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Samstag, 28. Februar 2026

Susanne Matthiessen "Ozelot und Friesennerz"

Mondän. Das ist das erste Wort, das einem einfällt, wenn man an Sylt denkt.
Zumindest in heutiger Zeit. Den Schönen und den Reichen gehörte die Insel, bevor das Deutschlandticket spruchreif wurde.
Aber stimmt das wirklich? Denn eigentlich gehören die 99 Quadratkilometer den Insulaner, doch diese gibt es immer weniger. Nicht nur, weil sie sich die Häuser kaum mehr leisten können, sondern auch weil die Insel keine Geburtenstation mehr besitzt. 
Doch die Geschichte beginnt in den sechziger Jahren. Die Protagonistin lebt mit ihren Eltern in Westerland und Pelze sind ihr Lebensunterhalt. Die Schönen und Reichen kommen zu ihnen, um sich beraten zu lassen und anschließend dem Kaufrausch zu verfallen, denn seien wir mal ehrlich, wer einen Pelz hat, kann auch einen zweiten gebrauchen.
Neben dem Alltag im Laden und zuhause mit den Übernachtungsgästen erzählt sie auch von den anderen Kindern, die ebenfalls mit dem Tourismus zu tun haben. Denn nach dem Krieg floriert dieser auf der Insel. Zu Beginn sind die Unterbringungsverhältnisse vielleicht noch spartanisch, doch auch hier zieht das Niveau immer weiter an. Ebenso wie die Ansprüche der Gäste, denn nichts ist in ihren Augen zu viel verlangt und nichts dürfen die Insulaner ihnen ablehnen, schließlich sind sie zahlende Gäste.

Nicht nur auf Sylt sondern auch in anderen Feriengebieten breitet sich in den letzten Jahren die Problematik aus, dass die Einheimischen dort nicht wohnen können und außerhalb des Tourismus keine anderen Jobs zur Verfügung stehen. Von anderen Menschen oft verpönt, ist es wirklich schwer, sich in die Einwohner hineinzuversetzen, da sie Stück für Stück ihre Heimat und ihre Kultur verlieren. Zudem kommt bei der Familie der Autorin der Wandel zum Tragen, dass ihr Broterwerb ersatzlos weggefallen ist. Sicherlich schwingt der Unmut darüber im Buch mit und auch die fehlende Beachtung dessen, was die Insulaner in der Saison leisten, doch ist das Buch auch ein Stück deutsche Geschichte, da es zeigt, wie Deutschland sich in den sechziger und siebziger Jahren wieder aufgebaut hat und was den Menschen in ihrem Alltag wichtig ist. Das Wechselspiel zwischen arm und reich bildet hierbei einen weiteren Reiz.

3,5 von 5 Fellen

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