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Montag, 2. März 2026

Tommaso Vitiello "Oscar Wilde - die Comic-Biografie"

Als Ire im Viktorianischen England hat man es nicht leicht. Wenn man den Engländern dann noch auf ihre sprichwörtlichen Füße tritt, kann das zunehmend zu Problemen führen. Oscar Wilde war vieles, doch definitiv nicht gesellschaftlich angepasst. Er hatte seinen eigenen Kopf, den er nicht nur einmal mit Gewalt durchsetzen wollte.

Die Graphic Novel steigt in sein Leben ein, als er in Amerika an seinen schriftstellerischen Vorstellungen feilt. Sollen es weitere Essays, Romane oder doch Theaterstücke sein? Das Publikum ist (in mehrfacher Hinsicht) nicht bereit für seine Texte und so nagt die Unzufriedenheit an ihm. Er, der von seinem Umfeld immer als grandioser Künstler dargestellt wird, hat nicht den Erfolg, den er sich wünscht. Als sich das Blatt gerade ein wenig wendet, kommt seine Affäre mit Bosie an die Öffentlichkeit. Die Gesellschaft ist entsetzt und so wird aus einem Prozess um üble Nachrede ein Prozess, der ihn ins Gefängnis bringt.
Die Comic Biografie hält sich sehr dicht am Lebenslauf von Oscar Wilde. Das einzige, was mir ein wenig zu kurz kam, war, warum die Menschen seine Texte nicht mochten und wie er sie zunehmend anstößig formuliert hat.

Das Buch unterteilt sich in mehrere Abschnitte, die spezielle Zeitpunkte (z.B. den Prozess und die Gefangenschaft) in Wildes Leben beleuchten und in denen auch seine Wirkung im Ausland thematisiert wird.
Die Zeichnungen sind weich gehalten. Sie wirken wie eine Hommage an Wildes frühe Frisur. Die Zeichnungen kommen ohne viele Details aus, zudem sind die Figuren manchmal vage gehalten, ebenso wie die Hintergrundgestaltung. Meinen Geschmack trifft dies nicht, aber es passt zum Inhalt der Biografie.
Unterschiedlich große Zeichnungen, auch mal als Platzhalter für längere Texte verwendet, führen dazu, dass das Auge nicht abschweift und man die unterschiedlichen Stimmungen innerhalb der Biografie wahrnimmt. Nichts wird beschönigt, aber auch nichts verrissen.

4 von 5 Dramatikern