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Mittwoch, 12. März 2025

Oliver Hoffmann "Moriarty und das erste Opfer"

Das erste Opfer müssen Sie finden, um die Schuld zu erkennen und somit auch den Grund für die Vorkommnisse. Dieser Aussage sieht sich Moriarty in seinem dritten Fall aus der Feder von Oliver Hoffmann gegenüber. Doch bei diesem Abenteuer hat er eine weite Anreise. Nach den Verwicklungen im zweiten Fall hatte es Moriarty, seine Frau und Molly nach Frankreich verschlagen. Doch die Bitte sich des Falles anzunehmen, lässt Moriarty alle Bedenken in den Wind schlagen. Mit seinen Angestellten, Moran und dem Amerikaner Boswell macht er sich auf die Suche nach dem berühmten Motiv, denn leider bleibt es nicht bei einem Todesfall. Tiefer und tiefer werden seine Freunde und er in die Geheimnisse der Freimaurer hineingezogen, bis selbst die höchsten Stellen dem Professor die Antworten nicht mehr vorenthalten können.
Der letzte Band einer Trilogie bildet immer den Abschluss einer Reihe und hier zeigt sich in meinen Augen die Kunst des Autors im besonderen Maße. Sind alle Fäden aus den vorigen Bänden zusammengeführt? Widersprechen sich die einzelnen Bände nicht? Sind durchgängige Handlungen logisch aufgelöst? Kommt es wirklich zu einem Abschluss oder entscheidet sich der Autor doch für ein offenes Ende?
Ohne zu viel zu verraten: Oliver Hoffmann gelingt der Abschluss. Letzte Rätsel werden gelöst und als Leser bleiben keine Fragen mehr offen. 
Hätte ich mir nach den beiden ersten Bänden einen anderen Abschlussband gewünscht? Definitiv ein großes "Ja". Die Geschichte ist gut, aber die beiden vorigen Bände haben mir beide besser gefallen. Ich hätte im Abschlussband auch ein bisschen mehr Interaktion mit den Holmesbrüder erwartet, aber jeder Autor ist anders.
Oliver Hoffmann hat mit seiner Trilogie drei Geschichten dem Holmes Universum hinzugefügt, die ein ganz anderes Licht auf den Professor werfen, als es Doyle je getan hat. Somit hat der Autor sein Ziel erreicht.

4 von 5 Kellen

Samstag, 18. Januar 2025

Oliver Hoffmann "Moriarty trinkt Tee"

It's tea time in der Baker ...
Ach nein, falsch. Wir befinden uns gar nicht in der Baker Street. Die Geschichte spielt zwar in dem Universum des Sherlock Holmes', doch er ist lediglich eine Randfigur, die ihrer Sucht zunehmend erlegen scheint. So ist es an Moriarty, die Unschuld von John H. Watson zu beweisen, denn dieser weilt im Gefängnis. Er soll einen Mann vor eine Droschke gestoßen und so dessen Schicksal besiegelt haben. Kurzerhand trommelt Moriarty die Ermittlertruppe des ersten Bandes erneut zusammen. So ziehen Molly, Colonel Moran und die Hausangestellten los und finden schnell heraus, dass der Teemagnat keine so saubere Weste hat, wie er den Eindruck vermitteln will. Noch schlimmer ist allerdings seine Frau, eine ehemals drittklassige Schauspielerin. Sie hat viel zu verlieren, denn ihr Geheimnis ...

Ich möchte nicht behaupten, dass es Sherlock Holmes Pastiches wie Sand am Meer gibt, doch es haben sich nach Sir Arthur Conan Doyle schon viele Schreibende an seinem Plot oder zumindest an dessen Personalgefüge versucht. 
Hier neue und zugleich schlüssige Ideen in eine Romanform zu gießen, bedarf viel Fingerspitzengefühl., denn die Lesenden sind wählerisch. Zu nah am Original gilt der Text als Abklatsch, zu weit entfernt und schon wird gemeckert, dass man in der Interpretation zu frei war. 
Natürlich muss Oliver Hoffmann einige Grundsätze ändern, damit seine Version des Sherlock Holmes Universums funktioniert. Gleichzeitig fährt er viele Geschütze auf, die das Viktorianische Zeitalter an Vorurteilen zu bieten hat, um den Leser von der eigentlichen Spur abzulenken.
Sein Schreibstil passt sich dabei den einzelnen Szenen wunderbar an, ruhige Szenen sind gefasst und dynamische Szenen schnell verfasst, ohne dabei in einen Thrillermodus zu entarten.
Ein Krimi der klassischen Art, der Moriarty in ein menschlicheres Licht rückt.

4 von 5 Teetassen

Montag, 22. April 2024

F. Scott Fitzgerald "Die Straße der Pfirsiche"

Wenn man sich mit klassischer Literatur beschäftigt, kommt man an Fitzgerald und somit zwangsläufig auch an seiner Frau nicht vorbei.
"Die Straße der Pfirsiche" erzählt die reale Fahrt der beiden zu ihren Eltern, um zum Frühstück Pfirsiche essen zu können. Im Nachgang wird die Realität mit der Fiktion verglichen, doch zum großen Teil stimmen beide miteinander überein. 
So mag es seltsam anmuten, dass ein "Roadmovie" als Buch erschien, doch trotz allem, hat es das Buch zu einer gewissen Popularität geschafft. Hotel an Hotel, Motorschaden an zerstörten Reifen, vieles passiert auf der Fahrt nach Alabama und auch schon hier wird offensichtlich, wie sich die Beziehung der beiden entwickeln wird. 
Sollte man nicht um die Ehe der beiden wissen, sollte man sich zuvor kurz informieren, da dies im Buch erst nach dem eigentlich Text stattfindet und für den unwissenden Leser zu merklichen Irritationen führt. Die Geschichte der Fahrt hat natürlich einen wiederholenden Charakter und auch die Beschreibung der beiden wird mit zunehmender Textlänge anstrengend. Vieles missfällt ihnen und Contenance ist für die beiden ein Fremdwort. Wenn man um die beiden weiß, ahnt man worauf es hinausläuft, doch trotzdem ist man über Bissigkeit auch gerade zu Anfang ihrer Ehe sehr erstaunt. 

3 von 5 Rostlauben

Sonntag, 14. April 2024

David Gray "Sherlock Holmes - Der Geist des Architekten"

Nachdem Watson die Baker Street 221B verlassen hat, kommt er lediglich zu Besuch, um mit Holmes neue Fälle zu klären. Ein Bekannter Mycrofts benötigt die Hilfe der beiden Ermittler, da sich in seinem neugebauten Haus ein Geist eingenistet hat. Selbstverständlich ist Holmes von Anfang an der Meinung, dass es Geister nicht gibt, dafür ist sein Verstand viel zu rational. Doch das Thema reizt ihn und so findet sich neben den beiden Ermittlern auch Inspector Lestrade ein, um den Verbrecher dingfest zu machen. Oder?
Ein neuer Holmes - ganz nach meinem Geschmack. 
Bei Holmes ist es für den Autor immer schwierig, mich zu begeistern. Zu nah am Original und ich halte die Texte für besseren Abklatsch, zu weit entfernt und ich denke, warum nennt man die Geschichte überhaupt Sherlock Holmes.
David Gray hat den Spagat für mich sehr gut geschafft. Mit dem Auftakt seiner Trilogie holt er alle wesentlichen Figuren aus den originalen Geschichten mit auf die Bühne und gibt ihnen eine jeweils eigene Nuance. Es handelt sich jeweils nur um ein kleines Detail, doch so baut er sich sein eigenes kleines Holmes Universum. Kleine versteckte Anekdoten und auch Plätze versetzen den Leser in nostalgische Stimmung, während die Geschichte neue Aspekte aus dem Charakter Sherlock Holmes lockt.
Die Illustrationen untermalen den eigenen Stil der Trilogie und es macht Spaß in die Baker Street zurückzukehren.

5 von 5 Consulting detectives

Donnerstag, 8. Februar 2024

Nele Sickel (Hrsg) "Blutspuren im Hyperraum"

Ob Hercule Poirot diese Sammlung zu schätzen gewusst hätte?
Die Frage ist berechtigt, aber sie kann leider nicht beantwortet werden.
Was sich aber sagen lässt: auch die Zukunft und die unendlichen Weiten sind vor Gefahren und auch vor Verbrechen nicht sicher.
Nele Sickel entführt uns mit der Anthologie, welche aus vier Novellen von ebenso vielen Schreiberlingen besteht, in Welten, die unserer ähnlich sind und zeigt; die Menschheit bleibt vieler ihrer Gewohnheiten treu, was das Morden und die Hinterlistigkeit betrifft.
Ermittlungen stellen alle vier Akteure der Novellen an und der Lesende wird dabei in verschiedene Welten geworfen.

Ob Detektivarbeit, die auf einem Raumkreuzfahrtschiff stattfindet, während die trauernde Mutter versucht, den Tag ihres Sohnes aufzuklären und dabei ihrer Lieblingsromandetektivin nacheifert.

Bei den Nachforschungen in dem nächsten Fall, in dem zwei Ermittler sich immer wieder vor Schüssen retten müssen, wobei sich der nicht-menschliche Ermittler fragt, wem er auf die sprichwörtlichen Füße getreten sein könnte.

Der Privatdetektiv, der immer knapp bei Kasse ist und daher jeden Job annehmen muss. Er trifft bei seinen Ermittlungen auf Shakespeare und Substanzen, die man definitiv nicht zu oft konsumieren sollte.

Zuletzt folgt die Geschichte der Herausgeberin. Was passiert, wenn wir nicht mehr das heutige Gerichtsverfahren haben und die Menschen über ein Voting und eine Charakterstudie über die Schuld eines Mörders zu bestimmen haben?

An Auswahl hätte Poirot genug und die kleinen grauen Zellen würden bei den Fällen auf Touren kommen, wenn er nicht bei seinen Methoden verharren und mit seiner Penibilität den entscheidenden Hinweis übersieht.

4,5 von 5 Blutspuren

Sonntag, 28. Januar 2024

Joshua Tree (Hrsg) "In andere Welten"

Was ist es, was eine gute Anthologie ausmacht?
Sind es namenhafte Schreibende, unentdeckte Planeten oder noch unbekannte Technologien?
Die Wahrheit liegt bekanntlich in der Mitte.
 Joshua Tree ist es mit Brandon Q. Morris gelungen, eine unterhaltende Anthologie zusammenzustellen. Mit 27 Autorinnen und Autoren ist es eine der umfangreichsten, die ich in der Science Fiction Literatur gelesen habe. Dabei gelang es den Herausgebern in der Auswahl, sehr vielfältige Texte unter dem Banner "In andere Welten" zusammenzuführen.
Sowohl die unterschiedlichen Themen als auch die sehr variablen Längen zeigen, wie flexibel die Science Fiction in ihrer Erzählstruktur ist. Mal wird gelacht, mal wird geweint, mal wird man nachdenklich gestimmt, aber immer bekommt der Lesende eine stimmige Geschichte erzählt. Wieviel Science und wieviel Fiction in der jeweiligen Erzählung dominiert, dass liegt in der Individualität des Schreibenden.
Dass der Lesende nicht jede mag oder man auch den Eindruck hat, "etwas Ähnliches" schon einmal gelesen zu haben, lässt sich nicht vermeiden, aber die Anthologie zeigt: Jeder Lesende kann seine Geschichte in den Weiten des Weltraumes oder in den Tiefen einer KI finden. Man muss nur aufmerksam lesen.

4 von 5 Welten

Samstag, 16. Dezember 2023

Juliane Stadler (Hrsg) "Richter der Nacht"

Früher war alles besser?
Die Toten oder zumindest die Betroffenen in den zehn Kurzgeschichten sehen das anders. 
Die historischen Kriminalerzählungen, zusammengestellt von Juliane Stadler, Dirk Röse und Jana Hoffhenke, spiegeln in ihrer Bandbreite die unterschiedlichen Probleme wider, denen sich die Bevölkerung des Mittelalters oder auch noch der frühen Renaissance gegenüber sahen.
Willkür, Machtgier oder schlicht das persönliche Verlangen ließ schier wahllos alle Mauern des Anstandes fallen und der einzelne Mensch und dessen Bedürfnisse mussten hinten anstehen. Wobei es sich natürlich immer so verhielt: Je mehr Macht die einzelne Person hatte, desto mehr konnte sie ihre Position missbrauchen.

Viele der Erzählungen basieren auf historischen Tatsachen oder Begebenheiten und betten ihre Verwicklungen in ein historisches Pulverfass.
Spannend zu lesen sind alle Geschichten, wobei es bei Sammlungen immer so ist, dass den Lesenden die eine oder die andere Geschichte mehr einfängt. Zu dieser Anthologie muss man allerdings sagen, dass keine Geschichte negativ auffällt und man als Leser aus jeder Geschichte mindestens eine neue historische Information mitnimmt. Alle Schreibenden haben es geschafft, historische Informationen mit einer spannenden Geschichte zu verknüpfen und eine sehr gute Anthologie geschaffen.
Nachdem weitere Anthologien aus dem Verlag auf meinem SuB verweilen, ist die Messlatte mit "Richter der Nacht" hoch gelegt.

5 von 5 Richtern

Samstag, 25. November 2023

Ana J. Reinhardt (Hrsg) "Verrufen"

Was braucht es, um dich zu schocken? Oder nein, nicht schocken, sondern vielmehr, was musst du lesen, damit es dich gruselt?
In "Verrufen" streben mehrere Autorinnen und Autoren an, dich das Fürchten zu lernen. Doch wie bei so vielen anderen Dingen im Leben, gibt es kein Rezept, um alle Lesenden gleich zu erschrecken. Der eine zuckt noch nicht einmal mit der Braue, während der andere vielleicht schon eine Gänsehaut verspürt.

Thematisch, also wo der Grusel platziert ist, ist die Anthologie sehr breit gefächert aufgestellt. Man reist durch die Zeit und an die verschiedensten Plätze, um die Szenarien der Autorinnen und Autoren kennenzulernen. Mal subtil, mal etwas plakativer stellt die Sammlung Neues und Altbekanntes vor. Dabei merkt man, dass die Schreibenden ihr Handwerk verstehen und sich nicht das erste Mal mit dieser Art von Erzählung beschäftigen.
Einige Geschichten strahlen heller durch ihre Traurigkeit (Florian Krenn), während andere einen bitterbösen Nachgeschmack zurücklassen (Nicole Hölderle).

Eine abwechslungsreiche Sammlung für einen Nachmittag, wenn draußen der Sturm an die Ecken pfeift und man sich mit dem Buch, einer Decke und einer Tasse Tee sich fürchten kann.

3,5 von 5 Gruselgeschichten 

Freitag, 24. November 2023

Dominic Sandbrook "Weg in die Dunkelheit"

Es gibt diese Bücher, die einen beim Lesen sehr belasten und doch sind sie wichtig.
Bücher über den Ersten Weltkrieg gibt es viele. Dabei das "Richtige" für sich zu finden, scheint in der schieren Masse beinahe unmöglich.
Welchen Schwerpunkt möchte man lesen? Welches Land oder welche Hintergründe interessieren einen am meisten?

So viele Fragen und so viele Perspektiven, wie soll man sich entscheiden?

"Weg in die Dunkelheit" richtet sich zwar ein jüngeres Publikum, aber gerade wenn man die Ereignisse in seinem Gedächtnis auffrischen möchte, ist das Buch besonders geeignet.
Vom Historiker Dominic Sandbrook verfasst, bietet das Buch eine gelungene Mischung aus historisch relevanten Kernfakten und Einzelschicksalen. Der Autor begleitet in jedem der Kapitel einen oder mehrere Personen, die sich im Krieg auf ihre Art besonders hervorgetan haben und berichtet anhand ihres Lebenslaufs, wie sich der Krieg entwickelt.

Die Sprache ist hierbei sachlich neutral und schlicht der Schrecken um die Ereignisse lässt das Blut von Zeit zu Zeit in den Adern gefrieren.
Man lernt viel Neues, wenn man sich nicht schon in das Thema Erster Weltkrieg eingelesen hat.

Zeitweise muss man mit dem Buch pausieren, wenn Menschlichkeit und Brutalität aufeinander treffen, aber gerade das macht das Buch in meinen Augen so lesenswert.

5 von 5 Geschichten


Dienstag, 31. Oktober 2023

Philip Kerr "1984.4"

Jeder Schreiberling hat ein Werk, das ihn beeindruckt und vielleicht auch selbst zum Schreiben animiert hat. Sich selbst hinzusetzen und die eigene Version des geliebten Buches zu schreiben, kann ein Glücksgriff werden oder aber ein Fehlgriff.
Ich schwanke immer noch mit meinem Urteil, während ich diese Zeilen schreibe.
Ich hatte das Original extra zuvor gelesen, weil es in meiner Erinnerung nicht mehr präsent genug war, um die beiden Bücher vergleichen zu können. Denn das ist es, was ein Autor mit der eigenen Version erreicht. Er wird mit dem Original verglichen. Ob bewusst oder unbewusst spielt dabei keine Rolle, er muss sich dem Vergleich stellen.

Philip Kerr siedelt seine Version "1984.4" im Jahr 2034 an. Die "freiwillige" Euthanasie ist vorgeschrieben und wird rigide durch den Senior Service kontrolliert. Florence schafft es aus dem Volk zum Service und wird zur besten Schülerin, die der Service je hatte, bis ihre eigene Mutter vorzeitig erkrankt und Florence sich bei einer Verfolgung in einem alten Kino widerfindet.

Ich mag Philip Kerrs Art zu schreiben, doch ... ich weiß nicht, wie ich das Buch bewerten soll. Das Buch ist in so vielen Punkten dem Original ähnlich, dass es kaum eine eigene Dynamik entwickelt. Die Personen bleiben grau und man hat das Gefühl, eine Kopie des Originals zu lesen, welches lediglich in ein paar Punkten modernisiert wurde. Man leidet nicht so sehr mit den Protagonisten, man hat kaum eine Bindung zu ihnen.
Das Buch als Abklatsch zu bewerten, würde allerdings dem Autoren auch nicht gerechnet. Vielleicht ist es der Tatsache geschuldet, dass das Buch posthum veröffentlicht und er keine eigene Überarbeitung mehr vornehmen konnte, was die blasse Art des Autors in dem Buch erklären könnte.
Trotzdem war das Buch es für mich als Lektion das Lesen wert. Manche großen Texte gehören unangetastet. Man kann bei einer Neuadaption so oder so nur verlieren.

Eine Sternebewertung kann ich aus den oben genannten Gründen dieses Mal nicht vornehmen.

Montag, 11. September 2023

Walter Moers "Käpt'n Blaubärs Seebär-Geschichten"

Schon kleinen Kindern wird beigebracht, dass sie nicht lügen sollen.
Nun ja, ob es sich bei den Käpt'n Blaubär-Geschichten wirklich um Lügengeschichten handelt, darüber könnte man diskutieren.
Denn oftmals wird der alte Seebär ertappt, wenn die drei Enkel mit Logik oder gar Schlussfolgerungen seine Geschichten hinterfragen oder ihn des Schummelns überführen.

Dabei ist auch Hein Blöd nicht unbedingt eine Hilfe, denn er tappt ebenfalls in das eine oder andere Fettnäpfchen und zeigt, dass er sich nicht mit Opa Blaubär abgesprochen hat.
Ob es nun das Treffen mit Baron Münchhausen ist, seine Schwäche für Marshmallows oder sonstige obskure Fahrten oder Inselbewohner, der Einfallsreichtum von Käpt'n Blaubär und damit der seines Schöpfers Walter Moers lässt kein Auge trocken.

Und wenn ihr jetzt meint, ihr seid zu alt für die Geschichten ... 

Das seid ihr nicht ...

Und das ist kein Mär ...

5 von 5 Abenteuern

Dienstag, 29. August 2023

Stefan Zweig "Sternstunden der Menschheit"

Stefan Zweig beleuchtet in seinen "Sternstunden der Menschheit" verschiedene geschichtliche Ereignisse und deren Auswirkung auf die Entwicklung der Kulturen.
Je nach Buchausgabe bekommt der Leser zwischen fünf und fünfzehn Ereignisse präsentiert.

Wobei ... 

Womit ich beim Lesen am meisten gehadert habe, ist die Auswahl der "Sternstunden". Sicherlich sind viele der Ereignisse, die Stefan Zweig auswählt, für den jeweiligen kulturellen Bereich wichtig und vielleicht auch essentiell, aber bei mehreren dachte ich nicht an das Wort "Sternstunde".
Das Wort "Sternstunde" sehe ich als Leser positiv, es ist etwas Gutes; wenn Stefan Zweig mit Kriegen als "Sternstunden" daherkommt, bin ich somit ziemlich irritiert. Das gleiche gilt für Musikstücke. Begnadet oder auch kulturell neu adaptiert, sind die Geschichten dahinter sehr interessant, aber für mich keine wahrliche "Sternstunde".

Das ist für mich z.B.: Die Erzählung über die Reise zum Südpol oder auch über die Verlegung des ersten Kabels zwischen Europa und Amerika.

Sprachlich sind die Texte auf einem hohen Niveau und keine leichte Lektüre für zwischendurch.

Das Buch und Stefan Zweigs Meinung sind allerdings ein Spiegel ihrer Zeit und zeigen auf, welches Gewicht gerade diese Ereignisse für den Autor hatten. 

Daher ist das Buch eher aus geschichtlichen - besonders sozialgeschichtlichen - Aspekten zu empfehlen.

3 von 5 Sternstunden 

Mittwoch, 23. August 2023

Oliver Hoffmann "Moriarty und der Schächter von London"

"Moriarty und der Schächter von London" spielt im Jahr 1894, als Sherlock Holmes nicht in London weilt und Mycroft Holmes auf Professor Moriarty zurückgreifen muss, um eine bestialische Mordserie zu lösen. Die Polizei ist ratlos, als mehrere wichtige Persönlichkeiten brutal ermordet aufgefunden werden. Professor Moriarty nimmt sich des Falles an und binnen kurzer Zeit hat er eine kleine Heerschar, die ihm die eine oder andere Information zuträgt. Doch werden letztlich als diese Informationen ausreichen, um den Mörder zu stoppen?

Wenn Nebenfiguren ihre eigene Buchreihe bekommen, kann das funktionieren, es muss aber nicht zwangsläufig der Fall sein.
Professor Moriarty ist einer der größten Bösewichte der Literatur und auch wenn es schon verschiedene Ansätze gab, ob Sherlock Holmes sich dessen Bösartigkeit lediglich eingebildet hat, bleibt bei vielen Lesern die Erinnerung an einen negativ besetzten Charakter.
Daher überrascht es, wenn Oliver Hoffmann ihn als Ermittler für die Krone vorstellt und ihn dabei auch recht sympathisch zeichnet.

Der erste Fall für Professor Moriarty, der zweite erscheint im Oktober 2023, präsentiert uns einen gesetzten Mann, der in der Gesellschaft geachtet und von Mycroft Holmes respektiert wird. Er wird anstelle von Sherlock Holmes zu den Ermittlungen hinzugezogen und gerät dadurch in das für die Sherlock Holmes Geschichten bekannte Katz und Maus Spiel mit dem Mörder. 

Beim Lesen merkt man an der einen oder anderen Stelle den modernen Einschlag in die Geschichte, die Sir Arthur Conan Doyle nicht gewählt hätte, aber es passt sich gut in das gesamte Setting ein.
Im Gegensatz zu anderen Pastiches bedient sich Hoffmann nicht der allzu gängigen Floskeln, sondern er baut seine eigene Sprache und die eigene Umgebung auf, in die er seine Handlung platziert.
Durch geschickte Perspektivwechsel gibt er den Lesern schon während der Lektüre kleine Einblicke, was es spannend macht, Moriartys Deduktion im Kontrast zu Sherlock zu erleben.

Wenn es mal etwas anderes als Sherlock Holmes sein darf, aber es trotzdem in seinem Dunstkreis liegen soll, ist dieses Buch wärmstens zu empfehlen.

4,5 von 5 Morden 

Freitag, 28. Juli 2023

Virginia Woolf "Ein Zimmer für sich allein"

Kennt ihr diese Menschen, die einen fragen, warum man "alte Bücher" liest? 
Gerade diesen Menschen sollte man den Essay aus dem Jahr 1929 von Virginia Woolf vorlegen.
Warum?
Weil er in vielerlei auch heute noch aktuell ist.
Der Titel ist dabei auch Programm des schmalen Buches, denn Virginia Woolf erörtert auf knapp 160 Seiten, warum eine Frau "Ein Zimmer für sich allein" und ein gewisses Einkommen benötigt, um sich vornehmlich dem Schreiben widmen zu können.
Dabei nimmt sie den Leser auf einen geschichtlichen Exkurs mit und zeigt, wann und wie Frauen anfingen zu schreiben, was William Shakespeare damit zu tun hat und warum eben diese beide Voraussetzungen (der Raum und das Einkommen) in ihren Augen unerlässlich sind.
Dabei führt sie manche Punkte mit einer solchen Pedanterie ins Feld, dass die dazukommenden Wiederholungen manche Abschnitte wie eine Hexenjagd wirken lassen. An manchen Autorinnen lässt sie kein gutes Haar und es sind diese Abschnitte, bei denen ich mit dem Kopf geschüttelt habe, weil das ihre anderen Erkenntnisse herabsetzt.
Sucht man in diesem Text wirkliche Schreibtipps einer der Frauen der Weltliteratur, so sind sie rar gesät. 
Doch was das Buch wirklich hervorragend zeigt, ist die Historie. Sowohl die Zeit vor Virginia Woolf als auch ihre eigene Zeit werden dem Leser wie ein Spiegel vorgehalten und man kann sich in der Zeit verlieren.
Das Buch gilt zurecht als ein Stück der Weltliteratur, auch wenn ich bei einigen Äußerungen der Autorin meilenweit entfernt bin, das Buch ist ein Stück Literaturgeschichte. Es hat die Literatur beeinflusst, sodass sie heute ist, wie sie ist und allein schon aus diesem Grund sollte man das Buch lesen.

3,5 von 5 Essays

Mittwoch, 31. Mai 2023

Christian Endres "Die Prinzessinnen"

Rosa, Röckchen, Benimm, Hofleben, Tratsch und Klatsch ...
Halt - Stop.
Ich will die mögliche Irreführung direkt am Anfang aufdecken, denn mit Prinzessinnen im Sinne von Märchen oder eines großen Comiczeichners hat dieses Buch so rein gar nichts zu tun.
Denn diese Prinzessinnen morden und brandschatzen, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Natürlich gegen Geld und natürlich für die Ehre - versteht sich, aber eben keine Puffärmel und Rüschen.
Dabei hat jede Prinzessin ihre Geschichte, die man nach und nach im Buch erfährt, so wie es in die Ausbildung der neue Prinzessin passt. Eigentlich sollte Narvila entführt werden, doch als die Prinzessinnen sie zurückgeben wollen, hat sie genug vom Elend einer Prinzessin. Immer wieder entführt zu werden oder alternativ auf den Prinzen zu warten, ist nicht Jederfraus Geschmack. 
So jagt sie den anderen nach und stellt sich der Bewährungsprobe, denn es ist nicht leicht eine Prinzessin zu sein.
Kämpfe gegen Sturm und Sand, Morde an Satyrn, Ogern oder gar verschrobenen Zirkeln sind das tägliche Geschäft natürlich neben Personenschutz und halsbrecherischen Befreiungsaktionen.
Die Prinzessinnen bekämpfen alles, was sich ihnen in den Weg stellt und dabei sind die fünf so individuell, wie es in ihrem Berufszweig nur möglich ist.
Schon das Cover deutet an, dass es sich nicht um die klassische Prinzessinnengeschichte handelt und doch brauchte ich einige Kapitel, um in den Text zu finden. Die Sprüche derb und oftmals unter der Gürtellinie wirken am Anfang in etwa so, als ob die Frauen unbedingt den Männern in jeglicher Art nacheifern und damit eine gewisse Verrohung einhergeht. Sicherlich ist dies auch oftmals der Fall, doch liest man, was sie alles schon erdulden mussten, versteht man ihre Gedanken umso mehr.
Der Autor zeichnet eine Helden- vielleicht auch Antiheldengattung, die mir so noch nicht untergekommen ist und setzt neben Sprüchen gerne auf wirkliche alle Wesen aus der Fantasy, die man sich vorstellen kann. Daher wird es den Prinzessinnen auch auf 480 Seiten nicht langweilig.

4 von 5 Äxten

Montag, 29. Mai 2023

George Orwell "Die großen Essays"

George Orwell hat neben seinen beiden bekannten Werken "1984" und "Farm der Tiere" auch Essays verfasst. Diese wurden seinerzeit in den unterschiedlichsten Zeitungen und Magazinen abgedruckt und bieten einen Überblick über George Orwells Leben. In Burma stationiert, in Spanien gekämpft, in Frankreich im Hospital gelandet; viele seiner Texte sind eine direkte Umsetzung seiner Gedanken vor Ort und beziehen sich auf einen ganz bestimmten Moment.
Dabei lässt er sich auch das einen oder andere Mal zum Thema Literatur verleiten und sein Text über "Bücher vs Zigaretten" nimmt wahrlich jedem "Nichtleser" den Wind aus den Segeln, aber sonst ...
George Orwell nimmt bei seinen Situationsbeschreibungen kein Blatt vor den Mund. Ist es düster - wird es so beschrieben, ist es grausig - ebenfalls. 
Doch das ist nicht das, was den Leser spätestens ab dem dritten Text ein wenig auf die Nerven geht. Fachlich mag er versiert sein, dass spreche ich ihm gar nicht ab, aber seine zeitweilige Arroganz trieft ein ums andere aus den Texten und er lässt seine Regierung, seine Literaturkollegen und alle anderen in einem schlechten Licht dastehen.
Er weiß es besser, er hat die Ahnung, oftmals überlagert das die durchaus interessanten Texte und macht sie dem Leser madig.
Trotz allem kann man Orwell nicht absprechen, dass er an den richtigen Stellen Verweise zu anderen Literaten oder Geschehnissen macht und zumindest oberflächlich scheinen seine Fakten der Realität standzuhalten.
Auch geschichtlich lernt man viel über die Essays und findet eventuell den Zugang zu geschichtlichen Aspekten, die einen vorher nicht interessiert haben. Orwell schafft es hier Neugier zu schüren und den Leser zur weiteren Recherche animieren zu wollen.
Für mich wiegt allerdings der Schatten seiner Arroganz in den Texten schwerer, sodass ich vermehrt froh war, wenn ich wieder ein Kapitel geschafft hatte. Schade.

3,5 von 5 Artikeln

Sonntag, 5. März 2023

Michael Ende "Momo"

Zeit ... Raum und Zeit ... Die Zeit rinnt mir durch die Finger ... Ich habe keine Zeit ...
Schier unendliche viele Redewendungen drehen sich um die Zeit oder darum, dass man keine hat. Fünfzig Jahre ist das Buch "Momo" inzwischen alt und doch hat es in vielerlei Hinsicht nichts von seiner Aktualität eingebüßt.
Momo ist ein kleines Mädchen, was gerne anderen Menschen zuhört. Ob jung oder alt, alle streben sie zu der kleinen Ruine, die sie sich als Unterkunft ausgesucht hat. Immer mit dabei, ein kleines Frühstück, ein Snack oder andere Leckereien, denn Momo besitzt nahezu nichts und kann sich nicht selbst versorgen, was für die Bewohner des Dorfes allerdings kein Problem darstellt.
Immer kommen die Kinder auch zum Spielen zu ihr, doch von einem auf den anderen Tag haben alle keine Zeit mehr. Sie müssen mehr arbeiten oder lernen oder sonstige Dinge tun, die vom schönen Müßiggang oder vom kreativen Spielen ablenken. 
Eine Schildkröte führt Momo in den Bereich der Stadt, wo mit der Zeit ganz anders umgegangen wird, doch ihr Ausflug verändert ihre Freunde umso mehr.
Was ist einem Menschen im Leben wichtig? Erfolg? Ruhm? Ehre? Auskommen? Liebe? Und denkt man in der heutigen Zeit, die sich wenn auch in anderer Form im Buch Seite um Seite widerspiegelt, überhaupt noch darüber nach? Man funktioniert, man geht zur Arbeit, macht den Haushalt, geht Einkaufen, kümmert sich um die Menschen um einen herum. Doch man selbst? 
Viele der kleinen Gespräche, die in dem Buch geführt werden, könnten nahezu identisch auch heute noch geführt werden. Ab einem gewissen Alter hat man keine Zeit, man versucht sie sich zu nehmen, mit mehr oder minder großem Erfolg.
Das Buch mit seiner bildhaften Umsetzung der Zeit öffnet gerade dem erwachsenen Leser die Augen und lässt ihn manche Entscheidungen hinterfragen und manche ebenso bereuen. Ein Buch, dass einen aufrüttelt die grauen Männer aus dem eigenen Leben zu vertreiben und die schönen Momente zu genießen und zu mehren.

5 von 5 Uhren

Sonntag, 15. Januar 2023

Gebrüder Grimm "Schneewittchen und andere Märchen"

Es war einmal ...
Es waren einmal zwei Brüder, die zogen aus, um die schönsten Märchen zusammenzustellen und sie als "Kinder- und Hausmärchen" zu veröffentlichen. Früher gab es wohl keinen Haushalt, der nicht die eine oder die andere Ausgabe von ihren Märchen besaß.
Heutzutage kennt man die Märchen eher aus dem Fernsehen und aus Filmen, was zu leichten Verstörungen führt, wenn man die ursprünglichen Märchen als Lektüre genießt.
Schneewittchen, Hans im Glück, Frau Holle, viele der Märchen und auch einzelne Redewendungen sind so in den deutschen Sprachgebrauch eingeflossen, dass man sich gar nicht bewusst ist, dass man die Gebrüder Grimm zitiert. 
Die bunten Rahmen, die schönen Interaktionen von MinaLima täuschen zeitweilig über die doch grausamen Enden der Geschichten hinweg, denn die Moral von der Geschicht' war damals noch nicht so weichgespült, wie es die filmischen Interpretationen danach oft waren. Bestrafung und manchmal auch der Tod drohte dem, der es wagte, anderen ein Leid zuzuführen, speziell wenn eine Königsfamilie involviert war.
Die Auswahl mag sehr eigenwillig erscheinen, denn ein oder zwei bekanntere Werke vermisst man in dieser Ausgabe und doch bilden die zwanzig Geschichten ein Potpourri vom grausamen Leid bis hin zum übermäßigen Glück. 
So erbarmungslos manche Märchen auch seien mögen, auch heute noch tragen sie die verschiedenen Botschaften in die Herzen der Menschen:
Sei fleißig und du wirst belohnt.
Sei faul und es geht dir an den Kragen.
Sei genügsam und du wirst ein schönes Leben haben.
Sei gierig und du wirst es bereuen.
Sicherlich gibt es heutzutage keine "eins zu eins" Umsetzung - aber ein bißchen weniger Verbissenheit hat noch keinem geschadet, denn dann kommen die Helfer freiwillig ins Haus.

4,5 von 5 Äpfeln

Freitag, 30. Dezember 2022

Janika Rehak & Yvonne Tunnat (Hrsg) "Der Tod kommt auf Zahnrädern"

Ein letztes Mal rastet das Zahnrad ein, ein letztes Mal lichtet sich der Dampf.
Nach fünfzehn - doch sehr verschiedenen - Geschichten braucht man als Lesender einen Moment, bis man wieder im Hier und Jetzt ankommt.
Die Schreibenden haben sich in den Geschichten mit den Thema "Tod" in seinen unterschiedlichen Facetten beschäftigt, sodass trotz des vermeintlichen engen Themenbereiches (Steampunk - Tod) sich in den Zahnrädern der Lesenden sehr eigenwillige Geschichten entfalten.
Ob märchenhaft, mystisch oder gar modern in der Vergangenheit, ob im Viktorianischen England oder gar in Deutschen Landen, die Autor:innen haben ihren Geschichten neben Tiefgang auch das passende Kleid gegeben, um die Eigenheiten des Steampunks zu unterstreichen.

Einzelne Geschichten hervorzuheben, ist bei einer Anthologie immer schwer, aber:
- Wer Vampire liebt,
- gerne Bahn fährt,
- wer noch seine Spielzeuge im Keller hat,
- wer es liebt, selbst zu ermitteln,
- wer fantastisch träumt und
- wer meint, als Erwachsener ist man noch lange nicht erwachsen, wird die passende Geschichte in der Anthologie für sich finden.
Die Herausgeberinnen haben durch die wenigen Vorgaben eine vielfältige Mischung geschaffen, bei der das Lesen eine Freude ist.

4,5 von 5 Zahnrädern

Donnerstag, 15. Dezember 2022

Jessica Müller "Tod im East End"

London, 1865.
Bereits zum dritten Mal begleitet man Charlotte und ihren Mann, Inspektor Basil Stockworth, durch das viktorianische London. In diesem Fall wurde der Lehrer einer Armenschule umgebracht und Basil hat seine liebe Mühe neben allen anderen Problemen den Mordfall zu lösen. Viele hilfreiche Charaktere, wie z.B. sein Sergeant Enoch Bennett, stehen ihm auch dieses Mal zur Seite, wenn der Fall verzwickter wird und manchmal auch nicht ganz legale Mittel zum Einsatz kommen müssen.
Doch wird der Lehrer das einzige Opfer bleiben?
Oder geht ein Killer im East End umher?
Es sei vorab gesagt, dass man die beiden vorigen Bände der Reihe gelesen haben sollte, bevor man mit "Tod im East End" startet. Jessica Müller hat neben den beiden Hauptcharakteren einige wichtige Nebenfiguren, die in der Rahmenhandlung eine Entwicklung durchlaufen, was sich auch in der gesamten Geschichte niederschlägt.
Der dritte Teil reiht sich sprachlich in die Reihe seiner Vorgänger ein und das Setting wird passend zum Fall weiterausgebaut.
Neben den bereits bekannten Figuren werden einige neue Figuren in das bestehende Personalgeflecht verwoben und die Seilschaften zwischen den Figuren erreichen einen neuen Höhepunkt.
Die Lebensumstände der verschiedenen Gesellschaftsschichten stehen dieses Mal stärker im Fokus und die Autorin verknüpft dies mit historischen Informationen über die Zeit.
Gerade beim Lesen dieser Zeilen hat man oft das beklemmende Gefühl, als ob man einen Bericht von Charles Dickens liest, der zuerst über das Elend der Armen schrieb.
Der Kriminalroman verlagert seinen Fokus mehr in die Richtung der Gesellschaftskritik als es die beiden vorigen Bände taten. Die Ermittlungen von Stockworth treten für mehrere Nebenschauplätze des Öfteren in den Hintergrund, was beim Lesen eine Abwechslung reinbringt, mich allerdings ein bißchen gestört hat.
Der Fall ist in sich schlüssig, doch hätte ich mir hier mehr von dem Fall gewünscht und weniger von den Nebenhandlungen.

3,5 von 5 Sitzbänken