Mittwoch, 15. Juni 2022

Kai Focke & Sabine Frambach "Staubkornfee trifft Ich-Maschine"

Leider ist man als Leser sehr auf das Äußere eines Buches fixiert und nimmt Bücher, die einen optisch nicht ansprechen, gar nicht erst zur Hand. Was für Kleinode dem Leser dabei entgehen können, zeigt diese Anthologie.
Denn es sind die Worte, die den Geschichten Leben einhauchen; den Leser in andere, fremde Welten entführen. In 55 fantastischen Kürzestgeschichten nehmen uns die Herausgeber Sabine Frambach und Kai Focke begleitet von einer 37-köpfigen Autorenschaft mit in die Phantastische Bibliothek Wetzlar und zeigen uns in ihrer Anthologie, ja was eigentlich?
Sie zeigen, wie vielfältig Literatur und im Speziellen phantastische Literatur sein kann, wenn man über den eigenen berühmten Tellerrand schaut.
Man kann mit einer Zeitmaschine Abenteuer erleben oder gar durch die Erzählung selbst durch die Zeit katapultiert werden. Man erlebt Aufstände, man ist mit dabei, wenn die Arche ausläuft oder begibt sich zum Mond oder oder ...
Haben Anthologien sonst einen thematischen Zusammenhalt glänzt diese Anthologie dadurch, dass keine Geschichte der anderen gleicht und man die gesamte Bandbreite der phantastischen Möglichkeiten kennenlernt. Ob Science-Fiction, Mystery, Fantasy, Horror oder Märchen, jeder wird das eine oder andere Genre bereits kennengelernt haben, aber gerade diese Zusammenstellung macht die Anthologie zu etwas ganz einzigartigem. 
Ob alle Geschichten dem eigenen Geschmack entsprechen? Wohl eher nicht, aber im Zusammenspiel sind diese 55 Geschichten, ausgewählt aus den bisher erschienenen Phantastischen Miniaturen eine gelungene Auswahl aus dem, was Phantastik in den Köpfen der Leserschaft erzeugen kann. Oder könnt ihr euch anderweitig so schnell durch Raum und Zeit und in andere Welten begeben?
Allen, die ihre Sinne auf Reisen schicken, neue Welten kennenlernen (denn es gibt noch anderes als Krimis, New Adult und Romance) und Sprache in ihrer unterschiedlichsten Form lesen wollen, sei diese Anthologie ans Herz gelegt. Ich verspreche euch, ihr werdet in die Welten eintauchen und danach mehr davon haben wollen.

5 von 5 Phantastischen Miniaturen

Samstag, 11. Juni 2022

Haike Hausdorf "Sherlock Holmes und der Gentlemen`s Club"

Vor dem Holmes ist nach dem Holmes oder so ähnlich.
Nachdem ich in den letzten Wochen so viele Sherlock Holmes Geschichten wie selten hintereinander gelesen habe, könnte man meinen, ich bräuchte eine Pause?!
Weit gefehlt, denn der doch zuweilen arrogante Detektiv ist für mich eine der liebsten Figuren, die die Buchwelt zu bieten hat. 
Daher freute es mich, als die Autorin mich um eine Rezension ihrer Novelle bat.
Nach den abendlichen Besuchen im Gentlemen`s Club finden sich einige betuchtere Gentlemen urplötzlich in dunklen Seitenstraßen wieder, nachdem sie zuvor dem Glückspiel gefrönt hatten. Sie sprechen von schauerlichen Figuren, Masken und zeitweilig sind sie auch längere Zeit außer Gefecht gesetzt. Doch das Wichtigste: Sie wurden alle ausgeraubt.
Sherlock Holmes wird vom Besitzer des Etablissements gebeten, sich umgehend dieses Falles anzunehmen, da seine Klientel sich ihrer Geldbörse nicht mehr sicher fühlt ...
Was soll ich sagen, auf gut 70 Seiten läuft Sherlock Holmes zur Bestform auf. Viele der kleinen Dingen aus dem Sherlock Holmes Universum finden in dieser Novelle Anklang, ohne sie dabei zu überladen.
Das Setting ist gut gewählt, die Gegenspieler aus der Londoner Unterschicht so gewählt, dass der Leser sich in die Geschichte hineinversetzen kann, ohne dass es allzu vieler Worte und Erklärungen bedarf.
Bissig und nachsichtig zugleich gibt Holmes in dieser Folge einen Auftritt, den Arthur Conan Doyle zu seinen besten Zeiten nicht ausgefeilter hätte formulieren können.
Die Geschichte ist für alle, die den Kanon gelesen haben und die dadurch die vielen kleinen Andeutungen in dieser Neuinterpretation verstehen, ein wahres Lesevergnügen, das den Leser oft schmunzeln lässt.

5 von 5 Lupen

Donnerstag, 9. Juni 2022

Bernhard Jaumann "Der Turm der blauen Pferde"

Kunst kann vieles sein.
Betörend, verheißungsvoll, bildend, aufrührerisch und manchmal klebt auch das sprichwörtliche Blut an den Bildern.
Rupert von Schleewitz wird mit seiner Kunstdetektei beauftragt, die Provenienz eines Bildes zu prüfen. Dabei handelt es sich nicht um irgendein Gemälde, sondern um das seit dem zweiten Weltkrieg verschollene Gemälde "Der Turm der blauen Pferde" von Franz Marc. Verschiedene Spuren wiesen zum einen auf Berlin als letzten Ort, an dem das Bild gesichtet wurde. Zum anderen gibt es die Vermutung, dass das Bild mit anderen Gemälden aus einem Zug im Berchtesgadener Land von der dortigen Bevölkerung geplündert wurde. Rupert und seine Angestellten Klara und Max bemühen sich bei ihren Ermittlungen nicht von Macht und Geld blenden zu lassen und nicht der gefälligsten Spur aufzusitzen, denn jeder der Beteiligten hat seine Gründe den Detektiven zumindest einen Teil der Wahrheit zu verheimlichen. So ist es kaum verwunderlich, dass erst viele Bilder begutachtet werden und Expertisen gemacht werden müssen, bis man schlussendlich feststellt, dass alles doch ganz anders war.

Einen Krimi fernab seines eigentlichen Wirkungskreises zu konzipieren und diesen so spannend zu schreiben, dass der Leser nur so durch die Seiten fliegt, das ist eine wahre Kunst.
Der Autor mischt in seinem Krimi, den Mythos um das Gemälde mit realen historischen Fakten, unterfütterte diese mit künstlerischem Fachwissen und bietet dem Leser gleichzeitig eine Aussicht, wie es hätte gewesen sein können.
Die Geschichte gliedert sich in zwei Erzählstränge und nimmt den Leser dabei in die verschiedenen Zeiten und auch an die unterschiedlichen Orte mit, denn bei diesem Buch lernt man soviel über Kunst und den Umgang mit Kunst, wie man es bei einem üblichen Krimi nicht erwarten würde. 

Eine wunderschöne, dadurch aber eine sehr spezielle Form eines außergewöhnlichen Kunstkrimis, der zugleich der Auftakt einer Serie um die Kunstdetektei von Schleewitz darstellt.
Ein Krimi, der soviel mehr bietet, als die klassische Krimihandlung, dass ich direkt um zweiten Band greifen möchte.

5 von 5 Leinwänden

Sonntag, 5. Juni 2022

Florian Beckerhoff "Herrn Haiduks Laden der Wünsche"

Mitten in Berlin führt Herr Haiduk seinen kleinen Laden. Alles für den täglichen Bedarf seien es Zigaretten, Zeitschriften oder Kaugummis kann man in seinem kleinen Laden, der einem Nadelöhr gleicht, erwerben. Zudem kann man bei ihm Pakete aufgeben und Lotteriescheine ausfüllen.
Alles in der Nachbarschaft ging seinen gewohnten Gang, bis Alma eines Tages einen Lotterieschein vor seiner Ladentür findet, der sage und schreibe 13 Millionen Euro wert ist. Ihr Plan: Sie will auf unkonventionelle Weise herausbekommen, wer den Schein verloren hat und den Schein dem rechtmäßigen Besitzer zuführen. Oder etwa nicht?
Als der junge Schriftsteller Paul einige Zeit später wieder in die Straße zurückkehrt, erzählt Herr Haiduk ihm diese Geschichte, die noch lange nicht vorbei ist. Doch was sind seine Hintergedanken bei der Erzählung?
Florian Beckerhoff führt dem Leser vor Augen, dass wir als Menschen völlig aus dem Häuschen geraten, wenn es um Geld geht. Keine Geschichte ist zu abstrus, keine Idee zu abwegig, um sie nicht für die Chance auf 13 Millionen Euro zu erzählen. Doch macht Geld wirklich glücklich? Spätestens in dem Moment, wenn alle meinen, sie hätten genau an dem Tag Lotto gespielt und es müsste ihr Gewinn sein, denn niemand sonst hätte soviel Anrecht auf den Schein, wenn Menschen vorbeikommen, die noch nie den Laden von Herrn Haiduk betreten haben, wird dem Leser schmerzlich bewusst, dass die Geschichte nicht weit von der Realität entfernt liegt, was sie auch oftmals schwer zu lesen macht.
Jeder hat sein Päckchen zu tragen und jeder Charakter steht für eine Gesellschaftsschicht, die auf ihre Weise zu bedauern ist und zumindest Mitleid erregt.
Sicherlich ist das Buch auch zeitweilig lustig, aber es überwiegt der ernste und nachdenkliche Ton, denn:
Brauchen wir Menschen wirklich Geld um glücklich zu sein? Oder übersehen wir nicht oftmals das Glück vor unserer Nase, weil wir nach Unerreichbarem streben?
Ein Buch, welches nachdenklich stimmt und trotz seiner 250 Seiten, nicht mal so eben weggelesen werden kann.

4 von 5 Glücksgefühlen

Dienstag, 31. Mai 2022

Tessa Roehl "Belles fantastische Entdeckung"

Bekanntlich wird die Liebe zu Büchern Kinder schon in den frühen Jahren mitgegeben und so war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand die Geschichte erzählt, wie Belle aus "Die Schöne und das Biest" diese Liebe entdeckte.
In dem kleinen wohlbekannten Dorf gibt es einen Buchladen, der nicht mehr von dem Glanz der früheren Jahre zeugt. Staub ist auf den Regale, durch die Fenster kann man nicht mehr in den Laden blicken. Ein Schicksalsschlag hat die Inhaberin müde werden lassen und nachdem Belle zufällig in den Laden gestolpert ist, will sie ihn wieder auf die Beine bringen.

Ein kleines, aber dennoch sehr feines Buch über die Liebe zu Büchern, über Schicksalsschläge, über den Wunsch, über sich hinauszuwachsen. Alles kindgerecht verpackt in einer wunderschönen Geschichte, die sich gut zum Vorlesen eignet.
Einziger Wehrmutstropfen: So schön die Bebilderung des Covers ist, das Buch selber ist ohne weitere Illustrationen.

5 von 5 Bücherregalen

Montag, 30. Mai 2022

Steve Ayan "Ich und andere Irrtümer"

Ich bin hilfsbereit, ordentlich und nett.
Tatsache? Oder Wunsch?
Steve Ayan führt den Leser in "Ich und andere Irrtümer" merklich aufs Glatteis, was er wissen glaubt und was faktisch die Realität ist. Denn nur weil man meint, dass man über die oben aufgeführten Eigenschaften verfügt, heißt das noch lange nicht, dass man sie besitzt oder ihnen gegebenenfalls nur hinterherhechelt. 
Innenwirkung, Außenwirkung, wie möchte ich für mich sein, wie beeinflusst mich meine Umgebung, kann ich überhaupt so sein wie ich will oder wird mir alles aufoktroyiert?

So verschiedene Bücher ich über Psychologie, Verhaltensforschung und ähnliches schon gelesen habe, in seiner Konstanz habe ich noch kein Buch gelesen, was sich so sehr darauf beruft, dass wir nicht wissen, was wir sind. Andere Bücher geben der Außeneinwirkung eine große Bühne, bei anderen sind es auch gerne die Gene, aber dieses Buch pendelt zwischen Außenwirkungen, Wunschdenken und Fehlinterpretation hin und her. Der Autor zeigt, dass gerade die moderne Welt des Internets den Menschen in seiner Selbstwahrnehmung immer mehr "zerreißt" und die Möglichkeit ein Gesamtbild zu sehen immer weiter schwindet.
Wie er das begründet? Das muss jeder Leser selbst herausfinden.
Denn das Buch bietet hier verschiedene Ansätze, wie man aus der vermeintlich Misere flüchten kann, doch es sei gesagt, auch wenn es sich um ein Sachbuch und nicht um ein Fachbuch handelt, ist das Lesen zeitweilig sehr müßig.

3 von 5 Irrtümern

Freitag, 27. Mai 2022

Jennifer Estep "Sense of Danger"

Washington D.C.
In direkter Nähe zum Trubel des menschlichen Einkaufszentrum befindet sich "Sektion 47". Zuständig für paranormale Befindlichkeiten gibt es hier für fähige Personen Jobs wie Cleaner oder Analysten. Je nach Geschmack und Fertigkeit. Von der einfachen Überwachung durch Analysten bis hin zur Liquidierung durch die Cleaner.
Charlotte Locke geht ihrem Job mit Feuereifer nach, denn sie sieht Zahlen. Sie sieht, welche Zahlströme nicht zu anderen passen und schreibt ihre entsprechenden Berichte. Als sie auf ein neues Ziel angesetzt wird, ihr direkter Vorgesetzter plötzlich tot ist und der Top-Cleaner aus dem Ausland anreist, nimmt ihr Leben in vielfältigerweise an Fahrt auf, dass sie sich zu den Zeiten mit einfacher Schreibtischtätigkeit zurücksehnt. Doch gleichzeitig ist es dieser Fall, der ihr die Chance bietet, sich zu beweisen und zu zeigen, dass sie nicht lediglich eine "Ziffer" ist.

Mit "Sense of Danger" startet Jennifer Estep eine Buchreihe, die den Spagat zwischen verschiedenen Genres probiert und es sei gesagt, es ist ihr auch geglückt. Zwischenmenschliche Beziehungen (eines Dramas), Ermittlungsarbeit bei der auch Kollegen ins Visier geraten (Spionage) und übersinnliche Fähigkeit wie Synästesie (Fantasy) greifen einander und erzählen dem Leser eine Geschichte, die von Verrat, über Zweifel und Angst, nahezu alle menschlichen Gefühle aufleben lassen.
Abwechselnd wird aus der Perspektive von Charlotte und Desmond erzählt, wie sie beide in diese Situation gekommen sind und was sie sich von der Ermittlung und ihrem Ausgang erhoffen.
Sollte man im ersten Moment den Eindruck haben, dass das Buch mit den Genres überladen sein könnte, fand ich, dass sich die Elemente harmonisch ergänzen. Zwar bedient sich die Autorin an ein oder zwei Stellen einiger Klischees, allerdings sind auch diese rational erklärbar und die Handlung wird dadurch in die gewünschte Richtung gelenkt.
Gerade die paranormalen Elemente verleihen der Geschichte eine Würze, die man bei anderen Bücher nicht findet und heben dieses Werk aus der Masse heraus.

4 von 5 Geheimmissionen

Danke an den Piper-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Dienstag, 24. Mai 2022

Franziska Henze "Tatort Nord"

Die Sommerferien stehen nahezu vor der Tür und die Deutschen machen sich frohen Mutes auf an ihre liebsten Küsten: die Nord- und die Ostsee.
Da will die rechte Reiselektüre gut ausgewählt sein, denn zartbesaitete Leser könnte diese Anthologie zeitweise das Fürchten lehren.
Für alle anderen ist das Lesen ein mordsmäßiger Spaß.
Mit 23 Kurzgeschichten machen die drei Herausgeberinnen mit ihren Autorinnen die Küsten unsicher.
Ob ein verdächtiger Selbstmord, ein Mord, ein Unfall, ein Versteckspiel, es gibt nichts, was es an den deutschen Küsten nicht gibt, denn der Mensch ist böse und vor allem ist er nachtragend.
Sowohl die Orte als auch die Handlungen sind individuell ausgestaltet und trotz der Kürze der jeweiligen Geschichten, schafft es jede einen Schauer über die Haut laufen zu lassen.
Eine gute Anthologie fürs Köpfchen, denn auch wenn es um Morde geht, steht nicht der "Thrill" im Vordergrund, sondern ein wesentlicher Teil der Geschichten beschäftigt sich mit der kriminellen Note und Planung.
Ein Fest für alle, denen Thriller zu bluttriefend sind.
Einige Autorinnen stellen hier auch ihre "Serien-Ermittler" vor, sodass man im Anschluss direkt eine weitere Lektüre an der Hand hat.
Bei meinem Lesetempo sind die jeweiligen Geschichten in zehn bis zwanzig Minuten zu lesen, also perfekt für ein Sonnenbad oder für die Zeit zwischen zwei Runden im Meer.
Also ab in den Strandkorb oder aufs Strandtuch, Buch zur Hand und achtet darauf, wer euch das Getränk reicht. 😏

4,5 von 5 Tatorten

Donnerstag, 19. Mai 2022

Madeline Martin "Der Buchladen vom Primrose Hill"

London, 1939.
Als ihre Mutter verstirbt und ihr Onkel alles übernimmt, hält Grace nichts mehr in ihrem kleinen Dorf. Zusammen mit ihrer besten Freundin fährt sie nach London, um einen Neuanfang zu wagen.
Doch auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn auch wenn sie bei ihrem Onkel im Laden gearbeitet hat, wollte er ihr kein Zeugnis ausstellen und so kann sie nicht bei Harrods beginnen, sondern sie muss erst einmal in dem kleinen Buchladen in Primrose Hill arbeiten, um sich ein entsprechendes Zeugnis zu verdienen. Doch, was macht man in einem Buchladen, wenn man nicht viel gelesen hat und was macht man, wenn der Laden einfach nur überfüllt und nicht mehr ansehlich ist?
Noch während Grace sich einen Plan für den Laden überlegt, ist es der 1.9.1939 und die Welt wird aus ihren Angeln gehoben. Plötzlich werden alle anderen Probleme klein und als die Angriffe auf London beginnen, ist dies ein Leben, was Grace sich niemals vorstellen konnte.

Selten habe ich ein Buch gelesen, welches so gegensätzliche Gefühle in mir ausgelöst hat.
Die Anfänge von Grace in der Buchhandlung, der Wunsch das Chaos zu beseitigen und sich der Literatur zu nähern, die Idee der Autorin bestimmte Bücher als Meilensteine von Graces Lesereise zu benennen, ist für jeden Bücherwurm einfach nur wunderschön.
Auf der anderen Seite die Szenen des Krieges. Ungeschönt, teilweise erbarmungslos, dass sich mir beim Lesen ein Kloß im Hals bildete.
Hin und her gerissen von den sehr unterschiedlichen Gefühlen, entwickelt das Buch eine Sogwirkung, der ich mich kaum entziehen konnte und ich bin begeistert, wie großartig die Autorin diese Gefühle miteinander verwoben hat. Nie wirken die Gefühle der verschiedenen Protagonisten überzogen oder gar gekünstelt und als Leser habe ich jedes individuelle Schicksal miterleben können.
Wer sich für Geschichte interessiert, dem sei dieses Buch, auch wenn es sich scheinbar vordergründig nur mal wieder um eine Geschichte über einen Buchladen handelt, sehr ans Herz gelegt.

5 von 5 Klassikern

Sonntag, 15. Mai 2022

Thomas Fritzsche "Selbst schuld - zum Glück!"

Hattest du schon einmal heute den Gedanken, oder hast du es vielleicht sogar auch ausgesprochen: "Ich bin gestresst!" 
In der heutigen Zeit scheint es zum guten Ton zu gehören, dass man gestresst ist. Ist man nicht gestresst, hat man nicht genug zu tun oder hat ein Leben, was nicht erfüllt genug erscheint. Oder?
Dabei ist der Stress vielfältig und das Wichtigste, wir sind selber an ihm schuld!
Jetzt kommen bestimmt die ersten und sagen, "Nein... Ich kann doch auch nichts dafür, dass immer soviel zu tun ist. Der Chef will immer dies und das und überhaupt, der Haushalt macht sich nicht von selbst und die Katze braucht einen Bediensteten...!"
STOP!
S T O P !
Denn die zentrale Frage ist, werden wir gestresst oder stressen wir uns selbst?
Denn wie in so vielen Fällen, scheint nicht die offensichtliche Antwort, die richtige zu sein.
Thomas Fritzsche nimmt uns in seinem Buch über Stress und Stressmanagement mit auf eine Reise. Das Buch, welches dem Leser die Augen bezüglich Stress und seiner Auswirkungen öffnet, ist nicht wie ein gewöhnliches Sachbuch aufgebaut. Es zeigt uns die beiden Kollegen Achim und Martin, die beide in leitender Funktion arbeiten und beide vielfach die Arbeit in den Vordergrund stellen. Per se nicht falsch, doch beide sind unausgeglichen und Martins Frau übernimmt in dem Buch den Part der Psychologin, die die beiden anhand eines Sieben-Stufen-Plans aus ihrer Stressspirale mit Übungen und Gesprächen herausholen möchte.
Gerade durch diese Art der Informationsweitergabe lässt uns den fachlichen und inhaltlichen Grundlagen sehr gut folgen und vermittelt das Wissen besser, als ein klassischer Ratgeber, "wenn Sie Stress haben, reduzieren Sie ihn."
In Alltagssituationen oder auch aus ganz anderen Bereichen bekommen wir Tipps, wie man Stress reduziert und im Anhang gibt es alle Übungen noch einmal zusammengefasst zum Nachmachen. Dabei wird klargestellt, dass Stress nicht für alle gleich ist. Wichtig ist, wie immer, die Balance.

4,5 von 5 Schuldeingeständnissen