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Samstag, 12. September 2026

Sophie Stein "Der neunte Kreis"

Ond ist straffällig geworden. Doch in der Zukunft geht man nicht mehr ins Gefängnis, sondern man wird therapiert. Eine Stunde. Dann ist man resozialisiert. So heißt es. Was Ond und Vasu danach blüht, gleicht einem Höllentrip, denn mit einer Stunde ist es nicht getan.
Erinnerungen, Bilder, Handlungen, alles ist überlagert. Alles ist verschwommen. Was ist real? Was ist die Hölle?

Das Buch in einem Beitrag zusammenzufassen ist äußerst schwer. Durch die verschiedenen Ebenen, die mal ernst, mal tragisch, aber auch mal lustig, dann aber auch unheimlich verstörend wirken, wird man als Leser wie bei einer Achterbahn immer wieder durchgeschüttelt. Glaubt man, den roten Faden gefunden zu haben, wechselt die Szenerie und man muss sich neu orientieren und das fällt zunehmend schwerer.
Erzählstränge wechseln sich mit Briefen und Tagebucheinträgen ab und der Vergleich mit Dantes "Göttlicher Komödie" wird immer verständlicher.
Ironie, Sarkasmus, Kritik und Zukunftsvisionen, das alles findet man auf gut dreihundert Seiten, wenn man nicht zu zart besaitet ist. Denn das Buch fordert, den Geist, das Verständnis und auch die Anpassungsfähigkeit beim Denken. Nie ist man sicher, nie ist der Weg gradlinig.
Die Autorin schüttelt den Geist des Lesers kräftig durch und regt ihn zum Denken an.
Wie kann die Zukunft aussehen?
Wie gehen wir damit um?
Was passiert mit Menschen, die anders denken?
Sie wirft sehr viele Fragen auf, auch wenn mir die Umsetzung an vielen Stellen zu heftig ist.
Aber vielleicht braucht es gerade intensive Bilder, um den Geist zu schärfen? Vielleicht braucht es den berühmten Finger auf der Wunde, um gehört zu werden.

Sicherlich ist es kein Buch, was man nebenbei liest und auch kein Buch für jeden. Doch wer sich mit Ideen auseinandersetzen will, sollte dieses Buch zur Hand nehmen, so verstörend es zuweilen auch ist.

3,5 von 5 Kreisen

Donnerstag, 10. September 2026

Sarah Fischer "Zeilen ans Meer"

Kann ein Abschied auch ein Anfang sein?
Lenas Work & Travel-Jahr in Australien neigt sich dem Ende, als sie eine Flaschenpost schreibt und ins Meer wirft. Sie kehrt nach Deutschland zurück, beginnt ein Erwachsenenleben abseits ihrer Träume und findet sich schnell in einem Alltag wieder, der so gar nichts mit ihren Wünschen zu tun hat.

Jahre nachdem die Flasche im Meer gelandet ist, schreibt ihr der australische Surfer Sam zurück. Was erst ein kultureller Austausch ist, wird schnell mehr und es steht die Frage im Raum, kann man Gefühle für jemanden entwickeln, den man noch nie gesehen hat?

Briefromane gelten seit Dracula als schwer zu lesen, manchmal auch als eintönig und fad. Es fehle an Handlung, es fehle an Emotionen, es fehle an vielem, was "Show don't tell" ausmacht.

Die Autorin hat sich trotzdem für einen Briefroman entschieden, um der Hektik der heutigen Zeit zu entfliehen. Mal eben schnell eine random Info teilen, die in fünf Minuten schon wieder unwichtig ist.
Auf die Briefe muss man warten, man muss sich mehr Zeit nehmen, um sie zu schreiben. Gerade zu Beginn, wenn die beiden sich kennenlernen, werden Briefe bewusst nicht nur am Schreibtisch geschrieben, sondern an schönen Plätzen, welche auch schriftlich festgehalten werden.
Man wandert durch die Briefe am australischen Meer, man flaniert durch München. Es sind gerade diese Anfangssequenzen, die die Starrheit des Briefromans auflösen.
Doch je länger der Briefwechsel andauert, desto emotionaler wird er. Eine Krankheit hier, ein Unfall dort, die Schulter zum Anlehnen ist nicht da.

Und dauernd schwelt die Eifersucht.

Ein Buch, das zeigt, wie schwer eine Fernbeziehung sein kann und was sie alles kostet.

5 von 5 Briefen

Dienstag, 8. September 2026

Richard Mayer "Online. Vernetzt. Gläsern"

Robert ist dreizehn und seine Eltern lassen sich scheiden. Als ob das nicht genug ist, verlangt sein Vater zudem, dass seine Mutter die gemeinsame Wohnung verlässt und Robert bei ihm bleiben soll.
Aus Wut oder auch Verzweiflung beginnt Robert ein Online-Tagebuch. Schnell entwickeln sich daraus auch Gespräche mit anderen, u.a. einer Psychologie-Studentin. Immer wieder betont Robert, wie ungerecht die Situation ist und die Studentin versucht ihm klar zu machen, dass er vorsichtig sein soll, was er sich wünscht. Denn plötzlich landet sein Kopf auf der Tastatur und er befindet sich in der Zukunft.

Das Buch richtet sich an Jugendliche, die vielleicht genau diese Situation durchmachen. Durch den jugendlichen Protagonisten, das Onlinetagebuch und eine jugendkonforme Sprache ist der Autor sehr nah an seiner Zielgruppe.
Wer ist was, wann schuld?
Wer hat sich wie verändert?
Was hätte man anders machen können?
Warum lieben sich die Eltern nicht mehr?
Dies sind nur einige der Fragen, die auf den knapp einhundertfünfzig Seiten vorkommen.

Es geht aber nicht nur um Vergangenes sondern auch um Zukünftiges. Gerade der Zeitsprung zeigt, wie sehr Erfahrungen, auch gerade negative, die zukünftige Ich prägen und wie wichtig es sein kann, an Begebenheiten zu wachsen.
Der Autor nutzt die verschiedenen Personen, um die Entwicklung Roberts zu lenken und auch ein Für und Wider aufzuzeigen.
Sicherlich ist der Alltag komplexer, doch der Autor bricht die Problematik auf die wesentlichen Bestandteile herunter.

Ein Buch, das einen Einblick gewährt, wie man sich verhalten kann, aber definitiv nicht muss.

4 von 5 Tagebucheinträgen

Montag, 31. August 2026

Spencer Johnson "Die Mäuse-Strategie für Manager"

Was ist zu tun, wenn der Käse aufgegessen ist?
In "Die Mäusestrategie" von Spencer Johnson geht es grundsätzlich um die Frage nach dem Käse, wobei dieser sinnbildlich für alles im Leben stehen kann. Zwei Zwergmenschen und zwei Mäuse werden in ein Labyrinth gesetzt. Zuerst finden sie das Käselager K, doch nach einiger Zeit ist hier kein Käse mehr vorhanden. Wie verhalten sich Mäuse und Zwergmenschen und was kann man aus der vermeintlich kleinen Geschichte für das Leben lernen?

Eingebettet ist diese Geschichte in ein Jahrestreffen von Ehemaligen. Michael erzählt seinen Mitschülern die Geschichte, die im seinem Berufsleben schon für so manche Überraschung gesorgt, denn jede dieser vier Figuren stellt einen Stereotyp dar. Während sich nach der Erzählung die Ehemaligen unterhalten, welche Figur sie aktuell sind und welche sie zukünftig sein möchten, stellt man sich als Leser auch die gleichen Fragen.

Psychologie muss nicht immer kompliziert formuliert sein. Das zeigt diese Geschichte. Vor allem zeigt sie auch, dass Stillstand nicht sein muss (immer die entsprechenden Umständen vorausgesetzt). Aus allen Zeilen, gerade nachdem Knobel sich aufmacht, sprüht der Drang nach Veränderung und der Gedanke, dass Angst meist das einzige Hemmnis ist. Natürlich liegt in der Kürze eine Wahrheit, die sicher oftmals gilt. Mit kleinen Sätzen, die zur Motivation dienlich sind, nimmt Knobel den aufgeschlossenen Leser an die Hand und zeigt, wie man sich ändern kann, wenn man es denn wirklich möchte. Der Weg ist da, man muss ihn nur gehen wollen/können.

Sicherlich sind viele Annahmen sehr schwarz-weiß gesehen, doch für Menschen, die im Job oder im Privaten etwas verändern wollen, bietet der Text gute Ansätze, um sich auf die Reise zu machen.

Leicht formuliert bergen die Aussagen trotzdem einen großen Schatz an Weisheiten.

Auf den Käse, fertig, los.

4,5 von 5 Käsestücken

Sonntag, 30. August 2026

Andreas Gruber "Der fünfte Erzengel - fünfzehn unheimliche Geschichten"

So begeistert ich von Andreas Grubers Kurzgeschichten war, so hat es fast vier Jahre gedauert, bis ich den nächsten Sammelband vom Ebook-Reader entstaubt habe. Woran lag es? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Am ehesten würde ich vermuten, dass ich mich nach dem Tod meines Vaters nicht mit Erzengeln beschäftigen und ich andererseits die Bücher in der Reihenfolge weiterlesen wollte. Und danach hat der SUB sie unter sich begraben. Beim Formatieren meines Ebook-Readers habe ich die Sammlungen wiedergefunden und die Erzengel-Anthologie in Angriff genommen. 

Auch mit etwas Abstand zu den früheren Rezensionen muss ich sagen, dass mir die Aufmachung der Anthologien immer noch sehr gut gefällt. Die Einleitungen in die Geschichten zeigen, wie viel und welche Gedanken der Autor sich bei seinen Geschichten macht. Man erfährt, wo die Geschichten zuerst erschienen und wie viel autobiografisch sein soll. Denn, und daraus macht Gruber keinen Hehl, Kreativität entsteht selten im einsamen Kämmerlein. Da kann sie höchstens wachsen. Die Ideen kommen von außen und gerade die unheimlichen gären, bis sie sich niederschreiben lassen. Dabei spielt er sowohl mit alltäglichen Szenen als auch mit Dingen, die ein Leser im eigenen Leben eher selten erlebt.

Die Geschichten setzen sich im Kopf fest, Bilder entstehen, wo man Szenerien nur angedeutet werden, es entspinnt sich ein Kopfkino, das den Leser kaum loslässt. Eine wahre Kunst.

In den 15 Geschichten reist der Leser oftmals nach Wien, aber auch mal in der Zeit zurück. Der Autor nimmt uns mit nach Tokio und in Restaurants, in denen wir nicht speisen wollen. Wie schon in den vorigen Zusammenstellungen gelingt es Andreas Gruber sich auch bei ähnlichen Settings nicht zu wiederholen und den Schauer über die Schulter krabbeln zu lassen.

Wie ich auch schon bei der ersten Rezension meinte, es ist nahezu erstaunlich, wie derselbe Autor so unterschiedliche Geschichten schreiben und mit einem einzigen Thema so gut unterhalten kann.

Drei weitere Anthologien warten noch auf dem Ebook-Reader und eins sei abschließend gesagt:

Für zarte Nerven sind diese Geschichten nichts.

5 von 5 Anthologien

Dienstag, 25. August 2026

Kathryn Taylor "Dunmor Castle 1"

Lexie ist hin und her gerissen. Einerseits freut sie sich, dass sie alleine ein Schloss zur Renovierung begutachten darf, andererseits taucht ausgerechnet dort der Konkurrent ihres Chefs auf und stellt sich als Sohn des Schlossbesitzers heraus.
Während Lexie versucht, auf ihre Professionalität zu achten, sind es gerade einige Dorfbewohner, die ihr das Leben schwer. Und als ob das alles noch nicht genug wäre, hat sie zunehmend den Eindruck, Déjà-vus zu erleben.

Dunmor Castle ist als Dilogie angelegt, was auch einige Dinge im Aufbau der Geschichte erklärt. Vielfach wirkt der Text und die Handlung ein wenig in die Länge gezogen, wobei es auch schlicht das Dorfleben ansich sein kann, was durch zahlreiche Wiederholungen und Vorwürfe den Leser madig machen kann. Fortwährend ist Lexie in einer Art Verteidigungsposition und öffnet sich gerade den Menschen, die im ersten Augenblick nicht der richtige Umgang für sie sind. 

Der Text spielt hierbei mit verschiedenen Genres. Ein bisschen Krimi, eine Prise Dramatik, ein wenig Anziehung.
Man merkt, dass das Dorfleben ein kleines Universum für sich ist und dass man es schwer hat dazuzugehören.

Der erste Band endet mit einem großartigen Cliffhanger, doch leider hat mich die Story nicht so überzeugt, um nach dem zweiten Band zu greifen.


3 von 5 Schlössern 

Dienstag, 18. August 2026

Alba Speroni "Lange schlafen"

"Geschichten zum Wochenende"
Der Untertitel dieses Bandes drückt genau das aus, was diese Sammlung möchte: Sie möchte in Ruhe gelesen werden. Ohne Hast und ohne Eile, nicht mal eben schnell im Bus oder zwischen zwei Terminen. Der Lesende soll sich bei den vierundzwanzig Texten hinsetzen, die Seele für einen Moment baumeln lassen und sich an den literarischen Möglichkeiten erfreuen.
Denn die Zusammenstellung ist mit Bedacht gewählt. Es reihen sich nicht schlicht vierundzwanzig Erzählungen aneinander.
Auch beziehen sich nicht alle Geschichten auf die Ruhe des Schlafes.
Es geht um das Gefühl, das Gefühl vom Wochenende. Vermeintlich nichts muss, alles kann. Und so ist es auch mit der Auswahl.
Da reiht sich ein kurzer Text von Thomas Mann neben ein Gedicht von Kurt Tucholsky. Man liest ein unglaublich interessantes Interview mit Nick Cave, um dann von Elke Heidenreich zu erfahren, wann das Sonntagskleid verschwand.
So reihen sich Erzählungen zum Schmunzeln, an solche zum Seufzen, an solche bei denen man eine einzelne Träne verdrücken muss.
Eine wunderschöne, stimmungsvolle Auswahl, die das Gefühl vom Wochenende und seine gewisse Leichtigkeit in die Arbeitswoche trägt.

5 von 5 Wochenenden

Danke an den Kanon Verlag für das Rezensionsexemplar.

Dienstag, 11. August 2026

Claudia Sammer "Ein zögerndes Blau"

Was passiert, wenn man seine Heimat verlassen muss?
Leon und Teres müssen dem Krieg entfliehen und landen im einem Land, dass ihnen unbekannt ist. Ihre Namen müssen sie ablegen und auch sonst bleibt ihnen nichts von ihrer Vergangenheit. Doch gerade ohne diese fassen sie kaum Fuß im Jetzt. Sie treiben in ihrem Leben dahin, kommen nie an und sind gezeichnet.
Kann ihr Leben in die richtige Bahn gelangen? Und was ist mit der folgenden Generation? Kann sie bestehen, wenn die Eltern solche Probleme haben?


Das Buch wird durch eine extreme Melancholie geprägt. Man spürt die Hilflosigkeit und auch die Gedanken, nichts an der Situation ändern zu können, aber ist das so?

Viele Entscheidungen sind bewusst getroffen und sind nicht durch die Schuld des Krieges genährt. Doch was kann man subjektiv ändern und was bleibt objektiv nicht veränderbar?

Als Gedankenanstoß ein gutes Buch, aber in seiner Umsetzung ist es mir zu einseitig.

3,5 von 5 Flüchtlingen

Freitag, 26. Juni 2026

Anja Saskia Beyer "Das kleine Café am Meer"

Der Freund hat die Tasche gepackt und am nächsten Tag läuft der Arbeitsvertrag aus. Es ist kein guter Abend für Hannah, als sie eine Nachricht von einer alten Freundin erhält, die auf Mallorca lebt. Kurzerhand kratzt Hannah ihre letzten Euros zusammen und bucht einen Flug, quasi in die Vergangenheit. Denn Lucia ist ihre Kindheitsfreundin. Das Mädchen, mit dem Hannah die Ferien auf Mallorca jahrelang verbrachte, bevor der Job ihr Leben übernahm. Während Hannah unter dem Trennungsschmerz leidet, hat Lucia ganz andere Sorgen, die auch etwas mit dem gutaussehenden Sam zu tun haben.

Schöne, malerische Strände, kleine verwunschene Orte.
Mallorca ist mehr als Ballermann und Saufen. 

Die Autorin verwebt die Geschichten der insgesamt vier Frauen so gekonnt und zeigt dabei auch, wie oft man einander im Leben begegnen kann, ohne sich wirklich zu sehen. Das Prinzip des Ich-kenne-einen-der-einen-kennt wird hier an manchen Stellen ein wenig überreizt, aber letztlich laufen alle Geschichten zusammen und bilden ein gelungenes Ende. Wobei mir hier gut gefällt, dass es nicht für alle rosig ausgeht. Denn so viele Zufälle in diesem Buch vermeintlich passieren, viele Dinge wie z.B. Neid und Missgunst sind so alltäglich, dass sie in einem Buch vorkommen müssen, denn sonst wäre zu viel Friede, Freude, Eierkuchen.

Eine Geschichte, die Mut macht und zeigt, dass es keinen festen Fahrplan für das Leben gibt und man durchaus sein Glück finden kann. Wenn man es zulässt und mit offenen Augen und Herzen durch das Leben geht.

4 von 5 Orangen

Samstag, 20. Juni 2026

Astrid Lindgren "Pippi - Das stärkste Mädchen der Welt"

Astrid Lindgren gilt bis heute als eine der Kinderbuchautorinnen - zu recht.
Denn mit ihren zumeist kleinen Heldinnen und Helden hat sie nicht nur die Kinderherzen im Sturm erobert, sie schafft es auch die Erwachsenen zu beeinflussen. Mit ihren vielen kleinen und großen Wahrheiten zeigt sie, dass wir Erwachsenen nicht nur vergessen haben, was es heißt, unbeschwert wie ein Kind zu sein, sondern uns in unseren Denkweisen auch gerne einmal verzetteln.

Das neue Buch ist in zehn Kapitel unterteilt, die zehn Charaktereigenschaften von Pippi zeigen. Jedes Kapitel ist mit einer kleinen Einleitung versehen, woraufhin eine Textpassage aus den originalen Pippi-Büchern folgt. Untermalt sind die Geschichten mit den allerersten Illustrationen von Ingrid Vang Nyman. Schlicht gehalten mit einer ausgewählten Anzahl an Farben legt das Buch wert auf eine schöne Umsetzung, doch viel wichtiger für die kleinen und großen Kinder sind die mutmachenden Eigenschaften. Wie kann man stark oder liebenswert sein?
Doch nicht nur Bilder und Texte findet man in dem Buch. Kleine Spiele, Bastel- oder auch Gesprächsideen runden das Buch wunderschön ab, denn Pippi hat für fast alles einen Rat, obwohl sie noch so jung ist.
Ein Buch für groß und klein, mit dem wichtigen Hinweis, alle Menschen sind etwas Besonderes.

5 von 5 starken Mädchen

Montag, 11. Mai 2026

Carmen Urbita, Ana Garriga "Convent Wisdom"

Was haben die IT-Girls der heutigen Zeit und Nonnen aus dem 16. Jahrhundert gemein? Trotz des enormen Zeitunterschieds haben diese Frauen die gleichen Probleme. Denn Stress in der Liebe, im Job und in der Gemeinschaft sind Themen, die unabhängig eines Kalenders bestehen.

Während die beiden Autorinnen von ihrer Studienzeit berichten, flechten sie die Probleme von zwei IT-Girls ein. Anhand von zahlreichen Quellen, darunter Briefen, zeigen sie auf, dass es schon im 16. Jahrhundert notwendig war, außenstehende Personen mit einzubeziehen, wenn die Emotionen hochkochten und das war auch schon damals nicht anders.

Die Gründe, warum man sich aufregt, mögen sich zwar gewandelt haben, doch hat sich an der Benachteiligung in gewissen Bereichen nichts geändert.

Die Autorinnen unterteilen ihr Buch in größere Kapitel, wie z.B. Liebe, Arbeit etc, um darin zu bestimmten Problemen, wie werde ich mit Kollegen fertig, Stellung zu nehmen. Ein umfangreiches Quellenverzeichnis am Schluss führt hier zu den originalen Texten.

Was bei Ratgebern sonst üblich ist, fehlt hier in meinen Augen. Es gibt kaum Schaubilder oder Zusammenfassungen zu den einzelnen Bereichen, sondern man begnügt sich mit laufendem Text. Ich fand dies stellenweise sehr ermüdend, da sich gerade Zusammenfassungen für mich besser greifen lassen.

Wissenschaftlich finde ich das Buch durchaus fundiert, doch die Aufmachung ist nicht my cup of tea.


3,5 von 5 Vergleichen

Montag, 30. März 2026

Ronald D. Gerste "Wie Krankheiten Geschichte machen"

Was wäre, wenn …
Eine Frage, die gerade im geschichtlichen Zusammenhang immer wieder fällt. Denn es gibt Daten und Ereignisse in der Geschichte, bei denen man annimmt, dass sie völlig anders verlaufen wären, wenn …

Der Autor Ronald D. Gerste nimmt den Leser in seinem Buch "Wie Krankheiten Geschichte machen" erneut mit auf eine Zeitreise. In sehr unterschiedlich langen Kapiteln erörtert der Autor z.B., was in England passiert wäre, hätte Mary Tudor Kinder bekommen und Elisabeth I. wäre nicht auf den Thron gekommen. Neben der glorreichen Zeit unter Elisabeth I. steht die Frage, wie sich der Glauben in England ohne sie entwickelt hätte.
Weitere Zeitabschnitte und große Herrscher, die er bespricht, sind: die Cäsaren, Alexander der Große, Heinrich XIII., Friedrich Ebert, Friedrich der Große, Lenin, Stalin und wie viele mehr.

Neben einzelnen Persönlichkeiten schreibt er ebenfalls über die großen Epidemien der Zeit, wie z.B. die Spanische Grippe, die Pocken oder auch die Cholera.

Neben den eigentlichen Krankheitsbilder beschreibt er auch die jeweils aktuellen Lebensumstände und zeigt damit auf, warum es Krankheiten so einfach hatten oder warum sie auch "chic" waren.
Natürlich haben Krankheiten auch in der jeweiligen Zeit Einzug in die Literatur gehalten, allerdings sind diese Beispiele eher in der Minderzahl.

Ob kurz oder lang in den Abschnitten des Buches vermittelt der Autor eine Menge Wissen über die Zeit. Sollte man speziell an den Krankheiten interessiert sein, so sei allerdings erwähnt, dass der informative Anteil über diese sehr stark in den einzelnen Abschnitten schwankt. Manchmal ist es nur eine Randnotiz und man hätte sich gerade bei der Person mehr gewünscht.

Doch alles im allem bin ich immer wieder erstaunt, wie es der Autor vermeintlich spielend schafft, durch seine Wortwahl und die passenden Bezüge die Inhalte schon beim ersten Lesen im Gedächtnis zu verankern. Eine große Leistung für ein Sachbuch.


4 von 5 Krankheiten

Freitag, 13. März 2026

Katharina Henz "Validieren: Wie echtes Erkennen und Anerkennen Beziehungen transformiert ..."

Vieles ist in der heutigen, hektischen Zeit schwerer geworden. Aktives Zuhören ist eine wichtige Sache, die wir zunehmend verlernen.
Eine besonders aufmerksame Form des Zuhörens ist das Validieren. In acht Kapiteln bringt die Autorin dem Lesenden den Unterschied zwischen Zuhören, aktivem Zuhören und Validieren sachkundig bei.

Was sich im ersten Moment wie eine Mammutaufgabe anhört, ist im Kern eigentlich recht simpel, wenn man einmal den Zugang hierzu gefunden hat.
Mit Situationen aus der psychologischen Praxis erläutert sie die Unterschiede und zeigt, warum die Menschen sich oft bevormundet fühlen.

Ein kleines Beispiel? 

Niemand, wirklich niemand, kann sich zu einhundert Prozent in einen anderen Menschen hineinversetzen. Somit sind sämtliche Ratschläge, wie "Ich würde das so und so angehen" hinfällig.
Denn keiner kann sich wirklich in die Lage des anderen versetzen. Warum? Das erklärt die Autorin an mehreren Sachverhalten. Zum einen lassen wir unser Gegenüber selten ausreden, bevor wir eine Diagnose stellen. Wir fahren dem anderem über den Mund, weil wir sein Leid mindern wollen, doch oft wird er gegenteilige Effekt ausgelöst.

Durch die Beispiele, die sich auf Arbeitskollegen, Kinder, Kranke, Eltern und Vorgesetzte beziehen, ist das Thema bei weitem nicht so abstrakt, wie es zuerst den Anschein hat.

Man lernt, Menschen besser zu verstehen, man lernt einen neuen Umgang miteinander. Ob man ihn täglich und gerade in Stresssituationen immer anwenden kann, ist für mich im Moment noch fraglich, doch zeigt dieses Buch, dass psychologische Themen greifbar sind, wenn sie gut und eingängig formuliert werden.

Die Kapitel haben jeweils einen Themenschwerpunkt und an Ende eines jeden werden die Kernaussagen mit Stichworten zusammengefasst. Optische Einrückungen und Kästen heben Themen und Beispiele zur besseren Lesbarkeit hervor.

Ein großes Lob an die Autorin, die das Thema für mich sehr verständlich und interessant dargelegt hat.

5 von 5 Sitzungen


Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Montag, 23. Februar 2026

Gregor Jungheim (Hrsg) "Der Sammler glücklicher Tage"

Ein kitzelnder Windhauch, der Eindruck eines Blickes, es gibt viele Momente im Leben, die surreal wirken, obwohl wir uns in unserer Realität befinden und doch … Es gibt dieses Element, was uns aufhorchen lässt, das uns in unserem Alltag stocken lässt, weil es nicht ganz real scheint. Dieses Genre hat einen eigenen Namen "Magischer Realismus". Abseits der ausgetretenen Pfade der Genres erlebt der "Magische Realismus" in den letzten Jahren eine Renaissance.
Denn er spiegelt das vermeintlich Beste aus beiden Welten wider, wobei der Autor jeweils selbst entscheidet, wie stark das Fantasy-Element in seiner Geschichte ausgeprägt ist.

In dieser Anthologie zeigt der Herausgeber wie facettenreich das doch eng gesteckte Thema wirklich ist. Denn viele Probleme unserer Welt: Neid, Mobbing, Trauer, Macht über andere und weitere Themen werden in den einzelnen Erzählungen beleuchtet. Allen gemein ist die Tatsache, dass es leise Geschichten sind. Sie kommen ohne cineastische Elemente aus und bestechen durch ihren Tiefgang und ihren Drang, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen. Denn gerade das magische Element hat für mich eine katalytische Wirkung. Es unterstreicht den Kern des Textes und wirkt länger nach, als es bei mir andere Fantasy-Kurzgeschichten tun.
Dem Herausgeber ist zudem eine Mischung gelungen, die ebenfalls abseits der gängigen Probleme havariert und somit Einblicke in menschliche Lebenssituationen gibt, die bisher verborgen blieben.

Mit 330 Seiten hat die Anthologie einen durchschnittlichen Umfang und wie immer gilt, bei Kurzgeschichtenbänden hat man seine Lieblingstexte und eben solche, die man lediglich gut findet. Kurze und länger Erzählungen wechseln sich wie auch die Themen ab, sodass sich eine gute Mischung ergibt.

4 von 5 magischen Elementen

Freitag, 13. Februar 2026

André Groenewoud "Das wollte ich Ihnen noch sagen"

Ein Jahrhundert in Interviews.
Nicht alle Menschen sind zum Helden geboren, bei vielen ergeben sich die Umstände entsprechend.
André Groenewoud hat Menschen zum Gespräch gebeten, die man kennt oder vielleicht auch nicht.
Denn nicht jeder Mensch liebt die Öffentlichkeit und ihr entsprechendes Interesse.
So unterschiedlich die Menschen sind, so verschieden waren auch ihre Leben.
Was sie eint, ist das Wissen, dass sie bei besonderen Ereignissen der Weltgeschichte dabei waren.

Der Autor hat sich bemüht, einen Querschnitt an Interviewpartnern zu finden.
Da gibt es den letzten Überlebenden des Ersten Weltkrieges, die letzte Überlebende des Titanic-Unglücks. Er trifft eine Regisseurin, die um ihren Ruf kämpfte, und Frauen, deren Männer Diktaturen vorstanden.
Er spricht mit Kindersoldaten und Geflohenen, er unterhält sich mit Politikern und einer Sekretärin.

Was ihm damit unglaublich gut gelingt, ist, dass man wirklich viele Perspektiven der Geschichte erkennt. Gerade wenn er zwei Lebensläufe in einem Jahrzehnt gegenüberstellt, schafft er es Unterschiede, Vorurteile und Gemeinsamkeiten zu beleuchten.

Zu den jeweiligen Interviews erzählt er, in welchem Lebensabschnitt sich der Gesprächspartner gerade befindet, wodurch er oder sie sich auszeichnet und erklärt auch die Umstände des Interviews.

Das Buch ist ein Zeitdokument, weil es beweist: Jeder Mensch ist ein Sandkorn, das den Lauf der Weltgeschichte unter den richtigen Bedingungen verändern kann.

4 von 5 Gesprächen

Mittwoch, 4. Februar 2026

Pascal Mercier "Der Fluss der Zeit"

Die meisten kennen Pascal Mercier durch seinen Roman "Nachtzug nach Lissabon", doch der vorliegende Band zeigt, dass er seine philosophischen Gedanken auch in kürzeren Erzählungen aufleben lassen kann.
"Der Fluss der Zeit" umfasst fünf Kurzgeschichten. Jede für sich ist eine Perle und zeigt, wie gut der Autor Menschen und ihre Emotionen verstehen konnte. Dabei sind die Gedanken nicht verkopft oder wie man sonst Philosophie empfinden kann.
Es sind alltägliche Situationen, in denen er die Wärme, den Unmut, die Angst, die Nostalgie und die Gereiztheit nicht nur skizziert, sondern sie trotz der Kürze der Texte auch ebenfalls ergründet.

- Ein alter Mann verkauft sein Haus.

- Ein Klavierspieler bekommt eine Wohnung geschenkt.

- Ein Mann wartet auf seinen Befund.

- Ein Mann will nicht mehr leben.

- Ein Mann überdenkt sein Leben.

So unterschiedlich die Themen sind, Mercier schafft es mit jeder Geschichte etwas im Leser zu rühren. Jeder kennt diese Gefühle, auch wenn sie im eigenen Leben vielleicht in anderen Situationen aufgetreten sind.

Die Geschichten sind leise - ohne Vorwurf. Vielfach sind sie Reflexionen und zeigen das Geschehnis von beiden Seiten. Denn es ist, wie es ist, man sieht immer nur seine eigene Seite und nie komplett die des Gegenübers.
Ein Kurzgeschichtenband, der einen wie eine warme Decke umschließt und Nichtigkeiten verblassen lässt.


5 von 5 Flüssen

Samstag, 31. Januar 2026

Saskia Karges "Amatea"

Ruth hat einen Traum. Den Traum einer eigenen Stadt. Einer Stadt, die autark sein soll, auch wenn sie sich der Begrifflichkeit und der weitreichenden Folgen mit ihren gerade einmal zwölf Jahren noch nicht bewusst ist. Seitdem sie mit Bauklötzen spielt, will sie bauen. Türme, Brücken, Häuser. Architektur bedeutet ihr alles. Nur mit den Menschen hat sie es nicht so. Sie sind ihr rätselhaft und Ruth findet nur wenige Menschen, mit denen sie sich austauschen kann.
Während die Weltbevölkerung steigt, Krankheiten aussterben, baut sie weiter an ihrem Traum. Sie kommt auf eine Schule, wo ihr Talent entdeckt und sie gefördert wird. Doch mehrere Schicksalsschläge lassen sie ihr Projekt aufgeben. Zu tief sitzt der Schmerz, sodass sie ihr Leben umgestaltet und ihren Traum ausschließt. Erst an der Uni bemerkt sie, dass ihr Traum sich ohne sie weiterentwickelt hat. Plötzlich ist sie wieder mittendrin und ist sich der Ausmaße ihrer Idee noch immer nicht klaren, bis die Welt, wie sie sie kannte, zusammenbricht.
Wer schon einmal eine Dystopie gelesen hat, weiß, dass es um die großen Fragen geht. Klimawandel, Überbevölkerung, Verarmung oder Stromausfälle sind nur einige der möglichen Themen, die dieses Genre aufgreift. Saskia Karges beschränkt sich nicht auf einen Teilbereich dessen, sondern sie geht das große Ganze an. Anhand von Ruths Leben zeigt sie auf, wie sich die Lebensbedingungen innerhalb einer Generation ändern können. Wie Menschen, die einem nah scheinen, in dieser Zeit eine ganz andere Vorstellung der Zukunft entwickeln können und sich dabei auch Extremen zuwenden.
Die Geschichte von Ruth zeigt vieles. Individuelle Entwicklung, Gruppenzwang und auch die damit einhergehende Abhängigkeit. Sie zeigt, dass es durch Globalisierung und Vernetzung viel leichter ist, Dinge zu ändern, sowohl zum Positiven als auch zum Negativen.
Doch Saskia schreibt es ruhig. Die Geschichte kommt fast ohne cineastische Action aus, denn die Taten der Protagonisten sprechen für sich. Die Dystopie nähert sich in ihrer Umsetzung einem Familienroman, da im Zentrum immer Ruth und um ihr Umfeld stehen und auch die kleinen Dramen genauso wichtig sind wie die großen Veränderungen. An einigen Stellen greift die Autorin auch ein und gibt einen Ausblick auf zukünftige Geschehnisse, was für mich ein bisschen den Überraschungseffekt mindert.
Doch zeigt gerade der Schluss, dass sie bei mancher Vorhersehbarkeit ein Ass im Ärmel hat und die Geschichte anders endet, als man es lange Zeit vermutet.
Eine Dystopie, die sich nicht nur auf Krankheit und Tod stützt, sondern auch sehr auf Moral und menschliche Hingabe zielt. Die zeigt, dass Ideen gut gemeint, aber hinterhältig umgesetzt werden können. Ein Buch, welches Konsequenzen aufzeigt, die andere Dystopien ausblenden. 

4 von 5 "Traum"städten

Samstag, 24. Januar 2026

Klaus Hammer "Die Schöne und das Tier"

Es war einmal ... Eine ganz bestimmte Gattung von Büchern fängt genauso an. Es war einmal ... Eine Untergruppe dieser Gattung nennt sich Feenmärchen und über diese handelt dieses Buch.
Feenmärchen, so erklärt der Autor, entstanden am französischen Hof gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Sie bildeten eine gelungene Mischung aus Sagen, mündlichen Überlieferungen und gleichzeitig Lehren für die Prinzen und Prinzessinnen.
Zehn Märchen hat der Autor versammelt und sie nahezu im originalen Klang ihrer Zeit belassen. Alle Texte stammen aus dem Französischen. Bekannte Namen wie Charles Perrault, Gabrielle-Suzanne de Villeneuve und Jean-Jacques Rousseau finden sich zusammen, um dem Subgenre zu widmen. Die Feen oder auch ihre Vorstellungen vom Leben spielen eine zentrale Rolle in den jeweiligen Geschichten und Texte wie "Die schlafende Schöne" und "Die Schöne und das Tier" dürften vielen Lesern unter anderem Namen und ein wenig verändertem Inhalt durchaus bekannt sein.
Beim Schwelgen in den Texten bemerkt man schnell, dass diese Märchen auch so grausig wie andere Märchen ihrer Zeit sein können, doch der Fokus ein wenig mehr auf der Bildung der guten Sitten liegt. Ein Mensch soll gut, sonst sieht man die negativen Folgen direkt im Text.
Was mir erstaunlich vorkommt, ist die Länge der jeweiligen Geschichten. Wie der Autor beschreibt, wurden sie auch am Hof kultiviert und auch wenn er im Vorwort von Buchclubs spricht, würde ich gerne einen Blick in die Zeit werfen, um die Wirkung dieser Texte zu betrachten.
Ein Stück Zeit- und Literaturgeschichte, das für alle Märchenliebhaber ein wahrer Gewinn ist.

4 von 5 Feen

Samstag, 17. Januar 2026

Marianne Labisch & Kiran Ramakrishnan (Hrsg) "Tales of Science II"


Kein anderes Genre wird so technisch und realistisch empfunden wie die Science Fiction. Mit ihren Facetten Utopie und Dystopie gehen die Geschichten den beiden Strömungen nach: was wäre wenn, einmal im positiven und ein einmal im negativen Sinn. Herangezogen werden für die Texte oftmals eigenes Wissen oder eine entsprechende, individuelle Recherche.

Doch was passiert, wenn den Schreibenden Fachleute aus der Forschung zur Seite gestellt werden? Wenn die Autoren direkt aktuelle, manchmal noch nicht veröffentliche Studien in ihre Ideen einbauen und so eine ganz neue Form der Fantasie entwickeln können?
Das Ergebnis hält man mit diesem Buch in Händen.

Mit siebzehn Geschichten und knapp dreihundert Seiten wird hier ein Anthologie veröffentlicht, die sich durch ihre Voraussetzungen stark von anderen Science Fiction Sammlungen unterscheidet. Die Texte lesen sich oftmals wie eine wissenschaftliche Abhandlung und man muss sich stets vor Augen halten, dass es trotz allem fiktive Texte sind. 

Die Bandbreite der Themen beschränkt sich nicht nur auf das Dauerbrenner KI sondern die Herausgeberin hat hier auf Vielfalt geachtet. Biologie, Physik, die Besiedlung anderer Planeten und auch die DNA werden in den Geschichten in den Fokus gestellt.

In allen Texten bildet der Mensch und seine Handlungen den Kern und andere Wesen sowie die Natur dienen als Nebenschauplätze. Auch wenn es im ersten Augenblick paradox wirkt, auch die Emotionen kommen nicht zu kurz. Die Menschen reflektieren ihre Handlungen und Beweggründe. Doch auch in Zukunft regiert auch oftmals das Geld die Aktionen und nicht das, was richtig wäre.

Eine gelungene Mischung, die neugierig auf einen weiteren Band macht.

4 von 5 Zukunftsszenarien

Mittwoch, 14. Januar 2026

Kari Leibowitz "Wintern"

Winter: Kalt, nass, trüb.
Das sind die ersten Worte, die dem Leser zum Thema Winter einfallen.
Es ist früh dunkel, alle sind genervt und gestresst.
Doch liegt es wirklich am Winter? Oder ist es vielmehr unsere Einstellung?

Auf knapp 370 Seiten geht die Autorin dieser Frage nach. Sie bereist verschiedene Länder und Zeitzonen, in denen der Winter eine sehr unterschiedliche Auswirkung auf das Leben der Menschen hat. Es werden Erhebungen gestartet, Tests durchgeführt und sie beobachtet die Menschen. Zudem werden auch zahlreiche Forschungen mit dem Schwerpunkt "Winter" ins Leben gerufen und ohne zu viel vorab zu sagen, es ist nicht nur die Schuld des Winters.

An vielen Beispielen, gerade aus den nördlicheren Ländern, zeigt die Autorin, dass es der Umgang mit dem Winter ist, der uns straucheln lässt. Viele Menschen wollen das ganze Jahr hindurch das gleiche Leben führen, den gleichen Aktivitäten nachgehen und sind frustriert, dass das Wetter ihnen einen Strich durch die Rechnung macht. Hier zeigt die Autorin Lösungen auf. Tipps und Tricks, was man gerade im Winter besser machen kann als im Sommer und vor allem, wie man seine Einstellung zum Winter ändern kann.

Durch die vielen Beispiele kommt es im Buch oft zur Wiederholung von Aspekten, was man aber auch dem Lernprozess zuschreiben kann. Denn je öfter man etwas liest, desto besser verfestigt es sich.
Trotzdem es sich um ein Sachbuch handelt, sind die Forschungsergebnisse und Thesen so formuliert, dass man den Inhalten gut folgen kann.

4 von 5 Wintermonaten