Donnerstag, 31. März 2022

Gytha Lodge "Neben wem du erwachst"

Kann man den Schrecken von Louise nachvollziehen? Da wacht sie nach einer völlig durchzechten Nacht auf und findet neben sich im Bett einen Mann. 
Dies ist nicht ihr Ehemann.
Dieser Mann ist tot. 
Und sie erinnert sich an: Nichts.
Völlig panisch verwischt sie ihre Spuren, um im Anschluss die Polizei zu rufen, welche unter der Führung von DCI Jonah Sheens schnell bemerkt, dass hier vieles nicht zusammenpasst.
Erinnert sich die Frau wirklich nicht mehr? Wo starb der Mann und warum lag er bei ihr im Bett?
Mit dem dritten Band um DCI Jonah Sheens schafft es die Autorin wieder den Leser in die Wirren des menschlichen Geistes zu entführen, denn wer von den Personen sagt die Wahrheit?
Warum verschweigen einige Zeugen bewusst irgendwelche Details oder soll man ihnen wirklich glauben, dass sie sich erst Tage später an Ereignisse erinnern können?
Hat Louise im Übrigen einen Filmriss oder tut sie nur so, um die Ermittler an der Nase herum zu führen?
Psychologisch wie schon der vorherige Band auf hohem Niveau lässt Gytha Lodge den Leser nicht zur Ruhe kommen. Meint man in der Meinung gefestigt zu sein, was passiert ist, kommt eine Wendung a la Agatha Christie daher, die man nicht hat kommen sehen und man muss sich erstmal sammeln, um die neuen Hinweise mit den bestehenden Fakten überein zu bekommen.
Das Buch verlangt vom Leser volle Konzentration, denn ansonsten entgeht einem der entscheidende Hinweis. 
Die häufigen Perspektivwechsel erhöhen ebenfalls den Druck auf den Leser.
Mir persönlich hat das zweite Buch besser gefallen. Mir lag die Geschichte mehr als die im dritten Band, denn in diesem war mir von allem ein bißchen zuviel (spoilerfreie Formulierung).

4 von 5 Betten

Maria Isabel Sánchez Vegara "Charles Dickens"

Weil sich Bücher im Rudel immer wohler fühlen als allein, gab es natürlich auch noch die Ausgabe einer meiner liebsten Autoren: Charles Dickens. 
Auf den bekannten 32 Seiten nimmt uns das Buch mit in die Kindheit von Charles Dickens, die so unglaublich prägend für seine spätere schriftstellerische Tätigkeit war. 
Das Buch verknüpft wunderschön die Kindheitserinnerungen von Charles Dickens mit seinen ersten literarischen Figuren, in dem der Autor seine Romanfiguren auf den Comicseiten selber trifft, eine Umsetzung, die mir sehr gut gefällt.
Als Charles Dickens Leser erfährt man auf diesen paar Seiten nicht viel Neues und doch ist das Buch wie die anderen der Serie eine schönes Kleinod, in dem es sich zu blättern lohnt! (Ob die Autorin wohl Bestellungen für weitere Autoren annimmt 😇?)
Wie immer, wenn ich etwas über Charles Dickens lese, bin ich hin und her gerissen, was doch letztlich mein Lieblingswerk von ihm ist. 
Meistens tendiere ich zu "Eine Weihnachtsgeschichte", Scrooge mit seinem Geld zählen und seiner Verbitterung, die drei Geister, es ist für mich der Inbegriff von viktorianischer Literatur und dann denke ich an die Berichte, die er über London geschrieben hat. Denn er war auch für Zeitungen als Reporter tätig. Ein Mann mit vielen Facetten und trotzdem oftmals so zerrissen.
Jeder sollte einmal Charles Dickens gelesen haben und dieses kleine Buch bietet einen gelungenen Einstieg.

5 von 5 Geistern

Mittwoch, 30. März 2022

Susanne Popp "Die Teehändlerin"

Es gibt diese Bücher, unter denen man sich etwas anderes vorstellt. Bücher, bei denen man von gewissen Gegebenheiten ausgeht. Wenn man diese Bücher dann liest und feststellt, dass diese Gegebenheiten nicht so sind, wie man es sich erhofft hat, neigt man dazu das Buch zu beschuldigen, doch liegt es am Buch oder eher am Leser?
Gerade ist es mir mit "Die Teehändlerin" passiert.
Mit diesem Buch entführt uns die Autorin nach Frankfurt. Genauer gesagt in das Frühjahr 1838, als der Kaufmann Tobias Ronnefeldt sich vorbereitet die Anbaugebiete des von ihm importierten Tees in China zu besuchen. Ein Prokurist ist eingestellt, alle Vorbereitungen laufen, doch dann fällt der Prokurist plötzlich aus, ein neuer muss daher und nichts von dem Besprochenen läuft in Abwesenheit von Tobias so, wie er es für richtig erachtet hätte. Da muss seine Frau Fredericke doch eingreifen, oder?
So kommt sie als Frau eines Kaufmanns hinter die Ladentheke und auf den ersten Spott braucht der Leser nicht lange zu warten. Doch wird sie sich durchsetzen?
Und nun? Was war mein Problem? Nun es waren zwei Dinge. Zum einen kam mir, und dabei blieb es bis zum Schluss, zu wenig über Tee vor. Natürlich wurde über Tee geschrieben und er kam auch nicht nicht vor, aber ich hätte mir mehr Details gewünscht:
Wieviel Tee verwendete man damals für die Herstellung einer guten Tasse Tee?
Wie lange brauchte es von China über England oder die Niederlande nach Deutschland etc.?
Wieviel Tee verkaufte sich am Tag?
Interessant fand ich, dass auch schon damals nicht nur Tee sondern auch anderweitige ostindische Artefakte im Laden erwerblich waren.
Zum anderen trägt das Buch den Titel "Die Teehändlerin". Lange Teile des Buches beschäftigen sich mit der Zeit bevor sie hinter die Theke geht und auch sonst wird berichtet über ihre Schwestern, über ihren Schwager, über einen Arzt, über andere Frauen, kurzum "die Teehändlerin" kam mir zu kurz. Allerdings muss ich sagen, als ich das Buch zu Ende gelesen habe, das vieles, obwohl es nicht "die Teehändlerin" ist, "die Teehändlerin" formt. Alle Figuren begleiten sie auf dem Weg, alle Figuren beeinflussen sie und das Buch zeigt ein Frankfurt in der Biedermeier-Zeit, in der es zum Umbruch kam, wie eine Frau gesellschaftlich wahrgenommen wurde. Somit war der Begriff der Teehändlerin hier weiter gefasst, als ich es erst für mich wahrgenommen hatte.
Abschließend gibt das Nachwort Aufschluss, was wahr und was Fiktion ist, ein wichtiges Element für mich bei historischen Büchern.

4 von 5 Teetassen

Maria Isabel Sánchez Vegara "Hans Christian Andersen"

Vor einiger Zeit erwähnte ich bereits, dass ich die Reihe Little people, big dreams sehr schön finde. Da es inzwischen allerdings so viele Bände gibt und das Thema mit dem Bücherregal ist wohl jedem Buchsammler bekannt, habe ich mich darauf beschränkt, lediglich die Bücher zu sammeln, die sich mit Autoren befassen.
Das Leben eines Autoren auf 30 Seiten zu beschränken, mag vielleicht herzlos erscheinen, allerdings gewährt das Buch lediglich einen Eindruck in das Leben und unterstellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
So habe ich mich mit diesem Band auf die Reise in Hans Christian Andersens Leben gemacht. 
Wusstet ihr, dass er ursprünglich ans Theater wollte und erst recht spät eine Schule besucht hat, um richtig Dänisch schreiben zu können?
Mit in meinen Augen wunderschönen Illustrationen sieht man Hans Christian, wie versucht Shakespeare zu geben, wie er von der Liebe enttäuscht wird, um letztlich auf seinem Schwan durch die Lüfte zu gleiten.
Ein abschließender Zeitstrahl umfasst noch einmal wichtige Stationen in Hans Christians Leben und bildet so ein informatives Ende dieses schönen Buches.
Solltet ihr die Reihe noch nicht kennen, es gibt auch Bücher über Entdecker, Forscher, Musiker, Sportler... Schaut doch vorbei. Es gibt sie inzwischen auch auf Deutsch, da ich aber auf Englisch angefangen habe, bleiben es bei mir auch immer die englischen Ausgaben.

5 von 5 Märchen

Dienstag, 29. März 2022

Piper Rayne "Twist of a love affair"

Die Zwillinge Denver und Rome Bailey erleiden den Albtraum eines jeden Mannes, als eine junge Frau kommt in Romes Restaurant gestürmt und behauptet, dass das Kind auf ihrem Arm seines wäre. Sie wolle einen DNA-Test, sprach es und ward schon wieder verschwunden. Schier alle Baileys sind sprachlos über diesen Auftritt und doch steht direkt die Frage im Raum, gibt es bereits eine neue Generation Bailey? Nach langem Hin und Her kommen zumindestens bruchstückhaft die Erinnerungen zurück und Rome kann sich an Harley erinnern. 
Doch einfach so will er den DNA-Test nicht machen, trotz all seiner Vorgeschichte möchte er das kleine Mädchen und somit auch zwangsläufig seine Mutter kennenlernen und überredet sie nicht sofort wieder abzureisen, sondern in paar Tage bei ihm und seinen Geschwistern zu bleiben, doch wie lange sind ein paar Tage?
In üblicher Bailey-Struktur wird auch im dritten Band der Reihe um die Geschwister Bailey immer im Perspektivwechsel aus Sicht von Rome und Harley erzählt. Beide erzählen über ihre Ängste und Sorgen, beide sind gebrandmarkt und haben ihre Vergangenheit. 
Mal feinfühlig, mal witzig, mal nahezu tiefsinnig baut sich die Geschichte auf, ohne dabei zu "schwere Kost" zu sein.
Eine Geschichte, um von den eigenen Problemen abzulenken und sich gleichzeitig bewusst zu machen, dass jeder im Leben Menschen hat, denen er vertrauen kann, man muss nur wissen, wer diese sind.

4 von 5 DNA-Tests

H. G. Wells "Die Zeitmaschine"

Er ist zurückgekehrt. Er ist zurückgekehrt aus dem Jahr achthundertzweitausendsiebenhundertundeins um seinen werten Kollegen von der Zukunft zu berichten, die er als Zeitreisender gesehen hat. Mit seiner Maschine ist er durch die Zeit gereist und hat einen Blick auf die zukünftige Menschheit geworfen, denn, man mag es kaum glauben, es gibt selbst in dieser Zeit noch Menschen. Sicherlich haben sie mit den Menschen seiner Zeit nicht viel gemein, aber sie leben noch auf der Erde. Doch sind die Einschätzungen des Zeitreisenden, die er in der gemütlichen Runde von sich gibt, denn wirklich nachvollziehbar? Er selbst merkt immer wieder an, dass er erst den einen und dann einen ganz anderen Eindruck von den Menschen, der Zivilisation und deren Gefüge hatte, um sich dann im Laufe der 144 Seiten das ein oder andere Mal zu korrigieren. Kann er seine Geschichte beweisen oder ist er ein Fantast? 
Ein Klassiker, der mit seiner Kürze komprimiert daher kommt und doch ein wichtiges Thema umfasst: Wie stellt sich ein Autor im Jahr 1895 die Zukunft vor und meine viel dringlicher Frage, warum reist man genau in dieses bestimmte Jahr? (Wer eine Antwort darauf weiß, möge bitte jetzt sprechen. 😉)
Zeitreisen, Dystopien und all ihre anderen Subgenres zielen in meinen Augen auf diesen Klassiker, denn obwohl das Buch beinahe 130 Jahre zählt, könnte das Buch auch in der heutigen Zeit geschrieben sein. Die Ideen, die Struktur und vieles anderes in diesem Buch könnte und kommt in den modernen Bücher namenhafter Autoren auch heute noch vor. 
Die Erzählperspektive ist gut gewählt und als Leser fühlt man sich durch kleine Kniffe mitten im Buch und kann den Zigarrenqualm riechen und das knisternde Feuer im Hintergrund hören, während man dem Erzähler in seinen Ausführungen folgt. Gesprächsfetzen ringen dem Leser ein Lächeln ab, denn der Autor schien schon damals genau zu wissen, wie die Leserschaft auf sein Buch reagieren würde und bindet dies fließend in seinen Text ein. Das einzige, was mich jeweils verwirrt zurücklässt, ist die Sache mit den Krebsen, aber das ist eine andere Geschichte. 

4 von 5 Zeitreisenden

Montag, 28. März 2022

Editha Weber "Gartenkünstlerinnen"

Um es mit den Worten von Emily Dickson einzuläuten, "Blüten und Bücher, die großen Seelentröster." 
So scheint es, als ob es kaum eine bessere Kombination als Bücher und Gärten gibt und über drei sehr außergewöhnliche Gärtnerinnen weiß dieses schmale Buch zu berichten.
Gertrude Jekyll, Vita Sackville-West und Constanze Spry sind auf ihren drei Lebenswegen auf so unterschiedliche Weise an das Gärtnern gekommen und doch haben sie drei alle etwas gemeinsam: Sie haben alle drei auf ihre Art des Gärtnerns und das Verständnis vom Gärtnern verändert.
Das Buch ist naheliegend in drei Abschnitte unterteilt, wobei sich jeder Abschnitt einer Gärtnerin widmet. Wie kam sie zum Gärtnern, was war ihr größter Erfolg beziehungsweise wofür ist sie hauptsächlich bekannt.
Alle drei werden dabei auch in den historischen Kontext gesetzt und ihr Lebenslauf mit dem Weltgeschehen verglichen. Untermalt mit einzelnen Fotos ihrer Werke wird dem Leser auch anschaulich dargebracht, was diese drei Frauen geleistet haben.
Über die vielen Details der Lebensläufe kann man auch Rückschlüsse auf die Gärten ziehen, denn da die Gärten als Rückzugsorte gelten, drücken sie gleichzeitig viel über die jeweilige Persönlichkeit der Gärtnerin aus.
Vornehmlich richtet sie das Buch ans Liebhaber der Gartenkunst, aber auch geschichtlich interessierte Leser finden hier kleine Anekdoten, die sie aus dem Buch mitnehmen und sie zugleich schmunzeln lassen, denn: "
In einem Garten ging das Paradies verloren, in einem Garten wird es wiedergefunden" (Blaise Pascal).

4 von 5 Gärten

Sonntag, 27. März 2022

Traian Suttles "Best of Sixty"

Ein weiteres Buch über Sherlock Holmes zu schreiben, ist ein Projekt, dass dem Autor eine noch größere Kreativität abverlangt, als es Bücher ansich schon tun. Denn nicht nur im Bereich des Pastiches gibt es zahlreiche Bücher mit und über Sherlock Holmes, nein, auch in der Sekundärliteratur hat der consulting detective Einzug gehalten.
Seien es seine Forschungen, seine Routen durch London oder er selbst als Leitfigur des viktorianischen Zeitalters, der in einem Buch untersucht wird (welch wunderbare Ironie).
Der Autor hat sich in diesem Buch daran begeben die 15 besten Sherlock Holmes Geschichten zusammenzustellen.
Über die Jahre hinweg, angefangen mit Arthur Conan Doyle, hat es immer wieder Abstimmungen darüber gegeben, welche die besten Sherlock Holmes Geschichten seien. Ausgehend von dem jeweiligen Jahrzehnt, in welchem die Abstimmung stattfand, über welches Land hat abgestimmt, bis hin zu, haben Männer oder Frauen abgestimmt, gibt es bei den 60 Geschichten, teilweise Übereinstimmungen, aber auch große Unterschiede.
Der Autor hat bei der jeweiligen von ihm ausgesuchten Geschichten immer vorangestellt, wie die Geschichte in den jeweiligen Abstimmungen abgeschnitten hat, um dann in eine detaillierte Inhaltsangabe überzuleiten. Er spannt den Bogen zwischen einzelnen Geschichten, zeigt Parallelen in Handlungen, Personen oder Situationen auf.
Man merkt hier schon, dass er trotz der Inhaltsangaben, eine gewisse solide Grundkenntnis des Kanons voraussetzt, um mit seinem Buch darauf aufzubauen.
Mit einer unverblümten Sprache zergliedert er die Texte und zeigt, warum für ihn diese Geschichten, die besten 15 sind, wobei je nach Geschichte die Erörterung unterschiedlich lang ausfällt.
Man muss das Buch sehr konzentriert lesen, da der Autor sich mit den Querverweisen und den Hintergrundrecherchen sehr viel Mühe gemacht. Doch gerade deshalb lässt sich das Buch "nicht am Stück" lesen. Der Sprachstil ist zwar flüssig, aber die schiere Informationsdichte verlangt dem Leser einiges ab.
Als Sherlock Holmes Kenner findet man in diesem Buch nicht grundlegend neue Informationen, aber es werden dem neigten Leser Zusammenhänge offenbart, die einem bei 56 Kurzgeschichten schon einmal durchgehen können.
Zuletzt sei gesagt, seine Auswahl entspricht nicht meinen 15 besten Geschichten, aber über Geschmack lässt sich nicht streiten.

3,5 von 5 Lupen

Freitag, 25. März 2022

Debbie Tung "Quiet girl"

Zunehmend wird die Welt lauter, unruhiger und komplizierter. 
Hektik hier, falsche Freunde da und obendrein ein Berg voller Arbeit, den man "zusammen" mit anderen bewältigen soll. Für Debbie ein Albtraum.
Debbie ist hochgradig introvertiert und mit Menschen kann sie nicht all zuviel anfangen, denn:
Menschen sind laut,
Menschen sind anstrengend,
Menschen saugen ihr die Kraft aus.
Kommt dir bekannt vor?
Dann nimm doch mal diesen Comic zur Hand. Vielleicht findest du dich selber wieder.
Sicherlich sind einige Dinge überspitzt, aber vieles kann der gestresste Leser, und ich denke hier, das betrifft nicht nur die Introvertierten, aus seinem Alltag wiederfinden und das eine oder andere zustimmende Nicken wird Debbie mit ihren Comics erhalten.
In der Umsetzung recht schlicht gehalten, erhält der Comic Debbies "Lebensgeschichte". Sie zeigt, wann sie in welchen Situationen strauchelt, wann es ihr zuviel wird und wie einzelne Menschen sie auf Kurs halten können, bis sie erkennt, dass mit ihr nichts "falsch" ist, sondern dass sie lediglich anders ist und das ist gut so.
Gerade dieser Aspekt hat mir besonders gut gefallen, man muss sich nicht verstellen, denn die richtigen Leute trifft man gerade dann, wenn man genau man selbst ist und diese Menschen wollen keine "Show".
Das Buch macht Mut, sich mit sich selbst auseinander zu setzen und die vermeintlichen Schwächen in Stärken zu verwandeln und das mit einer sehr herzlichen Art.

4 von 5 Kohlestiften

Donnerstag, 24. März 2022

Timothy Holme "Venezianisches Begräbnis"

Die Strafversetzung von Achille Peroni passt ihm selber so gar nicht.
In Neapel ist er "der Mann der Polizei", in Venedig, ja was ist er eigentlich?
Sicherlich wird ihm mit Respekt begegnet, dafür eilt ihm sein Ruf auch bis nach Venedig voraus. Allerdings sind die Venezianer schon ein ganz einiges Volk. Allein ihr Gewese um die Gondeln. Neben Vaporetti die Fortbewegungsmittel. Sogar eine historische Regatta wird für die Gondolieri durchgeführt und alle wollen sie dabei. Dabei geht es auch hier nicht immer legal zu, im Hintergrund werden die Wetteinsätze abgegeben, Personen werden bestochen und überhaupt alles ganz großes Kino. Doch im Vorfeld zu der Regatta stirbt ein Anwalt, der mit den Gondolieri zusammenarbeitet. Sein Büro ist durchwühlt und er selbst wurde auf dem Heimweg tödlich verletzt. Was wusste der Anwalt, dass er mit seinem Leben bezahlen musste?
Peroni macht sich mit seinen Kollegen an die Arbeit und so verschlungen die Wasserstraßen Venedigs sind, so verschlungen sind auch die Gründe für diese Tat.
Mit gemächlichem Tempo beginnt dieser klassische Krimi seine 250 Seiten. Man spürt auf den ersten Seiten schon das Dolce Vita und man ist schnell von der Stadt und den Personen eingenommen. Trotz seiner Überheblichkeit kann man sich mit Peroni relativ schnell anfreunden und ihn durch die Ereignisse begleiten. Was allerdings stört, ist das zu große Personal. Sicherlich ist es wichtig, dass man bei einem Krimi nicht schon auf Seite 10 weiß, wer der Mörder ist, aber ein wenig Durchsicht wäre schon manchmal nett gewesen. Schlungen hier, schlungen da und immer wieder noch eine weitere Möglichkeit, wer der Täter sein könnte, macht das Lesen zeitweise ein wenig anstrengend und auch die lateinische Ergüsse des tragen dazu bei, dass man letztlich froh ist, wenn das Buch endet.
Die Lösung und das Motiv sind dabei sehr schlüssig, das Lokalkolorit ein Traum, kurzum, es ist nicht mein Lieblingskrimi, aber die Idee war schon richtig gut.

3 von 5 Gondeln