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Sonntag, 18. Mai 2025

Frank Lauenroth "Delter"


Während ein Roman eine einzelne Geschichte erzählt, geht es bei Kurzgeschichtensammlungen, wie der Name schon sagt, um mehr als nur eine Geschichte. Viele Facetten spielen in die jeweiligen Geschichten rein und einen Sammelband kann man nicht so ohne Weiteres beurteilen wie einen Roman. 

Jede Kurzgeschichte braucht ein Thema, ein Setting, einen Spannungsbogen. Je nach Thema braucht sie mal mehr, mal weniger Hintergrundinformationen. Sie ist für einen Wettbewerb geschrieben oder sie musste einfach in die Welt hinaus.

Warum ich das so explizit erkläre? Die Kurzgeschichte hat in der deutschen Literatur leider nicht den besten Ruf. Immer wird der Roman hochgehalten und als das Beste vom Besten dargestellt.  Doch es gibt Beweise, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. 

"Delter" ist der Name einer Kurzgeschichte in diesem Sammelband. Als letzte im Buch platziert, rundet sie die vorigen Texte perfekt ab. Denn sie zeigt, was Frank alles schreiben kann. Bleiben wir bei diesem Text; im Weltall angesiedelt, sind mehrere Kreolyten auf einer Mission unterwegs, doch sie unterliegen einer strengen Hierarchie. Was passiert, wenn sich einer dem nicht beugen will?

Ein anderer Text zeigt, was passiert, wenn Teddys für ihre Rechte ins Feld ziehen müssen. Feuer und anderen Widrigkeiten ausgesetzt, müssen sich die flauschigen Wesen behaupten, denn sonst kann ihnen keiner zu Hilfe eilen.

Was gibt es noch? Glückspiel, Geistesblitze, Timing, einen Toyplanet ... Nein, ich zähle jetzt nicht alle Geschichten auf, denn auch das ein Teil des Charmes von Kurzgeschichtensammlungen. Man bekommt eine Wundertüte voller Geschichten und wenn man Glück hat, sind sie alle etwas Besonderes.

5 von 5 D3017

Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Samstag, 2. April 2022

Erich Kästner "Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke"

Hatschi...
Gesundheit...
Wohl eher nicht...
Denn natürlich handelt es bei Kästner um eine Hausapotheke, was bei mir gerade krankheitsbedingt auch wirklich passend ist, allerdings zielt seine lyrische Hausapotheke eher die moralischen oder seelischen Leiden ab.
Alles natürlich mit dem für Kästner bekannten Augenzwinkern. So kommt es auch nicht von ungefähr, dass Kästner zu seinen Gedichten auch eine Gebrauchsanweisung und einen Verwendungsnachweis an die Hand gibt, damit der Leser weiß, bei welchem Gebrechen er welches Gedicht zu konsumieren hat. Herrlich.
Mal witzig, mal trübsinnig, mal sentimental, Kästner hat für alle Stimmungen, Gemütslagen und Bedürfnisse das richtige Gedicht. Nicht zu hochgestochen, sondern so, dass auch der lyrisch nicht-versierte Leser etwas aus den Gedichten ziehen kann, sei es ein Lächeln oder ein zustimmender Seufzer.
Eine Sammlung, die in jeden Bücherschrank gehört, denn Sorgen hat man immer wieder einmal und dagegen bedarf es eines besonderen Buches.

5 von 5 Arzneien

Samstag, 1. August 2020

Lars Simon "Das Antiquariat der Träume"


Was passiert mit einem Menschen, der die Liebe seines Lebens findet, um sie genauso schnell wieder zu verlieren?
Johan lernt Lina im September 1983 auf einem Schiff kennen und mitunter sofort verliebt er sich auch in sie. Als sie ihm nach einem kurzen Landgang ein besonderes Buch schenkt, glaubt er, er könnte nicht glücklicher sein. Doch das Schiff verunglückt und Lina ist seit dem Zeitpunkt verschwunden.
Johan, der zuvor in Stockholm gewohnt hat, zieht sich aufs Land zurück und gründet ein Antiquariat mit angeschlossenem Café und versucht mit dem Verlust klar zu kommen, doch er ist mit seinen Gedanken nicht allein.
Verschiedene Figuren aus seinen Romanen stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite und geben ihm die richtigen Denkanstöße, um sein Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken, was die Menschen in seinem Umfeld doch öfters ein wenig verstört.
Den Roman einem Genre zuzuordnen, fällt mir schwer, da er natürlich eine Liebesgeschichte erzählt, doch wie schon angedeutet, spielen auch andere Elemente in dem Buch eine große Rolle.
Das Buch spielt auf mehreren Zeitebenen und lädt den Leser ein, Johan bei seiner Reise zu begleiten.
Vielfach musste ich herzhaft lachen, weil das Buch so herzerwärmend und gleichzeitig so charmant ist, wie ich selten ein Buch gelesen habe.

5 von 5 Antiquaren 

Mittwoch, 22. Juli 2020

Matthew Costello "Mydworth Tödliche Fracht"


Excelsior Radios ist die Firma, wenn es uns die neuesten Radios geht. Doch jemand gönnt der Firma ihren Erfolg nicht. Seit einigen Monaten werden die Transporte überfallen und die Angestellten bedroht, damit die Fracht abgeladen und gestohlen werden kann.
Ein neuer Fall für Kat und Harry Mortimer, da auf Grund des letzten Überfalls ein Angestellter fristlos entlassen wird, der bereits das zweite Mal überfallen wurde. 
Als die beiden das Firmengelände betreten, haben sie schnell das Gefühl, dass es in vielerlei Hinsicht nicht mit rechten Dingen in dieser Firma zugeht und somit stoßen sie schon kurze Zeit später auf die ersten Unstimmigkeiten, die sie im Gegensatz zur Polizei, auf die richtige Fährte führen.
Es ist der bereits fünfte Band aus der Serie "Mydworth", die durch ihre Kürze dazu einladen, "mal eben zwischendurch" gelesen zu werden. Ein cosy crime, der mit allem daherkommt, was das Genre zu bieten.
Gute Unterhaltung. Perfekt um abends entspannt beim Lesen eine Tasse Tee zu trinken und sich die Zeit zu vertreiben.

4 von 5 Sternen

Freitag, 17. Juli 2020

Leslie Thomas "Dangerous Davies, der letzte Detektiv"


Dangerous Davies, ein Name, den man sich merken sollte. Zumindest wenn man im Polizei-Milieu der 1970er Jahre arbeitet. Denn Dangerous Davies ist der Mann, den man ruft, wenn es gefährlich wird. Wenn der Verbrecher einen mit Dingen bewirft und man nur mit einem Putzeimer sich die Treppe hocharbeiten kann. Wenn man mal wieder einen Polizisten braucht, der sich zusammenschlagen lässt, dann ist Dangerous Davies der richtige Mann.
Aber auch seine Zeit ist irgendwann gekommen und als er einen Verbrecher aufspüren soll, findet er in dessen Polizeiakte einen Hinweis auf einen alten Mord, der bis heute nicht aufgeklärt wurde.
Dangerous Davies sieht seine Chance und beginnt parallel zu der Suche nach dem Verbrecher, sich nach Hinweisen für den alten Mord umzusehen. Doch ob nach 25 Jahren nicht alle Spuren bereits kalt sind?
Mit einer Mischung aus schwarzen englischen Humor, einer gehörigen Prise Raffinesse und einem wirklichen Dickkopf schafft es Dangerous Davies, sich in das Herz des Lesers zu schmuggeln. Der Leser leidet ihm, wenn er gequält wird, er lacht mit ihm, wenn er sich einen trinkt und er schüttelt mit ihm den Kopf, da es doch wirklich so unwahrscheinlich ist, dass kaum einen das Schicksal des Mordopfers wirklich berührt.
Mein einziger Kritikpunkt ist die Auflösung des Falls. Sie wirkte mir einfach zu konstruiert und auch kam mir der Schluss ein wenig zu plötzlich.
Das Buch als Buddyread zu lesen, hat das Lesevergnügen noch um einiges gesteigert, da man immer wieder neu geraten hat, wer es denn gewesen sein könnte. 👮


4 von 5 Detektiven

Freitag, 12. Juni 2020

Ingo Schulze "Die rechtschaffenen Mörder"


Mit behäbiger Sprache erzählt uns Ingo Schulze die Geschichte von Norbert Paulini. Norbert Paulini wächst in Dresden zur Zeit der DDR auf. Nachdem seine Mutter schon früh verstorben ist, hat sie ihm das hinterlassen, was ihr wichtig war: Bücher.
Norberts Vater bewahrt die Bücher in seiner Wohnung auf und so wächst Norbert schon früh mit dem Gedanken auf, von Büchern umgeben sein zu müssen und fortwährend zu lesen. Sobald er es beherrscht, gibt er als Berufswunsch "Leser" an und so liegt seine spätere Berufwahl diesem Wunsch doch ziemlich nahe. Er wird Antiquar. In der Wohnung, in der er mit seinem Vater lebt, wird das Antiquariat eröffnet und entwickelt sich schnell zum "Hotspot" unter den Buchliebhabern.
Doch die Zeit ändert viele Dinge und auch die Menschen ändern sich und Norbert bleibt von dieser Entwicklung nicht ausgeschlossen, da ihm durch die Entscheidungen anderer Menschen der Boden unter den Füßen weggezogen wird.
Oftmals stellt man sich als Leser bei diesem Buch die Frage, wieviel ein Mensch ertragen muss und dabei wie man es schaffen soll, dabei nicht den Mut zu verlieren.
Norbert muss fortwährend kämpfen, sei es um Ansehen, sei es um Gerechtigkeit oder sei es schlicht einfach und ergreifend auch gegen die Zeit und ihre Veränderungen.
Doch Norbert ist für mich nicht der klassische Held, der seine Aufgaben einfach nur bestehen muss. 
Er hat für mich eine Art an sich, die es schwer macht, ihn wirklich zu mögen. Anfangs hatte ich noch viel Mitleid mit ihm, aber durch die verschiedenen Abschnitte im Buch ist er mir zum Schluss hin eher selbstgefällig erschienen und wollte einfach nur seinen Willen durchsetzen.
Der Gedanke, dass sich im Leben alles immer wieder ändert, dass man das Leben nicht planen kann, dass man viele Dinge hinnehmen und daraus das Beste machen muss, trifft bei mir schon auf Zuspruch, aber was es mit Norbert Paulini aus den verschiedenen Sichten macht, das entzieht sich mir.
Wer sich für deutsche Geschichte und auch speziell für die Zeit nach dem Mauerfall interessiert, findet in diesem Buch eine gute Erzählung, wie die Menschen die Zeit erlebt haben können.


3,5 von 5 Sternen

Sonntag, 7. Juni 2020

Matthew Costello "Mydworth Mord beim Maskenball"


Im beschaulichen Mydworth erfreut man sich an jedem kulturellen Anlass, so zieht auch Tante Lavinias Maskenball eine große Zahl an Gästen an. Einige hat sie selber eingeladen, andere kommen, weil sie einen kennen, der eingeladen wurde. 
Somit ist auch dieser Maskenball wieder eine bunte Mischung von Dorfgemeinschaft, Politikern, Journalisten und weiteren Personengruppen aus Tante Lavinias Leben.
Selbstverständlich mischen sich auch Lord und Lady Mortimer unter das Volk und es kommt, wie es kommen muss, im Laufe der Feier stirbt einer der Gäste.
Was im ersten Moment wie ein Herzinfarkt aussieht, bekommt am Morgen nach dem Tod eine ganz andere Wendung, als einer der anderen Gäste sein Leben bedroht sieht und sich auf Tante Lavinias Anwesen verschanzt.
Lord und Lady Mortimer beginnen daraufhin mit ihren Ermittlungen und stellen schon bald fest, dass ein Maskenball perfekt dazu geeignet ist, eine tödliche Tat zu vertuschen.

Im bereits vierten Fall von Lord und Lady Mortimer erwarten den Leser genau die Dinge, die er in einem Cosy mystery erwartet: Ein überschaubarer Plot, ein paar komische Käuze, ein paar Geheimnisse und zwei Ermittler, die auf Grund ihrer Vergangenheit zwar Ahnung von Verbrechen und Respekt bei ihren Mitmenschen besitzen, aber eben keine wirklichen Polizisten sind. Ihre Herangehensweise an die Verbrechen erinnert an die bereits geschriebenen Detektivgeschichten, immer mit einem leichten Augenzwinkern, da er als Lord und sie als Amerikanerin eine interessante Mischung ergeben.
Der Kurzkrimi spielt in England der 1920er Jahre und knüpft in seinem Stil an die vorigen Bände an. Mit seinen 150 Seiten lässt sich das Buch an einem ungemütlichen Nachmittag mit einer heißen Tasse Tee wohlig auf der Couch lesen.

4 von 5 Sternen

Sonntag, 31. Mai 2020

Taylor Jenkins Reid "Daisy Jones and The Six"


Was braucht man um einen Hit zu haben?
Einen guten Text?
Einen guten Riff?
Eine gute Band?
Eine hübsche Sängerin?
Oder doch eher den guten alten "Skandal"?

"Daisy Jones and The Six" erzählt die Geschichte einer fiktiven Band, die in den 70-er Jahren in Amerika in den Rockhimmel aufsteigen will.
Drogen, Bandstreitereien, das Leben auf Achse, alles das, wofür der Rock'n'Roll aus der Zeit bekannt ist, kommt in diesem Buch zur Sprache.
Wie fühlt es sich an, wenn der erste Ruhm kommt, was passiert, wenn man seine Familie über Wochen nicht sieht, wie verändert man sich als Mensch?

Wer aber denkt, er hält hier einen klassischen Roman in der Hand, wird getäuscht. Das Buch ist im Stil eines Interviews aufgebaut, wobei die verschiedenen Bandmitglieder und weitere Personen aus dem Umfeld der Band, die Geschichte der Band erzählen. 
Aus meiner Sicht wird das Buch gerade dadurch sehr interessant, weil man verschiedene Situationen aus der Perspektive von mehreren Personen erzählt bekommt und so ein Gefühl dafür entwickelt, wie es gewesen sein muss, wenn man als Rocker dauernd "zu" war und sich vielfach gar nicht oder falsch an bestimmte Ereignisse erinnert.
Es ist aber auch gerade der Interviewstil, der das Buch in manchen Abschnitten ein wenig ausbremst und das Buch zuviel Länge gewinnt.

Wer sich für Musik oder auch Zeitgeschichte interessiert, dem lege ich dieses Buch wärmstens an Herz.

4 von 5 Rolling Stones

Montag, 18. Mai 2020

Peter Grandl "Turmschatten"


Wie weit würdest du gehen, um ein Unrecht zu sühnen?
Die Hauptfigur in Peter Grandls Thriller "Turmschatten" geht sehr weit, eventuell auch zuweit?
Nachdem drei Neonazis in seinen Turm eingedrungen sind, überwältigt der Bewohner des Turms alle drei Personen und sperrt sie in seinen Keller. Aber das ist nicht das einzige, was er ihnen zumutet. 
Per Liveübertragung ins Internet will er die Menschen abstimmen lassen, wie er mit seinen Geiseln weiter vorgehen soll. Sollen sie leben oder sollen sie sterben? 
Der Thriller besticht durch ein Erzähltempo, was ich selten in einem Buch erlebt habe.
Die Geschichte wird aus der Sicht der mehreren Hauptpersonen erzählt, dabei werden wichtige Lebensabschnitte, die zum Verständnis der aktuellen Handlung beitragen, in separaten Kapiteln erzählt.
Moral, Anstand und auch die deutsche Vergangenheit spielen die zentralen Rollen in diesem zum Teil sehr bedrückenden Buch. Sprachlich immer der Situation angepasst, schafft es Peter Grandl eine Stimmung in dem Buch aufzubauen, in der man immer wieder hin und her gerissen ist zwischen Verständnis, Mitleid und Wut. 


5 von 5 Sternen

Samstag, 11. April 2020

M.C. Beaton "Hamish Macbeth und der tote Witzbold"


Arthur Trent ist das, was man allgemein als netten Verwandten betitelt. Er ist alt und hat viel Geld, damit ist allerdings seine Nettigkeit auch schon ausgeschöpft. Er liebt es, seiner Familie makabere Streiche zu spielen und sie zu Tode zu erschrecken. So kommt es auch, dass er seine Verwandten zu sich einlädt, weil er behauptet, es gehe mit ihm zu Ende. Was als Scherz gedacht war, endet allerdings mit der Tatsache, dass Arthur wirklich tot ist. 
Seine komplette Verwandtschaft bestehend aus seinem Bruder und dessen Frau, seinen beiden Töchtern, seinem Adoptivsohn mit Verlobten und sein "Neffe" stehen sofort unter Mordverdacht. 
Da der leitende Ermittler nicht die nötige Ortskenntnis besitzt, muss auch hier wieder Hamish Macbeth bei der Ermittlung helfen, um den Mord aufzudecken.
Was soll ich sagen, es ist der übliche cozy mystery Plot mit den bekannten Wendungen, Verstrickungen und der üblichen Vorhersehbarkeit. Als siebter Teil der laufenden Reihe kommt das Buch leider mit wenigen Überraschungen daher und der Unterhaltungswert war für mich gerade mal ok. Der sechste Fall hatte mich wesentlich mehr begeistert. 
In diesem Fall hatte ich aber auch keine Figur, die mir sympathisch war, irgendwie gingen mir alle Charaktere auf den Nerv.
Die Geschichte ansich ist logisch aufgebaut und die Auflösung ist auch in Ordnung, aber mehr war es für mich nicht.

3 von 5 Sternen

Sonntag, 1. März 2020

Matthew Costello "Mydworth - Spur nach London"


Auf ins nächste Abenteuer heißt es in dem vorliegenden dritten Band um Lord und Lady Mortimer. Nachdem der zweite Band im ländlichen Mydworth gespielt hat, führt uns der dritte Band auf seinen knapp 120 Seiten in die pulsierende Hauptstadt Englands: London. Lizzie Spence hat es als junge Frau in der ländlichen Einöde nicht mehr ausgehalten. Sie will die Welt als Tänzerin erobern und macht sich eines Morgens früh auf, um ihr Glück in London zu versuchen.
Der geneigte Leser ahnt, das geht nicht gut aus. Lord und Lady Mortimer werden von Lizzies Mutter gebeten, Nachforschungen zu betreiben, da sie schon länger nichts mehr von ihrer Tochter gehört hat. Lizzies Vater hingehen will nicht, dass die beiden sich einmischen, was die Herrschaften aber natürlich nicht davon abhält, einen Ausflug nach London zu machen.
Lord Mortimer zeigt bei der Gelegenheit seiner Frau die Stadt, seine Vergnügen, seine Bars und seine Eleganz. Nebenbei trifft er auch seine Freunde aus der alten Zeit wieder und nach und nach ergeben sich Möglichkeiten nach Lizzie zu suchen, nachdem das Abklappern der Theater nichts gebracht hat.
Was nun ein rotes Häschen und ein klappernder Lieferwagen mit der Geschichte zu tun hat? 
Das erfahrt ihr, wenn ihr das Buch selber lest. ;-)
Wie schon der zweite Band lässt sich das Buch zügig lesen und man muss das eine oder andere mal schmunzeln, wenn "Lady" Mortimer wieder ihre amerikanische Art heraushängen lässt und damit die zugeknöpften Engländer schockiert. ;-)

4 von 5 Sternen

Samstag, 29. Februar 2020

Matthew Costello "Mydworth - Tod im Mondschein"



"Tod im Mondschein" ist der zweite Teil der Krimireihe um Lord und Lady Mortimer. Angesiedelt ist diese Cosy Mystery Serie in Mydworth im England der 20er Jahre und spielt mit den diversen Vorurteilen der damaligen Zeit. 

Die frisch verheiratete Lady Mortimer zieht nach der Hochzeit zu ihrem Mann in das ländliche England und fällt mit ihrer amerikanischen Lebensart den Dorfbewohner sofort auf.
Viel Zeit um sich auf das Landleben einzustellen, bleibt den beiden allerdings nicht, da in einer Nacht der junge Wilderer Syd Buckman im Wald erschossen vorgefunden wird. Alle gehen von einem Unfall aus und die Polizei legt den Fall schnell beiseite. Nur Syds Mutter kann nicht glauben, dass es sich um einen Unfall und wendet sich über eine Hilfsstelle an die Mortimers.
Durch seine Stellung im Dorf kann Lord Mortimer mit seiner Frau zusammen Nachforschungen im Dorf anstellen und schnell zeigt sich, dass es sich bei dem Dorf nicht um das ruhige, kleine, verschlafene Dorf handelt, dass sich Lady Mortimer in ihren Träumen vorgestellt hat. Vielmehr haben mehrere Personen (teilweise offene) Geheimnisse und die beiden bringen einige Wahrheiten zu Tage, die besser nicht zum Vorschein gekommen wären.
Witzige Dialoge, bissige Bemerkungen und eine gehörige Prise englischer Humor lassen die gut 140 Seiten wie im Flug vergehen und den Kurzkrimi nicht langweilig werden.

4 von 5 Sternen

Donnerstag, 20. Februar 2020

Frank Goosen "The Beatles"


Wer kennt nicht den Fernsehclip, in dem eine Horde kreischender junger Frauen in Richtung einer Bühne stürmen? Aber nein, nein, ich rede nicht von Take That, den Backstreet Boys oder New Kids on the Block, nein, ich rede von der "Urvätern".
Den Beatles.
Frank Goosen nimmt uns in seinem Beitrag zur KiWi Musikbibliothek auf drei verschiedene Reisen mit.
Der erste Abschnitt erzählt von seiner Zeit als Jugendlicher, als er die Beatles auf Grund seines Vaters für sich entdeckte.
Die Beatles hatten sich zu der Zeit zwar schon aufgelöst, aber Frank Goosen konnte die einzelnen Karrieren der Beatles live mitverfolgen und erleben, wie sich die einzelnen Mitglieder musikalisch entwickelten.
Mit seinem typischen Ruhrpott-Charme erzählt auch zeitgleich, wie es war, in dieser Zeit erwachsen zu werden und wie Musik sein Leben beeinflusst hat.
Der zweite Teil ist als Nostalgie-Reise nach Liverpool aufgemacht. Frank Goosen, seine Frau und seine beiden Söhne begeben sich im Liverpool der heutigen Zeit auf die Spur der Beatles. 
Auch wenn vieles nicht mehr so ist, wie zu der Jugendzeit der Beatles war, bietet die Reise Frank Goosen einen Blick darauf, wie seine Lieblingsband von damals in der heutigen Zeit angekommen ist und was die heutige Generation mit dieser Musik anfängt.
Der letzte Abschnitt führt uns in seinen Keller. Kisten werden geräumt, CDs und Platten werden sortiert und man kommt zu dem Schluss, dass früher vieles anderes und manches auch wesentlich besser war. ;-)
Für Fans der Beatles und für Musikinteressierte lädt das Buch sicherlich zum Schwelgen ein, ansonsten ist das kleine Buch ein Stück Zeitgeschichte.


4 von 5 Platten

Mittwoch, 22. Januar 2020

Agatha Christie "Passagier nach Frankfurt"


Ich traue es mich kaum zu schreiben, aber ich bin enttäuscht. So enttäuscht; nach meinem letzten "Flop" mit einem Buch, was von einer Zugreise handelte, habe ich gedacht, nimm die "Queen of Crime" (in meinen Augen), da kannst du nichts falsch machen.
Das war leider nichts.
Agatha Christies "Passagier nach Frankfurt" ist so ganz anders als die Bücher über Miss Marple und Monsieur Poirot, dass man sich zwischenzeitlich wirklich fragt, ob man ein Buch von Agatha Christie liest.
Aber der Reihe nach:
Das Buch beginnt mit der Heimreise von Sir Stafford Nye, der im Namen der englischen Regierung in den 1960er  oder 1970er Jahren als Diplomat in der Welt unterwegs ist. Bei dem Umstieg in Frankfurt wird er von einer Dame angesprochen, ob sie sich seinen Pass ausleihen und mit diesem nach England einreisen dürfe. Ihr Leben sei in Gefahr. Ganz der Gentleman der alten Schule kann Sir Nye natürlich nicht "Nein" sagen und reist nicht mit seinem eigentlichen Flug nach Hause, sondern lässt sich "ausrauben", um dann mit einer späteren Maschine die Heimreise anzutreten.
Was dann folgt ist weder die Detektivgeschichte, die man bei Agatha Christie erwarten würde, sondern vielmehr wird Sir Nye von verschiedenen Personen, z.b. vom seinem Vorgesetzten, oder bei einem diplomatischen Empfang oder auch hinterher auf einer geheimen Konferenz zu diesen Vorfall am Flughafen befragt.
Die Dame, die ihn um seinen Pass gebeten hat, spielt fortan, unter den verschiedensten Namen eine Rolle in seinem Leben, da, man beachte, die Welt vor der Jugend zu retten sei. Es stehe ein neues Aufbäumen "des jungen Siegfrieds" bevor und alle Erinnerungen an die Zeit um den Zweiten Weltkrieg werden wieder aufgeweckt.
Während des gesamten Buches habe ich mich gefragt, was diese Geschichte sagen will, sah Agatha Christie ihre Zeit wirklich von diesen Gedanken geprägt? Wollte sie der Welt den berühmten Spiegel vorhalten?
Was mich zuletzt aber maßlos enttäuscht hat war, dass es kein wirkliches Ende gibt. Die Fäden, die sich durch das Buch ziehen, hängen in meinen Augen am Ende noch immer lose herunter und es ist das erste Mal, dass ich wirklich bereue, ein Buch zu Ende gelesen zu haben, da mich der Schluss auch nicht schlauer gemacht hat.

2,5 von 5 Sternen

Montag, 20. Januar 2020

e. o. plauen "Vater und Sohn"

Wer kennt sie nicht, die Geschichten um "Vater und Sohn"?
Sicherlich in der heutigen Zeit sind sie teilweise pädagogisch nicht mehr so ganz auf der Höhe der Zeit, aber trotzdem musste ich bei der Gesamtausgabe aller "Vater und Sohn" Geschichten das ein oder andere Mal kräftig schmunzeln.
Auch nach gut 80 Jahren haben die Comic-Strips zwischen drei und neun Bildern ihren Charme bewahrt und viele Probleme von damals kann man auch heute noch belächeln.
Eine lustige Sammlung für zwischendurch.

4 von 5 Sternen

Donnerstag, 9. Januar 2020

Mark Gatiss "Im Auftrag seiner Majestät"


Den meisten von euch ist Mark Gatiss eher als Schauspieler (Dr. Who, Sherlock) bekannt, doch er hat sich auch literarisch betätigt.
Luzifer Box ist ein Dandy, wie er im Buche steht und lässt nichts, aber auch gar nichts anbrennen.
Eigentlich als Maler im Leben stehend, arbeitet er auch für den englischen Geheimdienst (die Beschreibung der Treffen sind wirklich teuflisch witzig), wenn es um Aufträge geht, die sonst keiner machen kann. Selbst 007 scheint keine Alternative zu unserem Dandy zu sein. ;-)
Die Geschichte beginnt im Jahr 1907 in London mit einem Job der besonderen Art für Luzifer Box. Nachdem er diesen zur Zufriedenheit seines Vorgesetzten erledigt hat, überschlagen sich die Ereignisse, als auf einmal mehrere englische Forscher in Italien verschwinden und zugleich sein bester Freund im Gefängnis landet. Nun hat Lufizer direkt zwei Jobs, um die er sich kümmern muss; es gilt das Verschwinden und einen Mord aufzuklären. Nebenbei trachtet ihm auch noch jemand nach seinem Leben, da mehrere Mordanschläge während der Ermittlungen auf ihn verübt werden.
Wer auf englischen, schwarzen Humor steht, hat hier ein wirklich gutes Buch, indem sich Witz und Aktion immer wieder abwechseln.

4 von 5 Sternen

Dienstag, 31. Dezember 2019

Michael Ende "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch"

Aber einen habe ich noch für dieses Jahr und warum? Weil das Buch an Silvester spielt. :-)
Beelzebub Irrwitzer und seine Tante sind mit ihren bösen Taten zum Jahresende im Rückstand und ihnen beiden droht mit Ablauf des Tages die Pfändung, wenn sie ihren bösen Taten nicht bis Schlag Mitternacht erfüllen.
Nun ist man als Zauberer und als Hexe nicht auf "normale" Umstände angewiesen, sondern man kann sich auch mal Hilfe erzaubern. Schwups, braut man mal eben einen satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch und schon sind die Probleme vergessen. Oder auch nicht? Denn der Feind hat den beiden bereits zwei Spione untergeschoben und der Rabe Jakob und der Kater Moritz beobachten die beiden ganz genau.
Wird das Böse siegen und die Pfändung abwehren können?
Erfahrt es selbst in einem von Michael Endes Kinderbuchklassikern.

4 von 5 Hexenkesseln

Montag, 30. Dezember 2019

Erich Kästner "Hurra Ferien"

Erich Kästner ist den meisten als Kinderbuchautor bekannt, aber er hat sich auch als Lyriker und als Autor für Erwachsene betätigt. Bedingt dadurch, dass ich auf eine Schule gegangen bin, die seinen Namen trug, habe ich als Kind schon seine Bücher verschlungen. Die Erwachsenenbücher habe ich lange vor mir hergeschoben, wobei ich mich jedes Mal, wenn ich wieder ein Buch zur Hand nehme, frage, warum ich nicht zügiger seine Bücher lese. Sein Witz und sein Espirt beeindrucken mich jedes Mal von neuem und jedes Mal denke ich mir, das nächste Buch liest du schneller.
In dieser Kurzgeschichtensammlung geht es um alles, was mit dem Urlaub zu tun hat. Seine Postkarten an seine Mutter, eine Episode der "Drei Männer im Schnee" oder auch kurze Sequenzen aus den Büchern um Emil und seine Freunde. Viel zu lachen gibt es bei der Lektüre und auch wenn man sonst sagt "Klassiker" sind schwere Kost, Kästner zählt definitiv nicht dazu. 

5 von 5 Sternen

Sonntag, 29. Dezember 2019

Agatha Christie "Murder, she said"

Habt ihr auch Bücher oder Autoren, zu denen ihr immer wieder zurückkehrt? Selbst wenn ihr die Bücher noch nicht alle gelesen habt, ist euch das "Werk" dieser Autoren gut bekannt. Sei es durch ihre Bücher, die Verfilmungen oder auch im alltäglichen Sprachgebrauch, dass sie einen solchen Platz eingenommen haben, dass man ihnen kaum ausweichen kann?
Für mich gibt es zwei Autoren, die diesen Anforderungen entsprechen. Zum einen ist es die hier erwähnte Agatha Christie und zum anderen ist es Arthur Conan Doyle.
Somit ist es auch nicht wirklich eine Überraschung, dass mir dieses kleine, aber feine Buch gut gefallen hat.
Aus den Romanen und den Kurzgeschichten wurden in diesem Buch die besten Zitate zusammengetragen, die Miss Marple auf ihre charmante Art und Weise zum Besten gibt. Ein kurzweiliges Buch, das einen oft zum Schmunzeln bringt.

3 von 5 Sternen

Freitag, 27. Dezember 2019

Patricia Highsmith "Suspense oder wie man einen Thriller schreibt"

Ich hatte euch doch letztens gefragt, ob ihr selbst auch Geschichten schreibt. Auf der Suche nach einer Abwechslung bin ich in meinem Bücherregal auf dieses kleine, aber feine Sachbuch von Patricia Highsmith gestoßen.
Patricia Highsmith (bekannt u.a. für ihre Bücher über Mr. Ripley) hat dieses Buch geschrieben, nachdem sie mit ihren eigenen Büchern bereits erfolgreich und mehrfach darauf angesprochen worden war, wie man ein gutes Buch schreibt. 
Das Sachbuch ist in mehrere Kapitel unterteilt, die sich den verschiedenen Abschnitten in einem Buch widmen. Angefangen wird damit, dass sie die Idee zu einer Geschichte als "Keim" bezeichnet und jedem angehenden Schreiberling ans Herz legt, sich ein Notizbuch anzuschaffen, damit er jederzeit seine "Keime" zu Papier bringen kann.
Sie erklärt, wie man Figuren aufbaut und wie man entscheidet, ob und wie ein Mörder auch sympathisch sein sollte.
Letztlich schließt das Buch mit einem Kapitel ab, indem sie anhand einer Kurzgeschichte alle Stadien, vom Keim bis hin zur Veröffentlichung, durchläuft.
Immer wieder weist sie daraufhin, dass es kein Rezept für das perfekte Buch gibt und dass auch nicht jedes Buch, was der Autor selbst für gut befindet, veröffentlicht wird. Sie stellt auch immer wieder klar, dass jeder seine eigene Herangehensweise hat und jeder seinen Stil finden muss. Ihr Buch, so sagt sie selbst, kann nur als Hilfestellung dienen, nicht als Masterplan.
Mit knapp 160 Seiten ist es ein kurzweiliges und zumeist auch amüsantes Buch, dass dem Leser, selbst wenn er nicht Autor werden möchte, zeigt, wie sich der Alltag eines Schriftstellers gestaltet.

5 von 5 Sternen