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Donnerstag, 20. März 2025

Gerhard Henschel "Mord auf Hohenhaus"

Eigentlich wollte sich Michael Ritz eine schöne Zeit im Schlosshotel Hohenhaus gönnen. Eine Dylanologen-Konferenz gepaart mit Lesungen von Arno Schmidt. Dazu gutes Essen, ein guter Wein, was würde man sich mehr wünschen? Doch es kommt alles ganz anders. Plötzlich taucht eine Leiche auf und die Menschen im Hotel sind verunsichert. Die Polizei verdächtigt alle, wenn auch oftmals wegen fadenscheiniger Gründe. Doch zwischen Lesungen und Vorträgen kommt das Dunkle immer näher und keiner scheint sich dem entziehen zu können.

Wer Gerhard Henschel kennt, weiß um seinen recht eigenwilligen Humor. Allein die Namen der Protagonisten zaubern dem Leser ein Schmunzeln auf das Gesicht. Wer sich viel mit Krimis und Detektivgeschichten befasst, dem wird der eine oder andere Name bekannt vorkommen.

Neben Songtexten und Passagen aus Arno Schmidts Werken, lässt der Autor viel über das Leben von Arno Schmidt und seine Probleme in der Nachkriegsliteratur einfließen. Bei dem Symposium vermittelt der Autor viel geschichtliches Wissen, was er auch im zweiten Teil des Buches beibehält, wenn es um die Aufklärung des Falles geht.

Trotz der relativen Kürze des Textes schafft es Henschel, den Leser alle Gefühlslagen durchleben zu lassen. Witz folgt auf Grusel, Ekel wechselt sich mit Dramatik ab. Dabei spielt jede Figur ihr eigenes Spiel und der Autor verpackt Bildung mit Unterhaltung.

Eine etwas andere Art von Krimi, die neben den berühmten kleinen grauen Zellen auch die Geschichte Deutschlands beleuchtet.

4 von 5 Hotelzimmern 

Samstag, 16. Dezember 2023

Juliane Stadler (Hrsg) "Richter der Nacht"

Früher war alles besser?
Die Toten oder zumindest die Betroffenen in den zehn Kurzgeschichten sehen das anders. 
Die historischen Kriminalerzählungen, zusammengestellt von Juliane Stadler, Dirk Röse und Jana Hoffhenke, spiegeln in ihrer Bandbreite die unterschiedlichen Probleme wider, denen sich die Bevölkerung des Mittelalters oder auch noch der frühen Renaissance gegenüber sahen.
Willkür, Machtgier oder schlicht das persönliche Verlangen ließ schier wahllos alle Mauern des Anstandes fallen und der einzelne Mensch und dessen Bedürfnisse mussten hinten anstehen. Wobei es sich natürlich immer so verhielt: Je mehr Macht die einzelne Person hatte, desto mehr konnte sie ihre Position missbrauchen.

Viele der Erzählungen basieren auf historischen Tatsachen oder Begebenheiten und betten ihre Verwicklungen in ein historisches Pulverfass.
Spannend zu lesen sind alle Geschichten, wobei es bei Sammlungen immer so ist, dass den Lesenden die eine oder die andere Geschichte mehr einfängt. Zu dieser Anthologie muss man allerdings sagen, dass keine Geschichte negativ auffällt und man als Leser aus jeder Geschichte mindestens eine neue historische Information mitnimmt. Alle Schreibenden haben es geschafft, historische Informationen mit einer spannenden Geschichte zu verknüpfen und eine sehr gute Anthologie geschaffen.
Nachdem weitere Anthologien aus dem Verlag auf meinem SuB verweilen, ist die Messlatte mit "Richter der Nacht" hoch gelegt.

5 von 5 Richtern

Donnerstag, 9. September 2021

Literaturinterview Paracelsus Teil 2

Schön, dass ihr wieder da seid. Ich gehe davon aus, dass euch das Interview letzte Woche gut gefallen hat, also übergebe ich direkt wieder an Paracelsus.

Was war das Schlimmste an deiner Flucht durch Europa?
Dass kein Ende absehbar war. Ich wusste, der rote Orden würde niemals ruhen und mich immer verfolgen, solange er sein Buch nicht zurück hat. Es erschien mir ausweglos! Für immer auf der Flucht. Noch heute steigt die Galle in mir hoch, beim Gedanken daran!

Wenn du dich noch einmal neu entscheiden könntest, würdest du Simon wieder als Schüler aufnehmen?
Keinesfalls. Das war der größte Fehler meines Lebens. Und das will wirklich etwas heißen.

Was war das schönste Erlebnis während deiner Studienzeit in Basel?
Das war ein Tag, bevor alles begann. Als wir noch für den alten Bischof Leichen sezieren durften. Mit Caspar habe ich mich blendend verstanden und fast nie gestritten. Laurencz hatte gerade seine Anstellung bei der Stadtwache gefunden. Alle waren wir glücklich im Goldenen Ochsen. Nichts war kompliziert, nichts war schwierig. Auf dem Heimweg hat mich Margret das erste Mal geküsst. Das war ... ich sollte nicht darüber sprechen.

Was war deine unangenehmste Untersuchung?
Puh, da gibt es so einige ... Aber der Anus des alten Weibes auf dem Schrannenplatz zu München ist wohl ganz oben mit dabei.

Bist du mit der Geschichte, die deine Autorin über dich geschrieben hat zufrieden?
Haha! Nun ja, sie hat mich besser aussehen lassen und dankenswerter Weise meinen Sprachfehler unter den Tisch fallen lassen. Ich hätte mir vielleicht mehr Raum für meine Alchemie und die Lehre meiner drei Prinzipien gewünscht. Das ist mir besser gelungen! Diese Seelensuche damals ... darüber rede ich eigentlich nicht so gern. Schließlich sollte es ja ein Geheimnis bleiben!

Vielen Dank Paracelsus für das aufschlussreiche Interview und danke liebe Eva Isabel Schmid für das ungewöhnliche Interview. 
Ihr wollt meine Meinung zu den Büchern lesen, hier sind die Links zu meinen Rezensionen:
Eva Isabel Schmid - Paracelsus 1
Eva Isabel Schmid - Paracelsus 2

Donnerstag, 2. September 2021

Literaturinterview Paracelsus Teil 1

Habt ihr euch schon einmal vorgestellt, wie es wäre, wenn ihr eine Romanfigur zu ihren Handlungsweisen befragen könntet? Wenn ihr sie fragen könntet, warum sie etwas in einer Geschichte tut und warum sie sich so verhält, wie sie es tut?
Übergange verschwinden, wenn es sich dann noch um eine historische Figur handelt, die wirklich gelebt hat.
Also, seid ihr bereit ein Interview zu lesen, was Realität, Historie und Fantasie vermischt? 
Es gibt sich die Ehre: Paracelsus.

Woher kam der Wunsch sich gegen bestehende Konventionen aufzulehnen und nach der Seele der Menschen zu suchen?
Die Ärzte bringen die Patienten direkt ins Grab! Die derzeit praktizierte Medizin ist einseitig und veraltet. Die Ärzte beschäftigen sich nicht genügend mit dem Patienten, auch suchen sie nicht nach der wahren Ursache von Erkrankungen. Weder findet man bei meinen Kollegen Mitgefühl für den Patienten, noch Berufsehre. Viele Behandlungen schaden dem Patienten mehr, als ihnen zu nützen. Daran musste ich etwas ändern! Solange wir nichts über das wissen, was uns Menschen wirklich ausmacht - unsere Seele nämlich -, wird alle Medizin im Dunkeln tappen. Solange sind wir Krankheit und Tod schutzlos ausgeliefert. Wie sollte ich einen Kranken richtig behandeln, wenn ich rein gar nichts über seinen eigentlichen Kern weiß? Das hat mir einfach keine Ruhe gelassen!

Welcher Begleiter ist dir lieber? Caspar oder Simon?
Caspar natürlich. Er ist mein bester und einziger Freund auf dieser Welt. Simon war nur zufällig da und ist mir einfach nachgelaufen. Caspar hat es mir nie geglaubt, aber ich wollte wirklich nie, dass Simon mir hilft. Eigentlich.

Welche Studienzeit hat dir besser gefallen? Basel oder Ferrara?
Ach, schwierige Frage. In Ferrara waren die Lehrmeinungen fortschrittlicher und die Professoren aufgeschlossener gegenüber neuen Behandlungsmöglichkeiten. Das Wetter war gut, der Wein war süß, und die Weiber ... Eigentlich war es für mich das Paradies. Aber ... Caspar und Margret waren nicht da. Basel war für mich immer mein Zuhause. Das kann man nicht ersetzen.

Trotz deiner großen Bestrebungen gehst du auch immer auf die Märkte und hilfst dem kleinen Volk. Würdest du dich als ein Menschenfreund bezeichnen?
Nun ja, im direkten Kontakt finde ich die Menschen oft schwierig (und sie mich wahrscheinlich auch). Ich tue mich schwer, auf mein Gegenüber einzugehen. Auch kann ich ganz schlecht andere Meinungen akzeptieren. Menschen treiben mich zur Weißglut mit ihrem Unsinn! Mit den Patienten ist es aber anders: Das ist eine andere Ebene, und es geht nur darum, dem anderen zu helfen. Das kann ich gut, und dann gibt s auch keinen Streit. Also, solange ich Arzt sein darf, bin ich wohl ein Menschenfreund. Ansonsten ...

Welcher deiner Widersacher ist in deinen eigenen Augen der größere Feind der Stadt Basel?
Basel selbst. Also, das Schlechte im Menschen. Was die Verzweiflung mit ihm macht. Es ist immer dasselbe: Leidet der Mensch Not, sucht er sich einen Sündenbock. Der Mensch ist sich selbst der größte Feind.

Nächste Woche geht es weiter mit dem Interview.
Wenn ihr aber schon jetzt weiterlesen folgt, nehmt doch gerne das Buch von Eva-Isabel Schmid zur Hand und erfahrt mehr über die Abenteuer von Paracelsus und seinem Freund Caspar.