Dienstag, 3. März 2026

Nicholas Meyer "Sherlock Holmes und das Phantom der Oper"

Man nehme Sherlock Holmes und das Phantom der Oper. Was soll bei den Protagonisten schon schief gehen?
Spoiler: Einiges.
Doch beginnen wir am Anfang.
Sherlock Holmes hat die Reichenbachfälle überlebt und reist durch Europa, um seinen Tod noch eine Eile zu vertuschen.
Um nicht immer wieder seinen Bruder um Geld zu bitten, nimmt er eine Anstellung als Geiger in der Pariser Oper an und trifft somit auch auf die Geschichte rund um das dort lebende Phantom.
Warum es wie handelt, lässt sich nach kurzer Zeit erahnen und Holmes versucht so wenige Menschen wie möglich zu schaden kommen zu lassen. Doch die Ohren der neuen Direktoren sind taub für seine Warnungen. Als schließlich das Unheil angerichtet ist, ist es Holmes, der sich verteidigen muss, denn seine Kombinationsgabe wird gegen ihn verwendet.
Wer die Pastiches von Nicholas Meyer kennt, weiß, dass er sie als "direkte Texte" von Watson ausgibt und er selbst lediglich editorische Notizen hinzufügt. Die Idee und auch die Umsetzung ist auch bei dem dritten Band sehr gelungen und durch den Schreibstil, in dem Holmes Watson direkt anspricht, wird man in das Geschehen gezogen.

Was mir in diesem Band nur überhaupt nicht gefallen hat, war die Figur Sherlock Holmes. Auch wenn er in Paris vermeintlich in Urlaub ist, kann man seine stümperhaften Ermittlungen und seine Begriffsstutzigkeit in vielen Szenen einfach nicht nachvollziehen. Vergleicht man die Ermittlung sowohl mit den beiden vorigen von Meyer als auch mit dem Kanon, hat man mehrfach das Gefühl, der großartige Detektiv stolpert blind und mit einer Hand auf den Rücken gebunden durch den Fall. Zu viele Hinweise, die Meyer auch explizierter beschreibt als Doyle, lässt Holmes liegen, um hinterher erstaunt auf des Rätsels Lösung zu blicken.

Weiterhin bedient der Text viele der Touristenattraktionen, Eifelturm, die Oper und deren unterirdirsche Gänge. Ein Streifzug durch die Stadt, bei dem sich Holmes auch noch direkt verläuft.

Wer Meyer in seiner Höchstform lesen will, sollte zu "Sherlock Holmes und die Theatermorde" oder auch noch "Kein Koks für Sherlock Holmes" greifen, dieser Band wird weder Holmes noch Meyer gerecht.

3 von 5 Opern 

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