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Freitag, 22. August 2025

R. L. Stine "Das Phantom in der Aula"

Nein, ich habe nicht versehentlich das gleiche Foto noch einmal hochgeladen.
Ich habe wirklich schon den nächsten Gänsehaut-Roman gelesen, sie haben einen kleinen Suchtfaktor. ;-)
Tatsächlich ist es aber auch der vorerst letzte, ich muss mir erstmal weitere Bände besorgen oder ggf auch ausleihen.

Worum ging es bei dieser Episode?
In einer Schule soll ein Theaterstück ausgeführt werden. Ein Theaterstück, was schon vor siebzig Jahren auf die Bühne hätte kommen sollen, wenn der Hauptdarsteller nicht in der Nacht vor der Premiere verschwunden wäre. Seitdem ranken sich Rätsel und Mysterien um das Stück. Erst eine ambitionierte Lehrerin will dem Spuk ein Ende machen und die Premiere endlich nachholen.
Doch sie hat die Rechnung ohne das Phantom gemacht. Gibt es abseits des Stückes wirklich ein Phantom? Oder kann Alex sich mit seinen Scherzen einfach nicht zurückhalten?

Bei diesem Band hat mir besonders die Mischung aus Witz und Grusel gefallen. Durch die Witze wirkt der Grusel an bestimmten Stellen noch intensiver und man kann förmlich die alte Aula knarzten und quietschen hören. Großes Kopfkino ist garantiert. Bisher der beste Roman für mich aus der Serie, wenn auch nur knapp.

5 von 5 Theaterrequisiten 

Dienstag, 19. August 2025

Mac Conin "Nirgendwann - Plan B war auch Mist"

Jo hat es nicht leicht. Sie ist eine zugereiste Kölnerin. Ist das ihr einziges Problem? Anfangs erscheint es so. Doch wie bei einer Zwiebel entblättert sich die Geschichte Seite für Seite und lässt den Lesenden Schicksale und Machenschaften erfahren, die er bei vermeintlich locker-leichten Einleitung nicht vermutet hätte.
Dreh- und Angelpunkt ist die Zülpicher Straße in Köln. Hier spielt der größte Teil der Geschichte. Erzählt aus den verschiedenen Perspektiven der Protagonisten (u.a. auch ein Büdchen) erfährt man viel über das Leben um und auf der Straße. Wie die Menschen hier früher lebten, was sich verändert hat. Wer gegangen und wer geblieben ist. Einzelne Charakter verbringen nahezu ihr ganzes Leben hier (Herr Hänsel) und andere sind erst kurz dort (Jo). Doch für alle ist die Straße ein Zuhause. Unbewusst sind sie eine Gemeinschaft, wie sie das Büdchen in der heutigen Zeit kaum mehr kennt. 
Das Büdchen nimmt in der Geschichte neben den anderen Erzählenden eine Sonderstellung ein. Eigentlich ein Institut des Viertels ist es mehr als ein schlichter Kiosk. Früher traf man sich hier und tauschte Neuigkeiten aus, doch wie sich die Gesellschaft verändert, ändert sich auch das Verhalten der Kaufenden. Vielfach ist das Büdchen ein Spiegel der Gesellschaft und wirft in die Handlung die eine oder andere Weisheit hinein, ohne dabei zu stören.
Die Geschichte wühlt dabei den Lesenden sehr oft auf. Alle Ungerechtigkeiten, die man sich vorstellen kann, treffen auf die verschiedenen Protagonisten und doch schafft es der Autor ein stimmiges Bild zu schaffen. Denn die Welt ist nicht rosarot. Manchmal vielleicht, aber definitiv nicht immer. Und so zeigt er an den verschiedenen Lebensläufen, was Stärke, Zusammenhalt und Gemeinschaft bedeuten, selbst wenn die Tage nahezu dunkel erscheinen.
Ein gelungenes Buch über menschliche Beziehungen und dem Wunsch ein sorgenfreies Leben zu führen.

4 von 5 Entscheidungen

Danke an den Autor für das Rezensionsexemplar.

Montag, 18. August 2025

R. L. Stine "Der Werwolf ist unter uns"

Und wieder gibt es eine kleine Runde Nostalgie. Nachdem die beiden letzten Bücher aus der Gänsehaut-Reihe Kurzgeschichten-Sammlungen waren, gab es jetzt gruseln in Romanlänge.

Besessen davon einen Werwolf zu fangen, verschlägt es Vater und Sohn nach Europa und dort in einen tiefen, dunklen Wald. Tagelang liegen sie auf der Lauer, bis der Vater einen Fallensteller als Werwolf ausmacht. Die große Maschinerie des Marketings wird angeworfen und kurz vor Kundgebung geschieht das Unfassbare.

Im Gegensatz zu den modernen Thrillern, in denen noch eine Abwegigkeit und noch eine Unmöglichkeit einen unglaublichen Täter hervorbringt, sind diese Bücher klarer in ihren Intentionen. Sicherlich ist das zum einem der Tatsache geschuldet, dass es sich um Kinderbücher handelt und zum anderen muss auf der Länge die Geschichte logisch zu Ende erzählt werden.

Spannung schafft der Autor in jedem Fall und wenn mir gerade kein Fell wächst, stehen mir die Haare doch noch ein wenig zu Berge.

4,5 von 5 Werwölfen

Sonntag, 10. August 2025

Reinhard Kuhnert "Was unvergessen bleibt"

In vier längeren Kurzgeschichten entführt uns der Autor in die Vergangenheit. Vor dem Hintergrund, was zählt ein Leben, widmet er sich hier dem Verlust, dem Tod und der Einsamkeit. Das mag im ersten Moment niederschmetternd klingen, doch ist dem nur bedingt so.
In der ersten Geschichte muss ein Mann seinen Hirntumor entfernen lassen und danach versuchen, sich an sein Leben zu erinnern. Die Flucht aus der DDR, der Verlust seines Bruders, Vaters und der seiner Mutter. Die erste enttäuschte Liebe, vieles, was verloren schien, treibt wieder an die Oberfläche und lässt ihn an die alten Zeiten denken.
Die zweite Geschichte beginnt mit einer Beerdigung. Nur zwei Menschen sind in das Dorf zurückgekehrt und nehmen Abschied. Was hatte der Mann falsch gemacht, dass sein Tod so wenige Menschen zu berühren scheint. Alles begann mit einer Karnevalsveranstaltung.
Die Fahrt nach Weimar läutet die dritte Geschichte ein. Bettina ist nicht begeistert, dass sie ihrem Bruder bei einem Gespräch mit der Mutter unter die Arme greifen soll. Tina war immer die Böse, die in den Westen gegangen ist und die Familie im Stich gelassen hat.
Für die vierte Geschichte geht es auf eine Insel, genauer gesagt, nach Irland. Eine Frau war unterwegs und als sie zurückkehrt, heißt es, ihr Mann sei verstorben. Doch Barde und Draufgänger, der er war, glaubt sie an eine Verwechslung.
So unterschiedlich die Erzählungen auf den ersten Blick sein mögen, alle handeln von den Beziehungen zwischen den Menschen und was im Leben wirklich zählt. 
Ist eine Meinungsverschiedenheit so wesentlich, dass man den Kontakt abbricht?
Hat ein Mensch Schuld auf sich geladen, wenn er versucht seine Familie zu beschützen?
Was bleibt von uns, wenn wir unsere Erinnerungen verlieren?
Diese vermeintlich großen Fragen werden in schöne Erzählungen gepackt und zeigen, wie wir miteinander umgehen und wie wir es stattdessen lieber sollten.

4,5 von 5 Grenzgängern

Mittwoch, 30. Juli 2025

Silia Wiebe "Unsere Mütter"

Es ist die erste Bindung und somit auch die prägendste. Dabei muss sie nicht liebevoll oder zärtlich sein. Sie kann auch das komplette Gegenteil darstellen und trotzdem lebenslang Einfluss auf das eigene Leben haben. Die Rede ist natürlich von der Beziehung zur Mutter.

Das Sachbuch erzählt von zwölf Mutter-Tochter-Beziehungen. Augenscheinlich dieselbe Beziehung, doch keine gleicht der anderen.
Die zwölf Töchter sind in sehr unterschiedlichen Verhältnissen aufgewachsen, sind zum Zeitpunkt des Interviews nicht im gleichen Alter und ihre jeweilige Beziehung zu der Mutter ist verschieden.

Die Autorin schafft es mit den Texten zwei sehr wesentliche Grundsätze zu zeigen: Zum einen kann man keine Beziehung mit einer anderen vergleichen und zum anderen beweist sie, dass alle folgenden Beziehungen auf der zur Mutter fußen.
Wie bei einem psychologischen Gespräch setzen sich die Töchter, die eine eher schwierige Beziehung zur Mutter haben, in ihren Texten damit auseinander. Mal war die Mutter bei der Geburt zu jung, mal war sie krank. Und natürlich wirkt sich die schon die eigene Beziehung der Mutter zu ihrer Mutter auf das Verhältnis aus.

Die Töchter, die ein gutes Verhältnis zur Mutter haben, erzählen, was sie alles mit ihr erleben und wie ihre Mutter das Leben bereichert.
Doch es gibt hier und da auch Zwischentöne, mal ein übergriffiger Kommentar, mal eine Spur zu viel Kontrolle.

Das Buch bildet ein Kaleidoskop an Verhältnissen und jede Geschichte ist einzigartig.
Manche sind sehr traurig, einige schon fast ein bisschen lustig.
Aber alle sind emotional und berühren beim Lesen, weil man doch, egal wie die eigene Beziehung ist, entweder Mitleid oder Freude für die Erzählerinnen empfindet.

Ein Buch, was die Vielschichtigkeit von Beziehungen herausarbeitet, ohne dabei zu bewerten.

4 von 5 Beziehungen

Montag, 30. Juni 2025

Thomas Harding "Die Einstein-Vendetta"

Nichts ist so schlimm wie die Wahrheit und doch wird gerade diese oft mit Füßen getreten. Bei diesem Buch handelt es sich, soweit möglich, um einen Tatsachenbericht. Keine Fiktion, keine Beschönigungen, alles Tatsachen.
Während Albert Einstein vor dem Zweiten Weltkrieg in die USA ausgewandert ist, blieb sein Cousin Robert Einstein in Europa. Anfangs in Deutschland siedelte er später wieder nach Italien um und meinte so den Anfeindungen entgehen zu können. Doch das war lediglich eine Hoffnung.
Erst recht lasch umgesetzt, wurden die Gesetze mit jedem Tag strikter verfolgt, um dann letztlich von den Deutschen mit Akribi vollführt zu werden.
Das am Ende des Schicksals zahlreiche Mitglieder der Familie Einstein tot sind, lässt noch über Jahre später Ermittler, Anverwandte und Gesellschaft verzweifeln.
Der Autor hat sich bei seinem Bericht unglaublich viel Mühe gegeben, die verschiedenen Augenzeugen mit ihren jeweiligen Blickwinkeln zu Wort kommen zu lassen. Wechselweise kommen Familienangehörige, Personal und später auch die Anwälte - direkt oder indirekt - zu Wort und erklären, warum leider vieles nicht so einfach ist, wie es den Anschein hat.
Ein bedrückendes Zeitdokument, was einem zahlreiche Ungerechtigkeiten vor Augen führt.

5 von 5 Beweisstücken

Sonntag, 22. Juni 2025

Klaus-Peter Wolf "Mord am Leuchtturm"

Siebzehn Kurzgeschichten zum Thema Tod.
Zwangsläufig müssen hier doch doppelte Vergehen verkommen, oder?
Allerdings ist hier das Gegenteil der Fall. Die eine oder andere Geschichte mag zwar ähnlich angehen, die Lösung ist aber jedes Mal anders und ab und zu sogar sehr speziell.
Klaus-Peter Wolf mischt seine Kurzgeschichten einmal gut durch. Das betrifft sowohl die Inhalte als auch das Personal. Sowohl die Figuren aus seinen Krimis treten in Erscheinung, als auch für die Geschichte neu erdachte Personen. 
Dabei sind seine Texte oftmals sehr realitätsnah, was sich aus dem abschließenden Interview ergibt. Einige Orte und auch Personen in seinen Erzählungen gibt es wirklich und so ist die Grenze zwischen Fiktion und Realität mehr als nur einmal verschwommen.
Auch wenn es in den Krimis um Tod geht, kommt der Leser nicht umhin, sich mit dem Humor des Autors auseinanderzusetzen. Mal ein Schmunzler hier, ein breiteres Lachen dort, schaffen neben der Tristesse des Todes den entsprechenden Ausgleich. Denn wie er es im Interview erwähnt, der Leser achtet die ganze Zeit auf Details und trotzdem soll die Geschichte auch noch unterhalten.
Man merkt beim Lesen eine Schreibroutine, Logikfehler, wie man sie bei anderen Krimis öfter findet, passieren ihm nicht. Es ist erfrischend, wie einfallsreich der Autor bei den Todesarten war.
Ein Hoch auf die Kurzgeschichten. Demnächst geht es an den ersten Krimi von Ann Kathrin.

4,5 von 5 Krimischauplätzen

Freitag, 20. Juni 2025

R. L. Stine "Gänsehaut - Das nervenzerfetzende Buch der Schauergeschichten"

Und weiter geht's in die vermeintliche Vergangenheit. 
Eigentlich hätte ich diese Bücher als Jugendliche lesen müssen, habe ich mir sagen lassen. Doch irgendwie sind die Bücher an mir vorbeigegangen. Oder aber erst der Grusel des Lebens lässt einen über die eine oder andere Geschichte eher schmunzeln denn gruseln.
Aber der Reihe nach: Wie schon in dem anderen Sammelband umfasst auch das 'Nervenzerfetzende' einen Roman und dazu acht weitere Kurzgeschichten.
Während der Roman mich eher durchschnittlich begeistert, sind bei den Kurzgeschichten ein paar wirkliche Highlights dabei.
Da werden Kobolde lebendig, Kuschelbären sind nicht das, was sie zu sein scheinen oder auf einmal ist der Protagonist nicht so ganz ein Mensch. Wirklich zum Lachen denn zum Gruseln hat mich die Erzählung "Pflaumenkur" gebracht. Herrlich. 
Natürlich darf man den 80iger oder auch noch 90iger-Jahre-Grusel nicht mit der heutigen Zeit vergleichen. Allerdings würde ich sonst nicht zum Buch greifen. Wie die Reihe schon selbst sagt, soll man beim Lesen einen Schauer oder auch eine Gänsehaut verspüren und nicht in eine Panikattacke rutschen. Die kurzen Texte lassen sich perfekt kurz vor dem zu Bett gehen lesen, wenn man keine Lust mehr auf einen umfangreichen Roman oder einen komplizierten Thriller hat.
Also ab zum Kinderregal und in Nostalgie schwelgen.

4 von 5 Schauern

Donnerstag, 5. Juni 2025

Micke Bayart "Als Pippi nach Deutschland kam"

Sollte man zwei Sachbücher über Astrid Lindgren kurz hintereinander lesen?
Vor einigen Wochen hatte ich "Die unbekannte Astrid Lindgren" gelesen, in dem es hauptsächlich um ihre Tätigkeit als Herausgeberin und Verlagsmitarbeiterin ging. Spannend geschrieben wollte ich mehr über die Autorin hinter den Büchern erfahren und nahm "Als Pippi nach Deutschland kam" zur Hand. Nach den ersten ein, zwei Kapiteln hatte ich den Eindruck erneut "Die unbekannte Astrid Lindgren" zu lesen, da viele Inhalte, nicht Formulierungen, sehr dem ersten Buch glichen. Da ich das Buch mit einer Freundin zusammen las und mich mit ihr darüber unterhielt, las ich weiter und erkannte, dass nur die einleitenden Kapitel Überschneidungen besitzen, sich die Bücher danach aber inhaltlich und strukturell sehr unterscheiden.
Der Autor lässt viele Beteiligte aus den Verfilmungen zu Wort kommen und erklärt sowohl die historischen als auch kulturellen Hintergründe. Immer untermalen Astrid Lindgrens eigene Worte die Texte und auch die Zusammenarbeit mit dem Oetinger Verlag wird immer wieder herausgehoben.
Von den Versuchen Pippi in ihrer Art und Weise zu verändern, damit sie in der DDR veröffentlicht werden konnte, über die Dreharbeiten, bis hin zu den verschiedenen Darstellern von Pippi und anderen Verfilmungen wie Michel oder Ronja Räubertochter, ist auch dieses Buch ein Zeitdokument.
Es zeigt die Unterschiede in der Kindererziehung in Schweden, Deutschland und der DDR. Es zeigt, wie sehr darum gekämpft wurde, Kindern schöne und wohlwollende Literatur zugänglich zu machen und dabei auch das aufkommende Fernsehen zu integrieren.
Wer mehr über Pippi, Astrid Lindgren und die Nachkriegszeit erfahren will, sollte zu diesem und auch zu "Die unbekannte Astrid Lindgren" greifen.

4,5 von 5 kleinen Onkeln 

Donnerstag, 27. Februar 2025

Marianne Labisch (Hrsg) "Rock Planet"

"I'm on the highway to hell" ...
Stop ...
Der Weg zur Hölle ist zwar mit guten Rocksongs gepflastert, aber wir wollen doch zeitweilig auf der Erde verharren und die Musik genießen ...
"I'm on the highway ..."
Ich habe eure Aufmerksamkeit? Das ist gut!

Rockmusik, wer kennt sie nicht und vor allem, wer schätzt sie nicht? Gitarrenriffs, ein wummernder Bass und dabei Stimmen, die nicht chemisch gereinigt, sondern authentisch und pur durch die Gehörgänge pochen. 
Dabei ist es schwer, sich auf eine Band oder sogar nur auf ein Lied zu beschränken, dass für einen selbst die Liebe zur Rockmusik auslöste. Doch genau das war die Grundlage für diese Anthologie. Neunzehn Schreibende haben sich unter Marianne Labisch zusammengefunden und beginnen damit, welcher Rocksong ihre Liebe zu dieser Musik manifestierte. Dabei ist es erstaunlich, wie breit das Spektrum der Rockmusik sich gestaltet und auf welchen Wegen sie die Schreibenden traf.
So individuell, wie jeweiligen Lebenswege sind, so unterschiedlich sind auch die entsprechenden Geschichten geworden. Von kurz und knackig bis hin zu kleinen Epen, von Texten, die zum Schmunzeln einladen, hin zu Texten, bei denen in jedem Wort Philosophie mitschwingt.
Die Geschichten spielen im Jetzt, in der Vergangenheit und in der Zukunft und stets sind sie begleitet von dem Soundtrack des Schreibenden, der die Vergangenheit im Ohr hat. 
Mal verzagt, mal hingerissen, aber in allen Geschichten mit viel Emotionen, zeigt der Rock und seine Musik die Vielschichtigkeit eines Mosaiks, das aus jeder Perspektive anders, dabei aber stets besonders wirkt. 
Die Geschichten bilden einen Kokon zwischen den Welten und verleiten beim Lesen dazu, immer langsamer zu lesen, egal, wie gruselig die Erzählung auch ist, weil man ihn nicht verlassen will. Doch Rockmusik hört niemals auf, sie ist immer da und von daher ...

"We will, we will rock you!"

5 von 5 Schallplatten

Montag, 10. Februar 2025

R.L. Stine "Gänsehaut - Das haarsträubende Buch der Schauergeschichten"


Nach dem ersten Gänsehaut-Buch habe ich direkt Lesenachschub bekommen.

In "Gänsehaut - Das haarsträubende Buch der Schauergeschichten" gibt es mehrere Geschichten von unterschiedlicher Länge zu lesen. Die einzelnen Erzählungen spielen dabei mit den jeweiligen Ängsten, die man als Kind der 1980er gehabt haben könnte.

Man merkt beim Lesen allerdings schnell, dass die Bücher schon ein paar Jahre auf dem Markt sind. Die Dinge, die hier als Schauer gezeigt werden, würden wahrscheinlich heute keinen Jugendlichen mehr Angst machen. Jahrmärkte, geheimnisvolle Gänge und dabei immer eine Gruppe von Kindern, die mindestens eins erschrecken wollen …

Doch gerade durch ihre zeitweilige Vorhersehbarkeit haben die Texte einen unglaublichen Charme, sodass man sich beim Lesen unter eine Decke kuschelt und vielleicht ein bisschen unter ihr verschwindet, wenn genau zeitgleich zum Text der Dachboden knarzt.

Nostalgie und Charme, das stelle ich in letzter Zeit vermehrt fest, sind eine gute Grundlage dafür, dass es sich um eine angenehme Lektüre handelt. Der nächste Sammelband wartet bereits auf dem SUB.

4 von 5 Schauern

Samstag, 28. Dezember 2024

Martina Brandl "Prima, fein gemacht!"

Comedy oder vielmehr Kabarett unterliegt den eigenen Gesetzen, was Witz, Anstand und Etikette angeht. Schnell stößt man als der- oder in diesem Fall diejenige, die auf der Bühne steht, an Grenzen, denn was Menschen lustig finden, ist mehr als unterschiedlich.
Denn nichts ist schlimmer, als wenn man auf Grund des Geschlechts mit dem Witz in eine bestimmte Ecke geschoben wird. Nimmt man noch die Geburt (Ostdeutsche) und den Beruf (Künstlerin) hinzu, bietet man schnell selbst viel Fläche für Hohn und Spott.
In ihrem Buch wechseln sich die Themen und Inhalte immer wieder ab, die Beiträge sind entsprechend kurz gehalten. Viele drehen sich um den neuen Hund und ihre Vergangenheit.
Einen weiteren Bestandteil ihres Programms stellen Interviews dar. Doch diese Interviews weichen sehr von dem ab, was man an Interviews kennt.
So führt sie die Interviews mit einer Wolke, einem Leuchtturm oder auch schlicht mit dem Sympathikus. 
Kreativ muss ich davor den Hut ziehen, aber ich bin ehrlich, viele der Witze ziehen bei mir nicht so gut. Den berühmten roten Faden innerhalb ihres Programms habe ich dabei aber immer bemerkt und ich bin sehr davon angetan, wie man so unterschiedliche Themen miteinanderverweben kann.

3,5 von 5 Auftritten

Donnerstag, 26. Dezember 2024

J.W. von Goethe "Faust"

Goethe trifft Busch.
So kurz und prägnant könnte man das Buch bezeichnen.
Faust auf knapp 70 Seiten zu kürzen, wobei die Seiten klein sind, und diese dann auch noch mit Illustrationen von Wilhelm Busch zu unterbrechen, hat schon was.
Denn die Kernaussage von Faust wird deutlich, auch wenn alle Irrungen und Wirrungen ausgeblendet werden.
Warum es bei Faust geht, weiß jeder, doch lohnt sich der Griff zu der gekürzten Fassung?

Ich glaube, es ist wie so oft, eine persönliche Entscheidung. Goethe-Liebhaber können in der Kürzung eine Verunglimpfung ihres Idols sehen, Geschmäcker sind eben verschieden.
Ich empfinde diese kurze Einführung in Faust eher als Möglichkeit, Leser auf das Werk sowohl von Johann Wolfgang von Goethe als auch auf Wilhelm Busch aufmerksam zu machen.

Zwei sehr unterschiedliche Schriftsteller, die vor allem den deutschsprachigen Raum sehr beeinflusst haben, treten in der beschriebenen Kürze, in eine Welt, die immer schnelllebiger und hektischer wird und in der Kürze oftmals zu Lasten von Tiefe geht.

Von Wilhelm Busch habe ich schon viel gelesen, von Goethe nicht so sehr.

Die Zeit wird zeigen, ob das Werk auch bei mir den Wunsch geschürt hat, Faust komplett zu lesen oder ob ich bei anderen Klassikern bleibe.

4 von 5 Klassikern

Dienstag, 24. Dezember 2024

Nadine Buch (Hrsg) "Großelterngeschichten"

Jeder hat "seine" Erinnerung an die Großeltern. Diese kann schön oder auch eben nicht so schön sein. Woran das liegt, hängt im Wesentlichen von den Familienverhältnissen ab. Sind die Großeltern noch die Kriegsgeneration, so können sie zumeist die Sorgen und Ängste der folgenden Generationen nicht wirklich verstehen, hatten sie doch mit ganz anderen Entbehrungen zu kämpfen als mit einem lahmen Internet.
Doch auch spätere Jahrgänge zeigen, wie oft und schnell sich die Welt verändert und das Werte damit oftmals nicht Schritt halten können.
Wenn ein Partner nicht mehr da ist, konzentriert sich die Zuwendung auf die nächsten, damit aber auch die Verantwortung.
Warum ich das alles erzähle? Weil das einige der Facetten sind, über die man ansprechen kann, wenn man von Großeltern spricht. Es ist nicht alles schlecht, aber es ist auch nicht alles gut.
Es kann Liebe geben, aber auch Desinteresse.
Und wie immer, wenn ich eine Anthologie von Nadine Buch zur Hand nehme, bin ich über ihre Fähigkeit, so viele Facetten in einer Anthologie zusammenzutragen, erstaunt und zugleich begeistert. 
Kein Thema ist vergessen, die Oma, die die Entbehrung des Krieges erdulden musst. Die Oma, die ihr Zuhause verlassen musste, die Oma, die dem Enkel etwas zusteckt und natürlich die Oma, mit der man Detektiv spielt. Und natürlich die Geschichte, die ein wenig aus der Zeit gefallen und ein bisschen mystisch wirkt, darf auch nicht fehlen.
Mal lustig, mal lehrreich, mal traurig, aber immer unterhaltsam, ist es eine wunderbare Kurzgeschichtensammlung, die zeigt, wie wichtig die Menschen in unserer näheren Umgebung sind.

5 von 5 Großeltern

Freitag, 13. Dezember 2024

Ruth Ware "Agatha Christie - Miss Marple"

Treffen sich zwölf Autorinnen und wollen der großen Dame des Kriminalromans mit ihren Darstellungen von Miss Marple Tribut zollen. So oder ähnlich könnte man die Überschrift zu diesem Buch setzen. Zwölf zumeist bekannte Kriminalautorinnen haben sich daran gewagt, was andere Autoren schon mit Hercule Poirot gemacht haben, sie haben sich ihre eigenen Fälle für Miss Marple erdacht.

In zwölf Kurzgeschichten entdeckt Miss Marple viele Orte außerhalb ihres geliebten St. Mary Mead und trifft ihre Freundinnen oder ihren Neffen, die jeweils direkt oder indirekt in die Geschehnisse verwickelt sind. 

Während alle Kurzgeschichten in ihrer Logik und ihrer Auflösung gut bis sehr gut abschneiden und auch die Fallauswahl gut zusammengestellt ist, hapert es für mich bei eigenen Geschichten mit der Darstellung der Protagonistin.
Sicherlich handelt es sich bei Miss Marple um eine ältere Dame, die körperlich nicht jeden Tag auf der Höhe ist, aber ihr Verstand, und dieser ist eklatant wichtig für ihre Beobachtungsgabe, ist glasklar.
Schon bei Agatha Christie wurde sie ein wenig unterschiedlich dargestellt.
Mal war sie etwas verschwiegener, mal von Anfang an etwas mitteilsamer, aber nie hat sie die Menschen in ihrer Umgebung hinsichtlich ihres Geisteszustandes getäuscht.
In ein paar Geschichten der neuen Anthologie nutzen die Autorinnen das Alter als Stilmittel, um dem Charakter eine individuelle Färbung zu geben.
Wem das nichts ausmacht, dem kann ich die Anthologie ans Herz legen. Wer den "klassischen" Charakter liebt, so wie ich es tue, sollte sich bewusst sein, dass es nicht Christies Miss Marple ist, die man beim Lesen antrifft.

4 von 5 Ermittlerinnen

Dienstag, 12. November 2024

R. L. Stine "Gänsehaut - Die unheimliche Kuckucksuhr"

Es gibt diese Kinderbücher, die man auch als Erwachsener nie vergisst.
Und es gibt die Kinderbücher, die in der Kindheit einfach an einem vorbeiziehen.
Letztens stehen wir im Antiquariat und dieses Buch taucht aus den dunklen Ecken der Regale auf.
Euphorie bei den anderen, bei mir: Ratlosigkeit.
Schnell war klar, die Bildungslücke ist zu schließen.

Und so saß ich die letzten Tage schmunzelnd über meinem ersten Gänsehaut-Buch.

Das Leben hat natürlich zwischenzeitlich die eine oder andere Gänsehaut beschert und so ist nicht Grusel, welcher mich durch die Seiten begleitet.
Vielmehr ist eine Geschichte, die zeigt, wie anders das Leben als Kind ist, wo die Prioritäten liegen und worum man sich sorgt.
Ein Ausflug in eine Zeit, die so ganz anders war, obwohl sie Teil von einem ist.

Das Rätsel um die Kuckucksuhr und die damit verbundene Zeitreise sind charmant zu lesen und ich merke schnell, manche Dinge sind einem immer peinlich, egal, wie alt man wird.

In kurzen Kapitel wird die Geschichte schnell und dynamisch erzählt und wer weiß, vielleicht treffe ich in einem Antiquariat auf ein weiteres Buch und wage eine neue Zeitreise.

4 von 5 Kuckucksuhren 

Mittwoch, 30. Oktober 2024

Campino "Kästner, Kraftwerk, Cock Sparrer"

Es mag im ersten Moment irritierend wirken, wenn ein Star der Punkrockszene sich in einer bekannten deutschen Universität zu einer Gastprofessur einfindet, doch sollte man sich nicht täuschen lassen, denn Punkrock und Gedichte haben mehr gemeinsam, als es im ersten Augenblick den Anschein hat.
Doch von Beginn: Anfang des Jahres war Campino von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf eingeladen worden, sich mit dem Thema Gebrauchslyrik auseinanderzusetzen.
Seine zwei doch sehr unterschiedlichen Vorträge zeigen ein breites Spektrum seiner Gedanken, denn wer hätte ohne Weiteres geahnt, dass Campino viele Texte von Erich Kästner schätzt und gerade dessen Texten auch eine Alltagstauglichkeit - eben eine Gebrauchslyrik - unterstellt. Auch wenn sich das Wort vielleicht sperrig oder sogar prüde anhört, bietet die Gebrauchslyrik genau das, was es auch zum Songtexte schreiben braucht ... Hiervon erzähle ich aber einmal nicht zu viel. 
Doch ich kann sagen, es ist spannend, wie sich Campino durch die verschiedenen Lyriker oder auch Songwriter zu sich selbst entwickelt hat und wie diese ihn auch heute noch formen. 
Kritische Äußerungen hört man vermehrt in der zweiten Vorlesung, wenn es um das Thema KI und die Rechte an Texten geht und man spürt, dass es nicht alles nur Schabernack ist. 
Campino setzt sich mit seinen Kritikern ruhig und sachlich auseinander und zeigt, dass man seine Meinung auch gesetzt und fundiert darlegen kann, ohne das berühmte Hotelzimmer zu zerlegen.
Ein erfrischender Einblick und auch ein gutes Lehrstück darin, was Texte mit Lesenden machen und wie man Ideen vermittelt oder auch zum Nachdenken animiert.
Und wichtig: Ein Gedicht braucht keinen Refrain - Erläuterung hierzu, gibt es im Buch.

4,5 von 5 Songtexten

Mittwoch, 15. Mai 2024

Alfred Vejchar (Hrsg) "Von Andromeda bis Utopia"


Streift man heute über eine Con, wirkt es so, als seien diese und ähnliche Veranstaltungen schon immer da gewesen. Doch natürlich ist dem nicht so. Der Herausgeber Alfred Vejchar nimmt uns mit auf "Eine Zeitreise durchs österreichische Fandom". Doch man darf sich nicht durch den Untertitel irritieren lassen, denn es geht genauso sehr um das deutsche Fandom, die deutschen Vereine und auch allgemein darum, wie es war, nach 1945 Science Fiction in den Alltag zu integrieren. Denn so leicht, wie wir uns das heute vorstellen, war es damals überhaupt nicht. Erstmal gab es durch die Besatzer Beschränkungen und auch untereinander waren sich die Vereinsmitglieder nicht immer grün, da wurde gespalten, was nicht mehr zusammenpasste, um später vielleicht doch wieder gemeinsame Sache zu machen.
Unterteilt in die Abschnitte: Fanstorys, Autoren & Grafiker, Vereine und Ausklang, kommt sowohl der Herausgeber, als auch mehrere andere Autoren aus dieser Zeit zu Wort und berichten, wie es war, wenn man in der Science Fiction einen Ausgleich zum Alltag fand oder die Science Fiction für manche sogar der Alltag wurde.
Viele bekannte Namen, Zeitschriften, Bücher begegnen uns auf den über 350 Seiten, die mit zahlreichen Fotos und Covern ausführlich bebildert sind.
Manche Anekdote schleicht sich auf die Seiten und die Autoren schaffen es, die Geschichte des Fandom spannend zu erzählen. Manche Rituale des österreichischen Fandom haben es sogar bis in die heutige Zeit geschafft.
Welche das sind, das gilt es beim Lesen herauszufinden.
Für Science Fiction Neueinsteiger eine wahre Fundgrube an Informationen, für Kenner dürften sich manche Lücken beim Lesen schließen.
Eine gelungene Zusammenstellung und gleichzeitig ein Zeitdokument.

4,5 von 5 fliegenden Untertassen

Danke an p.machinery für das Rezensionsexemplar.

Samstag, 17. Februar 2024

Eduardo Mendoza "Nichts Neues von Gurb"

Was passiert, wenn zwei Außerirdische auf der Erde landen, das Raumschiff einen Defekt hat und der Techniker verschwindet? 
Kurz nach der Landung verschwindet Gurb einfach und sein Vorgesetzter guckt im wahrsten Sinne des Wortes dumm aus der Wäsche. Denn ohne seinen Techniker kann er nicht zurück, also muss er ihn suchen. Doch finde mal einen Außerirdischen, der die menschliche Gestalt annehmen kann, in Barcelona im Jahr 1992 kurz vor den Olympischen Spielen. Einfach, ist anders.
Jeden Tag kommt etwas anders dazwischen und mit der Zeit übernimmt der Vorgesetzte immer mehr Wesenszüge von der Erde, was zu sehr eigenwilligen und auch komischen Situationen führt.

Die Geschichte wird im Tagebuch-Stil erzählt, was in vielen Fällen beim Lesen zum Schmunzeln führt. Wirkt ein Tagebuch oftmals steril oder zumindest durchstrukturiert, sind es gerade die Uhrzeiten und auch die jeweiligen Begebenheiten, die erwähnenswert scheinen. Der Vorgesetze wirkt nahezu hilflos ohne seinen Techniker und das anfängliche Herumirren durch Barcelona unterstützt die latente Panik. Aber gerade sie ist es, die den eigenwilligen Witz in die Geschichte bringt und für die doch sehr besondere Stimmung im Buch sorgt. 

Ein Außerirdischer, der auf der Erde landet, um eine Mission zu erfüllen, dabei seinen Techniker verliert und dafür menschliche Wesenszüge annimmt und vornehmlich Churros isst. Wer gerne einmal SF mit einem Augenzwinkern liest, sollte einen Blick in das Buch riskieren.

4 von 5 Ufos

Samstag, 30. Dezember 2023

Corinna Griesbach (Hrsg) "Ich feier das!" Haller 20

Wie unterschiedlich ein Thema interpretiert werden kann, sieht man gerade bei Kurzgeschichten und den dazugehörigen Anthologien. Zum Jahresende hatte ich das Glück zu der Sonderausgabe der Haller im Jubiläumsband 20 "Ich feier das!" einen Beitrag schreiben zu dürfen.

Während bei mir mit dem Wort "Feier" eine Party-Geschichte Gestalt annahm, haben die anderen Autorinnen und Autoren teilweise gänzlich andere Themen beigesteuert. Mal witzig, mal nachdenklich, ist es der Herausgeberin Corinna Griesbach gelungen, sehr verschiedenen Texte zusammenzutragen und sie zu einem kleinen, feinen Band zusammenzustellen, der in jedes Bücherregal passt.
Untermalt werden die Geschichten von Illustrationen, die von mehreren Künstlerinnen und Künstlern erstellt worden. 
Eine weitere Besonderheit sind die geführten Interviews mit den Schreibenden, wodurch man einen exklusiven Einblick in die Autorenwelt und deren Ambitionen erhält.

Ein Hoch auf die Kurzgeschichte und seine Ausdrucksform!

Ein Hoch auf die 20. Haller!

Wir feiern das. :-)

Die Sternebewertung entfällt auf Grund meiner eigenen Beteiligung. ;-)