Montag, 11. Mai 2026

Carmen Urbita, Ana Garriga "Convent Wisdom"

Was haben die IT-Girls der heutigen Zeit und Nonnen aus dem 16. Jahrhundert gemein? Trotz des enormen Zeitunterschieds haben diese Frauen die gleichen Probleme. Denn Stress in der Liebe, im Job und in der Gemeinschaft sind Themen, die unabhängig eines Kalenders bestehen.

Während die beiden Autorinnen von ihrer Studienzeit berichten, flechten sie die Probleme von zwei IT-Girls ein. Anhand von zahlreichen Quellen, darunter Briefen, zeigen sie auf, dass es schon im 16. Jahrhundert notwendig war, außenstehende Personen mit einzubeziehen, wenn die Emotionen hochkochten und das war auch schon damals nicht anders.

Die Gründe, warum man sich aufregt, mögen sich zwar gewandelt haben, doch hat sich an der Benachteiligung in gewissen Bereichen nichts geändert.

Die Autorinnen unterteilen ihr Buch in größere Kapitel, wie z.B. Liebe, Arbeit etc, um darin zu bestimmten Problemen, wie werde ich mit Kollegen fertig, Stellung zu nehmen. Ein umfangreiches Quellenverzeichnis am Schluss führt hier zu den originalen Texten.

Was bei Ratgebern sonst üblich ist, fehlt hier in meinen Augen. Es gibt kaum Schaubilder oder Zusammenfassungen zu den einzelnen Bereichen, sondern man begnügt sich mit laufendem Text. Ich fand dies stellenweise sehr ermüdend, da sich gerade Zusammenfassungen für mich besser greifen lassen.

Wissenschaftlich finde ich das Buch durchaus fundiert, doch die Aufmachung ist nicht my cup of tea.


3,5 von 5 Vergleichen

Sonntag, 10. Mai 2026

Anke Petersen "Die tote Tante"

1898 ist die Welt auf Amrum noch in Ordnung. Die Welt entdeckt nach und nach die kleine Insel, sodass der Tourismus immer mehr Einzug hält. Gefahren gibt es auf der Insel kaum und so müssen sich die drei Damen vom Insel-Krimiclub mit Büchern begnügen, wenn es um Mord und Totschlag gehen soll.
Das ändert sich, als auf der Insel eine Hochzeit stattfinden soll und kurz zuvor die Tante der Braut tot aufgefunden wird. Angeleitet durch die Detektive in ihren Büchern, stellt der Krimiclub Nachforschungen an, die nicht ohne Folgen bleiben.
Man merkt beim Lesen zum einen, dass die Autorin ihre Insel kennt, und zum anderen, dass sie Spaß beim Schreiben des Buches hatte. Eine gewisse Leichtigkeit begleitet die drei Damen neben ihren Ermittlungen und lässt den unerfahrenen Krimileser im wahrsten Sinne des Wortes die Handlung direkt miterleben. Hier ein Verweis zu Sherlock Holmes, derer es viele im Buch gibt, dort ein Bezug auf Jane Austen und auch die russischen Autoren jener Zeit werden benannt. Der Krimiclub, seine Lektüre und sein Alltagswissen schlagen sich genauso nieder, wie das Lokalkolorit, die Bräuche und auch ein wenig die Sprachkultur der Insel.
Ein wenig überladen ist das Buch allerdings mit Wiederholungen: Krimileser merken sich Hinweise und müssen nicht immer wieder auf die gleichen Sachverhalte hingewiesen werden. Ebenso sollte man sparsamer mit kriminalistischen Kniffen sein. Weniger ist bekanntlich oftmals mehr und auch ein Krimi-Anfänger sowohl als Ermittler als auch als Leser verfügt über eine gewisse Menschenkenntnis.
Ein gut gelungener Start in eine cosy crime Reihe, die Lust auf mehr macht.

4 von 5 Inseln

Donnerstag, 7. Mai 2026

Julie Caplin "Ein Zuhause im Frühling"

Ella ist erschöpft. Das Leben in London, trotz all der guten und erfüllenden Momente, hat sie in den letzten Jahren mehr Kraft gekostet, als es ihr lieb gewesen ist. Eine Schaffenskrise und dazu noch die fehlende Wertschätzung für ihre Bücher treibt sie nah an die Verzweiflung. Da kommt es gut, dass sie das Haus ihrer Patentante in einem kleinen Dorf hüten soll. Doch womit sie nicht gerechnet hat, ist, dass sie zusätzlich einen Hund zu beaufsichtigen hat. So kommt es, wie es kommen muss, unerfahren, wie sie es im Umgang mit Tieren ist, gerät sie schnell mit dem örtlichen Tierarzt aneinander, der so seine eigenen Probleme hat.

Wer schon einmal ein Buch von Julie Caplin gelesen hat, weiß, wie gut sie es schafft, die Realität in Buchform zu gießen.

Das kleine Dorf, das ein vermeintlicher Stereotyp für das englische Dorfleben ist, wird belebt, durch all seine verschiedenen Charaktere, die im ersten Moment verschroben wirken können und doch so viel Herz und Güte in das Buch bringen, dass man trotz der Schicksalsschläge immer wieder schmunzeln muss.

Als Auftakt einer vierbändigen Reihe steht Ella im Mittelpunkt. Sie ist neu im Dorf und trotz unterschiedlicher Gefühle, will sie eigentlich nicht hier sein. Ihre Entwicklung während des Bandes und auch das Zugehörigkeitsgefühl zu den Dorfbewohnern schaffen eine Atmosphäre, bei der man an das Gute im Menschen glauben will und mit den Protagonisten mitfiebert. Hier eine Freundschaft, dort ein Gefallen und zwischendrin die Karten ihrer Patentante runden Ellas Regeneration ab und zeigen, dass es oft das Umfeld ist, dass gute Menschen verzweifeln lässt.

Immer gespickt mit ein paar englischen Eigenheiten lässt sich das Buch perfekt bei den ersten Sonnenstrahlen lesen und auf eine bessere Zukunft hoffen.


4 von 5 Frühlingsboten