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Sonntag, 10. August 2025

Reinhard Kuhnert "Was unvergessen bleibt"

In vier längeren Kurzgeschichten entführt uns der Autor in die Vergangenheit. Vor dem Hintergrund, was zählt ein Leben, widmet er sich hier dem Verlust, dem Tod und der Einsamkeit. Das mag im ersten Moment niederschmetternd klingen, doch ist dem nur bedingt so.
In der ersten Geschichte muss ein Mann seinen Hirntumor entfernen lassen und danach versuchen, sich an sein Leben zu erinnern. Die Flucht aus der DDR, der Verlust seines Bruders, Vaters und der seiner Mutter. Die erste enttäuschte Liebe, vieles, was verloren schien, treibt wieder an die Oberfläche und lässt ihn an die alten Zeiten denken.
Die zweite Geschichte beginnt mit einer Beerdigung. Nur zwei Menschen sind in das Dorf zurückgekehrt und nehmen Abschied. Was hatte der Mann falsch gemacht, dass sein Tod so wenige Menschen zu berühren scheint. Alles begann mit einer Karnevalsveranstaltung.
Die Fahrt nach Weimar läutet die dritte Geschichte ein. Bettina ist nicht begeistert, dass sie ihrem Bruder bei einem Gespräch mit der Mutter unter die Arme greifen soll. Tina war immer die Böse, die in den Westen gegangen ist und die Familie im Stich gelassen hat.
Für die vierte Geschichte geht es auf eine Insel, genauer gesagt, nach Irland. Eine Frau war unterwegs und als sie zurückkehrt, heißt es, ihr Mann sei verstorben. Doch Barde und Draufgänger, der er war, glaubt sie an eine Verwechslung.
So unterschiedlich die Erzählungen auf den ersten Blick sein mögen, alle handeln von den Beziehungen zwischen den Menschen und was im Leben wirklich zählt. 
Ist eine Meinungsverschiedenheit so wesentlich, dass man den Kontakt abbricht?
Hat ein Mensch Schuld auf sich geladen, wenn er versucht seine Familie zu beschützen?
Was bleibt von uns, wenn wir unsere Erinnerungen verlieren?
Diese vermeintlich großen Fragen werden in schöne Erzählungen gepackt und zeigen, wie wir miteinander umgehen und wie wir es stattdessen lieber sollten.

4,5 von 5 Grenzgängern

Donnerstag, 31. Juli 2025

Yvonne Tunnat, Chris Witt (Hrsg) "Ihr Körper, das Schiff"

Jede Anthologie ist eine Wundertüte, denn jede Kurzgeschichtensammlung wird durch ihre zahlreichen Wechsel getragen.
Bei 15 Geschichten, wie in dieser Zusammenstellung, müssen sich die Lesenden auf 15 Stile und 15 Themen einlassen.
15 Mal werden sie in eine Welt katapultiert, die unserer ähnlich, aber doch so ganz anders ist.
Man rauscht dabei nicht durch die Seiten, denn diese Geschichten berühren beim Lesen anders, als es reine Unterhaltungsliteratur tut. Die Texte rühren tiefer, denn auch die Themen regen mehr zum Nachdenken an. Oft wird die Science Fiction als das Genre, wenn man es so nennen will, verstanden, dass den Lesenden den Spiegel verhält. Wenn ihr jetzt nichts tut, passiert in zehn oder zwanzig Jahren diese oder jene Geschichte. 
Die Themengebiete, die die beiden Herausgeberinnen in der internationalen SF gesammelt haben, sind vielfältig. Während sich in Deutschland viele Texte mit KI oder anderer Technik beschäftigen, haben es die beiden geschafft, eine Sammlung zusammenzutragen, die nicht nur die technische Seite der Zukunft beleuchtet. Viele Erzählungen beschäftigen sich damit, was die Zukunft, die Technik, der Klimawandel oder auch die Verlangsamung des Altersprozesses mit uns Menschen macht.
Wie reagieren wir, wenn wir nach Jahren der Suche einen neuen Planeten entdecken? Was passiert, wenn es keine Sonne gibt und man sich im Kleinen organisieren muss?
Wird es uns überhaupt noch geben oder sind wir verschwunden? Oder wenn wir noch da sind, wie stellen wir uns dem Tod und dem damit einhergehenden Leid?
Yvonne und Chris schaffen es mit einer sehr guten Mischung und der entsprechenden Platzierung der Geschichten innerhalb des Buches, die Lesenden zum Nachdenken anzuregen, sie mit Problemen zu konfrontieren und so vielleicht die Augen für die Zukunft zu öffnen. Doch bei jedem dystopischen Gedanken gibt es auch den utopischen und auch wenn es oftmals zum Verzweifeln ist, die Hoffnung auf das Gute darf niemals fehlen, auch nicht in einer guten Anthologie.

5 von 5 Körpern

Danke an die Herausgeberinnen für das Rezensionsexemplar.

Samstag, 26. Juli 2025

Dan Adams "Galaxy of Shadows - Graue Zone"

Kennt ihr diese Autoren, bei denen ihr einfach alles lesen müsst, was sie schreiben? Deren Stil euch so gut gefällt, dass ihr, egal welches Genre der Autor gerade bedient, die Geschichte inhalieren müsst?
Nein? Dann tut ihr mir leid, weil es ein tolles Gefühl ist.
Ja? Willkommen im Club. :-)
Dan oder Nathan oder Jürgen schafft es seit Jahren mich mit seinen Texten zu begeistern. Er hat eine Art zu schreiben, bei der auf keiner einzigen Seite Langeweile aufkommt und bei der nicht ein Gedanke zu viel ist. 
Kennengelernt habe ich ihn über eine viktorianische Buchreihe und nun entführt er uns Leser in die Weiten des Weltraums.
Wie auch andere Space Operas hat Dan eine eigene Mischung aus Tatsachen und Fiktion geschaffen. Elemente aus der Weltraumforschung fließen in seine Geschichten genauso ein, wie erdachte Völker, Planeten und deren Konflikte.
Sein Protagonist Dag hat es sich mit seinem Geldgeber verscherzt, zu lange hat er nichts zurückgezahlt und nun soll er dessen Tochter retten. Soweit, so gut, doch damit fangen Dags Probleme erst an. Denn während der Rettung kommt es zu Übergriffen und er und sein Co-Pilot landen in der grauen Zone. In einer Welt, die fern ab von der Konföderation ihren eigenen Gesetzen gehorcht, hausen Lebewesen unter erbärmlichen Bedingungen, werden geknechtet und unterdrückt. 
Doch es braucht ein Heer, um sie zu befreien und das gibt es nicht um die Ecke.
Dan Adams verwebt im ersten Band seiner Space Opera verschiedene Arten von Konflikten: familiäre. freundschaftliche und völkerübergreifende. Dag bleibt, trotz vielschichtiger Erzählstruktur immer der Anker der Geschichte, zu dem die Handlung immer wieder zurückkehrt.
Doch trotz aller Konflikte kommen auch die Gefühle nicht zu kurz.
Neben Welten, Wesen und Konfliktideen erfindet der Autor auch Waffen, Gerätschaften, Systeme und Strukturen, die ihren eigenen Charakter haben. Alles ist auf diese Welt abgestimmt und gehorcht den eigenen Gesetzen. Der Autor schafft sein eigenes Universum, ohne dabei ein bereits bestehendes zu kopieren.
Dan Adams kreiert eine Space Opera, die den Namen Opera zurecht trägt.

4 von 5 Galaxien

Montag, 23. Juni 2025

Manfred Spitzer "Das musikalische Gehirn"

Keine Angst, bei dem Sachbuch handelt es sich nicht um einen Türstopper, sondern vielmehr um ein Buch von knapp achtzig Seiten.
An was denkst du zuerst, wenn du das Wort "Musik" hörst?
Denkst du an ein Lied?
An eine Person?
Oder eine Begebenheit?
Denn anders als die meisten Hirnfunktionen spielt sich Musik im ganzen Kopf ab. Sie verbindet verschiedene Bereiche des Gehirnes und es lässt somit kaum eingrenzen, wo sie nicht zu finden ist.
Eng mit der Emotion verknüpft, ist sie auch dem Sprachzentrum sehr nahe. Doch eigentlich "hören" wir nicht Musik; sie entsteht im Kopf. 
Und da jeder Musik woanders und mit wem anders gehört hat, hört sich Musik auch für jeden ein bisschen anders an.
Soweit ein paar der Kernaussagen des Buches.
Sicherlich wird einem beim Lesen das eine oder andere bekannt vorkommen und man erkennt sich in einzelnen Abschnitten wieder.
Das Buch zeigt hervorragend, dass man öfters auf sein Bauchgefühl hören darf, denn der Körper erschließt sich einem besser, wenn man ihm zuhört. ;-)
Mit seinen achtzig Seiten kann das Buch natürlich nur einen Einstieg in das Thema bieten, dafür ist dieser sehr amüsant. 

4 von 5 Klängen

Mittwoch, 11. Juni 2025

Frank G. Gerigk (Hrsg) "Caprice 01"

Geschichten erzeugen beim Lesen Bilder im Kopf.
Doch was passiert, wenn die Reihenfolge eine andere ist?
Es existiert ein Bild und hierzu soll eine Geschichte ersonnen werden.
Es klingt im ersten Moment ungewöhnlich, aber gerade in kleineren Verlagen hat es diese Herangehensweise schon ein paar Mal gegeben.

Das Besondere an dieser Anthologie: Der Herausgeber hat alle Grafiken selbst erstellt.
Die Autorinnen und Autoren wählten aus den doch sehr unterschiedlichen Bildern ihre Grafik aus und verfassten ihren Text.
Wie Frank G. Gerigk im Nachwort erwähnte, gab es sowohl bei der Auswahl der Bilder als auch bei den entstandenen Texten zum Teil große Überraschungen.
Denn einige Autorinnen und Autoren verließen ihr hauptsächliches Genre und andere nutzen die Illustration als Sprungbrett für eine ganz andere Art von Geschichte.
Zwanzig Illustrationen und somit auch zwanzig Texte sind in der ersten Ausgabe von Caprice zusammengekommen, die alle als fantastische Kurzgeschichten gelten.
Mal lauter, mal leiser, mal lustig, mal einfühlsam, und auch mal gruselig bietet diese Sammlung für jeden Geschmack etwas. In einigen Erzählungen steht die Technik im Vordergrund, bei anderen geht es um Stimmungen und menschliche Eindrücke.
Der Lesende, der sich noch nicht mit der Fantastik-Szene in ihrem ganzen Spektrum beschäftigt hat, bekommt hier einen guten Eindruck, was alles möglich ist: Schlicht alles.

4 von 5 Erzählungen

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Freitag, 6. Juni 2025

Caleb Everett "1000 Sprachen - 1000 Welten"

Jeden Tag nutzen wir sie, ohne sie könntet ihr diesen Beitrag nicht lesen: Sprache.
So sehr die Menschen eint, dass sie Sprache nutzen, desto mehr unterscheiden sich auch Stile, Worte und damit einhergehend Gebräuche in den einzelnen Sprachen.
Direkt zu Anfang des Buches wird deutlich, die Anzahl der Sprachen sinkt. Immer mehr Menschen konzentrieren sich auf Sprachen, die von vielen gesprochen werden und "vergessen" ihre eigene. Im Deutschen kennt man diese Entwicklung bei dem Rückgang der Dialekte.
Doch warum ist das so? Warum verkennen die Menschen, dass sie ihre eigenen Kulturen, denn nichts anders ist Sprache, vernachlässigen?
Nun der Autor gibt anhand von Experimenten und Forschungsergebnissen vielfältige Einblicke in die Entwicklung.
In einem aufgeräumten Schreibstil, der es auch interessierten Laien ermöglicht dem Thema zu folgen, erklärt er, dass es nicht nur die Unterhaltung der Menschen ist, die zur Sprache führt. Früher wurde die Sprache isoliert von allem anderen betrachtet, heute wird sie in ihrem Alltag gesehen. 
Eines der bekanntesten Beispiele ist die Tatsache, dass es in manchen Sprachen fünfzig Worte für Schnee geben soll. Gut möglich, je nördlicher man lebt. Doch wenn dieser Mensch sich mit anderen unterhält, die nicht dort leben, benötigt er diesen Wortschatz nicht mehr oder auch dann nicht, wenn er wegzieht.
Viele einfache Beispiele zeigen, dass es um mehr geht als nur Worte. Das Zeit- und Ortsverständnis, die Art, wie und auch wann man kommuniziert, selbst die nonverbale Kommunikation, alles spielt in das "große Ganze" mit rein.
Wer sich dafür interessiert, dem sei das Buch mit seinen vielen Antworten ans Herz gelegt. Doch es bleibt zu betonen; es ist ein Sachbuch, was die Konzentration und die Aufmerksamkeit des Lesers sehr fordert.

4 von 5 Linguisten

Samstag, 17. Mai 2025

Roland D. Gerste "Wie Technik Geschichte macht"

Die Technik hat in den letzten gut fünfhundert Jahren unentwegt unglaubliche Fortschritte gemacht. Beispiele? Die gibt es zahlreich. Das Buch "Wie Technik Geschichte macht" fängt mit einer für uns heute grundlegenden Technik an, dem Buchdruck.
Denn ohne die Erfindung von Gutenberg hätte sich weder die Anzahl der Menschen, die lesen können, in dem unglaublichen Tempo erhöht, noch hätten Nachrichten, Ideen oder schlicht Informationen so schnell verbreitet werden können, wie es danach der Fall war.
Ein weiteres Beispiel? Algorithmen.
Denn ohne diese und ohne Ada Lovelace und Alan Turing hättet ihr jetzt kaum ein Smartphone, Ipad oder sonstiges in der Hand und könntet diese Rezension lesen.
Natürlich sind das nur theoretische Annahmen, dass wenn es diese drei Menschen nicht gegeben hätte, diese Techniken nicht entwickelt worden wären.
In anderen Kapiteln des Buches z,B. "Der Traum vom Fliegen" oder auch "Herzschläge" wird sehr deutlich, dass es bei der Entwicklung von Technik auch oft um Zeit geht. Denn selten ist es wirklich so, dass nur eine Person über eine Entwicklung nachdenkt. Gerade bei Erfindern ist der Ehrgeiz eine nahezu unerschöpfliche Triebfeder, die es ihnen ermöglicht, über das bekannte Wissen hinaus zu denken und so neue Wege zu beschreiten.
Dass die Technik im Anschluss für Dinge verwendet wird, die die Erfinder nicht vorausgesehen haben, zeigt das Kapitel "Spaltende Kerne" und es erklärt, was einmal in der Welt ist, verschwindet auch so schnell nicht wieder.

Insgesamt lässt sich das Buch sehr flüssig lesen. Dabei sind die Kapitel sehr unterschiedlich in der Länge und auch in der Informationsdichte aufgebaut, sodass man nicht in allen Bereichen gleich viel über die Entwicklung, die vermeintliche Konkurrenz und auch die Einsatzmöglichkeiten erfährt.
Ein tolles Buch, was zeigt, wie die Welt wurde, was sie heute ist.

4 von 5 Erfindungen

Samstag, 26. April 2025

Kurt-Jürgen Heering & Jo Müller "111 Gründe, das Böse zu lieben"

Jedem ist das Böse in irgendeiner Form schon einmal begegnet. Sei es im Film, im Buch oder gar in der Realität. Doch wie wäre es, wenn es das Böse überhaupt nicht gäbe? Wenn es aufhören würde, zu existieren?
Unabhängig davon, dass das einfach unmöglich ist, greifen die beiden Autoren diesen Gedanken mehrfach im Buch auf.
Seien es fiese Schurken, reale Banditen oder durchtriebene Mörder, was bleibt, ist trotz der Gewalt die Tatsache, dass das Gute nur durch das Böse seine Wirkung entfacht. Nur dann sieht man, was Menschen Gutes tun, wozu sie sie auch in der Lage sein können.
Doch stellen die beiden auch heraus, dass es gerade beim Film die Schurken sind, die das Publikum in ihren Bann ziehen. Der Joker brilliert neben Batman, um nur eines der zahlreichen Beispiele zu nennen. Sie erhalten die Auszeichnungen, weil es anspruchsvoller wirkt, einen bösen Charakter zu spielen als den Guten.
Natürlich ist die Auswahl eine Geschmacksfrage. Und so kommen einige Schurken in dem Buch vor, die man erwartet hat, ein paar sind überraschend und wieder andere scheinen zu fehlen. Im Nachwort wird erklärt, dass es schwer ist, eine verbindliche Auswahl zu treffen, weil immer wieder neue Ideen und Gründe auftauchen, doch letztlich muss man zu seiner Zusammenstellung stehen.
Gerade bei den literarischen und filmischen Gründen handelt es sich hauptsächlich um Inhaltsangaben. Wer sich auf diesen Gebieten bereits gut auskennt, wird in den Kapiteln nicht viel Neues entdecken.

3,5 von 5 Teufeln

Donnerstag, 13. März 2025

Jörg Weigand "Die Welten des Meister Li"

Am Ufer des T'ung-t'ing-Sees steht eine kleine, schlichte Hütte. Niemand, der es nicht genauer wüsste, würde hier das Heim des Meister Li vermuten. Nahezu abgeschieden lebt er hier, nachdem er eine Beamtenlaufbahn ausgeschlagen und sich stattdessen dem Studium der weisen Bücher gewidmet hat. Seine Ansprüche sind einfach und somit begnügt er sich mit dem, was die Menschen ihm geben. Denn sein Lebensinhalt ist die Weitergabe von Wissen und vielleicht auch von ein bisschen Weisheit. Umgeben von seiner Schülerschar erfahren die Leser in 50 Kurzgeschichten, wie es sich im Leben zu verhalten gilt, wenn man denn niemanden vor den Kopf stoßen will. Dabei gilt es das Fantastische nicht zu übersehen, denn wir in der "realen Welt" kämpfen selten gegen Dämonen und Drachen. Wenn, dann tun wir dies nur im übertragenen Sinne.

Meister Li erblickte das literarische Licht der Welt für eine Kurzgeschichte in den Phantastischen Miniaturen von Thomas Le Blanc im Jahr 2012. Seitdem hat der Meister so einige Abenteuer erlebt und Schicksale geprägt. Stets mit Ruhe und Bedacht versucht er mit Hilfe seiner Bücher die Probleme der Menschen am See oder auch aus weiterer Entfernung zu lösen.
Das Wissen, ohne den berühmten erhobenen Zeigefinger, wird durch die einzelnen Kurzgeschichten an den Lesenden weitergeben. Mit Hilfe der kurzen Texte, die nicht den Charakter eines Sachbuchs haben, tröpfeln die Ideen, die Gedanken und auch die Wertvorstellungen von Meister Li wie von selbst in den Geist der Leser. Sie lassen sie einvernehmlich nicken oder auch mal den Kopf schütteln, wenn man die literarischen Bilder in das Hier und Jetzt übersetzen muss.
Auch wenn die Texte kurz sind, so empfiehlt es sich, sie portioniert zu lesen, um das Wissen und den Charme nicht durch kumuliertes Schmökern zu verfälschen.

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

5 von 5 Lehren

Mittwoch, 5. März 2025

Sven Haupt "Anahita"

Was definiert unser Dasein?
Das Geschlecht?
Die Gesellschaft?
Unsere Gene?
Oder ist es doch etwas ganz anderes?

Sven Haupt erzählt in "Anahita" die Geschichte von Aven und Christine, in einer Welt, die so ganz anders ist als die unsere.
Doch viele Verhaltensweisen sind, bedingt durch Sozialgefüge und Machtstrukturen, unveränderlich zu dem, was wir kennen.

Christine kommt mit ihrem Vater auf einen fremden Planeten, den der Uhrmacher schon einige Zeit im Visier hat. Aven, Sohn der Hohepriesterin, freundet sich mit Christine an und bringt ihr die Kultur des Planeten näher. Vieles, gerade die Flora und Fauna dieses Planeten, weicht so sehr von dem Leben am britannischen Hof ab, dass Christine nur staunen kann.
Doch wie es so ist, die Ruhe wird gestört und plötzlich wird das Leben von Christine und Aven vollkommen auf den Kopf gestellt. Krieg wird zum Tagesgeschehen und die Verluste sind so zahlreich, dass die Zeit zum Trauern nie gegeben ist. Hinterhältige Mächte ziehen am Himmel auf und der Kampf zwischen Gut und Böse gewinnt neue Dimensionen. Beide Charaktere entscheiden sich bewusst, für eine gravierende Änderung ihres Lebens und stehen in der ersten Reihe, wenn es darum geht, das zu schützen, was ihnen wichtig ist.

Schon in "Niemandes Schlaf" hat Sven Haupt gezeigt, wie Charaktere verschiedene seelische und auch körperliche Wandlungen durchleben können. "Anahita" erschafft mit dem Weltenbau noch viele andere und auch diverse Dimensionen. Steampunk, Weltraum, riesige Tiere, Bewusstseinserweiterungen, Sven lässt die Charaktere durch Welten segeln und durch Gefühle taumeln. Doch wirkt es nie gekünstelt oder effekthascherisch. All die Gedanken und Handlungen wirken in ihrer Außergewöhnlichkeit trotz allem logisch und folgerichtig. Man schüttelt beim Lesen nie den Kopf, ist der Welt oder vielmehr den Welten gefangen und muss erstmal in die Realität auftauchen, wenn das Buch zur Seite legt.

Moral, der Sinn des Lebens, Charakterstärke und das Wesen der Menschheit, in allen Büchern von Sven Haupt sind dies zentrale Aspekte, ohne dabei mit dem sprichwörtlichen erhobenen Zeigefinger zu interagieren.

Sie sind Bücher abseits des Gehirnkaugummis, den man sonst oft angepriesen bekommt, und wenn man seine Bücher verlässt, ist der eigene Geist immer durch seine Nachdrücklichkeit positiv beeinflusst. Wie sich das äußert?
Das erfährt jeder Lesende individuell, wenn er durch die Buchseiten segelt.

4,5 von 5 Uhrmachern

Donnerstag, 27. Februar 2025

Marianne Labisch (Hrsg) "Rock Planet"

"I'm on the highway to hell" ...
Stop ...
Der Weg zur Hölle ist zwar mit guten Rocksongs gepflastert, aber wir wollen doch zeitweilig auf der Erde verharren und die Musik genießen ...
"I'm on the highway ..."
Ich habe eure Aufmerksamkeit? Das ist gut!

Rockmusik, wer kennt sie nicht und vor allem, wer schätzt sie nicht? Gitarrenriffs, ein wummernder Bass und dabei Stimmen, die nicht chemisch gereinigt, sondern authentisch und pur durch die Gehörgänge pochen. 
Dabei ist es schwer, sich auf eine Band oder sogar nur auf ein Lied zu beschränken, dass für einen selbst die Liebe zur Rockmusik auslöste. Doch genau das war die Grundlage für diese Anthologie. Neunzehn Schreibende haben sich unter Marianne Labisch zusammengefunden und beginnen damit, welcher Rocksong ihre Liebe zu dieser Musik manifestierte. Dabei ist es erstaunlich, wie breit das Spektrum der Rockmusik sich gestaltet und auf welchen Wegen sie die Schreibenden traf.
So individuell, wie jeweiligen Lebenswege sind, so unterschiedlich sind auch die entsprechenden Geschichten geworden. Von kurz und knackig bis hin zu kleinen Epen, von Texten, die zum Schmunzeln einladen, hin zu Texten, bei denen in jedem Wort Philosophie mitschwingt.
Die Geschichten spielen im Jetzt, in der Vergangenheit und in der Zukunft und stets sind sie begleitet von dem Soundtrack des Schreibenden, der die Vergangenheit im Ohr hat. 
Mal verzagt, mal hingerissen, aber in allen Geschichten mit viel Emotionen, zeigt der Rock und seine Musik die Vielschichtigkeit eines Mosaiks, das aus jeder Perspektive anders, dabei aber stets besonders wirkt. 
Die Geschichten bilden einen Kokon zwischen den Welten und verleiten beim Lesen dazu, immer langsamer zu lesen, egal, wie gruselig die Erzählung auch ist, weil man ihn nicht verlassen will. Doch Rockmusik hört niemals auf, sie ist immer da und von daher ...

"We will, we will rock you!"

5 von 5 Schallplatten

Montag, 10. Februar 2025

R.L. Stine "Gänsehaut - Das haarsträubende Buch der Schauergeschichten"


Nach dem ersten Gänsehaut-Buch habe ich direkt Lesenachschub bekommen.

In "Gänsehaut - Das haarsträubende Buch der Schauergeschichten" gibt es mehrere Geschichten von unterschiedlicher Länge zu lesen. Die einzelnen Erzählungen spielen dabei mit den jeweiligen Ängsten, die man als Kind der 1980er gehabt haben könnte.

Man merkt beim Lesen allerdings schnell, dass die Bücher schon ein paar Jahre auf dem Markt sind. Die Dinge, die hier als Schauer gezeigt werden, würden wahrscheinlich heute keinen Jugendlichen mehr Angst machen. Jahrmärkte, geheimnisvolle Gänge und dabei immer eine Gruppe von Kindern, die mindestens eins erschrecken wollen …

Doch gerade durch ihre zeitweilige Vorhersehbarkeit haben die Texte einen unglaublichen Charme, sodass man sich beim Lesen unter eine Decke kuschelt und vielleicht ein bisschen unter ihr verschwindet, wenn genau zeitgleich zum Text der Dachboden knarzt.

Nostalgie und Charme, das stelle ich in letzter Zeit vermehrt fest, sind eine gute Grundlage dafür, dass es sich um eine angenehme Lektüre handelt. Der nächste Sammelband wartet bereits auf dem SUB.

4 von 5 Schauern

Mittwoch, 29. Januar 2025

Tessa Maelle & Mario Franke & Uli Bendick (Hrsg) "Science-Fiction goes Punk"

Wie viel Ahnung hast du von Science Fiction?
Warum ich das frage?
Zähle doch einmal durch, wie viele Genres du zusammen bekommst.
Hast du eine Zahl?
Ich wette, sie ist nicht annährend so hoch, wie die Anzahl, die in dieser Anthologie vorgestellt wird.

Die Herausgebenden haben ein Konzept umgesetzt, dass mir bisher in dieser Form noch nicht begegnet ist.
Zwei Protagonistinnen werden in der Einleitung vorgestellt und reisen mit Portalschlüsseln durch die verschiedenen Genres.
Dabei wird jedes Genre mit einer kurzen Einleitung vorgestellt und bekannte Bücher oder Filme dieser Gattung als Referenz benannt.
Im Anschluss folgt eine Kurzgeschichte mit den Protagonistinnen, die sich der jeweiligen Elemente des Genres bedient.
Neben den verschiedenen SF-Ansätzen merkt man auch die jeweilige Stimmfarbe des Schreibenden. So sind manche Geschichten im Ton etwas härter oder auch radikaler, andere aber auch wieder sanfter und zugänglicher.

Neben der spannenden Idee ein kleines Lexikon in die Anthologie einzufügen, zeigen die Texte, wie vielseitig Science Fiction sein kann und sich längst nicht alles um Ufos und Aliens dreht.

Viele Fragen werden in den Erzählungen laut:
Wie könnte die Menschheit überleben? Oder was wäre, wenn die Menschheit sich früher anders in ihrer Entwicklung entschieden hätte? Ist diese Welt die perfekte? Welcher Herrschende ist die richtige Wahl?
Dazu werden auch individuelle Fragen laut.

Die Protagonistinnen sind in jeder Geschichte ein bisschen anders und auch das macht den Charme der Sammlung aus. Denn, welcher Mensch verhält sich schon jeden Tag genau gleich.

Ein Buch für Science Fiction Entdecker oder auch jene, die aus ihrer präferierten SF Ecke einmal aufbrechen wollen.


5 von 5 Welten


Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Sonntag, 19. Januar 2025

Matthias A.K. Zimmermann "Imitathyos"

In einer Welt, die auf stetige Optimierung setzt, kommt sich Mina zunehmend allein vor. Doch ihren Herzenswunsch, Autorin zu werden, kann sie sich trotz des nahezu abgeschlossenen Psychologiestudiums nicht verwehren. Dabei spielt ihr in die Karten, dass ihr Computer die Abschlussarbeit "vernichtet" hat und sie dies somit als Zeichen deuten kann, dass das Schicksal ihren Gedanken gewogen ist. Eigentlich will sie sich ein paar Tage auf dem Olymp entspannen, doch zuvor erreicht sie eine Nachricht ihres Bruders, der sie, ihre Schwester und deren Freund auf die exklusive Insel "Imitathyos" einlädt.
Schon die Überfahrt hält so manche unangenehme Überraschung bereit und als die drei schließlich die Insel erreichen, ist der Bruder nicht zu sprechen. Immer wieder werden sie vertröstet und so suchen sich die drei ihre eigene Beschäftigung. Welche ungeahnten Auswirkungen dies auf die Zukunft des jeweils einzelnen und auch auf das gemeinschaftliche Gefüge haben wird, das können weder die Figuren noch der Leser erahnen. Nur der allwissende Erzähler.
Schon bei "Kryonium" hat Matthias A.K. Zimmermann gezeigt, dass er mühelos die Grenzen von Genres und auch dessen "was man schreibt" verwischen kann. So liest sich das neue Werk anfangs wie ein Selbstfindungsbuch, wird dann zum Abenteuerroman, biegt über den Thriller ab, um letztlich in der Science Fiction zu landen. Es gibt bei ihm schlichtweg keine Genregrenzen und auch der sprachliche Aufbau birgt für den Leser so einige Herausforderungen. Denn auch hier übertritt er mehrfach die Konventionen und zieht den Leser in seinen eigenen Kaninchenbau.
Als verbindendes Element begleiten den Leser durch alle Kapitel eigenwillige Worte oder Wortgebilde, welche die Besonderheiten des Romanes unterstreichen. Sie werden nach und nach aufgriffen, um spätere Resultate früheren Handlungen zuzuordnen. Kein Wort ist zuviel oder gar am falschen Platz. Man merkt an vielen Details, wie durchdacht und geplant dieser Roman ist. 
Dabei muss man ihm beim Lesen die Zeit geben, sich im Kopf entfalten zu können, denn dieses Buch ist wahrlich kein "fast food". So wirr es zwischenzeitlich erscheint und so verstörend manche Kapitel sein können, wie man so schön sagt, am Ende ergibt alles einen Sinn. Selbst für den Leser.

5 von 5 Inseln

Mittwoch, 15. Januar 2025

Dirk C. Fleck "Gefleckte Diamanten"

Ein Autorenleben in Gedanken.
Thematisch strukturiert von Marina Silalahi wird der Leser in die Gedanken von Dirk C. Fleck entführt. Dabei geht es lustig, rührend, aber auch kritisch zu.
Mit seinen über achtzig Jahren hat Dirk C. Fleck viel erlebt und so zu vielem seine Meinung.
Eingängige Sprüche und nachdenkliche Sätze wechseln sich bei der Lektüre ab und somit sind die Texte immer wieder für eine Überraschung gut.
Doch den Lesefluss hemmt diese Gestaltung ein wenig.
Oftmals fehlt der Kontext, in welchem die Aussage getroffen wurde und deswegen wirken einige Formulierungen richtiggehend verloren.
Dabei liest es sich spannend, wenn große, bekannte Ereignisse sich durch das Buch als roter Faden ziehen und Dirk C. Fleck seine Meinung zu den Dingen kundtut.

4 von 5 Textelementen

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Samstag, 11. Januar 2025

Hans-Dieter Furrer "Die geheimnisvolle Sphinx"

Wenn wir zum Buch greifen, wollen wir dem Alltag, seiner (Un-)Logik und seiner Monotonie entfliehen. Wir wollen in Welten eintauchen, die wir zwar verstehen können, die aber doch so ganz anders sind, als die, in welcher wir leben.
Viele Autoren formen eigene Welten, Welten, in denen unsere Gesetze nicht gelten und wo die Fantasie den Realismus bis zu einem gewissen Grad überlagert. Eigene nutzen aber auch unsere Welt und platzieren ihre Erzählung in sie hinein.
Und dann gibt es Ausnahmen. Ausnahmen, die die eigene Vorstellungskraft beflügeln und in ungeahnte Welten eintauchen lassen.
Was ich damit meine? Nun, Hans-Dieter Furrer hat seine eigene Art, die Leser in seine Erzählungen zu ziehen. Denn, habt ihr euch schon einmal vorgestellt, ihr steht vor einem Gemälde, starrt es an, über Monate und auf einmal findet ihr euch in dem Gemälde wieder und tanzt mit den Bauern um den Dorfanger? 
Oder ihr geht in einen Keller und kommt in einer ganz anderen Stadt wieder heraus?
Die charmante Erzählweise, der Ideenreichtum und auch der Wechsel zwischen witzigen und spannenden Texten macht diese Sammlung zu einem Leseerlebnis der ganz besonderen Art. 
Ein Autor, der durch seine eigene Art, im Buchstabendschungel des Einheitsbreis hervorsticht und einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Die meisten Geschichten in "Die geheimnisvolle Sphinx" sind zuvor in den Phantastischen Miniaturen, herausgegeben von Thomas Le Blanc in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, erschienen.

4,5 von 5 Miniaturen

Danke an pmachinery.de für das Rezensionsexemplar.

Donnerstag, 26. Dezember 2024

Anthologie "Hinter Mauern"


Während die meisten von uns das Essen der letzten Tage und die dazugehörigen Gespräche zu verdauen versuchen, steht mein Bruder Medicus schon wieder in seinem Kräutergarten oder wahlweise in seiner dazugehörigen Hütte und versucht das nächste Rätsel zu lösen.
Ihr kennt Bruder Medicus noch nicht?
Nun, das könnt ihr ändern.
Ihn und die Protagonisten der anderen sechszehn Geschichten trefft ihr in der Burgenwelt-Anthologie "Hinter Mauern".
Alle Texte sind um mindestens eine Mauer angesiedelt. Die Geschichten spielen im Mittelalter, wobei die Orte, die Mauern und die Zeiten jeweils variieren.
Manchmal trifft man in einem Text auch auf mehrere Mauern, da sich sowohl eine physische als auch eine gesellschaftliche aus der Erzählung herauslesen lassen kann.

Und da Weihnachten auch immer eine Zeit ist, um "Danke" zu sagen, möchte ich auch bei allen Beteiligten danken.
Zuerst an großes Danke an Jana, denn ohne ihren Glauben an die Idee, hätte es dieses Projekt gar nicht gegeben.
Danke an die Autorinnen und Autoren, dass ihr Jana und mir eure Texte anvertraut habt.
Danke an Detlef Klewer, dass er mit seinen Bildern die Geschichten visualisiert.
Danke an die vielen kleinen und großen Helfer hinter den Kulissen.
Danke an die Rezensentinnen und Rezensenten, dass ihr auf das Buch hinweist und eure Meinung in Worte fasst.
Danke an jeden, der dem Buch ein Zuhause gibt. 

Schaut doch einmal vorbei, hier geht's zum Buch: burgenweltverlag.de/anthologien/hinter-mauern-fluch-oder-segen.html

Samstag, 21. Dezember 2024

Autor*innenkollektiv Winterworte "Wolfswinter"

"Man sucht sich einen Wolf."
"Einem Wolf im Schafspelz darf man nicht trauen."
"Man dreht jemanden durch den Wolf."
"Er ist ein einsamer Wolf."

Der Wolf ist in vielerlei Sprichworten in unseren Sprachgebrauch verwurzelt. Dabei ist es in erster Linie nebensächlich, ob wirklich von dem Tier oder dem entsprechenden Menschen die Rede ist.

Das Autor*innenkollektiv Winterworte hat sich dem Wolfsthema angenommen und ihm als Nebenschauplatz das Thema Hunger hinzugefügt.
Sieben Geschichten präsentieren sich auf 92 Seiten und zeigen, dass das Thema "Wolf" trotz seiner fortwährenden Präsens noch nicht abgeschlossen ist.

Gleich die erste Geschichte zeigt, dass auch verschiedene "Wölfe" aufeinandertreffen können und ihre Umwelt ins Wanken bringen können.
Denn der Wolf ist immer ein Auslöser, zum Guten oder auch zum Bösen.
Er und sein Erscheinen deuten immer den Richtungswechsel innerhalb einer Geschichte an. Dabei sind die Geschichten oft von Düsternis, Trauer oder Wut getragen. Starke Gefühle, die alle Geschichten auf ihre individuelle Art in ganzer Pracht zeigen. Die dunkle Stimmung passt zur Jahreszeit, somit hätte das Kollektiv auch keinen besseren Veröffentlichungstermin wählen können.

Sprachlich unterscheiden sich die Geschichten sehr voneinander, was die Abwechslung innerhalb der Anthologie garantiert.

Doch die Texte sind nichts für schwache Nerven. Einige der Content Notes betreffen: Kannibalismus, Mord, Gewalt und Rassismus.

Wer sich diesen Themen stellen kann, erlebt, was und vor allem wer alles ein Wolf sein kann.

4 von 5 Wolfsrudeln

 Danke an die Autor*innen für das Rezensionsexemplar.

Mittwoch, 30. Oktober 2024

Weltenportal "Vampirausgabe"

Ein Tag vor Halloween und ihr habt noch nicht die passende Lektüre?
Da kann ich euch vielleicht einen Tipp geben.

Dieses Jahr haben wir beim Weltenportal eine Sonderausgabe zum Thema Vampire (weltenportalmagazin.de/ausgaben-archiv/sonderausgabe-vampire-10-2024/) gemacht, die ihr euch auf der Homepage herunterladen könnt.

Neben dreizehn Geschichten, die nicht unterschiedlicher sein könnten, haben wir im Magazinteil zusätzlich Fachartikel von Detlef Klewer und Friedhelm Schneidewind.
Weiterhin hat Judith Madera zwei Artikel über moderne Vampire und Vampire in Mangas und Animes beigesteuert.
Auf die Buchbesprechungen folgen schließlich Lyrik und zahlreiche Comics, um das Thema in seiner Vielfalt abzurunden.

Neugierig?

Und ja, ich habe in dieser Ausgabe ein kleines Jubiläum, da mit der Vampirausgabe meine zehnte Kurzgeschichte veröffentlicht wurde.

Wer wissen möchte, was eine Fledermaus und ein Eichhörnchen mit Vampiren zu tun haben, blättert in der Vampirausgabe zu meiner Geschichte "Das Vorurteil".


Montag, 26. August 2024

Seicho Matsumoto "Tokio Express"

Zwei Tote am Strand. Ein Mann und eine Frau. Zwischen ihnen eine kleine, leere Flasche. Alles deutet auf einen Doppelselbstmord hin. Der Mann war in einen Korruptionsskandal verstrickt und sah keinen Ausweg. Doch nimmt der erfahrene Polizist kleinste Unstimmigkeiten wahr und es stellt sich die Frage, geschah alles so oder ist nichts so, wie es scheint?

Mit seinen gut 200 Seiten kommt dieser feine Krimi als strukturiertes Gedankenexperiment daher. Zweifel werden gesät, nur im sie im nächsten Moment zu zerstreuen. Doch bei den zwei unabhängigen Polizisten bleibt immer der Zweifel offen. Immer wieder taucht eine Kleinigkeit auf, die nicht ins Mosaik passt und die Gedankengänge der beiden stört. Wer behält hinterher recht? Oder war alles doch nur ein ganz großes Missverständnis?

Langsam, schon fast gemächlich, baut sich die Spannung in dem Krimi auf, der bereits in den 1950er Jahren erschien. Er ist fern ab von heutigen Thrillern mit ihrer Brutalität und besticht durch Raffinesse und Fingerspitzengefühl.

Natürlich muss man sich auf die Sprache und die entschleunigte Erzählstruktur einlassen. Anfänglich passiert nicht viel und die ersten Misserfolge laden nicht dazu ein, ein Problem oder das geschürte Missverhältnis nachzuvollziehen. Doch je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr erkennt man das feine Geflecht, auf dem alles aufbaut. Hier eine Rechnung, da ein vorbeirennendes Paar, alles für sich Kleinigkeiten und doch essenziell.

Ein Krimi zum Mitraten und für einen langen Atem, denn einfach ist es nicht, die Handlungen im Überblick zu halten.

5 von 5 Zügen