Samstag, 24. Oktober 2026

Buchmessen im Oktober

Die beiden Buchmessen im Oktober, Frankfurter Buchmesse und Bucon in Dreieich, sind schon knapp zwei Wochen her und doch hänge ich den Erinnerungen noch nach. 
Der Umbau der Frankfurter Buchmesse hat die Laufwege zwar verlängert, aber das wird durch die ruhigere und angenehmere Atmosphäre aufgefangen. Die Crimeworld mit ihren Rätseln, die neue Strukturierung, dass große und kleine Verlage Seite und Seite stehen, finde ich sehr gelungen.
Auch die Neugestaltung des Innenhofes hat mir gut gefallen. Lediglich die Beschilderung hätte noch ein bisschen besser sein dürfen, aber das ist in meinen Augen nur eine Kleinigkeit.

Für mich ist in den letzten Jahren der BuCon immer wichtiger geworden. Dieses Jahr durfte ich an zwei Lesungen teilnehmen und war an drei Veröffentlichungen beteiligt.
Veröffentlichung meiner Kurzgeschichte im SF Kalender im Torsten Low Verlag, Herausgabe und Kurzgeschichte in "Smartokratie" im Eridanus Verlag und ein Werkstatt-Bericht in der neuesten Ausgabe des Weltenportal-Magazins.
Dazu den ganzen Tag den Stand des Weltenportals betreuen, viele interessante Menschen treffen, viel zu wenig Fotos machen (alle Jahre wieder) und neue Pläne schmieden. Ein rundherum schönes Wochenende, dass mir leider eine hartnäckige Erkältung mit auf den Heimweg gegeben hat. :-/

Ach ja, schöne Bücher gab es natürlich auch. :-)


Emma Zecka "Die Chroniken von All Hallows Village - Der Neuanfang"

Es ist einige Zeit nach dem "Aufbruch" vergangen und Ween hat sich verändert.
Plötzlich ist All Hallows Village kein gemütliches Zuhause mehr und die Wesen machen sich abermals auf die Reise.
Doch wohin?
Rüdiger spielt dabei eine zentrale Rolle und auch die Vorbereitungen sind dieses Mal ausgeklügelter als im ersten Band.
Auch dieses Mal wird die Gemeinschaft mehr als einmal auf die Probe gestellt und die Gefahr, die von Ween ausgeht, wird jeden Tag bedrohlicher.

Man muss nicht den ersten Band gelesen haben, um diesen Band zu verstehen.
Einzelne Elemente werden erklärt, andere sind für die Handlung nicht wesentlich.
Wie auch schon im ersten Band legt die Autorin, neben den kleinen Gruselelementen, Wert auf Emotionalität und darauf in ihren Texte Zwischenmenschliches weiterzugeben.
Blicke hinter die Fassaden ihrer Figuren, ihre Ängste und Sorgen neben der großen Reise. 
Die Figuren bekommen dadurch eine unglaubliche Tiefe und die Geschichte und ihre Bedeutung wird so um ein Vielfaches tiefgründiger. 
Ich mochte schon die Charaktere im ersten Band, aber der zweite zeigt, wie gut die Autorin mit Gefühlen umgehen, ohne dass es in Kitsch abrutscht.
Doch trotz allem ist ein Gruselbuch und wann sollte man es lesen, wenn nicht jetzt?

4 von 5 Kürbissen

Eric Eller _ Benjamin Nuebel "Die Taube in der Hand"

Das Geld sitzt bei allen nicht mehr so locker wie noch vor wenigen Jahren.
Die Leute müssen sparen oder alternativ überlegen sie sich gut, wofür sie ihr Geld ausgeben.
Ein Zeitpunkt, an dem sich Firmen überlegen müssen, wie sie neue Kunden gewinnen und vielmehr auch, wie sie Bestandskunden halten.

In mehrere Kapitel untergliedert und mit einem Workbook abgeschlossen, zeigt das Sachbuch, dass man sich vielfach die falschen Gedanken macht.
Marketing ist heute natürlich ein nicht wegzudenkendes Thema, doch Giveaways und Rabatte sind nur ein kleiner Teil der Wahrheit.

Was wirklich zählt?

Es ist so simpel, dass man erst gar nicht darauf kommt.
Es ist das Produkt selbst!
Das Produkt muss mit der Werbung standhalten, man muss den Pakt mit dem Kunden erfüllen.
Wie das gelingt, wird auf knapp 190 Seiten verbal und illustriert gezeigt.

Manche Weisheiten sind so naheliegend, dass es gut ist, dass das Buch sie noch einmal vor Augen führt, weil man sie im Wald unter den Bäumen übersieht.

Ein feines Handbuch für Menschen, die ein Produkt haben und Kunden suchen oder behalten wollen.

4 von 5 Tauben

Freitag, 23. Oktober 2026

Stefan Koldehoff _ Tobias Timm "Kunst und Verbrechen"

"Kunst und Verbrechen" - zwei Dinge, die sich näher sind, als es im ersten Moment den Anschein hat.
Auf Grund der Aktualität von Verbrechen sei anfangs erwähnt, dass das Buch bereits 2020 erschien, sodass einige angedeutete Prozesse vor Gericht inzwischen zum Abschluss gekommen sein dürften. Aber fangen wir am Anfang an:

Hat es ein Künstler zu einem gewissen Renommee geschafft, gibt es zwangsläufig Menschen, die mit seinem Namen Geld verdienen wollen. Das können Bekannte, Händler oder auch Jahrzehnte später Menschen sein, die gar nichts mit dem Künstler zu tun haben und doch sonnen sie sich in seinem Licht.
Kunst und Geld sind immer im Wechselspiel, der hat eine hat es, der andere will es. Und gerne möchte man ein Bild zweimal oder noch öfter verkaufen.
Das Buch beschäftigt sich mit verschiedenen Sachverhalten:

- Wie kam es dazu, dass Menschen mit Fälschungen begannen?

- Warum verschwinden Kunstwerke gerade in Kriegszeiten?

- Wer ist besonders anfällig dürfen, gefälschte Kunst zu kaufen?

- Welcher Zusammenhang besteht zwischen Kunst und Macht?

Die Autoren zeigen in den verschiedenen Kapiteln auf, warum manche Dinge beliebter bei Fälschern sind und wann gefälscht und wann gestohlen wird.

Das Buch ist zum einen eine Zeitreise und bietet zum anderen Einblicke in Bereiche, die dem "normalen" Kunstinteressierten verschlossen bleiben.

Die Mischung aus aktuellen Themen, deren Verfolgung und auch die Prozesse bietet ein vielfältiges Spektrum, wenn es um das Thema Verbrechen und deren Aufklärung geht.

4 von 5 Bilderrahmen

Sonntag, 18. Oktober 2026

Leo Born "Kalte Schuld"

Vier Jahre galt eine junge Frau als vermisst, bis sie in mehreren Fässern in einem Schuppen wieder auftaucht. Schnell scheint klar, wer für diese grausige Tat nur verantwortlich sein kann, doch wie immer ist alles anders, als es scheint.
Mara Billinsky, dieses Mal in Form eines Kurz-Thrillers, versucht erneut die Straßen Frankfurts sicherer zu machen. Doch wie immer ist ihr Weg gepflastert mit Lug und Trug. Und das nicht nur von Seiten der Bösen, sondern auch innerhalb der Polizei hat sie wieder mit den Machenschaften zu kämpfen. Denn ihre Art des Umgangs mit Verbrechen und auch ihre Sturheit, was die Ermittlungsarbeit angeht, lässt nicht viele Herzen für sie erwärmen.
Dabei gibt ihr der Erfolg gerade recht, was ein Teil des Problems sein kann.
Schnell ist sie der Meinung, dass die von ihrem Chef angestrebte Interpretation nicht mit den Ereignissen überein stimmen kann und sie gräbt sich in die Vergangenheit ein. Erneut mit Erfolg.

Während mir in anderen Teilen die Action oft ein wenig übertrieben vorkam, fand ich diesen Teil auf Grund seiner Ermittlungsarbeit sehr ansprechend. Mara legt den Finger auf die Wunde, zeigt Unschlüssigkeiten auf und lässt das Detail, was viele als unwichtig abtun, nie außer Augen.
In vielen Szenen lässt das Lokalkolorit Frankfurt vor dem gedanklichen Auge auferstehen und den Leser mit durch die Straßen hetzen, um den Täter nicht in der Masse zu verlieren.

Eine gute Mischung aus Vorurteilen und menschlichen Abgründen.

4 von 5 Fässern

Samstag, 17. Oktober 2026

Rainer Moritz "Die Maultasche"

Ode an die Maultasche!
So kurz und knackig kann man das Buch zusammenfassen. Mit seinen knapp hundert Seiten wirkt es wie eine Zwischenmahlzeit, doch Kenner der Maultasche wissen: Da steckt mehr drin.
Doch auch schon hier scheiden sich die Geister, denn darf es nur die klassische, schwäbische Maultasche sein? Oder darf sie gerade in der heutigen Zeit nicht auch ein Update erfahren?
Fragt man einen Schwaben, ist ein Antwort ein überdeutliches Nein. Denn wo käme man hin, das traditionelle Rezept des Mönchs Jakob aus dem Kloster Maulbronn zu verändern?
Doch auch hier: Was ist denn Tradition? Und war Jakob überhaupt der Erfinder?
Teigtaschen gab es auch schon vorher und überhaupt?
Doch wer einmal eine Führung im Kloster Maulbronn mitgemacht hat und die Geschichte von Herrgottsbscheißerle gehört hat, der will diesen vermeintlichen Mythos glauben. Zumal wenn er danach einkehrt und eine originale, schwäbische Maultasche isst.

Das Buch ist gefühlt mit Anekdoten, kleinen Erzählungen rund um die Maultasche und natürlich darf es auch an Rezepten und Serviervorschlägen nicht mangeln.
Wer sich also der originalen, schwäbischen Maultasche verschrieben hat, werfe ein Blick in das Buch. Es bringt ihn allein schon auf Grund des Lokalkolorits zum Schmunzeln.

Denn nur der Schwabe kann die richtige Maultasch ... Zumindest aus seiner Sicht.

4 von 5 Maultaschen

Freitag, 16. Oktober 2026

Tim Krohn "Menschliche Regungen"

Tim Krohn entführt die Leser in ein Genossenschaftshaus in Zürich. Ein Haus, indem die Bewohner sich über Emotionen definieren.
Klingt komisch?
Das Projekt hierzu bringt Licht ins Dunkel.

Der Autor hat eine Liste von 1000 Emotionen erstellt und Leser durften sich Verhaltensweisen aussuchen, zu denen er Geschichten schreibt.
So geht es in den elf Kurzgeschichten hoch her.
Denn wo Menschen zusammenwohnen, werden auch Verurteile geschürt oder Bedürfnisse nicht beachtet.
So sind es die Waschzeiten, die die eine Frau stören, die aber eigentlich mit ihrem Leben unzufrieden ist.
Oder eine andere, die nach der Geburt ihrer Tochter im Dachgeschoss immer mehr vereinsamt.

Es sind feine Texte über die unterschiedlichen Sichtweisen auf das Leben und das, was man daraus macht.

Die Auswahl setzt sich aus den drei Bänden "Herr Brechbühl sucht eine Katze", "Erich Wyss übt den freien Fall" und "Julia Sommer sät aus" zusammen. Wer ein Gespür für die Mieter und das Zwischenmenschliche bekommen will, erhält hier einen guten Eindruck.

4 von 5 Mietverhältnissen 

Donnerstag, 15. Oktober 2026

Grimm, Lutter, Focke (Hrsg) "Smartokratie"


Buchvorstellung *Werbung*

Letzte Woche, passend zum BuCon erschien meine neue Anthologie. Diese beschäftigt sich mit der Science Fiction, genauer gesagt mit Near Future Geschichten, aber lest selbst:

Digitale Assistenten begleiten unseren Alltag, Künstliche Intelligenzen treffen Entscheidungen, trainierte Algorithmen formen unsere Wünsche – kennen uns besser als wir uns selbst. Die Entwicklungen der »Nahen Zukunft« versprechen Komfort, Sicherheit, Langlebigkeit und ein unüberschaubares Spektrum an Möglichkeiten. Doch wie viel Freiheit bleibt tatsächlich, wenn Technologie unser Leben bestimmt?

Smartokratie versammelt Kurzgeschichten über eine nahezu allumfassende Vernetzung von Technik, Politik und Gesellschaft. Sie erzählen von Abhängigkeit und Kontrollverlust, von Überwachung und Entfremdung, aber auch von Nähe, Fortschritt und Hoffnung.

Sechzehn Erzählungen und ein Essay skizzieren ebenso facettenreiche wie vielschichtige Zukünfte, die faszinieren, beunruhigen und lange nachwirken.

Mit smarten Beiträgen von:

Nico Bergstreiser * Anna Eichenbach * Kai Focke * Christoph Grimm *
Sven Haupt * Maximilian R. Herzig *Stefanie Klawitter * Felicitas Köhler *
Sarah Lutter *Thomas Matula * Nathalie Mierse * Harald Müller *
Katrin Nink * Jan Seegelke * Smorph * J. R. Tarson * Maximilian Wust 

Hier geht's zur Anthologie: eridanusverlag.de/buecher/smartokratie.html

Dienstag, 13. Oktober 2026

Pippa Watson "Der Zauber von Somerset"

Eigentlich wollte Amber sich nur eine Auszeit in Somerset gönnen, zu schwer waren die letzten Monate. Doch während sie am ersten Morgen in dem beschaulichen Cottage frühstücken will, steht auf einmal Finian in der Tür mit genau demselben Gedanken. Seine Schreibblockade will in London einfach nicht weichen, so hofft er, dass ein Umgebungswechsel seine Ideen befeuert.
Zu dem Cottage gehört auch die Pflege eines Pferdes, doch schon kurz darauf finden sich immer mehr Vierbeinige und auch Zweibeinige in der Nähe des Cottages ein, denn die Wohngemeinschaft der beiden überzeugt durch Wärme und Zufriedenheit.
Während beide überlegen, wie sie nach der Auszeit weiterleben wollen, überschlagen sich die Ereignisse und plötzlich steht ein Haftbefehl im Raum.

Der Charme der englischen Countryside ist etwas, dem man sich nur schwer entziehen kann. Ein kleines Cottage eingefasst in einen wunderschönen Garten mit Weiden und Wiesen rundherum. Gleich nebenan ist auch ein Bach, der freudig vor sich hin plätschert. Es sind diese Umgebungen, die Romanen den Kitsch nehmen und sie zu einem Wohlfühlbuch machen. 
Jeder kennt diese Momente im Leben, in denen man an einem Scheideweg steht. Bei beiden Charakteren haben sowohl andere Menschen als eine gewisse innere Unzufriedenheit damit zu tun. 
Im Perspektivwechsel geschrieben, begleiten wir immer ein Kapitel Amber und im nächsten Finian. Nach und nach decken sich Probleme, Streitigkeiten und Unzufriedenheiten auf. 
Sanft verwebt die Autorin die beiden Lebensläufe und zeigt, wie sich Menschen selbst wiederfinden können, wenn sie sich verloren fühlen.
Ein Buch fürs Krönchen richten und wieder aufstehen, wenn man genug Sterne am Himmel geguckt hat.

4 von 5 Cottages

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Oscar de Muriel "Die Schatten von Edinburgh"

Eigentlich könnte es Frey nicht noch schlechter treffen, auf Grund von "Personalstrukturen" verliert er seinen geliebten Job beim CID, gerade als Jack the Ripper sein Unwesen auf Londons Straße triebt. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihm. Seine Verlobte verlässt ihn und dann wird er noch nach Edinburgh strafversetzt. Der Mord an einem Violinisten hält die Menschen in Atem und er soll dem dortigen Inspector zuarbeiten. Als Engländer einem Schotten zuarbeiten? Die Fronten sind schnell geklärt. 
Während die beiden versuchen, sich aneinander zu gewöhnen, nehmen die schlechten Nachrichten kein Ende und so riskieren die beiden schnell Kopf und Kragen und ihre Karriere, um den Mörder zu fassen zu kriegen.

Die Reihe um Frey und McGray ist bereits knapp zehn Jahre alt und man merkt es dem Stil an. Es fehlt das heute grundsätzlich Hektische, ohne das ein Krimi kaum mehr auszukommen scheint. Die beiden Protagonisten sind wirkliche Typen mit Ecken und Kanten und ihren eigenen Problemen, wie es Wallander vorgemacht hat.
Es ist eine Mischung aus Sherlock Holmes, Jack the Ripper und einer sehr starken eigenen Idee, die der Autor dezidiert verfolgt. Über viele Seiten erläutert er Einzelheiten über den Geigenbau, Musik und auch den historischen Kontext, sodass man als Leser komplett in die Szenerie eintauchen kann.
De Muriel hat eine wundervolle Erzählstimme und schafft es, dass die Figuren alle einzeln wirken und so eine Bandbreite an Typen neben den Protagonisten die Handlung vorantreiben.
Die Auflösung muss man allerdings mögen, auch wenn sie schlüssig ist. Ich persönlich mag diese Art von Enden nicht  so gerne, auch wenn sie so das größte Überraschungsmoment bieten.

4,5 von 5 Ermittlungen