Sonntag, 30. März 2025

Christine von Brühl "Der Schattengarten - Wie ich mein Glück im Moos fand"

Mitten im Kyffhäuser gibt es Grundstück. Ein Grundstück auf dem zwei vermeintlich verfallene Hütten stehen. Und hier, genau hier, will Christines Mann im wahrsten Sinne des Wortes Wurzeln schlagen. Über zwei Stunden Fahrzeit von Berlin entfernt, findet er mitten im Nirgendwo einen Ort, an dem der zunehmend mehr Zeit verbringen will, jedem Einwand der Familie zum Trotz. Er findet im Anlegen des Gartens, im Renovieren der Hütten, im Ausheben von Zisternen, die Aufgabe, die ihn einnimmt und in die er Zeit, Geduld und Geld investiert. Und der Garten macht es ihm in Zeiten des Klimawandels nicht leicht. Zu viel oder zu wenig Regen, die Bäume verlieren erst ihre Nadeln, um danach umzustürzen. Doch das alles lenkt ihn nicht von seiner Mission ab. 

Auf 175 Seiten, illustriert von Teresa Habild, erzählt die Autorin, wie es ist, wenn der Mann sich nur noch für Wetterprognosen, Setzlinge und Gartenplanung interessiert. Dabei lässt die Autorin in den Texten immer wieder durchblicken, dass sie schon seit ihrer Kindheit Gärten wie Kew Gardens oder ähnlich imposante Stätten besucht und auch genossen hat. Doch zwischen mal ansehen und die ganze Zeit dort leben, ist schon ein gewaltiger Unterschied. Zwar wird jeder noch so kleine Erfolg gefeiert, doch liegt das Grundstück im besagten Nirgendwo und erst ganz langsam wird klar, dass es nicht um entweder oder geht, sondern wie man es schafft, Dinge und Gewohnheiten zusammenzubringen.

Die Autorin erzählt neben der Gartentätigkeit von Festen, die dort gefeiert wurden und zugleich von ihrem Leben. Wie sie die Rhododendren lieben gelernt hat, wie ihre Familie sich über Deutschland verstreute und wie dadurch ihre Kindheit aussah.

Sie wählt dabei eine wunderschöne Klangfarbe, in die sie ihre Erzählungen hüllt und die Zeitenwechsel zwischen oder innerhalb der Kapitel lassen den Leser immer wieder schmunzeln.

Ein schönes Buch über Gärten, das Zusammenleben, ein Stück weit auch Geschichte und ein bisschen
über die Suche nach einer Aufgabe im eigenen Leben.

5 von 5 Regenrinnen

Danke an literaturtest.de und kanon-verlag.de für das Rezensionsexemplar

Samstag, 29. März 2025

Ben Kryst Tomasson "Sylter Verrat"

Hochmut kommt vor dem Fall. Dies würde man gerne Witta Claaßen entgegenhalten, als sie einem Heiratsschwindler auf den Leim geht. Sie, die immer über den anderen Damen der Häkelmafia schwebt, hat sich reinlegen und um einen Teil ihres Geldes bringen lassen. Das schreit förmlich nach einem Einsatz für Kari Blom. Doch eigentlich ist diese noch in Elternzeit ...
Währenddessen kommt es bei dem Theaterfestival in Westerland zu einem verdächtigten Todesfall, der  Jonas Voss bei seinem Einstieg nach der Elternzeit vom Schreibtisch aufräumen abhält. Doch hängen die beiden Verbrechen zusammen?

Bereits zum zehnten Mal ermittelt Kari Blom als Undercover-Ermittlerin für das LKA auf Sylt. Trotz ihrer kurzen Pause sind ihr die Abläufe noch vertraut, auch wenn sie sich für diesen Fall mit einem Kollegen zusammen tun muss. Doch auch die Häkelmafia kann es wieder nicht lassen und trotz ihrer rüstigen achtzig Jahre, eilen sie zwischen dem Tatort und der Kinderbetreuung von Karis kleiner Tochter hin und her.

Liebhaber der Insel erkennen jedes Fleckchen und kennen auch den Menschenschlag, der auf Sylt lebt oder alternativ promeniert. Eingebunden in die Theaterszene und verbunden mit einem längeren Dienstausflug nach Berlin bietet der zehnte Band eine willkommene Abwechslung von der bekannten Sylter Schickeria. Mit dem bekannten Witz und Charme ist dem Autor erneut ein hervorragender Band seiner Serie gelungen, die mit jedem Band an Stärke und Individualität gewinnt.

5 von 5 Heiratsschwindlern

Freitag, 28. März 2025

Christian Tobias Krug "So dunkel das Zwielicht 1"

Julian ist eigentlich ein ganz normaler Teenager. Er lebt allein mit seiner Mutter in einer kleinen Wohnung, sein Vater ist nicht existent und sein Bruder ist zur Ausbildung fort. Die Mutter schaut gerne zu tief ins Glas und in der Schule ist Julian nicht das, was man einen Sonnenschein nennt. Immer mal wieder gerät er mit anderen Jungen aneinander, vornehmlich dann, wenn sie seinen besten Freund bedrohen. Mit jedem Tag entwickelt Julian stärkere Gefühle für ihn und will ihn vor dem Übel der Welt beschützen.
Doch etwas geschieht in der Welt. Mehrere Mädchen sterben und seltsame Gestalten erscheinen auf der Erde. Einige sogar mit Flügeln ...

Der Kampf zwischen Gut und Böse oder auch Himmel und Hölle, wurde schon öfters verschriftlich, doch selten habe ich einen so guten Genremix gelesen. 
Angelegt als Tetralogie mischt der Autor in seiner Geschichte viele vermeintlich bekannte Erzählstränge, um daraus seine eigene Welt zu erschaffen. Sicherlich, Himmel und Hölle kennt man aus der Bibel und auch andere Elemente im Buch lassen den Leser schmunzeln, wenn man erkennt, was und vor allem auch wen, der Autor aufeinandertreffen lässt.
Dunkel sind die Zeiten, doch Julian ist mit seinen Problemen, wobei eigentlich sind es ja Probleme, die an ihn herangetragen werden, niemals allein. Seine Freunde und auch Helfer aus den unterschiedlich Sphären stehen ihm bei einem Kampf zur Seite. Kann er ihn gewinnen? Welche Opfer gibt es zu beklagen? Und vor allem, welchen Preis muss er zahlen?
Grusel, Romantik, Spannung, ein Prise Horror und ganz viel Dialog bekommt man bei dieser Erzählung serviert. Der Autor schafft es die einzelnen Protagonisten individuell zu zeichnen, sodass man sich schnell an ihre Temperamente und ihr Wesen gewöhnt. Dabei nutzt er eine Sprache, die sich jeweils dem Erzähltempo und der Spannung angleicht.
Selten sind Gut und Böse in so vielen grauen Schattierungen dargestellt worden, denn wirklich weiß und schwarz gibt es auch in Himmel und Hölle nicht.

4 von 5 Fegefeuern

Danke an den Autor für das Rezensionsexemplar.

Donnerstag, 27. März 2025

Autoreninterview Silke Heimes

Hallo zusammen.
Dieses Mal stelle ich auch eine Autorin vor, die sowohl Jugendbücher als auch Sachbücher schreibt und damit ein sehr breites Publikum anspricht.

(Foto: Silke Heimes (©: Christoph Rau), Grafik: Maximilian Wust)

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Über das Lesen und weil ich mich als Kind im Restaurant mit meinen Eltern gelangweilt und dann Geschichten erfunden habe, um mich selbst zu unterhalten.

Du schreibst sowohl Jugend- als auch Sachbücher. Wie ist es gerade zu dieser Mischung gekommen?
Die Jugendbücher kommen direkt aus dem Herzen und die Sachbücher sind der Wunsch, etwas weiterzugeben, was ich selbst erlebt habe und noch immer erlebe.

Im letzten Herbst ist dein Sachbuch "Schreib dich zum Glück" erschienen. Wem würdest du dieses Buch ans Herz legen?
Allen, die auf der Suche nach sich selbst und einem Quäntchen Zufriedenheit und Glück sind.
Allen, die gerne Perspektivwechsel vornehmen und achtsamer in ihrem Leben sein wollen.

Würdest du sagen, dass du alle Tipps aus dem Buch selbst befolgst?
Bei weitem nicht, da ist noch jede Menge Luft nach oben. Aber ich bemühe mich darum, das kleine Glück im Alltag immer wieder zu finden und zu würdigen.

Wer das Buch schon gelesen hat, wird die Frage noch besser verstehen: Was ist für dich dein tägliches Glück?
Der erste Cappuccino am Morgen, ein Vogel, der singt, eine Gemse am Berg, die Stimme eines lieben Menschen und alles, was mich überrascht und erfreut.

An welchem Buch arbeitest du gerade?
An meinem dritten Jugendbuchthriller und einem Bilderbuch für Kinder ab 
4 Jahren.


Ein Tag ohne Bücher ist für dich …
… wie ein Tag ohne Nahrung.


Wer neugierig ist, kann sich hier mehr über Silke erfahren:
silke-heimes.de
instagram.com/silke_heimes

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Donnerstag, 20. März 2025

Gerhard Henschel "Mord auf Hohenhaus"

Eigentlich wollte sich Michael Ritz eine schöne Zeit im Schlosshotel Hohenhaus gönnen. Eine Dylanologen-Konferenz gepaart mit Lesungen von Arno Schmidt. Dazu gutes Essen, ein guter Wein, was würde man sich mehr wünschen? Doch es kommt alles ganz anders. Plötzlich taucht eine Leiche auf und die Menschen im Hotel sind verunsichert. Die Polizei verdächtigt alle, wenn auch oftmals wegen fadenscheiniger Gründe. Doch zwischen Lesungen und Vorträgen kommt das Dunkle immer näher und keiner scheint sich dem entziehen zu können.

Wer Gerhard Henschel kennt, weiß um seinen recht eigenwilligen Humor. Allein die Namen der Protagonisten zaubern dem Leser ein Schmunzeln auf das Gesicht. Wer sich viel mit Krimis und Detektivgeschichten befasst, dem wird der eine oder andere Name bekannt vorkommen.

Neben Songtexten und Passagen aus Arno Schmidts Werken, lässt der Autor viel über das Leben von Arno Schmidt und seine Probleme in der Nachkriegsliteratur einfließen. Bei dem Symposium vermittelt der Autor viel geschichtliches Wissen, was er auch im zweiten Teil des Buches beibehält, wenn es um die Aufklärung des Falles geht.

Trotz der relativen Kürze des Textes schafft es Henschel, den Leser alle Gefühlslagen durchleben zu lassen. Witz folgt auf Grusel, Ekel wechselt sich mit Dramatik ab. Dabei spielt jede Figur ihr eigenes Spiel und der Autor verpackt Bildung mit Unterhaltung.

Eine etwas andere Art von Krimi, die neben den berühmten kleinen grauen Zellen auch die Geschichte Deutschlands beleuchtet.

4 von 5 Hotelzimmern 

Dienstag, 18. März 2025

Farina Graßmann "True Crime in Nature"

Wer meint, dass Lug und Trug vom Menschen erdacht und für ihn prädestiniert sind, der sollte dieses Buch zur Hand nehmen.

Der Kuckuck dürfte vielen Lesern noch ein Begriff sein, wenn es darum geht, andere Artgenossen zu betrügen. Zu welchen harten und ausgefuchsten Methoden er greift, ist vielleicht widerum den wenigsten klar. Und er ist damit nicht allein. Natürlich steht nicht immer Mord im Vordergrund, aber wenn es darum geht, den Nachwuchs voranzutreiben, sind viele Tiere nicht zimperlich. Da werden Eier in falsche Nester gelegt, Kriegerinnen getötet und die Wirte sprichwörtlich ausgesaugt.
Ja, für schwache Mägen ist das Buch im wahrsten Sinne des Wortes harte Kost.
In einem ziemlich unverblümten Stil erzählt die Autorin, wie es im Tierreich zugeht und wann und vor allem wie spezielle Tierarten ausgebeutet, ausgenutzt und misshandelt werden.
Unterteilt in mehrere Kapitel fasst sie die Tiergattungen zusammen. Mal geht es um Täter, mal geht es um die Opfer, aber immer um die Tatsache ansich.
Trotz der schieren Gewalt lässt es sich die Autorin nicht nehmen, einzelne Episoden mit einem Augenzwinkern zu erzählen und somit das ganze Thema nicht zu grausig erscheinen zu lassen.

Das Buch lässt sich durch die Kapitel gut abschnittsweise lesen und erfordert keine Vorbildung.
Die einleitenden, farbigen Illustrationen peppen den Text in seiner Morbidität auf und garantieren ein gelungene Wissensvermittlung.

Nur Abendessen sollte man vor der Lektüre nicht ;-)

3,5 von 5 Insekten

Donnerstag, 13. März 2025

Jörg Weigand "Die Welten des Meister Li"

Am Ufer des T'ung-t'ing-Sees steht eine kleine, schlichte Hütte. Niemand, der es nicht genauer wüsste, würde hier das Heim des Meister Li vermuten. Nahezu abgeschieden lebt er hier, nachdem er eine Beamtenlaufbahn ausgeschlagen und sich stattdessen dem Studium der weisen Bücher gewidmet hat. Seine Ansprüche sind einfach und somit begnügt er sich mit dem, was die Menschen ihm geben. Denn sein Lebensinhalt ist die Weitergabe von Wissen und vielleicht auch von ein bisschen Weisheit. Umgeben von seiner Schülerschar erfahren die Leser in 50 Kurzgeschichten, wie es sich im Leben zu verhalten gilt, wenn man denn niemanden vor den Kopf stoßen will. Dabei gilt es das Fantastische nicht zu übersehen, denn wir in der "realen Welt" kämpfen selten gegen Dämonen und Drachen. Wenn, dann tun wir dies nur im übertragenen Sinne.

Meister Li erblickte das literarische Licht der Welt für eine Kurzgeschichte in den Phantastischen Miniaturen von Thomas Le Blanc im Jahr 2012. Seitdem hat der Meister so einige Abenteuer erlebt und Schicksale geprägt. Stets mit Ruhe und Bedacht versucht er mit Hilfe seiner Bücher die Probleme der Menschen am See oder auch aus weiterer Entfernung zu lösen.
Das Wissen, ohne den berühmten erhobenen Zeigefinger, wird durch die einzelnen Kurzgeschichten an den Lesenden weitergeben. Mit Hilfe der kurzen Texte, die nicht den Charakter eines Sachbuchs haben, tröpfeln die Ideen, die Gedanken und auch die Wertvorstellungen von Meister Li wie von selbst in den Geist der Leser. Sie lassen sie einvernehmlich nicken oder auch mal den Kopf schütteln, wenn man die literarischen Bilder in das Hier und Jetzt übersetzen muss.
Auch wenn die Texte kurz sind, so empfiehlt es sich, sie portioniert zu lesen, um das Wissen und den Charme nicht durch kumuliertes Schmökern zu verfälschen.

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

5 von 5 Lehren

Mittwoch, 12. März 2025

Oliver Hoffmann "Moriarty und das erste Opfer"

Das erste Opfer müssen Sie finden, um die Schuld zu erkennen und somit auch den Grund für die Vorkommnisse. Dieser Aussage sieht sich Moriarty in seinem dritten Fall aus der Feder von Oliver Hoffmann gegenüber. Doch bei diesem Abenteuer hat er eine weite Anreise. Nach den Verwicklungen im zweiten Fall hatte es Moriarty, seine Frau und Molly nach Frankreich verschlagen. Doch die Bitte sich des Falles anzunehmen, lässt Moriarty alle Bedenken in den Wind schlagen. Mit seinen Angestellten, Moran und dem Amerikaner Boswell macht er sich auf die Suche nach dem berühmten Motiv, denn leider bleibt es nicht bei einem Todesfall. Tiefer und tiefer werden seine Freunde und er in die Geheimnisse der Freimaurer hineingezogen, bis selbst die höchsten Stellen dem Professor die Antworten nicht mehr vorenthalten können.
Der letzte Band einer Trilogie bildet immer den Abschluss einer Reihe und hier zeigt sich in meinen Augen die Kunst des Autors im besonderen Maße. Sind alle Fäden aus den vorigen Bänden zusammengeführt? Widersprechen sich die einzelnen Bände nicht? Sind durchgängige Handlungen logisch aufgelöst? Kommt es wirklich zu einem Abschluss oder entscheidet sich der Autor doch für ein offenes Ende?
Ohne zu viel zu verraten: Oliver Hoffmann gelingt der Abschluss. Letzte Rätsel werden gelöst und als Leser bleiben keine Fragen mehr offen. 
Hätte ich mir nach den beiden ersten Bänden einen anderen Abschlussband gewünscht? Definitiv ein großes "Ja". Die Geschichte ist gut, aber die beiden vorigen Bände haben mir beide besser gefallen. Ich hätte im Abschlussband auch ein bisschen mehr Interaktion mit den Holmesbrüder erwartet, aber jeder Autor ist anders.
Oliver Hoffmann hat mit seiner Trilogie drei Geschichten dem Holmes Universum hinzugefügt, die ein ganz anderes Licht auf den Professor werfen, als es Doyle je getan hat. Somit hat der Autor sein Ziel erreicht.

4 von 5 Kellen

Sonntag, 9. März 2025

James Goodwin "Mord in Little Barkham"

Irgendwo, außerhalb von London, liegt Little Barkham. Ein kleines Dorf. Mit einem großen Anwesen. Einem Pub. Einer Bücherei. Und einem Mord.
Denn, die Dorfidylle trügt. Genauso wie sie es in den Bücher von Agatha Christie in der Bücherei tut.
Aber der Reihe nach: Es sind einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg vergangen, als Arthur Tingwell seinen Job in der Bücherei von Little Barkham annimmt. Er versorgt das Dorf mit Literatur, und dabei gerne mit dem neuesten Kriminalroman der sehr geschätzten Agatha Christie. Bis zu dem Tag an dem Dame des Anwesens umkommt und somit das ganze Dorf in helle Aufregung gerät. 
Zwischen Essensrationierungen, unfähigen Polizisten und abendlichen Guinness im Pub entspinnt sich zwischen den Dorfbewohner mit dem täglichen Fortschreiten der Ermittlungen ein gehöriges Misstrauen, das mit jeder Verhaftung größer wird und Konsequenzen nach sich zieht. 
James Goodwin hat seine Hausaufgaben gemacht. Ich wollte beim Lesen gar nicht, dass das Buch endet, da man sich darin wie in einem Kokon der klassischen Kriminalfälle fühlt. Hier ein betagtes Anwesen, der entsprechende Missmut einiger Dorfbewohner, dort der Pub als Treffpunkt für Klatsch und Tratsch. Ein Bibliothekar, der auch im größten Durcheinander wegen seiner Liebe zu Agatha Christie den Überblick behält und eine Dorfgemeinschaft, die nicht immer miteinander, aber erst recht nicht ohne einander auskommen kann.
James Goodwin schafft es eine Hommage an Agatha Christie zu schreiben, ohne sich dabei auf einen Abklatsch zu reduzieren. 
Eigene Charaktere, die berühmt-berüchtigten Geheimnisse und ganz viel Charme und Atmosphäre, gewürzt mit Buchzitaten und Anekdoten über Schriftsteller machen den Krimi zu einem Lesevergnügen erster Güte.

5 von 5 Gardinen

Mittwoch, 5. März 2025

Sven Haupt "Anahita"

Was definiert unser Dasein?
Das Geschlecht?
Die Gesellschaft?
Unsere Gene?
Oder ist es doch etwas ganz anderes?

Sven Haupt erzählt in "Anahita" die Geschichte von Aven und Christine, in einer Welt, die so ganz anders ist als die unsere.
Doch viele Verhaltensweisen sind, bedingt durch Sozialgefüge und Machtstrukturen, unveränderlich zu dem, was wir kennen.

Christine kommt mit ihrem Vater auf einen fremden Planeten, den der Uhrmacher schon einige Zeit im Visier hat. Aven, Sohn der Hohepriesterin, freundet sich mit Christine an und bringt ihr die Kultur des Planeten näher. Vieles, gerade die Flora und Fauna dieses Planeten, weicht so sehr von dem Leben am britannischen Hof ab, dass Christine nur staunen kann.
Doch wie es so ist, die Ruhe wird gestört und plötzlich wird das Leben von Christine und Aven vollkommen auf den Kopf gestellt. Krieg wird zum Tagesgeschehen und die Verluste sind so zahlreich, dass die Zeit zum Trauern nie gegeben ist. Hinterhältige Mächte ziehen am Himmel auf und der Kampf zwischen Gut und Böse gewinnt neue Dimensionen. Beide Charaktere entscheiden sich bewusst, für eine gravierende Änderung ihres Lebens und stehen in der ersten Reihe, wenn es darum geht, das zu schützen, was ihnen wichtig ist.

Schon in "Niemandes Schlaf" hat Sven Haupt gezeigt, wie Charaktere verschiedene seelische und auch körperliche Wandlungen durchleben können. "Anahita" erschafft mit dem Weltenbau noch viele andere und auch diverse Dimensionen. Steampunk, Weltraum, riesige Tiere, Bewusstseinserweiterungen, Sven lässt die Charaktere durch Welten segeln und durch Gefühle taumeln. Doch wirkt es nie gekünstelt oder effekthascherisch. All die Gedanken und Handlungen wirken in ihrer Außergewöhnlichkeit trotz allem logisch und folgerichtig. Man schüttelt beim Lesen nie den Kopf, ist der Welt oder vielmehr den Welten gefangen und muss erstmal in die Realität auftauchen, wenn das Buch zur Seite legt.

Moral, der Sinn des Lebens, Charakterstärke und das Wesen der Menschheit, in allen Büchern von Sven Haupt sind dies zentrale Aspekte, ohne dabei mit dem sprichwörtlichen erhobenen Zeigefinger zu interagieren.

Sie sind Bücher abseits des Gehirnkaugummis, den man sonst oft angepriesen bekommt, und wenn man seine Bücher verlässt, ist der eigene Geist immer durch seine Nachdrücklichkeit positiv beeinflusst. Wie sich das äußert?
Das erfährt jeder Lesende individuell, wenn er durch die Buchseiten segelt.

4,5 von 5 Uhrmachern