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Mittwoch, 27. August 2025

Ingrid Pointecker (Hrsg) "Der Dampfkochtopf"


Ran die Herde, den Aether aufgedreht und los geht es in der Steampunk-Küche. Es zischt, es wird gebrutzelt und die Gewürze fliegen in kleinen Luftschiffen tief.

Sechszehn Schreiberlinge haben sich zusammengefunden, um ein ganz besonderes Menu zu zaubern. Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise, selbst für den abschließenden Espresso ist gesorgt.

Alle sechszehn Geschichten inkludieren mal mehr, mal weniger Steampunk-Elemente. Sie spielen zu einer Zeit, in der Technik eine andere war, als wie wir sie heute kennen. Ein bisschen Wahrheit und viel Dichtung tragen die Erzählungen und so tauchen historische Figuren wie Queen Viktoria auf, aber gleichzeitig gibt es Flughäfen für Luftschiffe.
Die Texte behandeln Staatsangelegenheiten, klassische Täuschungsgeschichten, finden Lösungen für die Armenspeisungen.

Denn: Dreh- und Angelpunkt aller ist ihr abschließendes Rezept. In einigen Texten schauen wir den Protagonisten im wahrsten Sinne des Wortes in die Töpfe, in anderen spielt die Zubereitung eine eher niedergeordnete Rolle.

Schlussendlich ist das Lesen ein Gaumenschmaus und man freut sich, wenn es aus der eigenen Küche wie von Zauberhand zu duften beginnt.

4 von 5 Rezepten

Donnerstag, 31. Juli 2025

Yvonne Tunnat, Chris Witt (Hrsg) "Ihr Körper, das Schiff"

Jede Anthologie ist eine Wundertüte, denn jede Kurzgeschichtensammlung wird durch ihre zahlreichen Wechsel getragen.
Bei 15 Geschichten, wie in dieser Zusammenstellung, müssen sich die Lesenden auf 15 Stile und 15 Themen einlassen.
15 Mal werden sie in eine Welt katapultiert, die unserer ähnlich, aber doch so ganz anders ist.
Man rauscht dabei nicht durch die Seiten, denn diese Geschichten berühren beim Lesen anders, als es reine Unterhaltungsliteratur tut. Die Texte rühren tiefer, denn auch die Themen regen mehr zum Nachdenken an. Oft wird die Science Fiction als das Genre, wenn man es so nennen will, verstanden, dass den Lesenden den Spiegel verhält. Wenn ihr jetzt nichts tut, passiert in zehn oder zwanzig Jahren diese oder jene Geschichte. 
Die Themengebiete, die die beiden Herausgeberinnen in der internationalen SF gesammelt haben, sind vielfältig. Während sich in Deutschland viele Texte mit KI oder anderer Technik beschäftigen, haben es die beiden geschafft, eine Sammlung zusammenzutragen, die nicht nur die technische Seite der Zukunft beleuchtet. Viele Erzählungen beschäftigen sich damit, was die Zukunft, die Technik, der Klimawandel oder auch die Verlangsamung des Altersprozesses mit uns Menschen macht.
Wie reagieren wir, wenn wir nach Jahren der Suche einen neuen Planeten entdecken? Was passiert, wenn es keine Sonne gibt und man sich im Kleinen organisieren muss?
Wird es uns überhaupt noch geben oder sind wir verschwunden? Oder wenn wir noch da sind, wie stellen wir uns dem Tod und dem damit einhergehenden Leid?
Yvonne und Chris schaffen es mit einer sehr guten Mischung und der entsprechenden Platzierung der Geschichten innerhalb des Buches, die Lesenden zum Nachdenken anzuregen, sie mit Problemen zu konfrontieren und so vielleicht die Augen für die Zukunft zu öffnen. Doch bei jedem dystopischen Gedanken gibt es auch den utopischen und auch wenn es oftmals zum Verzweifeln ist, die Hoffnung auf das Gute darf niemals fehlen, auch nicht in einer guten Anthologie.

5 von 5 Körpern

Danke an die Herausgeberinnen für das Rezensionsexemplar.

Samstag, 26. Juli 2025

Dan Adams "Galaxy of Shadows - Graue Zone"

Kennt ihr diese Autoren, bei denen ihr einfach alles lesen müsst, was sie schreiben? Deren Stil euch so gut gefällt, dass ihr, egal welches Genre der Autor gerade bedient, die Geschichte inhalieren müsst?
Nein? Dann tut ihr mir leid, weil es ein tolles Gefühl ist.
Ja? Willkommen im Club. :-)
Dan oder Nathan oder Jürgen schafft es seit Jahren mich mit seinen Texten zu begeistern. Er hat eine Art zu schreiben, bei der auf keiner einzigen Seite Langeweile aufkommt und bei der nicht ein Gedanke zu viel ist. 
Kennengelernt habe ich ihn über eine viktorianische Buchreihe und nun entführt er uns Leser in die Weiten des Weltraums.
Wie auch andere Space Operas hat Dan eine eigene Mischung aus Tatsachen und Fiktion geschaffen. Elemente aus der Weltraumforschung fließen in seine Geschichten genauso ein, wie erdachte Völker, Planeten und deren Konflikte.
Sein Protagonist Dag hat es sich mit seinem Geldgeber verscherzt, zu lange hat er nichts zurückgezahlt und nun soll er dessen Tochter retten. Soweit, so gut, doch damit fangen Dags Probleme erst an. Denn während der Rettung kommt es zu Übergriffen und er und sein Co-Pilot landen in der grauen Zone. In einer Welt, die fern ab von der Konföderation ihren eigenen Gesetzen gehorcht, hausen Lebewesen unter erbärmlichen Bedingungen, werden geknechtet und unterdrückt. 
Doch es braucht ein Heer, um sie zu befreien und das gibt es nicht um die Ecke.
Dan Adams verwebt im ersten Band seiner Space Opera verschiedene Arten von Konflikten: familiäre. freundschaftliche und völkerübergreifende. Dag bleibt, trotz vielschichtiger Erzählstruktur immer der Anker der Geschichte, zu dem die Handlung immer wieder zurückkehrt.
Doch trotz aller Konflikte kommen auch die Gefühle nicht zu kurz.
Neben Welten, Wesen und Konfliktideen erfindet der Autor auch Waffen, Gerätschaften, Systeme und Strukturen, die ihren eigenen Charakter haben. Alles ist auf diese Welt abgestimmt und gehorcht den eigenen Gesetzen. Der Autor schafft sein eigenes Universum, ohne dabei ein bereits bestehendes zu kopieren.
Dan Adams kreiert eine Space Opera, die den Namen Opera zurecht trägt.

4 von 5 Galaxien

Mittwoch, 11. Juni 2025

Frank G. Gerigk (Hrsg) "Caprice 01"

Geschichten erzeugen beim Lesen Bilder im Kopf.
Doch was passiert, wenn die Reihenfolge eine andere ist?
Es existiert ein Bild und hierzu soll eine Geschichte ersonnen werden.
Es klingt im ersten Moment ungewöhnlich, aber gerade in kleineren Verlagen hat es diese Herangehensweise schon ein paar Mal gegeben.

Das Besondere an dieser Anthologie: Der Herausgeber hat alle Grafiken selbst erstellt.
Die Autorinnen und Autoren wählten aus den doch sehr unterschiedlichen Bildern ihre Grafik aus und verfassten ihren Text.
Wie Frank G. Gerigk im Nachwort erwähnte, gab es sowohl bei der Auswahl der Bilder als auch bei den entstandenen Texten zum Teil große Überraschungen.
Denn einige Autorinnen und Autoren verließen ihr hauptsächliches Genre und andere nutzen die Illustration als Sprungbrett für eine ganz andere Art von Geschichte.
Zwanzig Illustrationen und somit auch zwanzig Texte sind in der ersten Ausgabe von Caprice zusammengekommen, die alle als fantastische Kurzgeschichten gelten.
Mal lauter, mal leiser, mal lustig, mal einfühlsam, und auch mal gruselig bietet diese Sammlung für jeden Geschmack etwas. In einigen Erzählungen steht die Technik im Vordergrund, bei anderen geht es um Stimmungen und menschliche Eindrücke.
Der Lesende, der sich noch nicht mit der Fantastik-Szene in ihrem ganzen Spektrum beschäftigt hat, bekommt hier einen guten Eindruck, was alles möglich ist: Schlicht alles.

4 von 5 Erzählungen

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Mittwoch, 28. Mai 2025

Ellen Norten (Hrsg) "Daedalos 16"

Zehn phantastische Kurzgeschichten, wie immer gespickt mit einem Klassiker, stellt diese Ausgabe vor. Der Klassiker, ergänzt um einige historische und literarische Angaben, rundet die vorigen neun Geschichten ab. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich Geschichten seien können und dabei doch eine Einheit bilden. Doch wie schafft Ellen Norten das von Ausgabe zu Ausgabe?
Ein Element ist der leichte Schauer, der einem beim Lesen jeder Geschichte über den Rücken läuft. Dabei kann der Schauer durch Verschiedenes ausgelöst werden. Die Schreibenden sind hier sehr einfallsreich und so kommt es zu keinen inhaltlichen, wohl gefühlsmäßigen, Wiederholungen.
Ein weiteres, nicht unwichtiges Detail, sind die Illustrationen. Fast immer im Stil von Kupferstichen gehalten, bilden die Schwarzweiß-Bilder eine perfekte Ergänzung zum Text.
Doch was bieten die Texte?
Nun, auf jeden Fall Abwechslung und Spannung:
Da gibt es den Text über eine Feuersbrunst und die vermeintlich letzte Überlebende, bis plötzlich ein Text in einem Magazin auftaucht.
Dann folgen zwei Frauen, die eine betört die Männer auf ihre ganz eigene Art, die andere darf nicht in die Bibliothek ihres Mannes, bis sie sich Zutritt verschafft.
Die Herausgeberin überrascht mit einer Geschichte, die einen außergewöhnlichen Hund ins Zentrum stellt. 
Es folgen ein paar gruseligere angesiedelte Geschichten, die noch stärker auf die Psyche des Lesenden zielen, wobei es dabei kein Wunder ist, erneut Alexander Klymchuk zu begegnen. Dieser Autor weiß, wie er die Lesenden in seine Text zieht.
Der Klassiker glänzt dieses Mal durch schwarzen Humor, selten habe ich bei einer düsteren Geschichte so gelacht.

Für mich ist dies die bisher beste Zusammenstellung und ich freue mich auf weitere Ausgaben.

5 von 5 Kurzgeschichten

Danke an pmachinery.de für das Rezi-Exemplar.

Samstag, 24. Mai 2025

Nils Westerboer "Lyneham"

Perm soll jetzt ein Zuhause sein und doch ist es so unwirklich, wie es nur sein kann. Die Landung ist hart, die Tage danach noch härter. Denn ein Mensch fehlt. Mama. Doch warum? Schon auf der Erde kam sie erst spät abends nach Hause, da die Forschung sie immer stark in Beschlag nahm. Und nun? Wo ist sie? Und warum ist auf Perm immer noch so vieles anderes als auf der Erde?
Als mittleres Kind der Familie Meadows begleiten wir Lesenden Henry durch das Buch. Erste Begegnungen mit anderen Siedlern, sowie die ersten Irritationen, wenn es nicht so läuft wie Rayser es wünscht. Weder so künstlerisch wie sein Bruder Chester noch so clever wie seine Schwester Loy, ist er immer derjenige, der dem Lesenden am nächsten ist. Der, der die Welt nicht versteht, der sich nicht zurecht findet und das, obwohl der mehr weiß, als er zugibt.
Doch nicht nur Henry erzählt; eingebettet in die Geschichte, werden auch die Informationen eingestreut, wie es gelang, dass die Meadows Perm betreten können. Denn der Planet war nicht dazu gedacht Menschen von der Erde aufzunehmen. Vieles widerspricht dem, was auf der Erde mal Standard war, bevor alles zusammenbrach. Forschung, Neugier und Tatendrang waren gefragt, doch stets mit dem Hintergedanken, zu welchem Preis?
Wissenschaft und Psychologie wechseln sich in "Lyneham" stetig ab. Die Forschungsreihen und ihre Auswirkungen mögen anfangs ermüdend wirken, doch zeigen sie auf, mit welch vielfältigen Aufgaben sich Menschen auf fremden Planeten auseinandersetzen müssen. Wir landen dort nicht einfach und sind da. Dies führt der Autor dem Lesenden immer wieder vor Augen. 
Emotional beginnt das Buch recht leise. Man bemerkt das Leid und auch die unterschwelligen Machenschaften und Verknüpfungen erst nach und nach. Wie auch im Leben zeigen die Protagonisten den einen das eine den anderen ihr wahres Gesicht. 
Mit dieser Mischung baut der Autor erst langsam die Spannung auf, um sie später umso intensiver zu entladen.

4 von 5 Biomen

Sonntag, 18. Mai 2025

Frank Lauenroth "Delter"


Während ein Roman eine einzelne Geschichte erzählt, geht es bei Kurzgeschichtensammlungen, wie der Name schon sagt, um mehr als nur eine Geschichte. Viele Facetten spielen in die jeweiligen Geschichten rein und einen Sammelband kann man nicht so ohne Weiteres beurteilen wie einen Roman. 

Jede Kurzgeschichte braucht ein Thema, ein Setting, einen Spannungsbogen. Je nach Thema braucht sie mal mehr, mal weniger Hintergrundinformationen. Sie ist für einen Wettbewerb geschrieben oder sie musste einfach in die Welt hinaus.

Warum ich das so explizit erkläre? Die Kurzgeschichte hat in der deutschen Literatur leider nicht den besten Ruf. Immer wird der Roman hochgehalten und als das Beste vom Besten dargestellt.  Doch es gibt Beweise, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. 

"Delter" ist der Name einer Kurzgeschichte in diesem Sammelband. Als letzte im Buch platziert, rundet sie die vorigen Texte perfekt ab. Denn sie zeigt, was Frank alles schreiben kann. Bleiben wir bei diesem Text; im Weltall angesiedelt, sind mehrere Kreolyten auf einer Mission unterwegs, doch sie unterliegen einer strengen Hierarchie. Was passiert, wenn sich einer dem nicht beugen will?

Ein anderer Text zeigt, was passiert, wenn Teddys für ihre Rechte ins Feld ziehen müssen. Feuer und anderen Widrigkeiten ausgesetzt, müssen sich die flauschigen Wesen behaupten, denn sonst kann ihnen keiner zu Hilfe eilen.

Was gibt es noch? Glückspiel, Geistesblitze, Timing, einen Toyplanet ... Nein, ich zähle jetzt nicht alle Geschichten auf, denn auch das ein Teil des Charmes von Kurzgeschichtensammlungen. Man bekommt eine Wundertüte voller Geschichten und wenn man Glück hat, sind sie alle etwas Besonderes.

5 von 5 D3017

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Samstag, 17. Mai 2025

Roland D. Gerste "Wie Technik Geschichte macht"

Die Technik hat in den letzten gut fünfhundert Jahren unentwegt unglaubliche Fortschritte gemacht. Beispiele? Die gibt es zahlreich. Das Buch "Wie Technik Geschichte macht" fängt mit einer für uns heute grundlegenden Technik an, dem Buchdruck.
Denn ohne die Erfindung von Gutenberg hätte sich weder die Anzahl der Menschen, die lesen können, in dem unglaublichen Tempo erhöht, noch hätten Nachrichten, Ideen oder schlicht Informationen so schnell verbreitet werden können, wie es danach der Fall war.
Ein weiteres Beispiel? Algorithmen.
Denn ohne diese und ohne Ada Lovelace und Alan Turing hättet ihr jetzt kaum ein Smartphone, Ipad oder sonstiges in der Hand und könntet diese Rezension lesen.
Natürlich sind das nur theoretische Annahmen, dass wenn es diese drei Menschen nicht gegeben hätte, diese Techniken nicht entwickelt worden wären.
In anderen Kapiteln des Buches z,B. "Der Traum vom Fliegen" oder auch "Herzschläge" wird sehr deutlich, dass es bei der Entwicklung von Technik auch oft um Zeit geht. Denn selten ist es wirklich so, dass nur eine Person über eine Entwicklung nachdenkt. Gerade bei Erfindern ist der Ehrgeiz eine nahezu unerschöpfliche Triebfeder, die es ihnen ermöglicht, über das bekannte Wissen hinaus zu denken und so neue Wege zu beschreiten.
Dass die Technik im Anschluss für Dinge verwendet wird, die die Erfinder nicht vorausgesehen haben, zeigt das Kapitel "Spaltende Kerne" und es erklärt, was einmal in der Welt ist, verschwindet auch so schnell nicht wieder.

Insgesamt lässt sich das Buch sehr flüssig lesen. Dabei sind die Kapitel sehr unterschiedlich in der Länge und auch in der Informationsdichte aufgebaut, sodass man nicht in allen Bereichen gleich viel über die Entwicklung, die vermeintliche Konkurrenz und auch die Einsatzmöglichkeiten erfährt.
Ein tolles Buch, was zeigt, wie die Welt wurde, was sie heute ist.

4 von 5 Erfindungen

Donnerstag, 15. Mai 2025

Rie Qudan "Tokyo Sympathy Tower"

In einer nahen Zukunft stellt sich die japanische Gesellschaft dem Gedanken, warum Menschen straffällig werden. Ist es wirklich ihre eigene Schuld? Oder ist der homo felix Teil des Problems?
Mitten in Tokio soll neben dem Olympia Stadion ein Tower entstehen, der ein Gefängnis beinhaltet, das aber nicht mehr so genannt werden soll. 
Ein Hauptcharakter ist Sara. Sie ist Architektin, groß geworden in einer Welt, in der Zeichnen ebenso wie Worte Macht bedeuten. Macht über einen Raum, Macht über Menschen. Doch dies ist nur bedingt negativ besetzt. Denn Japaner denken viel darüber nach, was ihre eigenen Verhaltensweisen beim Gegenüber auslösen, verletzen sollen diese wahrlich niemals.

Auf gerade einmal einhundertsechzig Seiten wird die Handlung und auch somit das Gehirn des Lesenden auf eine gehörige Probe gestellt. Perspektivwechsel, Zeitenwechsel, Pro und Contra. Es ist ein wilder Ritt, den man in diesem vermeintlich kurzen Buch erlebt. Und dabei schwebt immer die Frage über den Menschen, wen beeinflusse ich wie mit meinen Entscheidungen. Wen beschütze ich, wen stoße ich vor den Kopf. Leise schwingt auch der erwähnte Gedanke mit, wie hängen Glück und Kriminalität zusammen? Kann man Glück im wahrsten Sinne des Wortes erzwingen?
Bei vielen Szenen sind die Übergänge zwischen Gedanken und Realität allzu fließend, somit erfährt man zeitweilig wenig über die Beweggründe der Personen und auch ihre Handlungen bleiben diffus. 
Ein Buch, was zum Nachdenken anregt, denn bei vielem ist nichts so wie es scheint. Oder vielleicht doch?

4 von 5 Gefängnissen

Dienstag, 29. April 2025

Katherina Ushachov "Prism"

Nicht 2010, irgendwo in Deutschland.
Penelope ist schwanger, als sich mit Sofie und Kader trifft. Was als einmaliges Treffen gedacht war, wird zu einer Trärchen-Beziehung.
Und nicht nur das.
Alle drei arbeiten bei Prism, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die letzten Erinnerungen von Mordopfern speichern zu wollen. Ziel soll sein, Ermittlungen schneller voran zu treiben und auch die Unmöglichkeit von Straffreiheit in Aussicht zu stellen. Achtzehn Jahre begleitet die Erzählung die drei, erzählt vom Job, vom Privatleben, vom politischen Klima, was zunehmend unangenehm wird.
Immer weiter wird an Prism gefeilt, immer mehr Funktionen ergänzt. Doch hat es mit der ursprünglichen Idee überhaupt noch etwas zu tun?

Wann fühlst du dich bedrängt? Wann fühlst du dich in deiner Freiheit eingeschränkt? Und wann fühlst du dich bedroht?

In vielen verschiedenen Facetten geht die Novelle auf das Thema ein. Dabei schafft es die Autorin durch gezielte Andeutungen nicht jegliches Problem auszuformulieren. Oftmals bleiben Gedanken im Raum hängen und sie überlässt es dem Publikum, wie weitgreifend die Ideen sich auswirken.
Angelehnt die Hex-Codes, die für die Programmierung von Prism unerlässlich sind, führt die Autorin durch die Geschichte. Die Farben passen sich den Geschehnissen an und suggerieren die Stimmung von Penelope, Sofia und Kader.

Es ist kein leichter Text. Viele Ungerechtigkeiten werden thematisiert und man kann nicht anders, als sich wieder und wieder Gedanken zu machen, wie man selbst handeln würde?
Hat man vermeintlich eine Lösung, kommt ein neues Problem daher und man ist wieder sprachlos.
Wer einen Anstoß zum Nachdenken braucht, sollte zu diesem Buch greifen.

Mein einziger Wehrmutstropfen: das Ende kam mir zu plötzlich.

4 von 5 Hex-Codes

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Samstag, 12. April 2025

Bernhard Kellermann "Der Tunnel"

Amerika. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Mac Allan hat sich langsam, aber stetig, die Karriereleiter hochgearbeitet. Sein neuestes Projekt: ein Tunnel zwischen Amerika und Europa. Doch bevor er mit den Arbeiten beginnen kann, muss er das Kapital heranschaffen. Im Lauf des Buches zeigt sich, dass das nicht die gewaltigste Aufgabe war und Mac ganz andere Schwierigkeiten zu meistern haben wird.

Mit Klassikern ist es bekanntlich immer so eine Sache, ob sie einem gefallen oder aber nicht. 
Während ich für Krimiklassiker schwärme, war "Der Tunnel" ein hartes Stück Arbeit für mich.
Bei Krimiklassikern liebe ich es, wenn der Autor es über Seiten schafft, eine gewisse Atmosphäre und ein Gefühl für die Charaktere aufzubauen, hier war ich stellenweise nur genervt. Bis die Handlung erstmal wirklich in Schwung kam, waren an die einhundert Seiten schon vorüber und der Gedanke, das Buch doch beiseite zu legen, war allgegenwertig. 
Doch ich wurde belohnt: der langsame Aufbau entfaltet sich im Lauf des Buches zu einer Dramatik, wie ich sie selten gelesen habe. Schicksalsschläge, Rückschritte, niederdrückende Gedanken, Seite um Seite zieht das Buch den Leser in den Bann und zeigt seine Stärken. 
Aus psychologischer Sicht ist das Buch ein wirklicher Meilenstein. Macht, Machtmissbrauch, Absturz und Resignation. Alle Themen werden in diesem Science Fiction Klassiker beleuchtet und durch Andreas Eschbach im Vorwort und Hans Frey im Nachwort abgerundet und in der heutigen Zeit verordnet. Denn vieles, was damals galt, ist auch heute noch aktuell. 
Ein moderner Klassiker, bei dem sich "dranbleiben" lohnt.

4 von 5 Tunnelmen

Donnerstag, 13. März 2025

Jörg Weigand "Die Welten des Meister Li"

Am Ufer des T'ung-t'ing-Sees steht eine kleine, schlichte Hütte. Niemand, der es nicht genauer wüsste, würde hier das Heim des Meister Li vermuten. Nahezu abgeschieden lebt er hier, nachdem er eine Beamtenlaufbahn ausgeschlagen und sich stattdessen dem Studium der weisen Bücher gewidmet hat. Seine Ansprüche sind einfach und somit begnügt er sich mit dem, was die Menschen ihm geben. Denn sein Lebensinhalt ist die Weitergabe von Wissen und vielleicht auch von ein bisschen Weisheit. Umgeben von seiner Schülerschar erfahren die Leser in 50 Kurzgeschichten, wie es sich im Leben zu verhalten gilt, wenn man denn niemanden vor den Kopf stoßen will. Dabei gilt es das Fantastische nicht zu übersehen, denn wir in der "realen Welt" kämpfen selten gegen Dämonen und Drachen. Wenn, dann tun wir dies nur im übertragenen Sinne.

Meister Li erblickte das literarische Licht der Welt für eine Kurzgeschichte in den Phantastischen Miniaturen von Thomas Le Blanc im Jahr 2012. Seitdem hat der Meister so einige Abenteuer erlebt und Schicksale geprägt. Stets mit Ruhe und Bedacht versucht er mit Hilfe seiner Bücher die Probleme der Menschen am See oder auch aus weiterer Entfernung zu lösen.
Das Wissen, ohne den berühmten erhobenen Zeigefinger, wird durch die einzelnen Kurzgeschichten an den Lesenden weitergeben. Mit Hilfe der kurzen Texte, die nicht den Charakter eines Sachbuchs haben, tröpfeln die Ideen, die Gedanken und auch die Wertvorstellungen von Meister Li wie von selbst in den Geist der Leser. Sie lassen sie einvernehmlich nicken oder auch mal den Kopf schütteln, wenn man die literarischen Bilder in das Hier und Jetzt übersetzen muss.
Auch wenn die Texte kurz sind, so empfiehlt es sich, sie portioniert zu lesen, um das Wissen und den Charme nicht durch kumuliertes Schmökern zu verfälschen.

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

5 von 5 Lehren

Mittwoch, 5. März 2025

Sven Haupt "Anahita"

Was definiert unser Dasein?
Das Geschlecht?
Die Gesellschaft?
Unsere Gene?
Oder ist es doch etwas ganz anderes?

Sven Haupt erzählt in "Anahita" die Geschichte von Aven und Christine, in einer Welt, die so ganz anders ist als die unsere.
Doch viele Verhaltensweisen sind, bedingt durch Sozialgefüge und Machtstrukturen, unveränderlich zu dem, was wir kennen.

Christine kommt mit ihrem Vater auf einen fremden Planeten, den der Uhrmacher schon einige Zeit im Visier hat. Aven, Sohn der Hohepriesterin, freundet sich mit Christine an und bringt ihr die Kultur des Planeten näher. Vieles, gerade die Flora und Fauna dieses Planeten, weicht so sehr von dem Leben am britannischen Hof ab, dass Christine nur staunen kann.
Doch wie es so ist, die Ruhe wird gestört und plötzlich wird das Leben von Christine und Aven vollkommen auf den Kopf gestellt. Krieg wird zum Tagesgeschehen und die Verluste sind so zahlreich, dass die Zeit zum Trauern nie gegeben ist. Hinterhältige Mächte ziehen am Himmel auf und der Kampf zwischen Gut und Böse gewinnt neue Dimensionen. Beide Charaktere entscheiden sich bewusst, für eine gravierende Änderung ihres Lebens und stehen in der ersten Reihe, wenn es darum geht, das zu schützen, was ihnen wichtig ist.

Schon in "Niemandes Schlaf" hat Sven Haupt gezeigt, wie Charaktere verschiedene seelische und auch körperliche Wandlungen durchleben können. "Anahita" erschafft mit dem Weltenbau noch viele andere und auch diverse Dimensionen. Steampunk, Weltraum, riesige Tiere, Bewusstseinserweiterungen, Sven lässt die Charaktere durch Welten segeln und durch Gefühle taumeln. Doch wirkt es nie gekünstelt oder effekthascherisch. All die Gedanken und Handlungen wirken in ihrer Außergewöhnlichkeit trotz allem logisch und folgerichtig. Man schüttelt beim Lesen nie den Kopf, ist der Welt oder vielmehr den Welten gefangen und muss erstmal in die Realität auftauchen, wenn das Buch zur Seite legt.

Moral, der Sinn des Lebens, Charakterstärke und das Wesen der Menschheit, in allen Büchern von Sven Haupt sind dies zentrale Aspekte, ohne dabei mit dem sprichwörtlichen erhobenen Zeigefinger zu interagieren.

Sie sind Bücher abseits des Gehirnkaugummis, den man sonst oft angepriesen bekommt, und wenn man seine Bücher verlässt, ist der eigene Geist immer durch seine Nachdrücklichkeit positiv beeinflusst. Wie sich das äußert?
Das erfährt jeder Lesende individuell, wenn er durch die Buchseiten segelt.

4,5 von 5 Uhrmachern

Donnerstag, 27. Februar 2025

Marianne Labisch (Hrsg) "Rock Planet"

"I'm on the highway to hell" ...
Stop ...
Der Weg zur Hölle ist zwar mit guten Rocksongs gepflastert, aber wir wollen doch zeitweilig auf der Erde verharren und die Musik genießen ...
"I'm on the highway ..."
Ich habe eure Aufmerksamkeit? Das ist gut!

Rockmusik, wer kennt sie nicht und vor allem, wer schätzt sie nicht? Gitarrenriffs, ein wummernder Bass und dabei Stimmen, die nicht chemisch gereinigt, sondern authentisch und pur durch die Gehörgänge pochen. 
Dabei ist es schwer, sich auf eine Band oder sogar nur auf ein Lied zu beschränken, dass für einen selbst die Liebe zur Rockmusik auslöste. Doch genau das war die Grundlage für diese Anthologie. Neunzehn Schreibende haben sich unter Marianne Labisch zusammengefunden und beginnen damit, welcher Rocksong ihre Liebe zu dieser Musik manifestierte. Dabei ist es erstaunlich, wie breit das Spektrum der Rockmusik sich gestaltet und auf welchen Wegen sie die Schreibenden traf.
So individuell, wie jeweiligen Lebenswege sind, so unterschiedlich sind auch die entsprechenden Geschichten geworden. Von kurz und knackig bis hin zu kleinen Epen, von Texten, die zum Schmunzeln einladen, hin zu Texten, bei denen in jedem Wort Philosophie mitschwingt.
Die Geschichten spielen im Jetzt, in der Vergangenheit und in der Zukunft und stets sind sie begleitet von dem Soundtrack des Schreibenden, der die Vergangenheit im Ohr hat. 
Mal verzagt, mal hingerissen, aber in allen Geschichten mit viel Emotionen, zeigt der Rock und seine Musik die Vielschichtigkeit eines Mosaiks, das aus jeder Perspektive anders, dabei aber stets besonders wirkt. 
Die Geschichten bilden einen Kokon zwischen den Welten und verleiten beim Lesen dazu, immer langsamer zu lesen, egal, wie gruselig die Erzählung auch ist, weil man ihn nicht verlassen will. Doch Rockmusik hört niemals auf, sie ist immer da und von daher ...

"We will, we will rock you!"

5 von 5 Schallplatten

Dienstag, 11. Februar 2025

Büchermagazin 2/2025

Wenn man in der Bahnhofsbuchhandlung gerade einmal nicht bei den Büchern oder Comics steht, kann man dort auch vereinzelt Zeitschriften entdecken, die sich mit dem Thema "Bücher" beschäftigen. Ein ums andere Mal geht man an der aktuellen Ausgabe vielleicht vorbei, doch manchmal bleibt der Blick auch hängen - so wie an der Februar Ausgabe des Bücher Magazins. 

Vor einigen Jahren habe ich die Zeitschrift recht regelmäßig gelesen und war froh, dass sie sich ihrem Stil treu geblieben ist.

Buchbesprechungen bilden die Grundlage für die Zeitschrift. Sie legt Wert auf eine große Genrevielfalt und bedenkt dabei sowohl Bücher als auch Hörbücher. Die Kritiken sind jeweils auf das Medium zugeschnitten, sodass man als Lesender genau weiß, was man bekommt.

Dieses Mal bietet die Zeitschrift ein Science Fiction Spezial. Mit den Autor*innen Becky Chambers, Theresa Hannig und Aiki Mira wird ein genauer Blick auf die heutige SF geworfen. Was kann sie, was bietet sie und welche Vertreter*innen sind präsent? Während bei Becky Chambers ein Interview in einen Bericht über ihre Werke eingeflochten wird, bezieht sich der Beitrag über Theresa Hannig und Aiki Mira auf die aktuellen Bücher "Parts per Million" und "Proxi". Bei der Münchner Bücherschau trafen sich die beiden und hierauf wird in dem Artikel mehrfach Bezug genommen.

Für Science Fiction Lesende ein schönes Spezial, für Interessierte definitiv eine Ausgabe mit Hilfe deren man in die Welt der aktuellen Science Fiction erstmalig eintauchen kann.

Freitag, 31. Januar 2025

Marianne Labisch & Dominik Irtenkauf "Nova 35"

Die Nova 35 ist eine besondere Ausgabe. Einerseits sind die Texte alle auf Grund von Einladungen geschrieben worden und zum anderen haben nur Frauen Texte verfasst.
Es dreht sich um Gleichberechtigung, Familie, Geburt, Erziehung ... alles aus der Sicht der Frauen.
Als Themenband konzipiert schaffen es die Geschichten zusammen, die unterschiedlichen Facetten, ihre Vor- aber auch Nachteile im Leben einer Frau anschaulich darzustellen.
Die einzelnen Autorinnen gehen dabei sehr unterschiedlich mit dem Thema um. Mal ist der Text humoristisch, der nächste liest sich wie eine Anklage.
Ob vermeintlich ferne Zukunft oder der Morgen vor der Haustür immer wieder erkennt man Grundzüge oder Verhaltensweisen, die speziell den Frauen zugewiesen werden und einen gewissen Lebensstil vorzugeben scheinen. 
Starke Frauen wechseln sich mit gebrochenen Frauen, die sich ins Leben zurückkämpfen wollen ab. Denn sie alle eint, sie sind stark und haben ihren individuellen Willen. Sie wollen ihren Weg in der jeweiligen Kurzgeschichte gehen und dabei möglichst nicht scheitern. Ob es allen gelingt?
Abgerundet wird die Sammlung mit der Übersetzung eines Textes von Jasmina Tesanovic, in welchem sie vom Tod ihrer Mutter und der Verarbeitung des entstandenen Traumas berichtet.
Welcher Text den Weg in das jeweilige Herz findet, ist eine sehr individuelle Entscheidung, aber alle Texte regen dazu an, über den eigenen Tellerrand zu schauen und mit mehr Verständnis auf die Menschen zu blicken.

4 von 5 Frauen

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Mittwoch, 29. Januar 2025

Tessa Maelle & Mario Franke & Uli Bendick (Hrsg) "Science-Fiction goes Punk"

Wie viel Ahnung hast du von Science Fiction?
Warum ich das frage?
Zähle doch einmal durch, wie viele Genres du zusammen bekommst.
Hast du eine Zahl?
Ich wette, sie ist nicht annährend so hoch, wie die Anzahl, die in dieser Anthologie vorgestellt wird.

Die Herausgebenden haben ein Konzept umgesetzt, dass mir bisher in dieser Form noch nicht begegnet ist.
Zwei Protagonistinnen werden in der Einleitung vorgestellt und reisen mit Portalschlüsseln durch die verschiedenen Genres.
Dabei wird jedes Genre mit einer kurzen Einleitung vorgestellt und bekannte Bücher oder Filme dieser Gattung als Referenz benannt.
Im Anschluss folgt eine Kurzgeschichte mit den Protagonistinnen, die sich der jeweiligen Elemente des Genres bedient.
Neben den verschiedenen SF-Ansätzen merkt man auch die jeweilige Stimmfarbe des Schreibenden. So sind manche Geschichten im Ton etwas härter oder auch radikaler, andere aber auch wieder sanfter und zugänglicher.

Neben der spannenden Idee ein kleines Lexikon in die Anthologie einzufügen, zeigen die Texte, wie vielseitig Science Fiction sein kann und sich längst nicht alles um Ufos und Aliens dreht.

Viele Fragen werden in den Erzählungen laut:
Wie könnte die Menschheit überleben? Oder was wäre, wenn die Menschheit sich früher anders in ihrer Entwicklung entschieden hätte? Ist diese Welt die perfekte? Welcher Herrschende ist die richtige Wahl?
Dazu werden auch individuelle Fragen laut.

Die Protagonistinnen sind in jeder Geschichte ein bisschen anders und auch das macht den Charme der Sammlung aus. Denn, welcher Mensch verhält sich schon jeden Tag genau gleich.

Ein Buch für Science Fiction Entdecker oder auch jene, die aus ihrer präferierten SF Ecke einmal aufbrechen wollen.


5 von 5 Welten


Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Montag, 27. Januar 2025

Pete Farn "Planet der Navigatoren"

Hat jemand schon einmal gezählt, wie oft Außerirdische bereits in Buch und Film die Erde erobert haben?
Wie oft die Menschheit ausgelöscht oder unterjocht wurde
Wie oft andererseits die sogenannten Aliens sich über unsere mangelnde Intelligenz beschwert oder sich über unsere Kriegsführung lustig gemacht haben?

Ohne jetzt die dazugehörige Statistik zu kennen, schätze ich, dass die Menschheit oftmals schlecht wegkommt, wenn sie denn überhaupt überlebt.
Doch was hat das alles mit "Planet der Navigatoren" zu tun?

Wie die Inhaltsangabe schon verrät, auch hier ist die nette Frau, die an der Tür klingelt, nicht das, was sie scheint.
Doch Ed ist von seinem nahezu langweiligen Leben so frustriert, dass er dieser Frau in ein Bürogebäude folgt, sich in einen Sessel setzt und nach zwei Stunden wieder aufwacht - ohne irgendeine Erinnerung. Gut bezahlt ist der Job dazu auch noch, was immer mehr seine Zweifel und die seiner Freunde schürt.
Spätestens als die Konkurrenz an seine Tür klopft und ihm das gleiche Arrangement noch einmal vorschlagen will, wird Ed hellhörig, aber da ist es schon fast zu spät.

144 Seiten sind nicht die Länge, die man bei einem Science Fiction Roman erwarten würde und doch passt bei dem Roman alles zusammen. Denn während Dystopien düster und Utopien hoffnungsvoll daherkommen, hat man bei diesem Roman fortwährend ein Schmunzeln im Gesicht. Die Invasion der Außerirdischen wird nicht etwa parodiert, aber so manche Dinge werden doch charmant aufs Korn genommen (am liebsten mag ich immer noch die Szene mit den Raumschiff-Tätowierungen). Der Humor ist dabei nicht plakativ, sondern gerne unterschwellig und wechselt sich dabei mit ernsten Szenen ab. 

Dabei gelingt es dem Autor auch, durch Beschreibungen von Farben und Klängen ein erweitertes Bild im Kopf des Lesers zu erzeugen und ihn schon nach kurzer Zeit in die Geschichte hinzuziehen.  Alltag und Alien wechseln sich in der Erzählung so ab, dass sie ein stimmiges (soweit möglich) Bild ergeben und man sich stets gut unterhalten fühlt.

4,5 von 5 Navigatoren

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Montag, 20. Januar 2025

Jörg Weigand "Musica Fantastica"

Leise verklingt der letzte Anschlag des Klaviers, wenn man das Buch schließt. In zweiundzwanzig Kurz- und Kürzestgeschichten führt Jörg Weigand den Leser durch die verschiedensten Klangwelten. Schon oft habe ich in meinen Interviews die Autoren gefragt, ob sie der Meinung sind, dass man auf mehreren Gebieten kreativ tätig sein kann. Das eine Kreativität die andere fördert und auch bedingt. Die Antworten waren dabei sehr unterschiedlich, doch würde ich die gleiche Frage diesem Autor stellen, denke ich, er würde die Frage bejahen. 
Man hört den Takt, man spürt den Beat, man summt leise die Melodie. All das schafft der Autor oftmals in sehr kurzen Geschichten, da viele der Texte erstmalig in den Phantastischen Miniaturen der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar veröffentlicht wurden.
Einige seiner Figuren z.B. Meister Li tauchen mehrfach in den Texten auf, doch der Autor sorgt für eine ausgewogene Mischung. Hier ein Text über ein Klavier, dann einer über mysteriöse Glocken, die ohne Antrieb läuten. Der Schluss brilliert mit dem vermeintlichen Ausflug einer Boyband ins All.
Gibt es nicht? Doch.
Denn Jörg Weigand hat in seiner langen Schriftstellerkarriere so manchen Text mit musikalischen Hintergrund geschrieben, mal lustig, mal nachdenklich. 
Eine erlesene Auswahl ist in "Musica Fantastica" erschienen und zeigt die schriftstellerische Bandbreite des Autoren.
Und somit Vorhang auf und lasset die Musik beginnen.

4,5 von 5 Vorhängen

Sonntag, 19. Januar 2025

Matthias A.K. Zimmermann "Imitathyos"

In einer Welt, die auf stetige Optimierung setzt, kommt sich Mina zunehmend allein vor. Doch ihren Herzenswunsch, Autorin zu werden, kann sie sich trotz des nahezu abgeschlossenen Psychologiestudiums nicht verwehren. Dabei spielt ihr in die Karten, dass ihr Computer die Abschlussarbeit "vernichtet" hat und sie dies somit als Zeichen deuten kann, dass das Schicksal ihren Gedanken gewogen ist. Eigentlich will sie sich ein paar Tage auf dem Olymp entspannen, doch zuvor erreicht sie eine Nachricht ihres Bruders, der sie, ihre Schwester und deren Freund auf die exklusive Insel "Imitathyos" einlädt.
Schon die Überfahrt hält so manche unangenehme Überraschung bereit und als die drei schließlich die Insel erreichen, ist der Bruder nicht zu sprechen. Immer wieder werden sie vertröstet und so suchen sich die drei ihre eigene Beschäftigung. Welche ungeahnten Auswirkungen dies auf die Zukunft des jeweils einzelnen und auch auf das gemeinschaftliche Gefüge haben wird, das können weder die Figuren noch der Leser erahnen. Nur der allwissende Erzähler.
Schon bei "Kryonium" hat Matthias A.K. Zimmermann gezeigt, dass er mühelos die Grenzen von Genres und auch dessen "was man schreibt" verwischen kann. So liest sich das neue Werk anfangs wie ein Selbstfindungsbuch, wird dann zum Abenteuerroman, biegt über den Thriller ab, um letztlich in der Science Fiction zu landen. Es gibt bei ihm schlichtweg keine Genregrenzen und auch der sprachliche Aufbau birgt für den Leser so einige Herausforderungen. Denn auch hier übertritt er mehrfach die Konventionen und zieht den Leser in seinen eigenen Kaninchenbau.
Als verbindendes Element begleiten den Leser durch alle Kapitel eigenwillige Worte oder Wortgebilde, welche die Besonderheiten des Romanes unterstreichen. Sie werden nach und nach aufgriffen, um spätere Resultate früheren Handlungen zuzuordnen. Kein Wort ist zuviel oder gar am falschen Platz. Man merkt an vielen Details, wie durchdacht und geplant dieser Roman ist. 
Dabei muss man ihm beim Lesen die Zeit geben, sich im Kopf entfalten zu können, denn dieses Buch ist wahrlich kein "fast food". So wirr es zwischenzeitlich erscheint und so verstörend manche Kapitel sein können, wie man so schön sagt, am Ende ergibt alles einen Sinn. Selbst für den Leser.

5 von 5 Inseln