Montag, 31. Januar 2022

Nick Abadzis "Dr Who: Der zehnte Doktor - Herrschaft des Schreckens"

Eigentlich ist der Doktor bekannt durch seine gleichnamige Serie, produziert für die BBC. Doch was im Fernsehen funktionieren kann, kann auch als Comic funktionieren und so habe ich mir den ersten Comicband mit meinem liebsten Doktor besorgt.
Das Cover springt dem Leser im wahrsten Sinne des Wortes direkt ins Auge, doch hier ist für mich eins meiner Probleme mit der Adaption. Auf dem Cover sieht die Figur dem Schauspieler wie aus dem Gesicht geschnitten, bei dem eigentlichen Comic entsteht die Vergleichbarkeit der beiden Figuren oftmals eher durch den Mantel und die Frisur als durch das Gesicht und die entsprechende Mimik. An mehreren Stellen erkenne ich persönlich den Schauspieler nur schwerlich wieder, was mir einen Teil des Lesevergnügens nimmt.
Die Geschichte "Herrschaft des Schreckens" ist in zwei Teile untergliedert. Im ersten Teil muss, wie so oft, die Menschheit gerettet werden und im zweiten Teil gehen der Doktor und seine neue Gefährtin Gabriella auf eine Reise, bei der sie Zhe aus einer beklemmenden Situation befreien müssen.
Beide Teile zeichnen sich durch unterschiedliche Zeichnungsstile und durch eine abweichende Farbgebungen aus, sodass man den Wechsel innerhalb der Geschichte auf vielfältige Art spüren kann.
Mit Schallschraubenzieher, Gefährtin, Anzug und Chucks macht sich dieser Doktor wie in den Filmen mit seiner TARDIS auf durch Raum und Zeit.
Der Comic gewinnt aber nicht so sehr meine Sympathie, wie es die Fernsehserie tut. Schon bei der Fernsehserie liegen mir mehr die Folgen mit viktorianischen Hintergrund, aber gerade der erste Teil des Comics war nicht my cup of tea.
Trotzdem werde ich bei Gelegenheit dem zweiten Band noch eine Chance geben, denn die Sketches im zweiten Teil haben mir sehr gut gefallen.

3 von 5 Doktoren

Sonntag, 30. Januar 2022

Maria Fleischhack "Die Welt des Sherlock Holmes"

"Er ist mir zu alt." "Da ist mir zu wenig Aktion." "Ich werde mit ihm nicht warm."
Nur ein paar der Antworten, die ich im Lauf der Zeit als Begründung dafür gehört habe, warum die andere Person noch kein Buch von, über oder mit Sherlock Holmes gelesen hat. Für mich nahezu unvorstellbar, aber jeder ist bekanntlich anders. Vielen ist auch gar nicht bewusst, selbst wenn sie nicht zu Arthur Conan Doyle gegriffen haben, dass sie sehr wohl schon einmal Literatur mit den Einflüssen über Sherlock Holmes gelesen haben. Aber psst... Das bleibt unser Geheimnis:
Denn wie Maria Fleischhack in ihrem Buch zeigt, ist in viel mehr Bücher, Filmen, Theaterstücken und Musicals Sherlock drin, als es vermeintlich den Anschein hat.
Aufgeteilt ist das Buch in mehrere größere Abschnitte, in denen es um Arthur Conan Doyle ansich, um ihn selbst als Autor, um die wichtigsten Figuren in Sherlock Holmes, um eine Zusammenfassung aller einzelner Fälle, die Wirkung von Sherlock Holmes auf den Leser und letztlich seine Wirkung auf die Welt geht.
Abgeschlossen wird das Buch neben einem Werk- und Namensregister mit einer Liste aller 60 originalen Fälle ergänzt um das Erscheinungsdatum und zum anderen um den Handlungszeitpunkt.
Für eingefleischte Sherlock Holmes Liebhaber ein perfektes Nachschlagewerk, will man nicht noch mal eben den ganzen Kanon durchlesen, um zu hinterfragen, ob ein Pastiche zeitlich passt oder nicht.
Für Holmes Neulinge, die sich das Buch als Einstieg geholt haben, bietet das Buch eine hervorragende Übersicht des gesamten Kanons, seine Entstehungsgeschichte und einen Ausblick über Sekundärliteratur, die seit Aufhebung des Copyrights stetig ansteigt.
Sherlock hier, Holmes da, die Auswirkung des Detektives sind bis in unsere Zeit zu spüren. Serien wie Elemantary oder Sherlock würde es ohne den Kanon nicht geben, aber auch Serien, die einen Protagonisten mit einem Sidekick nutzen, haben sich das bei Doyle abgeschaut. Holmes und Watson als Team gibt es heute in vielfältiger Art und Weise und die Autorin führt diverse Beispiele auf, wo Sherlock auch im vermeintlich Verborgenen zu finden ist.
Ein großartiges Buch über Die Welt des Sherlock Holmes.

5 von 5 Lupen

Donnerstag, 27. Januar 2022

Autoreninterview Selina Schuster

Hallo zusammen.
Heute geht es weiter mit dem Interview-Marathon mit Selina Schuster. Nachdem sie uns letzte Woche schon vorgestellt hat, was sie selber gerne liest, geht es diese Woche darum, wie sie schreibt, was sie inspiriert und ob sie wirklich zu jedem Thema etwas schreiben würde.


1) Entscheidest du dich bewusst für ein Genre, bevor du dich zum Schreiben hinsetzt oder ergibt sich dies aus der inhaltlichen Idee?
Das kommt darauf an. Wenn ich etwas Historisches schreiben möchte, ist mir das in der Regel schon vor dem eigentlichen Schreiben klar. Ich muss dazu im Vorfeld viel recherchieren und mir Gedanken machen, wann und wo ich die Geschichte spielen lassen möchte und welche historischen Informationen ich dazu habe bzw. noch brauche. Mein Roman „Absinthe“ läuft beim Dryas Verlag als Gothic Novel. Da war ich selbst ein wenig von überrascht, dass er so eingeordnet und vermarket wurde, aber ich finde das Label passt im Endeffekt wirklich gut. 😉 Nur hatte ich es um ehrlich zu sein in keinerlei Weise darauf angelegt/intendiert und es schlichtweg als historischen Roman geschrieben. Er wurde eben etwas düster. Bei anderen Geschichten lasse ich mich gerne mal überraschen, wobei dann eher die Frage ist, wieviel Romantik und Humor ich miteinfließen lasse.

2) Wie war es die erste Rezension zu lesen?
Aufregend. :-D Ich habe mich wahnsinnig darüber gefreut, generell freue ich mich über jede Rezension, auch wenn sie vielleicht nicht volle 5 Sterne beinhaltet. Denn was nützt einem Autor ein Buch, das nicht gelesen wird?

3) Kannst du dir vorstellen in jedem Genre zu schreiben?
Oh nein, definitiv nicht. Thriller/Krimi könnte ich gar nicht schreiben und Fantasy liegt mir ebenfalls nicht absonderlich. Da fehlt mir bei beidem glaube ich die Vorstellungskraft. So richtig schnulzige Romance wäre auch nicht unbedingt meins, da kringeln sich mir allein beim Lesen schon oftmals die Fußnägel hoch. Generell bin ich was die Genres anbelangt, in denen ich schreibe, jedoch durchaus nicht auf eine Schiene festgefahren. Ich habe zwar einerseits einen Hang zu wirklich sehr düsteren Geschichten, die z.T. sogar Richtung Horror gehen und bin auch gerne auf historischen Pfaden unterwegs, auf der anderen Seite schreibe ich aber auch unglaublich gerne einfach Slice of Life Geschichten mit viel „Fluff“.

4) Wie kamst du zum Schreiben?
Ich glaube auf dem mittlerweile recht klassischen Weg. Ich war immer schon ein sehr fantasievolles Kind, habe schon in der Grundschule gerne Romane geschrieben und Comics gezeichnet und als Anime/Manga in meinen Teenie-Jahren in mein Leben traten, fing es mit dem Schreiben von Fanfictions an. Parallel dazu habe ich allerdings doch recht schnell angefangen, auch meine eigenen Geschichten zu schreiben. Mein Studium der Germanistik hat natürlich im Nachhinein noch einen großen Anteil an meinem Dasein als Schriftstellerin.

5) Was inspiriert dich mehr? Das, was du liest, oder das, was du siehst?
Ich wähle hier mal die dritte Option: Oftmals inspiriert mich das, was ich höre am meisten. Ich werde sehr stark von Musik inspiriert. Und irgendwie… ich habe das Gefühl, je mehr ich schreibe, desto weniger lese ich selbst. Von daher würde ich bei der Frage eher zu „was ich sehe“ tendieren. Generell inspiriert mich sehr viel, wobei ich es schwer genau benennen kann. Mich inspirieren Orte, an denen ich bereits war oder an die ich noch reisen möchte, geschichtliche Aufzeichnungen, andere literarische Werke, Musik/Lyrics aber auch Menschen, die ich kenne bzw. einige ihrer Eigenschaften/Angewohnheiten. 

6) Wie viele Geschichten geistern dir zur Zeit im Kopf herum?
Uff… diverse. Mindestens fünf. Neben dem zweiten Gothic Roman, den ich derzeit für Dryas schreibe und der im Februar fertig werden wird, hätte ich da noch die Fortsetzung eines Slice of Life Romans im Kopf, dessen Vorgänger bei Cherry Publishing veröffentlicht werden wird und an dem ich parallel derzeit auch noch tippere. Ansonsten gibt es da auch noch zwei weitere Geschichten, die angefangen sind und beendet werden wollen und… mein Baby. Der allererste Romanversuch meinerseits, angefangen im zarten Alter von 14. Er ist ein heilloses Durcheinander, aber ich habe mehr als mein halbes Leben damit zugebracht. Wenn ich irgendwann also mal ganz viel Zeit und Muße habe… schreibe ich ihn neu.

7) Wenn man noch nichts von dir gelesen hat, womit sollte man beginnen?
Ich denke tatsächlich mit „Absinthe“. Es gibt einen guten Eindruck davon, wie ich schreibe, wenn ich auf historischen Pfaden unterwegs bin – und das bin ich gerne und da mein Studienschwerpunkt in Geschichte das ausgehende 19. Jahrhundert war, ist er historisch definitiv sehr fundiert.

8) Was ist als Autorin dein größter Wunsch?
*hust* Joa… die Spiegelbestsellerliste wäre schon was 😉 Man soll ja klein anfangen mit seinen Träumen. Spaß beiseite: worüber ich mich wahnsinnig freuen würde wäre, wenn David Nathan mit seiner warmen Schokoladenstimme Absinthe als Hörbuch einlesen würde.

Bevor es nächste Woche weitergeht, schaut doch mal auf Selinas Seite vorbei:
instagram.com/selina__schuster

In diesem Sinne, fröhliches Lesen und freut euch auf die nächste Woche und auf ein weiteres Interview.

Dienstag, 25. Januar 2022

L. Frank Baum "Der Zauberer von Oz"

"Der Zauberer von Oz" ist wohl eine der Geschichten, über die nahezu jeder schon einmal etwas gehört, gesehen oder gelesen hat.
Die kleine Dorothy, ihr Hund Toto und das Haus ihrer Tante Em gelangen mittels eines Wirbelsturmes aus dem beschaulichen Kansas mitten in das Land von Oz. Beherrscht von vier Hexen und dem großen Oz trifft Dorothy auf sehr verschiedentliche Bewohner, um letztlich die Reise zu dem großen Oz mit einer Vogelscheuche, einem Blechmann und einem ängstlichen Löwen zu unternehmen. Sie alle wünschen sich von dem großen Oz, dass er ihnen ihren Herzenswunsch erfüllen möge. Sei es nach Hause zu kommen, Verstand zu erlangen, ein Herz zu bekommen oder mutig zu werden. Alle diese Wünsche prägen die Reisegefährten, die binnen kurzer Zeit eine Gemeinschaft bilden, in welcher jeder auf jeden Acht gibt und dem anderen zu Hilfe eilt, sollte es einmal brenzlig werden. Die Reise durch die verschiedenen Gebiete des Landes Oz bieten den Vieren so einige Gefahren und so gilt es den Zusammenhalt zu bewahren, um gemeinsam an das gewünschte Ziel zu gelangen.
Beim Lesen merkt man deutlich, dass das Buch aus einer anderen Zeit stand. Kleine Probleme, wenig Hektik und es wird viel Wert auf die inneren Werte und auf deren Entwicklung gelegt. Ein offensichtliches Kinderbuch, das aber soviel mehr zu entdecken bietet, dass es immer wieder zum Lesen und Schwelgen verleitet.
Die Ausgabe von MinaLima ist dabei eine wahre Augenweide. Grün wie die Smaragdstadt im Land Oz, mit ausklappbaren gelben Ziegelsteinweg und der grünen Brille (welche den Farbeffekt des Bildes hervorruft) unterstützt die wunderschöne Bebilderung und die dazugehörigen Accessoires die Geschichte und die Vorstellungskraft. Kleine Bildelemente in den einzelnen Kapiteln, aufklappbare Wege, bunte Kapitelcover, all das vervollkommnend das ohnehin schon große Lesevergnügen.

5 von 5 Zauberern 

Montag, 24. Januar 2022

Christina Feirer "Likest du noch oder lebst du schon?"

Oft stellt man sich die Frage, ob man sein Handy zuviel nutzt. Ein gutes Anzeichen dafür ist die Tatsache, wie häufig man es lädt. Täglich? Alle 12 Stunden? Jede Stunde?
Man hat den Drang jederzeit erreichbar zu sein, etwas zu verpassen, wenn man das Handy zur Seite legt. Man bekommt ein schlechtes Gewissen, wenn man nicht sofort antwortet.
Christina Feirer zeigt in ihrem Buch auf, welche verschiedenen Auswirkungen der Handykonsum auf das menschliche Leben hat. Zum einen der eigene Drang ein erfülltes Leben zu führen und sich fortwährend mit anderen zu vergleichen und zum anderen die allgemeine Sicht der Menschheit zum Thema Handys, Erreichbarkeit und Co.
Die zentrale Frage, auch von den von ihr zitierten Wissenschaftler, was nützt uns das Liken und das ständige Online sein. Der Fokus liegt bei dem Buch wesentlich auf den sozialen Medien und deren Effekte auf die jeweiligen Individuen. Eine genereller Verurteilung der sozialen Medien und auch einer allgemeinen Richtlinie, was zuviel Internetkonsum ist, sieht sich die Autorin kritisch gegenüber, da die einzelnen Leben oder auch Lebensabschnitte zu sehr voneinander differieren, um eine allgemein gültige Aussage zu treffen. 
Beschreibend ist allerdings, dass sie den Menschen das Multitasking und das Gefühl des damit verbundenen Stresses vor Augen hält und den Leser einlädt, sich selbst zu reflektieren und sich zu fragen, was ihm der Internetkonsum bringt. Mit vielen gedanklichen Anstößen motiviert sie den Leser seinen Internetkonsum zu hinterfragen und gerne auch einzuschränken und bewusster zu leben.

Doch in der Seifenblase der virtuellen Welt sind reale Menschen. Reale Menschen, die uns, wenn wir sie in Realität treffen, berühren können, die uns ergänzen in jeglicher Hinsicht. Das ist nicht virtuell, das ist real und wenn die räumliche Distanz zwischen den beiden Menschen das tägliche Sehen verhindert, so ändern zwei Smartphone-Bildschirme nichts an dieser Realität. So hat die virtuelle Plattform als Ausgang für die reale Freundschaft, trotz aller Suchtgefahren, doch etwas ziemlich Gutes. 

Es gilt abzuwägen, in welchen Situationen uns das Handy "schadet" und wann es uns eine Stütze ist und hierfür kann dieses Buch ein Anfang sein.

4 von 5 Likes

Sonntag, 23. Januar 2022

Christian Endres "Sherlock Holmes und die Tigerin von Eschnapur"

Sherlock Holmes...
Ja, ich kehre immer wieder zu ihm und seinen Geschichten zurück.
Warum? 
Weil ich die Struktur der Geschichten liebe? Weil ich immer wieder trotz mehrmaligen Lesens etwas Neues in ihnen entdecke? Weil ich diesen Geist bewundere, der immer wieder Probleme lösen muss?
Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus all diesen Elementen und es zeigt auf, wie hoch meine Erwartungen an Pastiches sind.
Kein Abklatsch, aber doch nicht zu anders oder dann gleich doch in die heutige Zeit mit Benedict Cumberbatch katapultiert oder doch lieber bei Jeremy Brett bleiben? Der Möglichkeiten und Umsetzungen gibt es viele und immer schwelt der Gedanke mit, wie ist die Umsetzung geworden? Noch mehr als bei all den anderen Büchern, die ich lese, muss der Sherlock Holmes im Pastiche für mich passen, sonst kann ich die neuen Geschichten kaum genießen.
Was soll ich sagen? Christian Endres versteht sein Fach. Er, der schon mehrere Sherlock Holmes Geschichten geschrieben und über die Jahre veröffentlich hat, legt mit seiner Kurzgeschichten-Sammlung eine Mischung aus Altbekanntem, neu Entdecktem vor und fühlt gleichzeitig in Bereiche vor, die Sherlock Holmes sonst eher selten betritt, ja, Sherlock Holmes wandelt inzwischen auch auf Twitter.
Man trifft alte Bekannte, ist ein Pastiche ein Pastiche, wenn Moriarty nicht auftaucht? Moran und Irene glänzen auch in kleinen Rollen, zumindest mehr oder weniger. Lestrade, Mrs Hudson und natürlich Dr Watson müssen einfach von der Partie sein.
Über Vermisstenfälle, Tode, lang gehegte Geheimnisse, der bedrohlichen siebenprozentigen Lösung schreibt sich Endres in das Herz jedes Sherlock Liebhabers, dass man die ein oder andere Andeutungen mit einem Augenzwinkern abnimmt und schlichtweg weitersuchtet.
Wer Conan Doyle Ausführungen genießt, sollte definitiv Christian Endres zur Hand nehmen. Man wird nicht enttäuscht, großes Detektiven-Ehrenwort.

5 von 5 Sherlock Holmes

Donnerstag, 20. Januar 2022

#AutoralsLeser: Selina Schuster

Oftmals nehmen wir Leser in einer Person nur den Autor war, doch das ist natürlich nur ein Teil der Wahrheit.

Ein Autor ist auch selbst ein Leser und ist durch das, was er gelesen hat beeinflusst. Doch spiegelt sich das Gelesene im Geschriebenen wider?
Wollen wir doch einmal sehen.  😉
Heute hat diese Autorin die Fragen zu ihrem Leseverhalten beantwortet:

Selina Schuster

1. Welches sind die drei besten Bücher, die du je gelesen hast?
    „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen (mein absolutes Lieblingsbuch), die
    Millennium-Reihe von Stieg Larsson und „Die Säulen der Erde“ von Ken Follett.


2. Wo liest du am liebsten?
    Als ich noch Studentin war, habe ich wahnsinnig gerne in der Bahn gelesen. Da
    ich mittlerweile jedoch kaum noch Bahn fahre, musste ich da etwas
    umorganisieren. Ich lese tatsächlich am liebsten auf der Couch oder in der
    Badewanne.


3. Welches Buch hast du zuletzt gelesen und würdest es weiterempfehlen?
    „Kiss in the Rain“ von der lieben Vanessa Carduie. Urban Fantasy mit hübschen
    Blutsaugern. 😊


Nachdem ihr nun wisst, was sie liest, könnt ihr hier schauen, was sie schreibt:
instagram.com/selina__schuster

In diesem Sinne, fröhliches Lesen und freut euch auf die nächste Woche und auf ein weiteres Interview.

Jan Steinbach "Das Café der kleinen Kostbarkeiten"

Luise ist seit fünf Jahren allein. Vor fünf Jahren starb ihr Mann. Sie fiel in ein so tiefes Loch, dass ihr Sohn Jochen sich fortwährend um sie kümmern musste. Da mutet es seltsam an, dass sie sich im fünften Jahr ausgerechnet über Weihnachten entschließt, Frankfurt zu verlassen, um ein Weihnachten in Lübeck zu verbringen.
Was kann sie dazu getrieben haben?
Jochen ist schier fassungslos.
Ludwigs Frau Ingrid ist vor neun Jahren verstorben. Damals schmieß er seinen Job und ging seiner Passion nach. Er wurde in der Tradition seines Großvaters Zuckerbäcker und eröffnete ein kleines Café mit seinen köstlichen Leckereien.
Das Schicksal will es, dass Luise in ihrem Urlaub in diesem Café auftaucht und sich die Frage ergibt, was braucht man, um glücklich zu sein und wann ist es zu spät, das zu tun, was man selber möchte?
Mit einer feinen Sprache liest sich die Geschichte der zwei Protagonisten, die sich in vielerlei Hinsicht so ähnlich und in manchen Punkten doch so verschieden sind. Was sie gemein haben, ist das Verständnis auf jemand anderen eingehen zu können und die Liebe zum Backen.
Man riecht förmlich die Gewürze, spürt die Hitze der Backstube und es läuft einem das Wasser im Mund zusammen, wenn über die Zubereitung der Leckereien gesprochen wird.
Eingebettet in die Vorweihnachtszeit nimmt es die Schärfe der Trauer und spendet gleichzeitig Trost, dass jeder Schmerz irgendwann nachlässt, wenn er denn auch nie ganz vergeht.
Eine schöne herzerwärmende Geschichte über Trauer, Mut und Neuanfänge.

4 von 5 Zimtsternen

Mittwoch, 19. Januar 2022

Unda Hörner "Der Zauberberg ruft!"

Der Ort für die Reichen und Schönen ward vor Zeiten eine Welt für Kranke. Davos war um 1890 das Mekka für Tuberkulose-Kranke und sonstige Lungenkrankheiten.
Jeder, der es sich leisten konnte oder jemanden hatte, der es sich leisten konnte, residierte in Davos. Trinkkuren, das tägliche Fiebermessen und das Liegen auf dem Sonnendeck, eingemummelt in Decken, Jacken und Mäntel, all das gehörte zu dem Alltag der vermeintlich Kranken, denn wie schon Thomas Mann in seinem Zauberberg andeutet, nicht jeder der nach Davos kommt, kehrt in sein altes Leben ohne Weiteres zurück.
Unda Hörner beginnt in ihrem Buch "Der Zauberberg ruft!" natürlich mit Thomas Mann und seiner Frau Katia. Katia Mann musste wegen einer geschlossenen Tuberkulose nach Davos reisen und auch wenn sie ihrem Mann einiges über diesen Ort in der Schweiz berichtete, so waren es laut Hörner doch seine eigenen Erfahrungen, die ihn inspirierten den Zauberberg zu schreiben.
Doch mit Thomas Mann begann erst die Phase der Schriftsteller in Davos, sein Sohn Klaus Mann sollte Jahre später folgen, ebenso Paul Éluard, René Crevel und Klabund.
Unda Hörner erzählt in eigenen Kapitel über die jeweilige Zeit des Literaten in Davos, wie es seine schriftstellerischen Fähigkeiten beflügelt hat und wie das Leben rund um Davos für ihn weiterging, denn Davos war für viele, trotz mehrfacher Besuche, oftmals nur ein Zwischenspiel.
Davos war der Ort der reichen Kranken, den man auch leid werden konnte, wenn man neben der Krankheit auch noch etwas anderes im Leben hatte und nicht im Fiebermessen und Fieberkurven vergleichen völlig aufging.
Ein interessantes Sachbuch, da es neben der Krankheitsgeschichte der einzelnen auch die weltgeschichtlichen Aspekte beleuchtet, denn in die Hochzeit der Tuberkulose-Behandlungen in Davos fielen zwei Weltkriege und das internationale Flair litt dadurch merklich.
Ein Buch, dass den Leser in eine andere Zeit eintauchen lässt, bei der eine leichte TBC den Kranken aus der Hektik das Alltags holte, nur um ihn die nächste Monate an einen Berg zu binden.

4 von 5 Zauberbergen

Montag, 17. Januar 2022

Erich Kästner "Till Eulenspiegel"

Erich Kästners Kinderbücher zeichnen sich durch ihre Kürze und ihren Wortwitz aus. Gerade die Bücher, die auf alt bekannten Erzählungen fußen, haben es dem deutschen Autor angetan.
Till Eulenspiegel ist hierfür ein Paradebeispiel. 
Zwölf kurze Geschichten werden in der Sammlung von Erich Kästner vorgestellt und mit einer passenden Bebilderung untermalt. Ein Kleinod für Kinder, denn so steht es im Nachwort, Kinderbücher wurden erst durch ihn Deutschland wirklich etabliert. Er nahm die Kinder als Leser erst und konfrontiert sie in seinen eigenen Büchern auch mit Problemen, zeigt ihnen, dass Menschen nicht immer gut sind und zieht sie zu mündigen Lesern heran.
Mit "Till Eulenspiegel" greift er auf bestehendes, deutsches Sagengut zurück und kürzt die einzelnen Geschichten auf die wesentliche Inhalte herunter. Ebenso stellt er nicht alle Geschichten, die es um und über Eulenspiegel gibt, vor, sondern er hat sich jene ausgewählt, die sich inhaltlich ein wenig in den Scherzen unterscheiden und die gleichzeitig zusammenpassen.
Immer gibt Till sich als Könner eines Faches aus, sei es Bäcker, Schuster oder ähnliches, um den jeweiligen Meistern das Leben ein kleines wenig schwerer zu machen und den Leser zum Lachen zu bringen.
Vermeintlich als Clown aus einem Zirkus entflohen, erkundet er die deutschen Lande, immer auf der Suche nach dem nächsten Schabernack. Das heißt für ihn aber auch, dass er niemals an einen Ort zurückkehren kann, da die Menschen ihm dort bekanntlich nicht gewogen sind. 
Eine schöne Geschichtensammlung für zwischendurch, die sich auch gut zum Vorlesen eignet. 

5 von 5 Schabernacken