Freitag, 27. Februar 2026

Agatha Christie "Das krumme Haus"

Ein verschachteltes Haus mit Aufgängen, Ecken, Winkeln und Treppen.
Unübersichtlich und immer mal wieder angebaut, wie auch die Familie, die in diesem Anwesen lebt. Als der Vater stirbt, wirken alle aufgescheucht und ruhig zugleich, denn es kann ja nur die neue Frau gewesen sein. Wer sonst hätte ein Interesse daran, den gutmütigen Mann der Familie zu entreißen? Oder ist dies alles nur ein trügerisches Bild und in Wirklichkeit ist wieder nichts so wie es scheint?

Agatha Christie hat unzählige Kriminalgeschichten geschrieben. Neben ihren "Hauptermittlern" Miss Marple und Monsieur Poirot gibt es auch einzelne Fälle, wie diesen, in denen keiner der bekannten Ermittler vorkommt und sie eine komplett neue Szenerie mit gänzlich neuem Personal auffährt. Wer die Autorin und ihre Techniken kennt, weiß, dass für sie die Fälle im Vordergrund standen und sie die Ermittler entsprechend angepasst hat.
So ist es auch ihr zu verdanken, dass alte, klassische Vorgehensweise in Kriminalgeschichten nach und nach verwässert und der Leser auch wieder überrascht werden kann. 

Ein gediegenes Setting. Ein Familie. Reich. Eigentlich scheint alles gut und doch schafft es die Autorin mit kleinen, feinen Spitzen Zwietracht und Unruhe zu sähen. Wer hat wen beobachtet, wer gönnt dem anderen nichts …

Ihr gelingt es, die Menschen so menschlich, so unaufgesetzt wirken zu lassen, dass man sehr lange benötigt, um hinter die Fassade zu blicken. Mit ihren Mitteln kreiert sie menschliche Abgründe und hält den Spannungsbogen über den ganzen Krimi konstant hoch.


4 von 5 Häusern

Donnerstag, 26. Februar 2026

Autoreninterview Britta Röder

Hallo zusammen.
Britta Röder kennt ihr bereits aus einem Interview, das sie mir zur Riedbuchmesse gegeben hat. Nun hat sie sich erneut Zeit genommen und mir Fragen über ihr eigenes Schreiben beantwortet.

(Bild: Britta Röder (privat), Grafik: Maximilian Wust)

Du bist seit vielen Jahren in der Literaturszene unterwegs. Wie hat sich die Szene in dieser Zeit verändert?
Gleich so eine Hammer-Frage am Anfang, wow, das ist ein extrem komplexes Thema. Dazu könnte man ganz allein schon eine komplette Interview-Reihe machen.
Mein erster Roman erschien 2011, also vor 15 Jahren. Mein damaliger Verlag gab mir einen Leitfaden mit Tipps zum Thema Umgang mit Social Media mit. Für mich war das ganze Social Media Ding noch völlig neu. Also habe ich mir erst einmal einen Facebook Account eingerichtet, der Insta-Account kam er einige Jahre später hinzu, und habe versucht mich zurechtzufinden.
Was mir damals jedoch schnell klar wurde: Ohne Social Media läuft in Sachen Vermarktung gar nichts. Während der letzten 15 Jahre hat sich dieser Eindruck noch mehr verstärkt – im Guten wie leider auch im Schlechten.
Das Gute: Social Media Marketing ist etwas, das jeder selbst in die Hand nehmen kann. Egal, ob du im Selfpublishing unterwegs bist oder als Autor:in eines kleinen Indieverlags, du kannst direkt Einfluss nehmen auf deinen digitalen Auftritt, Social Networking betreiben, digitale Marketingkampagnen lancieren etc.

Mit Bookstagram hat sich in den letzten Jahren auf Insta eine stabile Community entwickelt, in der man sich einen Namen machen kann. Besonders für „kleine“ Autor:innen ist das eine reale Chance, sich eine bescheidene Reichweite aufzubauen.
Damit kommen wir direkt zur Schattenseite des Ganzen: Ein vernünftiger Social Media Auftritt kostet enorm viele Ressourcen, sprich: vor allem Zeit. Auf einmal befindet man sich als Autorin in der Situation, mehr Zeit und Kraft in das Erstellen von Posts und Reels verwenden zu sollen als ins Schreiben oder in andere Autorentätigkeiten. Ein Mega-Problem, da Zeit für die meisten von uns, die wir ständig zwischen Brotjob und Schreiben jonglieren, von jeher sowieso die knappste Ressource ist.

Ich will Autorin sein, will meine kreative Energie ins Schreiben lenken und nicht als Entertainerin auf Tik Tok oder Influencerin performen.

Wenn du dich mit einem Manuskript bei einem Verlag bewirbst, fällt durchaus ins Gewicht, wie gut du in Sachen Social Media bist. Nicht nur die Qualität deines Textes wird geprüft, auch die Anzahl deiner Follower spielt eine Rolle, und unter Umständen zählt auch, ob du als Person interessant genug bist, um social media konform vermarktet zu werden.

Das alles hat mit Literatur überhaupt nichts zu tun. Meiner Meinung nach, wird es immer schwieriger, literarische Qualität zu platzieren. Hinzu kommt, dass sich das Leseverhalten durch die exzessive Nutzung von Social Media enorm verändert, weg von langen nachhaltigen Texten, hin zu kürzeren, schnelllebigeren Formaten. Die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen lässt nach.

Eine weitere Entwicklung, die wachsenden Einfluss auf den Lese-/Büchermarkt ausübt. Der Selfpublishingmarkt hat während der letzten Jahre enorm an Bedeutung gewonnen. Das ist eigentlich etwas sehr Wunderbares, weil es natürlich gerade in diesem Bereich sehr viele innovative, großartige Autor:innen gibt, die phantastischen Lesestoff liefern. Selfpublishing ist schon lange kein Synonym mehr für billig gemachte, schnell hingeworfene Selfmade-Bücher. Auch im Selbstverlag entstehen hochwertige Bücher. Doch man muss zur Kenntnis nehmen, dass es bei dieser Zunahme an Angeboten für die Lesenden noch schwerer geworden ist, ihre Lektürewahl zu treffen. Für die Verlage und Autor:innen bedeutet das: Sichtbarkeit ist eine kostbare und sehr heiß umkämpfte Währung. Der Druck auf alle, die Bücher machen, ist enorm gestiegen. Und zugleich geht die Anzahl der potentiellen Leser:innen stetig zurück.

Eine weitere Entwicklung, nicht weniger dramatisch, bezieht sich auf die finanzielle Situation, in der sich der Literaturbetrieb in Deutschland befindet. Als vor 15 Jahren mein Debütroman erschien, bestand wenigstens theoretisch die Chance von dem einen oder anderen Kulturbüro für eine Lesung gebucht zu werden. Inzwischen werden Kulturbudgets reihenweise gestrichen, Lesungen finden kaum noch gegen adäquate Bezahlung statt. Förderprogramme erreichen nur wenige vereinzelte Akteure.

Wir erleben aktuell ein großes Verlagssterben, wobei es am häufigsten die „Kleinen“, die Unabhängigen trifft. Immer mehr geben auf. Das Jahr 2026 ist noch keine drei Monate alt und wir wissen bereits: Der Leykam Verlag stellt sein Belletristik Programm ein, der Kanon Verlag ist vom Kampa Verlag gekauft worden, der renommierte Berenberg Verlag stellt Ende März 2026 seinen Betrieb völlig ein – ein Verlag, der drei Mal mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet wurde, dessen Autorin Christine Wunnicke erst 2025 auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis stand. Das sind jetzt nur drei bekannte Namen, es gibt noch so viel mehr und die meisten sterben ganz still.

Doch genau diese kleinen, unabhängigen Verlage bilden das Fundament der Literaturlandschaft, ohne die es nur drögen Mainstreambrei gäbe. Die „Kleinen“ sind die Basis von Unabhängigkeit und Vielfalt in der Literatur. Die Wertschätzung Kultur und Literatur gegenüber hat von staatlicher Seite enorm nachgelassen. Sie war noch nie sehr groß, die Corona-Jahre haben das leider schon gezeigt, aber das, was aktuell passiert ist, ist eine Katastrophe von enormem Ausmaß, dessen gesellschaftliche Auswirkungen noch gar nicht absehbar sind.
Wir leben in einer Zeit, in der sich eine Stadt wie Kultur- und Literatur-Leipzig fragt, ob sie sich ein Literaturhaus noch leisten will. Wohin soll das führen?

Nach mehreren Romanen hast du jetzt einen Erzählband veröffentlicht. Welche Geschichten erwarten die Leser?
Mein Erzählband heißt FLIEHKRAFT und ist im Verlag edition federleicht erschienen. Das sind sieben Erzählungen, bei denen Figuren an einem Wendepunkt stehen, an dem sie die Richtung selbst bestimmen können, wenn sie sich nur trauen. Es geht um den Mut, man selbst zu sein. Freiheit contra vermeintliche Sicherheit durch Gewohnheit. Beziehungen werden hinterfragt, auch die Beziehung zu sich selbst.

Was ist der Unterschied zwischen dem Konzepieren eines Romans und eines Erzählbandes?
Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Einen Roman muss ich konzipieren. Die Erzählungen entstehen einfach. Für meine Romane habe ich mir immer einen Plan gemacht. Ich hatte meine Grundidee, die alles trägt, auch mich, weil das Schreiben an einem langen Text Ausdauer verlangt.
Die Erzählungen sind nicht nach einem Plan entstanden. Sie standen auch anfangs nicht in einem Verhältnis zueinander. Ich habe über einen längeren Zeitraum immer mal wieder eine Erzählung geschrieben, weil ich einen passenden Einfall hatte, oder weil ich gerade zwischen zwei Buchprojekten stand, oder weil ich damit gerade eine Phase überbrücken konnte, in der ich relativ wenig kreativ war. Schreiben ist mein Normalzustand, aber nicht immer ist dieses Schreiben auf ein größeres Projekt konzentriert und dann kommen solche Geschichten dabei heraus.

Das Witzige ist, als ich eine ganze Reihe von Erzählungen zusammen hatte, so über einen Zeitraum von vielleicht zehn Jahren, und ich den Wunsch hatte, diese in einem Erzählband zusammenzubringen und einem Verlag anzubieten, da spätestens habe ich ein Konzept gebraucht.

Ein Erzählband braucht einen Titel. Ein Titel, in dem sich abbildet, was den Erzählungen gemeinsam ist. Das war der Moment, in dem ich mir die Texte aufmerksamer angeschaut habe. Um festzustellen, dass die Texte sehr wohl etwas miteinander zu tun haben. Der Buchtitel FLIEHKRAFT beschreibt das sehr gut.

Es gibt dieses Zitat: „Der Text ist klüger als sein Autor“  und in diesem Zusammenhang bewahrheitet sich das. Das eigene Schreiben gehorcht sehr oft einer übergeordneten Agenda. Mit etwas Abstand wird diese sichtbar.

Was ist dir beim Schreiben wichtig?
Ruhe. Zeit. Alleinsein. Alles andere findet sich.

Woher nimmst du die Ideen für deine Texte?
Die nehme ich nicht. Die kommen oder sind schon da. Das Schreiben öffnet ihnen die Tür.

Planst du schon deine nächste Veröffentlichung?
Na klar. Am nächsten Roman schreibe ich bereits eine Weile. Aber einen konkreten Termin habe ich noch nicht. Das einzige, was ich schon verraten möchte: Er wird politischer sein als alle vorherigen Bücher.

Bei deinen Lesungen wirst du oftmals musikalisch begleitet. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Hans-Werner Brun ist hier in Südhessen kein Unbekannter. Als Songpoet tritt er regelmäßig bei verschiedenen Anlässen auf. Wir kannten uns schon vor unserer Zusammenarbeit lose über den Kultur-Stammtisch. Das ist ein regionales Netzwerk von Kulturschaffenden, die sich ab und an im historischen Museum in Groß-Gerau zum Austausch treffen. Daher der Name „Stammtisch“.
Auf der Riedbuchmesse in Stockstadt habe ich ihn spontan angesprochen, ob er sich vorstellen könnte, mit mir zu meiner Roadstory „Zwischen den Atemzügen“ ein gemeinsames Programm zu entwickeln. Ich drückte ihm das Buch in die Hand. Drei Tage später rief er an, morgens um acht, er hatte den Roman gelesen und war total begeistert. Die Pandemie hat uns dann etwas ausgebremst. Wir mussten etwas warten bis zum ersten Arbeitstreffen, sind aber im Kontakt geblieben. Sobald es möglich war, trafen wir uns, bei offenen Fenstern und mit Sicherheitsabstand und nach nur zwei Stunden stand unser Programm zum ersten Lesekonzert. Es war ein absoluter Selbstläufer.

Inzwischen hat Hans-Werner drei meiner Bücher begleitet, zuletzt den Erzählband FLIEHKRAFT.

Wer neugierig ist, kann hier mehr über Britta erfahren:
britta-roeder.de
instagram.com/xlcoffeequeen
instagram.com/brittaroeder_autorin


Nächsten Monat gibt es ein neues Interview.

Dienstag, 24. Februar 2026

Céline Pardi "Die Glücksagenten"

Perrine hat ihren Job als Buchhalterin verloren. Mit über fünfzig ist der Arbeitsmarkt nicht mehr von ihr angetan und so fristet sie ein Leben ohne Beschäftigung. Antrieblos und missgelaunt geht sie kaum noch vor die Tür und die Stimmung zwischen ihr und ihrem Mann wird immer schlechter.
Als sie sich doch noch einmal aufraffen kann und einen Spaziergang macht, findet sie einen verletzten Hund und es scheint ihre Aufgabe zu sein, diesem Hund ein neues Zuhause zu geben. Schon bei den ersten Spaziergängen mit dem Hund bemerkt sie, wie sie auch andere Menschen mit dem Anblick des Hundes glücklich machen kann und schnell findet sich die Idee, dass sie zur Glücksagentin werden will.

Auch wenn die französische Literatur oftmals nicht nach meinem Geschmack ist, hat sie ein Gespür dafür, schwere Themen in wunderschönen Geschichten zu verpacken. Wir alle kennen das Gefühl, dass wir ausgelaugt sind oder uns unverstanden oder gar nicht gesehen fühlen.
Viele alltägliche Dinge werden einfach nur abgespult und man läuft mit Scheuklappen durch das Leben. Die kleinen Dinge des Lebens findet gar keine Beachtung und werden oft nicht wahrgenommen. So ist es auch im Roman. Die ersten Glücksmissionen sind kleine Aufmerksamkeiten, ein Kompliment, ein Lächeln, nichts womit irgendjemand überlastet wäre. Und doch wir kennen es, es kommt uns im Alltag kaum über die Lippen.
Das Buch ist lebensbejahend und zeigt, dass auch in schlechten Zeiten man den Kopf über Wasser halten kann, wenn man die richtige Einstellung dazu hat. Natürlich ist dies keine Lösung für alle, doch zeigt das Buch wunderschön, wie man sich in seiner Haut wieder wohler fühlen kann, wenn man die richtige Chance ergreift.

"Die Glücksagenten" ist ein Buch, was die Seele in dunklen Zeiten wärmt und beim Lesen ein Lächeln in das Gesicht zaubert, denn Hoffnung und Zuversicht sind neben Liebe und Zuneigung die stärksten Gefühle.

5 von 5 Glücksagenten  

Montag, 23. Februar 2026

Gregor Jungheim (Hrsg) "Der Sammler glücklicher Tage"

Ein kitzelnder Windhauch, der Eindruck eines Blickes, es gibt viele Momente im Leben, die surreal wirken, obwohl wir uns in unserer Realität befinden und doch … Es gibt dieses Element, was uns aufhorchen lässt, das uns in unserem Alltag stocken lässt, weil es nicht ganz real scheint. Dieses Genre hat einen eigenen Namen "Magischer Realismus". Abseits der ausgetretenen Pfade der Genres erlebt der "Magische Realismus" in den letzten Jahren eine Renaissance.
Denn er spiegelt das vermeintlich Beste aus beiden Welten wider, wobei der Autor jeweils selbst entscheidet, wie stark das Fantasy-Element in seiner Geschichte ausgeprägt ist.

In dieser Anthologie zeigt der Herausgeber wie facettenreich das doch eng gesteckte Thema wirklich ist. Denn viele Probleme unserer Welt: Neid, Mobbing, Trauer, Macht über andere und weitere Themen werden in den einzelnen Erzählungen beleuchtet. Allen gemein ist die Tatsache, dass es leise Geschichten sind. Sie kommen ohne cineastische Elemente aus und bestechen durch ihren Tiefgang und ihren Drang, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen. Denn gerade das magische Element hat für mich eine katalytische Wirkung. Es unterstreicht den Kern des Textes und wirkt länger nach, als es bei mir andere Fantasy-Kurzgeschichten tun.
Dem Herausgeber ist zudem eine Mischung gelungen, die ebenfalls abseits der gängigen Probleme havariert und somit Einblicke in menschliche Lebenssituationen gibt, die bisher verborgen blieben.

Mit 330 Seiten hat die Anthologie einen durchschnittlichen Umfang und wie immer gilt, bei Kurzgeschichtenbänden hat man seine Lieblingstexte und eben solche, die man lediglich gut findet. Kurze und länger Erzählungen wechseln sich wie auch die Themen ab, sodass sich eine gute Mischung ergibt.

4 von 5 magischen Elementen

Freitag, 20. Februar 2026

Jorn Lier Horst "Clue 2. Jagd auf die Juwelendiebe"

Bereits zum zweiten Mal sind Celina, Une und Leo auf ein Rätsel gestoßen. Warum versucht jemand nachts in Celinas Zimmer zu kommen und viel wichtiger, warum liest jemand eine Zeitung, die über ein Jahr alt ist?
Schnell stellt sich heraus, dass vor einem Jahr ein Juwelier ausgeraubt wurde und ein ehemaliger Bewohner der Skutebucht zurückgekehrt ist.
Doch hat das alles etwas mit dem Tod von Celinas Mutter zu tun? Ein wenig lichtet sich auch hier das Dunkel.
Sicherlich kann man den zweiten Band auch ohne Kenntnis des ersten lesen. Die wichtigsten Personen und Begebenheiten werden wiederholt und so kommt man gut in die Geschichte.
Wie schon bei dem ersten Band bin ich der Meinung, dass nur Kinder mit Leseerfahrung an diesem Buch schon ihren Spaß haben werden.
Denn neben der gut durchdachten Detektivgeschichte hat der Autor dieses Mal Fragen zum Thema "Zeit" mit eingebaut. Was ist Zeit? Wie viel Zeit hat man? Oder auch die Frage, warum vergeht Zeit unterschiedlich schnell?
Weiterhin hat er den Ort der Handlung in die Nähe von Bunkeranlagen gelegt, sodass er hier ebenfalls einen geschichtlichen Exkurs machen kann.
Es ist wieder ein rundherum gelungenes Kinder-Detektivbuch geworden. Man verschlingt die Seiten und ist sowohl von der Geschichte als auch von den anderen Informationen schlicht gefesselt.
Ich freue mich schon auf den dritten Band.

4,5 von 5 Rätseln

Donnerstag, 19. Februar 2026

Christian Hardinghaus "Die Spionin der Charité"

Die Zeiten im Widerstand sind hart. Laufend werden Verletzte hereingebracht und nur in Sekunden muss entschieden werden, ob ihnen noch zu helfen ist. Doch das ist nicht die einzige Sorge von Professor Sauerbruch und seinen Mitarbeitern. Denn es gilt den Wunsch an ein freies Deutschland hochzuhalten und sich nicht unterkriegen zu lassen. Sauerbruch und einige seiner Mitarbeiter, u.a. Lily, gelten als Spione oder Gegner des derzeitigen Regimes. Als um 1944 die ersten Versuche eines Wechsels scheitern, fühlen auch sie sich immer weiter an die Wand gedrängt und der Alltag besteht aus Hoffen und Bangen.

Lily erzählt ihre Geschichte und die von Fritz Kolbe Jahre später einem amerikanischen Journalisten in einem Interview. Doch je länger er bei ihr ist, desto mehr wird ihr siebter Sinn aktiv. Irgendetwas stimmt mit diesem Mann nicht, doch was?

In zwei ineinander verschachtelten Geschichten führt uns der Autor zwei sehr verschiedene historische Ereignisse vor Augen, die er ein wenig an seine Erzählung angepasst hat. Die Rückblicke in den Zweiten Weltkrieg sind den Lesern vielleicht vertrauter als die Geschichte rund um das Interview, doch beide Texte haben ihren Reiz und auch ihre Überraschungen.
Ein Blick in die Vergangenheit, der noch nicht so oft in Büchern thematisiert wurde und daher sehr spannend zu lesen war.

Der Autor schafft es, die Menschen zu beschreiben, ohne sie per se zu verurteilen und gibt der Erzählung somit einen sehr gelungenen Rahmen.
Wer sich für diese Zeit der Weltgeschichte interessiert, dem sei das Buch sehr ans Herz gelegt.


4,5 von 5 Operationen

Dienstag, 17. Februar 2026

Keris Stainton "Was in den Träumen steht"

Eigentlich ist Beas Plan ein ganz einfacher. Jede Nacht träumt sie von ihrem Traummann und trifft ihn in einem Park. Also packt sie ihre Sachen, zieht nach London in die Nähe des Parks und schaut immer wieder vorbei, ob der Traummann nicht doch einmal in real auf der Bank sitzt. Berieselt von RomComs und Liebesgeschichten hat sie gar keine Zweifel, dass der Mann im Park der Mann für ihr Leben sein muss.
Zwischen der Arbeit in einer Buchhandlung, den Querelen eines WG-Lebens und einem plötzlichen Familiendrama versucht Bea zu erkennen, was sie wirklich will und was ihr gegebenenfalls die Literatur oder eben auch ihr Traum vorgaukeln will.

Eine fluffige Geschichte unterlegt mit Liebesfilmen aus den 90iger-Jahren und dem Wissen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Die Autorin schafft es, eine gewisse Leichtigkeit in den Text einfließen zu lassen, obwohl die angesprochenen Themen mitnichten leicht sind. Die Träume und die daraus resultierende Liebesgeschichte sind nur ein Teil des Ganzen. Es geht auch viel um Freundschaft, eigene Identität und der Frage, was muss ich tun, um ich selbst zu sein (ohne Räucherstäbchen).

Vor der Kulisse Londons ist es ein gutes Buch für alle, die Notting Hill lieben.

4 von 5 Filmklassikern

Montag, 16. Februar 2026

Kristyna Litten "Ivy und Bärlock Holmes. Fall 1: Die rätselhafte Blume"

Bärlock Holmes hat sich in Bärona den Titel des besten Detektivs erarbeitet und er ist nicht der Einzige in der Familie, der eine feine Spürnase besitzt. Seine Enkelin Ivy ist ebenso auf einem guten Weg in die Fußstapfen ihres Opas zu treten.
In ihrem ersten gemeinsamen Fall ermitteln sie, wohin eine besondere Blume verschwunden ist. Sie war kurz davor zu blühen, als jemand sie entführt hat. Verdächtigte gibt es einige, denn die Blume ist von unschätzbarem Wert. Aus ihr kann man einen besonderen Honig kreieren, welcher sich teuer verkaufen lässt. Ein spannendes Abenteuer erwartet die beiden Ermittler.

Oftmals wird Sherlock Holmes in zahlreichen Synonymen verwendet, wenn man eine Detektivreihe vorstellen will. Zu sehr ist er immer noch in den Köpfen der Leser präsent, doch selten erreichen die neuen Adaptionen den Scharfsinn ihres Vorbildes. 

Bärlock Holmes schlägt eine wunderbare Brücke. Die Figur ist zum Bär geworden, die Weisheit des großen Detektives ist noch immer vorhanden, doch seine spitze Zunge wurde für das jüngere Publikum entschärft. Er erklärt geduldig, wie z.B. Honig hergestellt wird und zeigt seiner Enkelin, wie sie am besten mit den Rätseln beginnt. Die gelungene Comicumsetzung hilft, die Geschichte auch in den Bildern nachzuverfolgen und bietet somit den Einstieg zwischen Vorlesen und eigenem Lesen.

Große Bilder und zahlreiche Rätsel bieten Spaß für Klein und Groß und wecken den Spaß, Dingen auf den Grund zu gehen.
Ein wunderschönes Buch, sowohl inhaltlich als auch optisch.
In meinen Augen ist es ab fünf Jahren geeignet.

5 von 5 Honigbienen

Freitag, 13. Februar 2026

André Groenewoud "Das wollte ich Ihnen noch sagen"

Ein Jahrhundert in Interviews.
Nicht alle Menschen sind zum Helden geboren, bei vielen ergeben sich die Umstände entsprechend.
André Groenewoud hat Menschen zum Gespräch gebeten, die man kennt oder vielleicht auch nicht.
Denn nicht jeder Mensch liebt die Öffentlichkeit und ihr entsprechendes Interesse.
So unterschiedlich die Menschen sind, so verschieden waren auch ihre Leben.
Was sie eint, ist das Wissen, dass sie bei besonderen Ereignissen der Weltgeschichte dabei waren.

Der Autor hat sich bemüht, einen Querschnitt an Interviewpartnern zu finden.
Da gibt es den letzten Überlebenden des Ersten Weltkrieges, die letzte Überlebende des Titanic-Unglücks. Er trifft eine Regisseurin, die um ihren Ruf kämpfte, und Frauen, deren Männer Diktaturen vorstanden.
Er spricht mit Kindersoldaten und Geflohenen, er unterhält sich mit Politikern und einer Sekretärin.

Was ihm damit unglaublich gut gelingt, ist, dass man wirklich viele Perspektiven der Geschichte erkennt. Gerade wenn er zwei Lebensläufe in einem Jahrzehnt gegenüberstellt, schafft er es Unterschiede, Vorurteile und Gemeinsamkeiten zu beleuchten.

Zu den jeweiligen Interviews erzählt er, in welchem Lebensabschnitt sich der Gesprächspartner gerade befindet, wodurch er oder sie sich auszeichnet und erklärt auch die Umstände des Interviews.

Das Buch ist ein Zeitdokument, weil es beweist: Jeder Mensch ist ein Sandkorn, das den Lauf der Weltgeschichte unter den richtigen Bedingungen verändern kann.

4 von 5 Gesprächen

Donnerstag, 12. Februar 2026

Autoreninterview James Goodwin

Wer meinem Account schon länger folgt, weiß, dass ich bereits die Romanfigur Mr. Tingwell bei der Veröffentlichung des ersten Bandes interviewen durfte. Nun hat sich der Autor selbst Zeit genommen und beantwortet meine Fragen.

Willkommen in der Zukunft und im Internet, Mr. Goodwin.

(Cover: digital publishers, Grafik: Maximilian Wust)

Am 20.1.26 erschien dein zweiter Band um den Ermittler Arthur Tingwell. Doch eigentlich ist dieser kein Polizist. Wie kamst du auf den Gedanken, einen Bibliothekar als Ermittler einzusetzen?
Ich wollte einen Ermittler erschaffen, der eine positive Weltsicht hat, jemand, der aus einer großen Leidenschaft Kraft gewinnt. Und die Liebe zu Büchern und der Literatur im Allgemeinen erschien mir da am Naheliegendsten. Im Lesen steckt ja auch etwas Intimes, was Arthur Tingwell ermöglicht, verborgene Dinge über seine Mitmenschen zu erfahren.
Beispielsweise über ihre Sehnsüchte oder ihre Fantasien. Außerdem bieten Bücher eine gute Gelegenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

In diesem Band bindest du den historischen Postraub mit in die Handlung ein. Wie wichtig sind dir historische Ereignisse in deinen Geschichten?
Der berühmteste Zugraub in Englands Geschichte fand im Jahr 1963 statt. Ich nahm dieses Ereignis als Schablone für meinen Kriminalfall und verlegte es nach 1950. Die Hintergründe zu dem Postraub werden umfassend in dem Buch „Der große Zugraub“ von John Gosling und Dennis Craig dargestellt.
Daneben bemühe ich mich, das Zeitgeschehen in die Geschichte mit einfließen zu lassen. Es bietet mir einen Rahmen, der mir beim Schreiben auch Sicherheit verschafft.

Was war beim zweiten Band am schwersten?
Es ist mit zweiten Bänden immer so einen Sache. Einerseits will man es vermeiden, sich zu wiederholen, andererseits sollen neue Leser und Leserinnen nicht erst extra den ersten Band lesen müssen. Im Grunde muss man das Pferd von der anderen Seite aufsatteln. Mit dem dritten Band wird es dahingehend leider nicht einfacher.

Arthur Tingwell schreibt Briefe an Agatha Christie. Wenn du die Möglichkeit hättest, ihr einen Brief zu schreiben, welchen Rat würdest du dir von ihr wünschen?
Ganz einfach: Ich würde sie fragen, wie sie das Leben als Autorin und das als Mutter, Frau, Reisende und Person der Öffentlichkeit unter einem Hut bekam. Wie sie dennoch Jahr für Jahr einen Roman veröffentlichen konnte.

Möchtest du ein paar Worte zu dem Inhalt des zweiten Krimis verlieren?
In „Der Tote in der Church Lane“ geht es um einen geheimnisvollen Major, der sich ausgerechnet in der Church Lane, einer verschmähten Straße in Little Barkham, niederließ.
Das allein wäre noch kein Auslöser für einen Krimihandlung. Nein, darüber hinaus wird dieser Major mit einer Stricknadel im Hals aufgefunden. Arthur Tingwell gerät ins Visier des Inspectors und muss nun auf eigene Faust ermitteln. Und so ganz nebenbei bemerkt: Obendrein steht ein Besuch von Queen Elisabeth II an.

Welcher Charakter ließ sich am schwierigsten schreiben?
Für mich ist Arthur Tingwell, also der Held der Reihe, der schwierigste Charakter. Immer wieder. Denn ich neige dazu, Menschen als Angsthasen darzustellen. Vielleicht weil ich selbst kein Ausbund an Verwegenheit bin. Aber allzu furchtsame Charaktere sind in der Unterhaltungsliteratur selten beliebt. Leider. Denn wir mögen eher die Unerschrockenen, die Abenteuerlustigen, eben Menschen der Tat. Arthur gehört nicht zu dieser Sorte Mensch, aber er liest gern von ihnen.

Wird es einen dritten Band geben? 
Ich hoffe 😊.
Die Idee ist bereits da.

Neugierig geworden? Dann schaut hier vorbei:
digital-publishers.com/de/romane/der-tote-in-der-church-lane-historisch-cosy-crime-ebook