Seiten

Donnerstag, 9. Juni 2022

Bernhard Jaumann "Der Turm der blauen Pferde"

Kunst kann vieles sein.
Betörend, verheißungsvoll, bildend, aufrührerisch und manchmal klebt auch das sprichwörtliche Blut an den Bildern.
Rupert von Schleewitz wird mit seiner Kunstdetektei beauftragt, die Provenienz eines Bildes zu prüfen. Dabei handelt es sich nicht um irgendein Gemälde, sondern um das seit dem zweiten Weltkrieg verschollene Gemälde "Der Turm der blauen Pferde" von Franz Marc. Verschiedene Spuren wiesen zum einen auf Berlin als letzten Ort, an dem das Bild gesichtet wurde. Zum anderen gibt es die Vermutung, dass das Bild mit anderen Gemälden aus einem Zug im Berchtesgadener Land von der dortigen Bevölkerung geplündert wurde. Rupert und seine Angestellten Klara und Max bemühen sich bei ihren Ermittlungen nicht von Macht und Geld blenden zu lassen und nicht der gefälligsten Spur aufzusitzen, denn jeder der Beteiligten hat seine Gründe den Detektiven zumindest einen Teil der Wahrheit zu verheimlichen. So ist es kaum verwunderlich, dass erst viele Bilder begutachtet werden und Expertisen gemacht werden müssen, bis man schlussendlich feststellt, dass alles doch ganz anders war.

Einen Krimi fernab seines eigentlichen Wirkungskreises zu konzipieren und diesen so spannend zu schreiben, dass der Leser nur so durch die Seiten fliegt, das ist eine wahre Kunst.
Der Autor mischt in seinem Krimi, den Mythos um das Gemälde mit realen historischen Fakten, unterfütterte diese mit künstlerischem Fachwissen und bietet dem Leser gleichzeitig eine Aussicht, wie es hätte gewesen sein können.
Die Geschichte gliedert sich in zwei Erzählstränge und nimmt den Leser dabei in die verschiedenen Zeiten und auch an die unterschiedlichen Orte mit, denn bei diesem Buch lernt man soviel über Kunst und den Umgang mit Kunst, wie man es bei einem üblichen Krimi nicht erwarten würde. 

Eine wunderschöne, dadurch aber eine sehr spezielle Form eines außergewöhnlichen Kunstkrimis, der zugleich der Auftakt einer Serie um die Kunstdetektei von Schleewitz darstellt.
Ein Krimi, der soviel mehr bietet, als die klassische Krimihandlung, dass ich direkt um zweiten Band greifen möchte.

5 von 5 Leinwänden

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen