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Samstag, 30. April 2022

Christian Hoffmeister "Google unser"

Die Götter der Vergangenheit haben ausgedient. Es gelten die neuen Mystizismen der Gottheiten: Amazon, Apple, Facebook und Google. 
Doch sie sind nicht allein im Olymp der modernen Gottheiten. Es gesellen sich seit Jahren immer mehr Silicon Valley Firmen am Firmament der Datensammler und noch nie waren die Menschen so bereitwillig ihre Daten ihren Gottheiten zu überlassen.
Sicherlich ist der Vergleich von Religion und moderner Informationskultur oder gar eine Gleichsetzung eine gewagte Ausgangsthese, aber der Autor kratzt hier nicht nur an der Oberfläche, sondern auf knapp 250 Seiten werden Thesen entwickelt und Zusammenhänge hergestellt, die einem als kritischer Techniknutzer vielleicht schon einmal an der Schwelle des Bewusstseins gekratzt haben, die man aber auf Grund des Wunsches der Nutzung einfach unterdrückt hat.
Man braucht diese Firmen im Alltäglichen nicht, aber sie machen das Leben leichter und das machen sie sich vielfältig zu Nutzen. Daten sammeln hier, Werbung streuen dort, selektive Informationen zusammenstellen bei einer bestimmten Eingabe, denn:
Der Leser ist heutzutage oftmals faul. Er will sich nicht durch alle Informationen wühlen. Er will sie schön aufbereitet in Sekundenschnelle vor sich haben. (Hier widerspricht zwar der Gedanke der Gottheit, da man selbst der Gottheit dienen sollte, aber sei es drum.) Man will bewusst eine Selektion und wundert sich aber dann, wenn die Selektion "bezahlt" ist.
Viele Ungereimtheiten und vermeintlichen Dienste am Nutzer werden entmystifiziert und beim Leser bleibt mehr und mehr ein schaler Geschmack zurück.
So wahr viele Einstellungen des Buches sind, so hat es mich seitenweise Kraft gekostet, es zu Ende zu lesen, der Vergleich mit der Religion im Allgemeinen und mit ihrer Wirkungsweise im Speziellen zieht sich oft seitenweise durch das Buch und verzerrt den für mich gewünschten Schwerpunkt des Buches. Sicherlich wird auf die Marktposition der "Big 4" eingegangen, doch war der religiöse Anteil für mich zu umfangreich.

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