Donnerstag, 29. Oktober 2026

Autoreninterview Christoph Endres

Hallo zusammen,
heute stelle ich euch einen Autor oder vielleicht eher sein neuestes Projekt vor.
Willkommen Christoph Endres.

(Cover: Verlag in Farbe und Bunt, Grafik: Maximilian Wust)

Vor einem Monat erschien "Logbuch der Zukunft". Erzähl doch einmal, wie es zu dem Projekt kam.
Also, die Idee zu dem Projekt hatte ich letztes Jahr auf der FedCon, das ist die Star Trek Convention in Bonn, wo ich seit einigen Jahren hingehe und auch Vorträge zu populärwissenschaftlichen Themen halte, zum Beispiel über Asimov und Star Trek, über die Darstellung von Human Computer Interaction (HCI) in Filmen oder aber auch über die Art und Weise, wie Bewusstsein bei Androiden in Star Trek erklärt wird.

Und wer sich ein bisschen wissenschaftlich mit dem Thema Science-Fiction beschäftigt, weiß, dass es ja eigentlich in den meisten Fällen gar nicht nur um eine Geschichte aus der Zukunft geht, sondern vielmehr um einen Spiegel der Gegenwart, um eine Kritik oder eine Rückmeldung an die gegenwärtige Gesellschaft: Wenn wir uns weiterhin so verhalten, könnte das eine mögliche Zukunft sein. Oder wenn wir unser Verhalten ändern, könnte eine mögliche Zukunft anders sein.

Letztendlich entscheiden wir alle heute, ob wir in ein paar hundert Jahren eher so eine Zukunft wie die Utopie von Star Trek oder die Dystopie von beispiels-weise Dune haben. Was mir letztes Jahr auf der Convention plötzlich aufgefallen ist, dass zu dieser immer wiederkehrenden Aussage, wir entscheiden heute, wie unsere Zukunft aussehen soll, die entscheidende Information fehlt: Ja, wie denn? Wo stehen wir denn heute? Wenn wir eine Star-Trek-Utopie haben wollen, wo wollen wir denn eigentlich genau hin? Und wie kommen wir dahin? Und ich habe an dem Abend, als mir das aufgefallen ist, mehreren Leuten sehr, sehr begeistert davon erzählt, also hauptsächlich natürlich an dem Abend in Person natürlich nur den Menschen, die da waren. Ich habe auch mit einigen Leuten telefoniert.

Und es haben sich ein paar Leute gefunden, die Lust darauf hatten, die Frage mit mir gemeinsam zu beantworten: Dr. Rebecca Haar, Dr. Sebastian Stoppe und Bettina Wurche, die auch dort Vorträge gehalten haben, waren breit, das Projekt mit mir als Herausgeberteam anzugehen. Und so ist die Idee zum Buch entstanden.


Hast du die Autor*innen nach den Themen ausgesucht oder die Themen an die Schriftsteller*innen angepasst?
Wir wussten, dass wir eine große Bandbreite haben wollen. Ursprünglich wollte ich alle Fragen beantworten und ein ganz, ganz dickes Buch schreiben. Meine Mitherausgeber haben mich zum Glück davon abgehalten und gesagt: lass mal klein anfangen. Und wenn da Nachfrage besteht, können wir natürlich immer noch Band 2, Band 3 usw. nachschieben.

Wir haben jetzt ein Buch von etwa 250 Seiten und 11 Kapiteln - also 11 verschiedene Themen. Und die Themen sind tatsächlich dadurch zusammen-gekommen, dass wir Menschen angefragt haben, die etwas beitragen wollten zu unserem Buchprojekt, und wo sie ihr Thema sehen.

Und mit denen sind wir dann gestartet. Wir haben so ein bisschen darauf geachtet, dass wir da jetzt keine allzu großen Überschneidungen oder Einseitigkeiten haben. Es wäre natürlich schlecht, wenn wir jetzt beispielsweise 5 Kapitel über Physik hätten und keines zu gesellschaftlichen Themen.

Also wir haben versucht, da einen möglichst großen Rundumschlag zu finden. Die Herausforderung war manchmal eher, dann noch einen Fanimpuls zu finden, der zu dem passt, was in dem Essay jeweils geschrieben wird.

Jedes Thema besteht aus einem "Impuls" und einem "Logbuch"-Beitrag. Wie unterscheiden sich diese beiden Beiträge innerhalb eines Themas?
Also die Idee war, dass der Logbucheintrag selbst als Essay von einem Wissenschaftler oder von jemand, der sich wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt, kommt und etwas ausführlicher ist. Der Logbucheintrag selbst als Essay ist so bei ungefähr 25.000 bis 30.000 Zeichen. Während der Impuls, der vorne dran gestellt wird, tatsächlich so ein bisschen so ein Appetizer oder so eine Motivation ist. Das heißt, das sind nur etwa 3.000 bis 6.000 Zeichen. Die Idee war, dass wir den wissenschaftlichen Diskurs so ein bisschen nochmal erden und sagen: Moment, also diese Themen sind tatsächlich relevant im echten Leben. Es gibt Menschen, die genau mit diesem Thema inspiriert wurden und deren Leben durch das Nachdenken über die Serie tatsächlich verändert wurde.

Das ist natürlich meistens sowas in der Art: „Ich habe als Kind Star Trek geguckt und zwar folgende Serie und dabei ist mir das Thema aufgefallen und jetzt mache ich das beruflich.“ Es gibt aber auch noch ein paar persönlichere Berichte. Und das ist aus meiner Sicht sehr, sehr spannend zu sehen, dass wir uns nicht nur theoretisch über Dinge unterhalten, sondern tatsächlich auch den Einfluss im echten Leben sehen.

Welche Star Trek Reihe hat die meiste Grundlage für das Logbuch geliefert?
Ich glaube, das kann man so pauschal nicht sagen. Es gibt einzelne Episoden, die oft erwähnt wurden. Also wenn es um Moral und Politik geht zum Beispiel oder Moral und Krieg, wird natürlich „In the Pale Moonlight“ aus Deep Space Nine erwähnt.

Wenn es um philosophische Fragen rund um Menschenrechte oder die Ausweitung von Menschenrechten und Begegnungen mit Unbekannten geht, wird natürlich sehr, sehr oft aus The Next Generation „The Measure of a Man“ zitiert. Also es gibt so ein paar Klassiker, die immer wieder vorkommen. Ich würde nicht pauschal sagen, dass es die eine Serie in Star Trek gibt, wo die philosophischen Fragen oder die wissenschaftlichen Fragen besonders ausführlich diskutiert werden.

An welche Leser*innen richtet sich "Logbuch der Zukunft"?
Das ist eine sehr gute Frage. Ich denke, man kann das aus verschiedenen Aspekten lesen. Also es richtet sich natürlich zum einen an Menschen, die sich sowieso schon Vorträge über Star Trek anhören oder Sachbücher über Star Trek lesen, und die vielleicht zu dem einen oder anderen Thema noch ein bisschen mehr erfahren wollen.

Es ist aber aufgrund der Grundidee, dass mehrere Themen angerissen werden, eigentlich auch ganz gut als Einstieg geeignet, um sich überhaupt mal daran zu gewöhnen, dass man so eine Serie nicht nur als Unterhaltung sehen kann, als schöne Geschichte, sondern auch daraus etwas lernen kann oder zumindest mal eine Grundlage hat, um über irgendwas nachzudenken. Ich glaube, es ist eine ganz gute „Einstiegsdroge“ in die Welt der populärwissenschaftlichen Betrachtung von Science Fiction – aus meiner Sicht ein enorm spannendes Thema.

Und wir haben es auch versucht, den Einstieg nicht allzu schwer zu machen. Interesse reicht, Fachkenntnisse sind hilfreich, aber nicht notwendig. Und ich denke, das ist auch ganz gut gelungen.

Welche Star Trek Serie hat dich zum Trekkie gemacht?
Ich habe tatsächlich aus den 1970ern meine ersten Erinnerungen an Star Trek, dass ich irgendwann mit meinem Opa mal eine halbe Folge im Fernsehen gesehen habe.

Das war aber gar nicht so prägend, wie man es vielleicht meinen könnte. Ich kam tatsächlich auch sehr spät dazu, in den 90ern, durch die Wiederholungen im Fernsehen und auch natürlich durch die damals große Vielfalt an aktuellen Star Trek Serien. Ich glaube, richtig eingestiegen bin ich erst mit Enterprise, Anfang der 2000er. Da habe ich dann aber auch jede Folge gleich geschaut, wenn sie rauskam.

Und ich mag tatsächlich tendenziell die neuen Serien lieber als die alten Serien. Meine beiden Lieblingsserien sind momentan Starfleet Academy und auch Strange New Worlds, die aus meiner Sicht den Geist von Star Trek aus den 60ern am besten widerspiegelt, ohne antiquiert zu wirken. Star Trek war ja immer schon seiner Zeit ein bisschen voraus, aber selbst wenn man jetzt sagt, die Serie ist ihrer Zeit 30 Jahre voraus, ist das natürlich für eine Serie aus den 60ern aus heutiger Sicht immer noch 30 Jahre in der Vergangenheit. Da sind dann die aktuellen Serien für mich interessanter.

Ich durfte dich auf dem metropolcon über die Beziehung zwischen Star Trek und Asimov reden hören. Wenn sich Leser*innen über diese Beziehung informieren wollen, welche Buchtipps hättest du für sie?
Ich glaube, meine Motivation, diesen Vortrag zu machen, bestand unter anderem darin, dass es da noch kein Buch dazu gibt, oder keine Quelle, wo man genau das nachlesen kann.

Ich bin seit langer Zeit Fan von Isaac Asimov. Ich habe vermutlich eine der größten Sammlungen mit über 500 Büchern und Zeitschriften. Ich beschäftige mich mit ihm seit den frühen 90ern und es hat mich auch motiviert, inspiriert dazu, mich in meinem Informatikstudium auf KI zu fokussieren und auch meine Dissertationen in dem Bereich zu machen.

Für mich war Asimov eigentlich derjenige, der mein Leben so radikal verändert hat. Und er ist ein bisschen in Vergessenheit geraten, habe ich den Eindruck. Sein Einfluss auf verschiedenste Bereiche, insbesondere die Weiterentwicklung von Science-Fiction, war schon enorm groß und ich wollte ihn quasi zurückbringen zu Conventions.

Er selbst war Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre durchaus auf diversen Conventions, auch auf Star Trek Conventions und hat sich dabei irgendwann nicht mehr wohlgefühlt und ist dann nicht mehr hingegangen. Ich glaube, dass das ein Fehler war. Im Fandom von Star Trek ist er durchaus bekannt, aber nicht so sehr, wie er e sein sollte. Also man kennt den Namen und man weiß auch: ja das ist der, der hinter den Geschichten aus dem Film
I, Robot oder The Bicentennial Man oder auch der aktuellen Apple-TV-Serie Foundation steht, aber dann hört es auch meistens schon auf.

Das wird ihm nicht gerecht und deshalb wollte ich das mal aufarbeiten. Ein Buch dazu gibt es nicht, meinen Vortrag gibt es allerdings sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch online. Den findet man, wenn man auf YouTube Star Trek und Asimov eingibt. 

Ich bedanke mich für die Gelegenheit für dieses Gespräch.

Hier geht es zum Buch: ifubshop.com/sachbücher/logbuch-der-zukunft/

Hier geht zu den YouTube-Videos: youtube.com/@christophendres3071

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

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