Donnerstag, 12. Dezember 2024

Autoreninterview Jan Nowatschek

Hallo zusammen.
Heute gibt es ein Autoreninterview mit Anhang, denn der Autor hat jede Menge Wichtel im Gepäck.


(Foto: Jan Nowatschek (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich habe immer schon gerne Kurzgeschichten geschrieben oder mich versucht in jeglichen Bereichen kreativ auszuleben und als ich dann die Idee für dieses Buch und die Welt hatte, habe ich es einfach durchgezogen und umgesetzt.

Hast du einen Lieblingswichtel in Eldergrove?
Ja, während dem Schreiben ist mir in der Tat, die kleine Faelan am meisten ans Herz gewachsen. Und da es am Anfang eigentlich ganz anders geplant war, freut es mich am Ende umso mehr, welche besondere Bedeutung ihr im Laufe der Geschichte zu Teil wird.

Wie hast du die Welt um Eldergrove geplant?
Ja, ich habe mir erstmal alle Ideen und Anregungen gesammelt und aufgeschrieben. Dann habe ich mir versucht, jeden Aspekt der Welt und der Charaktere so gut es geht bildlich vorzustellen und auszumalen. Während dem Schreibprozess habe ich dann doch nochmal viel umgeworfen, aber am Ende hat sich alles wirklich harmonisch zusammengefügt. Mir war es sehr wichtig, dass man die "Welt" auch als solche wahrnimmt als Leser, deswegen hat auch so gut wie jeder Wichtel einen Namen, denn du sollst das Gefühl bekommen das diese Welt "wirklich" existiert, egal, ob du gerade liest oder nicht.  Du bist einfach nur ein Besucher der den Ereignissen beiwohnt, aber eben nicht der Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Deswegen auch die vielen kleinen Details, man soll sich einfach auch ein Stück weit darin verlieren können.

Woher kommt deine Liebe zu Wichteln?
Ja, die kleinen Wichtel fand ich eigentlich immer schon niedlich, deswegen habe ich ja auch meinen Instagram Account "OneWichtelADay" ins Leben gerufen, wo ich jeden Tag verschiedene Dinge poste, entweder Zitate oder lustige Anekdoten aus meinem Leben. Daraus ist dann auch wiederum die Idee für das Buch entstanden. Ich wollte einfach mal eine andere Geschichte erzählen, mit Protagonisten die man so vielleicht nicht kennt. Mit Wichteln die nicht nur das Weihnachtswichtel "Klischee" bedienen, sondern in einer eigenen Welt mit Problemen, Sorgen und Ängsten zu kämpfen haben, die sie bewältigen müssen.

Wie lange hast du an Eldergrove geschrieben?
Von der Ideenfindung bis zur Veröffentlichung könnte man sagen ca. 1 Jahr.

Wer sind deine schriftstellerischen Vorbilder? Ich habe da so meine Vermutung. 😉
Ja, das stimmt, das ist nicht wirklich schwierig. Ich habe mich natürlich auch bei meinem Buch sehr von J.R.R. Tolkien und Herr der Ringe beeinflussen lassen, aber ich mag auch sehr gerne George R.R. Martin oder J.K. Rowling.

Was schreibst du als nächstes?
Ja, ein zweiter Band zu Eldergrove ist schon fast fertig und wenn das Interesse weiter anhält soll auch noch ein dritter oder vierter Band folgen.

Nachdem ihr wisst, was Jan schreibt, könnt ihr hier mehr über ihn erfahren:
instagram.com/onewichteladay

In diesem Sinne: Fröhliches Lesen und freut euch auf das nächste Interview. 

Dienstag, 10. Dezember 2024

Kamome Shirahama "Atelier of Witch Hat 2"

Nachdem mich der erste Band sehr für Mangas - oder zumindest für diese Reihe eingenommen hat - lässt mich der zweite Band ein bisschen nachdenklich zurück.
Die Handlung wird schlüssig voran getrieben und doch merkt man, dass die Personen gerade ein wenig stagnieren. Die Beziehungen sind noch nicht entwickelt und ein leichtes Hin und Her lotet noch aus, wer mit wem hinterher kann und wer eben einfach nicht. 
Zeichnerisch sind viele "große Augen" in diesem Band vertreten, was nicht so meine "cup of tea" ist.
Doch der liebgewonnene Hauptcharakter entdeckt die weiterhin für sie noch unbekannte Welt und es ist spannend, sie dabei zu begleiten.
Auch die Magie wird liebevoll weiterentwickelt und lässt den Leser in eine Welt voller Fantasie und Ideenreichtum eintauchen.
Mir fehlen allerdings immer noch ein wenig die, ich nenne sie einmal, Erklärboxen aus den Comics, in denen ein bisschen Rahmenhandlung und Hintergrundinfos eingestreut werden.
Vielleicht gibt es die im nächsten Band.

4 von 5 Ateliers

Sonntag, 8. Dezember 2024

Rebecca Maly "Der Weihnachtsfriede"

Der Weihnachtsfrieden von 1914 um die Stadt Ypern (Belgien) ist wohl eines der merkwürdigsten Ereignisse in der Geschichte.
Im ersten Kriegsjahr stehen sich zumeist Deutsche und Engländer auf belgischen Gebiet gegenüber, als plötzlich am Weihnachtsabend Weihnachtslieder gesungen werden. Historisch belegt, steigt die Autorin kurz vor den Gesängen ein und schildert, wie sich in einer ganz obskuren Situation Deutsche und Engländer im Niemandsland treffen, zusammen trinken und essen, um im Anschluss Fußball zu spielen.
Franz berichtet diese Ereignisse seiner Schwester und kann sein Glück kaum fassen. Doch die Ruhe währt nur kurz. Bald fliegen die Geschosse wieder tief und treffen ihre Ziele.
Der Engländer Arthur, mit dem Franz sich gut versteht, schreibt ebenfalls Briefe und es entwickelt sich eine Brieffreundschaft.
Flüssig geschrieben, konzentriert sich die Autorin in der ersten Hälfte des Buches zumeist auf die Kriegspause und nicht auf die Schrecken davor und danach. Sie zeichnet ein warmes, geselliges Bild von der Stimmung und den Gesprächen zwischen den Menschen. Abgekapselt von den erlebten Schrecken strahlen die Taten während der Weihnachtstage in meinen Augen ein bisschen weniger hell, als sie es in der historischen Realität tun.
Was mich aber ziemlich erstaunt, ist der zweite Teil des Buches. Ich möchte glauben, dass es solche Begebenheiten gegeben hat, allerdings hatte ich eine solche Wendung bei dem Klappentext überhaupt nicht erwartet und war enttäuscht, dass der erste Abschnitt so kurz gehalten wurde.
Inhaltlich und strukturell ist das Buch stimmig erzählt, nur ist es nicht das, was ich erwartet habe, daher:

3 von 5 Tannenbäumen

Donnerstag, 5. Dezember 2024

Autoreninterview Mary Stormhouse

Hallo zusammen.
Letzte Woche erschien das neue Buch von Mary Stormhouse. Der richtige Zeitpunkt ein Interview zu führen.

(Foto: Mary Stormhouse (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich habe schon als Kind geschrieben und wollte Schreiben zum Beruf machen. Da ich pragmatisch veranlagt bin, ging ich in die Werbung. Erst nach meinem Ausstieg aus Werbeagenturen habe ich 2022 meinen ersten Roman veröffentlicht.

Du bist dieses Jahr mit dem Phantastikpreis Seraph ausgezeichnet worden. Motiviert dich die Auszeichnung wieder an den Schreibtisch zu gehen und neue Geschichten zu schreiben oder musst du so einen Preis erst einmal sacken lassen?
Sie motiviert vor allem dadurch, dass ich das Gefühl habe, mich jetzt wirklich "Autorin" nennen zu können. Vorher hatte ich mit dem Imposter-Syndrom zu kämpfen. Und das ist echt sehr cool.

Wie kann man sich die Entwicklung einer Geschichte bei dir vorstellen?
Durch einen Trigger werde ich inspiriert und schreibe erst einmal die Idee auf. Wenn ich gerade an nichts anderem arbeite, prüfe ich dann, ob sie wirklich funktioniert. Dann kommen die Charaktere und der grobe Story Aufbau. Gerade Chars prüfe ich immer, ob ich wirklich alle brauche. Wenn ich anfange, zu schreiben, habe ich eine grobe Plotline, die ich aber oft über den Haufen werfe, wenn die Charaktere was anderes vorhaben.

Und konkret: Wie kam es zu "The Olympian Job"?
In "The Olympian Job" clashen Charaktere aus einer Rollenspielrunde mit meiner Liebe zu Mythologie, Xena, Fremdsprachen und Heist-Filmen.

Das Cover zu "The Olympian Job" ist ein richtiger Hingucker. Wie wichtig sind Cover und Gestaltung für dich?
Das Cover ist ja das Aushängeschild des Buches. Bei einem Buch mit coolem Cover wird eher der Klappentext gelesen. Ich bin sehr Happy mit dem Cover, dass Vinachia Burke designt hat und das perfekt zur Story und zu mir passt.

Mit welcher der Personen aus "The Olympian Job" würdest du gerne einen Kaffee trinken gehen?
Makani! Vermutlich würden wir Kaffee mit Schuss trinken, aber sie steht mir von allen Figuren am nächsten.

Was sind deine nächsten Projekte?
Bereits zur Leipziger Buchmesse erscheint mein nächster Roman im WunderZeilen Verlag, in dem eine Gruppe Cosplayer die Hauptrolle spielt. Außerdem arbeite ich an einer Space Opera, die ich selbst herausbringen werde.

Nachdem ihr wisst, was Mary schreibt, könnt ihr hier mehr über sie erfahren:
instagram.com/marystormhouse

In diesem Sinne: Fröhliches Lesen und freut euch auf das nächste Interview. 

Montag, 2. Dezember 2024

Jan Nowatschek "Die Verschwörung von Eldergrove"

In "Eldergrove" scheint die Welt noch in Ordnung. Mehrere Generationen von Wichteln leben in den beiden Stadtteilen ein geschäftiges, aber doch ruhiges Leben. Doch mit einem Mal wird hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Der eine oder andere Nachbar wird auf einmal nicht mehr gesehen und zurück kehren sie auch nicht.
Einzelne Wichtel schmieden einen Plan, doch die Falschen wollen sich ihre Karten nicht aus der Hand geben.

In mehreren Handlungssträngen erzählt der Autor die Geschichte von dem Wichteldorf "Eldergrove" und einem gewissen Claus. Auf 320 Seiten zeigt er uns, was es heißt, wenn schöne Dinge wie Weihnachten, Nächstenliebe und Zusammengehörigkeit kräftigt durchgeschüttelt und man sich lediglich auf die Macht konzentriert.

In vielen detaillierten Beschreibungen entsteht die Welt von "Eldergrove" im Kopf des Lesers und man fiebert mit, wenn einzelne Wichtel dazu bestimmt sind, für die Gemeinschaft einzutreten. Dabei spürt man an vielen Stellen die Nähe zu großer Fantasieliteratur, die der auf seine Welt adaptiert. 

Ein Buch, was zeigt, wie fragil eine Gesellschaft sein kann, wenn man darauf bedacht ist, genau zuzuhören.

4 von 5 Wichteln

Danke an den Autor für das Rezensionsexemplar.

Donnerstag, 28. November 2024

Mabel Swift "Sherlock Holmes und das Geheimnis des Laternenanzünders"

Sherlock Holmes ist ein Charakter, mit dem man als Autor wenig falsch machen kann, wenn man die originalen Texte gelesen hat. Sein Denken und sein Benehmen sind relativ klar vorgegeben und seine Interaktionen mit Watson laufen oft ähnlich ab. Daher verwundert es nicht, wie viele verschiedene Pastiches im Lauf der Jahrzehnte auf dem Markt erschienen sind.
Mabel Swift hat ihre eigene Reihe um Sherlock Holmes aufgesetzt. In der aktuellen Folge treibt ein Schuft sein Unwesen, indem er bereits entzündete Gaslaternen wieder zu löschen scheint. Oder hat der Anzünder sie gar nicht erst angemacht?
Dieser kurze Krimi entführt den Leser in die Zeit, als die Hochzeit der Anzünder abebbt, denn die Elektrizität steht bereit.
Der Fall ist gut aufgebaut, doch woran es aus meiner Sicht hapert, ist die Übersetzung. Aus dem Englischen mittels KI übersetzt, gibt es mehrere Stellen, die im Deutschen nicht richtig passen.
So wird Mr. im Deutschen belassen, der Mister aber als Herr übersetzt. Ganze Sätze werden eins zu eins wiederholt, ohne die Möglichkeit einer Varianz in Erwägung zu ziehen.
Schade eigentlich, weil der Fall wirklich gut ist und der Lesefluss durch die Übersetzung arg gestört wird. 
Für Holmes Fans sicherlich nicht die beste Reihe, um sie auf Deutsch zu lesen.

3 von 5 Gaslaternen

Autoreninterview spezial Carsten Moll

Hallo zusammen.
Wie wird man Lektor? Ist es ein Traumberuf? Diese Woche hat Carsten Moll meine Fragen beantwortet. 

(Foto: Carsten Moll (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du Lektor geworden?
Ich bin über ein paar Umwege zum Lektorat gekommen. Ich habe als Student angefangen, Filmkritiken zu schreiben, war dann einige Jahre als Texter und freier Redakteur tätig und habe schließlich 2017 begonnen, wissenschaftliche Texte zu lektorieren. Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mich dann aufs belletristische Lektorat spezialisiert. Ich glaube, jetzt bin ich angekommen.

Was macht deiner Meinung nach einen guten Lektor aus?
Einerseits sollte man Respekt vor der Vision der Autor•innen haben und ihnen auf Augenhöhe begegnen. Andererseits sage ich auch immer, dass ein Lektorat eine Zumutung sein kann: Man stellt manchmal Grundsätzliches in Frage, wagt sich gemeinsam auf unbekanntes Terrain und muss manches vielleicht auch mal ausdiskutieren, bevor man zu einer Lösung kommt.

Bei Instagram gibst du immer wieder kleine Schreibtipps. Wie wählst du diese aus?
Ich teile am liebsten Tipps von Profis, von bekannten Autor•innen, die bewiesen haben, dass sie wissen, was sie tun. Wichtig ist mir dabei auch immer, dass man nicht zu sehr generalisiert und dogmatisch wird. Schreibtipps können ein guter Impuls oder eine Leitlinie sein, aber es gibt immer gute Gründe, es anders zu machen.

Bei der Herausgabe von Anthologien überschneiden sich deine Aufgaben-bereiche. Meinst du, es ist vorteilhaft, wenn man viele Bereiche abdecken kann?
Ich denke, es kann helfen, wenn man viele Perspektiven aus eigener Erfahrung kennt. Aber man muss und kann nicht alles selbst können. Dass sich meine Aufgaben bei den Anthologien überschneiden liegt vor allem daran, dass es kleine Projekte mit geringem Budget sind. Das Schreiben und die damit verbundenen Aufgaben wie das Lektorat werden oft so dargestellt, als würde man die am besten zurückgezogen von der Welt ganz allein bewältigen. Meiner Meinung nach bereichern Teamarbeit, Austausch und Dialog all diese Arbeiten aber ungemein.

Kann man als Lektor auch entspannt lesen? Oder korrigiert man immer im Geist?
Das hängt bei mir von der Qualität des Buches ab. Das ist wie bei einem Film, in dem die Schauspieler•innen aus Versehen in die Kamera schauen oder das Mikro ins Bild hängt. Wenn die Gemachtheit zu sehr auffällt und die Immersion stört, denke ich beim Lesen viel darüber nach, was man wie zurechtzupfen könnte. Das macht mir aber genauso viel Spaß, wie mich in einer Geschichte zu verlieren.

Woran erkennst du eine gute Geschichte?
Das ist eine Frage, die ich mir vor jedem Text aufs Neue stelle. Ein guter Text vereint für mich idealerweise einen eigenen Sound, ein Bewusstsein für Traditionen und eine Neugier aufs Unbekannte.

Wie lektorierst du einen Text, der dir persönlich nicht zusagt?
Um einen Text zu lektorieren, muss ich nicht zur Zielgruppe gehören, aber ich sollte die potenzielle Leserschaft kennen und verstehen. Ist das nicht der Fall, bin ich nicht der Richtige für den Job. Solche Anfragen lehne ich ab, ebenso wie Texte, die gegen meine persönlichen Grundsätze verstoßen. Eine schöne Erfahrung, die ich aber bei fast jedem Lektorat mache: Ich lerne den Text immer mehr schätzen, desto tiefer ich mich hineinarbeite. In diesem Zusammenhang ist für mich auch der enge Austausch mit den Autor•innen wichtig. Ein Kennenlernen über Telefon oder Zoom gehört mittlerweile fest dazu, um herauszufinden, wie der andere tickt und was ihn antreibt.

Nachdem ihr wisst, was Terry schreibt, könnt ihr hier mehr über ihn erfahren:
instagram.com/lektorat_moll

In diesem Sinne: Fröhliches Lesen und freut euch auf das nächste Interview. 

Mittwoch, 27. November 2024

Charles Schulz "You're not real, Snoopy"

Die Comics von Snoopy sind immer wie eine Art "Nach Hause kommen".
Egal, wie lange man keinen Band der Reihe mehr gelesen hat, man ist direkt wieder bei Charlie Brown, Snoopy, Lucy und den anderen.
In dem Band hat Charlie mal wieder eine Hausaufgabe, die er nicht abarbeiten will und Snoopy verliebt sich unglücklich.
Lucy hat wieder eine ihre "Arztpraxis" eröffnet und auch die anderen Kinder gehen ihren liebsten Beschäftigungen nach.
Kaum ein anderer Band hat mehr oder weniger durchgehend eine Geschichte erzählt, somit war dieser Band für mich nahezu etwas Besonderes.
Andere Bände mögen lustiger gewesen sein, da dieser Band doch oftmals nachdenklich stimmt, aber auch Comics müssen nicht immer nur lustig sein.

4 von 5 Hundehütten

Freitag, 22. November 2024

Veröffentlichung "Hinter Mauern"

Happy release day. 
Heute erscheint bereits meine zweite Anthologie im Burgenwelt-Verlag.
Dieses Mal geht es nicht um Sherlock Holmes, sondern um das Mittelalter und hier speziell darum, hinter welchen Mauern Geschichten spielen können.
17 Autorinnen und Autoren haben jeweils eine Geschichte beigesteuert und dabei sind die Mauern so unterschiedlich, wie es die Texte aus sind.
Die Lesenden treffen auf z.B. Stadtmauern, Klostermauern, Burgmauern oder auch emotionale Mauern.
Taucht ein in die Welt des Mittelalters und erlebt so vielseitige Geschichten wie das Mittelalter Facetten hatte.

Donnerstag, 21. November 2024

Autoreninterview Marie-Christin Fuchs

Hallo zusammen.
Heute gibt es ein Interview mit einer Autorin, deren Bücher ich schon lange mit voller Freude erwarte.

(Foto: Marie-Christin Fuchs (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Vor allem überraschend! Ich saß vor einigen Jahren an der Uni, schrieb an meiner Doktorarbeit, einen festen Zehn-Jahres-Plan im Kopf - und hatte dann plötzlich diesen einen Moment, in dem ich dachte: Das will ich doch nicht für den Rest meines Lebens machen! Nach dem ersten Schock und der Panik habe ich mich dann gefragt, was ich denn stattdessen machen will? Die Antwort war: Ein Buch schreiben. Keine wissenschaftliche Arbeit, sondern einen Krimi. Das hat dann nicht von Heute auf Morgen geklappt, klar, aber ich hatte Ehrgeiz – und auch Glück.

Seit mehreren Jahren schreibst du eine erfolgreiche cosy crime Serie, welche in Cornwall spielt. Wie ist die Idee entstanden?
Mein Agent wusste aus einer Unterhaltung mit mir, dass ich einige Zeit in England gelebt und gearbeitet habe. Ein Beispiel dafür, dass manchmal kleine Informationen wichtig werden können! Und dann hat er gefragt, ob ich nicht eine Idee für eine Krimireihe entwickeln könnte, die eben dort spielt. Er war von Cornwall als Schauplatz begeistert:
Das Meer, die Klippen und Buchten, die kleinen Cottages und großen Herren-häuser. Und mit meiner langjährigen Leidenschaft für Gärten hatten wir dann schnell eine Idee entwickelt: Gartenkrimis in Cornwall. Eine Gärtnerin als Ermittlerin. Und der Verlag mochte es zum Glück auch!

Bist du für die Serie in Cornwall herumgereist oder hast du die Recherche am Computer gemacht? Bist du der Meinung, dass man, um ein Setting beschreiben zu können, es gesehen haben muss?
Ich kenne Cornwall aus meiner Zeit in England, bin dort gewandert und habe mir vieles angesehen. Und ich habe in Oxford im botanischen Garten gearbeitet und da hinter die Kulissen schauen können. Das hilft mir sehr. Aber einige Schau-plätze habe ich mir auch durch Recherche erarbeitet, ohne dort gewesen zu sein. Zum Beispiel habe ich St. Michaels Mount nie selbst betreten, da an dem Tag, an dem ich das vor Jahren tun wollte, Sturm herrschte, der Damm überspült war und die Boote nicht fuhren. Ich habe dann viele Videos gesehen, Bücher gelesen und mich auf Beschreibungen anderer Autorinnen gestürzt. Und es steht ganz weit oben auf meiner Liste der Gärten, die ich endlich live sehen will!

Wie kommst du auf die Ideen für die neuen Fälle?
Zeitungsschnipsel, Fernsehberichte, Reiseführer, Gespräche mit Freunden. Ich lese wirklich sehr viel. Die Ideen kommen dann aus unterschiedlichen Quellen. Meist gibt es einen Gedanken, der das Ganze anstößt. Mit Glück nimmt dieser Gedanke dann an Fahrt auf und bringt eine Geschichte ins Rollen. Ein Beispiel: Ein Buch über japanische Gärten, das ich geschenkt bekommen habe. Ein Gespräch über blaue Flecken durch Blutverdünner mit meiner Schwiegermutter. Die Frage, wie weit jemand gehen würde, um sich und seinen Ruf zu schützen. Alles zusammen in eine Schüssel gepackt, Deckel drauf. feste durchschütteln. Mit Glück kommt dabei was Gutes heraus!

Wie kann man sich die Arbeit an so einer langjährigen Serie vorstellen?
Ich schreibe ja noch andere Serien. Und daher ist der Tag, an dem ich mich hinsetze und weiß, ich werde wieder nach Rosehaven, immer wieder ein bisschen wie nach Hause kommen. Ich koche mit Tee und feier das Ganze mit Scones und Clotted Cream. (Nur am ersten Tag, sonst wäre ich bald selbst ein Rolling Scone...!)
Ich habe auch Hefte zu den einzelnen Figuren mit Notizen und Co. Aber die nutze ich wenig, meist „gehe“ ich einfach durch mein Dorf und sage „Hello again!“.

Dieses Jahr erschien "Mord kennt kein Alter", welches in Deutschland spielt. Wie unterschied sich die Arbeit zu den Cornwall-Krimis und kannst du sagen, welche dir mehr Spaß gemacht hat?
Bei „Mord kennt kein Alter“ wird die Handlung aus unterschiedlichen Perspek-tiven erzählt und nicht alle Erzählstimmen sind immer ganz ehrlich. Das heißt, es war technisch etwas komplizierter und ich hatte einen sehr detailliert ausgearbeiteten Plot, also einen Handlungsablauf. Und viele Figuren sind deutlich älter als ich, oder haben einen sehr anderen Hintergrund, da musste ich mehr Kopfarbeit machen.
Die Kopfarbeit habe ich bei Cornwall auch, aber da dort die Handlung immer ganz klar an Mags geknüpft ist (wir begleiten Sie ja sehr eng die ganze Zeit durch die Geschichten), kann ich da mehr aus dem Bauch schreiben. Und auch, wenn ich und Mags uns nicht allzu ähnlich sind, haben wir doch zumindest das Geschlecht und einige andere Dinge gemeinsam.
Spaß macht mir beides – ich schreibe einfach unglaublich gerne!

Du gibst auch Schreibkurse. Was ist für dich die wichtigste Zutat beim Schreiben?
Begeisterung, Vorstellungskraft, Leidenschaft, aber auch Disziplin, Durchhalte-wille, Fleiß und gute handwerkliche Fähigkeiten.
Ersteres muss man mitbringen, an Zweiterem kann man arbeiten.

Nachdem ihr Marie-Christin kennengelernt habt, könnt ihr hier mehr über sie erfahren:

instagram.com/MarieChristinFuchs
das-syndikat.com/autoren/autor/marie-christin-fuchs

In diesem Sinne: Fröhliches Lesen und freut euch auf das nächste Interview.