Sonntag, 8. Februar 2026

Ingrid Kaltenegger "Das Glück ist ein Vogerl"

Eigentlich ist es für den Franz ein ganz normaler Tag. Er ist genervt von der Arbeit, die Straßen sind voll und er will nur noch nach Hause. Doch aus irgendeinem Grund will der Opa neben ihm sich einfach reindrängeln. Franz schließt die Lücke immer wieder, bis die Ampel rot und das Auto von dem Opa durch einen LKW touchiert wird.
Ein paar Tage später ist Franz mit seiner Frau Linn bei einem Achtbarkeitsseminar, als der Geist des Opas in Franz' großem Traum auftaucht. Zufall oder Absicht?
Fortan hat Franz immer den Egon bei sich, was zu lustigen aber auch zu unangenehmen Situationen führt.
Midlifecrisis trifft Unerledigtes. Mit einem so kurzen Statement kann man das Buch knapp zusammen-fassen und doch steckt viel mehr. Denn in der heutigen Zeit der stetigen Selbstoptimierung und den fortwährenden "Was wäre Szenarien", den Lifecoaches und Vergleichen steht immer noch im Hintergrund, was will man selbst. Denn oft ist es nicht der eigene Wunsch, der zählt, sondern eher der Gedanke, was andere meinen, was man selbst möchte.
Schier endlose Reihen an Ratgeber spielen mit dieser Unsicherheit, die auch immer wieder in dem Roman ans Licht kommt. Denn kein Leben, keine Entscheidung ist schwarz oder weiß. Vielfach dominiert ein Grau, denn man trifft selten Entscheidungen, die nur einen selbst betreffen.
Die Linn ist unglücklich, der Franz eigentlich nicht. Aber weil die Linn unglücklich ist, muss der Franz auch unglücklich sein. Und der Egon sowieso. Ein Reigen an Vorwürfen und Vorhaltungen trifft Leben, die vor sich hingeplätschert sind und die große Chance fast verpasst zu haben scheinen, wenn nicht jetzt was geschieht.
Ein Buch über zweite Chancen, den Sinn des Lebens (allerdings ohne erhobenen Zeigefinger) und die Einsicht, dass Glück nicht für jeden das gleiche ist.
Formuliert in angehauchter Salzburger Sprache findet man sich schnell in einer anderen Welt wieder, die einem trotzdem ziemlich bekannt vorkommt.

4 von 5 Vogerln

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