Sonntag, 28. Februar 2021

Klaus Trost "Dostojewski und die Liebe"


Zum 200sten Mal jährt sich dieses Jahr Fjodor Michailowitsch Dostojewskis Geburtstag. Doch was weiß man über den russischen Autor, der bekannt für seine Werke "Schuld und Sühne" oder "Der Spieler" ist?
Klaus Trost, ein Fachmann, was Dostojewski und sein Leben angeht, hat sich an das Thema gewagt, was andere Biographien über Dostojewski als Randnotiz führen, sein Verhältnis zu Frauen.
Doch auch wenn der Titel es vermuten lässt, geht es um weit mehr.
Trost spannt einen großen Bogen, denn jeder Mensch ist auch ein Kind seiner Zeit und so fließt in die Biographie auch die Kindheit, die russische Geschichte und die weitere europäische Geschichte in Ausschnitten ein, denn was bei dieser Biographie sehr deutlich wird: Dostojewski saß oft zwischen den Stühlen und war innerlich oftmals widersprüchlich.
Als Kind wurde er vom Vater von allem Weltlichen weitestgehend abgeschottet, sodass schon hier die Grundlage für sein späteres Wesen liegen könnte. Er ist es nicht gewohnt, sich unter anderen zu befinden und sich in eine Gesellschaft einzufügen. Als er mit seinen ersten Werke bekannt und zu den literarischen Salons eingeladen wird, ist er oft verstört und kann sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht benehmen.
Auch der Umgang mit den Frauen gestaltet sich schwierig. Wo sollte man sie treffen und wie sollte man sie ansprechen? Da sollte man doch lieber auf einen Freund bauen, der wird es schon richten. Oder?
Ob Dostojewski dabei die Gefühle anderer verletzt, ist dabei zweitrangig. Trost vergleicht ihn mit einem trotzigen Kind und dies passt auf viele Wesenszüge.
Er unterstützt zu gewissen Teilen die Emanzipation, aber seine eigenen Frauen darf das nicht berühren.
Schon früh im Leben erkrankt, spiegelt dies auch oft seinen Gemütszustand wider und die Art und Weise, wie er über andere herrscht.
Er meint die Dinge um ihn herum kontrollieren zu können und so ist es ihm unverständlich, dass er beim Glücksspiel so oft verliert. Oft verspielt er sein letztes Geld, sodass ihm seine Bekannten Geld schicken müssen, damit er zumindest das Hotel noch bezahlen kann.
Kommt davon etwas bekannt vor? Ja, seine Erfahrungen mit dem Glücksspiel fließen in seine Geschichte "Der Spieler" ein.
Was im Buch deutlich wird, das Leben beeinflusst die Literatur, die Literatur beeinflusst das Leben und Dostojewski hat es sich mit seinen Frauen oftmals nicht leicht gemacht. Selbst oftmals planlos, verlangt er von den Frauen in seinem Leben alles, ohne im ersten Moment dafür etwas zu geben. Und warum das ganze? Nun, lest selbst.
Trost schafft es mit seinem Buch einen umgänglichen Ton zu treffen, der die Biographie gut lesen lässt. Das Buch ist in die Lebensabschnitte unterteilt, wann er jeweils eine neue Frau trifft. Die Beziehung wird je nach Intensität mal kürzer, mal länger umrissen und im Anhang finden sich kurze Lebensläufe der Frauen.
Ein Buch für Liebhaber von Dostojewski, für geschichtlich oder literarisch Interessierte und für Menschen, die einfach mal lesen wollen, wie es ist im 19. Jahrhundert mit seinen ganzen Umwälzungen zu leben.
Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

4,5 von 5 Tagebucheinträgen

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