Posts mit dem Label 2051-2075 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 2051-2075 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 31. Juli 2025

Yvonne Tunnat, Chris Witt (Hrsg) "Ihr Körper, das Schiff"

Jede Anthologie ist eine Wundertüte, denn jede Kurzgeschichtensammlung wird durch ihre zahlreichen Wechsel getragen.
Bei 15 Geschichten, wie in dieser Zusammenstellung, müssen sich die Lesenden auf 15 Stile und 15 Themen einlassen.
15 Mal werden sie in eine Welt katapultiert, die unserer ähnlich, aber doch so ganz anders ist.
Man rauscht dabei nicht durch die Seiten, denn diese Geschichten berühren beim Lesen anders, als es reine Unterhaltungsliteratur tut. Die Texte rühren tiefer, denn auch die Themen regen mehr zum Nachdenken an. Oft wird die Science Fiction als das Genre, wenn man es so nennen will, verstanden, dass den Lesenden den Spiegel verhält. Wenn ihr jetzt nichts tut, passiert in zehn oder zwanzig Jahren diese oder jene Geschichte. 
Die Themengebiete, die die beiden Herausgeberinnen in der internationalen SF gesammelt haben, sind vielfältig. Während sich in Deutschland viele Texte mit KI oder anderer Technik beschäftigen, haben es die beiden geschafft, eine Sammlung zusammenzutragen, die nicht nur die technische Seite der Zukunft beleuchtet. Viele Erzählungen beschäftigen sich damit, was die Zukunft, die Technik, der Klimawandel oder auch die Verlangsamung des Altersprozesses mit uns Menschen macht.
Wie reagieren wir, wenn wir nach Jahren der Suche einen neuen Planeten entdecken? Was passiert, wenn es keine Sonne gibt und man sich im Kleinen organisieren muss?
Wird es uns überhaupt noch geben oder sind wir verschwunden? Oder wenn wir noch da sind, wie stellen wir uns dem Tod und dem damit einhergehenden Leid?
Yvonne und Chris schaffen es mit einer sehr guten Mischung und der entsprechenden Platzierung der Geschichten innerhalb des Buches, die Lesenden zum Nachdenken anzuregen, sie mit Problemen zu konfrontieren und so vielleicht die Augen für die Zukunft zu öffnen. Doch bei jedem dystopischen Gedanken gibt es auch den utopischen und auch wenn es oftmals zum Verzweifeln ist, die Hoffnung auf das Gute darf niemals fehlen, auch nicht in einer guten Anthologie.

5 von 5 Körpern

Danke an die Herausgeberinnen für das Rezensionsexemplar.

Sonntag, 18. Mai 2025

Frank Lauenroth "Delter"


Während ein Roman eine einzelne Geschichte erzählt, geht es bei Kurzgeschichtensammlungen, wie der Name schon sagt, um mehr als nur eine Geschichte. Viele Facetten spielen in die jeweiligen Geschichten rein und einen Sammelband kann man nicht so ohne Weiteres beurteilen wie einen Roman. 

Jede Kurzgeschichte braucht ein Thema, ein Setting, einen Spannungsbogen. Je nach Thema braucht sie mal mehr, mal weniger Hintergrundinformationen. Sie ist für einen Wettbewerb geschrieben oder sie musste einfach in die Welt hinaus.

Warum ich das so explizit erkläre? Die Kurzgeschichte hat in der deutschen Literatur leider nicht den besten Ruf. Immer wird der Roman hochgehalten und als das Beste vom Besten dargestellt.  Doch es gibt Beweise, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. 

"Delter" ist der Name einer Kurzgeschichte in diesem Sammelband. Als letzte im Buch platziert, rundet sie die vorigen Texte perfekt ab. Denn sie zeigt, was Frank alles schreiben kann. Bleiben wir bei diesem Text; im Weltall angesiedelt, sind mehrere Kreolyten auf einer Mission unterwegs, doch sie unterliegen einer strengen Hierarchie. Was passiert, wenn sich einer dem nicht beugen will?

Ein anderer Text zeigt, was passiert, wenn Teddys für ihre Rechte ins Feld ziehen müssen. Feuer und anderen Widrigkeiten ausgesetzt, müssen sich die flauschigen Wesen behaupten, denn sonst kann ihnen keiner zu Hilfe eilen.

Was gibt es noch? Glückspiel, Geistesblitze, Timing, einen Toyplanet ... Nein, ich zähle jetzt nicht alle Geschichten auf, denn auch das ein Teil des Charmes von Kurzgeschichtensammlungen. Man bekommt eine Wundertüte voller Geschichten und wenn man Glück hat, sind sie alle etwas Besonderes.

5 von 5 D3017

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Mittwoch, 5. März 2025

Sven Haupt "Anahita"

Was definiert unser Dasein?
Das Geschlecht?
Die Gesellschaft?
Unsere Gene?
Oder ist es doch etwas ganz anderes?

Sven Haupt erzählt in "Anahita" die Geschichte von Aven und Christine, in einer Welt, die so ganz anders ist als die unsere.
Doch viele Verhaltensweisen sind, bedingt durch Sozialgefüge und Machtstrukturen, unveränderlich zu dem, was wir kennen.

Christine kommt mit ihrem Vater auf einen fremden Planeten, den der Uhrmacher schon einige Zeit im Visier hat. Aven, Sohn der Hohepriesterin, freundet sich mit Christine an und bringt ihr die Kultur des Planeten näher. Vieles, gerade die Flora und Fauna dieses Planeten, weicht so sehr von dem Leben am britannischen Hof ab, dass Christine nur staunen kann.
Doch wie es so ist, die Ruhe wird gestört und plötzlich wird das Leben von Christine und Aven vollkommen auf den Kopf gestellt. Krieg wird zum Tagesgeschehen und die Verluste sind so zahlreich, dass die Zeit zum Trauern nie gegeben ist. Hinterhältige Mächte ziehen am Himmel auf und der Kampf zwischen Gut und Böse gewinnt neue Dimensionen. Beide Charaktere entscheiden sich bewusst, für eine gravierende Änderung ihres Lebens und stehen in der ersten Reihe, wenn es darum geht, das zu schützen, was ihnen wichtig ist.

Schon in "Niemandes Schlaf" hat Sven Haupt gezeigt, wie Charaktere verschiedene seelische und auch körperliche Wandlungen durchleben können. "Anahita" erschafft mit dem Weltenbau noch viele andere und auch diverse Dimensionen. Steampunk, Weltraum, riesige Tiere, Bewusstseinserweiterungen, Sven lässt die Charaktere durch Welten segeln und durch Gefühle taumeln. Doch wirkt es nie gekünstelt oder effekthascherisch. All die Gedanken und Handlungen wirken in ihrer Außergewöhnlichkeit trotz allem logisch und folgerichtig. Man schüttelt beim Lesen nie den Kopf, ist der Welt oder vielmehr den Welten gefangen und muss erstmal in die Realität auftauchen, wenn das Buch zur Seite legt.

Moral, der Sinn des Lebens, Charakterstärke und das Wesen der Menschheit, in allen Büchern von Sven Haupt sind dies zentrale Aspekte, ohne dabei mit dem sprichwörtlichen erhobenen Zeigefinger zu interagieren.

Sie sind Bücher abseits des Gehirnkaugummis, den man sonst oft angepriesen bekommt, und wenn man seine Bücher verlässt, ist der eigene Geist immer durch seine Nachdrücklichkeit positiv beeinflusst. Wie sich das äußert?
Das erfährt jeder Lesende individuell, wenn er durch die Buchseiten segelt.

4,5 von 5 Uhrmachern

Freitag, 31. Januar 2025

Marianne Labisch & Dominik Irtenkauf "Nova 35"

Die Nova 35 ist eine besondere Ausgabe. Einerseits sind die Texte alle auf Grund von Einladungen geschrieben worden und zum anderen haben nur Frauen Texte verfasst.
Es dreht sich um Gleichberechtigung, Familie, Geburt, Erziehung ... alles aus der Sicht der Frauen.
Als Themenband konzipiert schaffen es die Geschichten zusammen, die unterschiedlichen Facetten, ihre Vor- aber auch Nachteile im Leben einer Frau anschaulich darzustellen.
Die einzelnen Autorinnen gehen dabei sehr unterschiedlich mit dem Thema um. Mal ist der Text humoristisch, der nächste liest sich wie eine Anklage.
Ob vermeintlich ferne Zukunft oder der Morgen vor der Haustür immer wieder erkennt man Grundzüge oder Verhaltensweisen, die speziell den Frauen zugewiesen werden und einen gewissen Lebensstil vorzugeben scheinen. 
Starke Frauen wechseln sich mit gebrochenen Frauen, die sich ins Leben zurückkämpfen wollen ab. Denn sie alle eint, sie sind stark und haben ihren individuellen Willen. Sie wollen ihren Weg in der jeweiligen Kurzgeschichte gehen und dabei möglichst nicht scheitern. Ob es allen gelingt?
Abgerundet wird die Sammlung mit der Übersetzung eines Textes von Jasmina Tesanovic, in welchem sie vom Tod ihrer Mutter und der Verarbeitung des entstandenen Traumas berichtet.
Welcher Text den Weg in das jeweilige Herz findet, ist eine sehr individuelle Entscheidung, aber alle Texte regen dazu an, über den eigenen Tellerrand zu schauen und mit mehr Verständnis auf die Menschen zu blicken.

4 von 5 Frauen

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Montag, 20. Januar 2025

Jörg Weigand "Musica Fantastica"

Leise verklingt der letzte Anschlag des Klaviers, wenn man das Buch schließt. In zweiundzwanzig Kurz- und Kürzestgeschichten führt Jörg Weigand den Leser durch die verschiedensten Klangwelten. Schon oft habe ich in meinen Interviews die Autoren gefragt, ob sie der Meinung sind, dass man auf mehreren Gebieten kreativ tätig sein kann. Das eine Kreativität die andere fördert und auch bedingt. Die Antworten waren dabei sehr unterschiedlich, doch würde ich die gleiche Frage diesem Autor stellen, denke ich, er würde die Frage bejahen. 
Man hört den Takt, man spürt den Beat, man summt leise die Melodie. All das schafft der Autor oftmals in sehr kurzen Geschichten, da viele der Texte erstmalig in den Phantastischen Miniaturen der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar veröffentlicht wurden.
Einige seiner Figuren z.B. Meister Li tauchen mehrfach in den Texten auf, doch der Autor sorgt für eine ausgewogene Mischung. Hier ein Text über ein Klavier, dann einer über mysteriöse Glocken, die ohne Antrieb läuten. Der Schluss brilliert mit dem vermeintlichen Ausflug einer Boyband ins All.
Gibt es nicht? Doch.
Denn Jörg Weigand hat in seiner langen Schriftstellerkarriere so manchen Text mit musikalischen Hintergrund geschrieben, mal lustig, mal nachdenklich. 
Eine erlesene Auswahl ist in "Musica Fantastica" erschienen und zeigt die schriftstellerische Bandbreite des Autoren.
Und somit Vorhang auf und lasset die Musik beginnen.

4,5 von 5 Vorhängen

Montag, 6. Januar 2025

Marianne Labisch & Dominik Irtenkauf "Nova 34"

Bei der "Nova" handelt es sich um ein Magazin im Buchformat, vertrieben von pmachinery.de/imprints. Aufgeteilt ist die Nova in einen Storybereich, welchen Marianne Labisch leitet, und einen Sekundärbereich, welcher ab dieser Ausgabe Dominik Irtenkauf unterstellt ist.
Zwölf Geschichten bilden die Storysammlung der vorliegenden Ausgabe und sie ist wieder vielseitig gestaltet. Jede Story wird von einem kleinen Einführungstext flankiert, der auch einen kleinen Blick hinter die Kulissen bietet. So wird deutlich, dass bei den Texten sowohl Stammschreiber als auch Neulinge zugegen sind, welche jeweils mit ihrer Qualität und Kreativität überzeugen müssen.
Nachdenkliche Texte wechseln sich mit amüsanten ab und man bemerkt ein hohes handwerkliches Niveau. 
Themen wie Tod, KI und Krankheit werden genauso behandelt wie Erinnerungen, Liebe und Sozialgefüge.
Da es sich nicht um einen Themenband handelt, sind die Schreiberlinge frei in der Wahl ihrer Handlung und trotzdem bilden die zwölf Geschichten eine runde Sammlung, die man gerne liest.
Im Sekundärteil stellt Christian J. Meier die Frage, was ein Oktopus mit Intelligenz zu tun hat und Dominik Irtenkauf fragt sich, was die Motivation hinter der Science Fiction Literatur ist.
Zu erwähnen sei auch, dass mein Interview, welches ich in Vorfeld für meinen Blog mit Thorsten Küper geführt habe, ebenfalls im Sekundärbereich abgedruckt wurde.
Zum Abschluss finden sich zwei Nachrufe, einer gilt Hans Frey, der andere Christopher Priest.
Wer sich mit Science Fiction und auch den Hintergründen beschäftigen möchte, sollte sich die Nova einmal genauer anschauen.

4 von 5 Magazinen

Sonntag, 5. Januar 2025

Kris Brynn "Der achte Kontinent"

Oftmals tut man der Science Fiction unrecht, wenn man lediglich davon ausgeht, es drehe sich alles um den Weltraum und die dazugehörigen Aliens. Immer wieder, wenn ich mich mit "Nichtlesern" dieses Genres unterhalte, ist das zumeist die erste Aussage. "Ich will nichts über Aliens lesen!"
Dass Science Fiction aber mehr kann, als wieder und wieder Texte über Aliens und den Weltraum zu reproduzieren, zeigt die Anthologie von Kris Brynn.
Zwölf ihrer Science Fiction Kurzgeschichten hat sie in diesem Sammelband zusammengetragen und zeigt dabei sehr schön, wie unterschiedlich die Facetten seien können.
Bei jeder Geschichte nimmt uns die Autorin mit in eine andere andere Ebene der Zukunft. Dabei entdecken wir, dass wesentliche menschliche Züge wie Gier, aber ebenso Mitgefühl auch in den nächsten Jahren ein Thema sein werden.
Versuche an Menschen können genauso schief gehen, wie die Reise zu fremden Planeten, wenn man den falschen Namen hat. Oder man sitzt irgendwelchen Sprüchen auf und steht hinterher vor den Scherben des eigenen Lebens. Mal ein bisschen technischer angehaucht, dann wieder mit einer gehörigen Portion Psychologie und Finesse zeigt sie, Science Fiction ist alles, aber nicht einseitig.

4 von 5 Kontinenten

Montag, 11. November 2024

Katja Jansen "Echoes from tomorrow"

Im Unterschied zu einem Roman bieten Kurzgeschichtensammlungen den Schreibenden die Möglichkeit, die Lesenden in völlig verschiedene Szenarien eintauchen zu lassen.

Mal düsterer, dann wieder hoffnungsvoller ist die Kurzgeschichtensammlung von Katja Jansen zu betrachten. Schon das Cover zeigt, dass sie sich auf die Social Science Fiction einlässt. Was natürlich nicht heißt, dass andere Aspekte der SF nicht beleuchtet werden. Doch in jeder Erzählung ist immer eine starke soziale Komponente enthalten.

Was macht die Zukunft, die Technik, unser Umfeld mit uns? Was bedeutet es, im Dschungel der Informationen "falsch" abzubiegen? Viele dieser Fragen spielen in mehreren Geschichten eine tragende Rolle.

Ihren Beruf (Doktor der Biomedizin) liest man in der einen oder anderen Kurzgeschichte heraus, und auch ihr Faible für Natur und Medizin wird gerade in diesen Geschichten deutlich.

Sie schafft aber auch Geschichten, die, darf man das eigentlich sagen, nicht mehr nur SF sind, sondern auch die Sphären der Phantastik berühren, was mir persönlich sehr gut gefällt.

Was mir tatsächlich selten passiert, ich habe eine Lieblingsgeschichte. In dieser (natürlich verrate ich nicht welche) schafft sie es nicht nur, Realität und Fiktion zu verwischen, sondern sie zeigt auch, dass sie verschiedene moralische Standpunkte einnehmen kann.
Eine abwechslungsreiche Sammlung, die ihre starken Geschichten hat und mit keiner Geschichte langweilt.

4 von 5 Echoes

Mein Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar.

Dienstag, 18. Juni 2024

Caroline Hofstätter "Zukunftsinvestitionen"

In einer Welt, in der nichts mehr dem Zufall oder vielmehr der Genetik überlassen wird, lebt Lisa mit ihrem Mann Thomas. Sie haben sich den Traum des eigenen Hauses erfüllt. Thomas fährt seinen Traumwagen, einen Porsche, als er sie mit einer Überraschung konfrontiert. 
Was im ersten Augenblick die Erfüllung eines lang gehegten Traumes einer Frau sein kann, entpuppt sich als mittleres Fiasko mit doch unerwartetem Ende.
Caroline Hofstätter schafft mit dieser Kurzgeschichte einen kleinen Prequel zu ihrem Roman "Das Ewigkeitsprojekt".
Auf der einen Seite witzig und durchaus charmant geschrieben, weckt die Geschichte den Geist auf und man beginnt, wenn auch im Kleinen, den heutigen Optimierungswahn zu hinterfragen. Denn wann hört ein Mensch auf, ein Mensch zu sein, weil alles Menschliche - denn Fehler sind nichts anders - wegoptimiert wurde?
Trotz oder gerade wegen der Kürze hallt die Geschichte und ihre Intention noch lange nach dem Lesen nach und zeigt dabei auch, wie unterschiedlich Menschen die fortwährende Verbesserung sehen.

5 von 5 Kinderkliniken

Freitag, 3. Mai 2024

Christian Endres "Maschinenwolf"

Werbung für den neuen Roman zu machen, kann die verschiedensten Formen annehmen. Teaser, Leseprobe, Buchtrailer ...

Doch wie fängt man die Szenerie der neuen Welt ein? Wie bekommt man die Lesenden dazu, der Handlung in die neue Welt zu folgen?

Indem man eine Kurzgeschichte schreibt!

Mit "Maschinenwolf" ist vierzehn Tage vor Veröffentlichung von "Wolfszone" eine Kurzgeschichte erschienen, die die Lesenden ab der ersten Seite in die Szenerie katapultiert.
Brandenburg, weit ab vom Schuss, ist in den Wäldern etwas erwacht, was so nicht geplant war.
Zwei junge Menschen versuchen Licht ins Dunkel zu bringen, denn natürlich gehen sie während der Nacht in den Wald. Es knirscht und knarzt und man ist froh, dass die Geschichte kurz ist, so muss man nicht zu lange den Atem anhalten.

Christian Endres legt mit "Maschinenwolf" eine 23-seitige Werbung vor, die einen sofort in den Bann zieht. Spannend und schnell geschrieben, fliegt man beim Lesen durch die Zeilen und zum Schluss ärgert man sich, dass man noch nicht weiterlesen kann. Chapeau, misterendres. ;-)


5 von 5 Wölfen 

Sonntag, 21. April 2024

Dan Adams "Manhattan 2060" Part 3

Der dritte Teil bildet auf so viele verschiedene Arten ein Ende, man mag es gar nicht alles aufzählen. Nachdem Captain Kirkland offiziell nicht mehr in die aktuellen Fälle involviert ist, stellt er für seine Gegner jedoch keine geringere Bedrohung dar. Um das D.S.O. in wahrsten Sinne des Wortes aus der Schusslinie zu halten, versucht er es auf seine eigene Art ...
Während die anderen des D.S.O. allmählich begreifen, wie weite Kreise die Verschwörung zieht, agieren sie immer vorsichtiger. Ein gegnerischer Gefangener wird zur Schlüsselfigur des letzten großen Angriffs, mit dem die Gerechtigkeit wieder hergestellt werden soll.
Am Ende müssen alle Fäden zusammengeführt werden und über das Schicksal eins jeden Charakters entschieden werden. In Manhattan 2060 scheint dies oftmals eine schwere Entscheidung, denn viele übertreten die Grenzen ihres jeweiligen Bereiches. Doch Dan Adams schafft es im letzten Band, eine schlüssige und leserfreundliche Lösung zu ersinnen.
Der letzte Band hebt sich gerade durch seinen hohen KI-Anteil hervor und verändert durch auch das Setting der Geschichte maßgeblich. Während andere Passagen des Buches sehr durch militärische Aktionen geprägt sind, bildet dies eine Balance. 
Eine sehr gute Serie, die zeigt, welche Gefahren, aber auch Chancen, die Zukunft nicht nur für Manhattan bietet. Wollen wir hoffen, dass es in Zukunft mehr Menschen vom Schlage des D.S.O. gibt, die die Menschen vor dem Bösen und manchmal auch vor sich selbst beschützen.

4 von 5 Cops

Montag, 1. April 2024

Dan Adams "Manhattan 2060" Part 2

Probleme über Probleme häufen sich im zweiten Teil der dritten Staffel von Manhattan. Glaubt man als Leser ein Schauplatz sei für die Vielfältigkeit von Ärgernissen ausreichend, katapultiert Dan Adams ihn in ein weiteres Szenario. Während das D.S.O. mit internen Umstrukturierungen und Intrigen zu kämpfen hat, steht der Drogenkrieg auf den Straßen nicht still, auch wenn er ein wenig in den Hintergrund tritt. 
KI und ein Form des Darknets treten an dessen Stellen und zeigen, dass Menschen meist nicht von ihrer Natur abweichen können, ob sie es nun wollen oder auch nicht.

Wer betrügt wen? Wer kontrolliert wen? Und wer ist überhaupt noch Herr der Lage? 
Diese und ähnliche Fragen springen beim Lesen immer wieder im Kopf herum, denn wie schon in den vorigen Bänden schafft es Dan Adams einen vermeintlichen Ruhebereich in der Geschichte aufzubauen, nur um ihn im nächsten Moment eindrucksvoll zu zerstören.
Ausruhen darf man sich als Leser nicht, denn ansonsten wird man von der Entwicklung der Geschichte überrannt. Kleine, versteckte Hinweise zeigen dem Leser aus wessen Richtung das nächste Unheil droht und so ist man nach knapp 190 Seiten gut gedanklich durchgeschüttelt und zweifelt, ob die Geschichte, und wenn ja für wen, ein gutes Ende nehmen kann.

4 von 5 Cops

Samstag, 9. März 2024

Lilly Gollackner "Die Schattenmacherin"

Eine Welt ohne Männer - Utopie oder Dystopie?
Im Falle der Schattenmacherin stehen die Chancen für eine Utopie gut, denn durch eine Krankheit gibt es keine Männer mehr und Frauen regieren im wahrsten Sinne des Wortes die Welt.
Nach Krieg, Krankheit und zahlreichen Toten ist es an Ruth und dem Rat die Welt wieder in die gewünschten Bahnen zu lenken. Doch zwischen Trümmern, Hitze und Wasserknappheit ist das keine leichte Aufgabe.
Die Jahre vergehen und als Ruth in Rente gehen soll, kommen Dinge ans Tageslicht, die keine Frau vermutet hatte, oder vielleicht doch? Wer war dabei, als es hieß, die Welt neu zu ordnen?
Auf knapp 200 Seiten baut die Autorin ein Szenario auf, dass sich durch Argwohn und Distanz aufbaut. Die Erzählperspektive ist die Spitze des Reiches, so kann man vielfach nicht von großen Gefühlen ausgehen und muss auch mit einer gewissen Kälte oder sogar Kaltschnäuzigkeit leben. Doch was sie zeigt, ist Macht. Macht in ihrer reinsten und dominantesten Form und sie ist nur auf ihren Vorteil bedacht. Ist sie besser als die männliche Macht? Ist sie klüger oder andererseits sensibler?
Beim Lesen fliegt man nahezu durch das Buch, was durch ein hohes Erzähltempo und eine spannende Rahmenhandlung untermauert wird. 
Und wieder drängt sich die Frage auf - Utopie oder Dystopie?
Die Geschichte zeigt ... Das sage ich jetzt nicht. Was ich allerdings sage: Nichts ist jemals schwarz oder weiß.

4 von 5 Frauen

Donnerstag, 29. Februar 2024

Sascha Mamczak "Science-Fiction"

Für viele Leser ist die Science Fiction immer noch die berühmte Büchse der Pandora. Doch spricht man mit begeisterten Science Fiction Lesern, kann man nichts besseres als Science Fiction lesen. Doch was ist SF? Ist es nun ein Genre oder doch eher eine Gattung oder doch nur ein Stilmittel?
Diese und viele weitere Fragen zum Thema SF werden in diesem kleinen Buch aus der Sachbuch-Reihe "100 Seiten" von Sascha Mamczak geklärt. 
Dabei geht es in dem Buch hauptsächlich um die Geschichte und damit um die Entstehung der Science Fiction. Weiterhin gibt es auch einen Erklärungsversuch, wann und vor allem warum die SF entstand und weshalb sie nicht früher entstehen konnte, zumal es vormals schon erste literarische Anzeichen gab.
Denn ohne den Nährboden der Wissenschaft, so die Kernthese des Buches, hätte sich die literarische Gattung nicht entfalten können. Der Wechsel von der Literatur zur Leinwand ist für den Autor nur folgerichtig und offenbart im wahrsten Sinne des Wortes "Neue Welten".
Als Einführung und auch als Nachschlagewerk für die Geschichte der SF ist das Buch sicher bestens geeignet. Jahrelange Leser der Science Fiction werden hier aber wahrlich kaum neue Erkenntnisse gewinnen.
Für den Anfänger sei noch erwähnt, es ist ein Sachtext über Science Fiction, daher nicht nach den ersten Seiten das Buch ins Weltall werfen, sondern einfach weiterlesen, es wird noch schlüssig und spannend.

4 von 5 Utopien

Dienstag, 13. Februar 2024

Dan Adams "Manhattan 2060"

Die Welt hat sich in einem weiteren Jahr nicht verbessert.
Manhattan 2060 fährt die gleichen Geschützen auf wie seine beiden Vorgänger und doch ist es anders. Jane hat das D.S.O. Team verlassen und Mike muss sich jetzt mit Cole herumschlagen. Manche Situationen muten seltsam an, es drängt sich öfters das Bild des "Guter Cop - Böser Cop"-Szenarios auf, ohne allerdings das Thema zu sehr zu überreizen.
Weiterhin sind die Drogen im Zentrum der Aufmerksamkeit des D.S.O.s und als ein Waschsalon die Bühne für ein Gemetzel bietet, sind Mike und Cole schnell zur Stelle, doch wie so oft ist nichts so wie es scheint. Und plötzlich steht Mikes alter Chef vor ihm. Ein Mensch, den er nicht wiedersehen wollte.

Doch am Beginn der neuen Staffel steht der Tod ... Makaber, oder? ;-)

Mit "Meltdown" geht die Reihe um die D.S.O. Cops bereits in die dritte Runde. Drei Episoden umfasst dieser Teil, in welchem es sich vermehrt um Captain Kirkland drehen soll. Der Chef ist in den vorigen Episoden auch schon aufgetaucht, doch schafft es Dan Adams durch die Fokussierung auf einen Charakter in der jeweiligen Episode die Spannung hochzuhalten, während das Umfeld im ähnlichen Sumpf vor sich hindümpelt. Probleme dieser Größe lassen sich nicht von heute auf morgen klären, und so ist es an den Figuren sich zwischen schlecht und weniger schlecht zu entscheiden.

In dieser Folge spinnt der Autor auch die Technik weiter, wobei er immer auch nostalgische Elemente - gerne auch mit Wiedererkennungseffekt - einbaut. 

Eine Cyberpunk-Serie mit Worldbuilding, in welche ich immer wieder gerne zurückkehre, obwohl es in der Zukunft spielt. ;-)

4,5 von 5 Cops

Sonntag, 28. Januar 2024

Joshua Tree (Hrsg) "In andere Welten"

Was ist es, was eine gute Anthologie ausmacht?
Sind es namenhafte Schreibende, unentdeckte Planeten oder noch unbekannte Technologien?
Die Wahrheit liegt bekanntlich in der Mitte.
 Joshua Tree ist es mit Brandon Q. Morris gelungen, eine unterhaltende Anthologie zusammenzustellen. Mit 27 Autorinnen und Autoren ist es eine der umfangreichsten, die ich in der Science Fiction Literatur gelesen habe. Dabei gelang es den Herausgebern in der Auswahl, sehr vielfältige Texte unter dem Banner "In andere Welten" zusammenzuführen.
Sowohl die unterschiedlichen Themen als auch die sehr variablen Längen zeigen, wie flexibel die Science Fiction in ihrer Erzählstruktur ist. Mal wird gelacht, mal wird geweint, mal wird man nachdenklich gestimmt, aber immer bekommt der Lesende eine stimmige Geschichte erzählt. Wieviel Science und wieviel Fiction in der jeweiligen Erzählung dominiert, dass liegt in der Individualität des Schreibenden.
Dass der Lesende nicht jede mag oder man auch den Eindruck hat, "etwas Ähnliches" schon einmal gelesen zu haben, lässt sich nicht vermeiden, aber die Anthologie zeigt: Jeder Lesende kann seine Geschichte in den Weiten des Weltraumes oder in den Tiefen einer KI finden. Man muss nur aufmerksam lesen.

4 von 5 Welten

Dienstag, 16. Januar 2024

Tom Turtschi "Protokoll Delta Bravo"

Tom Turtschi gelingt mit seinem Kurzgeschichtenband "Protokoll Delta Bravo" das, was den meisten Schreibenden nicht gelingt:
Mit seinen Kurzgeschichten, die alle der Science Fiction zugehörig sind, bildet er die doch sehr unterschiedlichen Bereichen der SF ab. Die abgelieferte Qualität und die wieder erkennbare Stimme, die sich trotz allem der jeweiligen Geschichte anpasst, lassen mich als staunenden Leser zurück und zeigen, wie weit man es als Autor im Bereich der Kurzgeschichten bringen kann. Nicht umsonst hat der Autor bereits einige Preise erhalten.

Alle Geschichten sind recht aktuell entstanden, wodurch sie einen starken Realitätsbezug für den Leser haben. Blickt die Science Fiction in ihren Texten in die Zukunft, ist trotzdem immer der Zeitpunkt wichtig, von dem aus sich der Leser in die Geschichte hineinbegibt. Missionen im Weltraum, KI-gesteuerte Kriege und die KI im Werbebereich sind Geschichten, die man als Leser nachempfinden und in die man sich reinfühlen kann. Nun ja, zumindest wenn man einen Raumanzug anziehen oder programmieren kann.

Die Erzählungen zeichnet alle aus, dass sie trotz technischer Raffinesse ohne lange Beschreibung der Mechanismen auskommen. Vielfach dockt der Autor an aktuelles Wissen an und kann in seinen Texten die Prosa wirken lassen, ohne die technische Funktionsweise zu dominant in den Vordergrund zu stellen.

Doch nicht nur die Technik findet Einzug in seine Geschichten. Gerade bei den Erzählungen, bei denen man vermeintlich am wenigsten damit rechnet, sind empathisch unglaublich stark geschrieben. Reflexion, Ehrgefühl und auch Mitleid sind nur einige der starken Emotionen, aus denen der Autor schöpft.

Abgerundet wird die Sammlung durch ein Nachwort von Michael K. Iwoleit, der ein wenig aus Turtschis Leben erzählt. Womit wieder bewiesen ist, Schreiberlinge sammeln immer und überall ihre Ideen.

Auch wenn es noch früh im Jahr ist, definitiv ein Jahreshighlight.

5 von 5 Protokollen

Sonntag, 7. Januar 2024

Hans-Jürgen Kugler (Hrsg) "Ferne Horizonte"


Wenn schon die Zeitschriften der Exodus Zeitschrift optisch herausstechen, so sind die Bücher eine Augenweide.
Mit "Ferne Horizonte" widmet sich dieser Band all dem, was nach uns kommen mag.
Die 27 Geschichten unterteilen die Herausgeber in fünf Abschnitte, welche jeweils mit einer doppelseitigen Abbildung in den jeweiligen Abschnitt einführen. Untermalt wird auch die einzelne Geschichte mit einer eigenen Illustration. 
Doch nicht nur optisch macht die Sammlung einen guten Eindruck. Wie sich schon vermuten lässt, sind die erwähnten Abschnitte thematische Unterteilungen.
Ob Übermenschen, Roboter, veränderte Zeiten, die Zukunft oder Märchen von übermorgen die Autorinnen und Autoren haben sich sehr unterschiedliche Gedanken über die Zukunft gemacht und erzählen diese den Lesenden mal in witziger, mal in nachdenklicher, aber auch in spannender Form.
Viele der Schreibenden kennt man bereits aus anderen Anthologien, was für die Qualität der Zusammenstellung spricht. Ob und welche Geschichte den Lesenden gerade anspricht, man beachte auch die tristen Wintertage, ist sehr von der individuellen Stimmung abhängig.
Wer einen Überblick über die zukünftigen Ideen der schreibenden Zunft haben möchte, sollte zu dieser Ausgabe greifen.

4 von 5 Welten

Dienstag, 4. April 2023

Christian Salvesen (Hrsg) "Gott werden oder Mensch bleiben?"

Neben dem Thema KI ist der Transhumanismus ein weiteres Feld, an dem man heutzutage nicht ohne Weiteres vorbeikommt. Der Herausgeber Christian Salvesen versammelt in seiner Schrift die verschiedensten Gelehrten zum Thema Transhumanismus, denn dieser geht viele an.
Menschliche Aktionen und Reaktionen sind nicht nur für Informatiker und Co interessant, auch Anthropologen und andere haben sowohl ihre Meinung als auch ihre Erkenntnisse, die der Herausgeber gleichberechtigt zu Wort kommen lässt.
Mediziner, Künstler, Forscher, sie alle beleuchten den Transhumanismus aus ihrem Blickwinkel und zeigen sowohl die Stärken als auch mögliche Verbesserungen auf. Auf gut 200 Seiten, das Format ist laut Vorwort als Serie gedacht, vermittelt das Buch einen Eindruck, wie vielfältig die Herangehensweisen und die jeweiligen Auswirkungen sein können.
Wer sich zuvor wie ich noch nie mit Transhumanismus und Kryonik beschäftigt hat, für den ist das Buch ein großes Stück Arbeit. Die Artikel sind mit einer durchschnittlichen Lesezeit von 20 Minuten kurz gehalten, aber jeder Text hat es in sich. Fachtermini, zum Teil auch Grundlagenkenntnisse fordern dem Leser einiges ab. Dabei sind die Texte so geschrieben, dass sie auch ein Anfänger verstehen kann, wenn man sich Zeit lässt und ein Lexikon zur Hand hat. Als Einstieg in die Thematik vielleicht ein sehr umfangreiches Buch, doch gleichzeitig vermittelt das Buch, wie tiefgreifend und komplex die Erschaffung eines Gottes sein würde, wenn man nicht vorhat, Mensch zu bleiben.

4 von 5 Zeitkapseln

Dienstag, 31. Januar 2023

Galax Acheronian "Science Fiction Stories II"

In seinem zweiten Band zu "Science Fiction Stories" präsentiert Galax sechs sehr unterschiedliche Geschichten.
Kurz und knackig - wie Galax selbst so schön selber schreibt - geht es nicht, und doch passen sich die Erzählungen ihrer inhaltlichen Komplexität an. Dabei kann es auch manchmal lustig zugehen, doch im Regelfall sind die Geschichten von einer leichten Melancholie geprägt und regen zum Nachdenken an.

Ob autoritäre Strukturen, Korruption oder Vorurteile Galax greift in den Stories viele Themen auf, bei denen es Gesprächsstoff gibt und über die es auch nach dem Lesen noch nachzudenken gilt.
Dabei merkt man beim Lesen neben der Kritik oftmals die Liebe zu technischen Details und den Wunsch eine ganze eigene Welt ohne Bezug zu klassischen Zukunftsszenarien zu gestalten.
Gerne setzt Galax dabei auf ein wiederkehrendes Element: Das Problem. Schon schnell nach der Einführung in die jeweilige Welt wird der Leser mit dem Problem der jeglichen Kultur oder Situation konfrontiert. Ein Held oder Antiheld ist es dann, dem man als Lesender über die Schulter schaut, um den Erfolg oder Misserfolg - denn dies liegt oftmals im Auge des Betrachtenden - der Mission beizuwohnen. Galax überrascht hierbei mit der vorliegenden Mischung den Leser ein um das andere Mal, denn die einfachste Lösung - die könnte jeder.

Eine Sammlung abseits des Mainstreams, die mit vielleicht bekannten Problemen der Zukunft daherkommt, sie aber dafür auf eigenwillige Weise löst.


4 von 5 Zukunftsvisionen