Dienstag, 8. September 2026

Richard Mayer "Online. Vernetzt. Gläsern"

Robert ist dreizehn und seine Eltern lassen sich scheiden. Als ob das nicht genug ist, verlangt sein Vater zudem, dass seine Mutter die gemeinsame Wohnung verlässt und Robert bei ihm bleiben soll.
Aus Wut oder auch Verzweiflung beginnt Robert ein Online-Tagebuch. Schnell entwickeln sich daraus auch Gespräche mit anderen, u.a. einer Psychologie-Studentin. Immer wieder betont Robert, wie ungerecht die Situation ist und die Studentin versucht ihm klar zu machen, dass er vorsichtig sein soll, was er sich wünscht. Denn plötzlich landet sein Kopf auf der Tastatur und er befindet sich in der Zukunft.

Das Buch richtet sich an Jugendliche, die vielleicht genau diese Situation durchmachen. Durch den jugendlichen Protagonisten, das Onlinetagebuch und eine jugendkonforme Sprache ist der Autor sehr nah an seiner Zielgruppe.
Wer ist was, wann schuld?
Wer hat sich wie verändert?
Was hätte man anders machen können?
Warum lieben sich die Eltern nicht mehr?
Dies sind nur einige der Fragen, die auf den knapp einhundertfünfzig Seiten vorkommen.

Es geht aber nicht nur um Vergangenes sondern auch um Zukünftiges. Gerade der Zeitsprung zeigt, wie sehr Erfahrungen, auch gerade negative, die zukünftige Ich prägen und wie wichtig es sein kann, an Begebenheiten zu wachsen.
Der Autor nutzt die verschiedenen Personen, um die Entwicklung Roberts zu lenken und auch ein Für und Wider aufzuzeigen.
Sicherlich ist der Alltag komplexer, doch der Autor bricht die Problematik auf die wesentlichen Bestandteile herunter.

Ein Buch, das einen Einblick gewährt, wie man sich verhalten kann, aber definitiv nicht muss.

4 von 5 Tagebucheinträgen

Montag, 7. September 2026

Mina Giers "Witchmore - Hexerei kann tödlich sein"

Witchmore - Ein kleines Dorf, das nahezu abgeschnitten von der Welt und dem Handynetz ist. Ausgerechnet hierhin verschlägt es Elli, da sie ihre letzte lebende Verwandte erstmalig treffen soll. Allerdings durchkreuzt der Mörder Ellis Plan und so steht der Sheriff schon vor der Tür, als Elli bei ihrer Großmutter ankommt.
Viele Neuigkeiten stürzen auf Elli ein und mit so manchen Dinge, spricht die Katze wirklich mit ihr, steht sie erstmal richtig auf dem Kriegsfuß. Doch von Beginn an, stellen sich Rosie und Jack auf ihre Seite und auch der Sheriff scheint nicht übel zu sein.

Herbstzeit ist seit einigen Jahren auch Hexenzeit für mich. Wie gut, dass die Hexen neben der Fantasy auch das Krimigenre für sich entdeckt haben und man nicht immer zu Chunksters greifen muss, wenn man einen Hexentext lesen will.

Die Serie ist in den USA angesiedelt, nimmt aber auch zahlreiche, britische Hexenliteratur aufs Korn. Ein wildes Hin und Her zwischen Krimi und Fantasy lässt den Text zeitweise etwas unruhig wirken und auch der Kriminalfall ist sehr cosy aufgebaut. Regelmäßige Krimileser entlarven den Täter schon recht früh in diesem Buch.

Im Gegensatz zu einer anderen Krimiserie, die ebenfalls bei dem Verlag erscheint, gefällt mir der Witz bei Witchmore nicht so gut. Sicherlich ist es auch der Tatsache geschuldet, dass die andere Serie mehr vom britischen Humor lebt und trotzdem die andere Serie auch eine cosy crime Serie ist, die Witze tiefgründiger sind.
Die Welt rund um die Hexen und anderen Wesen wird im ersten Teil von Witchmore oftmals nur angerissen, vielleicht lernt man in den folgenden Bänden mehr über die einzelnen Dorfbewohner.

Wer American Diner und Zuckerguss mag, wird diese Reihe lieben, alle anderen sollten einen objektiven Blick auf den ersten Band werfen.

3,5 von 5 fliegenden Besen

Samstag, 5. September 2026

Kristyna Litten "Ivy und Bärlock Holmes. Fall 2: Das Dinosauriergeheimnis"

Bärlock Holmes hat sich in Bärona den Titel des besten Detektivs erarbeitet und er ist nicht der Einzige in der Familie, der eine feine Spürnase besitzt. Seine Enkelin Ivy ist ebenso auf einem guten Weg in die Fußstapfen ihres Opas zu treten.

Im zweiten Fall verschwindet ein Fossil. Gerade war es von der rasenden Reporterin Polly mit ihrer Drohne entdeckt worden und schon ist es wieder verschwunden. Doch wer könnte einen Vorteil davon haben? Gerade steht der großen Wissenschaftspreis vor der Tür und alle wollen glänzen. Ein Fall für Polly, Hoppler und natürlich Ivy und ihren Opa.

Bärlock Holmes schlägt eine wunderbare Brücke. Die Figur ist zum Bär geworden, die Weisheit des großen Detektives ist noch immer vorhanden, doch seine spitze Zunge wurde für das jüngere Publikum entschärft. Er erklärt geduldig, wie die Dinosaurier auf der Erde lebten und erhält in diesem Band Unterstützung von einigen Fachleuten. Die gelungene Comicumsetzung hilft, die Geschichte auch in den Bildern nachzuverfolgen und bietet somit den Einstieg zwischen Vorlesen und eigenem Lesen.

Die großen Bilder und verschiedene Rätsel bieten Unterhaltung für Klein und Groß und wecken den Spaß, Dingen auf den Grund zu gehen.

Ein wunderschönes Buch, sowohl inhaltlich als auch optisch.

In meinen Augen ist es ab fünf Jahren geeignet, wenn die Kinder schon einige Bücher gelesen haben. Es ist vom Wortschatz anspruchsvoller als der erste Band.

5 von 5 Dinos

Freitag, 4. September 2026

Elly Griffiths "Manche Schuld vergeht nie"

Eigentlich klang der Job ganz einfach.
Recherche zu Cain.
Feststellen, ob er mit den Morden etwas zu tun hat.
Und wenn ja, was dann?
Ali liebt ihren Job bei der Cold Case Abteilung, auch oder gerade weil, er mehr zu bieten hat als pure Schreibtischarbeit. Denn, um die Fälle zu lösen, reisen die Ermittler in die Vergangenheit und versuchen mit modernen Mittel neue Beweismittel zu sammeln. Zweimal sind sie durch die Zeit gereist, als sie den größten Sprung wagen: London 1850.
Doch während Ali in der Vergangenheit versucht, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, geschieht in der Gegenwart ein Mord und die gesamte Abteilung gerät unter Druck.

Man merkt beim Lesen, dass es sich um eine routinierte Autorin handelt.
Die Hinweise sitzen, der Handlungsstrang zieht sich am roten Faden entlang und sie liefert genügend Verdächtige, um den Text spannend zu gestalten.
Somit kann sie sich voll und ganz auf das Element der Zeitreise stützen. Unabhängig, ob man an Zeitreise glaubt und die tatsächliche Möglichkeit hierzu besteht, hebt dieses Element den Krimi von anderen ab. Die Szenenwechsel und auch die verschiedenen Sichtweisen auf die Welt machen den Krimi zu einem spannenden Erlebnis.
An den entsprechenden Passagen lässt die Autorin historische Fakten und moderne Einblicke auf die Vergangenheit einfließen, was das Buch zwischen Krimi und historischem Roman wechseln lässt. Die Figuren sind gut ausgearbeitet und zeigen Facetten der jeweiligen "Klassen" und auch deren Einstellung zu dem Projekt.

Einzig der Schluss kam mir ein wenig zu abrupt, auch wenn er schlüssig war.

Wer sich für einen gut durchdachten und kniffeligen Krimi interessiert, kommt hier absolut auf seine Kosten.

5 von 5 Zeitreisen