Freitag, 20. Februar 2026

Jorn Lier Horst "Clue 2. Jagd auf die Juwelendiebe"

Bereits zum zweiten Mal sind Celina, Une und Leo auf ein Rätsel gestoßen. Warum versucht jemand nachts in Celinas Zimmer zu kommen und viel wichtiger, warum liest jemand eine Zeitung, die über ein Jahr alt ist?
Schnell stellt sich heraus, dass vor einem Jahr ein Juwelier ausgeraubt wurde und ein ehemaliger Bewohner der Skutebucht zurückgekehrt ist.
Doch hat das alles etwas mit dem Tod von Celinas Mutter zu tun? Ein wenig lichtet sich auch hier das Dunkel.
Sicherlich kann man den zweiten Band auch ohne Kenntnis des ersten lesen. Die wichtigsten Personen und Begebenheiten werden wiederholt und so kommt man gut in die Geschichte.
Wie schon bei dem ersten Band bin ich der Meinung, dass nur Kinder mit Leseerfahrung an diesem Buch schon ihren Spaß haben werden.
Denn neben der gut durchdachten Detektivgeschichte hat der Autor dieses Mal Fragen zum Thema "Zeit" mit eingebaut. Was ist Zeit? Wie viel Zeit hat man? Oder auch die Frage, warum vergeht Zeit unterschiedlich schnell?
Weiterhin hat er den Ort der Handlung in die Nähe von Bunkeranlagen gelegt, sodass er hier ebenfalls einen geschichtlichen Exkurs machen kann.
Es ist wieder ein rundherum gelungenes Kinder-Detektivbuch geworden. Man verschlingt die Seiten und ist sowohl von der Geschichte als auch von den anderen Informationen schlicht gefesselt.
Ich freue mich schon auf den dritten Band.

4,5 von 5 Rätseln

Donnerstag, 19. Februar 2026

Christian Hardinghaus "Die Spionin der Charité"

Die Zeiten im Widerstand sind hart. Laufend werden Verletzte hereingebracht und nur in Sekunden muss entschieden werden, ob ihnen noch zu helfen ist. Doch das ist nicht die einzige Sorge von Professor Sauerbruch und seinen Mitarbeitern. Denn es gilt den Wunsch an ein freies Deutschland hochzuhalten und sich nicht unterkriegen zu lassen. Sauerbruch und einige seiner Mitarbeiter, u.a. Lily, gelten als Spione oder Gegner des derzeitigen Regimes. Als um 1944 die ersten Versuche eines Wechsels scheitern, fühlen auch sie sich immer weiter an die Wand gedrängt und der Alltag besteht aus Hoffen und Bangen.

Lily erzählt ihre Geschichte und die von Fritz Kolbe Jahre später einem amerikanischen Journalisten in einem Interview. Doch je länger er bei ihr ist, desto mehr wird ihr siebter Sinn aktiv. Irgendetwas stimmt mit diesem Mann nicht, doch was?

In zwei ineinander verschachtelten Geschichten führt uns der Autor zwei sehr verschiedene historische Ereignisse vor Augen, die er ein wenig an seine Erzählung angepasst hat. Die Rückblicke in den Zweiten Weltkrieg sind den Lesern vielleicht vertrauter als die Geschichte rund um das Interview, doch beide Texte haben ihren Reiz und auch ihre Überraschungen.
Ein Blick in die Vergangenheit, der noch nicht so oft in Büchern thematisiert wurde und daher sehr spannend zu lesen war.

Der Autor schafft es, die Menschen zu beschreiben, ohne sie per se zu verurteilen und gibt der Erzählung somit einen sehr gelungenen Rahmen.
Wer sich für diese Zeit der Weltgeschichte interessiert, dem sei das Buch sehr ans Herz gelegt.


4,5 von 5 Operationen

Dienstag, 17. Februar 2026

Keris Stainton "Was in den Träumen steht"

Eigentlich ist Beas Plan ein ganz einfacher. Jede Nacht träumt sie von ihrem Traummann und trifft ihn in einem Park. Also packt sie ihre Sachen, zieht nach London in die Nähe des Parks und schaut immer wieder vorbei, ob der Traummann nicht doch einmal in real auf der Bank sitzt. Berieselt von RomComs und Liebesgeschichten hat sie gar keine Zweifel, dass der Mann im Park der Mann für ihr Leben sein muss.
Zwischen der Arbeit in einer Buchhandlung, den Querelen eines WG-Lebens und einem plötzlichen Familiendrama versucht Bea zu erkennen, was sie wirklich will und was ihr gegebenenfalls die Literatur oder eben auch ihr Traum vorgaukeln will.

Eine fluffige Geschichte unterlegt mit Liebesfilmen aus den 90iger-Jahren und dem Wissen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Die Autorin schafft es, eine gewisse Leichtigkeit in den Text einfließen zu lassen, obwohl die angesprochenen Themen mitnichten leicht sind. Die Träume und die daraus resultierende Liebesgeschichte sind nur ein Teil des Ganzen. Es geht auch viel um Freundschaft, eigene Identität und der Frage, was muss ich tun, um ich selbst zu sein (ohne Räucherstäbchen).

Vor der Kulisse Londons ist es ein gutes Buch für alle, die Notting Hill lieben.

4 von 5 Filmklassikern

Montag, 16. Februar 2026

Kristyna Litten "Ivy und Bärlock Holmes. Fall 1: Die rätselhafte Blume"

Bärlock Holmes hat sich in Bärona den Titel des besten Detektivs erarbeitet und er ist nicht der Einzige in der Familie, der eine feine Spürnase besitzt. Seine Enkelin Ivy ist ebenso auf einem guten Weg in die Fußstapfen ihres Opas zu treten.
In ihrem ersten gemeinsamen Fall ermitteln sie, wohin eine besondere Blume verschwunden ist. Sie war kurz davor zu blühen, als jemand sie entführt hat. Verdächtigte gibt es einige, denn die Blume ist von unschätzbarem Wert. Aus ihr kann man einen besonderen Honig kreieren, welcher sich teuer verkaufen lässt. Ein spannendes Abenteuer erwartet die beiden Ermittler.

Oftmals wird Sherlock Holmes in zahlreichen Synonymen verwendet, wenn man eine Detektivreihe vorstellen will. Zu sehr ist er immer noch in den Köpfen der Leser präsent, doch selten erreichen die neuen Adaptionen den Scharfsinn ihres Vorbildes. 

Bärlock Holmes schlägt eine wunderbare Brücke. Die Figur ist zum Bär geworden, die Weisheit des großen Detektives ist noch immer vorhanden, doch seine spitze Zunge wurde für das jüngere Publikum entschärft. Er erklärt geduldig, wie z.B. Honig hergestellt wird und zeigt seiner Enkelin, wie sie am besten mit den Rätseln beginnt. Die gelungene Comicumsetzung hilft, die Geschichte auch in den Bildern nachzuverfolgen und bietet somit den Einstieg zwischen Vorlesen und eigenem Lesen.

Große Bilder und zahlreiche Rätsel bieten Spaß für Klein und Groß und wecken den Spaß, Dingen auf den Grund zu gehen.
Ein wunderschönes Buch, sowohl inhaltlich als auch optisch.
In meinen Augen ist es ab fünf Jahren geeignet.

5 von 5 Honigbienen

Freitag, 13. Februar 2026

André Groenewoud "Das wollte ich Ihnen noch sagen"

Ein Jahrhundert in Interviews.
Nicht alle Menschen sind zum Helden geboren, bei vielen ergeben sich die Umstände entsprechend.
André Groenewoud hat Menschen zum Gespräch gebeten, die man kennt oder vielleicht auch nicht.
Denn nicht jeder Mensch liebt die Öffentlichkeit und ihr entsprechendes Interesse.
So unterschiedlich die Menschen sind, so verschieden waren auch ihre Leben.
Was sie eint, ist das Wissen, dass sie bei besonderen Ereignissen der Weltgeschichte dabei waren.

Der Autor hat sich bemüht, einen Querschnitt an Interviewpartnern zu finden.
Da gibt es den letzten Überlebenden des Ersten Weltkrieges, die letzte Überlebende des Titanic-Unglücks. Er trifft eine Regisseurin, die um ihren Ruf kämpfte, und Frauen, deren Männer Diktaturen vorstanden.
Er spricht mit Kindersoldaten und Geflohenen, er unterhält sich mit Politikern und einer Sekretärin.

Was ihm damit unglaublich gut gelingt, ist, dass man wirklich viele Perspektiven der Geschichte erkennt. Gerade wenn er zwei Lebensläufe in einem Jahrzehnt gegenüberstellt, schafft er es Unterschiede, Vorurteile und Gemeinsamkeiten zu beleuchten.

Zu den jeweiligen Interviews erzählt er, in welchem Lebensabschnitt sich der Gesprächspartner gerade befindet, wodurch er oder sie sich auszeichnet und erklärt auch die Umstände des Interviews.

Das Buch ist ein Zeitdokument, weil es beweist: Jeder Mensch ist ein Sandkorn, das den Lauf der Weltgeschichte unter den richtigen Bedingungen verändern kann.

4 von 5 Gesprächen

Donnerstag, 12. Februar 2026

Autoreninterview James Goodwin

Wer meinem Account schon länger folgt, weiß, dass ich bereits die Romanfigur Mr. Tingwell bei der Veröffentlichung des ersten Bandes interviewen durfte. Nun hat sich der Autor selbst Zeit genommen und beantwortet meine Fragen.

Willkommen in der Zukunft und im Internet, Mr. Goodwin.

(Cover: digital publishers, Grafik: Maximilian Wust)

Am 20.1.26 erschien dein zweiter Band um den Ermittler Arthur Tingwell. Doch eigentlich ist dieser kein Polizist. Wie kamst du auf den Gedanken, einen Bibliothekar als Ermittler einzusetzen?
Ich wollte einen Ermittler erschaffen, der eine positive Weltsicht hat, jemand, der aus einer großen Leidenschaft Kraft gewinnt. Und die Liebe zu Büchern und der Literatur im Allgemeinen erschien mir da am Naheliegendsten. Im Lesen steckt ja auch etwas Intimes, was Arthur Tingwell ermöglicht, verborgene Dinge über seine Mitmenschen zu erfahren.
Beispielsweise über ihre Sehnsüchte oder ihre Fantasien. Außerdem bieten Bücher eine gute Gelegenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

In diesem Band bindest du den historischen Postraub mit in die Handlung ein. Wie wichtig sind dir historische Ereignisse in deinen Geschichten?
Der berühmteste Zugraub in Englands Geschichte fand im Jahr 1963 statt. Ich nahm dieses Ereignis als Schablone für meinen Kriminalfall und verlegte es nach 1950. Die Hintergründe zu dem Postraub werden umfassend in dem Buch „Der große Zugraub“ von John Gosling und Dennis Craig dargestellt.
Daneben bemühe ich mich, das Zeitgeschehen in die Geschichte mit einfließen zu lassen. Es bietet mir einen Rahmen, der mir beim Schreiben auch Sicherheit verschafft.

Was war beim zweiten Band am schwersten?
Es ist mit zweiten Bänden immer so einen Sache. Einerseits will man es vermeiden, sich zu wiederholen, andererseits sollen neue Leser und Leserinnen nicht erst extra den ersten Band lesen müssen. Im Grunde muss man das Pferd von der anderen Seite aufsatteln. Mit dem dritten Band wird es dahingehend leider nicht einfacher.

Arthur Tingwell schreibt Briefe an Agatha Christie. Wenn du die Möglichkeit hättest, ihr einen Brief zu schreiben, welchen Rat würdest du dir von ihr wünschen?
Ganz einfach: Ich würde sie fragen, wie sie das Leben als Autorin und das als Mutter, Frau, Reisende und Person der Öffentlichkeit unter einem Hut bekam. Wie sie dennoch Jahr für Jahr einen Roman veröffentlichen konnte.

Möchtest du ein paar Worte zu dem Inhalt des zweiten Krimis verlieren?
In „Der Tote in der Church Lane“ geht es um einen geheimnisvollen Major, der sich ausgerechnet in der Church Lane, einer verschmähten Straße in Little Barkham, niederließ.
Das allein wäre noch kein Auslöser für einen Krimihandlung. Nein, darüber hinaus wird dieser Major mit einer Stricknadel im Hals aufgefunden. Arthur Tingwell gerät ins Visier des Inspectors und muss nun auf eigene Faust ermitteln. Und so ganz nebenbei bemerkt: Obendrein steht ein Besuch von Queen Elisabeth II an.

Welcher Charakter ließ sich am schwierigsten schreiben?
Für mich ist Arthur Tingwell, also der Held der Reihe, der schwierigste Charakter. Immer wieder. Denn ich neige dazu, Menschen als Angsthasen darzustellen. Vielleicht weil ich selbst kein Ausbund an Verwegenheit bin. Aber allzu furchtsame Charaktere sind in der Unterhaltungsliteratur selten beliebt. Leider. Denn wir mögen eher die Unerschrockenen, die Abenteuerlustigen, eben Menschen der Tat. Arthur gehört nicht zu dieser Sorte Mensch, aber er liest gern von ihnen.

Wird es einen dritten Band geben? 
Ich hoffe 😊.
Die Idee ist bereits da.

Neugierig geworden? Dann schaut hier vorbei:
digital-publishers.com/de/romane/der-tote-in-der-church-lane-historisch-cosy-crime-ebook

Mittwoch, 11. Februar 2026

Nathan Winters "Der Schatten von Avamoore"

Eigentlich könnte alles so schön sein. Elisabeth hat in William Pickett den Mann fürs Leben gefunden und will den Rest ihrer Tage mit ihm verbringen. Doch was sich im ersten Moment wie eine klassische Liebesgeschichte anhört, bekommt eine dramatische Wendung.
Denn William geht nach Schottland - genauer gesagt nach Avamoore - um zu jagen. Doch aus dem Moor kehrt er nicht zurück.

Elisabeth reist mit Williams Bruder Alexander in die unwirkliche Gegend und stößt auf Missgunst und Ablehnung. Denn William ist nicht der erste, der verschwand, aber er ist der erste, nach dem gesucht wird. Elisabeth und Alexander reden mit allen im Dorf und auch mit seiner Lordschaft, bis eine Suche im Moor Dinge zu Tage führt, die selbst die hartgesottenen Einwohner nicht kalt lässt.

Wer bereits klassische Gruselgeschichten wie Northanger Abbey, Das Bildnis des Dorian Gray oder Dr Jekyll und Mr Hyde gelesen hat, weiß, wie schwer es ist, einen guten Gruselroman zu schreiben. Die Balance zwischen Spannung und langsamen Aufbau einer Geschichte beherrschen nicht viele so gut, dass man sich nicht nach einer gewissen Zeit langweilt.

Nathan Winters kann sich mit diesen Klassikern messen. Denn nicht nur die Länge der Kapitel variiert, er begleitet auch unterschiedliche Charaktere, verwebt Vergangenes und manchmal auch Fantastisches, um den Leser wie bei einem Krimi ein ums andere Mal in die Irre zu führen.

Angesiedelt in der Viktorianischen Zeit kann er aus einer unglaublichen Fülle an Möglichkeiten schöpfen, denn selten haben Technik, Medizin und Wissenschaft einen solchen Sprung gemacht wie zu dieser Zeit. Dinge, die einst unmöglich schienen, werden hier als neue Wahrheiten präsentiert und sowohl die Dorfbewohner als auch die Leser wundern sich. 

Nathan Winters schafft es, ein dichtes Werk zu schreiben, ohne dabei den Leser durch die Fülle an Informationen zu verlieren. Und doch weiß man nach der Lektüre soviel mehr über die Zeit, auch wenn es nur ein Roman ist.

Optisch ist das Buch eine Augenweide und gibt den einen oder anderen Hinweis, wie sich die Erzählung im düsteren Schottland entwickelt und doch sieht man die Lösung lange nicht kommen. Sie wartet hinter den Spinnweben und dem Skelett auf dich ...


4,5 von 5 Schatten

Sonntag, 8. Februar 2026

Ingrid Kaltenegger "Das Glück ist ein Vogerl"

Eigentlich ist es für den Franz ein ganz normaler Tag. Er ist genervt von der Arbeit, die Straßen sind voll und er will nur noch nach Hause. Doch aus irgendeinem Grund will der Opa neben ihm sich einfach reindrängeln. Franz schließt die Lücke immer wieder, bis die Ampel rot und das Auto von dem Opa durch einen LKW touchiert wird.
Ein paar Tage später ist Franz mit seiner Frau Linn bei einem Achtbarkeitsseminar, als der Geist des Opas in Franz' großem Traum auftaucht. Zufall oder Absicht?
Fortan hat Franz immer den Egon bei sich, was zu lustigen aber auch zu unangenehmen Situationen führt.
Midlifecrisis trifft Unerledigtes. Mit einem so kurzen Statement kann man das Buch knapp zusammen-fassen und doch steckt viel mehr. Denn in der heutigen Zeit der stetigen Selbstoptimierung und den fortwährenden "Was wäre Szenarien", den Lifecoaches und Vergleichen steht immer noch im Hintergrund, was will man selbst. Denn oft ist es nicht der eigene Wunsch, der zählt, sondern eher der Gedanke, was andere meinen, was man selbst möchte.
Schier endlose Reihen an Ratgeber spielen mit dieser Unsicherheit, die auch immer wieder in dem Roman ans Licht kommt. Denn kein Leben, keine Entscheidung ist schwarz oder weiß. Vielfach dominiert ein Grau, denn man trifft selten Entscheidungen, die nur einen selbst betreffen.
Die Linn ist unglücklich, der Franz eigentlich nicht. Aber weil die Linn unglücklich ist, muss der Franz auch unglücklich sein. Und der Egon sowieso. Ein Reigen an Vorwürfen und Vorhaltungen trifft Leben, die vor sich hingeplätschert sind und die große Chance fast verpasst zu haben scheinen, wenn nicht jetzt was geschieht.
Ein Buch über zweite Chancen, den Sinn des Lebens (allerdings ohne erhobenen Zeigefinger) und die Einsicht, dass Glück nicht für jeden das gleiche ist.
Formuliert in angehauchter Salzburger Sprache findet man sich schnell in einer anderen Welt wieder, die einem trotzdem ziemlich bekannt vorkommt.

4 von 5 Vogerln

Donnerstag, 5. Februar 2026

Silke Rotmund "Epigenetik verstehen: Eine Einführung für Neugierige"

"Das liegt an meiner DNA. Ich kann nichts dafür!" - Egal, in welchem Zusammenhang dieser Satz früher fiel, man glaubte ihm. Die Gene - dagegen machte man nichts.
Doch so einfach ist es inzwischen nicht mehr. Die Forschung hat sich weiter entwickelt und siehe da, es sind nicht die Gene ... zumindest ist das nicht die ganze Wahrheit.
Silke Rotmund nimmt den Leser auf 124 Seiten mit, um die noch relativ junge Forschungsreise in die Epigenetik anzutreten.
Eine gut strukturierte Einführung hilft dem Leser sich in das Thema DNA, Gene, Proteine usw. hineinzuversetzen. Denn ohne die Grundlage versteht man im Folgenden nur Fachchinesisch.
Was sind die Gene? Was ist ihre Aufgabe? Was ist ein Protein und wofür ist es gut?
Das sind nur einige der Fragen, denen die Autorin auf den Grund geht.
Danach erklärt sie, was die Aufgabe und das Ziel der Epigenetik ist. Hier wurde es thematisch für mich ein bisschen schwieriger. Sie bemüht sich durch zahlreiche Wiederholungen und auch anhand von Beispielen, die Wirkungsweise zu erläutern, trotzdem blieb es hier für mich ein wenig abstrakt.
Die Übergänge zwischen Kurz- und Langfristigkeit, der Wechsel von Epigenetik auf DNA, vieles ist heute auch noch nicht abschließend erforscht.
Die Autorin lockert die Texte mit Abschnitten wie "Wussten Sie schon?" und "Denkanstöße für Neugierige" auf und bietet einen Ausblick auf den Tätigkeitsbereich der Epigenetik.
Mit einem abschließenden Glossar und weiterführender Literatur wird das Sachbuch gut abgerundet.
Allerdings hätte ich unter einer Einführung doch einen etwas leichter zu verstehenden Text erhofft, der auch mit mehr Schaubildern arbeitet. Man kann dem Text und den Inhalten folgen, doch ich finde es für die langfristige Erinnerung angenehmer, wenn das Buch verschiedene Präsentationen (Text, Schaubild, Grafik) nutzt.
Es ist ein spannendes Thema, dem durchaus von jedem Beachtung geschenkt werden sollte, da es auch Nutzen für den Alltag bereithält.

4 von 5 DNA-Strängen

Mittwoch, 4. Februar 2026

Pascal Mercier "Der Fluss der Zeit"

Die meisten kennen Pascal Mercier durch seinen Roman "Nachtzug nach Lissabon", doch der vorliegende Band zeigt, dass er seine philosophischen Gedanken auch in kürzeren Erzählungen aufleben lassen kann.
"Der Fluss der Zeit" umfasst fünf Kurzgeschichten. Jede für sich ist eine Perle und zeigt, wie gut der Autor Menschen und ihre Emotionen verstehen konnte. Dabei sind die Gedanken nicht verkopft oder wie man sonst Philosophie empfinden kann.
Es sind alltägliche Situationen, in denen er die Wärme, den Unmut, die Angst, die Nostalgie und die Gereiztheit nicht nur skizziert, sondern sie trotz der Kürze der Texte auch ebenfalls ergründet.

- Ein alter Mann verkauft sein Haus.

- Ein Klavierspieler bekommt eine Wohnung geschenkt.

- Ein Mann wartet auf seinen Befund.

- Ein Mann will nicht mehr leben.

- Ein Mann überdenkt sein Leben.

So unterschiedlich die Themen sind, Mercier schafft es mit jeder Geschichte etwas im Leser zu rühren. Jeder kennt diese Gefühle, auch wenn sie im eigenen Leben vielleicht in anderen Situationen aufgetreten sind.

Die Geschichten sind leise - ohne Vorwurf. Vielfach sind sie Reflexionen und zeigen das Geschehnis von beiden Seiten. Denn es ist, wie es ist, man sieht immer nur seine eigene Seite und nie komplett die des Gegenübers.
Ein Kurzgeschichtenband, der einen wie eine warme Decke umschließt und Nichtigkeiten verblassen lässt.


5 von 5 Flüssen

Samstag, 31. Januar 2026

Saskia Karges "Amatea"

Ruth hat einen Traum. Den Traum einer eigenen Stadt. Einer Stadt, die autark sein soll, auch wenn sie sich der Begrifflichkeit und der weitreichenden Folgen mit ihren gerade einmal zwölf Jahren noch nicht bewusst ist. Seitdem sie mit Bauklötzen spielt, will sie bauen. Türme, Brücken, Häuser. Architektur bedeutet ihr alles. Nur mit den Menschen hat sie es nicht so. Sie sind ihr rätselhaft und Ruth findet nur wenige Menschen, mit denen sie sich austauschen kann.
Während die Weltbevölkerung steigt, Krankheiten aussterben, baut sie weiter an ihrem Traum. Sie kommt auf eine Schule, wo ihr Talent entdeckt und sie gefördert wird. Doch mehrere Schicksalsschläge lassen sie ihr Projekt aufgeben. Zu tief sitzt der Schmerz, sodass sie ihr Leben umgestaltet und ihren Traum ausschließt. Erst an der Uni bemerkt sie, dass ihr Traum sich ohne sie weiterentwickelt hat. Plötzlich ist sie wieder mittendrin und ist sich der Ausmaße ihrer Idee noch immer nicht klaren, bis die Welt, wie sie sie kannte, zusammenbricht.
Wer schon einmal eine Dystopie gelesen hat, weiß, dass es um die großen Fragen geht. Klimawandel, Überbevölkerung, Verarmung oder Stromausfälle sind nur einige der möglichen Themen, die dieses Genre aufgreift. Saskia Karges beschränkt sich nicht auf einen Teilbereich dessen, sondern sie geht das große Ganze an. Anhand von Ruths Leben zeigt sie auf, wie sich die Lebensbedingungen innerhalb einer Generation ändern können. Wie Menschen, die einem nah scheinen, in dieser Zeit eine ganz andere Vorstellung der Zukunft entwickeln können und sich dabei auch Extremen zuwenden.
Die Geschichte von Ruth zeigt vieles. Individuelle Entwicklung, Gruppenzwang und auch die damit einhergehende Abhängigkeit. Sie zeigt, dass es durch Globalisierung und Vernetzung viel leichter ist, Dinge zu ändern, sowohl zum Positiven als auch zum Negativen.
Doch Saskia schreibt es ruhig. Die Geschichte kommt fast ohne cineastische Action aus, denn die Taten der Protagonisten sprechen für sich. Die Dystopie nähert sich in ihrer Umsetzung einem Familienroman, da im Zentrum immer Ruth und um ihr Umfeld stehen und auch die kleinen Dramen genauso wichtig sind wie die großen Veränderungen. An einigen Stellen greift die Autorin auch ein und gibt einen Ausblick auf zukünftige Geschehnisse, was für mich ein bisschen den Überraschungseffekt mindert.
Doch zeigt gerade der Schluss, dass sie bei mancher Vorhersehbarkeit ein Ass im Ärmel hat und die Geschichte anders endet, als man es lange Zeit vermutet.
Eine Dystopie, die sich nicht nur auf Krankheit und Tod stützt, sondern auch sehr auf Moral und menschliche Hingabe zielt. Die zeigt, dass Ideen gut gemeint, aber hinterhältig umgesetzt werden können. Ein Buch, welches Konsequenzen aufzeigt, die andere Dystopien ausblenden. 

4 von 5 "Traum"städten

Freitag, 30. Januar 2026

Sara Dellabella "Die Irrfahrt der St. Louis"

Es gibt Geschichten, die sind so unglaublich, dass man kaum fassen kann, dass sie wahr sind.

Es war einmal ein Schiff, das machte sich 1939 in Richtung Kuba auf, um 937 Menschen in ihre neue Heimat zu bringen. Doch die Welt hatte anderes mit der St. Louis und ihren Passagieren vor. Denn kaum waren sie dort angekommen, wurde ihnen die Einreise trotz zuvor gültiger Visa verwehrt. Ein Tauziehen zwischen der Schifffahrtsgesellschaft, dem Kapitän und mehreren großen Ländern begann, nur damit die St. Louis bis auf wenige Ausnahmen alle Menschen wieder mit nach Europa nahm.

Was im ersten Moment durch die Graphic Novel als Erzählung anmuten könnte, ist die reale Geschichte um Sol Messinger und der anderen Passagiere der St. Louis, die Kapitän Gustav Schröder gesund ins neue Land bringen wollte.
Der geschichtliche Hintergrund ist in jedem Bild spürbar. Die Wut, die Aufregung, manchmal auch der Hass, werden durch die Farbgebung und die gezackten Zeichnungen verdeutlicht. Man fühlt die Situationen und man ist auch heute noch sprachlos, wenn man sich der Umstände bewusst ist. Die Autorin Sara Dellebella und der Zeichner Alessio Lo Manto halten die Waage und zeigen, wie es sich abgespielt haben könnte, ohne dabei den Spannungsbogen zu vernachlässigen.

Abgerundet wird die Graphic Novel durch mehrere Stellungnahmen z.B. von Sol Messinger und Justin Trudeau. Weiterhin gibt das Buch Lesetipps zum Thema und Auskunft über das Schicksal der Passagiere, soweit es bekannt ist.
Ein beklemmendes Buch, was für einen ganz anderen Aspekt des Zweiten Weltkrieges Zeugnis ablegt.

4 von 5 Schiffen

Donnerstag, 29. Januar 2026

Autoreninterview Anke Küpper

Hallo zusammen.
Ein neues Jahr und ein neues Interview habe ich für euch.
Anke Küpper dürften viele von euch kennen, wenn sie sich mit deutschen Kurzgeschichten und Kriminalromanen beschäftigten. Zuletzt erschien "Ein Huhn, ein Mord" mit vielen Kurzkrimis rund um das geliebte Federvieh. 

(Bild: Anke Küpper (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Du hast in den letzten Jahren viele Krimianthologien herausgegeben. Was macht für dich den Reiz bei Kurzgeschichten aus?
Kurzkrimis sind für mich eine gute Möglichkeit, mal andere Subgenres usw. auszuprobieren. Ich kann cosy schreiben oder aus der Perspektive einer unzuverlässigen Erzählerin, ohne dass es gleich ein ganzer Roman in dem Stil werden muss. Generell schreibe ich gern auf den Punkt.

Zuletzt erschien "Ein Huhn, ein Mord". Wie bist du auf das Thema gekommen?
Ich habe selbst Hühner. Die sind sowieso immer Thema bei mir.

Bleiben wir noch einen Moment bei den Hühnern. Wie kann man sich die Arbeit an einer Anthologie vorstellen? Wie wählt man die Autoren und Autorinnen aus?
„Ein Huhn, ein Mord“ haben wir zu dritt herausgegeben. Von daher haben wir alle drei überlegt, wen wir gern dabeihaben möchten. Die Schnittmenge war sehr groß. Und fast alle, die wir gefragt haben, haben zugesagt. Mit uns sind allein neun Mörderische Schwestern dabei. Aber auch drei nette Männer 😊

Was macht eine Kurzgeschichte aus, damit sie dein Interesse erweckt?
Ein guter Kurzkrimi startet ohne langes Vorgeplänkel. Sowieso gilt für den ganzen Text: Kein Wort zu viel! Und am Ende sollte eine überraschende Wendung bzw. Auflösung das Gelesene noch mal in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Arbeitest du bereits an einer neuen Anthologie?
Aktuell nicht. Aber das kann sich erfahrungsgemäß schnell ändern 😉

Du gibst nicht nur Anthologien heraus, du schreibst auch selbst. Kommt von dir dieses Jahr auch ein neues Buch?
Dieses Jahr erscheinen bis jetzt zwei Kurzkrimis, mehrere Pixi-Bücher und zwei Quizze von mir. An einem neuen Kriminalroman arbeite ich.

Welches Buch liest du zur Zeit?
Gerade habe ich Susanne Tägders „Das Schweigen des Wassers“ ausgelesen. Großartig!


Wer neugierig ist, kann hier mehr über Anke erfahren:
anke-kuepper.de
instagram.com/anke_kuepper

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Montag, 26. Januar 2026

Jan Beinßen "Der Wintermordclub"

Ein kleines, aber feines Hotel an der Küste Frankreichs kurz vor Weihnachten.
Ein Gruppe älterer Menschen treffen sich einmal jährlich und veranstalten ein Krimidinner. Ihr Hintergrund: Sie waren früher alle bei der Polizei oder bei ähnlichen Instituten angestellt. Alles scheint wie immer, doch plötzlich gibt es eine echte Leiche und es ist einer der Senioren. Was ist passiert und vor allem: Warum?

Jan Beinßen liefert einen richtig gelungenen Kriminalfall ab. Mit jedem Kapitel ändert er die Erzählperspektive und begleitet so alle ehemaligen Ermittler durch die Geschichte. Er deutet ihre Geheimnisse und auch die Beziehungen untereinander an und erzählt in Rückblenden, wie sie sich bei ihrem großen Fall kennengelernt haben.
Alle haben etwas zu verlieren und doch wirkt kein Charakter unsympathisch. Über 350 Seiten schafft es der Autor den Leser mal mehr, mal weniger an der Nase herumzuführen, denn schuldig können sie alle sein.

Ein großartiger Krimi im Stil des Golden Age, der zeigt, mutige Entscheidungen erschaffen beeindruckende Bücher.

5 von 5 Interpolagenten  

Sonntag, 25. Januar 2026

R. R. Stein "Runed 2"

Gerade sind die Kinder Rune, Willy und Julie aus der Anderswelt zurückgekehrt, als ihre eigene Welt aus den Angeln gehoben wird. Exeter hat es ebenso wie sie durch das Portal geschafft und zeigt an Halloween, dass er trotz seiner Einschränkungen noch genügend Macht hat, um die Menschen das Fürchten zu lehren. Schnell sehen die Kinder ein, dass sie ohne Hilfe nicht viel ausrichten können und fliehen so nach Mont St. Michel. Während Exeter erstmal nach Tintagel und Stonehenge aufbricht.
Das Buch ist bereits der zweite Teil um die Anderswelt und ihre Gefahren. Allerdings wird in diesem Teil immer nur von unserer Welt erzählt und es findet in der Anderswelt keine Handlung statt.
Die eingeflochtenen Informationen aus dem ersten Band helfen oftmals den zweiten Band zu verstehen, doch es bleiben einige Dinge im Dunklen, während andere fortwährend wiederholt werden. 
Die Heldengeschichte liest sich genau so, dass im Zentrum zuerst die drei Kinder und Exeter stehen, die nach und nach um Nebenfiguren und geschichtliche Zusammenhänge ergänzt werden. 
In sich bildet das Buch ein stimmiges Bild und gerade in der zweiten Hälfte kann es durch Tempo und Handlung überzeugen.
Was mich nicht so überzeugt, ist die Altersfreigabe ab zehn Jahren. Viele inhaltliche Sprünge und auch geschichtliche sowie sprachliche Finessen lassen mich daran zweifeln, dass die Jüngsten schon verstehen, warum die Handlung sich so abspielt. Schnelle Szenenwechsel, wie sie im Film heutzutage normal sind, führen in meinen Augen dazu, dass man schnell den Faden und somit auch das Interesse verlieren könnte. Ein optisches Highlight kommen die UV-Lampe und zahlreiche Bildern daher, um dem Text die letzten Geheimnisse zu entlocken.

3,5 von 5 Rätseln

Samstag, 24. Januar 2026

Klaus Hammer "Die Schöne und das Tier"

Es war einmal ... Eine ganz bestimmte Gattung von Büchern fängt genauso an. Es war einmal ... Eine Untergruppe dieser Gattung nennt sich Feenmärchen und über diese handelt dieses Buch.
Feenmärchen, so erklärt der Autor, entstanden am französischen Hof gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Sie bildeten eine gelungene Mischung aus Sagen, mündlichen Überlieferungen und gleichzeitig Lehren für die Prinzen und Prinzessinnen.
Zehn Märchen hat der Autor versammelt und sie nahezu im originalen Klang ihrer Zeit belassen. Alle Texte stammen aus dem Französischen. Bekannte Namen wie Charles Perrault, Gabrielle-Suzanne de Villeneuve und Jean-Jacques Rousseau finden sich zusammen, um dem Subgenre zu widmen. Die Feen oder auch ihre Vorstellungen vom Leben spielen eine zentrale Rolle in den jeweiligen Geschichten und Texte wie "Die schlafende Schöne" und "Die Schöne und das Tier" dürften vielen Lesern unter anderem Namen und ein wenig verändertem Inhalt durchaus bekannt sein.
Beim Schwelgen in den Texten bemerkt man schnell, dass diese Märchen auch so grausig wie andere Märchen ihrer Zeit sein können, doch der Fokus ein wenig mehr auf der Bildung der guten Sitten liegt. Ein Mensch soll gut, sonst sieht man die negativen Folgen direkt im Text.
Was mir erstaunlich vorkommt, ist die Länge der jeweiligen Geschichten. Wie der Autor beschreibt, wurden sie auch am Hof kultiviert und auch wenn er im Vorwort von Buchclubs spricht, würde ich gerne einen Blick in die Zeit werfen, um die Wirkung dieser Texte zu betrachten.
Ein Stück Zeit- und Literaturgeschichte, das für alle Märchenliebhaber ein wahrer Gewinn ist.

4 von 5 Feen

Donnerstag, 22. Januar 2026

James Goodwin "Der Tote in der Church Lane"

Bereits zum zweiten Mal treffen wir Arthur Tingwell in Little Barkham. Wieder geschieht ein Mord in dem beschaulichen Dorf und wieder treffen die Anfeindungen den Bibliothekar.
Den Hintergrund der Geschichte bildet der große Postraub und die Auswirkungen des Kalten Krieges, denn die Dorfgemeinschaft sieht nicht nur in Arthur Tingwell einen Außenseiter, auch der plötzlich auftretende Archäologe kommt bei vielen Anwohnern nicht gut an.

Wie schon bei dem ersten Band schafft es der Autor, die Handlung hinter vielen kleinen Geheimnissen zu verstecken. Man muss das eine oder andere Mal zurückblättern, da er durch die Wahl seiner Worte den Leser, wie es schon Agatha Christie gemacht hat, in die Irre führt. Einzelne Begebenheiten wirken rückblickend in einem ganz anderen Licht und doch ist es nicht so, dass er den Leser mit Informationen überfrachtet.

Man will gerne die Taschenlampe zücken und sich mit Arthur Tingwell auf die Suche machen, denn es geht erneut darum, seinen guten Ruf zu waren. Und nebenbei müssen auch die Vorbereitungen für den Besuch der Queen erledigt werden.
Es gibt viel zu tun in dem kleinen Dorf und es wird niemals langweilig.

Als Leser greift man nicht zu hoch, wenn man die Finesse und Scharfsinn des Autors mit Agatha Christie vergleicht.
Ich hoffe, dass es noch viele Bände geben wird.


4,5 von 5 Briefen

Samstag, 17. Januar 2026

Marianne Labisch & Kiran Ramakrishnan (Hrsg) "Tales of Science II"


Kein anderes Genre wird so technisch und realistisch empfunden wie die Science Fiction. Mit ihren Facetten Utopie und Dystopie gehen die Geschichten den beiden Strömungen nach: was wäre wenn, einmal im positiven und ein einmal im negativen Sinn. Herangezogen werden für die Texte oftmals eigenes Wissen oder eine entsprechende, individuelle Recherche.

Doch was passiert, wenn den Schreibenden Fachleute aus der Forschung zur Seite gestellt werden? Wenn die Autoren direkt aktuelle, manchmal noch nicht veröffentliche Studien in ihre Ideen einbauen und so eine ganz neue Form der Fantasie entwickeln können?
Das Ergebnis hält man mit diesem Buch in Händen.

Mit siebzehn Geschichten und knapp dreihundert Seiten wird hier ein Anthologie veröffentlicht, die sich durch ihre Voraussetzungen stark von anderen Science Fiction Sammlungen unterscheidet. Die Texte lesen sich oftmals wie eine wissenschaftliche Abhandlung und man muss sich stets vor Augen halten, dass es trotz allem fiktive Texte sind. 

Die Bandbreite der Themen beschränkt sich nicht nur auf das Dauerbrenner KI sondern die Herausgeberin hat hier auf Vielfalt geachtet. Biologie, Physik, die Besiedlung anderer Planeten und auch die DNA werden in den Geschichten in den Fokus gestellt.

In allen Texten bildet der Mensch und seine Handlungen den Kern und andere Wesen sowie die Natur dienen als Nebenschauplätze. Auch wenn es im ersten Augenblick paradox wirkt, auch die Emotionen kommen nicht zu kurz. Die Menschen reflektieren ihre Handlungen und Beweggründe. Doch auch in Zukunft regiert auch oftmals das Geld die Aktionen und nicht das, was richtig wäre.

Eine gelungene Mischung, die neugierig auf einen weiteren Band macht.

4 von 5 Zukunftsszenarien

Mittwoch, 14. Januar 2026

Kari Leibowitz "Wintern"

Winter: Kalt, nass, trüb.
Das sind die ersten Worte, die dem Leser zum Thema Winter einfallen.
Es ist früh dunkel, alle sind genervt und gestresst.
Doch liegt es wirklich am Winter? Oder ist es vielmehr unsere Einstellung?

Auf knapp 370 Seiten geht die Autorin dieser Frage nach. Sie bereist verschiedene Länder und Zeitzonen, in denen der Winter eine sehr unterschiedliche Auswirkung auf das Leben der Menschen hat. Es werden Erhebungen gestartet, Tests durchgeführt und sie beobachtet die Menschen. Zudem werden auch zahlreiche Forschungen mit dem Schwerpunkt "Winter" ins Leben gerufen und ohne zu viel vorab zu sagen, es ist nicht nur die Schuld des Winters.

An vielen Beispielen, gerade aus den nördlicheren Ländern, zeigt die Autorin, dass es der Umgang mit dem Winter ist, der uns straucheln lässt. Viele Menschen wollen das ganze Jahr hindurch das gleiche Leben führen, den gleichen Aktivitäten nachgehen und sind frustriert, dass das Wetter ihnen einen Strich durch die Rechnung macht. Hier zeigt die Autorin Lösungen auf. Tipps und Tricks, was man gerade im Winter besser machen kann als im Sommer und vor allem, wie man seine Einstellung zum Winter ändern kann.

Durch die vielen Beispiele kommt es im Buch oft zur Wiederholung von Aspekten, was man aber auch dem Lernprozess zuschreiben kann. Denn je öfter man etwas liest, desto besser verfestigt es sich.
Trotzdem es sich um ein Sachbuch handelt, sind die Forschungsergebnisse und Thesen so formuliert, dass man den Inhalten gut folgen kann.

4 von 5 Wintermonaten 

Dienstag, 6. Januar 2026

Eryn Scott "The Morrisey Mysteries 1: Ein Mord in 3B"

Megs Traum ist zerplatzt. Nach Jahren des Strebens hat sie die Gewissheit, dass sie für die Kunst nicht geeignet ist. Zumindest hat man ihr das erfolgreich vermittelt. So kehrt sie zurück in das Mietshaus ihrer Kindheit und nutzt die Wohnung ihrer Tante im Morrisey-Gebäude in Seattle.
Sie hat sich noch gar nicht wieder richtig eingelebt, da geschieht ein Mord und Meg ist mittendrin.

Meg kann seit Kindertagen mit Geistern kommunizieren und so ist es nicht verwunderlich, dass nach dem Mord der Geist zu ihr kommt und neben ihrer Geisterfreundin Ripley bei der Mördersuche helfen will.

"The Morrisey Mysteries" hat von allem ein bisschen. Ein bisschen Historie, ein wenig Herzschmerz, einige Lacher, dafür viel Cosyness. Angst muss man weder vor den Geistern noch dem Mörder haben, denn alles läuft so, als wäre es vollkommen natürlich.
Meg berät sich sowohl mit den Menschen als auch mit den Geistern und letztlich wirkt alles wie ein großes Puzzle. 

Wer schon viele cosy crimes gelesen hat, wird die Stimmung kennen, die diese Bücher vermitteln und dass der Mordfall recht gut zu lösen ist. Für einen gemütlichen Abend auf der Couch gut geeignet, wer es ein bisschen komplexer mag, dürfte den Plot zu einfach finden.


3,5 von 5 Hausnummern