Mittwoch, 29. Juli 2026

Hans Peter Roentgen "Sherlock, Watson und eine KI, die fremdgeht"

Sherlock und Watson.
Bekannt, aber doch ganz anders. Denn es ist nicht "der" Sherlock, obwohl er auch ein Detektiv ist. Und es ist nicht "der" Watson, denn er ist kein Mensch und zudem Sherlocks Butler.
In einem Institut verschwinden Daten, einer Frau wurde zuvor gekündigt, jetzt ist sie tot.
Warum? Das ist die Aufgabe von Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Polizisten in dieser alternativen Welt um Sherlock und Watson. Doch bei diesen Unstimmigkeiten bleibt es nicht und der Leser wird zunehmend auf eine falsche Fährte gelockt, die wenig Böses auslässt.

Wie würde eine Welt von Sherlock aussehen, wenn man sie aus dem viktorianischen Setting nimmt und sie in eine andere Welt platziert? Hans Peter Roentgen wagte den Versuch. Neben dem Setting änderte er ebenfalls das Genre und wechselt von der klassischen Detektivgeschichte in einen Noir Crime. Dieser Wechsel trägt sehr zum Stil bei und verschärft auch die Unterschiede zu den klassischen Texten.

Doch die Charaktere und das Setting sind nur die eine Seite der Medaille, wenn es um eine gute Geschichte geht. Eingespeiste Gehirne, Humanoide, die als Personal sehr dem der viktorianischen Zeit gleichen, Aufruhr im Staat und nahezu vollständige Überwachung erinnern an bekannte Dystopien.

Er zeigt, dass Charaktere aus ihrer Zeit wachsen können, wenn man sie richtig adaptiert und doch bleibt es eine Geschmacksfrage, wie einem der Transfer gefällt.

An manchen Stellen habe ich gestutzt und mir etwas mehr Klarheit gewünscht, denn auf knapp 280 Seiten fährt der Autor schon sehr viel auf, was das Buch ein bisschen überfrachtet.

Der Kerngedanke über die KI und auch der Umgang mit dem Sherlock der Zukunft sind gut gelöst. Sie lassen die Geschichte noch ein wenig nachhallen, denn vieles scheint nicht unwahrscheinlich.

3,5 von 5 Detektiven 

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