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Montag, 16. Juni 2025

Boris von Brauchtisch "William Turner"

Oftmals werden Künstler während ihrer Lebenszeit verkannt und nicht als das gesehen, was sie in Wirklichkeit sind. Was mir in der Literatur nicht so oft begegnet, dafür in der Malerei umso häufiger, ist die Tatsache, dass Maler und Malerinnen Wegbereiter sind.
Ein neuer Stil, eine neue Art Farben zu nutzen oder schlicht das Schaffen einer ganz neuen Gattung. Doch oftmals standen die Zeitgenossen irritiert davor, denn es war nicht das, was sie kannten. Also musste es zwangsläufig schlecht sein.
Diese Einleitung könnte ich für mehrere Maler schreiben, denn es hat, wie ich schon erwähnte, nicht nur einen, sondern sehr viele Maler getroffen und sie somit auch oft ruiniert.
Doch bei Turner verhielt es sich ein wenig anders, erst angesehen, verliert er erst im Alter seinen guten Namen, denn die Menschen konnten immer weniger mit seinen Gemälden anfangen, je weniger sie erkennen konnten. Details finden kaum mehr statt und es scheint lediglich Farbe auf der Leinwand zu sein, allerdings keine Form.
Der Autor führt uns durch das Leben von William Turner und dies war ein bewegtes. Im wahrsten Sinne des Wortes. Turner reiste viel und seine späteren Gemälden wurden während der Reise in Skizzenbüchern festgehalten.
Gerade nachdem die Grand Tour nach den Napoleonischen Kriegen fast zum Erliegen kam, wandelt Turner nun auf Lord Byron Spuren und sie führen in entlang des Rheins und zu so vielen anderen Plätzen in Europa, die Turner im Rausch der Worte zu skizzieren beginnt.
Die Stärke des Buches ist die Zusammenführung von Geschichte, Literatur und Kunst. Wer hat wen, wann beeinflusst. Wer hat wann mit wem korrespondiert? Es ist spannend zu entdecken, welcher Künstler von einem anderen beeindruckt war und wann welcher Kunstschaffende für das Publikum vorerst verschwand.
Man muss bei dem Buch nur bedenken, es ist kein Kunstband, daher fallen die Bildbeispiele eher klein aus.

4 von 5 Gemälden

Donnerstag, 20. Juni 2024

Claudia Ahlering / Julian Voloj "Die Judenbuche"

Mit "Die Judenbuche" wagen sich die beiden Autoren an einen sehr bekannten Klassiker von Annette von Droste-Hülshoff. Wer zu meiner Zeit zur Schule gegangen ist, wird sich noch an das kleine gelbe Reclamheft erinnern und wie sehr man über den Text geflucht hat. Denn, wie das Nachwort erwähnt, vieles im Text bleibt undurchsichtig und wird zum Schluss nicht abschließend geklärt. Was allerdings gesichert ist, dass der Text eine historische Grundlage hat. Das hatte auch schon die Autorin zu ihrer Zeit bekannt gegeben.
Doch nun zum Comic:
Wie ich sagte, las ich den Text in der Schule, somit sind mir viele Einzelheiten des originalen Textes nicht mehr geläufig. Auch wird im Nachwort mehrfach angedeutet, dass die Graphic Novel ihren eigenen Ansatz und auch einen etwas verlagerten Schwerpunkt hat. 
Im Zentrum steht das Leben von Friedrich und die Diebstähle der Blaukitteln. Doch das alles ändert sich, als ein junger Jude unter einer Buche zu Tode kommt. Die Umstände bleiben im Nebel verhangen und doch scheint es für viele klar, wie es sich zugetragen hat.
Im schlichten schwarz-weiß gehalten, wirkt der Comic sehr edel, doch muss man hier direkt auf eine Einschränkung hinweisen. Durch das schwarz-weiß und teilweise fratzenhafte Erscheinungsbild, kann man mehrere Personen, ohne dass sie angesprochen werden, kaum voneinander unterscheiden. Die Geschichte ist wie schon beschrieben sehr düster, was die Tristesse, die ebenfalls mit einem schwarz-weißen Erscheinungsbild einhergehen kann, unterstreicht. 
Die Erzählung ist in sich schlüssig abgedruckt und erweicht an so mancher Stelle, sowohl für den einen als auch für den anderen Charakter, das Herz. 
Als Einführung oder auch zum Wiederauffrischen des Themas gut geeignet, bildet die Graphic Novel in ihrer modernen Darstellung ein Fenster in ein altes literarisches Thema.

4 von 5 Vorurteilen

Montag, 10. Juni 2024

Jane Austen / Claudia Kühn "Stolz und Vorurteil" Grafic novel

Nicht jeder wird Jane Austens Werk "Stolz und Vorurteil" gelesen haben, doch nahezu jeder kennt die berühmte erste Zeile:
„Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.“
Je nach Veröffentlichungsjahr wurde dieser Einleitungssatz modernisiert und an den allgemeinen Sprachgebrauch angepasst, doch zumeist bleibt der Sinn derselbe.
Die Handlung ist kurz erzählt, die Familie Bennet hat fünf Töchter, die nach Meinung der Mutter möglich alle schnell zu verheiraten sind. Als ein junger Gentleman das nahegelegene Netherfield bezieht, ist Mutter Bennet hellauf begeistert und die Heiratskarussell nimmt seinen Lauf, mit teilweise überraschendem Ausgang.
Die Graphic Novel orientiert sich sehr am originalen Text und in der deutschen Übersetzung erkennt man an vielen Stellen die Arthaus Verfilmung aus dem Jahr 2005 wieder.
Einige Drehungen und Einzelheiten müssten aufgrund der Bilder eingespart werden, aber Claudia Kühn gelingt es an den richtigen Stellen diese vorzunehmen, sodass die gesamte Handlung flüssig erzählt wird.
Die Pastellfarben und die weichen Zeichnungen untermalen das Thema, während "bedrohliche" Szenen entsprechend herausgehoben werden.
Die Umsetzung gelingt auf ganzer Linie und wer sich einmal auf andere Art in diesem Klassiker verlieren will, kann sich direkt in die Bilder fallen lassen.

5 von 5 Kirchenglocken

Freitag, 17. Mai 2024

Sophia Mott "Goethe und die Frauen"

Goethe und die Frauen. Ein Thema, oder in diesem Fall, ein Buch für sich.
Goethe ist für viele Dinge bekannt: Seine Werke, seine Tätigkeit als Geheimrat, seine Farbenlehre, seine Freundschaft mit Schiller und eben: seine Frauen.
Dabei dürften einige Frauen, wie Charlotte von Stein oder Christiane Vulpius, manchen Lesern schon bekannt sein, während seine frühen oder auch seine letzten Liebschaften gerne von den jeweiligen Familien unter den Teppich gekehrt wurden.
Denn so groß der Dichter wurde, zu Anfang war nur ein Jurastudent, der sich im Studium gehen ließ und sich nicht dem Arbeitseifer seines Vaters hingab. Und zuletzt? Mit jenseits der siebzig mit einer Siebzehnjährigen anbandeln, war auch nicht eine seiner besseren Ideen.

Und dazwischen? Goethe hatte viele Frauen. Die Autorin widmet dreizehn Kapitel den unterschiedlichsten Frauen in seinem Leben. Einige, wie seine Schwester und seine Mutter, tauchen in mehreren Abschnitten auf, doch die meisten der Liebschaften enden eher mit dem Frust der Frauen. Denn Goethe hatte den Drang wegzulaufen, und das nicht nur einmal ...

Natürlich wird parallel zu den Frauen auch Goethes Lebensgeschichte angerissen. Wie wurde er Autor und Geheimrat, wie lernte er Schiller kennen?
Mit seinen 144 Seiten ist dies ein wirklich kompaktes Buch über Goethe und doch hat es mir einige neue Einblicke in sein Leben verschafft.
Die Autorin bemüht sich in dem Sachbuch, trotz vielfacher Möglichkeiten, um eine neutrale, nicht wertende Sprache, was es sehr angenehm macht, das Buch zu lesen und sich ein eigenes Bild zu schaffen.
Als Einstieg in Goethes Leben oder auch zur Wiederauffrischung sehr gut geeignet.

5 von 5 Liebschaften

Freitag, 29. Januar 2021

Stefan Lehnberg "Durch Nacht und Wind"


Dem geneigten Leser sey dieses criminalistische Werke empfohlen. Mein Freunde Hofrat Friedrich Schiller hat unsere Untersuchungen niedergeschrieben zu Ihrem Vergnügen. Die Öffentlichkeit meynt, dass ein Hochstapler namens Sherlock Holmes das erste Ermittlerduo stellte, doch welch ein Humbug. Freilich ward es mein Freunde Hofrat Friedrich Schiller und meine Person, Geheimrat von Goethe, die die ersten criminalistischen Untersuchungen nebst der Polizey ausführet.
Wir wurden eingeladen nach Schloss Belvedere, ward dort ein Ring des Fluches bezichtigt. Ein Weib sprach, es sey ein Fluch des Ringes Macht und der Großherzog von N. ihm Untertan. So ward...

Stoppp..... Halt Herr von und zu Goethe, jetzt ist mal gut, du sollst nicht noch einmal Schillers Geschichte erzählen. Auch wenn sie wirklich grandios ist.
Wie Goethe schon erwähnte, beginnt die Geschichte damit, dass ein Ring verflucht sein soll, doch das ist nur die Spitze des Eisberges. Denn nachdem der Ring begutachtet wurde, ist der Großherzog kurzerhand danach tot.
Goethe und Schiller haben alle Hände voll damit zu tun, zu entscheiden, wer von den Beteiligten der Blender ist, wer von der Situation profitiert und warum letztlich die ganze Familie in Aufregung ist, da der Großherzog wohl kein Kind von Traurigkeit gewesen sein soll.

Wer in diesem Buch eine veränderte Variante von einer "Sherlock Holmes" oder "Hercule Poirot" Geschichte erwartet, wird nicht enttäuscht. Auf knapp 240 Seiten wird der Leser auf alle erdenklichen Abenteuer mitgenommen und doch wird der historische Kontext fein berücksichtigt. 
So werden historische Personen mit in die Geschichte eingebunden, genauso wie gerade zu dem Zeitpunkt neue Entwicklungen.
Schiller (alias Dr. Watson oder Captain Hastings) und Goethe (alias Holmes oder Poirot) bilden dabei genauso ein Gespann, wie man es von Detektivgeschichten erwartet.
Dabei kommt auch der Witz in diesem Buch nicht zu kurz.
Was mich am meisten gefreut hat ist, dass das Buch sich auch in der Schreibweise an das damalige Deutsch anlehnt und man wirklich meint, Schiller hätte es gerade zu Ende geschrieben.

5 von 5 Ermittlerduos

Dienstag, 25. Februar 2020

Alexander Puschkin "Pique Dame"


Ich finde es persönlich wunderschön, wenn Illustrationen ein Buch thematisch passend untermalen. 
In der Neuauflage von Pique Dame hat Kat Menschik sich dieser Aufgabe angenommen und ihre kleinen Kunstwerke fließen zur Begleitung des Textes in die vorliegende Auflage ein.
Pique Dame ist ein Klassiker der Kurzgeschichten und wird auch gerne im Zusammenhang mit Gothic Literatur genannt.
Die Novelle beginnt an einem Kartentisch. Mehrere Personen sitzen um den Tisch herum und spielen das Spiel "Pharo".
Alle Offiziere spielen, nur Hermann sitzt dabei und wird von den anderen belächelt. Erst als Hermann erfährt, dass die Gräfin Anna Fedotowna das Geheimnis der Karten kenne und man durch dieses Geheimnis richtig zu Geld kommen könne, lässt er sich dazu herab, sich mit dem Spiel und mit der Gräfin zu beschäftigen.
Doch es würde natürlich nicht dem Schauer beitragen, wenn man so einfach ein Geheimnis lüften könnte und so kommt es, dass man Ende der Novelle eine Hochzeit stattfindet, die nicht geplant war und dass zwei weitere Menschen nicht mehr das Leben führen können, wie sie es am Anfang der Novelle lebten.
Eine Geschichte über Moral, Anstand und auch Würde.
Das Buch ist zudem gespickt mit vielen Fußnoten, um dem Leser in der heutigen Zeit, das Spiel und die Gegebenheiten der damaligen Zeit nahezubringen.

4 von 5 Karten