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Mittwoch, 11. Februar 2026

Nathan Winters "Der Schatten von Avamoore"

Eigentlich könnte alles so schön sein. Elisabeth hat in William Pickett den Mann fürs Leben gefunden und will den Rest ihrer Tage mit ihm verbringen. Doch was sich im ersten Moment wie eine klassische Liebesgeschichte anhört, bekommt eine dramatische Wendung.
Denn William geht nach Schottland - genauer gesagt nach Avamoore - um zu jagen. Doch aus dem Moor kehrt er nicht zurück.

Elisabeth reist mit Williams Bruder Alexander in die unwirkliche Gegend und stößt auf Missgunst und Ablehnung. Denn William ist nicht der erste, der verschwand, aber er ist der erste, nach dem gesucht wird. Elisabeth und Alexander reden mit allen im Dorf und auch mit seiner Lordschaft, bis eine Suche im Moor Dinge zu Tage führt, die selbst die hartgesottenen Einwohner nicht kalt lässt.

Wer bereits klassische Gruselgeschichten wie Northanger Abbey, Das Bildnis des Dorian Gray oder Dr Jekyll und Mr Hyde gelesen hat, weiß, wie schwer es ist, einen guten Gruselroman zu schreiben. Die Balance zwischen Spannung und langsamen Aufbau einer Geschichte beherrschen nicht viele so gut, dass man sich nicht nach einer gewissen Zeit langweilt.

Nathan Winters kann sich mit diesen Klassikern messen. Denn nicht nur die Länge der Kapitel variiert, er begleitet auch unterschiedliche Charaktere, verwebt Vergangenes und manchmal auch Fantastisches, um den Leser wie bei einem Krimi ein ums andere Mal in die Irre zu führen.

Angesiedelt in der Viktorianischen Zeit kann er aus einer unglaublichen Fülle an Möglichkeiten schöpfen, denn selten haben Technik, Medizin und Wissenschaft einen solchen Sprung gemacht wie zu dieser Zeit. Dinge, die einst unmöglich schienen, werden hier als neue Wahrheiten präsentiert und sowohl die Dorfbewohner als auch die Leser wundern sich. 

Nathan Winters schafft es, ein dichtes Werk zu schreiben, ohne dabei den Leser durch die Fülle an Informationen zu verlieren. Und doch weiß man nach der Lektüre soviel mehr über die Zeit, auch wenn es nur ein Roman ist.

Optisch ist das Buch eine Augenweide und gibt den einen oder anderen Hinweis, wie sich die Erzählung im düsteren Schottland entwickelt und doch sieht man die Lösung lange nicht kommen. Sie wartet hinter den Spinnweben und dem Skelett auf dich ...


4,5 von 5 Schatten

Samstag, 26. Juli 2025

Dan Adams "Galaxy of Shadows - Graue Zone"

Kennt ihr diese Autoren, bei denen ihr einfach alles lesen müsst, was sie schreiben? Deren Stil euch so gut gefällt, dass ihr, egal welches Genre der Autor gerade bedient, die Geschichte inhalieren müsst?
Nein? Dann tut ihr mir leid, weil es ein tolles Gefühl ist.
Ja? Willkommen im Club. :-)
Dan oder Nathan oder Jürgen schafft es seit Jahren mich mit seinen Texten zu begeistern. Er hat eine Art zu schreiben, bei der auf keiner einzigen Seite Langeweile aufkommt und bei der nicht ein Gedanke zu viel ist. 
Kennengelernt habe ich ihn über eine viktorianische Buchreihe und nun entführt er uns Leser in die Weiten des Weltraums.
Wie auch andere Space Operas hat Dan eine eigene Mischung aus Tatsachen und Fiktion geschaffen. Elemente aus der Weltraumforschung fließen in seine Geschichten genauso ein, wie erdachte Völker, Planeten und deren Konflikte.
Sein Protagonist Dag hat es sich mit seinem Geldgeber verscherzt, zu lange hat er nichts zurückgezahlt und nun soll er dessen Tochter retten. Soweit, so gut, doch damit fangen Dags Probleme erst an. Denn während der Rettung kommt es zu Übergriffen und er und sein Co-Pilot landen in der grauen Zone. In einer Welt, die fern ab von der Konföderation ihren eigenen Gesetzen gehorcht, hausen Lebewesen unter erbärmlichen Bedingungen, werden geknechtet und unterdrückt. 
Doch es braucht ein Heer, um sie zu befreien und das gibt es nicht um die Ecke.
Dan Adams verwebt im ersten Band seiner Space Opera verschiedene Arten von Konflikten: familiäre. freundschaftliche und völkerübergreifende. Dag bleibt, trotz vielschichtiger Erzählstruktur immer der Anker der Geschichte, zu dem die Handlung immer wieder zurückkehrt.
Doch trotz aller Konflikte kommen auch die Gefühle nicht zu kurz.
Neben Welten, Wesen und Konfliktideen erfindet der Autor auch Waffen, Gerätschaften, Systeme und Strukturen, die ihren eigenen Charakter haben. Alles ist auf diese Welt abgestimmt und gehorcht den eigenen Gesetzen. Der Autor schafft sein eigenes Universum, ohne dabei ein bereits bestehendes zu kopieren.
Dan Adams kreiert eine Space Opera, die den Namen Opera zurecht trägt.

4 von 5 Galaxien

Donnerstag, 29. Mai 2025

Autoreninterview Jürgen Bärbig - Hörsprecher-Edition

Hallo zusammen.
Diese Woche treffen wir erneut einen Bekannten. Wer meinem Blog schon länger folgt, kennt Jürgen Bärbig oder Nathan Winters bereits. Neben seiner Schriftstellerei hat er sein Tätigkeitsfeld erweitert und sich zum Hörsprecher ausbilden lassen. Spannend? Das fand ich auch und habe ihm erneut ein paar Fragen gestellt.

(Foto: Jürgen Bärbig (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Wie kam es dazu, dass du Hörbuchsprecher geworden bist?
Es hat damit angefangen, dass ich mit meinem Freund, dem Musiker Werner Wieczorek, Live Hörspiel Lesungen zu meinen Romanen veranstaltet habe. Mit Musik, Text und passenden Sounds.
Da wurde ich zum ersten Mal darauf angesprochen, ob ich auch Hörbücher einlesen würde. Was ich damals noch nicht tat. Die Idee fand ich aber gut. Ich habe mich dann weitergebildet, Kurse und Seminare besucht und ein wenig Schauspielunterricht genommen.
Gleichzeitig hat mich Werner dabei auf technischer Seite beraten. Welches Mikro brauche ich, welches Interface, Software usw. Ralph Edenhofer, ein SF Autor aus Aachen gab mir dann den ersten Auftrag und meine Arbeit kam bei den Leuten gut an. Also habe ich weitergemacht. Neben dem Schreiben ist das Sprechen eine tolle Möglichkeit kreativ zu sein. Ich bin wirklich happy, das hauptberuflich machen zu dürfen.

Wie kann man sich deinen Arbeitsalltag vorstellen?
Der ist tatsächlich recht unspektakulär. Ich stehe dann meistens um halb sieben auf und trinke erst mal einen Kaffee und esse etwas. Danach mache ich Aufwärmübungen, um die Stimmbänder aufzuwärmen. Das sieht dann schon sehr lustig aus und klingt auch so. Anschließend wird gebrummt, gekaut, geschmatzt und Probe gelesen, bis ich das Gefühl habe loslegen zu können.
Als Nächstes mache ich mir einen Tee mit einem Stück Ingwer. Nichts mit Kohlensäure, oder irgendwas, das Geräusche machen könnte. Auch was die Kleidung angeht, darf nichts Rascheln, Klimpern oder Klappern, denn man hört alles.
Dann lege ich los. Meistens arbeite ich sechs bis sieben Stunden mit einer längeren Pause dazwischen. Nach dieser Zeitspanne wird es auch langsam stickig in der Kabine, die Konzentration lässt nach und die Fehler häufen sich. Dann wird es Zeit aufzuhören.

Ist es für dich schwieriger, dich in die Figuren hineinzuversetzen, wenn du sie nicht selbst erschaffen hast?
Es kommt auf die Figuren an. Da ist es ein bisschen wie im richtigen Leben. Manche Personen liegen einem mehr, als andere. Mit manchen kommt man sofort ins Gespräch, mit anderen gar nicht. So ähnlich verhält es sich mit Roman-figuren. Manche handeln und reden, da fällt es mir leicht mich in sie hineinzuversetzen, bei anderen erfordert es mehr Arbeit, bis man begriffen hat wie sie ticken. Aber sich diese Figuren zu erarbeiten um sie authentisch wirken zu lassen, ist dann unglaublich spannend und herausfordernd.

Wie viel Freiraum hast du, wenn du Hörbücher einsprichst?
Zuerst einmal lese ich das Buch, mache mir Notizen und versuche die handelnden Figuren zu begreifen und ihnen eine Stimme zu geben, die ich dann später bei den Aufnahmen verwenden will. Wenn ich dann die Möglichkeit dazu habe, spreche ich mit den Autoren und stelle ihnen die Stimmen vor. Das gibt ihnen Gelegenheit noch eigene Wünsche zu äußern, die ich dann versuche umzusetzen. Sie sagen mir dann auch, ob ich kleine Änderungen im Text vornehmen kann. Das sind dann aber dann wirklich nur Kleinigkeiten, wie ein Wort weglassen, oder eins hinzufügen.
Der Haupttext bleibt aber vom Sprachduktus her meiner Interpretation überlassen. Es geht nicht, dass der Autor einem bei jedem Satz über die Schulter schaut. Da wäre keine konstruktive Arbeit möglich.

Was empfindest du leichter, Texte selber zu schreiben oder einzusprechen?
Beides ist auf seine eigene Art eine Herausforderung. Bei meinen eigenen Texten muss ich allerdings auf viel mehr Dinge achten. Sind die Charaktere fesselnd geschrieben, passen die Dialoge, wirken sie so als hätten echte Menschen sie gesprochen. Wie ist das Setting, wie deutlich sind die Bilder, die ich beim Leser erzeugen will. Wie ist überhaupt die Grundstimmung im Buch.
Erzähle und zeige ich das, was ich erreichen will?
Beim Hörbuchsprechen muss ich das nicht, da ist die Herausforderung das bereits geschrieben Wort mit Leben zu füllen. Wird es spannend muss ich spannend lesen, ist es dramatisch muss ich die Stelle auch dramatisch lesen. Sind die Charaktere traurig, lustig, wütend oder genervt muss man mir das anhören, denn sonst klingt es falsch.
Wie gesagt, beides ist auf seine eigene Art herausfordernd.

Kannst du im Vorfeld abschätzen, wie viel Zeit du benötigst, um einen Text einzusprechen?
Das kann ich immer nur ungefähr sagen. Es hängt hauptsächlich mit der Komplexität des Textes zusammen und dem Genre. Science Fiction finde ich zum Beispiel schwieriger, als einen Thriller oder ein Jugendbuch.
Dann ist wichtig wie viel Dialog es gibt und wie gut ich die Stimmung treffe in einer Unterhaltung zwischen den Charakteren. Da kann es passieren, dass ich unzufrieden bin und die Stelle mehrmals lese. Ich muss selbst davon überzeugt sein, dann kann ich den Text auch guten Gewissens wieder abgeben.

Erzähl ein bisschen über deine aktuellen Projekte.
Ich habe gerade die Aufnahmen zu „Minna und die magische Stadt“ abgeschlossen. Das ist ein Jugendroman von Carina Zacharias. Und eigentlich müsste ich jetzt mit der Arbeit am sechsten Teil von Ralph Edenhofers C23 Reihe beginnen, aber leider muss ich operiert werden, was meine Terminplanung ein wenig durcheinander wirbelt. Aber danach steht dieses Projekt an erster Stelle.
Im schriftstellerischen Bereich arbeite ich gerade zusammen mit meinem Lektor an meinem viktorianischen Roman „Der Schatten von Avamoore“, der im Oktober beim Drachenmond Verlag erscheinen wird.
Außerdem steht die Überarbeitung eines älteren Romans von mir an, über den ich leider noch nichts verraten darf, der aber ebenfalls im Drachenmond Verlag erscheinen wird.
Nur soviel – es wird abenteuerlich.:-)

Wer neugierig ist, kann sich hier mehr über Jürgen erfahren:
instagram.com/juergen_baerbig/

Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Sonntag, 21. April 2024

Dan Adams "Manhattan 2060" Part 3

Der dritte Teil bildet auf so viele verschiedene Arten ein Ende, man mag es gar nicht alles aufzählen. Nachdem Captain Kirkland offiziell nicht mehr in die aktuellen Fälle involviert ist, stellt er für seine Gegner jedoch keine geringere Bedrohung dar. Um das D.S.O. in wahrsten Sinne des Wortes aus der Schusslinie zu halten, versucht er es auf seine eigene Art ...
Während die anderen des D.S.O. allmählich begreifen, wie weite Kreise die Verschwörung zieht, agieren sie immer vorsichtiger. Ein gegnerischer Gefangener wird zur Schlüsselfigur des letzten großen Angriffs, mit dem die Gerechtigkeit wieder hergestellt werden soll.
Am Ende müssen alle Fäden zusammengeführt werden und über das Schicksal eins jeden Charakters entschieden werden. In Manhattan 2060 scheint dies oftmals eine schwere Entscheidung, denn viele übertreten die Grenzen ihres jeweiligen Bereiches. Doch Dan Adams schafft es im letzten Band, eine schlüssige und leserfreundliche Lösung zu ersinnen.
Der letzte Band hebt sich gerade durch seinen hohen KI-Anteil hervor und verändert durch auch das Setting der Geschichte maßgeblich. Während andere Passagen des Buches sehr durch militärische Aktionen geprägt sind, bildet dies eine Balance. 
Eine sehr gute Serie, die zeigt, welche Gefahren, aber auch Chancen, die Zukunft nicht nur für Manhattan bietet. Wollen wir hoffen, dass es in Zukunft mehr Menschen vom Schlage des D.S.O. gibt, die die Menschen vor dem Bösen und manchmal auch vor sich selbst beschützen.

4 von 5 Cops

Montag, 1. April 2024

Dan Adams "Manhattan 2060" Part 2

Probleme über Probleme häufen sich im zweiten Teil der dritten Staffel von Manhattan. Glaubt man als Leser ein Schauplatz sei für die Vielfältigkeit von Ärgernissen ausreichend, katapultiert Dan Adams ihn in ein weiteres Szenario. Während das D.S.O. mit internen Umstrukturierungen und Intrigen zu kämpfen hat, steht der Drogenkrieg auf den Straßen nicht still, auch wenn er ein wenig in den Hintergrund tritt. 
KI und ein Form des Darknets treten an dessen Stellen und zeigen, dass Menschen meist nicht von ihrer Natur abweichen können, ob sie es nun wollen oder auch nicht.

Wer betrügt wen? Wer kontrolliert wen? Und wer ist überhaupt noch Herr der Lage? 
Diese und ähnliche Fragen springen beim Lesen immer wieder im Kopf herum, denn wie schon in den vorigen Bänden schafft es Dan Adams einen vermeintlichen Ruhebereich in der Geschichte aufzubauen, nur um ihn im nächsten Moment eindrucksvoll zu zerstören.
Ausruhen darf man sich als Leser nicht, denn ansonsten wird man von der Entwicklung der Geschichte überrannt. Kleine, versteckte Hinweise zeigen dem Leser aus wessen Richtung das nächste Unheil droht und so ist man nach knapp 190 Seiten gut gedanklich durchgeschüttelt und zweifelt, ob die Geschichte, und wenn ja für wen, ein gutes Ende nehmen kann.

4 von 5 Cops

Dienstag, 13. Februar 2024

Dan Adams "Manhattan 2060"

Die Welt hat sich in einem weiteren Jahr nicht verbessert.
Manhattan 2060 fährt die gleichen Geschützen auf wie seine beiden Vorgänger und doch ist es anders. Jane hat das D.S.O. Team verlassen und Mike muss sich jetzt mit Cole herumschlagen. Manche Situationen muten seltsam an, es drängt sich öfters das Bild des "Guter Cop - Böser Cop"-Szenarios auf, ohne allerdings das Thema zu sehr zu überreizen.
Weiterhin sind die Drogen im Zentrum der Aufmerksamkeit des D.S.O.s und als ein Waschsalon die Bühne für ein Gemetzel bietet, sind Mike und Cole schnell zur Stelle, doch wie so oft ist nichts so wie es scheint. Und plötzlich steht Mikes alter Chef vor ihm. Ein Mensch, den er nicht wiedersehen wollte.

Doch am Beginn der neuen Staffel steht der Tod ... Makaber, oder? ;-)

Mit "Meltdown" geht die Reihe um die D.S.O. Cops bereits in die dritte Runde. Drei Episoden umfasst dieser Teil, in welchem es sich vermehrt um Captain Kirkland drehen soll. Der Chef ist in den vorigen Episoden auch schon aufgetaucht, doch schafft es Dan Adams durch die Fokussierung auf einen Charakter in der jeweiligen Episode die Spannung hochzuhalten, während das Umfeld im ähnlichen Sumpf vor sich hindümpelt. Probleme dieser Größe lassen sich nicht von heute auf morgen klären, und so ist es an den Figuren sich zwischen schlecht und weniger schlecht zu entscheiden.

In dieser Folge spinnt der Autor auch die Technik weiter, wobei er immer auch nostalgische Elemente - gerne auch mit Wiedererkennungseffekt - einbaut. 

Eine Cyberpunk-Serie mit Worldbuilding, in welche ich immer wieder gerne zurückkehre, obwohl es in der Zukunft spielt. ;-)

4,5 von 5 Cops

Donnerstag, 30. Juni 2022

Dan Adams "Manhattan 2059"

Düster liegt die Welt von Manhattan vor dem Leser. Das Jahr 2059 folgt seinem Vorgänger 2058 in einer Brutalität und einer Skrupellosigkeit, die ihresgleichen sucht. 
Hatte das D.S.O. zum Ende des ersten Teils der Geschichte um Mike Quillan, Jane Capriso und den anderen des D.S.O. ein bißchen Grund in die Unterwelt von Manhattan gebracht, so zeigt der neue Band, dass Unkraut nicht vergeht. Im Gegenteil es schießt (im wahrsten Sinne des Wortes) aus noch mehr Löchern nach, wenn man vermeintlich eines gestopft hat. 
Nachdem der erste Band auf Mike fokussiert war, setzt der zweite auf Jane. Ihre Geschichte, vor allem ihre privaten Belange rücken in den Vordergrund, denn auf einmal sind ihre Sorgen nicht mehr nur privater Natur und das D.S.O. muss verhindern, dass größere Katastrophen passieren. Angefangen damit, dass die Bürgermeisterin nach einem Treffen mit den wichtigen Leuten der Stadt auf dem Heimweg umgebracht werden soll.
Aktionreich wie sein Vorgänger verschachtelt Dan Adams die vielfältigen Probleme der Stadt ineinander. Drogen, Waffen, Flüchtlinge, Korruption. Alles Themen, die schon wer weiß wie oft bespielt wurden, fügt er zu einem neuen Puzzle zusammen, bei dem sich menschliche Abgründe auftun, die dem Leser das Blut in den Adern gefrieren lassen.
Man riecht den Rauch, man schmeckt das brackige Wasser, man empfindet den Ekel, ob der Ratten oder der Personen ist der jeweiligen Situation geschuldet. Es entsteht ein Kopfkino, dass einen bei den waghalsigen Flügen den Atem stocken und auf Grund der zeitlichen Nähe hoffen lässt, dass wir nicht auf genau ein solches Szenario zusteuern.
Sollte irgendjemand einmal gesagt haben, zweite Bände stehen im Schatten des ersten Bandes: Nein. Dieses Buch definitiv nicht. Man sollte, um die Rahmenhandlung zu verstehen, den ersten Band lesen, aber es sei gesagt, nach dem ersten Band rechnet man nicht mit einer solchen Steigerung im zweiten Band.

4,5 von 5 Cops

Donnerstag, 17. Juni 2021

Jürgen Bärbig "Wikingerblut"


Woran denkst du, wenn du das Wort Wikinger hörst?
Krieger, Nordmänner, Bier, ungehobelte Männer, wenig Kultur, Brutalität, vielleicht noch Thor und Loki?
Trifft das zu?
So ist mein Vorurteil gegenüber Wikingern. Warum sollte man ein Buch lesen, bei dem sich Männer oder ggf Amazonen die Köpfe einschlagen?
Doch da mich die Bücher des Autoren Jürgen Bärbig alle auf ihre Art überzeugen konnten, habe ich mich artig bedankt, als er mir ein Rezensionsexemplar zukommen ließ.
Was soll ich sagen? Ich wurde nicht enttäuscht. Weiterhin sind die Wikinger nicht mein liebstes Völkchen, aber die Geschichte um die beiden Brüder Kjelvar und Thorvik hat mir wirklich gut gefallen. Natürlich ist es brutal, natürlich wird gemordert, gebrandschatzt und geplündert, aber ohne dies wäre es auch keine Wikingergeschichte.
Nachdem Thorvik jahrelang aus seinem Dorf verstoßen war, kommt er nun zurück, um seine Gemeinschaft im Jahr 875 im Auftrag des norwegischen Königs Harald aufzufordern, mit ihm in den Krieg gegen Varl Bluttrinker zu ziehen. Viele Bündnisse im Hintergrund, viele Seilschaften im Vordergrund halten den Leser auf Trab um zu erkennen, wer gerade mit wem und vor allem warum im Krieg ist.
Schon auf der ersten Station von Kjelvars und Thorviks Reise sehen sie, wie Varl in den kleinen Dörfern an der Küste wütet. Männer werden abgeschlachtet und ausgeweidet, Frauen vergewaltigt, der Hass gegen Varl wird mit jedem Moment größer. Doch auch im Inneren der Gemeinschaft gibt es Unfrieden. Denn warum darf Thorvik trotz der Verbannung mitreisen und warum hat Kjelvar das sagen?
Das Buch erzählt im Wechsel die Geschichte der Brüder, die Geschichte von Kjelvars Frau und natürlich auch die Geschichte von Varl Bluttrinker.
Angespickt mit kurzen mythologischen Elementen, mit kulturellen Gegebenheiten bei Wikingern und anderen Völkern sowie mit Berichten über die Einführung der Christianisierung vermittelt Jürgen Bärbig mit seinem Roman dem Leser auch geschichtliches Wissen, was zum weiteren Schmökern anregt.
Jürgen Bärbig schafft es mit seiner Sprache, seinen stilistischen Elementen und seiner Hintergrund-recherche die Wikinger ein wenig menschlicher wirken zu lassen und sogar Sympathie für sie zu entwickeln.
Daher

4 von 5 Faxen

Samstag, 7. November 2020

Autoren-Vorstellung mit Gast


Hier folgt nun mein kleines Interview mit Celeste Summersteen. Wer Sie noch nicht kennt, hier lernt ihr sie kennen: Vorstellung Celeste Summersteen

Liebe Celeste, du kommst auch aus einer Zeit des Umbruchs, wie findest du es, dass eine Buchmesse im Internet stattfindet?

Ich bin jemand, der gerne mit Menschen zu tun hat. Am liebsten spreche ich mit ihnen von Angesicht zu Angesicht. Aber in solch ungewöhnlichen Zeiten, muss man auch ungewöhnliche Wege gehen. Daher finde ich es gut, dass es eine Messe geben wird. Wobei ich dieses „Internet“, das Sie mir vorhin erklärt haben, noch äußerst befremdlich finde. Zugegeben, ich habe mich damit auch noch nicht ausführlich beschäftigt. Mich fasziniert noch die Entdeckung der Elektrizität. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das durchsetzen wird.

Die erste Buchmesse in den USA hat zu dem Zeitpunkt deiner Bücher noch nicht stattgefunden. Wie würdest du dir eine Buchmesse in deiner Zeit vorstellen?
Oh, eine solche Messe würde in einem wundervollen Hotel stattfinden. Man diniert im großen Saal, bei Musik von Chaupin oder Mozart und kann dazwischen bei den einzelnen Ständen vorbei flanieren um sich die Neuheiten anzusehen.

Es gibt Lesungen im Cafè, oder im Kaminzimmer. Man kommt mit den Autoren ins Gespräch und kann sich mit angenehmer Plauderei ein wenig die Zeit vertreiben. Ich hätte dann Gelegenheit  Mr. William Wilkie Collins kennenzulernen. „The women in white“ habe ich verschlungen. 

Was fehlt dir bei der virtuellen Buchmesse an meisten?
Ich kann mir das ehrlich gesagt immer noch nicht richtig vorstellen. Man sitzt also vor einem kleinen Kasten und irgendwo sitzen andere Menschen auch vor einem kleinen Kasten, wie bei einem Foto, das sich bewegt… also ich weiß ja nicht. Da würde mir, glaube ich, der persönliche Kontakt fehlen. Es ist doch immer etwas besonderes mit Gleichgesinnten beisammen zu sitzen und bei einem Glas Sherry miteinander zu reden.

In den eigenen vier Wänden zu sitzen, macht man schon oft genug, da wäre es schön auszugehen. Aber wie bereits gesagt. Es sind außergewöhnliche Zeiten, die aber auch wieder vorbei gehen werden. Da bin ich mir sicher.

Wenn du dich entscheiden müsstest zwischen technischen Neuerungen wie z.B. E-Books und dem klassischen Buch, wofür würdest du dich entscheiden?
Du hast mir dieses e-Book ja eben gezeigt und ich habe es in der Hand gehabt und wusste nicht wie es zu handhaben ist. Es ist sicher eine wunderbare Erfindung, aber ich bevorzuge doch das klassische Buch. Damit lassen sich auch viel leichter Mücken erschlagen.

Wenn du dir deine Zeit und unsere Zeit anschaust, kommt dir unsere Zeit dann vor wie eine Dystopie?
Von den Lebensumständen her gesehen, würde ich eher meine Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts als Dystopie bezeichnen. Die Sterblichkeitsrate ist viel höher, die Zahl der Armen ist erschreckend hoch. Dinge wie Krankenversicherungen gibt es zu meiner Zeit nicht und man kann an einer schlimmen Grippe sterben, weil sich nicht jeder Medizin leisten kann. 

Die medizinische Entwicklung ist soweit fortgeschritten, wie man es sich zu meiner Zeit nie erträumt hätte. 

Auch was den Lebensstandard anbelangt, oder die Hygiene sind Sie in Ihrem Jahrhundert, dem unsrigen Meilenweit voraus. Alleine Ihre Toilettensituation ist ein Traum. Ich mag mich gar nicht mehr umgewöhnen. Andere Dinge finde ich erschreckend und faszinierend zugleich, zum Beispiel, dass der Mensch Maschinen gebaut haben soll, mit denen er fliegen kann. 

Jede Zeit hat ihre großen Probleme, das war schon immer so. Leider wird es immer wieder Menschen geben, die diese Probleme ignorieren, sie totschweigen, oder schlicht nicht wahrhaben wollen. 

Da unterscheidet sich Ihre Zeit überhaupt nicht von der meinen. 

Das Erfreuliche, es wird aber auch immer Menschen geben, die sich den Problemen stellen und etwas dagegen unternehmen wollen. Deshalb seien Sie guter Dinge, es wird sich noch alles zum Guten wenden.

Danke Celeste für die interessanten Antworten und euch vielen Dank für Lesen. 

Zum Literarischen Ich geht's hier weiter: https://featherminds.de/

Viel Spaß noch auf der OBM2020 und schaut später nochmal vorbei, ich habe noch einen Autor, den ich euch vorstellen möchte.

Donnerstag, 27. August 2020

#AutoralsLeser: Nathan Winters

Oftmals nehmen wir Leser in einer Person nur den Autor war, doch das ist natürlich nur ein Teil der Wahrheit.
Ein Autor ist auch selbst ein Leser und ist durch das, was er gelesen hat beeinflusst. Doch spiegelt sich das Gelesene im Geschriebenen wider?
Wollen wir doch einmal sehen.  😉
Heute hat dieser Autor die Fragen zu seinem Leseverhalten beantwortet: 



Nathan Winters

1) Welches sind die drei besten Bücher, die du je gelesen hast?
Von Anthony Horowitz : Das Geheimnis des weißen Bandes.
                                    Der Fall Moriarty

Horowitz hat einfach einen tollen Schreibstil. Und ich finde es großartig wie er Sherlock Holmes in das Geheimnis des weißen Bandes zu neuem Leben erweckt.

Tom Bradby : Der Herr des Regens, wegen seiner dichten Atmosphäre im Shanghai der 20er Jahre

2) Wo liest du am liebsten?
Bei schönem Wetter lese ich gern auf dem Balkon, mit Blick auf Hühner und Hochlandrinder, oder bei schlechtem Wetter, klassisch auf dem Sofa, mit leiser Musik im Hintergrund.
Zu passender Stunde auch mal mit einem Glas schottischem Whisky.


3) Welches Buch hast du zuletzt gelesen und würdest es weiterempfehlen?

Mir hat zuletzt der historische Krimi von Oscar de Muriel "Die Schatten von Edinburgh" gut gefallen. Die Stimmung, die Atmosphäre und auch der Spannungsaufbau sind gut gelungen . Ebenso sind die beiden Hauptcharaktere überzeugend. Es war das letzte Buch, das mir wirklich Spaß gemacht hat zu lesen.

Nachdem ihr nun wisst, was er liest, könnt ihr hier schauen, was er schreibt:
https://featherminds.de/
https://www.facebook.com/Nathan-Winters-1860334800917686/notifications/
https://instagram.com/juergen_baerbig

In diesem Sinne, fröhliches Lesen und freut euch auf die nächste Woche und auf einen weiteren Autor.

Donnerstag, 30. Juli 2020

Autoreninterview mit Nathan Winters Teil 2

Hallo zusammen.
Schön, dass ihr wieder dabei seid, wenn Nathan Winters eine weitere Runde an Fragen beantwortet. Weiter geht's.



Wie hast du für „Das Geheimnis der Madame Yin“ recherchiert?
Als ich anfing zu schreiben, hatte ich schon einige Bücher erworben, die sich mit der viktorianischen Zeit befassten. Darunter ist auch ein sehr gutes, englischsprachiges Lexikon über London.
Hinzu kamen Bücher über Kleidung, Einrichtung und allgemein das Leben in der viktorianischen Ära.
Dann war ich natürlich auch in London. Habe mir historische Orte angesehen, Museen besucht und war in jedem Antiquariat das ich finden konnte.
Zudem sammle ich Postkarten aus der Zeit, was einen hervorragenden Blick auf eine längst vergangene Stadt ermöglicht. So kann ich Orte beschreiben, die zu meinem großen Bedauern längst abgerissen wurden. 

Könntest du dir auch vorstellen, Celeste und Robert in einer Adaption in das Genre des Steampunks zu schicken?
Das könnte ich mir tatsächlich nicht vorstellen. Celeste und Robert sind meine Figuren für den viktorianischen Krimi.  Da gehören sie meiner Meinung nach hin. Sie irgendwo anders einzusetzen, würde mir falsch vorkommen. 
Ich mag Steampunk würde aber eigene Figuren für so ein Setting entwickeln.
Momentan habe ich aber nicht vor in dieser Richtung etwas zu plotten.

In deinen viktorianischen Krimis gibt es neben Celeste und Robert noch einige andere größere Nebenfiguren. Wie wichtig sind dir solche Nebenfiguren und wie sehr gestaltest du sie aus?
Die Nebenfiguren, besonders die Wiederkehrenden sind für mich sehr wichtig und ich verbringe viel Zeit damit sie auszuarbeiten. Das beginnt damit, dass ich ein Porträt suche, das zu meiner Figur passt. So kann ich sie mir besser vorstellen. 
Sie bekommen dann eine grobe Hintergrundgeschichte, ein paar Macken oder Besonderheiten wie sie jeder Mensch hat. Nur so empfinde ich sie selbst als „menschlich“. Ich finde es schön, wenn der Leser mit den Nebenfiguren ebenso mitleiden kann wie mit den Protagonisten. Ich mag nicht nur “Stichwortgeber“ erfinden. Im „Zug aus Enfield“ hat Tobias Gold ja eine größere Rolle bekommen. Seine Figur hatte ich schon in Teil eins eingeführt und sie für Teil zwei weiter ausgebaut. 
Ich finde solche Charaktere geben einer Geschichte einfach mehr Tiefe, es wirkt lebendiger.

Wird es einen weiteren Band mit Celeste und Edwards geben?
Ich hoffe es sehr. Die Figuren und das Setting machen mir einfach zu viel Spaß. Ich hab mir sogar ein Arbeitszimmer im viktorianischen Stil eingerichtet, damit ich besser in die Atmosphäre eintauchen kann. 
In jedem Fall arbeite ich gerade am Plot zum dritten Teil.

Welches Genre würdest du, neben deinen schon geschriebenen Büchern gerne einmal ausprobieren?
Es gibt tatsächlich schon einige Genres in denen ich geschrieben habe, aber besonders reizen würde mich ein Abenteuerroman in bester Indiana Jones Tradition. Die Suche nach untergegangenen Kulturen, versunkenen Schätzen, das hat mich schon immer fasziniert. 
Im Urlaub ist jede Ruine, jede Burg und jedes Museum meins. Ich muss mir das einfach ansehen. 
Einen Roman in diese Richtung habe ich auch schon geschrieben. Leider hat er bisher noch keinen Verlag gefunden. 

Außerdem hätte ich riesigen Spaß daran eine Piratengeschichte zu verfassen. Mit donnernden Kanonen, flatternden Segeln und Säbel rasseln. Das habe ich als Kind schon geliebt. Zu meinem Bedauern funktioniert das Genre aber nur im Kino. Aber das wäre eine Geschichte, bei der ich die Seeluft schon riechen könnte.


Damit ist das Interview leider schon vorbei. Ich hoffe, es hat euch genauso gut gefallen, das Interview zu lesen, wie es mir gefallen hat, mit Nathan das Interview zu führen. Unter dem Label "Autoren-Donnerstag" könnt ihr noch einmal das gesamte Interview nachlesen.

"Danke" Nathan, für die Zeit, die du dir für die Antworten genommen hast und "Danke" an euch, dass ihr euch die Zeit fürs Lesen genommen habt.

Hier sind die entsprechenden Links zu Nathans Seiten:
https://featherminds.de/ 
https://www.facebook.com/Nathan-Winters-1860334800917686/notifications/
https://instagram.com/juergen_baerbig?igshid=1xnx8xua5vo3v  

Aber bevor ihr euch die Internetseiten genauer anseht, steigt doch einmal in den folgenden Zug und nehmt am Abenteuer selber teil:



Die genutzten Fotos hat der Autor zur Verfügung gestellt.

Donnerstag, 23. Juli 2020

Autoreninterview mit Nathan Winters Teil 1

Hallo zusammen. 
Wieder habe ich mich auf die Suche nach einem interessanten Autor gemacht und habe jemand nettes gefunden, der mir meine Fragen beantworten möchte.
Oftmals hat man in der heutigen Zeit den Eindruck, man liest immer nur noch dasselbe und es fehlt an Vielfalt auf dem Buchmarkt.
Bestimmte Genres sind stark frequentiert und andere kommen oftmals zu kurz oder haben nicht genug Präsenz. 
Mein geliebtes viktorianisches England ist so eine Zeit, die oft nur in Verbindung mit Sherlock Holmes auftaucht und sonst nicht oft benutzt wird, obwohl gerade diese Zeit des Umbruchs viele Möglichkeiten für Geschichten bietet. 
Der Autor, den ich euch heute verstellen möchte, hat sich für eines seiner Buchprojekte aber genau diese Zeit herausgesucht.

Herzlich Willkommen, Nathan Winters. 


Wie kamst du zum Schreiben?
Ich habe schon in den Neunzigern mit dem Schreiben von Fantasy Romanen begonnen, die alle auf den Abenteuern meiner Pen & Paper Rollenspielrunde basierten.
Damals hatte ich schon den Traum irgendwann durch Schreiben meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber der Erfolg blieb aus und ich hatte dann irgendwann die Lust verloren und den Traum aufgegeben.
Es war dann meine Frau, die mich animierte es wieder mit dem Schreiben zu versuchen, nachdem sie eine meiner Kurzgeschichten gelesen hatte. Damals bereits schon eine Geschichte um Robert Edwards und Chief-Inspector DeFries. Celeste fehlte noch.
2011 habe ich meinen Traum dann wieder ausgegraben und angefangen zu schreiben. Seitdem geht es Stück für Stück bergauf. 
Seit 2016 veröffentliche ich regelmäßig als Schriftsteller und seit 2019 arbeite ich auch als Hörbuchsprecher. 

Mit deinen Büchern bedienst du verschiedene Genres. Was passiert, wenn dir für zwei verschiedene Genres gleichzeitig eine Buchidee kommt? Wie entscheidest du, welche du verfolgst.
Das passiert sogar öfter als mir lieb ist. Die Ideen werden erstmal in einem Ideenbuch festgehalten (davon gibt es mittlerweile auch schon unzählige ;-)). Um danach eine Vorauswahl zu treffen, welcher ich eher nachgehe, rede ich mit meiner Agentur Langenbuch und Weiß und bespreche mich mit ihnen, welche Story interessant ist und welcher Verlag interessiert sein könnte. Dann plotte ich die Story, das können dann auch mal zwei oder drei gleichzeitig sein. 
Dabei zeigt sich dann, welche Story mir mehr Freude macht. Dann schreibe ich eine Leseprobe, meist siebzig bis hundert Seiten. Das ist dann ausreichend um bei einem Verlag vorstellig zu werden. Früher habe ich einen Roman komplett geschrieben. Davon liegen vier ungenutzt in der Schublade. Das mache ich heute nicht mehr.
Ich warte bis ein Verlag überzeugt ist und ein Vertrag vorliegt. Diese Wartezeit nutze ich dann um an den anderen Projekten zu arbeiten. 

Als Nathan Winters schreibst du viktorianische Krimis. Ist da der Vergleich mit Holmes ein Fluch oder ein Segen?
Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt. Doyles Bücher sind wunderbare Klassiker, die ich immer noch gerne lese. Aber Doyle hat in seinen Büchern das viktorianische England nicht zeigen müssen, weil seine Leser ein Teil dieser Zeit waren. 
Ich hingegen möchte diese Zeit wieder aufleben lassen, mit all seiner Schönheit, aber auch mit seinen dunklen und brutalen Seiten. Ich versuche den Leser miterleben zu lassen, was die Protagonisten erleben und fühlen. Bei den Holmes Geschichten stand das Analytische und der gewitzte Geist von Holmes im Vordergrund.
Wenn aber ein Leser meine Romane um Celeste und Edwards mit Holmes vergleicht und sie ebenso gut findet, fühle ich mich natürlich sehr geehrt und freue mich über dieses Kompliment.
Meine Intention Doyle nachzueifern war es aber nicht, dafür sind unsere Charaktere aber auch zu unterschiedlich und anders angelegt.

Wenn du zu einem klassischen „High tea“ einladen würdest, mit welchen sechs Autoren würdest du am Tisch sitzen wollen. (tot oder lebendig) ?
Also da ich hier die Chance geboten bekomme auch mit verstorbenen Autoren zusammenzutreffen, kann ich mir das einfach nicht entgehen lassen: 

Da wären H.P Lovecraft, weil ich seinen Cthulhu Mythos einfach genial finde.
Robert E.Howard, da er, abseits von Elfen, Zwergen und Drachen,  mit Conan meine Liebe zur Fantasy geweckt hat.
Natürlich Sir Arthur Conan Doyle mit dem ich unglaublich gern über Holmes und Watson philosophiert hätte.
Alexandre Dumas. Seine drei Musketiere habe ich oft gelesen und noch häufiger als Film gesehen. 
Jules Verne. 20000 Meilen unter dem Meer. Die Reise zum Mittelpunkt der Erde. Klassiker, die man gelesen haben muss.
Bram Stoker. Sein Dracula war elegant und blutrünstig und das Buch hat mich wirklich gefesselt.
Zudem war der Mann Ire und ich liebe Irland.

In „Das Geheimnis der Madame Yin“ erschaffst du mit Celeste Summersteen und Robert Edwards zwei starke Charaktere. Welcher Charakter geht dir leichter von der Hand?
Tatsächlich gehen mir beide recht leicht von der Hand. Sie begleiten mich schon so lange und ich habe mich so viel mit ihnen beschäftigt, dass ich weiß wie sie reagieren, was sie sagen, wie sie handeln würden. Natürlich kommt es immer wieder mal zu Problemen, aber das ist dann meist der Szene geschuldet, die dann z.B nicht so funktioniert wie ich mir das vorstelle.


Vielen Dank für die erste Fragerunde. Nächsten Donnerstag geht es weiter. Ich hoffe, ihr seid dabei.

In der Zwischenzeit könnt ihr euch aber gerne auch schon selber informieren. Hier sind die entsprechenden Links zu Nathans Seiten:
https://featherminds.de/ 
https://www.facebook.com/Nathan-Winters-1860334800917686/notifications/
https://instagram.com/juergen_baerbig?igshid=1xnx8xua5vo3v  

Das genutzte Foto hat der Autor zur Verfügung gestellt.