Mittwoch, 13. Mai 2020

Dr. Bernd Flessner "Das Buch"

Oft nehmen wir das Leben viel zu selbstverständlich. 
Ja, auch genau jetzt in diesem Moment.
Du guckst auf deinen Bildschirm und liest diese Zeilen.
Ist dir eigentlich klar, was für eine Errungenschaft das ist.
Nicht nur die technische, dass wir heutzutage mit Smartphones immer und überall lesen können. Nein, allein die Tatsache ansich, dass wir lesen können.
Was würde uns Lesern alles fehlen, wenn wir nicht lesen könnten. Nun ja, wir wüßten in dem Fall ja nicht, was wir vermissen würden. Allein der Gedanke löst ein Schaudern bei mir aus. Keine Krimis, keine Romane, keine Lieblingsfiguren. Nichts, einfach gar nichts.

Daher möchte ich auch ganz dringend dieses Buch ans Herz legen. Nun, wie lange hast du an die "Was ist was" Reihe nicht gedacht? Sicherlich, du hast sie vielleicht gelesen, als du ein Kind oder ein Jugendlicher warst, aber, was für dich als Kind nicht schlecht war, ist es jetzt auch nicht.
Komm mit, auf die klassische 64-seitige Reise durch die Welt der Bücher. Wie kam es zur Schrift, welche Schrift entstand zuerst. Wie entstand der Buchdruck? Und um auch auf aktuelle Themen einzugehen (nicht dass einer meint, wir reden hier nur über die Vergangenheit), wie entsteht auch heutzutage ein Buch?
Unterhaltsam geschrieben, mit Grafiken, Illustrationen und kleinen Kommentaren gespickt, ist dieses "Was ist was" Buch durchaus auch ein Buch für Erwachsene, die sich für die Geschichte des Buches, des Buchdruckes und der Schrift interessieren.
Und ich persönlich glaube, aus diesem Buch kann jeder etwas neues lernen.

5 von 5 Sternen

Montag, 11. Mai 2020

Autoreninterview mit Helmut Barz Teil 5

Hallo zusammen.
Kaum zu glauben, heute ist schon der 11.05.20 und dies ist der letzte Teil meines kleines Interviews mit Helmut Barz, passend zum Erscheinungstermin seines neuen Romans "Brumm!".



Ist es dir bei deinen Büchern, trotz voriger Planung passiert, dass sich eine Figur anders entwickelt hat, als du es anfangs gedacht hättest?
Das passiert eigentlich ständig. Figuren entwickeln beim Schreiben immer ein Eigenleben, nicht nur die Hauptfiguren. Ein gutes Beispiel dafür ist übrigens Laura aus "Westend Blues", die ich eigentlich schon nach zwei Kapiteln wieder abschieben wollte, die sich dann jedoch eigenständig weiterentwickelte und sich als hervorragende dramaturgische Triebkraft erwies.
Noch viel krasser war es im Fall von Augustin (African Boogie, https://www.coeurart.de/produkt/african-boogie-katharina-klein-im-urlaub-ebook/), der eigentlich nicht mehr als ein kleines Kabinettstückchen sein sollte. Eine Hommage an einen Reiseführer, den ich mal in Namibia kennengelernt habe: einen stolzen Herero, der jedoch fleißendes Deutsch mit breitem sächsischem Akzent sprach. Das ist in Namibia übrigens gar nicht so selten. Die damals noch existente DDR hat die Widerstandsbewegung des Landes gegen die auch hier existierende Apartheid unterstützt und viele Schwarze zum Studieren in die DDR eingeladen. Hoffnung war wohl, dass nach dem Fall der Apartheid aus Namibia so etwas wie eine blühende Keimzelle des Sozialismus in Afrika werden soll. Bei mir wurde dann daraus ein Luftfahrtingenieur, der in Aachen studiert hat, und der mit der großen Liebe zum deutschen Volkslied gesegnet ist.
Augustin erwies sich dann aber als ausgesprochen praktisch. Sonst hätte ich für viele Aufgaben, die er im Buch übernimmt, immer einzelne Figuren einführen müssen.

Auch wenn das Crowdfunding bei "Brumm!" nicht geklappt hat, würdest du ein Crowdfunding für deine zukünftigen Bücher in Erwägung ziehen?
Nun, das Crowdfunding für "Brumm!" war ein Experiment, um zu sehen, wie weit ich damit komme. Das Buch war glücklicherweise auch anderweitig bereits finanziert. Mein Ziel für die Kampagne war, bereits im Vorfeld Neugier zu erwecken (das hat geklappt) und schon mal einen Nukleus von Leser*innen zu gewinnen, die das Buch vor dem Erscheinen bereits lesen. Letzteres hat leider nicht geklappt.
Allerdings habe ich die Kampagne in der Endphase auch nicht mehr beworben. Dazu gab es auch auf StartNext zu viele Projekte, die das Geld dringender benötigten als ich. Und ich dachte, ich lasse denen besser den Vortritt.
Insgesamt ist jedoch beim Thema Crowdfunding die Berührungsangst in Deutschland noch sehr hoch, wie mir die Gespräche mit potenziellen Spenderkandidaten gezeigt haben. Die von mir gewählt Plattform StartNext ist leider auch nicht selbsterklärend: Allzu oft haben dann die Leute bei mir zurückgefragt, was sie denn jetzt machen müssten.
Erfolg haben aktuell in meinem Bereich Kampagnen von Leuten, die entweder sehr bekannt und/oder bereit sind, einen Großteil der Crowdfunding-Summe selbst einzubringen. Betrachtet man sich einmal die Projekte genauer und blickt auf die Unterstützerliste, dann stellt man fest, dass dort sehr häufig der Projektinitiator (oder seine Familie) selbst steht - und das mit größeren Summen. Finanziell wirklich rentieren würde sich Crowdfunding bei einem hohen Bekanntheitsgrad. Doch bleibt die Frage: Ist in so einem Fall Crowdfunding wirklich sinnvoll?
Ich werde allerdings weiterhin mit dieser Finanzierungsoption spielen. Als nächstes steht für mich beispielsweise die englische Ausgabe von "Ein dreckiger Job" an. Dann werde ich mal schauen, wie das Ganze international so aussieht. Allerdings ist der Aufwand, den man für ein erfolgreiches Crowdfunding betreiben muss, sehr hoch. Es entstehen Kosten für Videodrehs, Werbung etc... Da muss man halt schauen, ob sich das Ganze wirklich lohnt.

Ärgerst du dich über schlechte Rezensionen? Oder stehst du da eher drüber?
Zunächst einmal die Antwort des welterfahrenen alten Sacks:
Jede Kritik, solange sie keine reine Schmähung ist, ist natürlich berechtigt und ich versuche, sie ernstzunehmen, eien Lehre für mich daraus zu ziehen und Kritikpunkte, denen ich zustimme, bei der nächsten Runde zu berücksichtigen. Ich bemühe mich, Kritiker und Kritiken zu akzeptieren und im Zweifelsfalle drüberzustehen.

Und nun die etwas emotionalere Antwort:
Ein Buch ist wie ein Kind und somit natürlich zu schützen. Entsprechend tun mir negative Kritiken auch mal weh, speziell wenn sie unfair und "unter der Gürtellinie" sind. Ich denke, das geht fast jedem Autor so. Ich ärgere mich jedoch nur, wenn das Gesagte eklatant falsch und beleidigend ist. Aber ich zwinge mich, im Zweifelsfalle nicht zu reagieren, bzw. falls nötig sachliche Fehler ruhig klarzustellen.

Für mich wichtige Erkenntnis:
Man kann es nicht allen rechtmachen. Literatur ist Geschmacksfrage. So gesehen bin ich persönlich sogar skeptisch (und mit gutem Grund), wenn ein Buch nur positive Kritiken erntet. Problematisch ist es nur, wenn Kritiker ihren persönlichen Geschmack zum allgemein gültigen Kriterium erheben. Aber das passiert Gottseidank recht selten. Wenn Kritiken subjektiv und vom Geschmack geprägt sind, wissen dass die Kritiker zumeist und sagen das auch so.

Abschließen will ich das Interview mit ein paar feinen Zeilen vom Buchrücken des neuen Romans "Brumm!":

Jedem Menschen wohne ein Krafttier inne –
so lehren uns die Schamanen:
Man müsse es nur finden,erwecken und befreien.
Doch was, wenn dieses Krafttier
ein verspielter, verschlafener,verleckerter, territorialer,
dickschädeliger Panda ist,
der dein Leben ins Chaos stürzt –
und sich beharrlich weigert wieder zu gehen?


Ich hoffe, ihr hattet an dem Interview genau soviel Spaß wie ich. Unter dem Label "Autoren-Donnerstag" könnt ihr nun auch noch einmal das ganze Interview nachlesen.

Nun bleibt uns nicht mehr viel zu sagen. Danke Helmut für die Beantwortung der Fragen und für deine Zeit und "Danke" an euch fürs Lesen.

Es verabschieden sich nun der Panda, Helmut und ich.



Hier sind die entsprechenden Links zu Helmuts Seiten:
Die genutzten Fotos hat der Autor selbst zur Verfügung gestellt.

Sonntag, 10. Mai 2020

Christian Tielmann "Unsterblichkeit ist auch keine Lösung"


Schon seit langem versuchen die Menschen das Rätsel der Unsterblichkeit zu lösen. Zwar werden die Menschen in der heutigen Zeit immer älter, aber wirklich unsterblich kann ein Mensch aus unserem Verständnis nur dann sein, wenn er eine entsprechende Leistung erbracht hat, sodass er den Lebenden in Erinnerung bleibt.
Umso lustiger kommt vor diesem Hintergrund die Idee von Christian Tielmann daher, wenn er Goethe und Schiller in seinem Roman in der heutigen Zeit auf Lesereise schickt. Nein, sie waren zwischenzeitlich nicht tot und sind wieder erweckt worden, wie es in manchen Filmen schon als Idee vorgekommen ist, nein, sie sind einfach nie gestorben. Die meisten ihrer Freunde und Familie schon, nur diese beiden haben es all die Jahrhunderte geschafft dem Tod ein Schnippchen zu schlagen und einfach immer weiter zu leben.
Doch ein Problem haben die beiden nun. Sie sind "out".
Ihre Bücher werden nicht mehr gelesen, von den Leselisten der Schulen werden sie auch immer weiter gestrichen und irgendwie decken ihre Verkaufszahlen ihre Ausgaben nicht mehr.
Da kommt die von ihrem Verleger initiierte Lesereise gerade recht und um besondere Volksnähe zu zeigen, müssen sie ihre Reise von Weimar bis zum Brocken mit dem Zug antreten. Ein Dorn im Auge von Goethe, der sich auch heute noch als etwas besonderes sieht, mischt er doch immer noch in Politik, Gesellschaft und Co mit. Doch Schiller empfindet die Reise von Beginn als spannend und stürzt sich nahezu auf das junge Publikum.
Gerade der Witz auf Grund ihres Alters und die vielen Erinnerungen an vermeintlich "bessere Zeiten" zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und zeigt, wie sich die Gesellschaft von heute von der zu Goethe und Schillers Zeiten unterscheidet. Natürlich ist das Buch mit einem gewissen Augenzwinkern zu lesen und in manchen Teilen als Parodie zu sehen.

3,5 von 5 Sternen 

Donnerstag, 7. Mai 2020

Autoreninterview mit Helmut Barz Teil 4

Hallo zusammen,
nachdem der letzte Beitrag sich mit der Krimireihe von Helmut Barz beschäftigt hat, wollen wir nun den Autor selbst noch ein bißchen besser kennenlernen.


Welcher deiner bisherigen Jobs hat dir am meisten Spaß gemacht?
Spaß haben mir eigentlich fast alle meine Jobs gemacht. Ich bin in der glücklichen Lage, meinen Lebensunterhalt zumeist mit den Dingen verdienen zu können, die ich gerne mache und/oder die ich irgendwann mal gelernt habe. Vom fiktionalen Schreiben einmal abgesehen war jedoch das Inszenieren im Theater sicher am befriedigendsten.
Aktuell verdiene ich mein Geld hauptsächlich als Texter und Übersetzer. Beides macht mir auch Spaß und stellt mich ständig vor neue intellektuelle Aufgaben. Sei es, mir neue Themen draufzuschaffen, sei es, mir neue Wege auszudenken, auf den ersten Blick wenig sexy Inhalte zu vermitteln. Oder sei es nur, aus einem wenig prickelnden englischen Text einen deutschen zu machen, der rockt. 

Wünscht du dir als Autor einen höheren Bekanntheitsgrad oder ist es für dich jetzt genau richtig?
Ich glaube, exakt jede/r Autor*in wünscht sich, mehr Leser*innen zu haben. So gesehen kann man auch als Autor gar nicht bekannt genug sein. Außerdem ist es mein Lebensziel, eines Tages vom fiktionalen Schreiben leben zu können. Und da bin ich mit meinen Verkaufszahlen noch weit von entfernt. Also: Der Starruhm möge (endlich) kommen!

Gibt es Autoren, die dich beeinflussen oder mit denen du gerne ein Projekt starten würdest?
Beim Schreiben bin ich ein absoluter Einzelgänger, da ich ansonsten im Beruf ständig mit anderen Menschen kooperieren muss. Daher kann ich mir nicht unbedingt vorstellen, ein Projekt mit einem anderen Autor oder einer anderen Autorin zu schreiben.
Aber es gibt natürlich jede Menge Autoren, die mich beeinflusst haben. Ich kann sie gar nicht alle auflisten. Daher nur ein paar Beispiele: Douglas Adams wegen des Humors, die Krimiautor*innen Agatha Christie, Dorothy L. Sayers, Raymond Chandler und Dashiell Hammett, dessen Lebensgefährtin Lillian Hellman zudem eine Dramatikerin ist, die mich sehr beeinflusst hat. Zu meinen Leib- und Magenautoren gehören zudem Heinrich von Kleist und Peter Weiss.


Vielen Dank für die Beantwortung der persönlichen Fragen. Nächste Woche erscheint am 11.05.20 "Brumm!", an diesem Tag gibt es auf meinem Blog auch die letzte Fragerunde. Ich hoffe, ihr seid wieder dabei.

In der Zwischenzeit könnt ihr euch aber gerne selber schon einmal weiter informieren. Hier sind die entsprechenden Links zu Helmuts Seiten:

Die genutzten Fotos hat der Autor selbst zur Verfügung gestellt.

Takis Würger "Der Club"


Es gibt Orte, die wirken wie aus der Zeit gefallen. Egal in welchem Jahrhundert man sie besucht, mal abgesehen von solchen Randeffekten wie Technik und Co., herrschen an ihnen noch die gleichen Regeln und Normen wie schon immer.
Ein solcher Ort ist bis heute die Universität in Cambridge. Geld regiert die Welt, die Reichen können sich mehr erlauben und wenn man dazu gehören will, tja, dann geht kein Weg an einer Verbindung vorbei. Freunde darf man zwar haben, aber es müssen die richtigen sein, man darf sich seine Freunde nicht einfach aussuchen, sie müssen passen...

Als Hans nach Abschluss des Abiturs in Deutschland auf Wunsch seiner Tante Alex nach Cambridge kommt, um zu studieren, zeigt sich schnell, dass man sich einfügen und bestimmte Regeln befolgen muss, wenn man dazugehören möchte.
Wobei Hans nicht dazugehören möchte, sondern er muss dazugehören. Seine Tante hat ihn mit der Absicht zu sich geholt, dass er ein Verbrechen aufklären muss, das hinter den Mauer von der Universität begangen wurde. Eine wirkliche Wahl hat er also nicht und so wird er hingezogen in die Spielchen um Macht, Prestige und Frauen. 
Als begabter Boxer wird er auch schnell Mitglied angesehenen Pitt Club. Er knüpft schnell Kontakte und merkt bereits nach kurzer Zeit, dass es für ihn nicht leicht ist, sich als einen anderen Menschen auszugeben, als er in Wirklichkeit ist.

Beim Lesen musste ich im wieder an den Film "Fight Club" denken. Nicht nur auf Grund des Boxer-Milieus sondern auch wie die Menschen miteinander umgehen und wie sich die Stimmung im Buch aufbaut. 

Das Buch wird aus der Perspektive von verschiedenen Personen erzählt, wodurch man ihre Verhaltensweisen und ihr Vorgehen besser verstehen können sollte.

Das Buch ist gut geschrieben, aber mit dem Inhalt hatte ich zu kämpfen. Nicht dass ich es nicht glaube, dass sowas heute noch geschehen könnte, aber an einem für mich so schönen Ort, so ein Verbrechen spielen zu lassen, hat mich sehr bedrückt. Daher gibt es von mir

3 von 5 Sternen

Autoreninterview mit Helmut Barz Teil 3

Hallo zusammen,
heute geht es weiter in unserer kleinen Fragerunde mit dem Autor Helmut Barz. Wer die beiden vorigen Beiträge bereits gelesen hat, hat ihn schon ein wenig kennenlernen können. Die heutigen Fragen beziehen sich auf seine Serie um die Kriminalpolizistin Katharina Klein.



Ich liebe besonders den zweiten "Katharina Klein" Band. Wie kam es zu der Idee, einen Klassiker neu zu interpretieren?

Der Band, der offenbar meine Leser*innen sehr polarisiert, ist auch mein Lieblingskind in der Reihe, und das nicht nur, weil ich darin meine Liebe zum afrikanischen Kontinent und meine Schwärmerei für Agatha Christie und Dorothy L. Sayers ausleben konnte.
Die Keimzelle für das Buch legte ein Fernsehbericht zu den Wahlen in Kenia im Jahr 2008. Diese offensichtlich manipulierten Wahlen führten zu starken Unruhen. Die Fronten verliefen so, dass die Touristen an der Küste nicht mehr zu den Flughäfen in Mombasa und Nairobi gelangen konnten und fürs Erste in ihren Resorts und Hotels festsaßen. Der Fernsehbericht beschäftigte sich unter anderem mit einem dieser Resorts und der dort zwangsweise aufenthaltsverlängerten deutschen Urlauber*innen. Diese legten jedoch einen beeindruckenden Stoizismus an den Tag: Wenn wir schon festsitzen, dann können wir das Ganze auch genießen. Bedroht fühlten sie sich nicht. Auch wenn sie aus ihrem Resort nicht raus konnten und die Lebensmittelversorgung via Hubschrauber erfolgte. Daraus ist bei mir die Idee entstanden: Das wäre doch eigentlich ein tolles Setting für so einen richtig typischen Agatha-Christe-Krimi, wenn auch mit deutschen Touristen anstatt englischer Reisenden. Fehlt nur noch ein passender Mörder. Und ein Ermittler. Das Ganze habe ich mir dann erst mal auf einer Karteikarte notiert und mehr oder minder vergessen.
Dann stand auf einmal der Verlag mit dem Wunsch nach einem zweiten Band bei mir vor der Tür. Und ich habe meine Ideen durchforstet. Dabei bin ich wieder auf diese Karteikarte gestoßen. Zunächst habe ich den Gedanken verworfen. Katharina Klein ist sicher manches, doch sicher keine Agatha-Christe-Ermittlerin. Wenn man sie schon verorten will, dann doch eher in der amerikanischen Hardboiled-Literatur, der ich dann übrigens in "Dolphin Dance" (https://www.coeurart.de/produkt/dolphin-dance-originalausgabe/) eine eigene Hommage gewidmet habe, die allerdings subtiler daherkommt als in "African Boogie".
Doch meine Gedanken sind immer wieder zu dieser Idee zurückgekehrt. Und plötzlich fand ich die Frage, was eigentlich passiert, wenn sich eine Hardboiled-Ermittlerin in einen Agatha-Christie-Krimi verirrt, ausgesprochen spannend. Und so habe ich dann spaßeshalber mal angefangen, das Buch zu konzipieren. Und irgendwie bin ich dann dabei geblieben.
Ich habe die Handlung dann allerdings nach Tansania verlegt und eine etwas einfachere Lösung geschaffen, um die Urlauber zu isolieren. Der Hintergrund der Unruhen in Kenia ist ausgesprochen komplex und hätte zu viele Buchseiten beansprucht.

Mal ganz unter uns: Ist mit ... nicht ... gemeint?
Nun, der eine oder andere Leser mag die Anspielungen auf Frankfurter und hessische Prominenz verstanden haben: Aber - jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen ist natürlich rein zufällig.
Und wenn sich ... in ... wiedererkennen will, sollte er oder sie die Beschreibung der Person noch mal ganz genau durchlesen: Sind Sie wirklich so? Nein? Dann sind Sie vermutlich auch nicht gemeint.
Außerdem, wird, wer mich kennt, einige Menschen aus meinem Umfeld wiedererkannt haben. Das geschah natürlich mit deren Einverständnis. Und auch ich selbst trete übrigens mehrfach in den Romanen auf - meist in nicht sehr sympathischen Rollen.
Die Agentur "stop!" (mit Ausrufezeichen) aus "Westend Blues" ist eine typische "New Economy"-Agentur. Das Vorbild ist nach Platzen der Blase untergegangen - zu Recht. Und, nein, der Name wird nicht verraten. 

Du sagst, dass deine Charaktere Ähnlichkeiten zu realen Personen haben können, aber wie ist es mit den Orten in deinen Büchern? Wählst du Orte aus, die dir besonders gut gefallen?
Viele Orte in meinen Büchern haben ihre Entsprechung in der Realität. Oft sind es Orte, die mir gefallen. Typisches Beispiel ist die Karl-Kreutzer-Villa, die Heimat der Sonderermittlungseinheit seit "Damenopfer". Diese am Main gelegene Villa ist in weiten Teilen dem Liebieghaus (https://de.wikipedia.prg/wiki/Liebieghaus) nachempfunden, das übrigens eine vergleichbar dramatische Geschichte hat und im Sommer einer der schönsten Orte in der Frankfurter Innenstadt ist.
Andere Orte verwende ich mit einem gewissen Augenzwinkern, weil ich diese kenne und Frankfurter natürlich wissen, wer oder was gemeint ist. So gibt es übrigens tatsächlich ein italienisches Restaurant, das als Vorbild für Antonio Kurz`Imperiumssitz gedient hat. Das "Blaue Café" basiert auf der Balalaika (https://www.yelp.com/biz/balalaika-frankfurt-am-main?hrid=PFmgLI5gywcKAkcVt11w0w), wenn auch auf den Räumlichkeiten des ersten Standorts hinter der Dreikönigskirche.
Wieder andere Orte nutze ich, um etwas über Personen auszusagen. Katharina Klein wohnt beispielsweise in einer Eigentumswohnung im Frankfurter Westend - ein subtiler Hinweis darauf, dass sie offenbar nicht ganz unvermögend ist (was ja im Laufe der Bücher eine entscheidene Rolle spielt).
Weitere Orte nutze ich, weil ich sie eben brauche, zum Beispiel das Frankfurter Polizeipräsidium. Die Architektur im Inneren des Polizeipräsidiums habe ich jedoch massiv fiktionalisiert, um kein potenzielles Sicherheitsrisiko zu schaffen.
Im neuen Buch "Brumm!" nutze ich viele Orte in Offenbach. So liegt etwa die Hinterhofmanufaktur, in der die fiktive Werbeagentur des Buches angesiedelt ist, in meiner unmittelbaren früheren Nachbarschaft. Das "Haus der Schmerzen" (Textildiscounter-Filiale, SM-Studio, Zahnarztpraxis) gibt es auch.
Andere Orte wiederum entspringen vollständig meiner Phantasie, etwa die "Zwillingsvillen" in "Dolphin Dance" oder das Luxusresort "Golden Rock" aus "African Boogie".


Vielen Dank für die Beantwortung der heutigen Fragen zu deinen Katharina-Klein-ermittelt-Romanen. Bis zum Erscheinen von "Brumm" am 11.05.20 folgen auf meinem Blog noch zwei weitere Fragerunden. Eine davon folgt bereits heute Abend. Ich hoffe, ihr seid wieder dabei.

In der Zwischenzeit könnt ihr euch aber gerne selber schon einmal weiter informieren. Hier sind die entsprechenden Links zu Helmuts Seiten:

Die genutzten Fotos hat der Autor selbst zur Verfügung gestellt.

Sonntag, 3. Mai 2020

Andy Neumann "Zehn"


Weiß. 
Schwarz. 
Dazwischen eine Menge Grau. 
Grau in seinen verschiedensten Abstufungen. 
Torben Kanther steht am Abgrund. Über Jahre nervt ihn der Journalist Rolf Günther Niessen damit, dass scheinbar zusammenhanglose Tode Morde sein sollen. Begangen von dem gleichen Mörder. Aber wie sollen Unfälle, Überfälle und Schlägereien in das Bild eines Mörders passen?
Unterschiedliche Orte, über lange Zeiträume verteilt, das kann doch nicht sein.
Niessen hat mit Sicherheit wieder zu tief ins Glas geguckt.
Oder doch nicht?
Soll das Unwahrscheinliche wahr sein? Soll sich Torben so sehr getäuscht haben? Soll er so schlecht in seinem Beruf als Polizist sein, dass er die Wahrheit nicht sieht, wenn sie im wahrsten Sinne des Wortes ins Gesicht springt?
Ein beeindruckendes Debut. Der Thriller wechselt immer wieder die Zeitebenen, er begleitet verschiedene Personen und er ist schnell. Das Erzähltempo zieht den Leser in das Buch und lässt einen kaum verschnaufen. Hervorragend geschrieben und immer wieder noch eine Wendung macht es dem Leser kaum möglich das Ende vorauszusehen.

5 von 5 Sternen

Zweite Chance

Es gibt so Phasen im Leben. Man nimmt ein Buch zur Hand, beginnt es zu Lesen und kommt nicht in das Buch. Das Buch verschließt sich einem immer wieder und man weiß nicht so genau, woran es liegt.
Ist es das Thema, ist es der Schreibstil? Oder sind es die Hauptpersonen, die einen annerven und man ihre Geschichte einfach nicht hören will?
Gründe gibt es offensichtlich vielfältige, aber die Frage ist doch, wenn man das Buch nach langem hin und her zur Seite legt, holt man es dann irgendwann noch einmal hervor? Oder bleibt es auf ewig auf dem SUB als Bodensatz?
Was muss ein Buch für euch haben, damit ihr ihm noch eine zweite Chance gebt?

Freitag, 1. Mai 2020

Lewis Carroll "Alice im Wunderland"

Skurril. 
Das ist eigentlich immer das erste Wort, was mir im Zusammenhang mit "Alice im Wunderland" einfällt.
Ob ich das nun negativ oder positiv überrascht meine? Nun, so wirklich sicher bin ich mir da manchmal selber nicht. ;-)
Warum es in "Alice im Wunderland" geht, weiß, glaube ich, so ziemlich jeder, selbst wenn man selber das Buch nie gelesen hat. 
Alice kommt durch einen Kaninchenbau in eine Welt, die so ganz anders ist als die unsere. Es gibt sprechende Tiere, Armeen aus Spielkarten, Könige und Königinnen aus Papier, Kaninchen, die Uhren lesen können und ach ja, den verrückten Hutmacher, den kennt inzwischen jeder und natürlich auch die Grinsekatze.
Weniger bekannt hingegen, ist der zweite Teil "Alice hinter den Spiegeln". Wie der Titel vermuten lässt, gelangt Alice durch einen Spiegel in eine andere Welt, die spiegelverkehrt zu der unseren ist. Sie muss einer Schachpartie beiwohnen, um letztlich auch hier an ihr Ziel zu gelangen.
Die schöne Schmuckausgabe unterstreicht sehr die Besonderheiten des Buches und unterstützt dabei sehr die Fantasie des Lesers.
Bis heute hält sich der Hype um dieses nicht gerade junge Buch und doch an vielen Stellen tue ich mich als Leser oftmals schwer, weil selbst mir, die den englischen Humor liebt, manche Dinge zu "verrückt" sind. Eins muss man dem Buch lassen, auf seine Art ist es etwas ganz besonderes und man sollte es einmal in seinem Leben gelesen haben.

4 von 5 Teekannen

Wenn nicht in real, dann in Form von Büchern...

Heute hat eine Freundin Geburtstag. Nein, man darf sich immer noch nicht sehen, man darf nur per Handy gratulieren, ihr "Alles Gute" wünschen und das war es.
Man verabredet sich, dass man "danach" mal endlich wieder zusammen frühstücken geht und Zeit miteinander verbringt.
Aber...
Gerade unter uns Lesern kann man auch in der momentanen Situation Zeit miteinander verbringen. Wenn man Menschen gefunden hat, die man mag und die einen breit gefächerten Lesegeschmack haben, kann man die Zeit bis zum nächsten Wiedersehen auch schön mit buddyreads überbrücken.
Man liest zusammen, schreibt über das Buch, man lacht oder gruselt sich zusammen.
Es ersetzt natürlich nicht die Nähe, aber es ist besser als nichts. :-)
Und beim nächsten Treffen kauft man wieder zusammen Bücher. Ach, was wird das ein schöner Tag.