Freitag, 17. September 2021

Gunnar Schwarz "Das Flüstern der Puppen"


Eigentlich hätte ein weniger aufreibender Start in der neuen Polizeitruppe Lena ganz gut getan, die letzten Monate haben an ihren Nerven gezehrt und sie könnte ein bißchen weniger Aktion in ihrem Leben brauchen. Doch da hat sie die Rechnung ohne die flüsternden Puppen gemacht. Denn an ihrem ersten Tag gibt es einen brutalen Mord und sie muss direkt ins kalte Wasser springen.
Doch damit nicht genug, fällt es ihr schwer die neuen Kollegen einzuschätzen, denn obwohl ihr neuer Partner Henning im ersten Moment sehr nett zu sein scheint, lästert er vermeintlich mit den anderen teilweise zwielichtigen Kollegen, sobald sie nicht im Raum ist. Von dem cholerischen Chef sei hier erstmal nicht die Rede. 
Doch auch im Privaten schaut es nicht gut aus, die gemietete Wohnung ist ein Fiasko und Nils, der Freund der zuhause auf Kosten ihres Vaters Karriere macht, belagert sie mit Vorwürfen wegen der Fernbeziehung. 
Rundherum eine Situation, die man keinem Menschen wünscht, doch das ist alles noch rein gar nichts, wenn man über die Päckchen Bescheid weiß, die sie kurze Zeit später erhält.

Gunnar Schwarz schafft es in seinem zweiten Thriller dem Leser vor Augen zu führen, was es heißt, wenn man nicht mehr weiß, auf wen man sich verlassen kann. Die Neue, von der man noch so rein gar nichts weiß oder doch auf die alten Hasen, mit denen man schon Jahre zusammenarbeitet? Denn eins ist klar, es geht bei den Ermittlungen nicht mit rechten Dingen zu und Manipulation scheint das Maß aller Dinge zu sein.
Gunnar Schwarz säht beim Leser fortwährend Zweifel, ob dieser oder jener Charakter gut oder böse ist und es stellt sich im Laufe des Buches des Öfteren die Frage, gibt es überhaupt Gut und Böse oder ist alles eher eine unterschiedliche Abstufung von Grau und manche sind nur unschuldiger als andere?
Rache, Wut, Manipulation, Selbstsucht, Lüge, Betrug, Täuschung, alles spielt in diesem Thriller zusammen und das schiere Ausmaß der Vergeltung lässt den Leser teilweise mit Entsetzen zurück. Denn die Frage bleibt, wann flüstern die Puppen so laut, dass der Täter erwacht?

Danke an FeuerWerke Vorableserclub für das Rezi-Exemplar.

4,5 von 5 Puppen

Mittwoch, 15. September 2021

Michael Linnemann "Glatteis"


Tatort: Frankfurt am Main, Studentenbude
Opfer: Jessika Zobel
Täter: ?

Als Claudia Winter und Jonas Herz zu besagten Tatort beordert werden, sind sie sich noch einig, dass sie in ihrer elfjährigen Zusammenarbeit schon so einiges gesehen haben und dass ihr Vorgesetzter maßlos übertreibt, wenn er davon spricht, dass diese Tat etwas besonders Schreckliches gewesen sein soll. Woher wolle er das denn bitte wissen, er ist ja so gut wie nie vor Ort und macht den beiden nur Vorhaltungen, wie sie ihren Job zu machen haben. Doch er schien wohl einen siebten Sinn zu haben, denn Jessika Zobel ist nicht nur tot, sondern der Mörder hat ihr Körper auch noch nach dem Tod misshandelt. 
Zwar sind beide Ermittler von der Brutalität der Tat betroffen, doch schon kurz darauf ist ihr Spürsinn geweckt, als sie auf der Stirn eine vermeintliche "1" erkennen wollen. Soll dies erst der Anfang sein? Oder ist es doch Zufall?

Eine Krimi der etwas anderen Art. Sicherlich wird anfangs erwähnt, dass der Krimi in Frankfurt am Main spielt und hier und da werden auch einige Straßennamen angebracht, aber für die Geschichte ansich spielt die Stadt eine ziemlich untergeordnete Rolle. Dieser Krimi besticht durch das Zusammenspiel der beiden Kommissare Winter und Herz. Nicht nur zeigt der Autor auf, wie es hinter den Kulissen hergehen kann, wenn die Nerven auf Grund von Stress, Schlafentzug, Geltungsdrang und Befangenheit bei den Kommissaren blank liegen, nein, er steigt auch in das Privatleben der beiden Kommissare ein und zeigt, was es heißt mit einem Kommissar zusammenleben zu "müssen". Ungeregelte Arbeitszeiten, die latente Gefahr im Job verletzt zu werden, der Drang immer Recht haben zu wollen und letztlich wenig Zeit für den Partner zu haben, zeichnen bei den beiden Kommissaren die Beziehungen aus. 
Auch untereinander sind sie trotz ihrer langjährigen Zusammenarbeit oftmals rau im Ton, da sie immer wieder die psychologischen Komponenten der Tat gegeneinander abwiegen und beide auf ihre Art den Täter fassen wollen.
Eine prägnante Sprache mit eigenen Sprachmustern für die Hauptcharaktere, kurze Kapitel mit eingestreuten Gedanken des Mörders lassen den Leser nur so durch die Seiten fliegen, da der Autor es darauf anlegt, den Leser immer wieder zu täuschen. Wer war denn nun der Mörder und wann hatte er die Gelegenheit? War es das perfekte Verbrechen?
Ein Katz und Maus Spiel bis zu den letzten Seiten, immer wieder mit der Frage im Hinterkopf, wer täuscht gerade wen?

4,5 von 5 Bluffs

Danke an Michael Linnemann für das Rezi-Exemplar

Dienstag, 14. September 2021

BLOGGER WANTED: Pfaffingers_bibliophilie

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Steckbrief:

User: instagram.com/pfaffingers_bibliophilie/
         www.pfaffingersbibliophilie.de
         facebook.com/pfaffingersbibliophilie
Alter: 31
w/m/d: w
Lieblingsgenre: früher ausschließlich Thriller und Krimis, seit etwa einem Jahr wandelt sich dies und ich lese immer mehr Romane (insbesondere gesellschaftliche bzw. historische), Sachbücher, Klassiker
Lieblingsautor: Stephen Kind, Hjorth & Rosenfeldt
 

Wie bist du dazu gekommen, Rezensionen zu schreiben? Wie bist du dazu gekommen, einen Blog zu starten?
Ich lese schon immer sehr gern und auch sehr viel. In meiner Schulzeit hatte ich immer noch einige Freundinnen, mit denen ich das Gelesene teilen konnte. Mittlerweile sind wir alle weit verstreut und Bücher eher kaum noch Thema. Da ich aber immer nach einem Austausch gesucht habe, und mein Freundeskreis es leid war, dass ich sie mit Buchempfehlungen vollgespamt habe, bin ich via Instagram irgendwann auch auf Bookstagram gestoßen. Zunächst war ich mit meinem Privataccount nur Mitleserin und habe mir Anregungen geholt oder zu gelesenen Büchern mit diskutiert. Irgendwann hatte ich natürlich auch private Chats mit Bookstagrammer:innen… Und schließlich dachte ich, ach Mensch, probiere es einfach selbst aus und siehe da, es begeistert mich bis heute und ich finde es selbst erstaunlich, welche Entwicklung mein Feed genommen hat (Sowohl fototechnisch, als auch was die Qualität der Rezensionen angeht).

Welches Buch hat dein Lesefieber entfacht?
Das ist schwer zu sagen, da ich schon lese, seit ich es wirklich kann. Damals eben die kindertypischen Bücher, die man so gelesen hat. Aber, dass es dafür einen Auslöser oder ein bestimmtes Buch gab, würde ich nicht sagen. Ich bin mit 12/13 recht früh zum Genre Thriller/ Krimi/ Horror gekommen. Habe die Fear Street Bücher verschlungen, Agatha Christie für mich entdeckt und mit Brennen muss Salem meine ersten schlaflosen Nächte durch Stephen King erlebt.

Welches Buch, welches nicht aus deinem Lieblingsgenre stammt, hat dich so beeindruckt, dass du ihm 5 Sterne gegeben hast?
Da gibt es tatsächlich viele, da sich einfach mein Buchspektrum sehr weit geöffnet hat und ich mich nicht mehr grundsätzlich einem Genre zuordnen würde. Ich würde wohl an die Only One Reihe von Anne Goldberg denken, denn Romance gehört so gar nicht zu meinem Lesebereich und diese Bücher habe ich aber sehr geliebt.

Was ist für dich das schwerste daran, wenn man Rezensionen schreibt?
Nicht immer die selben Phrasen zu verwenden… (Ich flog durch die Seiten, etc…)

Welches Buch würdest du einem anderen Leser ans Herz legen?
Eins? Puh, das ist schwierig, ohne den/die andere:n Leser:in zu kennen. Dafür würde ich zunächst mal nach Vorlieben und Interessen fragen und dann speziell etwas heraussuchen. Bisher fahre ich damit ganz gut.

Wonach wählst du die Bücher aus, die du liest?
Das ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Natürlich sehe ich mir die Neuerscheinungen an, und sehe, welche mich thematisch ansprechen. Aber ich suche auch gezielt nach Themen. Wenn ich zB etwas über Feminismus lesen will, dann sehe ich einfach, welche Bücher da passen und welches mich dann anspricht. Cover und Klappentext spielen eine große Rolle und natürlich auch Rezensionen, von Leser:innen, von denen ich weiß, dass sie einen ähnlichen Geschmack haben, wie ich.

Würdest du jedes Buch lesen, was dir ein Verlag zur Verfügung stellt oder was ein Freund dir empfiehlt?
Nein.
 
Auf welchen Autor bist du auf Grund deines Bloggens aufmerksam geworden?
Anne Goldberg. Hagen Thiele. A.K. Grundig. Im Grunde alle kleinen Autor:innen, die gerade am Anfang stehen oder als Selfpublisher geben.

Schreibst du für jedes Buch, das du liest, Rezensionen?
Naja, zu 90 Prozent würde ich sagen. Aber schon zu wirklich vielen.
Manchmal erhalte ich auch Rezensionsexemplare, die mich letztlich nicht gefallen. Hier lasse ich den/ die Autor: in entscheiden, ob ich meine Kritik veröffentlichen soll. Und meistens möchten Sie dies natürlich nicht. Hier bekommt dann der/ die Autor:in die Kritik privat.

Welches gehypte Buch war für dich persönlich ein Flop?
Puh… Ich nehme ja grundsätzlich erstmal Abstand von gehypten Büchern, und möchte mir da eine eigene Meinung bilden. Unabhängig davon mochte ich die Alice Chroniken von Christina Henry überhaupt nicht. Jedes Märchen von den Gebrüdern Grimm war da brutaler ;) Die habe ich aber gelesen, weil mich der Klappentext ansprach, und nicht, weil sie in aller Munde waren.


Neugierig geworden mit welchen Bloggern ich sonst noch in Kontakt stehe?
Oder wollte ihr vielleicht weitere Blogs kennenlernen?
Unter dem Label "Blogger Wanted" findet ihr alle Blogger, die ich hier vorstelle.
Vielleicht möchtest du auch dabei sein? Dann kommentiere doch den Beitrag. 😊

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Montag, 13. September 2021

Mary Ann Fox "Je lauter der Sturm"


Rosehaven, ein kleines Dorf an Cornwalls Küste, ist zum sechsten Mal Schauplatz der Abenteuer von Mags Blake. Wenn man sagen würde, Mags sucht sich ihre Probleme, wäre das gnadenlos übertrieben, aber es scheint so, als ziehe sie Probleme geradezu magisch an.
Nachdem sie und Sam überstürzt geheiratet haben, wird es ihnen im Schuppen von Miss Carla nun doch allmählich ein bisschen zu eng und Sam findet das geeignete Zuhause für sie beide. Doch als der Sturm eine der Weiden entwurzelt und eine alte Blechdose zum Vorschein kommt, sind die nächsten Schwierigkeiten vorgezeichnet, denn die Dose gehörte einem Jungen, der vor Jahren hier verschwand.
Plötzlich verschwinden auch heute aus dem Dorf Männer, die den Jungen damals kannten und schnell fällt der Verdacht auf die Person, die schon damals als Racheengel auftrat.
Wie alle Bände zuvor sind die Bücher um Mags Blake, ein Mischung aus Spannung, Witz und einer gehörigen Portion Lokalkolorit. Dieses Mal dreht sich das Lokalkolorit um die Höhlenwelt unter Cornwall und die Schriftstellerin Enid Blyton. 
Dieser Band ist zudem auch geprägt von den Streitereien zwischen den Dorfbewohnern, denn viele können sich noch von damals an den verschwundenen Jungen erinnern oder kennen die Geschichte vom Hörensagen und so ist das kleine Dorf aufspalten in seiner Meinung, was gerade passiert.
Dieses Mal fand ich es sehr leicht herauszubekommen, wer der Täter ist und was für andere Probleme die Menschen in Rosehaven bedrücken, sodass es für mich nicht viele Überraschungen gab.
Der siebte Band steht bereits jetzt schon in den Startlöchern, mal schauen, ob dieser mich wieder ein bißchen mehr überzeugen kann.

3 von 5 Blechdosen

Drea Summer "Die Todesbeigaben"

Rache. Jeder einzelne Mensch hatte danach schon einmal das Bedürfnis. Doch wie äußert sich Rache? Darf man ihr nachgeben und was passiert, wenn man auf einmal nicht mehr genug davon bekommt?
Auf mehreren Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven erzählt Drea Summer die Geschichte einer Person, der die Zeit unglaublich mitgespielt hat. Immer gab es Unrecht in ihrem Leben, immer verlief das Leben nicht so wie es sein sollte, um glücklich zu sein. Als es dann zur Initialzündung kommt, gibt es kein Halten mehr. Es gibt diese Liste. Die Liste der Menschen, die an allem schuld haben und der Gedanke an Rache bekommt eine ganz neue Dimension.
Als Lisa und Tobias auf der Suche nach neuen Fotomotiven sind und eine alte Kirche betreten, entdecken sie die Leiche einer Frau. Kurzerhand wird Lisas Mutter, welche bei der Wiener Polizei arbeitet verständigt, und Lisas Mutter und ihr neuer Kollege übernehmen diesen düsteren Fall. Das dies erst der Anfang ist und das die Ermittlungen allen später in den Knochen stecken werden, weiß zu diesem Zeitpunkt noch keiner, aber wer meint, der Fall könnte schnell abgeschlossen werden, der hat die Rechnung ohne die rasende, rachedürstige Person gemacht. Denn sie bestimmt, wann es endet und sie ist noch lange nicht fertig.
Wer schon einmal ein Buch von Drea Summer gelesen hat, weiß, dass man sie nach ihren Büchern zu beurteilen nicht zum Feind haben möchte. Auch dieses Buch zeigt die menschlichen Abgründe in den verschiedensten Weisen auf und signalisiert, was ein Mensch erleiden muss, um selbst zum Täter zu werden. Dabei geht es nicht nur um die Tat ansich, sondern viel Raum wird auch der Vorgeschichte gegeben, um den Leser an das Schicksal des Täters heranzuführen.
Kurze Kapitel, Wechsel zwischen Zeitebenen und den verschiedenen Hauptpersonen machen das Buch spannend und eine authentische Redeweise der Figuren zieht den Leser in die Handlung und lässt ihn die unterschiedlichsten Emotionen nahe spüren. Hass, Wut, Ekel, Mitleid, Angst, alle Emotionen kochen hoch, wenn man die Personen auf ihrem Leidensweg begeleitet. Immer in der Hoffnung, dass noch alles gut wird. Aber wer hatte schon Mitleid mit dem Racheengel?
Starker Toback, historischer Hintergrund, menschliche Abgründe, alles gut umgesetzt.

4 von 5 Todesbeigaben

Danke an Drea Summer für das Rezensionsexemplar

Sonntag, 12. September 2021

Christoph Grimm "Fast menschlich"


In der heutigen Zeit, in der Technik zunehmend unseren Alltag bestimmt und in dem wir oftmals ohne Technik gar nicht mehr auskommen, stellt sich inzwischen auch immer häufiger die Frage nach der Künstlichen Intelligenz (KI). Doch für die meisten Menschen ist der Gedanke, dass Maschinen auch Gefühle haben oder sie zumindest entwickeln können soweit ab von jeglicher Realität, dass sie die Augen davor verschließen und sich nicht damit auseinandersetzen oder auseinandersetzen wollen.
Christoph Grimm hat mit 24 weiteren Autoren Geschichten zur KI geschrieben. Geschichten, bei denen man im ersten Moment meinen könnte, sie seien alle gleich, weil sie das gleiche Thema behandeln, aber auch das ist fern ab jeglicher Realität, denn jeder Autor macht sich seine eigenen Ideen zum Thema KI und den damit verbundenen Möglichkeiten und Problemen.
Ein ausgewogenes Maß ist die Grundlage einer jeden guten Anthologie und so überzeugt diese Anthologie selbst den kritischen Leser mit den verschiedensten Ideen zum Thema KI. Denn auch hier sind die Möglichkeiten so vielfältig wie unser eigenes Leben und Christoph Grimm ist darum bemüht alle Facetten des Lebens darzustellen. Seien es lustige Episoden (kommt ein Mann zu einem Sexroboter), seien es tragische Elemente (was wenn die KI mehr für einen Menschen bedeutet als ein anderer Mensch), seien es philosophische Ansätze (darf die KI über ein Menschenleben entscheiden) und vieles, vieles mehr.
Mit jeder Geschichte taucht der Leser in eine Welt und eine andere Möglichkeit der KI ein, je nachdem worauf der jeweilige Autor seinen Schwerpunkt gesetzt hat.
Keine Geschichte wirkt dabei zu fantastisch, als dass man als Leser nicht darüber ins Grübeln käme, was wäre, wenn es in Zukunft so sein könnte. Man stellt sich mit jeder einzelnen Geschichte eher die Frage, wann es soweit ist und was von den Geschichten als erstes zum Tragen kommt oder ist es teilweise nicht eventuell schon soweit? 
Eine Anthologie, die Lust auf mehr macht. Zum einen sich mehr mit dem Thema KI zu beschäftigen und zum anderen sich mehr mit den auffallend guten Autoren, die sich bei der Anthologie beteiligt haben, denn das sei auch mal gesagt, mit Anthologien entdeckt man auch viele neue Autoren, deren weitere Werke man im Anschluss lesen kann.

5 von 5 KIs

Donnerstag, 9. September 2021

Literaturinterview Paracelsus Teil 2

Schön, dass ihr wieder da seid. Ich gehe davon aus, dass euch das Interview letzte Woche gut gefallen hat, also übergebe ich direkt wieder an Paracelsus.

Was war das Schlimmste an deiner Flucht durch Europa?
Dass kein Ende absehbar war. Ich wusste, der rote Orden würde niemals ruhen und mich immer verfolgen, solange er sein Buch nicht zurück hat. Es erschien mir ausweglos! Für immer auf der Flucht. Noch heute steigt die Galle in mir hoch, beim Gedanken daran!

Wenn du dich noch einmal neu entscheiden könntest, würdest du Simon wieder als Schüler aufnehmen?
Keinesfalls. Das war der größte Fehler meines Lebens. Und das will wirklich etwas heißen.

Was war das schönste Erlebnis während deiner Studienzeit in Basel?
Das war ein Tag, bevor alles begann. Als wir noch für den alten Bischof Leichen sezieren durften. Mit Caspar habe ich mich blendend verstanden und fast nie gestritten. Laurencz hatte gerade seine Anstellung bei der Stadtwache gefunden. Alle waren wir glücklich im Goldenen Ochsen. Nichts war kompliziert, nichts war schwierig. Auf dem Heimweg hat mich Margret das erste Mal geküsst. Das war ... ich sollte nicht darüber sprechen.

Was war deine unangenehmste Untersuchung?
Puh, da gibt es so einige ... Aber der Anus des alten Weibes auf dem Schrannenplatz zu München ist wohl ganz oben mit dabei.

Bist du mit der Geschichte, die deine Autorin über dich geschrieben hat zufrieden?
Haha! Nun ja, sie hat mich besser aussehen lassen und dankenswerter Weise meinen Sprachfehler unter den Tisch fallen lassen. Ich hätte mir vielleicht mehr Raum für meine Alchemie und die Lehre meiner drei Prinzipien gewünscht. Das ist mir besser gelungen! Diese Seelensuche damals ... darüber rede ich eigentlich nicht so gern. Schließlich sollte es ja ein Geheimnis bleiben!

Vielen Dank Paracelsus für das aufschlussreiche Interview und danke liebe Eva Isabel Schmid für das ungewöhnliche Interview. 
Ihr wollt meine Meinung zu den Büchern lesen, hier sind die Links zu meinen Rezensionen:
Eva Isabel Schmid - Paracelsus 1
Eva Isabel Schmid - Paracelsus 2

Dienstag, 7. September 2021

BLOGGER WANTED: Felixmeyer303

◠◡◠◡◠◡◠◡◠◡◠◡◠◡◠◡◠◡◠◡◠◡◠◡◠◡◠◡◠◡◠◡◠◡◠

Steckbrief:

Alter: 43
w/m/d: m
Lieblingsgenre: Thriller
Lieblingsautor: Andreas Gruber


Welches Buch hat dein Lesefieber entfacht?
Wolfgang Hohlbein - Das Druidentor, da war ich so 13/ 14 Jahre alt

Was ist für dich das schwerste daran, wenn man Rezensionen schreibt?
Einen Text zustande zu bringen der die anderen Bookies anspricht und inspiriert

Welches Buch würdest du einem anderen Leser ans Herz legen?
Aktuell: Johanna Mo - Nachttod und als Alltime Classic: Antoine de Saint-Exupéry - Der kleine Prinz

Wonach wählst du die Bücher aus, die du liest?
Immer nach dem Cover, blöde Angewohnheit, aber ich bin halt ein Coverlover

Würdest du jedes Buch lesen, was dir ein Verlag zur Verfügung stellt oder was ein Freund dir empfiehlt?
Ich gebe auf jeden Fall jedem Buch die Chance mich zu überzeugen

Auf welchen Autor bist du auf Grund deines Bloggens aufmerksam geworden?
Vincent Kliesch, der hat mir mit der Auris Reihe echt gut gefallen und es wurde ja auch viel bei Instagram dafür geworben ;-)

Schreibst du für jedes Buch, das du liest, Rezensionen?
So ist eigentlich mein Plan, bisher schaffe ich das auch ganz locker 😅


Neugierig geworden mit welchen Bloggern ich sonst noch in Kontakt stehe?
Oder wollte ihr vielleicht weitere Blogs kennenlernen?
Unter dem Label "Blogger Wanted" findet ihr alle Blogger, die ich hier vorstelle.
Vielleicht möchtest du auch dabei sein? Dann kommentiere doch den Beitrag. 😊

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Samstag, 4. September 2021

Barbara Lah "Sehnsuchtsorte: Eine Sammlung von Kurzgeschichten"


Sehnsuchtsorte! Was ist ein Sehnsuchtsort für dich? Wirklich ein Ort? Oder doch eher eine Person? Ist ein Sehnsuchtsort, ein Ort an dem du dich zuhause und geborgen fühlst? Oder ist ein Sehnsuchtsort ein Ort, an dem du noch nicht warst und den du unbedingt in deinem Leben besuchen willst?
Die 14 Kurzgeschichten, die gerade einmal 42 Seiten umfassen, zeigen dem Leser eins mehr als augenscheinlich auf, ein Sehnsuchtsort ist etwas sehr persönliches und kann nicht als etwas von allgemeiner Bedeutung gesehen werden. Ein verlottertes Haus ist für den Unbeteiligten gerade einmal eine Ruine, aber für den Menschen, der sein Leben darin verbracht hat, kann es alles sein, was er braucht. Erinnerungen, Wünsche, Begehren, alles wird in den Geschichten widergespiegelt, denn alles kann die Voraussetzungen für einen Sehnsuchtsort erfüllen.
Haben mir alle Sehnsuchtsorte gefallen? Nein. Haben mich manche Orte auch ein wenig verstört? Ja. Hätte ich diese Orte als meine Sehnsuchtsorte ausgesucht? Definitiv nicht alle.
14 verschiedene Autoren stellen ihre Idee eines Sehnsuchtsortes vor und ich verspreche, dass man als Leser vorher nicht darauf kommt, was für die jeweiligen Protagonisten als Sehnsuchtsort gelten kann. Gerade dann, wenn es für den Leser selbst so abwegig erscheint.
Und doch ist es eine interessante Erfahrung zu lesen, was Menschen mit Sehnsuchtsorten verbinden, was sie einfängt und was sie träumen lässt.

3 von 5 Sehnsuchtsorten

Donnerstag, 2. September 2021

Literaturinterview Paracelsus Teil 1

Habt ihr euch schon einmal vorgestellt, wie es wäre, wenn ihr eine Romanfigur zu ihren Handlungsweisen befragen könntet? Wenn ihr sie fragen könntet, warum sie etwas in einer Geschichte tut und warum sie sich so verhält, wie sie es tut?
Übergange verschwinden, wenn es sich dann noch um eine historische Figur handelt, die wirklich gelebt hat.
Also, seid ihr bereit ein Interview zu lesen, was Realität, Historie und Fantasie vermischt? 
Es gibt sich die Ehre: Paracelsus.

Woher kam der Wunsch sich gegen bestehende Konventionen aufzulehnen und nach der Seele der Menschen zu suchen?
Die Ärzte bringen die Patienten direkt ins Grab! Die derzeit praktizierte Medizin ist einseitig und veraltet. Die Ärzte beschäftigen sich nicht genügend mit dem Patienten, auch suchen sie nicht nach der wahren Ursache von Erkrankungen. Weder findet man bei meinen Kollegen Mitgefühl für den Patienten, noch Berufsehre. Viele Behandlungen schaden dem Patienten mehr, als ihnen zu nützen. Daran musste ich etwas ändern! Solange wir nichts über das wissen, was uns Menschen wirklich ausmacht - unsere Seele nämlich -, wird alle Medizin im Dunkeln tappen. Solange sind wir Krankheit und Tod schutzlos ausgeliefert. Wie sollte ich einen Kranken richtig behandeln, wenn ich rein gar nichts über seinen eigentlichen Kern weiß? Das hat mir einfach keine Ruhe gelassen!

Welcher Begleiter ist dir lieber? Caspar oder Simon?
Caspar natürlich. Er ist mein bester und einziger Freund auf dieser Welt. Simon war nur zufällig da und ist mir einfach nachgelaufen. Caspar hat es mir nie geglaubt, aber ich wollte wirklich nie, dass Simon mir hilft. Eigentlich.

Welche Studienzeit hat dir besser gefallen? Basel oder Ferrara?
Ach, schwierige Frage. In Ferrara waren die Lehrmeinungen fortschrittlicher und die Professoren aufgeschlossener gegenüber neuen Behandlungsmöglichkeiten. Das Wetter war gut, der Wein war süß, und die Weiber ... Eigentlich war es für mich das Paradies. Aber ... Caspar und Margret waren nicht da. Basel war für mich immer mein Zuhause. Das kann man nicht ersetzen.

Trotz deiner großen Bestrebungen gehst du auch immer auf die Märkte und hilfst dem kleinen Volk. Würdest du dich als ein Menschenfreund bezeichnen?
Nun ja, im direkten Kontakt finde ich die Menschen oft schwierig (und sie mich wahrscheinlich auch). Ich tue mich schwer, auf mein Gegenüber einzugehen. Auch kann ich ganz schlecht andere Meinungen akzeptieren. Menschen treiben mich zur Weißglut mit ihrem Unsinn! Mit den Patienten ist es aber anders: Das ist eine andere Ebene, und es geht nur darum, dem anderen zu helfen. Das kann ich gut, und dann gibt s auch keinen Streit. Also, solange ich Arzt sein darf, bin ich wohl ein Menschenfreund. Ansonsten ...

Welcher deiner Widersacher ist in deinen eigenen Augen der größere Feind der Stadt Basel?
Basel selbst. Also, das Schlechte im Menschen. Was die Verzweiflung mit ihm macht. Es ist immer dasselbe: Leidet der Mensch Not, sucht er sich einen Sündenbock. Der Mensch ist sich selbst der größte Feind.

Nächste Woche geht es weiter mit dem Interview.
Wenn ihr aber schon jetzt weiterlesen folgt, nehmt doch gerne das Buch von Eva-Isabel Schmid zur Hand und erfahrt mehr über die Abenteuer von Paracelsus und seinem Freund Caspar.