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Dienstag, 5. April 2022

Marie-Sabine Roger "Ein Himmel voller Sterne"

Was hätte Merlin mit seinem Namen anderes werden können als Comiczeichner? Naja, vielleicht noch Disney-Darsteller, was er selbst einmal in einem Nebensatz andeutet.
Schöner könnte sein Leben zur Zeit gar nicht sein, ohne wirklich zu suchen, hat er seine Traumfrau gefunden, sie haben sich zusammen für einen Bauernhof entschieden, seine Comics verkaufen sich gut.
Doch dann stirbt weit vor seiner Zeit sein Freund Laurent, der als Vorlage für seine Comics diente und Merlin wird der Boden unter den Füßen weggerissen. Nicht nur, dass er mit der Trauer nicht zurecht kommt, Laurent hat ihm einen Brief hinterlassen und Merlin um etwas gebeten, was Merlin nicht zu erfüllen weiß. Was ist Merlin letztlich wichtiger, sein eigenes Leben oder der Wunsch seines verstorbenen Freundes?
Vorweggenommen: So traurig wie sich die Geschichte im ersten Moment anhört, ist sie nicht. Sicherlich ist Trauer ein zentrales Thema in dem Buch. Es geht um den Tod, darum, was es mit den Hinterbliebenen macht und auch darum, wie man sein Leben gestalten soll, wenn ein geliebter Mensch stirbt. 
Doch das ist längst nicht alles, denn wo der Tod ist, ist auch das Leben und das hat in diesem Buch etwas sehr Lebensjahendes. Denn während Merlin versucht mit dem Schmerz zu überleben, leben die Menschen um ihn herum weiter. Ein Mensch verliebt sich, seine Frau gräbt den Garten um, seine Freunde laden ihn zum Essen ein. Jeder trauert auf seine Weise, aber keiner sollte sich von der Trauer auffressen lassen und das liest man immer wieder zwischen den Zeilen. Das Buch macht dahingehend Mut, dass man in seinem Rhythmus das Ende der Trauer erreichen kann, wenn man es nur will.
Um den Leser nicht nur mit Trauer zu konfrontieren, hat die Autorin für Merlin eine sehr bildhafte Sprache entwickelt. In den, teilweise unmöglichsten, Situationen stellt er sich eine reale Szene als Comicstrip vor, skizziert sie in seinem Gedächtnis und nimmt somit vielerlei die Schärfe der Traurigkeit heraus, ohne dabei ins Lächerliche oder Geschmacklose abzurutschen.
Ein wunderschönes Buch, das einem zeigt, dass selbst hinter tintenschwarzen Wolken immer noch "Ein Himmel voller Sterne" darauf wartet, entdeckt zu werden. Welch famoses Versprechen.

5 von 5 Sternschnuppen

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