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Samstag, 20. Dezember 2025

Peter R. Krüger (Hrsg) "Sternenlicht - Geschichten von übermorgen"

Denkt man an Raumschiffe und deren Verfilmungen, fallen schnell die Namen Star Trek und Star Wars. Erst nach weiterer Überlegung kommen einem auch die Battlestar Galactica oder die Kult-Fernsehserie Raumpatrouille Orion in den Sinn. Völlig zu unrecht, wie mir scheint.
Wie viele Adaptionsmöglichkeiten gerade Raumpatrouille Orion bietet, zeigt die Anthologie "Sternenlicht", in welcher zwölf Autoren und Autorinnen ihre Version vorstellen.
Während das Sternenlicht-Universum und die Ränge auf den Schiffen vorgegeben sind, haben die Schreibenden ansonsten alle Möglichkeiten ihre Ideen in diese Welt bringen.
Nicht nur, dass jeder sein eigenes Schiff und seine eigene Besatzung kreiert, auch die Themenwahl ist sehr breit aufgestellt. Denn mitnichten, fliegt das Schiff durch den Raum und sucht nur nach einem Planeten oder ist in Kampfeshandlungen verstrickt.
Jede Geschichte ist individuell und keine Blaupause einer anderen und jede hat ihren eigenen Ton.
Viele Probleme, die Menschen gerade in Bezug auf Ethik haben, sind auch in der Zukunft noch nicht gelöst und so spielen einige Kurzgeschichten genau mit diesem Element. 
Doch auch die Frage, was macht es mit einer Person, wenn man im Weltraum lebt und keine Bewegungsfreiheit im klassischen Sinne hat, wird erörtert.
Alle Texten sind ernsterer Natur und eine Satire sucht man in diesem Sammelband vergebens.
Aber sie sprühen vor Abenteuerlust oder die Spannung kommt nicht zu kurz.
Kein Text fällt durch eine schlechte Handlung auf, aber durch den eigenen Geschmack heben sich einzelne Geschichten besonders hervor.
Eine Anthologie, die man nicht im Überlichtflug meistert, sondern für die man sich bewusst Zeit nimmt, um das Sternenlicht-Universum kennenzulernen und die Geschichten und ihre Inhalte zu verinnerlichen.

4 von 5 Universen

Montag, 4. November 2024

Anja Stürzer "Somniaveris"

Eigentlich hatte sich Jochanan die Rückreise anders vorgestellt, doch als er wieder im Jahr 2121 ankommt, leugnen seine Eltern durch die Zeit gereist zu sein.
Warum?
Was war daran falsch?
Doch warum ist Akascha mitgekommen und warum darf er sie nicht sehen?

Mit vielen Fragen beginnt der zweite Teil um Jochanan, Akascha und Merlin. Während man als Leser jedes der fünf Kapitel hauptsächlich an der Seite eines Charakters erlebt, wird nahezu nebenher die Handlung vorangetrieben und diese ist zu Anfang noch recht diffus.

Anja Stürzer legt erst nach und nach und mit der Hilfe ihrer Figuren die Karten auf den zukünftigen Tisch und beleuchtet dabei nicht nur die reine Problematik, dass man sich selbst bei Zeitreisen nicht begegnen darf (wer denkt hier nicht an "Zurück in die Zukunft"?), sondern auch, dass ein Zeitsprung für die individuellen Charaktere zu Komplikationen führen könnte.
Denn was ist Ursache und was ist Wirkung?
Wo beginnt eine Zeitschleife? 

Spannend erzählt sie, was sich innerhalb eines Jahrhunderts ändern kann und was es heißt, für so ein wichtiges Projekt wie Zeitreisen Verantwortung zu übernehmen. Denn Verantwortung birgt unglaublich viele Gefahren.

Gerade die Perspektivwechsel unterstreichen die Vielschichtigkeit des Themas, da man immer wieder andere Blickwinkel des gleichen Probleme betrachtet. Ein Werk, dass einen über die Zukunft und ihre Chancen und Risiken nachdenken lässt.

4 von 5 Ampullen

Rezensionsexemplar vom Oldib-Verlag: oldib-verlag.de/belletristik/

Freitag, 19. Juli 2024

Galax Acheronian "Science Fiction Stories III"

Bereits zum dritten Mal präsentiert Galax eine Zusammenstellung seiner eigenen Kurzgeschichten. In den vorliegenden Sammelband haben es dieses Mal acht Erzählungen geschafft. 

Auch der dritte Band zeigt erneut, dass Galax abseits des Mainstreams seine Geschichten und Figuren findet. Dieses Mal sind die Geschichten über die gesamte Welt und auch hoch hinaus ins Weltall verstreut. Seine Figuren sind alles nur nicht alltäglich und doch sind die Probleme der anderen.
Umweltschutz und zumindest die Rettung von dem, was noch von der Natur übrig ist, spielt in mehrere Geschichten rein und gibt den Erzählungen neben den Charakteren auch eine weltweite Komponente. Galax denkt viele unserer heutigen Probleme weiter, doch ohne den Lesenden zu verängstigen. Natürlich ist die Welt der Zukunft nicht rosarot - bei Gott nicht - doch immer noch sind die Menschen dabei, das zu retten, was ihnen wichtig ist. Wobei …

Ab und zu führt Galax den Lesenden auch aufs Glatteis und die Geschichte hat eine unerwartete Wendung, so wie es bei spannenden Erzählungen sein soll. 

Melancholie, Witz, Ernsthaftigkeit und auch Trauer liegen wie schon bei der vorigen Zusammenstellung nah beieinander und so ist jede Geschichte eine Wundertüte - man weiß zu Anfang nicht, welche Emotion man bekommt.

4 von 5 Zukunftsvisionen

Donnerstag, 6. Juni 2024

Fabian K. Roth "Ghostnet"

Was passiert in einer Welt, wenn alles zusammengebrochen ist?
In "Ghostnet" jagen Scrapper Gesetzeslose und schlachten Körper nach technischen und technologischen Ersatzteilen aus. Doch was hält die Menschen in der Stadt bzw in den Ruinen?
Immer wieder sind es die beiden Scrapper Glitch und Nikka, die versuchen, den Abschaum in den Ruinen unschädlich zu machen.
Zwischen Gedankenstreams, Zhus Killeraktionen und Schulden finden die beiden eine Zielperson, die so ganz anders ist als die Personen zuvor.
Doch nachdem das Ziel ausgeschaltet ist, passieren die seltsamsten Dinge und Glitch und Nikka müssen um ihre eigene Haut fürchten.
Die Geschichte wird eingebettet in fiktive Interviews mit z.B. Elvis Presley oder Johnny Cash. Wikipedia Artikel und Erinnerungen alter Smartphones erzählen, was vor dem großen Zusammenbruch passiert ist und zeichnet eine Welt, die auf Missverständnissen und gewagten Annahmen fußt. 
Es ist zeitweise erschreckend, wenn man die Parallelen zu der heutigen Zeit sieht und bedenkt, wohin das Internet und seine Auswirkungen uns führen könnten.

4 von 5 Netzen

Montag, 30. Oktober 2023

Sven Nieder (Hrsg) "Planta Nubo"

Wie könnte eine neue Welt aussehen, nachdem wir sie ausgebeutet haben? 
Diese spannende Frage haben sich die Herausgeber Sven Nieder und Andi Bottlinger in "Planta Nubo" gestellt. Sie schaffen ihre eigene Welt mit Baumgiganten, sogenannten Arboren, auf denen die Menschen mit den Fragmenten der früheren Zivilisation leben und versuchen eine neue Gemeinschaft anzusiedeln.
20 Autor:innen haben ihre Zukunftsvision in das vorgebenene Setting eingepflanzt und so streifen die Lesenden durch eine vermeintlich konstante und doch jeweils individuelle Welt. Probleme gibt es selbst nach dem Zusammenbruch zuhauf, denn man schafft nicht einmal eben eine neue Welt.
Die Umwelt leidet immer noch und Menschen gehen auch in der vermeintlich neuen und somit besseren Welt verloren. Somit handeln die Texte von ähnlichen Themen, wie es andere Zukunftsanthologien tun, doch die Aussicht ist durch den Solarpunk eher positiv gestimmt. Besinnung auf natürliche Ressourcen, das Nutzen von bereits vorhandenen Techniken und das heute noch stiefkindliche Thema Recycling oder auch das Reparieren von Dingen rückt in den Mittelpunkt des Interesses.
Natürlich liegt den einzelnen die eine oder andere Geschichte mehr als die andere und manche Inhalte haben größere Schnittmengen als andere, doch zeichnet die Anthologie ein optimistischeres Bild einer Vision als manch andere Zukunftsbücher.
Optisch hochwertig aufgemacht, ist zu dem Buch ein Brettspiel erschienen, welches die Welt von "Overgrown" visualisiert und spielerisch erfahrbar macht.
In einer Welt, in der die Natur im Mittelpunkt steht und der Mensch seinen Platz akzeptiert, findet die Solarpunk-Anthologie ihren Platz und lässt trotz aller jetzigen Widrigkeiten leise auf die Zukunft hoffen.

4 von 5 Luftschiffen

Danke an den Verlag für das Rezi-Exemplar.

Dienstag, 31. Januar 2023

Galax Acheronian "Science Fiction Stories II"

In seinem zweiten Band zu "Science Fiction Stories" präsentiert Galax sechs sehr unterschiedliche Geschichten.
Kurz und knackig - wie Galax selbst so schön selber schreibt - geht es nicht, und doch passen sich die Erzählungen ihrer inhaltlichen Komplexität an. Dabei kann es auch manchmal lustig zugehen, doch im Regelfall sind die Geschichten von einer leichten Melancholie geprägt und regen zum Nachdenken an.

Ob autoritäre Strukturen, Korruption oder Vorurteile Galax greift in den Stories viele Themen auf, bei denen es Gesprächsstoff gibt und über die es auch nach dem Lesen noch nachzudenken gilt.
Dabei merkt man beim Lesen neben der Kritik oftmals die Liebe zu technischen Details und den Wunsch eine ganze eigene Welt ohne Bezug zu klassischen Zukunftsszenarien zu gestalten.
Gerne setzt Galax dabei auf ein wiederkehrendes Element: Das Problem. Schon schnell nach der Einführung in die jeweilige Welt wird der Leser mit dem Problem der jeglichen Kultur oder Situation konfrontiert. Ein Held oder Antiheld ist es dann, dem man als Lesender über die Schulter schaut, um den Erfolg oder Misserfolg - denn dies liegt oftmals im Auge des Betrachtenden - der Mission beizuwohnen. Galax überrascht hierbei mit der vorliegenden Mischung den Leser ein um das andere Mal, denn die einfachste Lösung - die könnte jeder.

Eine Sammlung abseits des Mainstreams, die mit vielleicht bekannten Problemen der Zukunft daherkommt, sie aber dafür auf eigenwillige Weise löst.


4 von 5 Zukunftsvisionen

Montag, 5. Dezember 2022

Aiki Mira "Neongrau"

Hamburg, 2112. Die Welt ist ein dunkler Ort geworden?
Oder doch schon immer gewesen?
Man erinnert sich nicht mehr allzu gut an die früheren Zeiten, auch wenn viele Probleme noch die gleichen sind. 
Go hat bei der Arbeit einen Unfall und nichts scheint mehr so zu werden, wie es vorher war. Gos Gesundheit ist angeschlagen, die Arbeit kann auf Weiteres nicht mehr ausgeübt werden und es wird eine Krankheit entdeckt, die sofortiger Behandlung bedarf. Doch es ist nicht alles trist.
Gos Welt wird von einem auf den anderen Tag eine viel größere. Das Leben spielte sich nur zwischen Go und dem Vater Tayo ab, doch der Sturz offenbart eine ganz andere Zukunftsversion, als Go sie sich hätte verstellen können. Go braucht einen neuen Job und durch Zufall steht ein Job im Stadion zur Verfügung. Das heißt berühmte Leute kennenlernen, die während das Turnier der Legenden anreisen und viele andere neue Erlebnisse, doch zugleich zerfällt das alte Leben in tausend Mosaike.
Denn Gedanken, die Handlungen der anderen und die Gesundheit beschleunigen Entscheidungen und Zweifel, die im Grunde genommen Zeit bräuchten, doch Zeit ist relativ und niemand besitzt sie - es ist ein Trugschluss.
Mit dem zweiten Roman Neongrau befeuert Aiki Mira die Synapsen der Leser in einer Tour. Die Kapitel sind kurz gehalten, die Szenen wechseln in einem Tempo hin und her, die dem Leser zu Anfang eigenes abverlangen. Wer hier leichte Lektüre mit ein bisschen Dystopie und Cyperpunk erwartet, der wird spätestens nach zwanzig Seiten merken: Hier geht es um mehr - wesentlich mehr. Denn das Turnier und die Virtual Reality sind nur kleine Bausteine, die Aiki benutzt um die Welt im Jahr 2112 zu bauen. 
Miseren gibt es an allen Ecken und Enden; sei es das Klima, die Akzeptanz der Menschen untereinander, Drogen oder schlichtweg auch der Terror. Alles findet in dem Roman seinen Platz und seine Daseinsberechtigung, denn die Menschheit hat in den 90 Jahren vielfach nichts dazugelernt. Man kreist um die gleichen Themen und Aiki schafft es die heutige Stimmung nuanciert in die Zukunft zu katapultieren. Keine Szene wirkt überzeichnet, alles ergänzt sich zum großen Ganzen. Es sind die kleinen Stellschrauben, das Menschliche, was in der ganzen Technisierung den Ausschlag zum Erfolg oder zur Katastrophe gibt. 
Aiki zeichnet teilweise in düsteres Bild, was die Welt betrifft, aber die zwischenmenschlichen Beziehungen leuchten dafür in allen Neonfarben, die es gibt. Das Neongrau verbindet die beiden Elemente zu einem und zeigt - strahlen kann jeder - auch das Grau.

4 von 5 VR-Anzügen