Samstag, 12. September 2026

Sophie Stein "Der neunte Kreis"

Ond ist straffällig geworden. Doch in der Zukunft geht man nicht mehr ins Gefängnis, sondern man wird therapiert. Eine Stunde. Dann ist man resozialisiert. So heißt es. Was Ond und Vasu danach blüht, gleicht einem Höllentrip, denn mit einer Stunde ist es nicht getan.
Erinnerungen, Bilder, Handlungen, alles ist überlagert. Alles ist verschwommen. Was ist real? Was ist die Hölle?

Das Buch in einem Beitrag zusammenzufassen ist äußerst schwer. Durch die verschiedenen Ebenen, die mal ernst, mal tragisch, aber auch mal lustig, dann aber auch unheimlich verstörend wirken, wird man als Leser wie bei einer Achterbahn immer wieder durchgeschüttelt. Glaubt man, den roten Faden gefunden zu haben, wechselt die Szenerie und man muss sich neu orientieren und das fällt zunehmend schwerer.
Erzählstränge wechseln sich mit Briefen und Tagebucheinträgen ab und der Vergleich mit Dantes "Göttlicher Komödie" wird immer verständlicher.
Ironie, Sarkasmus, Kritik und Zukunftsvisionen, das alles findet man auf gut dreihundert Seiten, wenn man nicht zu zart besaitet ist. Denn das Buch fordert, den Geist, das Verständnis und auch die Anpassungsfähigkeit beim Denken. Nie ist man sicher, nie ist der Weg gradlinig.
Die Autorin schüttelt den Geist des Lesers kräftig durch und regt ihn zum Denken an.
Wie kann die Zukunft aussehen?
Wie gehen wir damit um?
Was passiert mit Menschen, die anders denken?
Sie wirft sehr viele Fragen auf, auch wenn mir die Umsetzung an vielen Stellen zu heftig ist.
Aber vielleicht braucht es gerade intensive Bilder, um den Geist zu schärfen? Vielleicht braucht es den berühmten Finger auf der Wunde, um gehört zu werden.

Sicherlich ist es kein Buch, was man nebenbei liest und auch kein Buch für jeden. Doch wer sich mit Ideen auseinandersetzen will, sollte dieses Buch zur Hand nehmen, so verstörend es zuweilen auch ist.

3,5 von 5 Kreisen

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