen möchte, ist das Buch besonders geeignet.
Vom Historiker Dominic Sandbrook verfasst, bietet das Buch eine gelungene Mischung aus historisch relevanten Kernfakten und Einzelschicksalen. Der Autor begleitet in jedem der Kapitel einen oder mehrere Personen, die sich im Krieg auf ihre Art besonders hervorgetan haben und berichtet anhand ihres Lebenslaufs, wie sich der Krieg entwickelt.

Die Sprache ist hierbei sachlich neutral und schlicht der Schrecken um die Ereignisse lässt das Blut von Zeit zu Zeit in den Adern gefrieren.
Man lernt viel Neues, wenn man sich nicht schon in das Thema Erster Weltkrieg eingelesen hat.

Zeitweise muss man mit dem Buch pausieren, wenn Menschlichkeit und Brutalität aufeinander treffen, aber gerade das macht das Buch in meinen Augen so lesenswert.

5 von 5 Geschichten


Mittwoch, 20. September 2023

Tom Hillenbrand "Die Erfindung des Lächelns"

Oft ist es der erste Eindruck, der der sich lebenslang hält. Doch was sich hinter der Fassade abspielt, bekommt man nur selten zu sehen.
Paris, in der Zeit der Belle Époque, genauer gesagt: Es ist 22. August 1911.
Das Unglaubliche ist geschehen, aus den Räumen des Louvre ist ein Gemälde verschwunden. Eigentlich war es beim Publikum nicht beliebt, aber der Verlust löst nahezu einen Hype aus.
Die Mona Lisa ist verschwunden. Zwei Polizeistationen sind betraut, die Zeitungen berichten ohne Unterlass und trotz einiger Verdächtigungen bleibt sie erst einmal verschwunden und doch ist das nicht alles.
Denn in Paris gehen noch andere Dinge vor sich. Dinge, von denen auch die Polizei nichts ahnt und erst recht nicht der kleine Bürger von der Straße.
Aleister Crowley stattet der Stadt zunehmend Besuche ab und Pablo Picasso verlässt die Stadt nur noch selten. Doch was haben sie mit der Mona Lisa zu tun?

Wer die Geschichte um den Raub der Mona Lisa kennt, wird sich bei diesem Detektivroman umstellen müssen. Er lebt von der Atmosphäre der Zeit. Man riecht den Absinth, man hört die Musik, sieht die entstehenden Gemälde und die Mädchen scharenweise Cancan tanzen.
Doch gerade diese vielfältigen Schauplätze sind es, die oftmals von dem Raub ablenken und den Leser auf die Nebenschauplätze führt. Die Mona Lisa wird zur Randfigur ihrer eigenen Entführung und verliert an Bedeutung.

Als Zeitdokument - auch wenn es wahrlich ein Roman ist - ist das Buch interessant zu lesen, aber für mich war es eine Reizüberflutung.

Auch der erhoffte Detekivroman versteckt sich unter den vielen Handlungssträngen, was für mich den Vergleich des französischen Sherlock Holmes nur bedingt nachvollziehbar macht.

3 von 5 Gemälden

Montag, 28. August 2023

James Hilton "Leb wohl, Mister Chips"

Mister Chips, eigentlich Mister Chipping, ist die Institution, wenn man vom Brookfield Internat spricht. Als Lehrer mit gerade einmal zweiundzwanzig begann er seine langjährige Karriere an dem Internat, an dem er Latein und Griechisch unterrichtete und erlebte dabei den Umbruch der Welt und seiner eigenen. 
Immer einen Witz auf den Lippen mausert sich der zumeist in sich gekehrte Lehrer durch seine Frau zum Liebling des Kuratoriums und auch der Schüler, was den einen oder anderen Ärger für ihn in petto hat.

Auf gerade einmal 144 Seiten entfaltet dieser Klassiker seine ganze Stärke und seinen Glanz. 1934 geschrieben und erstmal 1936 in Deutschland veröffentlicht, diente das Leben seines Vaters und mit Sicherheit auch seine eigene Schulzeit dazu, diese humorvolle Novelle zu verfassen.
Immer in kleinen Rückblenden greifen die einzelnen Kapitel Szenen aus dem Leben des Lehrers auf, der selbst in der Rente nicht von der Schule lassen kann und lediglich auf die gegenüberliegende Straßenseite in eine Pension zieht. Ehemalige und neue Schüler besuchen ihn dort zu Tee und Gebäck und so ist er immer ein Teil des Geschehens.
Lustige und tragische Ereignisse wechseln sich in den Rückblenden ab und werden in das Weltgeschehen eingeflochten. Elektrizität, der große Krieg oder Königswechsel sind an dem Internat mal größere, mal kleinere Themen, die auch den Schulalltag beeinflussen.
Dabei ist die Sprache - wie man die von Klassikern kennt - ein wenig getragener ohne dabei zu verkopft zu sein. Sie passt zu der Zeit und zu den Umständen und der Autor schafft es, den anfänglich unscheinbaren Lehrer als Institution in unserem Kopf erstehen zu lassen.

5 von 5 Internaten

Montag, 17. Juli 2023

Ilva Fabiani "Meine langen Nächte"

Was passiert, wenn man plötzlich entdeckt, dass man all die Jahre falsch gelegen hat? Unbedacht handelte, sich von den falschen Dingen leiten ließ? Was wenn man die Augen öffnet, nachdem sie jahrelang geschlossen waren und vor dem eigenen Grauen steht und sich nur durch die ganz große Lösung aus der Situation retten kann. Wenn man dies überhaupt als Lösung ansehen kann.

Anna, jahrelang war sie der Sohn, den ihr Vater nie hatte. Im Deutschland zwischen den Kriegen wächst sie mit ihrer kranken Schwester und ihrem seltsamen Bruder in ihrem Elternhaus auf. Schon schnell zeigt sich, dass sie von ihrem Vater die Begabung für die Medizin geerbt hat. Und doch ... Sie ist anders. Herrisch, bösartig und manchmal tief verstört hält sie das Familienleben kaum aus. Immer dagegen, immer auflehnend, hält sie nichts von den bestehenden Konventionen und will daher der neuen Ideologie folgen. Auch wenn sie dadurch die Menschen in ihrem direkten Umfeld mehr als einmal vor den Kopf stößt. Nachdem sie das Studium an den Nagel hängen muss, wird sie zu einer braunen Schwester und wird noch kälter, als sie es schon lange Zeit ist.

Das Buch geht unter die Haut. Das Buch berührt. Auch wenn die Autorin im Nachgang erwähnt, dass nicht alle Personen real sind, merkt man an vielen Stellen, dass nicht viel zur Realität fehlt. Wenn man um diese Zeit weiß, was geschah, was sich explosionsartig entwickelte, erkennt man, wo die Menschheit am Scheideweg stand. Wo Menschen zusahen und die Autorin schafft es mehrfach, den Lesenden hier einzufangen. Man ist so oft hin und her gerissen, man denkt, man weiß, wenn man verachten sollte und doch zeigt das Buch an vielen Stellen eine solche Menschlichkeit, dass es einem fast das Herz zerreißt. Das Buch weckt so viele Emotionen, dass man oft das Buch zur Seite legen muss, um die letzten Seiten zu verdauen. Nicht umsonst ist es für mehrere Preise nominiert.

4,5 von 5 Operationen

Sonntag, 25. Juni 2023

Verity Bright "Ein allzu englischer Mord"

Eigentlich hat es Eleanor als Frau in den 1920-er Jahren ganz gut getroffen. Sie reist um die Welt, auf der Suche nach neuen Reiserouten für den zunehmend erstarken Tourismus.
Doch als ihr Onkel stirbt, muss sie nach England zurückkehren und sowohl den Titel als auch das Herrenhaus übernehmen, denn sie ist die letzte ihrer Familie. Empfangen wird sie von nunmehr ihrem eigenwilligen Personal, mit dem ihr Onkel zuvor ein doch eher freundschaftliches Verhältnis zu haben schien. Gerade deswegen scheint das versnobte Verhalten des Butlers umso aufdringlicher und sie entflieht in einer regnerischen Nacht dem häuslichen Druck und beobachtet nicht weit entfernt einen Mord. Als sie kurze Zeit später am Ort des Geschehens auftaucht, gibt es allerdings keine Leiche sondern nur eine Blutlache. Was tun? 
Die Polizei ist schnell außen vor, ohne Leiche kein Verbrechen und Lady Eleanor sieht sich gezwungen den Fall selbst in die Hand zu nehmen.
Wieder einmal eine neue Cosy crime Serie, die um die Leserschaft buhlt. Wieder einmal sind die 1920-er Jahre der Handlungszeitpunkt. Ist diese neue Serie, denn es stehen die nächsten Bände schon zur Veröffentlichung bereit, eine Serie, die man lesen sollte?
Die Werbung verspricht das Lesevergnügen einer Agatha Christie und das Buch kann dem Vergleich durchaus stand halten. Zwar merkt man dem Buch an, dass es das erste der Reihe ist, viele Sachverhalte werden zu oft wiederholt und einige Dinge zu plakativ unterstrichen, doch die Serie punktet dafür an mehreren anderen Stellen. Gut gefiel mir vor allem das Verhältnis zwischen ihr und der Dienerschaft, man muss sich aneinander gewöhnen und doch ist es gerade diese Zeit, in der alte Muster aufbrechen und man an einem anderen Umgang miteinander arbeitet.
Die Beziehung zwischen Eleanor und ihrem Butler erinnert ein wenig an Jeeves und Wooster, der Butler wirkt oftmals ein wenig naseweis, da er die Menschen und Umstände besser kennt, als seine neue Herrin, es hat gerne einmal etwas Herablassendes, was aber durch ihre Reaktion schon fast charmant wirkt. 
Der Mordfall ansich ist überschaubar, was aber die Krimis dieser Zeit ausmacht. Es sind nicht die großen Rätsel und nicht achtzig Verschlingungen sind notwendig um zur Festnahme zu gelangen.
Ein kurzweiliger Zeitvertreib, der zu einer Wiederholung ermutigt.

4 von 5 Landpartien

Freitag, 14. April 2023

Reiner Lehberger "Auf einen Kaffee mit Loki Schmidt"

Dass es sich bei einem Kaffee über die vielfältigsten Themen reden lässt, zeigt dieses kleine aber durchaus feine Buch.
Auf gut 200 Seiten reden Loki Schmidt und Reiner Lehberger über die unterschiedlichsten Themen und zeigen, was es bedeutet, wenn ein Mensch ein ereignisreiches Leben führt. Als Kind den Krieg erlebt, bei der großen Flut in Hamburg gewesen, hat sie sich neben ihrem Mann immer wieder ihre eigenen Aufgabenbereiche zusätzlich zu ihrem Job als Lehrerin gesucht. An Expeditionen hat sie teilgenommen, sich für den Naturschutz stark gemacht und trotzdem hat sie auch die Zeit gefunden, ihren Mann in der Bonner Zeit zu unterstützen und ganz nebenher noch ihre eigenen Bücher zu schreiben.

Loki Schmidt hat ihre Meinung und diese tut sie in dem als Interview verfassten Buch mehrfach kund. Natürlich merkt man ihr die Politikerzeit an und nie vergreift sie sich im Ton und doch schwingt ihre Meinung in jeder einzelnen Antwort mit.
Das Buch ist dabei natürlich auch ein Zeitdokument. Vieles hat Loki Schmidt miterlebt und kann aus erster Hand berichten, was wir uns in der heutigen Zeit nicht einmal ansatzweise vorstellen können.
Man lernt beim Lesen viel. Viel über Deutschland nach dem Krieg, viel über das Leben. Dabei erhebt Loki Schmidt nie den Zeigefinger, sondern es ist, wie sie es selbst an einer Stelle so schön sinngemäß sagt, man gilt als arrogant, nur weil man weiß, dass man recht hat.

Eine bemerkenswerte Frau. Das Buch bietet einen schönen Einstieg in ihr Leben und in die Geschichte Deutschlands.

5 von 5 Fragen

Samstag, 4. März 2023

Jakob Wassermann "Akten zur Verteidigung Caspar Hausers"

Die Geschichte von Caspar Hauser gleicht einer Tragik, die besser nicht ersonnen werden konnte. Jeder, der die Skulptur ins Ansbach, den gedrungenen Körperbau und die hängenden Schultern gesehen hat, kann vielleicht in Ansätzen erahnen, wie sehr er in seinem Leben gelitten hat. Dabei ging es sowohl zu seinen Lebzeiten als auch in der Literatur hoch her. War er wirklich von Adel oder war er ein Hochstapler? Verstört und unterentwickelt, taucht er 1828 in Nürnberg auf und spricht zuweilen gar nicht, bis wenig. Nach und nach erzählt er vermeintlich aus seiner Vergangenheit, in der bei Wasser und Brot in einem dunklen Raum gehaust haben soll.
Viele Autoren haben sich schon während Caspar Hausers Lebzeiten und noch viel mehr noch danach, mit seiner Abstammung und seinem Verhalten beschäftigt. War er der Sohn, der nicht hatte sein dürfen oder war alles ein großes Hirngespinst?
Es gibt diese Autoren, die schreiben ein Werk und dieses lässt sie ihr ganzes Leben nicht mehr los. Ein solcher Autor war Jakob Wassermann. Schon früh war er von der Geschichte um Caspar Hauser fasziniert und doch hat es lange Zeit gedauert, bis er seinen Text hierzu fertiggestellt hatte. Viel Kritik musste er im Folgenden einstecken und doch schlichen sich immer wieder Anmerkungen oder Bezüge in seine nachfolgenden Werke. 
"Akten zur Verteidigung von Caspars Hausers", herausgegeben von Claudius Weise, gibt einen umfassenden Überblick in das Leben Jakob Wassermanns und wie es von Caspar Hauser beeinflusst wurde. Durch Tagebucheinträge und Anmerkungen seiner Ehefrauen sowie seiner eigenen Texte, Tagebucheinträge und Briefe zeigt sich das Bild eines Autoren, der nicht besessen, aber doch sehr stark durch sein Werk geprägt war und den die fortwährenden Diskussionen müde gemacht haben. 
Ein interessantes Werk, das in vielfältiger Weise einen Einstieg in die Legende Caspar Hausers bietet.

4,5 von 5 Kriminalfällen

Freitag, 30. Dezember 2022

Janika Rehak & Yvonne Tunnat (Hrsg) "Der Tod kommt auf Zahnrädern"

Ein letztes Mal rastet das Zahnrad ein, ein letztes Mal lichtet sich der Dampf.
Nach fünfzehn - doch sehr verschiedenen - Geschichten braucht man als Lesender einen Moment, bis man wieder im Hier und Jetzt ankommt.
Die Schreibenden haben sich in den Geschichten mit den Thema "Tod" in seinen unterschiedlichen Facetten beschäftigt, sodass trotz des vermeintlichen engen Themenbereiches (Steampunk - Tod) sich in den Zahnrädern der Lesenden sehr eigenwillige Geschichten entfalten.
Ob märchenhaft, mystisch oder gar modern in der Vergangenheit, ob im Viktorianischen England oder gar in Deutschen Landen, die Autor:innen haben ihren Geschichten neben Tiefgang auch das passende Kleid gegeben, um die Eigenheiten des Steampunks zu unterstreichen.

Einzelne Geschichten hervorzuheben, ist bei einer Anthologie immer schwer, aber:
- Wer Vampire liebt,
- gerne Bahn fährt,
- wer noch seine Spielzeuge im Keller hat,
- wer es liebt, selbst zu ermitteln,
- wer fantastisch träumt und
- wer meint, als Erwachsener ist man noch lange nicht erwachsen, wird die passende Geschichte in der Anthologie für sich finden.
Die Herausgeberinnen haben durch die wenigen Vorgaben eine vielfältige Mischung geschaffen, bei der das Lesen eine Freude ist.

4,5 von 5 Zahnrädern

Dienstag, 20. Dezember 2022

Val McDermid "Das Mädchen, das den Weihnachtsmann umbrachte"

Dieses Jahr ist so manches anders und somit wollte ich nicht die klassische Weihnachtsliteratur lesen. Friede, Freude, Eierkuchen unter dem Tannenbaum oder ein Mensch wird an Weihnachten bekehrt, sind beides keine Szenarien, die ich lesen wollte.
Weihnachtskrimis haben sich in den letzten Jahren vermehrt auf den weihnachtlichen Büchertischen eingereiht und ich war mehr als erfreut, als ich dieses Buch entdeckt habe.
Im Gegensatz zu den meisten Anthologien sind alle zwölf Kurzgeschichten von der Autorin Val McDermid.
Sie selbst entführt den Leser an die verschiedensten Krimischauplätze. Seien es ihre eigenen Charaktere um Tony Hill oder auch der berühmte Sherlock Holmes, in vielen ihrer Geschichten bettet sie das passende Zeitgeschehen ein, sodass es oft mehr als eine Krimikurzgeschichte ist.
Die Tatmotive wechseln sich dabei ab, sodass jede einzelne Kurzgeschichte nicht nur personell sondern auch inhaltlich auf eigenen Beinen steht.
Die Geschichten unterscheiden sich dabei in Länge und Tiefgang, sodass man sogar bei der einen oder anderen Geschichte schmunzeln muss.
Feine, kleine Hinweise oder auch mal sehr plakativ schafft es die Autorin beim Lesen immer wieder zu überraschen und trotzdem ein sehr hohes Spannungsniveau durch alle Geschichten zu halten.
Sicherlich hat man trotzdem seine Lieblingsgeschichte, aber das ist widerum eine ganz andere Geschichte.

5 von 5 Weihnachtsrätseln