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Sonntag, 10. August 2025

Reinhard Kuhnert "Was unvergessen bleibt"

In vier längeren Kurzgeschichten entführt uns der Autor in die Vergangenheit. Vor dem Hintergrund, was zählt ein Leben, widmet er sich hier dem Verlust, dem Tod und der Einsamkeit. Das mag im ersten Moment niederschmetternd klingen, doch ist dem nur bedingt so.
In der ersten Geschichte muss ein Mann seinen Hirntumor entfernen lassen und danach versuchen, sich an sein Leben zu erinnern. Die Flucht aus der DDR, der Verlust seines Bruders, Vaters und der seiner Mutter. Die erste enttäuschte Liebe, vieles, was verloren schien, treibt wieder an die Oberfläche und lässt ihn an die alten Zeiten denken.
Die zweite Geschichte beginnt mit einer Beerdigung. Nur zwei Menschen sind in das Dorf zurückgekehrt und nehmen Abschied. Was hatte der Mann falsch gemacht, dass sein Tod so wenige Menschen zu berühren scheint. Alles begann mit einer Karnevalsveranstaltung.
Die Fahrt nach Weimar läutet die dritte Geschichte ein. Bettina ist nicht begeistert, dass sie ihrem Bruder bei einem Gespräch mit der Mutter unter die Arme greifen soll. Tina war immer die Böse, die in den Westen gegangen ist und die Familie im Stich gelassen hat.
Für die vierte Geschichte geht es auf eine Insel, genauer gesagt, nach Irland. Eine Frau war unterwegs und als sie zurückkehrt, heißt es, ihr Mann sei verstorben. Doch Barde und Draufgänger, der er war, glaubt sie an eine Verwechslung.
So unterschiedlich die Erzählungen auf den ersten Blick sein mögen, alle handeln von den Beziehungen zwischen den Menschen und was im Leben wirklich zählt. 
Ist eine Meinungsverschiedenheit so wesentlich, dass man den Kontakt abbricht?
Hat ein Mensch Schuld auf sich geladen, wenn er versucht seine Familie zu beschützen?
Was bleibt von uns, wenn wir unsere Erinnerungen verlieren?
Diese vermeintlich großen Fragen werden in schöne Erzählungen gepackt und zeigen, wie wir miteinander umgehen und wie wir es stattdessen lieber sollten.

4,5 von 5 Grenzgängern

Dienstag, 5. August 2025

Ben Guterson "Das World Famous Nine"

Willkommen im "World Famous Nine", dem Kaufhaus, in dem wirklich alle Wünsche erfüllt werden. Neben Verkaufswaren, gibt es zahlreiche Restaurants und Cafés, eine Dachterrasse mit Blick auf das hauseigene Riesenrad, einen Leseraum für die Angestellten, eine Galerie und und und …

Doch als Zander von seinen Eltern zu der Inhaberin Zina, welche zugleich seine Oma ist, gebracht wird, häufen sich die Zwischenfälle in dem wunderschönen Kaufhaus. Während die ersten Tage der Erkundung des Gebäudes dienen, wird Zander immer mehr in die Geschichte des Haus hineingezogen und entdeckt, dass es ein Rätsel zu lösen gibt, was über die Zukunft des Kaufhauses entscheiden wird.

Wer bereits Bücher von Ben Guterson gelesen hat, weiß um seine Liebe für Rätsel und Gedanken, die man um die berühmte Ecke betrachten muss. So ist es auch hier.
Zander macht in den paar Tagen eine unglaubliche Entwicklung durch und ist nach den Ereignissen nicht mehr derselbe Junge wie zu Anfang der Geschichte.
Im Gegensatz zu seiner Reihe "Winterhaus" ist es hier an manchen Stellen ein wenig überzeichnet und man könnte fast meinen, man liest eine Heldengeschichte aus der Antike. Auch sprachlich bin ich an manchen Stellen nicht sicher, ob die Einordnung ab neun Jahren nicht etwas zu viel von einem jungen Leser erwartet, da der verwendete Wortschatz sehr beachtlich ist.

Schlussendlich ist es aber wieder ein gelungenes Buch, was die Neugier von Kindern bestärkt und sie anhält sich mit Rätseln zu befassen.

4 von 5 Aufzügen

Donnerstag, 31. Juli 2025

Yvonne Tunnat, Chris Witt (Hrsg) "Ihr Körper, das Schiff"

Jede Anthologie ist eine Wundertüte, denn jede Kurzgeschichtensammlung wird durch ihre zahlreichen Wechsel getragen.
Bei 15 Geschichten, wie in dieser Zusammenstellung, müssen sich die Lesenden auf 15 Stile und 15 Themen einlassen.
15 Mal werden sie in eine Welt katapultiert, die unserer ähnlich, aber doch so ganz anders ist.
Man rauscht dabei nicht durch die Seiten, denn diese Geschichten berühren beim Lesen anders, als es reine Unterhaltungsliteratur tut. Die Texte rühren tiefer, denn auch die Themen regen mehr zum Nachdenken an. Oft wird die Science Fiction als das Genre, wenn man es so nennen will, verstanden, dass den Lesenden den Spiegel verhält. Wenn ihr jetzt nichts tut, passiert in zehn oder zwanzig Jahren diese oder jene Geschichte. 
Die Themengebiete, die die beiden Herausgeberinnen in der internationalen SF gesammelt haben, sind vielfältig. Während sich in Deutschland viele Texte mit KI oder anderer Technik beschäftigen, haben es die beiden geschafft, eine Sammlung zusammenzutragen, die nicht nur die technische Seite der Zukunft beleuchtet. Viele Erzählungen beschäftigen sich damit, was die Zukunft, die Technik, der Klimawandel oder auch die Verlangsamung des Altersprozesses mit uns Menschen macht.
Wie reagieren wir, wenn wir nach Jahren der Suche einen neuen Planeten entdecken? Was passiert, wenn es keine Sonne gibt und man sich im Kleinen organisieren muss?
Wird es uns überhaupt noch geben oder sind wir verschwunden? Oder wenn wir noch da sind, wie stellen wir uns dem Tod und dem damit einhergehenden Leid?
Yvonne und Chris schaffen es mit einer sehr guten Mischung und der entsprechenden Platzierung der Geschichten innerhalb des Buches, die Lesenden zum Nachdenken anzuregen, sie mit Problemen zu konfrontieren und so vielleicht die Augen für die Zukunft zu öffnen. Doch bei jedem dystopischen Gedanken gibt es auch den utopischen und auch wenn es oftmals zum Verzweifeln ist, die Hoffnung auf das Gute darf niemals fehlen, auch nicht in einer guten Anthologie.

5 von 5 Körpern

Danke an die Herausgeberinnen für das Rezensionsexemplar.

Samstag, 26. Juli 2025

Dan Adams "Galaxy of Shadows - Graue Zone"

Kennt ihr diese Autoren, bei denen ihr einfach alles lesen müsst, was sie schreiben? Deren Stil euch so gut gefällt, dass ihr, egal welches Genre der Autor gerade bedient, die Geschichte inhalieren müsst?
Nein? Dann tut ihr mir leid, weil es ein tolles Gefühl ist.
Ja? Willkommen im Club. :-)
Dan oder Nathan oder Jürgen schafft es seit Jahren mich mit seinen Texten zu begeistern. Er hat eine Art zu schreiben, bei der auf keiner einzigen Seite Langeweile aufkommt und bei der nicht ein Gedanke zu viel ist. 
Kennengelernt habe ich ihn über eine viktorianische Buchreihe und nun entführt er uns Leser in die Weiten des Weltraums.
Wie auch andere Space Operas hat Dan eine eigene Mischung aus Tatsachen und Fiktion geschaffen. Elemente aus der Weltraumforschung fließen in seine Geschichten genauso ein, wie erdachte Völker, Planeten und deren Konflikte.
Sein Protagonist Dag hat es sich mit seinem Geldgeber verscherzt, zu lange hat er nichts zurückgezahlt und nun soll er dessen Tochter retten. Soweit, so gut, doch damit fangen Dags Probleme erst an. Denn während der Rettung kommt es zu Übergriffen und er und sein Co-Pilot landen in der grauen Zone. In einer Welt, die fern ab von der Konföderation ihren eigenen Gesetzen gehorcht, hausen Lebewesen unter erbärmlichen Bedingungen, werden geknechtet und unterdrückt. 
Doch es braucht ein Heer, um sie zu befreien und das gibt es nicht um die Ecke.
Dan Adams verwebt im ersten Band seiner Space Opera verschiedene Arten von Konflikten: familiäre. freundschaftliche und völkerübergreifende. Dag bleibt, trotz vielschichtiger Erzählstruktur immer der Anker der Geschichte, zu dem die Handlung immer wieder zurückkehrt.
Doch trotz aller Konflikte kommen auch die Gefühle nicht zu kurz.
Neben Welten, Wesen und Konfliktideen erfindet der Autor auch Waffen, Gerätschaften, Systeme und Strukturen, die ihren eigenen Charakter haben. Alles ist auf diese Welt abgestimmt und gehorcht den eigenen Gesetzen. Der Autor schafft sein eigenes Universum, ohne dabei ein bereits bestehendes zu kopieren.
Dan Adams kreiert eine Space Opera, die den Namen Opera zurecht trägt.

4 von 5 Galaxien

Mittwoch, 23. Juli 2025

Alexander Hoffmann "Brillanter Abgang"

Hans Bäumler staunt nicht schlecht, als er statt vier Millionen Schulden auf einmal zweihundert Millionen Guthaben auf seinem Konto hat. Während er vor Schreck wie gelähmt ist, beginnt seine Freundin Tonja das Geld schnellstmöglich vom Konto zu verteilen, bevor noch jemand etwas merkt. In einer Nacht- und Nebelaktion verschwinden die beiden in Tonjas Heimatdorf Guguljak, um sich für einige Zeit bedeckt zu halten und den deutschen Behörden keine Spur zu liefern.
Derweil hat in Deutschland ein kleiner Sachbearbeiter die Fehlüberweisung bemerkt und gibt es in der Hierachiekette weiter, bis sich letztlich der oberste Chef selbst einschaltet.

Die Geschichte von Hans Bäumler und der Bank wird in Perspektivwechseln erzählt. Mal erfährt man, wie es Bäumler im Ausland ergeht, dann handelt ein Kapitel von dem Bankmitarbeiter.
Unterschiedlicher könnten die beiden Leben nicht verlaufen und was innerhalb von zwei Jahren passiert, lässt den Leser mal schmunzeln und mal staunen.

Auch wenn ich mehrfach recht sicher war, wohin die Geschichte führen wird, hat es der Autor immer wieder geschafft, mich zu überraschen und die Erzählung in stets neue Bahnen zu lenken. Dabei bleibt die Handlung schlüssig und nachvollziehbar und driftet nicht irgendwann in das Fantastische ab.

Neben einem Einblick in die Welt der Antiquitäten bekommt man auch ein Gespür dafür, wie es hinter den Kulissen der Finanzwelt zugeht und wie klein gerade hier die Welt doch ist.

Mit seiner Liebe zum Lokalkolorit ist ein ungewöhnlicher, aber dafür sehr lesenswerter Kriminalroman.

4,5 von 5 Fehlüberweisungen

Montag, 30. Juni 2025

Thomas Harding "Die Einstein-Vendetta"

Nichts ist so schlimm wie die Wahrheit und doch wird gerade diese oft mit Füßen getreten. Bei diesem Buch handelt es sich, soweit möglich, um einen Tatsachenbericht. Keine Fiktion, keine Beschönigungen, alles Tatsachen.
Während Albert Einstein vor dem Zweiten Weltkrieg in die USA ausgewandert ist, blieb sein Cousin Robert Einstein in Europa. Anfangs in Deutschland siedelte er später wieder nach Italien um und meinte so den Anfeindungen entgehen zu können. Doch das war lediglich eine Hoffnung.
Erst recht lasch umgesetzt, wurden die Gesetze mit jedem Tag strikter verfolgt, um dann letztlich von den Deutschen mit Akribi vollführt zu werden.
Das am Ende des Schicksals zahlreiche Mitglieder der Familie Einstein tot sind, lässt noch über Jahre später Ermittler, Anverwandte und Gesellschaft verzweifeln.
Der Autor hat sich bei seinem Bericht unglaublich viel Mühe gegeben, die verschiedenen Augenzeugen mit ihren jeweiligen Blickwinkeln zu Wort kommen zu lassen. Wechselweise kommen Familienangehörige, Personal und später auch die Anwälte - direkt oder indirekt - zu Wort und erklären, warum leider vieles nicht so einfach ist, wie es den Anschein hat.
Ein bedrückendes Zeitdokument, was einem zahlreiche Ungerechtigkeiten vor Augen führt.

5 von 5 Beweisstücken

Montag, 23. Juni 2025

Manfred Spitzer "Das musikalische Gehirn"

Keine Angst, bei dem Sachbuch handelt es sich nicht um einen Türstopper, sondern vielmehr um ein Buch von knapp achtzig Seiten.
An was denkst du zuerst, wenn du das Wort "Musik" hörst?
Denkst du an ein Lied?
An eine Person?
Oder eine Begebenheit?
Denn anders als die meisten Hirnfunktionen spielt sich Musik im ganzen Kopf ab. Sie verbindet verschiedene Bereiche des Gehirnes und es lässt somit kaum eingrenzen, wo sie nicht zu finden ist.
Eng mit der Emotion verknüpft, ist sie auch dem Sprachzentrum sehr nahe. Doch eigentlich "hören" wir nicht Musik; sie entsteht im Kopf. 
Und da jeder Musik woanders und mit wem anders gehört hat, hört sich Musik auch für jeden ein bisschen anders an.
Soweit ein paar der Kernaussagen des Buches.
Sicherlich wird einem beim Lesen das eine oder andere bekannt vorkommen und man erkennt sich in einzelnen Abschnitten wieder.
Das Buch zeigt hervorragend, dass man öfters auf sein Bauchgefühl hören darf, denn der Körper erschließt sich einem besser, wenn man ihm zuhört. ;-)
Mit seinen achtzig Seiten kann das Buch natürlich nur einen Einstieg in das Thema bieten, dafür ist dieser sehr amüsant. 

4 von 5 Klängen

Mittwoch, 11. Juni 2025

Frank G. Gerigk (Hrsg) "Caprice 01"

Geschichten erzeugen beim Lesen Bilder im Kopf.
Doch was passiert, wenn die Reihenfolge eine andere ist?
Es existiert ein Bild und hierzu soll eine Geschichte ersonnen werden.
Es klingt im ersten Moment ungewöhnlich, aber gerade in kleineren Verlagen hat es diese Herangehensweise schon ein paar Mal gegeben.

Das Besondere an dieser Anthologie: Der Herausgeber hat alle Grafiken selbst erstellt.
Die Autorinnen und Autoren wählten aus den doch sehr unterschiedlichen Bildern ihre Grafik aus und verfassten ihren Text.
Wie Frank G. Gerigk im Nachwort erwähnte, gab es sowohl bei der Auswahl der Bilder als auch bei den entstandenen Texten zum Teil große Überraschungen.
Denn einige Autorinnen und Autoren verließen ihr hauptsächliches Genre und andere nutzen die Illustration als Sprungbrett für eine ganz andere Art von Geschichte.
Zwanzig Illustrationen und somit auch zwanzig Texte sind in der ersten Ausgabe von Caprice zusammengekommen, die alle als fantastische Kurzgeschichten gelten.
Mal lauter, mal leiser, mal lustig, mal einfühlsam, und auch mal gruselig bietet diese Sammlung für jeden Geschmack etwas. In einigen Erzählungen steht die Technik im Vordergrund, bei anderen geht es um Stimmungen und menschliche Eindrücke.
Der Lesende, der sich noch nicht mit der Fantastik-Szene in ihrem ganzen Spektrum beschäftigt hat, bekommt hier einen guten Eindruck, was alles möglich ist: Schlicht alles.

4 von 5 Erzählungen

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Freitag, 6. Juni 2025

Caleb Everett "1000 Sprachen - 1000 Welten"

Jeden Tag nutzen wir sie, ohne sie könntet ihr diesen Beitrag nicht lesen: Sprache.
So sehr die Menschen eint, dass sie Sprache nutzen, desto mehr unterscheiden sich auch Stile, Worte und damit einhergehend Gebräuche in den einzelnen Sprachen.
Direkt zu Anfang des Buches wird deutlich, die Anzahl der Sprachen sinkt. Immer mehr Menschen konzentrieren sich auf Sprachen, die von vielen gesprochen werden und "vergessen" ihre eigene. Im Deutschen kennt man diese Entwicklung bei dem Rückgang der Dialekte.
Doch warum ist das so? Warum verkennen die Menschen, dass sie ihre eigenen Kulturen, denn nichts anders ist Sprache, vernachlässigen?
Nun der Autor gibt anhand von Experimenten und Forschungsergebnissen vielfältige Einblicke in die Entwicklung.
In einem aufgeräumten Schreibstil, der es auch interessierten Laien ermöglicht dem Thema zu folgen, erklärt er, dass es nicht nur die Unterhaltung der Menschen ist, die zur Sprache führt. Früher wurde die Sprache isoliert von allem anderen betrachtet, heute wird sie in ihrem Alltag gesehen. 
Eines der bekanntesten Beispiele ist die Tatsache, dass es in manchen Sprachen fünfzig Worte für Schnee geben soll. Gut möglich, je nördlicher man lebt. Doch wenn dieser Mensch sich mit anderen unterhält, die nicht dort leben, benötigt er diesen Wortschatz nicht mehr oder auch dann nicht, wenn er wegzieht.
Viele einfache Beispiele zeigen, dass es um mehr geht als nur Worte. Das Zeit- und Ortsverständnis, die Art, wie und auch wann man kommuniziert, selbst die nonverbale Kommunikation, alles spielt in das "große Ganze" mit rein.
Wer sich dafür interessiert, dem sei das Buch mit seinen vielen Antworten ans Herz gelegt. Doch es bleibt zu betonen; es ist ein Sachbuch, was die Konzentration und die Aufmerksamkeit des Lesers sehr fordert.

4 von 5 Linguisten

Samstag, 17. Mai 2025

Roland D. Gerste "Wie Technik Geschichte macht"

Die Technik hat in den letzten gut fünfhundert Jahren unentwegt unglaubliche Fortschritte gemacht. Beispiele? Die gibt es zahlreich. Das Buch "Wie Technik Geschichte macht" fängt mit einer für uns heute grundlegenden Technik an, dem Buchdruck.
Denn ohne die Erfindung von Gutenberg hätte sich weder die Anzahl der Menschen, die lesen können, in dem unglaublichen Tempo erhöht, noch hätten Nachrichten, Ideen oder schlicht Informationen so schnell verbreitet werden können, wie es danach der Fall war.
Ein weiteres Beispiel? Algorithmen.
Denn ohne diese und ohne Ada Lovelace und Alan Turing hättet ihr jetzt kaum ein Smartphone, Ipad oder sonstiges in der Hand und könntet diese Rezension lesen.
Natürlich sind das nur theoretische Annahmen, dass wenn es diese drei Menschen nicht gegeben hätte, diese Techniken nicht entwickelt worden wären.
In anderen Kapiteln des Buches z,B. "Der Traum vom Fliegen" oder auch "Herzschläge" wird sehr deutlich, dass es bei der Entwicklung von Technik auch oft um Zeit geht. Denn selten ist es wirklich so, dass nur eine Person über eine Entwicklung nachdenkt. Gerade bei Erfindern ist der Ehrgeiz eine nahezu unerschöpfliche Triebfeder, die es ihnen ermöglicht, über das bekannte Wissen hinaus zu denken und so neue Wege zu beschreiten.
Dass die Technik im Anschluss für Dinge verwendet wird, die die Erfinder nicht vorausgesehen haben, zeigt das Kapitel "Spaltende Kerne" und es erklärt, was einmal in der Welt ist, verschwindet auch so schnell nicht wieder.

Insgesamt lässt sich das Buch sehr flüssig lesen. Dabei sind die Kapitel sehr unterschiedlich in der Länge und auch in der Informationsdichte aufgebaut, sodass man nicht in allen Bereichen gleich viel über die Entwicklung, die vermeintliche Konkurrenz und auch die Einsatzmöglichkeiten erfährt.
Ein tolles Buch, was zeigt, wie die Welt wurde, was sie heute ist.

4 von 5 Erfindungen

Donnerstag, 15. Mai 2025

Rie Qudan "Tokyo Sympathy Tower"

In einer nahen Zukunft stellt sich die japanische Gesellschaft dem Gedanken, warum Menschen straffällig werden. Ist es wirklich ihre eigene Schuld? Oder ist der homo felix Teil des Problems?
Mitten in Tokio soll neben dem Olympia Stadion ein Tower entstehen, der ein Gefängnis beinhaltet, das aber nicht mehr so genannt werden soll. 
Ein Hauptcharakter ist Sara. Sie ist Architektin, groß geworden in einer Welt, in der Zeichnen ebenso wie Worte Macht bedeuten. Macht über einen Raum, Macht über Menschen. Doch dies ist nur bedingt negativ besetzt. Denn Japaner denken viel darüber nach, was ihre eigenen Verhaltensweisen beim Gegenüber auslösen, verletzen sollen diese wahrlich niemals.

Auf gerade einmal einhundertsechzig Seiten wird die Handlung und auch somit das Gehirn des Lesenden auf eine gehörige Probe gestellt. Perspektivwechsel, Zeitenwechsel, Pro und Contra. Es ist ein wilder Ritt, den man in diesem vermeintlich kurzen Buch erlebt. Und dabei schwebt immer die Frage über den Menschen, wen beeinflusse ich wie mit meinen Entscheidungen. Wen beschütze ich, wen stoße ich vor den Kopf. Leise schwingt auch der erwähnte Gedanke mit, wie hängen Glück und Kriminalität zusammen? Kann man Glück im wahrsten Sinne des Wortes erzwingen?
Bei vielen Szenen sind die Übergänge zwischen Gedanken und Realität allzu fließend, somit erfährt man zeitweilig wenig über die Beweggründe der Personen und auch ihre Handlungen bleiben diffus. 
Ein Buch, was zum Nachdenken anregt, denn bei vielem ist nichts so wie es scheint. Oder vielleicht doch?

4 von 5 Gefängnissen

Samstag, 26. April 2025

Kurt-Jürgen Heering & Jo Müller "111 Gründe, das Böse zu lieben"

Jedem ist das Böse in irgendeiner Form schon einmal begegnet. Sei es im Film, im Buch oder gar in der Realität. Doch wie wäre es, wenn es das Böse überhaupt nicht gäbe? Wenn es aufhören würde, zu existieren?
Unabhängig davon, dass das einfach unmöglich ist, greifen die beiden Autoren diesen Gedanken mehrfach im Buch auf.
Seien es fiese Schurken, reale Banditen oder durchtriebene Mörder, was bleibt, ist trotz der Gewalt die Tatsache, dass das Gute nur durch das Böse seine Wirkung entfacht. Nur dann sieht man, was Menschen Gutes tun, wozu sie sie auch in der Lage sein können.
Doch stellen die beiden auch heraus, dass es gerade beim Film die Schurken sind, die das Publikum in ihren Bann ziehen. Der Joker brilliert neben Batman, um nur eines der zahlreichen Beispiele zu nennen. Sie erhalten die Auszeichnungen, weil es anspruchsvoller wirkt, einen bösen Charakter zu spielen als den Guten.
Natürlich ist die Auswahl eine Geschmacksfrage. Und so kommen einige Schurken in dem Buch vor, die man erwartet hat, ein paar sind überraschend und wieder andere scheinen zu fehlen. Im Nachwort wird erklärt, dass es schwer ist, eine verbindliche Auswahl zu treffen, weil immer wieder neue Ideen und Gründe auftauchen, doch letztlich muss man zu seiner Zusammenstellung stehen.
Gerade bei den literarischen und filmischen Gründen handelt es sich hauptsächlich um Inhaltsangaben. Wer sich auf diesen Gebieten bereits gut auskennt, wird in den Kapiteln nicht viel Neues entdecken.

3,5 von 5 Teufeln

Donnerstag, 10. April 2025

Agatha Christie "Ferien mit Agatha Christie"

Urlaubszeit = Krimizeit.

In zwölf Geschichten lernen die Leser ein paar Detektive der großen Krimi-Queen kennen:
- Jane Marple
- Hercule Poirot
- Parker Pyne
- Tommy und Tuppence 

geben sich bei den Fällen die Klinke in die Hand und wechseln dabei auch noch freudig die Urlaubsorte.

Mit dabei sind u.a. der Nil, Rhodos und Delphi, aber heimische Ortschaften kommen bei Lug und Trug nicht zu kurz.
Die unterschiedlichen Textlängen, die verschiedenen Charaktere und auch die vielfältigen Betrügereien lassen bei dem Krimiband keine Langeweile aufkommen.
Das Buch eignet sich hervorragend für Leser, die erstmalig etwas von Agatha Christie lesen oder verschiedenartige Themenbände sammeln möchten.
Die Texte sind in anderen Zusammenstellungen bereits erschienen, was man im Anhang nachlesen kann.

Die Auswahl der Texte bildet eine harmonische Darstellung von Agatha Christies Können, denn nicht jeder mag Hercule Poirots hochnäsige Art oder mag die eher flapsige Darstellung von Tommy und Tuppence.
Klassiker wie "Tod auf dem Nil" dürften dabei den meisten bekannt sein, aber auch Geschichten wie "Der Tempel der Astarte" zeigen das Können und die Menschenkenntnis der Autorin.

4 von 5 Mordsgeschichten


Dienstag, 18. März 2025

Farina Graßmann "True Crime in Nature"

Wer meint, dass Lug und Trug vom Menschen erdacht und für ihn prädestiniert sind, der sollte dieses Buch zur Hand nehmen.

Der Kuckuck dürfte vielen Lesern noch ein Begriff sein, wenn es darum geht, andere Artgenossen zu betrügen. Zu welchen harten und ausgefuchsten Methoden er greift, ist vielleicht widerum den wenigsten klar. Und er ist damit nicht allein. Natürlich steht nicht immer Mord im Vordergrund, aber wenn es darum geht, den Nachwuchs voranzutreiben, sind viele Tiere nicht zimperlich. Da werden Eier in falsche Nester gelegt, Kriegerinnen getötet und die Wirte sprichwörtlich ausgesaugt.
Ja, für schwache Mägen ist das Buch im wahrsten Sinne des Wortes harte Kost.
In einem ziemlich unverblümten Stil erzählt die Autorin, wie es im Tierreich zugeht und wann und vor allem wie spezielle Tierarten ausgebeutet, ausgenutzt und misshandelt werden.
Unterteilt in mehrere Kapitel fasst sie die Tiergattungen zusammen. Mal geht es um Täter, mal geht es um die Opfer, aber immer um die Tatsache ansich.
Trotz der schieren Gewalt lässt es sich die Autorin nicht nehmen, einzelne Episoden mit einem Augenzwinkern zu erzählen und somit das ganze Thema nicht zu grausig erscheinen zu lassen.

Das Buch lässt sich durch die Kapitel gut abschnittsweise lesen und erfordert keine Vorbildung.
Die einleitenden, farbigen Illustrationen peppen den Text in seiner Morbidität auf und garantieren ein gelungene Wissensvermittlung.

Nur Abendessen sollte man vor der Lektüre nicht ;-)

3,5 von 5 Insekten

Donnerstag, 13. März 2025

Jörg Weigand "Die Welten des Meister Li"

Am Ufer des T'ung-t'ing-Sees steht eine kleine, schlichte Hütte. Niemand, der es nicht genauer wüsste, würde hier das Heim des Meister Li vermuten. Nahezu abgeschieden lebt er hier, nachdem er eine Beamtenlaufbahn ausgeschlagen und sich stattdessen dem Studium der weisen Bücher gewidmet hat. Seine Ansprüche sind einfach und somit begnügt er sich mit dem, was die Menschen ihm geben. Denn sein Lebensinhalt ist die Weitergabe von Wissen und vielleicht auch von ein bisschen Weisheit. Umgeben von seiner Schülerschar erfahren die Leser in 50 Kurzgeschichten, wie es sich im Leben zu verhalten gilt, wenn man denn niemanden vor den Kopf stoßen will. Dabei gilt es das Fantastische nicht zu übersehen, denn wir in der "realen Welt" kämpfen selten gegen Dämonen und Drachen. Wenn, dann tun wir dies nur im übertragenen Sinne.

Meister Li erblickte das literarische Licht der Welt für eine Kurzgeschichte in den Phantastischen Miniaturen von Thomas Le Blanc im Jahr 2012. Seitdem hat der Meister so einige Abenteuer erlebt und Schicksale geprägt. Stets mit Ruhe und Bedacht versucht er mit Hilfe seiner Bücher die Probleme der Menschen am See oder auch aus weiterer Entfernung zu lösen.
Das Wissen, ohne den berühmten erhobenen Zeigefinger, wird durch die einzelnen Kurzgeschichten an den Lesenden weitergeben. Mit Hilfe der kurzen Texte, die nicht den Charakter eines Sachbuchs haben, tröpfeln die Ideen, die Gedanken und auch die Wertvorstellungen von Meister Li wie von selbst in den Geist der Leser. Sie lassen sie einvernehmlich nicken oder auch mal den Kopf schütteln, wenn man die literarischen Bilder in das Hier und Jetzt übersetzen muss.
Auch wenn die Texte kurz sind, so empfiehlt es sich, sie portioniert zu lesen, um das Wissen und den Charme nicht durch kumuliertes Schmökern zu verfälschen.

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

5 von 5 Lehren

Mittwoch, 5. März 2025

Sven Haupt "Anahita"

Was definiert unser Dasein?
Das Geschlecht?
Die Gesellschaft?
Unsere Gene?
Oder ist es doch etwas ganz anderes?

Sven Haupt erzählt in "Anahita" die Geschichte von Aven und Christine, in einer Welt, die so ganz anders ist als die unsere.
Doch viele Verhaltensweisen sind, bedingt durch Sozialgefüge und Machtstrukturen, unveränderlich zu dem, was wir kennen.

Christine kommt mit ihrem Vater auf einen fremden Planeten, den der Uhrmacher schon einige Zeit im Visier hat. Aven, Sohn der Hohepriesterin, freundet sich mit Christine an und bringt ihr die Kultur des Planeten näher. Vieles, gerade die Flora und Fauna dieses Planeten, weicht so sehr von dem Leben am britannischen Hof ab, dass Christine nur staunen kann.
Doch wie es so ist, die Ruhe wird gestört und plötzlich wird das Leben von Christine und Aven vollkommen auf den Kopf gestellt. Krieg wird zum Tagesgeschehen und die Verluste sind so zahlreich, dass die Zeit zum Trauern nie gegeben ist. Hinterhältige Mächte ziehen am Himmel auf und der Kampf zwischen Gut und Böse gewinnt neue Dimensionen. Beide Charaktere entscheiden sich bewusst, für eine gravierende Änderung ihres Lebens und stehen in der ersten Reihe, wenn es darum geht, das zu schützen, was ihnen wichtig ist.

Schon in "Niemandes Schlaf" hat Sven Haupt gezeigt, wie Charaktere verschiedene seelische und auch körperliche Wandlungen durchleben können. "Anahita" erschafft mit dem Weltenbau noch viele andere und auch diverse Dimensionen. Steampunk, Weltraum, riesige Tiere, Bewusstseinserweiterungen, Sven lässt die Charaktere durch Welten segeln und durch Gefühle taumeln. Doch wirkt es nie gekünstelt oder effekthascherisch. All die Gedanken und Handlungen wirken in ihrer Außergewöhnlichkeit trotz allem logisch und folgerichtig. Man schüttelt beim Lesen nie den Kopf, ist der Welt oder vielmehr den Welten gefangen und muss erstmal in die Realität auftauchen, wenn das Buch zur Seite legt.

Moral, der Sinn des Lebens, Charakterstärke und das Wesen der Menschheit, in allen Büchern von Sven Haupt sind dies zentrale Aspekte, ohne dabei mit dem sprichwörtlichen erhobenen Zeigefinger zu interagieren.

Sie sind Bücher abseits des Gehirnkaugummis, den man sonst oft angepriesen bekommt, und wenn man seine Bücher verlässt, ist der eigene Geist immer durch seine Nachdrücklichkeit positiv beeinflusst. Wie sich das äußert?
Das erfährt jeder Lesende individuell, wenn er durch die Buchseiten segelt.

4,5 von 5 Uhrmachern

Donnerstag, 27. Februar 2025

Marianne Labisch (Hrsg) "Rock Planet"

"I'm on the highway to hell" ...
Stop ...
Der Weg zur Hölle ist zwar mit guten Rocksongs gepflastert, aber wir wollen doch zeitweilig auf der Erde verharren und die Musik genießen ...
"I'm on the highway ..."
Ich habe eure Aufmerksamkeit? Das ist gut!

Rockmusik, wer kennt sie nicht und vor allem, wer schätzt sie nicht? Gitarrenriffs, ein wummernder Bass und dabei Stimmen, die nicht chemisch gereinigt, sondern authentisch und pur durch die Gehörgänge pochen. 
Dabei ist es schwer, sich auf eine Band oder sogar nur auf ein Lied zu beschränken, dass für einen selbst die Liebe zur Rockmusik auslöste. Doch genau das war die Grundlage für diese Anthologie. Neunzehn Schreibende haben sich unter Marianne Labisch zusammengefunden und beginnen damit, welcher Rocksong ihre Liebe zu dieser Musik manifestierte. Dabei ist es erstaunlich, wie breit das Spektrum der Rockmusik sich gestaltet und auf welchen Wegen sie die Schreibenden traf.
So individuell, wie jeweiligen Lebenswege sind, so unterschiedlich sind auch die entsprechenden Geschichten geworden. Von kurz und knackig bis hin zu kleinen Epen, von Texten, die zum Schmunzeln einladen, hin zu Texten, bei denen in jedem Wort Philosophie mitschwingt.
Die Geschichten spielen im Jetzt, in der Vergangenheit und in der Zukunft und stets sind sie begleitet von dem Soundtrack des Schreibenden, der die Vergangenheit im Ohr hat. 
Mal verzagt, mal hingerissen, aber in allen Geschichten mit viel Emotionen, zeigt der Rock und seine Musik die Vielschichtigkeit eines Mosaiks, das aus jeder Perspektive anders, dabei aber stets besonders wirkt. 
Die Geschichten bilden einen Kokon zwischen den Welten und verleiten beim Lesen dazu, immer langsamer zu lesen, egal, wie gruselig die Erzählung auch ist, weil man ihn nicht verlassen will. Doch Rockmusik hört niemals auf, sie ist immer da und von daher ...

"We will, we will rock you!"

5 von 5 Schallplatten

Montag, 10. Februar 2025

R.L. Stine "Gänsehaut - Das haarsträubende Buch der Schauergeschichten"


Nach dem ersten Gänsehaut-Buch habe ich direkt Lesenachschub bekommen.

In "Gänsehaut - Das haarsträubende Buch der Schauergeschichten" gibt es mehrere Geschichten von unterschiedlicher Länge zu lesen. Die einzelnen Erzählungen spielen dabei mit den jeweiligen Ängsten, die man als Kind der 1980er gehabt haben könnte.

Man merkt beim Lesen allerdings schnell, dass die Bücher schon ein paar Jahre auf dem Markt sind. Die Dinge, die hier als Schauer gezeigt werden, würden wahrscheinlich heute keinen Jugendlichen mehr Angst machen. Jahrmärkte, geheimnisvolle Gänge und dabei immer eine Gruppe von Kindern, die mindestens eins erschrecken wollen …

Doch gerade durch ihre zeitweilige Vorhersehbarkeit haben die Texte einen unglaublichen Charme, sodass man sich beim Lesen unter eine Decke kuschelt und vielleicht ein bisschen unter ihr verschwindet, wenn genau zeitgleich zum Text der Dachboden knarzt.

Nostalgie und Charme, das stelle ich in letzter Zeit vermehrt fest, sind eine gute Grundlage dafür, dass es sich um eine angenehme Lektüre handelt. Der nächste Sammelband wartet bereits auf dem SUB.

4 von 5 Schauern

Freitag, 31. Januar 2025

Marianne Labisch & Dominik Irtenkauf "Nova 35"

Die Nova 35 ist eine besondere Ausgabe. Einerseits sind die Texte alle auf Grund von Einladungen geschrieben worden und zum anderen haben nur Frauen Texte verfasst.
Es dreht sich um Gleichberechtigung, Familie, Geburt, Erziehung ... alles aus der Sicht der Frauen.
Als Themenband konzipiert schaffen es die Geschichten zusammen, die unterschiedlichen Facetten, ihre Vor- aber auch Nachteile im Leben einer Frau anschaulich darzustellen.
Die einzelnen Autorinnen gehen dabei sehr unterschiedlich mit dem Thema um. Mal ist der Text humoristisch, der nächste liest sich wie eine Anklage.
Ob vermeintlich ferne Zukunft oder der Morgen vor der Haustür immer wieder erkennt man Grundzüge oder Verhaltensweisen, die speziell den Frauen zugewiesen werden und einen gewissen Lebensstil vorzugeben scheinen. 
Starke Frauen wechseln sich mit gebrochenen Frauen, die sich ins Leben zurückkämpfen wollen ab. Denn sie alle eint, sie sind stark und haben ihren individuellen Willen. Sie wollen ihren Weg in der jeweiligen Kurzgeschichte gehen und dabei möglichst nicht scheitern. Ob es allen gelingt?
Abgerundet wird die Sammlung mit der Übersetzung eines Textes von Jasmina Tesanovic, in welchem sie vom Tod ihrer Mutter und der Verarbeitung des entstandenen Traumas berichtet.
Welcher Text den Weg in das jeweilige Herz findet, ist eine sehr individuelle Entscheidung, aber alle Texte regen dazu an, über den eigenen Tellerrand zu schauen und mit mehr Verständnis auf die Menschen zu blicken.

4 von 5 Frauen

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Mittwoch, 29. Januar 2025

Tessa Maelle & Mario Franke & Uli Bendick (Hrsg) "Science-Fiction goes Punk"

Wie viel Ahnung hast du von Science Fiction?
Warum ich das frage?
Zähle doch einmal durch, wie viele Genres du zusammen bekommst.
Hast du eine Zahl?
Ich wette, sie ist nicht annährend so hoch, wie die Anzahl, die in dieser Anthologie vorgestellt wird.

Die Herausgebenden haben ein Konzept umgesetzt, dass mir bisher in dieser Form noch nicht begegnet ist.
Zwei Protagonistinnen werden in der Einleitung vorgestellt und reisen mit Portalschlüsseln durch die verschiedenen Genres.
Dabei wird jedes Genre mit einer kurzen Einleitung vorgestellt und bekannte Bücher oder Filme dieser Gattung als Referenz benannt.
Im Anschluss folgt eine Kurzgeschichte mit den Protagonistinnen, die sich der jeweiligen Elemente des Genres bedient.
Neben den verschiedenen SF-Ansätzen merkt man auch die jeweilige Stimmfarbe des Schreibenden. So sind manche Geschichten im Ton etwas härter oder auch radikaler, andere aber auch wieder sanfter und zugänglicher.

Neben der spannenden Idee ein kleines Lexikon in die Anthologie einzufügen, zeigen die Texte, wie vielseitig Science Fiction sein kann und sich längst nicht alles um Ufos und Aliens dreht.

Viele Fragen werden in den Erzählungen laut:
Wie könnte die Menschheit überleben? Oder was wäre, wenn die Menschheit sich früher anders in ihrer Entwicklung entschieden hätte? Ist diese Welt die perfekte? Welcher Herrschende ist die richtige Wahl?
Dazu werden auch individuelle Fragen laut.

Die Protagonistinnen sind in jeder Geschichte ein bisschen anders und auch das macht den Charme der Sammlung aus. Denn, welcher Mensch verhält sich schon jeden Tag genau gleich.

Ein Buch für Science Fiction Entdecker oder auch jene, die aus ihrer präferierten SF Ecke einmal aufbrechen wollen.


5 von 5 Welten


Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.