Donnerstag, 29. Februar 2024

Sascha Mamczak "Science-Fiction"

Für viele Leser ist die Science Fiction immer noch die berühmte Büchse der Pandora. Doch spricht man mit begeisterten Science Fiction Lesern, kann man nichts besseres als Science Fiction lesen. Doch was ist SF? Ist es nun ein Genre oder doch eher eine Gattung oder doch nur ein Stilmittel?
Diese und viele weitere Fragen zum Thema SF werden in diesem kleinen Buch aus der Sachbuch-Reihe "100 Seiten" von Sascha Mamczak geklärt. 
Dabei geht es in dem Buch hauptsächlich um die Geschichte und damit um die Entstehung der Science Fiction. Weiterhin gibt es auch einen Erklärungsversuch, wann und vor allem warum die SF entstand und weshalb sie nicht früher entstehen konnte, zumal es vormals schon erste literarische Anzeichen gab.
Denn ohne den Nährboden der Wissenschaft, so die Kernthese des Buches, hätte sich die literarische Gattung nicht entfalten können. Der Wechsel von der Literatur zur Leinwand ist für den Autor nur folgerichtig und offenbart im wahrsten Sinne des Wortes "Neue Welten".
Als Einführung und auch als Nachschlagewerk für die Geschichte der SF ist das Buch sicher bestens geeignet. Jahrelange Leser der Science Fiction werden hier aber wahrlich kaum neue Erkenntnisse gewinnen.
Für den Anfänger sei noch erwähnt, es ist ein Sachtext über Science Fiction, daher nicht nach den ersten Seiten das Buch ins Weltall werfen, sondern einfach weiterlesen, es wird noch schlüssig und spannend.

4 von 5 Utopien

Autoreninterview Bernd Schuh

Hallo zusammen.

Heute geht es mit dem Autor Bernd Schuh weiter:

(Foto: Bernd Schuh privat, Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Darauf gibt es keine  einfache Antwort. Jedenfalls gab es keine Initialzündung, auch kein Trauma wie bei manchen Schriftstellern, die nur durch Schreiben eine schlimme Erfahrung verarbeiten können. Ich habe eigentlich immer geschrieben, schon als Jugendlicher. Ob man es nun Gabe oder Sucht nennt, es ist ein Drang, den man nur schwer los wird – wenn man das denn will. Will ich nicht. Aber ich habe ihn unter Kontrolle, Zwinker-Smiley.

In früheren Interviews habe ich schon Monika Niehaus und Kai Focke zu ihren Publikationen in den Phantastischen Miniaturen befragt. Wie kam es zu deiner Zusammenarbeit mit Thomas Le Blanc?
Meine sehr gute und sehr langjährige Freundin Monika Niehaus hat mich in diesen Kreis eingeführt. Thomas war gleich von meiner ersten SF-Geschichte angetan. Seitdem bin ich dabei.

Sollte jemand von dir noch keine Geschichte gelesen haben, welche würdest du als Einstieg empfehlen?
Darf ich mehrere nennen? Wer’s ernst und versponnen mag, sollte sich durch „Simulachron 0“ arbeiten, in meinem Band „irre real“ bei p.machinery. Vorsicht, mitdenken! Auch „Verhör“ gehört in diese Kategorie. Man findet die Story in „Zweitausendvierundachtzig – Orwells Albtraum“, herausgegeben von Rainer Schorm und Jörg Weigand. Wer’s lieber heiter und kurz, aber schräg mag, dem empfehle ich meinen dritten Liebling „Kein Termin“, ebenfalls in „irre real“.

Wie charakterisierst du deinen eigenen Schreibstil?
Keine Ahnung. Ich bin sicher kein Joyce und auch kein Goethe. Aber ich könnte so schreiben – wenn es zur jeweiligen Geschichte passt. Das ist das Wichtigste, denke ich,  eine der Geschichte angemessene Flexibilität. Wenn du wissen willst, ob ich als Autor eine bestimmte „Handschrift“ habe, eine Wiedererkennbarkeit in Stil und Thematik, dann würde ich eher sagen: nein. Aber eine gute KI käme da vielleicht zu einem anderen Ergebnis.

Von Beruf bist du Physiker. Warum schreibst du Phantastik?
„Warum nicht?“, ist die erste Antwort, die mir einfällt. „Gerade deshalb!“ die zweite. Such dir eine aus! Eine andere Antwort wäre: Unter den, sagen wir, dreißig besten/bekanntesten/meistgelesenen SF-Schriftstellern sind mindestens ein Drittel Naturwissenschaftler. Ich neige zu der Auffassung, dass das eine (Physiker sein) mit dem anderen (Fantastik schreiben) nicht viel zu tun hat. Außerdem hätte bei mir deine Frage auch lauten können: Du bist Wissenschaftsjournalist. Warum schreibst du Fantastik? Und da würde ich sagen, wer über Wissenschaft schreibt, kommt ums Fantasieren nicht herum. Denn verantwortungsvoller Journalismus fragt auch immer nach den Folgen und Auswirkungen der Errungenschaften, über die er schreibt.

Wie lange schaffst du es, nicht zu schreiben?
Wie oben schon gesagt: Ich hab’s unter Kontrolle. Andere „Süchte“ helfen dabei. Die Wissenschaft hat mich nie ganz losgelassen, ich bin auch immer noch als Forscher aktiv, überwiegend auf dem Feld der Mathematik. Das beschäftigt mich manchmal monatelang, Monate, in denen ich ans Schreiben kaum denke.

An welchem Projekt arbeitest du aktuell?
An weiteren „Crazy dreams“, wie ich sie im ersten Story-Band „irre real“ beschrieben habe. Ein zweiter Band wartet auf Veröffentlichung, ebenfalls bei p. machinery. Diese Reihe will ich fortsetzen. Da kommt immer mal eine neue Geschichte dazu. Außerdem mache ich weiter bei den „Phantastischen Miniaturen“ bei Thomas LeBlanc mit.


Nachdem ihr wisst, was Bernd schreibt, könnt ihr hier mehr über ihn erfahren:
wikipedia.org/wiki/Bernd_Schuh

In diesem Sinne: Fröhliches Lesen und freut euch auf das nächste Interview. 

Mittwoch, 28. Februar 2024

Robin Whiteman "Die Welt des Bruder Cadfael"

Die Buchreihe um den spätberufenen Mönch Bruder Cadfael kam in den 1990-er Jahren in den Buchhandel. Zu einer Zeit, als es noch nicht so viele Buchreihen über einen mittelalterlichen Detektiv gab, stach diese Reihe heraus und wurde auch verfilmt.
Bruder Cadfael hatte für Jerusalem gekämpft und war zur See gefahren, bevor er in Shrewsbury zur Kutte greift. In zwanzig Texten begleitet man seine Abenteuer oder vielmehr auch seine Ermittlungen. Durch seine Zeit vor der Abtei kennt er sich mit so manch weltlichem "Problem" aus, was vielen anderen Mönchen völlig fremd ist. 
Dieses Buch zur Serie beginnt mit einer Einführung von Ellis Peters und stellt im Anschluss den Charakter, den damaligen Zwist zwischen Kaiserin Maud und König Stephen sowie die Benediktiner vor, bevor es zum Schlagwortverzeichnis übergeht. Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass diese reale und fiktive Orte und Personen der Geschichten beinhaltet um den Lesern einen umfassenden Überblick zum Realität und Fiktion zu geben. Abgerundet wird das Buch durch mehrere Karten sowie einige Stammbäume und eine Chronik.
Durch die Nähe zu der Detektivreihe ist das Buch vor allem für alle jene interessant, die die Serie oder zumindest einzelne Geschichten hieraus schon kennen. Den Einstieg in die Welt des Mönchs mit diesem Buch zu suchen, wäre in meinen Augen nicht ratsam, auch wenn die einleitenden Texte einen guten Überblick bieten.
Für mich als Kenner der Serie hat das Buch noch eine gewisse Tiefe in die Serie und in die Zeit gebracht. Ein Maß an Verständnis, das die Kriminalfälle und auch die Fernsehserie oftmals nur gestreift hat.

5 von 5 Mönchskräutern 

Samstag, 24. Februar 2024

Simone Keil "Das Mädchen mit dem Porzellangesicht"

Manchmal wünscht man sich, man könnte die Zeit zurückdrehen und somit Unheil abwenden. Doch selbst wenn man das Schicksal herausfordert, besiegen kann man es nicht. 
Als Kazuki Kobayashi den Handel mit dem Advokat eingeht, kann er nicht erahnen, was die Zukunft für ihn und seine kleine Familie bereithalten wird. Denn der Advokat spielt ein falsches Spiel und ist auch nicht der, der er zu sein scheint. 
Mit der Geburt der kleinen Miyo ändert sich das Leben vieler und sie wird zum Zankapfel zwischen ihrem Vater und dem Advokat.
Mystisch, mit vielen Spritzern historischer Fakten wird die Geschichte der kleinen Miyo im England von Jack the Ripper und umherziehenden Zirkussen erzählt. Immer ist Miyo mitten im Geschehen, ob in den dreckigen Straßen Londons, an der Küste Englands mit eigener Lehrerin oder später in der Mädchenschule.

Die Geschichte fängt die Gefühle von Miyo wunderschön ein. Miyo ist ein fantastischer Charakter, da sie immer mit ihrer Maske und den dazugehörigen Beschränkungen leben muss. Nie ist sie wirklich sie selbst und immer sind es andere, die ihr Leben beeinflussen. Man erkennt trotz der Fantasie und des Zeitabstandes von über einhundert Jahren viele auch moderne Probleme wieder. Doch gerade zum Schluss wirken die Verwicklungen ein bisschen zu aufgesetzt, was den anfänglichen Charme der Erzählung ein wenig eintrübt.

3,5 von 5 Masken

Donnerstag, 22. Februar 2024

Autoreninterview Alexander Klymchuk

Hallo zusammen.

Diese Woche habe ich dem Vielschreiber Alexander Klymchuk ein paar Fragen gestellt.


(Foto: Alexander Klymchuk (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Vor Ewigkeiten, also irgendwann in den 90ern, habe ich „Trucks“ gelesen, eine Kurzgeschichten-Anthologie von Stephen King. Die Geschichten darin haben mich so beeindruckt, dass in mir der Wunsch reifte schreiben zu wollen. Ich hatte Feuer gefangen.
Mein Plan war es, eine Kurzgeschichtensammlung zu realisieren, sie „Erkerfenster“ zu nennen, ins Englische übersetzen zu lassen und Stephen King zu schicken, zusammen mit einem Brief, in dem ich ihm dankte und ihm sagte, dass er für diesen ganzen Schlamassel verantwortlich war.
Nach schwerfälligen, planlosen und uninspirierten Versuchen auf einer elektrischen Schreibmaschine, einem alten 4.86er Computer mit der Rechenleistung eines modernen Taschenrechners und (sehr viel) später meinem ersten Laptop, schrieb ich ein paar grottenschlechte Texte, bevor ich irgendwann etwas zustande brachte, das tatsächlich in einem Buch abgedruckt wurde.
Als ich dann viele Jahre später Vater einer Tochter geworden war und die Zwillinge unterwegs waren, wusste ich, dass ich meine „Erkerfenster“ endlich veröffentlichen sollte, denn sonst würde ich es wahrscheinlich nie tun. Also tat ich es, bemerkte dabei, dass ich heute viele Dinge anders und besser machen würde und fing wieder an zu schreiben. Die großartige Melanie Haupt übersetzte meine Geschichten und ich schickte die „Bay Windows“ zusammen mit einem Brief in die Hammond Street in Bangor, Maine, an mein Vorbild Stephen King, wie ich es einst geplant hatte.
Mittlerweile hatte ich Dan Simmons entdeckt und die unvergleichlichen Geschichten von Howard Philipps Lovecraft, sodass ich mich durch deren Lektüre auch als Autor weiterentwickelt hatte, ohne es zu merken. Ich stand erneut in Flammen. Und ich schrieb wieder. Planvoller, durchdachter, strukturierter, klarer, besser. So wurde in kurzer Zeit der Großteil meiner neuen Geschichten in Anthologien veröffentlicht, was mir ein paar Preise einbrachte und mich darin bestärkte, auf einem guten Weg zu sein und das Schreiben niemals wieder aufzugeben.

Viele deiner Geschichten werden in Anthologien veröffentlicht. Würdest du sagen, dass die Kurzgeschichte "deine" Ausdrucksform ist?
Absolut. Ich liebe einen guten Roman, gerade Simmons und King schaffen es immer wieder, mich zu fesseln. Aber ich bevorzuge Kurzgeschichten, als Lektüre und Projekt. Der überschaubare Umfang zwingt den Autor sich auf das Wesentliche zu beschränken. Im besten Fall ist kein Wort zu viel. Jeder Satz hat seine Daseinsberechtigung. Alles arbeitet auf etwas hin, das sich vor den Augen des Lesers zu einem Bild entfaltet, einer Pointe, die das Geschehen konsequent zu einem befriedigenden Ende führt. Oder wie Joseph Pulitzer sagte: Schreibe kurz – und sie werden es lesen. Schreibe klar – und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.
Das ist eine Kunstform. Ich denke auch nicht, dass Kurzgeschichten einfach kürzere Romane sind, sondern eine Gattung für sich. Roald Dahl beherrschte dies meisterlich. Sogar Quentin Tarantino nahm „Der Mann aus dem Süden“ als Inspiration für seine Episode der „Four Rooms“.
Howard Phillipps Lovecraft erschuf ein ganzes Universum mit seinen Erzählungen. Jeffery Deavers Anthologie „Todesreigen“ ist ein originelles Sammelsurium irrwitziger Geschichten. Edgar Allen Poes Erzählungen sind Klassiker der Weltliteratur. Viele fantastische Autoren verlassen sich bei der Realisierung ihrer Visionen auf Kurzgeschichten. Montague Rodes James. Nathan Ballingrud. Richard Matheson. Jonathan Nolan. Steve Rasnic Tem. Auguste Groner. Robert Bloch. Ich befinde mich also in bester Gesellschaft
.

So verschieden die Anthologien sind, oft findet man dich in ihnen. Ist es dir wichtig, möglichst viele Genres zu bedienen?
Nicht unbedingt. Wenn mich ein Thema anspricht, nutze ich die Ausschreibungsmodalitäten nur zu gerne als Impuls, egal um welches Genre es sich dabei handelt. Beheimatet fühle ich mich irgendwo in der Fantastik, wo Dinge geschehen, die es in der Realität eigentlich nicht geben kann. Das darf dann komische Züge haben, wie Pratchetts Scheibenwelt, die ich liebe, oder dramatisch und unheimlich sein, wie Lovecrafts kosmische Monstergeschichten. Es darf philosophisch werden oder poetisch, wobei ich gerne mir liebgewonnene Lyrik ins Geschehen bringe, allen voran natürlich William Shakespeares Sonette, die mich seit Jahrzehnten begleiten und nichts von ihrer Faszination einbüßen, gleich wie oft ich sie lese.
Es darf auch wie bei den unglaublich guten Geschichten von Dan Simmons knallhart in eine erwachsene Form von Horror abrutschen, die einem die Schuhe auszieht und nackt zurücklässt, bis ins Mark erschüttert und nachhaltig verändert.
Ich denke, oder bilde mir ein, dass meine Geschichten etwas eint, das sie in jedem Genre unverwechselbar macht. So ist es für mich dann stets eine neue Herausforderung, mich einem mir bisher fremden Genre zu stellen, das mich aus meiner Komfortzone herausholt. Zu Beginn, als ich ohne Übertreibung nur unlesbaren Rotz produzierte, wollte ich auf Teufel komm raus gruselig sein und meinem Vorbild King nacheifern. Mit der Zeit verstand ich, dass das Emotionale beim Lesen zwischen den Zeilen steht, in den Bildern, die beim Leser entstehen. Irgendwann merkte ich, dass ich keine „Jump Scares“ oder Monster brauchte, um einen guten Text zu schreiben, der einen Sog entwickelte und den Leser in seinen Bann ziehen konnte. Und je mehr ich wegließ von den Dingen, die ich einst für unverzichtbar hielt, desto besser wurde meine Schreibe, denn das was übrigblieb, ist das, worauf es wirklich ankommt.

Wie kommen dir deine Ideen zu den Geschichten?
Das ist unterschiedlich. Oft habe ich sofort eine Idee, wenn mich ein Thema anspricht. Manchmal ist es etwas, das ich in einem Film sehe oder etwas aus den Nachrichten, das mich anregt einen Aspekt weiterzuspinnen zu einem Plot. Dann werfe ich ein paar Notizen auf ein Blatt Papier, schreibe einen Titel darüber und lege es in mein Fach im Wohnzimmerschrank. Da liegen mittlerweile so um die vierzig durchgeplottete Ideen, die nur darauf warten, dass ich sie ausformuliere. Und in der Regel ist es die dritte Titelvariation, die sich im Endeffekt durchsetzt.
Es ist auch immer wieder schön etwas mit anderen Autoren gemeinsam zu realisieren und nicht die volle Kontrolle über ein Projekt zu haben. Mit Andreas Dörr sitze ich noch an „Synopsis“, einem Sci-Fi-Roman, den man kapitelweise sowohl vorwärts als auch rückwärts lesen kann. Mit Jana Kiwus konnte ich die Gruselgeschichte „Der Fremde“ für den Elysion-Verlag schreiben, bei der sie den Großteil des kreativen Prozesses übernahm, was eine wirklich tolle Erfahrung war. Und mit Nicole Hobusch ist mit „Immortalis“ etwas entstanden, das sich thematisch von allem abhebt, woran ich vorher beteiligt war.
Im Grunde will ich ein Leseerlebnis schaffen, das neu ist und sich nicht darauf ausruht, alte Formeln von bereits Geschriebenem wiederzukäuen. Ich versuche dann, dem Anspruch gerecht zu werden, meine Geschichten leicht zugänglich, anspruchsvoll und unvorhersehbar zu gestalten.


Hast du bestimmte Rituale, um dich einem neuen Text zu nähern?
Wie bereits gesagt, habe ich oft relativ schnell eine Idee. Ich plotte dann alles Unverzichtbare durch, was nicht so umfangreich ist, wie es vielleicht klingt. Dann setze ich mich in einer freien Minute hin und schreibe. Und der Knackpunkt daran ist: wann hat man dafür Zeit?
Ich arbeite in Vollzeit als Erzieher. Meine Tochter wird nächstes Jahr eingeschult. Meine zwei Jungs sind gerade drei Jahre alt geworden. Es gibt ständig etwas zu tun. Und in der Zeit zwischen Abendrot und Morgengrauen zu schreiben klingt nur romantisch, wenn man außer Acht lässt, dass einem so wertvoller Schlaf abhandenkommt.
Im Prinzip gibt es also für mich kein bestimmtes Ritual, wie ein bestimmter Tee, Räucherstäbchen, Hintergrundmusik, Kuschelkissen oder so etwas. Ich schreibe, wann immer ich Zeit habe. Also schreibe ich öfter nicht, als ich es tatsächlich tue. Auch diese Antworten hier hacke ich zwischen Mitternacht und ein Uhr morgens in meinen Laptop, nach einem Arbeitstag der um 13:45 Uhr begann und um 23:00 Uhr endete. Und nein, das ist kein typischer Tag, aber solche Tage gibt es eben. Und so geht es mir dann auch mit meinen Geschichten. Wann immer ich kann, nähere ich mich einem Text. Wann immer ich die Ruhe und Muße finde mich einem Plot zu widmen, setze ich mich hin und tue mein Bestes, diesen Plot auszuformulieren und zu einer packenden Geschichte zu machen.
Und dann sind mir Stephen Kings Worte ein Trost: Don´t write it right. Just write it. And make it right later.
Ein gutes Lektorat ist dann Gold wert. Ich verlasse mich da voll und ganz auf Petra Ihm-Fahle, deren Arbeit ich sehr schätze und von der ich viel lernen konnte.


Würdest du selbst auch einmal eine Anthologie herausgeben wollen und wenn ja, welches Genre würdest du wählen?
Horror. Definitiv. Dafür schlägt mein Herz. Für die Dinge, die hinter den Schatten lauern, in den Abgründen und verborgenen Winkeln unserer Welt. Es waren immer diese Dinge, die mich als Leser trafen und nachhaltig zeichneten, die unvergessen blieben. Clive Barker hatte mit „Die Bücher des Blutes“ diese Wirkung. Seine Geschichten haben mich überfahren wie ein Zug. Und es war cool. Er hatte eine so starke Vision von dem, was er zu erzählen hatte, dass man mitgerissen wurde. Stephen King hat mit „One for the road“, „Boogeyman“ und „Trucks“ die Weichen gestellt, die mich zu dem Autor machten, der ich heute bin. Und die besten Momente in Dan Simmons Geschichten sind für mich die, in denen sich das Bekannte und Vertraute auflöst und hinter den alltäglichen Dingen etwas zum Vorschein kommt, das eine Art Furcht in einem weckt, die man zuvor noch nie erlebt hat oder sich auch nur vorstellen konnte, das sie existiert. Horror lotet Grenzen aus, bringt einen an den Rand des Abgrunds und verlangt, dass man sich vorstellt, wie es wäre zu springen, zu fallen und auf dem Boden aufzuschlagen. Das ist nicht schön, nicht angenehm und auf keinen Fall leicht, aber es ist existentiell, aufwühlend und intensiv, so wie einem die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit nur vor Augen führt, wie wertvoll und kostbar das Leben ist.

Du hast gleich mehrere Ideen für neue Geschichten im Kopf. Welche bearbeitest du zuerst?
Diejenige, die sich gut schreiben lässt und für mich konkret, klar umrissen und überschaubar ist. Meist also die kürzere. Oft habe ich bei einer Ausschreibung eine Deadline, was ich als ungemein hilfreich empfinde. Das lässt mir dann keine andere Wahl, als ein Projekt abzuschließen und zu Ende zu bringen. Auch wenn der Alltag sich wieder in den Vordergrund drängen will und ich arbeiten, einkaufen, funktionieren und mein Leben als Vater / Ehemann / Erzieher mit meiner Passion als Träumer / Künstler / Autor in Einklang bringen muss.
„Der Exorzismus der Maria Copperfield“, meine Sherlock-Holmes-Geschichte, die in „En Passant“ im Burgenwelten-Verlag erschien, ist dafür ein gutes Beispiel. Irgendwann, ich glaube nach der Lektüre von „Der Vampir von Sussex“, versuchte ich mich an einer Erzählung des Meisterdetektivs. Ich schaffte ungefähr zwei Seiten, bevor mich die Muse verließ. Über fünfzehn Jahre lang blieb sie unvollendet und gammelte in einer Schublade vor sich hin. Bis zu dem Tag, als ich den Ausschreibungstext des Burgenwelten-Verlags auf Facebook las. Ich kramte die zwei Seiten wieder heraus, plottete das Ding bis zum Schluss durch und schrieb es endlich zu Ende. Und dann korrigierte ich es. Und dann nochmal. Und nochmal. Und dann machte ich „den Sack zu“, beendete dieses Projekt und legte es ad acta. Und begann etwas Neues.
Irgendwer hat mal gesagt: Ein Bild ist nie fertig, man legt nur den Pinsel weg.
Und das ist etwas, das ich mit Mühe lernen musste: eine Geschichte loszulassen. 

Nachdem ihr wisst, was Alexander schreibt, könnt ihr hier mehr über ihn erfahren:
instagram.com/alexander_klymchuk_autor
facebook.com/alexander.klymchuk

In diesem Sinne: Fröhliches Lesen und freut euch auf das nächste Interview. 

Mittwoch, 21. Februar 2024

Willow Winsham "Absolut abergläubisch"

Na? Heute schon unter einer Leiter hergegangen oder eine schwarze Katze gestreichelt?
Oder doch lieber Wein verschüttet und danach das Brot falsch angeschnitten?
Man mag es kam glauben, aber selbst in der heutigen Zeit halten sich diverse Aberglauben standhaft. Freitag der 13. dürfte für die meisten das beste Beispiel sein. Einige bleiben komplett zuhause (und fallen dabei von der Leiter) oder sie wagen sich auf die Straßen und haben vor lauter Nervosität einen Unfall.

Doch ich will nicht zuviel berichten. "Absolut abergläubisch"  erzählt von 77 Aberglauben und deren jeweiliger Entstehung und Geschichte. Denn manchmal haben Aberglauben eine Verwandlung durchgemacht und nicht überall auf der Welt fürchtet man sich vor den gleichen Dingen. Es ist sogar teilweise erstaunlich und spannend, wie unterschiedlich die Auslegungen ausfallen können.

Sicherlich sind einige Themen dem Publikum aus dem Alltag bekannt, aber gerade die historischen Veränderungen bei den Aberglauben und auch einige ausgefallenere waren mir bisher unbekannt.
Das Buch eignet sich als Nachschlagewerk und als Basislektüre. Menschen, die sich bereits mehrfach mit dem Thema beschäftigt haben, werden hier nicht soviel Neues entdecken.

Mit einer Illustration und einer Seite Text zu jedem Aberglauben, ist das Buch perfekt für zwischendurch geeignet und man kann immer wieder in dem Buch weiterlesen, was bei einem Sachbuch sonst nicht ohne Weiteres möglich ist.

4 von 5 schwarzen Katzen 

Samstag, 17. Februar 2024

Eduardo Mendoza "Nichts Neues von Gurb"

Was passiert, wenn zwei Außerirdische auf der Erde landen, das Raumschiff einen Defekt hat und der Techniker verschwindet? 
Kurz nach der Landung verschwindet Gurb einfach und sein Vorgesetzter guckt im wahrsten Sinne des Wortes dumm aus der Wäsche. Denn ohne seinen Techniker kann er nicht zurück, also muss er ihn suchen. Doch finde mal einen Außerirdischen, der die menschliche Gestalt annehmen kann, in Barcelona im Jahr 1992 kurz vor den Olympischen Spielen. Einfach, ist anders.
Jeden Tag kommt etwas anders dazwischen und mit der Zeit übernimmt der Vorgesetzte immer mehr Wesenszüge von der Erde, was zu sehr eigenwilligen und auch komischen Situationen führt.

Die Geschichte wird im Tagebuch-Stil erzählt, was in vielen Fällen beim Lesen zum Schmunzeln führt. Wirkt ein Tagebuch oftmals steril oder zumindest durchstrukturiert, sind es gerade die Uhrzeiten und auch die jeweiligen Begebenheiten, die erwähnenswert scheinen. Der Vorgesetze wirkt nahezu hilflos ohne seinen Techniker und das anfängliche Herumirren durch Barcelona unterstützt die latente Panik. Aber gerade sie ist es, die den eigenwilligen Witz in die Geschichte bringt und für die doch sehr besondere Stimmung im Buch sorgt. 

Ein Außerirdischer, der auf der Erde landet, um eine Mission zu erfüllen, dabei seinen Techniker verliert und dafür menschliche Wesenszüge annimmt und vornehmlich Churros isst. Wer gerne einmal SF mit einem Augenzwinkern liest, sollte einen Blick in das Buch riskieren.

4 von 5 Ufos

Donnerstag, 15. Februar 2024

Autoreninterview Florian Krenn

Hallo zusammen.

Heute verschlägt es uns mit dem Interview nach Österreich zu Florian Krenn.

(Foto: Florian Krenn (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Den Gedanken zu Schreiben hatte ich eigentlich schon als Jugendlicher, allerdings habe ich nur grob ein paar Ideen gesammelt, angefangen zu Schreiben habe ich lange nicht. Jahre später gab mir ein ehemaliger Schulfreund den Tipp es bei Ausschreibungen zu versuchen. Die Vorstellung in einem zeitlich überschaubaren Rahmen einen Text zu einem vorgegebenen Thema zu verfassen hat mich sehr gereizt. In drei Tagen habe ich tatsächlich eine Kurzgeschichte mit 80.000 Zeichen getippt, die dann - wider meinem damaligen Erwarten - nicht genommen wurde. Aber ich hatte Blut geleckt, immer neue Ausschreibungen gesucht, geschrieben und eingereicht und schlussendlich hat das dann auch geklappt.

Du bist in mehreren Eridanus-Anthologien vertreten. Arbeitest du gerne mit den gleichen Menschen zusammen?
Es ist für mich kein muss, aber es macht die Zusammenarbeit natürlich leichter, wenn man weiß, was Verlag und Herausgebenden suchen. Die beiden Herausgeber, in deren Anthologien meine Texte am öftesten vertreten sind, arbeiten beide mit dem Eridanus Verlag zusammen, namentlich Detlef Klewer und Chris Grimm.

Dahingehend weitergefragt, scheibst du hauptsächlich Kurzgeschichten, wenn du ansprechende Ausschreibungen findest?
Ja, das ist tatsächlich so. In der Regel führt eine konkrete Ausschreibung zur Idee und zum Text. Das Thema muss mich reizen und meist hab ich beim Lesen des Ausschreibungstextes schon eine vage Vorstellung, in welche Richtung die Geschichte gehen könnte. Mittlerweile werde ich auch immer wieder zu Anthologien angefragt (was mich jedes Mal sehr freut!) und auch da ist das Thema der Anthologie bereits abgesteckt.

Ich habe dir schon einmal gesagt, dass ich deine Erzählstimme sehr mag. Wieviel Übung erforderte es, bis du diese Stimme geschaffen hast?
Vielen Dank, das freut mich sehr! :) In der Tat hat es einige Übung gebraucht, gerade am Anfang sind mir viele technische Fehler unterlaufen. Mittlerweile habe ich meinen Stil gefunden, wobei ich versuche die Stimme bis zu einem gewissen Grad an den Text und das Thema anzupassen. Nicht so viel, dass man sie nicht erkennt, aber doch so viel, dass es sich passend anfühlt.

In welchen Genres kann dich ein Leser finden, der dich noch nicht kennt?
Hauptsächlich im Horror, mittlerweile aber auch Science Fiction oder Steampunk, meist im Crossover mit Horrorelementen, beziehungsweise Geschichten für Kinder.

Was sind deine laufenden Projekte?
Neben Kurzgeschichten, die ich regelmäßig schreibe, eine eigene Geschichtensammlung. Ein Buch für Kinder habe ich fertig, da bin ich gerade am (wiederholten) Umschreiben des Exposés.

Und die Frage aller Fragen: Wann wird es einen Roman geben?
Ha, das frage ich mich auch. :) Vor dem ersten Roman habe ich mich lange gedrückt, da mir "die eine" Idee gefehlt hat und ich Angst hatte "nicht gut genug" zu sein. Jetzt nach 40 veröffentlichten Kurzgeschichten fühle ich mich bereit. :D Naja eigentlich schon länger, aber Idee und Gelegenheit ließen etwas auf sich warten. Mittlerweile gibt es aber zwei aussichtsreiche Kandidaten: Zum einen eine sehr lange Kurzgeschichte mit Potential zur Novelle, zum anderen eine sehr konkrete Romanidee, die ich gerade ausarbeite, und vom Gefühl her das Zeug für den Erstling hat. Es wird also noch etwas dauern.

Nachdem ihr wisst, was Florian schreibt, könnt ihr hier mehr über ihn erfahren:
floriankrenn.at
instagram.com/autornerdvater
facebook.com/florian.krenn.autornerdvater

In diesem Sinne: Fröhliches Lesen und freut euch auf das nächste Interview. 

Dienstag, 13. Februar 2024

Dan Adams "Manhattan 2060"

Die Welt hat sich in einem weiteren Jahr nicht verbessert.
Manhattan 2060 fährt die gleichen Geschützen auf wie seine beiden Vorgänger und doch ist es anders. Jane hat das D.S.O. Team verlassen und Mike muss sich jetzt mit Cole herumschlagen. Manche Situationen muten seltsam an, es drängt sich öfters das Bild des "Guter Cop - Böser Cop"-Szenarios auf, ohne allerdings das Thema zu sehr zu überreizen.
Weiterhin sind die Drogen im Zentrum der Aufmerksamkeit des D.S.O.s und als ein Waschsalon die Bühne für ein Gemetzel bietet, sind Mike und Cole schnell zur Stelle, doch wie so oft ist nichts so wie es scheint. Und plötzlich steht Mikes alter Chef vor ihm. Ein Mensch, den er nicht wiedersehen wollte.

Doch am Beginn der neuen Staffel steht der Tod ... Makaber, oder? ;-)

Mit "Meltdown" geht die Reihe um die D.S.O. Cops bereits in die dritte Runde. Drei Episoden umfasst dieser Teil, in welchem es sich vermehrt um Captain Kirkland drehen soll. Der Chef ist in den vorigen Episoden auch schon aufgetaucht, doch schafft es Dan Adams durch die Fokussierung auf einen Charakter in der jeweiligen Episode die Spannung hochzuhalten, während das Umfeld im ähnlichen Sumpf vor sich hindümpelt. Probleme dieser Größe lassen sich nicht von heute auf morgen klären, und so ist es an den Figuren sich zwischen schlecht und weniger schlecht zu entscheiden.

In dieser Folge spinnt der Autor auch die Technik weiter, wobei er immer auch nostalgische Elemente - gerne auch mit Wiedererkennungseffekt - einbaut. 

Eine Cyberpunk-Serie mit Worldbuilding, in welche ich immer wieder gerne zurückkehre, obwohl es in der Zukunft spielt. ;-)

4,5 von 5 Cops

Samstag, 10. Februar 2024

Julie Caplin "Das kleine Schloss in Schottland"

Auch wenn die Weihnachtstage schon ein paar Tage her sind, hatte ich gerade in den letzten Tagen den Wunsch nach ein wenig "Heiler Welt". 
Izzy McBride kann es nicht fassen, als sie von ihrem Onkel ein Schloss in Schottland erbt. Sie wäre nicht die erste Erbin gewesen und doch hatte ihr Onkel sie als die rechte Person ersonnen, die das Schloss erhalten könnte. Denn es regnet rein, die Zimmer sind zum Teil verwohnt und der Charme ist unter großen Schicht Staub versteckt. Doch mit der Hilfe ihrer renovierungswütigen Mutter bringt Izzy das Schloss wieder in einen Zustand, in dem sie es als Hotel nutzen kann. Tapeten werden geklebt, alles Alte thematisch neu zusammengestellt und mit Hilfe von zwei jungen Mitarbeitern erstrahlt das Schloss bald in neuem Glanz. Wäre da nicht die schlechte Laune eines modernen Ebenezer Scrooge mit Namen Ross, der immer mal wieder die Stimmung sprengt, wenn es nicht leise genug ist. Doch unter einer harten Schale soll bekanntlich ein weicher Kern zu finden sein ...

Was soll ich sagen? Kann man das Ende in größten Teilen vorhersehen? - Ja.
Ist die Geschichte wie eine große Zuckerwatte? - Ja. :-)
Ist sie trotzdem toll? - Jaaaa ...

Auch wenn ich sonst definitiv nicht zu solchen Büchern greife, kann ich den Hype um die Bücher verstehen. In einer Zeit, in der vermeintlich nichts so läuft, wie man es geplant hat, geben die Bücher eine Form von Sicherheit, dass die Wege zwar oft verschlungen sind, aber man trotzdem zum Schluss immer etwas Gutes daraus schöpfen kann. Ein wahrlich tröstender Gedanke, wenn man die vielen Missstände im eigenen aber auch im öffentlichen Leben sieht.
Das Buch legt sich wie eine warme Decke um den Leser, denn auch im Buch gibt es Probleme, aber für Probleme gibt es Lösungen und danach ist alles schöner als zuvor.

5 von 5 Schlössern

Donnerstag, 8. Februar 2024

Autoreninterview Corinna Griesbach

Hallo zusammen.

Diese Woche darf ich meiner Herausgeberin ein paar Fragen stellen: Corinna Griesbach

(Foto: Corinna Griesbach privat, Grafik: Maximilian Wust)


Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich glaube, den ersten Romanentwurf habe ich mit Anfang Zwanzig geschrieben. Ich war von dem Ergebnis sehr beeindruckt - und das Manuskript wurde nie veröffentlicht.
Daher freue ich mich immer, wenn andere Autorinnen und Autoren, die bereits veröffentlicht haben und viel gelesen werden, von ersten, unveröffentlichten Romanen erzählen!

Erzähl mir doch ein bisschen mehr über deine Projekte.
Ich habe im letzten Jahr Science-Fiction Kurzgeschichten veröffentlicht, nämlich "Die Kugel" in Exodus, "Die Gläubigen" im Verlag Thorsten Low (in dem wirklich tollen Text- und Bildkalender 2024) und "Schmetterling" im Weltenportal.

Für 2024 gibt es tatsächlich etwas Neues zu berichten, mein Roman (Titel steht noch nicht fest!), der im Bereich WEIRD FICTION zuhause ist, hat einen Verlag gefunden und wird voraussichtlich im Herbst 2024 veröffentlicht. Mehr kann ich erst später verraten. Da ein Lektorat ansteht, werde ich ansonsten 2024 nicht schreiben. Ich nehme mir ungern zuviel vor.

Neben deinen eigenen Veröffentlichungen gibst du die "Haller" heraus. Wie kam es dazu?
Ich liebe Kurzgeschichten aller Genres, und es ist sehr spannend, Texte zu lesen, die vielleicht noch keiner kennt und ihnen eine Heimat zu geben. 2009 habe ich eine Ausschreibung gestartet und seltsame, ungewöhnliche Texte bekommen, die ich ohne Verlag herausgegeben habe. Von Anfang an habe ich auch Bilder in der Zeitschrift gehabt, das ist das Grundkonzept. Inzwischen sind Interviews mit den Autorinnen und Autoren hinzugekommen.

Hast du als Autorin ein Lieblingsprojekt?
2024 widme ich mich ganz dem Buch, das dieses Jahr erscheint.

Mit wem würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?
Ich habe eine SF-Kurzgeschichte, die ich mir sehr gut als Graphic Novel vorstellen kann. Bisher habe ich keine Zeichnerin und keinen Comickünstler gefunden, der Interesse hat ...

Welche Geschichte wartet in deiner Schublade auf das Publikum?
In der Schublade versteckt liegt tatsächlich etwas, das aber noch ein bisschen im eigenen Saft schmoren muss. Im Mittelpunkt, das kann ich verraten, stehen zwei Kinder und ein unheimliches, grausames Ereignis.

Welche Lektüre liegt zur Zeit auf deinem Nachttisch?
Da Weihnachten gerade vorbei ist, viele Bücher! U. a. ungelesen: Matthias Brandt: "Raumpatrouille" (Kurzgeschichten) und Elif Shafak: "Der Geruch des Paradieses".


Nachdem ihr wisst, was Corinna schreibt, könnt ihr hier mehr über sie erfahren:
instagram.com/corinna_griesbach_autorin

In diesem Sinne: Fröhliches Lesen und freut euch auf das nächste Interview. 

Nele Sickel (Hrsg) "Blutspuren im Hyperraum"

Ob Hercule Poirot diese Sammlung zu schätzen gewusst hätte?
Die Frage ist berechtigt, aber sie kann leider nicht beantwortet werden.
Was sich aber sagen lässt: auch die Zukunft und die unendlichen Weiten sind vor Gefahren und auch vor Verbrechen nicht sicher.
Nele Sickel entführt uns mit der Anthologie, welche aus vier Novellen von ebenso vielen Schreiberlingen besteht, in Welten, die unserer ähnlich sind und zeigt; die Menschheit bleibt vieler ihrer Gewohnheiten treu, was das Morden und die Hinterlistigkeit betrifft.
Ermittlungen stellen alle vier Akteure der Novellen an und der Lesende wird dabei in verschiedene Welten geworfen.

Ob Detektivarbeit, die auf einem Raumkreuzfahrtschiff stattfindet, während die trauernde Mutter versucht, den Tag ihres Sohnes aufzuklären und dabei ihrer Lieblingsromandetektivin nacheifert.

Bei den Nachforschungen in dem nächsten Fall, in dem zwei Ermittler sich immer wieder vor Schüssen retten müssen, wobei sich der nicht-menschliche Ermittler fragt, wem er auf die sprichwörtlichen Füße getreten sein könnte.

Der Privatdetektiv, der immer knapp bei Kasse ist und daher jeden Job annehmen muss. Er trifft bei seinen Ermittlungen auf Shakespeare und Substanzen, die man definitiv nicht zu oft konsumieren sollte.

Zuletzt folgt die Geschichte der Herausgeberin. Was passiert, wenn wir nicht mehr das heutige Gerichtsverfahren haben und die Menschen über ein Voting und eine Charakterstudie über die Schuld eines Mörders zu bestimmen haben?

An Auswahl hätte Poirot genug und die kleinen grauen Zellen würden bei den Fällen auf Touren kommen, wenn er nicht bei seinen Methoden verharren und mit seiner Penibilität den entscheidenden Hinweis übersieht.

4,5 von 5 Blutspuren

Donnerstag, 1. Februar 2024

Autoreninterview Christian Endres

Hallo zusammen.

Den Autor, den ich diese Woche interviewt habe, dürften einige von euch schon von früheren Beiträgen kennen: Christian Endres

(Foto: Volkan Baga, Grafik: Maximilian Wust)


Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Nachdem ich als Kind genug Zeit mit Tolkien, Pratchett, Hobb, Gaiman, Superhelden-Comics, Zeichentrickserien und Magic-Sammelkarten verbracht hatte, wollte ich irgendwann eigene Geschichten schreiben. Angefangen habe ich mit Fanfiction zu „Star Wars“ und einer Fortsetzung von „Der Herr der Ringe“, allein für mein Vergnügen. Da war ich 12, 13. Etwas später folgten die frühsten Romanversuche. Als ich dann mit 17, 18 einige Geschichten bei Verlagen unterbrachte, gab es kein Zurück mehr. Außerdem musste ich irgendwann einsehen, dass mir für eine Karriere als „Spider-Man“-Zeichner doch das Talent fehlt ... 

Du ist in mehreren Genres anzutreffen. War das immer dein Wunsch oder hat sich das so ergeben?
Das hat sich so ergeben. Obwohl es natürlich schon damit zu tun hat, dass ich genau die Genres und Stoffe schreibe, die ich schreiben will. Es reflektiert irgendwo auch meine Reise als Buchmensch, als Leser: Am Anfang vor allem Fantasy und Sherlock Holmes, irgendwann immer mehr Science-Fiction, und schließlich ein Mix aus Fantastik und modernen Krimis. 

Wenn du mehrere Ideen im Kopf hast, wie entscheidest du, welche du verfolgst?
Mittlerweile diktieren das die Deadlines, gerade bei den Romanen – und klar, teils auch die Verkaufszahlen der letzten Bücher. Dass ich mit Sherlock Holmes hierzulande nicht mehr so viel reißen werde wie zu Zeiten der Cumberbatch-Modernisierung und der Downey Jr.-Blockbuster, hat z. B. schon die eine oder andere Holmes-Romanidee schnell abgekühlt. 
Ansonsten gibt es immer mal eine Science-Fiction-Kurzgeschichte, die so dringend geschrieben werden will, dass ich sie mir sozusagen gönne. Manche Ideen müssen aber auch ein, zwei Jahre oder länger warten. Da halte ich dann nur die Idee oder den Pitch schnell in einer Datei oder einer Mail an mich selbst fest.

Mit den "Prinzessinnen" hast du eine Gruppe von Frauen erschaffen, die gänzlich Stereotypen widersprechen. Wie kam es zu dieser Romanidee?
Vor ein paar Jahren habe ich einen amerikanischen Fantasy-Roman über eine Gruppe Söldner gelesen, an dem mir vieles, aber nicht alles gefallen hat. Daraufhin wollte ich sehen, wie ich das Ganze angehen würde. Und als ich über die Figuren und den Namen der Truppe nachdachte, dauerte es nicht lange, bis sich die knallharten, eingeschworenen Ex-Königstöchter als Prinzessinnen auf die Bühne drängten, wie das eben so ihre Art ist. Mich hat es sofort gereizt, mit ihnen die Tropen von Fantasy, Märchen und Disney aufzumischen und zu verdrehen. 
Das erste Kapitel von „Die Prinzessinnen: Fünf gegen die Finsternis“ ist bis auf das übliche Polieren übrigens noch immer das „Testshooting“, also die erste Szene, die ich je mit der Gang geschrieben habe, um zu sehen, welchen Sound und welche Charaktere ich da überhaupt habe, und wo die Reise hin geht ... 

Wobei fühlst du dich wohler: Roman oder Kurzgeschichte?
Vor knapp zehn Jahren hätte ich da sofort „Kurzgeschichte“ geantwortet. Inzwischen habe ich aber auch genug Erfahrung und Spaß mit Romanen, sodass ich klar sagen kann: Kommt drauf an. Es hängt heute definitiv von Idee, Genre, Thema, Plattform ab. Ich denke, es gehört an ​fundamentaler Stelle zum Autorenjob dazu, das passende Format für eine Idee zu spüren. 
Richtig interessant wird es dann, wenn aus abgeschlossenen und sogar schon veröffentlichten Kurzgeschichten irgendwann Roman-Plots werden. 

Wie stehst du dazu, als Autor selbst zu lesen? Meinst du fremde Autoren beeinflussen das eigene Schreiben zu sehr?
Stephen King, Don Winslow und Co. haben da schon absolut recht: Wer schreiben will, muss lesen, viel und vielfältig – und wir alle fangen als Lesende an, und beim Schreiben ferner als Imitatoren. Ich kann mir ein Leben ohne Bücher auch nicht vorstellen. Nichtsdestotrotz kenne ich selbst Phasen, da ich meine Schreibe, meinen Stil vor fremdem Einfluss schützen möchte. 
Dann weiche ich vorübergehend auf ein ganz anderes Genre aus, oder auf englische Romane und Kurzgeschichten, oder auf Comics.

Welche Projekte stehen bei dir in nächster Zeit an?
Im Mai erscheint mein Roman „Wolfszone“ bei Heyne, eine Mischung aus Krimi und Near-Future-SF. In „Wolfszone“ muss Privatdetektiv Joe Denzinger die verschwundene Tochter von Deutschlands reichster Waffenfabrikantin finden – und zwar in der Nähe eines vom Militär abgeriegelten Waldes in Brandenburg. Dort haben Nanobots ein Rudel Wölfe in riesige Cyborgs verwandelt, was für viel Aufruhr sorgt. Bei seinen Ermittlungen kommt Joe unweigerlich Soldaten, Gangstern und Umweltaktivisten in die Quere. Weitere Perspektiven auf die Wolfszone bieten eine Wissenschaftlerin, eine Drogenschmugglerin und ein unter PTBS leidender Maschinenwolf mit KI im Blut.
Die ersten Science-Fiction-Kurzgeschichten für 2024 sind auch schon in der Pipeline und werden über die nächsten Monaten in „Spektrum der Wissenschaft“, „c’t –magazin für computertechnik“ und „Exodus“ veröffentlicht. Da muss ich meine Pools also demnächst mal wieder mit neuen Storys auffüllen. Darüber hinaus schreibe ich aktuell am dritten, natürlich wieder eigenständig lesbarem Band von „Die Prinzessinnen“.​

Nachdem ihr wisst, was Christian schreibt, könnt ihr hier mehr über ihn erfahren:
christianendres.de
instagram.com/misterendres
facebook.com/MisterEndres
bsky.app/profile/misterendres.bsky.social

In diesem Sinne: Fröhliches Lesen und freut euch auf das nächste Interview.